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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

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TieOdcrdeflischr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der ßcnn» und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <Ä lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <JK frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Berantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. Sl. Koch (Inh.:

Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Dienstag, 18. Juli

Kompensationen?

DieKöln. Zeitung" schreibt:

Das WortKompensation" hat nicht umsonst seine Bedeutung, und es besagt offenbar, daß die Schadloshaltung für die an einer Stelle ent­gangenen Vorteil« durch Entschädigung an einer anderen wettgemacht werden soll. Ob diese Stelle dem eigentlichen Entschädigungsgebiet nahe oder fern liegt, ist eine Frage, die nur nebensächlich sein kann. Wenn sich damit den Verhandlungen ein weiteres Feld eröffnet, so liegt es auf der Hand, daß die Lösung dadurch nicht er­schwert, sondern erleichtert wird. Die Hauptsache ist und bleibt, dah man für das, was man aufgibt, einen wirklichen Gegenwert bekommt und nicht, wo dieser Gegenwert gefunden werden kann. Die bisherige, mit ebensoviel Ruhe wie Entschiedenheit geführte diplomatische Aktion Deutschlands berechtigt zu der Hoffnung, daß unsere Diplomatie zu einem Schluß- ergebnis kommen wird, das uns den notwendigen Ausgleich der Interessen bringt, und daß das schließ­liche Abkommen in der Form einer wohlgefügten, kaufmännisch-befriedigenden Bilanz erscheinen wird. Welches die Gegenwerte sein sollen, die in diese Bilanz einzustellen sind, darauf sollte man sich nicht fest legen, schon des­halb nicht, weil Nichterfüllung etwaiger besonderer Wünsche nachher immer so gedreht werden könnte, als ob in ihr ein Zurückweichen Deutschlands zu erblicken sei. Der Aufsichts­rat einer Aktien-Gesellschaft wird immer zufrieden fein können, wenn seine Direktion ihm einen guten Jahresschluß vorlegt, der solide Besitzwerte nachweist und womöglich noch erfreuliche Dividenden abwirft. Wie sich der Abschluß im einzelnen züsammensetzt, das wird man der Direktion ü b e r l a s s e n können, und in dem Fall, der uns beschäftigt, um fo mehr überlassen müssen, als die Findung eines Ausgleiches zwischen den deutschen und den französischen Interessen unmöglich in einer sozusagen parlamentarischen Oeffentlichkeit, sondern nur durch Verhandlungen von Kabinett zu Kabinett erzielt werden kann."

In der mehr alldeutsch gerichteten Presse ist man über den Artikel derKöln. Ztg." sehr empört. Die Rhein. Wests. Ztg." meint:

So hat's das deutsche Volk nicht verstanden. Es wird dem Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft Deutsches Reich keine Entlastung erteilen, wenn ihm ein solcher Jahresabschluß vorgelegt wird. And die Konkurren­ten der Aktiengesellschaft werden guten Grund haben, sie für bankerott zu erachten, wenn auf die Fanfare von Agadir die Chamade der Wilhelmstraße folgen sollte. Denn es gilt von den deutschen Staats­männern mel mehr, als was Bismarck von der Presse sagte: daß es das deutsche Volk ist, das die Fenster­scheiben bezahlen muß. die sie in ihrer Unfähigkeit einrennen, daß es für unser im Welikampf ums Da­sein unendlich schwer ringendes Volk eine furchtbare Schädigung der Lebensinteressen bedeuten muß, wenn wirklich mit deutschem Ansehen und deutscher Ehre, wenn mit dem stolzen Kaiserwort von Tanger ein solches frevles Spiel getrieben werden sollte, wie es in derKöln. Ztg." mit der Kompensations- Bilanz vorgeschlagen wird."

Uns scheint dieser Kommentar etwas reichlich übertrieben. Es kommt im wesentlichen doch darauf an, daß durch dieKompensationen" unsere Lebens­interessen in Marokko nicht geschädigt werden. Man wird überhaupt abwarten müssen welchen Verlauf die Verhandlungen im einzelnen nehmen, eh« man so scharf Stellung nehmen kann. Zu dem Thema Kompensationen" schreibt dieDeutsche Orient Korr."

WerKompensationen" verlangt, gibt damit gleichzeitig zu verstehen, daß er gewisse Recht« oder Forderungen aufzugeben bereit ist. Davon hat man aber bis jetzt von deutscher Seite nichts verlauten lassen. Im Gegenteil liegt jetzt der KreuzerBerlin" vor Agadir zum Zeichen dafür, daß sich Deutschland in Marokko durch Frankreich nicht überraschen lassen will. Erst müssen Deutschlands vertraglich festge­legte Rechte anerkannt werden, dann wird man auf deutscher Seite vielleicht auch über Kompensationen zu sprechen bereit sein. Die Kompensationsobjektc aber werden möglicherweise weit eher in Marokko selbst, als außerhalb der marokkanischen Grenzen liegen."

Zu der Angelegenheit wird nun demB. T.' aus Paris gemeldet: Die Berichte über den Verlauf der Marokkoverhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland lassen trotz ihrer Kürze allmählich erkennen, in welchem Rahmen die bevorstehende Verständigung sich bewegen wird. Es ist anzunohmen, daß Deutschland Ge­bietsabtretungen außerhalb Marokkos, wahr­scheinlich an bet Kamerungrenze erhalten und durch klare Brrträge die wirtschaftlichen Inter­essen seiner Landesangehörigen in Marokko sichert, vielleicht durch eine Verbindung mit französischen interessierten Kreisen. Für dieses Zugeständnis würde das politische Uebergewicht Zrankteichs im Lande des Sultans ein für alle­mal anerkannt und es bliebe dem Sultan Mu- lay Hafid überlassen, sich mit seinen französischen Freunden abzufinden. Frankreich und Spanien hätten danach ihre Differenzen allein auszu­gleichen, wobei die Unterstützung und der Rat Englands voraussichtlich von Einfluß wäre. Die Meldungen der bestunterrichteten Pariser Zei­tungen stimmen darin überein, daß sie ein rasches Fortschreiten der Verhandlungen konsta­tieren und eine Verständigung als wünschens­wert bezeichnen. Ueber die weitere Dauer gehen die Meinungen auseinander, einige Blätter glauben, daß nach der von Kiderlen-Wächter ge­wünschten Ueberlegungsfrist der Akkord schnell abgcs^lossen werde, andere sind der Ansicht, daß nach Einigung über das Prinzip eines ehrlichen Handels die Erledigung der einzelnen Fragen noch viele Wochen in Anspruch nimmt.

Marokko.

Auslassung betNorbb. Allgem. Zeitung".

B e r l i n , 16. Juli. DieRordd. Allg. Zt." bemerkt in ihrer Wochenrundschau:Mit Be-

(Rachdruck verboten.)

Die Rückkehr |itr Natur.

Eine lachende Geschichte

Von Agnes Harder.

< Fortsetzung.)

Aber das junge Liebespaar, das nun an feiner Stelle faß, dachte nicht an Völkerschicksal, sondern an das eigene, an das Rest, das es haben wollte in der grünen Stadt des Lebens.

Ich wünschte, ich könnte ihn fordern," sagte Körner, und Gusti verstand, wen er meinte, und schlang ängstlich die Arme um seinen Hals.

Denn bei dem alten Herrn Körner hatte sich der Kiwitt in eine geradezu unglaubliche Gunst hineingeredet. Er entzog sich auch seiner Seelen­praxis, um stundenlang mit ihm zusammen zu sein. In dem kleinen Badeort hatte es der Be­sitzer von Nimmersatt nicht lange ausgehalten.

Das ist ja schlimmer als in einem Erbbe­gräbnis," hatte er erklärt, als er am dritten Tage zwischen den hohen, grünen Hecken einher­gegangen war, hinter denen sich die Villen ver­steckten.Und hier soll ich drei Wochen aus­halten? Der Junge aber sagt einfach, er habe Dienst und setzt mich auf Hungerkur, um mich geschmeidig zu machen? Daraus wird nichts. Rücken wir ihm etwas auf die Bude."

Und Herr Theobald Körner zog nach dem kleinen, befestigten Hafenstädtchen, das ihm in der Tat mehr Abwechselung bot. Da war der Pille Hof der Zitadelle mit den friderizianischen «Gebäuden, der Schildwache, den Gräben voll Mummeln und Fröschen, und da war der kleine |

Leuchtturm, der aussah, wie ein Spargel, den man hatte durchwachsen lassen, und der nun einen dunklen Kopf bekommen. Täglich gegen Sonnenuntergang stieg Herr Körner auf den Leuchtturm, sprach mit dem Manne, der die La­terne putzte, sah von der kleinen Galerie auf die roten Dächer des Städtchens, in die schmalen Straßen, nach dem Tief und dann zur Linken auf das Haff und zur Rechten auf die Ostsee und belästigte seine Umgebung mit den bekannten Laienfragen. Die Hafenanlagen mit ihrem mäßigen Treiben waren für ihn eine immer neue Quelle des Vergnügens, und er konnte seinen Beobachtungsposten für ganze Tage in der Jltzkefalle nehmen. Er ließ ein Dutzend frisch geröstete Neunaugen mit Behagen ver­schwinden, spülte mit Porter nach und fand, daß ihm diese Badekur vorzüglich anschlage.

Ich kann es noch aushalten, mein Herr Neveu," pflegte er dann zu dem Kiwitt oder dem Käpten zu sagen.

Einer von beiden war immer um ihn. Be­sonders des Abends, wenn jene sentimentalen Anwandlungen kamen, die der Genuß des Por­ters mit sich zu bringen pflegt, verließ ihn Ro- donath nicht.

Sie können jetzt Ihre Freundschaft gegen mich betätigen, Käpten," hatte Dietrich zu Ro- donath gesagt.Sehen Sie, Sie haben natür­lich ganz recht gehabt damals, die Sache mit dem Leutnant ist eine Kinderei wie ja die ganze Liebesgeschichte überhaupt, darüber sind wir Männer uns ja immer einig gewesen. Knalleffekt der Schöpfung, ich habe Ihnen die

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46. Jahrg,

1911.

friedigung werden in Deutschland die Erklärun­gen zur Kenntnis genommen, die in der Pariser Kammer am 11. Juli der französische Minister des Aeußern zur Marokkofrage abgegeben hat. Seine Worte haben, wie in Frankreich, auch bei uns günstig gewirkt und die Gesinnung, die da­raus spricht, wird in Deutschland erwidert. Für den Fortgang der gegenwärtig zwischen uns und Frankreich in der marokkanischen Frage geführ­ten Verhandlungen behält die wechselseitige Be­kundung einer achtungsvollen freundlichen Stimmung ihren Wert. Auch in der Presse beider Länder, von verschwindenden Aus­nahmen abgesehen, ist die Erörterung der Ma­rokkofrage mehr und mehr auf einen ruhigen Ton gestimmt, der, wo eine Verständigung auf­richtig gesucht wird, der richtige ist."

General Moinier.

Paris, 15. Juli. Aus Casablanca wird gemeldet: General Moinier, der vorgestern mit dem KreuzerForbin" aus Rabat eintraf, wurde von den Konsuln Frankreichs und Eng­lands sowie von dem Pascha der Stadt empfan­gen, die ihn zu seinem raschen und erfolgreichen Feldzug beglückwünschten. Der General, dessen Gesundheitszustand sich gebessert zu haben scheint, nahm sodann die Parade der Besatzung von Casablanca ab.

Die Spanier in Marokko.

Paris, 15. Juli. Aus El Ksar wird ge­meldet, daß die Spanier die sch:rifischen Mann­schaften fortgesetzt teils zur Desertion verleiten, teils gewaltsam festnehmen und zum Eintritt in den spanischen Tabor zwingen. Die Mahalla des Kaids Bendahan sei infolgedessen bis auf wenige Mann zusammengeschmolzen. Gegen­wärtig befänden sich im spanischen Lager an 3500 Soldaten. Ihre Offiziere erklärten offen, daß diese Streitkräfte dazu bestimmt sind, einen eventuellen französischen Angriff zurückzu- schlagen.

El Ksar, 15. Juri. DieAgence Havas" meldet unterm 14. Juli: Die unter militärischer Bewachung nach Tanger marschierende Pro­viantkolonne des Wachsen wurde hier von den Spaniern angehalten, die die Begleitmann­schaften entwaffnen wollte::. Da die Bedeckung sich weigerte, die Waffen abzuliefern, mußte der Proviantzug nach dem Lager Buznah zurück­kehren. Ein Angestellter von algerischen Untertanen wurde in El Ksar verhaftet.

San Sebast-ian, 15. Juli. Der Minister- prapoent, der Minister des Aeußern und der hier weilende spanij;e Botschafter in Paris hatten eine zweistündige Besprechung mit dem König, worin demselben über die internationale Lage berichtet wurde. Der Minister des Aeußern erklärte, der allgemeine Eindruck sei beruhigend. Heute nachmittag kommen der Ministerpräsi­dent, der Minister des Aeuß:N und der spa­

entsprechenden Stellen ja in dem Schopenhauer angestrichen, den ich Ihnen neulich brachte. Aber das Mädel ist schließlich die Tochter meines besten Jugendfreundes. Ich fühle mich für sie verantwortlich. Ich weiß, was Sie sagen wollen, Käpten. Hasse handelt jetzt nicht als Freund an mir, ist mein bewußter Gegner. Aber was tut das? Bin ich dann nicht im Gegenteil dop-, pelt verpflichtet, ihm beizust-chen?"

Rodonaths blaue Seemannsaugen, in denen sich der Ausdruck einer ungeheuren Ehrli,;eit mischte mit jenem feuchten Glanz, der vom Er g kam, hingen voll Bewunderung an dem Sprechenden.

Hindern wir den jungen Herrn einfach, seinem armen Oheim beständig zuzusetzen. Und da ich in Nachtsitzungen nicht stark bin, so über­lasse ich das Ihnen, Käpten."

Und Rodonath nahm an. Der Besitzer von Nimmersatt ließ sich nicht lumpen, und so kam eine selige Zeit für den Kapitän. Er trank seinen Grog für eine gute Sache, und ein an­derer bezahlte ihn noch dazu. Er nützte, wie er fest überzeugt war, Doktor Dietrich und seinem eigenen Magen. Zudem behagten sich beide. So unnatürlich die Freundschaft zwischen dem Ki­witt und dem alten Rumfaß so natürlich ließ sich das neue Verhältnis an. Für bett alten Seemann, bet doch tagsüber am Hafen herum­lungerte, war es eine Wonne, den schwerfälligen, aber lernbegierigen Großgrundbesitzer in die Ge­heimnisse der Nautik einzuweihen. Er stieg mit ihm auf den Leuchtturm, beobachtete die Dam- |

Nische Botschafter nochmals zusammen, woraus der Botschafter mit Instruktionen nach Paris zuruttrehrt.

Paris, 16. Juli. Aus Tanger wird ge­meldet: DieCorrespondencia d'Espagncna' wird das in Melilla erscheinende, von spanischen Offizieren redigierte BlattTelegramma del Riff" veröffentlichen die Behauptungen, der französische Jnstruktionsoffizier Hauptmann Moreaux, der Befehlshaber in der Gegend von El Ksar lagernden Mahalla, sei nach Tanger be­rufen worden, weil er aus der Jntendanturkass« 60 000 Duros, also an 200 000 Franks, verun­treut habe. Die in der Mahalla vorgekom- menen Dersertionen seien auch darauf zurückzu­führen, daß die Mannschaften derselben nicht mehr ihren Sold erhielten. Diese Behauptung habe in Tanger große Entrüstung hervorgerufrn. Der französische Geschäftsträger und der Leiter der französischen Militärmission Oberst Mangin würden alles aufbieten, um dem verleumdeten Hauptmann Moreaux Genugtuung zu ver­schaffen.

Deutsches Reich.

Sem Kaiser. Balestrand, 15. Juli. Der Ka.jer nahm gestern nachmittag die Vorträge des Kabinettschefs und des Vertreters des Aus­wärtigen Amts entgegen und erledigte abends die mit dem Feldjäger nach Berlin zurück- gehenden oadjen. Heute vormittag besichtigte der Kaiser das hier vor Anker liegende Ka­dettenschulschiffHansa". Der Kaiser besich­tigte heute vormittag das SchulschiffHansa' und begab sich noch vor Tisch nach VangenL wegen einiger Vorbereitungen für .das dort zu errichtende Frithjofdenkmal. Nachmittags 5 Uhr fand Tanz auf derHoheitzollern" statt, an wel­chem 26 Norwegerinnen bis kurz vor 8 Uhr tc.l- nahmen. Das Wetter ist nicht mehr so bestän­dig, es wechseln vielfach Wind und Regen. An Bord ist alles wohl.

Soz ialdemokrati sche Niederlage. Essen, 15. Juli. Bei den Wahlmänner-Ersatzwahlcn für die Landtagsersatzwahl int Kreise Hattin­genWitten verloren die Sozialdemokraten 20 Wahlmänner.

Einnahme bet Reichskasse aus bem Bank­wesen. Die Einnahme, bie die Reichskasse aus dem Bankwesen im Rechnungsjahre 1910 gehabt hat, hat genau 20 040 030 J*. ausgemacht. Der allergrößte Teil davon entfiel auf den Anteil des Reiches an dem Reingewinn der Reichsbank, während aus der Steuer von den durch ent- sv ./enden Barvorrat nW der Rest aufgebracht wurde.

Eine neue Eisenbahnzollorbnnng. Berlin, 15. Juli. In dem Entwurf einer neuen Eisen- bahnzollordnu: " ss-nd Vereinfachungen, wie sie

pfer, die von See kamen und ins Tief einbogen, erläuterte ihren Kurs, war dann beim Lösche« der Ladung dabei, und da sich all diese Dinge i« dem kleinen Städtchen so selbstverständlich an- schmiegten, daß es gar kein Fremdsein gab, so wuchs das Behagen Onkel Theobalds trotz der vertrackten Geschichte" von Tag zu Tag. Er mit seinem Neffen zusammen Mittag und fand auch dessen Kameraden so liebenswürdig, daß er steifnackiger als je an feinem alten Plan fest- hielt, den Jungen erst mit fünfundzwanzig aus der Löwenhaut zu nehmen und sich durch keine Trotzaugen und kein Erübchenkinn daran hin­dern zu lassen.

Am gemütlichsten waren die langen Abends in der Jltzkefalle. Hier, wo Rodonath in der Nähe des messingenen Spucknapfes feinen St'mmplatz hatte, einen Eckplatz, in dem er früher das Recht des Einsamen grimmig zu ver­teidigen gewohnt war, hier spann er jetzt sein Garn. Immer wieder fuhr er nach den Bergen, gelte an derTydske Vryggen", bet deutschen Brücke, an, und erzählte von dem alten han­seatischen Kontor, von jenen dreitausend jungen und alten Kaufherren, die hier in einem er­zwungenen Zölibat zusammengepfercht waren, und von dem Loch hinter ihrem Bett, das die Natur sich erzwungen hatte. Leutnant Körner, der diesen abendlichen Sitzungen zuweilen bei« wohnte, nannte die ganze Gesellschaft einmal, Stockfische und nichts anders. >

(Fortsetzung folgt.)