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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

Marburg

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Jwo In4 und der Expe!

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Sonnabend, 15. Jnli

46. Jahrg.

1911.

TieOberbesiische Zeitung" erscheint täglich mit Au-nähme der Senn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <Ä (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen " ' ~ Edition (Markt 21) 2.00 '* frei ins Haus. (Für unver-

'anbt< Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gejpnltcnc Zeile ober deren Raum 15 /, bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 J.. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt all Barrabatt. Bet Konkurs kein Rabatt. Verbindlich­keit für Plah-, Datenvorschrift und Beleglieferung auSaeschloflen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Rr. 5015 des Pestscheckamtes Frankfurt e. M.

El Ksar.

Man schreibt unS:

Zwischen dem leise zum Mtttelmeer hin anstei­genden Bergzuge Djeballa und der sandigen Küste des Atlantischen Ozeans führt die Straße von Tanger auf El Ksar, einem Handelsstädtchen, das möglicher­weise wirtschaftlich eine bcbeutenbe Zukunft habest kann. Breite Flußtäler unb ein ganzes Retz kleiner Bäche durchziehen das kahle Hochland, dessen (Bros» wuchs in bi: trockenen Jahreszeit einen gar trost­losen Einbruch macht. Aus bet welligen Landschaft, durch welche die Straße in zahllosen Windungen sich schier endlos hinzieht, tauchen hter und da einsame Zwergpalmen, Ginsterbüsche, Goldwurz« auf. Nur wo der Winterroggen seine wunderbare Wirkung auf die scheintote Natur ausübt«, lachen fröhliche Farben. Aber wahr ist es auch hier im El Moghreb el Achsa, was ein englischer Reisender einst von Südafrika sagte:Die Vögel singen nicht, die Blumen duften nicht, die Frauen haben keine Tugend, aber schön sind sie alle.".. Ganze Völker von Kiebitzen beleben die Landschaft.

Weiter gegen Süden treten schon Felder auf, auf denen Gerste, Mats und Weizen gebaut werden. Ge­mähte Alphawtesen treten vereinzelt auf.. Auf den Hügeln sind Dörfer entstanden. Die flachen Dächer der Lehmhäuser lugen kaum über die Kakteenheckei hinweg, die sie rings umgeben. Bald verschwinden die Lehmziegelhäuser. An ihr« Stelle treten leichte, dunkelfarbige Zeltdörfer, in denen die braunen Be­sitzer der Rinder-, Schaf- und Ziegenherden Hausen, hie jahraus, jahrein in dem milden Klima die Weide rtte verlassen. Sie stehen vortrefflich im Fleische, das beste Zeichen dafür, daß die zahllosen Pflänzchen und Sträucher doch nicht so wertlos sind, als sic er­scheinen. I« mehr wir uns El Ksar nähern, je öfter treten auch Gruppen wilder Olivenbäume auf. Der Weg ist belebt. Retter und Fußgänger, Braune und Europäer wandeln ihn: besonders Spanier findet man häufig, die als Händler oder fleißige Bauern auf arg zerfchundenen Eseln dem 90 Kilometer ent­fernten Tanger zustreben.

El Ksar zieht sich lang am Ufer des Wedi Lukkos hin. Es ist «in kleines Paradies, das der Sultan Fakub el Mansur vor Jahrhunderten schuf. Aus tief- grünen Orangehaine und graugrünen Olivengärten erheben sich zahlreiche Minaretts. Dort, wo im Sch.tten gefiederter Palmen die kleine Moschee des Sidt Jakub steht, ist der Eingang zur Stadt, die heute von den Spaniern besetzt ist. Man sollte an­nehmen, daß El Ksar, El Ksar el Kebir, die große Burg, von einer gewaltigen Mauer umgeben sei. Die Spanier fanden eine offene Stadt. Drüben, jenseits des Fluffes, liegt die Mahalla des Sultans unter Führung abenteuerlustiger französischer Offiziere, die ihrer Eloiresuch nur zu gern die Zügel schießen las­sen. Und auch die wenig einheitlich gekleideten Sultanssoldaten brennen darauf, ihre Flinten zu probieren. Der Respekt vor spanischen Soldaten ist nicht groß. Gerade El Ksar mag sie daran erinnern, daß ihre Vorfahren hier einmal in altersgrauer Zeit

' -ion.)

Die Rückkehr Uaiur.

-.y^lne lachende Geschichte

Von Agnes Harder.

(Fortsetzung.)

Während der sinnierende Schuhmacher die Damen mit den Speilen in den Schuhen verglich, die man weise einklopfen müsse, denn wenn sie hervorlämen, dann wäre das Gehen kein Ver­gnügen mehr, ordnete man sich zur Polonäse und Leutnant Körner, dem sein Onkel von der einen Seite auffallende Zeichen machte, und Eusti, die ihr Vater ihm mit Gewalt zu entreißen gedachte, fanden sich und gingen im Zuge mit Vortritt der Musik nach dem Rondel, wo man sich grup­pierte und das Feuerwerk erwartete, Seinet­wegen waren noch eine Menge Kinder dageblie­ben, schläfrig an den Rockfalten der Mutter hängend, und die Leuchtkugeln mit jener gereiz­ten Fröhlichkeit begrüßend, hinter der sich die Weinerlichkeit versteckte. Aber Rodonath, in dem der Geist des Grogs wirkte, machte seine Sache gut. Der kranke Tischlermeister Kerlach, der sein Bett ans Fenster hatte rucken lassen, um beobachten zu können, wie hoch die Raketen flo­gen, wurde so neidisch, daß er dem Lehrjungen, der bei ihm geblieben war, zuschrie, er solle die Laden schließen, und sich dann nach der Wand drehte, weil zuweilen noch ein Lichtstrahl durch das Herz tjn Fensterladen zuckte.

Aber als alle Sonnen mit einem Rrrrr her­untergebrannt waren, und sich müde gelaufen hatten und verpufft waren da gingen die stillen Schönheiten der griechischen Feuer an, rote Rudtes die bengalischen Flammen immer

der Portugiesenherrschaft nach blutiger Schlacht ein Ende bereiteten. Noch einmal sammelte sich bas Heer bei Weißen bei El Ksar, am 4. August 1578 schlug sie der Maurenfelbherr Abb el Malik auch hier. Mir Don Sebastians Ritterschaft ging hier ber Stern der christlichen Kultur in Nordafrika unter. Fortan stand nun bas Laub unter ber ständigen Herrschaft ber Maurensultane. Für die Wirtschaft ist es bezeichnend, baß Berge von Mist bei ber Stabt liegen; es ist ein Mund-r, baß nicht öfter verheerende Krankheiten die 10 000 Köpfe zählende Bevölkerung dahinraffen. Wirtschaftspolitisch ist der Ort hervorragend gelegen. Wenn die Bedeutung der Stadt heute noch minimal ist, so liegt das daran, daß die wilden Bergbewohner, die nie den stolzen Nacken vor den Herrschern in Fez beugten, die Kaids und Steuerbeamten fortzujagen pflegen, nicht wagen, ihre Produkte hierher zu brin­gen, da ihnen die grausame Rache ber Willensvoll­strecker bes Machsen gerabe in El Ksar droht.

Das kann anders werden, wenn die Spanier den Weg von den Bergen nach Alkasar und diese; selbst beherschen. Aber drüben, jenseits des Flusses, liegen eben Sultanstruppen und wehren ihnen den Weitermarsch, wie einst Abd el Maleks Scharen hier die Wacht gegen die Portugiesen hielten. Wird der Lärm blutiger Gefechte die große Stille unterbrechen, welche auf der endlosen Landschaft liegt? . . .

Zur Lage.

Berlin, 18. Juli. DieRordd. Allg. Z." schreibt: Wie wir erfahren, tritt das Schiff Panther" nunmehr von Teneriffa aus seine Heimreise an. An seiner Stelle übernimmt der derzeitige Stationär von Deutsch-Südwestafrika Eber" für den vor Agadir liegenden Kreuzer Berlin" den Post- und Telegraphendienst und löst di«Berlin" zeitweilig ab. falls diese zum Kohlennehmen vorübergehend einen anderen Hafen aufsuchen sollte.

London, 13. Juli. Im Unterhause beant­wortete Sir Edward Grey die Anfrage, ob er irgend eine offizielle Mitteilung erhalten habe, daß die Unionstaaten bei der deutschen Regie­rung wegen der Besetzung von Agadir Vorstel­lungen erhoben hätten mit der Begründung, daß die Besetzung die Interessen des Panamakanals schädigen würde, mit nein.

Paris, 13. Juli. DasEcho de Paris" schreibt über den französisch-spanischen Zwischen­fall von El Ksar: Es ist höchste Zeit, daß die Madrider Regierung ihre Beamten an die Ach­tung vor den internationalen Vestimungen er­innert, sonst könnte sich demnächst in El Ksar oder Umgebung ein ungewöhnliches ernstes Vor­kommnis abspielen. Man darf nicht vergessen, daß in der Rühe von El Ksar eine von franzö­sischen ^Zizieren befehligte scherifische Mahalla lagert. Wenn zwischen dieser und den spanischen

nannte, und ein Ah! brach von allen Lippen bei dieser neuen Morgenröte, und dieses Ah! wurde zu einem Oh!, denn der Käpten hatte zuerst die Liebesbank von zwei Selten in Angriff genom­men, und auf der Liebesbank faßen der Post­direktor und die süße Laura, und wer noch da­ran gezweifelt hatte, der wußte nun im Namen der Moral, daß sieverlobt" sein mußten. Sie rührten sich auch nicht in ihrer maßlosen Ueber- raschung, und erst als der Schützengarten wieder in Rächt tauchte und das homerische Gelächter am Rondel sich legte, sagte Laura, sie möchte in die Erde sinken. Es half ihr aber nichts, sie mußte ihren Arm in den des Postdirektors legen und zu Fuschchen Hasse gehn und zu Frau Rudies, und er teilte ihnen feierlich feine Ver­lobung mit, leider aber auch eine solche Ver­schlechterung seines Leberleidens, daß er sckon in den nächsten Tagen nach Karlsbad reisen müsse. Und erst als er diese For merfüllt hatte, dachte der gute Postdirektor daran, daß er sich in der Hitze auf dem versteckten Plätzchen gerade hatte die Weste aufknöpfen wollen und daß ihn nun das Unglück doch wenigstens in full dress getroffen habe.

Es war aber wirklich ein noch nie da- gewesencs Feuerwerk, denn noch in das grie­chische Feuer mischten sich die Flammen des Himmels, und ein Gewitter brach los, und die Schleusen des Himmels öffneten sich. Da be­lebten sich die nächtliche!» Straßen mit Frauen, die ihre Kleider hochrafften und ihre weißen llnterröcke preisgaben. Sie breiteten die Taschentücher über die Hüte und riefen um Hilfe, wenn sie den Rinnstein übersteigen muß­ten, denn die Gohfe schoß dahin wie ein Berg­strom. Der Schützenkönig trag seinen Jüngsten

auf dem Arm und das Wasser floß in sein Ee- \

Truppen Flintenschüsse gewechselt werden sollten, bann wäre ein gewaltsamer Bruch mit Spanien zu befürchten. Die spanische Regierung muß wissen, daß Frankreich an der Grenze seiner Ge­duld angelangt ist.

Politische Umschau.

Jatho über die Urteilsbegründung.

Köln, 12. Juli. Pastor Jatho wendet sich vor dem Antritt seiner Erholungsreise in den Evangelischen Eemeindenachrichten" nochmals an die Gemeinde und erklärt u. a. bezüglich des über ihn ergangenen Urteils:Wunderliche Wege gehen die Menschen, wenn sie das Ver­hältnis des Nächsten zu Gott beurteilen wollen. Weil es an einem allgemein gültigen Maßstab fehlt, womit man dies Innerlichste messen könnte, so machen sie sich selbst eine Maßschnur und legen sie ohne Bedenken auch an die selbst­ständigsten und eigenartigsten Naturen an, als ob sich das Geheimnis des Göttlichen nach dem Einmaleins ausrechnen ließe. Statt die inneren Siegeln aufzusuchen, nach denen die Persönlich­keit als ein Kunstwerk des Geistes sich entwickelt, kommen sie mit fremden Meinungen und Satzungen heran, vergleichen eins mit dem an­deren und stellen fest, daß etwas fehlt; zuviel ist nie vorhanden, immer zu wenig. Ohne etwas von dem zu ahnen, was in den Tiefen des Ge­müts und des Willens sich regt unb btängt, sind sie schnell fertig mit bem Urteil, wie bie un­erfahrene Jugenb, unb setzen bas Punktum, wo ber tiefer Blickende sich scheut, den ersten Feder­strich zu tun. Es fehlt ihnen bie Ehrfurcht vor bem Originalen unb darum die Ehrfurcht vor Gott."

Weiter liegt ein Brief vor, in bem er fol- genbes ausführt:Unb als ich nach wenigen Tagen wieber zum Rheine fuhr unb in meinen Garten trat, war alles vergessen unb alles wie­ber gut. So hatten feine Blumen noch nie ge­blüht. So in Jubel unb Lust hatte ich feine Bäume noch nie rauschen hören. So holdselige Lieder waren nie aus den tausend Kehlen der Vöglein geströmt. Nun will ich aber auch im Garten bleiben. Wir richten ihn ein wenig anders ein, aber wir wandeln nur um so freier darin. Einige trennende Hecken unb Aussicht versprrenbe Zäune hatten uns schon lange ge­stört. Jetzt sind sie ausgereutet und niebergclgt. Von allen Seite.: dringt die frische Luft herein und die Sonne lacht uns vom Morgen bis zum Abend. Sollten wir da nicht fröhlich sein? Mitten im Garten ba: wir nun mit neuem Eifer den wunderbaren Tempel aus lebendigen

wehr, unb Tischlermeister Eerlach, zu bem bie Blitze hineinleuchteten, burch bas Herz bes Fensterlabens, würbe rot vor Wut unb warf mit bem Kopfkissen nach dem Lehrling und schrie, er werbe aus ber Schützengilbe austreten, benn er hatte das ganze Feuerwerk mit fünf Mark bestreiten müssen, unb bem Einbringling, dem Radonath, hätten sie ja wohl bie ganze Vereinskasse an ben Döskopp geworfen, unb et wollte es nicht glauben, daß Gewitter war, bis seine Frau nach Hause kam und zum Barbier lies und ihm sechs Blutegel setzte. Aber als sie dann Salz auf die streute, damit sie abliefen von ihrer Arbeit, da war bas Gewitter rc-r unb bas Schützenfest auch.

8.

Zwischenspiele.

Es waren bes Kiwitt höchste, pe-.önttche Triumphe. Wie immer in bas Uebermaß ber Reife, mischte sich auch hier schon eine Ahnung bes Verfalls. Man hatte Bim nach bem Schützenfest in einem Zustanbe vorgefunben, ben man bei jebem andern mit: grenzenloser Jammer! bezeichnen würde. Der Nachtwächter, der im Städtchen noch umherging und pfiff, wenn bie alte Turmuhr geschlagen hatte, hatte ihn aufgelesen unb voller Erbarmen mit sich genommen. Für ben Sohn eines Nasiräers, ber sich schon beim Geruch geistiger Getränke über­geben mußte, war ja eigentlich diese Folge bes Schützenfestes nicht weiter wunberbar. Denn wieviel Alkohol hatte ber arme Bim nicht im Laufe bieses einen Nachmittags riechen müssen! Dennoch mischten sich in bie Stimmen der Verteidigung hämische, kleinliche Verdäch­tigungen. Noch blieb die Reformpartei Sie­gerin. Aber auch dieTemperenzler" schöpften

Sternen: einen Bau, von Gott selbst gesegnet, ein hohes lichtes Gewölbe, getragen von nichts anderem als vom Geist ber Liebe unb ber Wahr­heit . . . Niemanb soll mehr ängstlich fragen: Was will bas werben? Wir wissen bie Ant­wort: Frühling will es werben. Mit zarter Waffen Zier gewinnt er sich bie Welt. Geist unb Wahrheit entsteigen lange verschlossenen Grüf­ten, ein neues Hoffen klingt burch die Laube. Dank unb Freube finb seine Melodei."

Die Auslassungen zeigen, baß Jatho für bie Beurteilung seiner Anschauung kein Verstänbnis hat, baß er aber nicht so schwer baburch getroffen würbe, als seine Freunde glauben machen wollen.

Die Jathospende ist auf über 150 000 M an- r --^n.

Deutsches Reich

Reichstagskandidaturen. Das Zentralroayl- tomitee der Zentrumspartei des Wahlkreises Düsseldorf stellte einstimmig als Kandidaten für die Reichstagsersatzwahl den Bankdirektor Dr. Joh. Friedrichs von der Rheinisch-Westfälischen Diskonto­gesellschaft in Düsseldorf auf. Friedrichs ist Mitt glied des Hansabundes. Im unterfränkischen Wahl­kreis Schweinfurt fierte das Zentrum den Lmb* tagsabgeordneten Arbeitersekretär Schwarz als Kan­didaten auf. Das Mandat ist bisher B'sitz des Zen­trums, jedoch vor. der Sozialdemokratie stark bedroht. Im pfälzischen Wahlkreise Homburg-Kusel stellte das Zentrum als Kandidaten den Sekretär Rudlett auf.

Kein Petroleummonopol. Köln, 13. Juli. DasB. T." hatte bie Meldung gebracht, daß bem nächsten Reichstage ber Entwurf eines Pe­troleummonopols vorgelegt werbe. Dazu be­merkt bieKöln. Ztg": Nach Erkundigungen an zuständiger Stelle können wir versichern, daß diese Nachricht unzutreffend ist. Die Entstehung des Gerüchtes dürfte auf Erhebungen zurückzu­führen fein, die veranlaßt wurden, durch die bei ber letztjährigen Etatsberatung angenommene Resolution ber Abgeordneten Bassermann unb Dr. Stresemann, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, Erhebungen darüber anzustellen, in­wieweit durch das Vorgehen der Standard Oil Company und der Tolbteroesellsck>aft die Gefahr eine Monopolisierung d-s deutschen Petroleum- Handels unter Ausschaltung des Zwischenhan­dels vorliegt unb ob unter btefen Umständen die Errichtung einer unter Aufsicht bes Reiches stehenben Anstalt zum Vertrieb bes Petroleums im Interesse bet deutschen Volkswirtschaft liegt. Es liegt auf der Hand, daß diese erst vor kurzem begonnenen Erhebungen zu einem Ergebnis Mut. Auf dem Abschiedsfest bes Postdirektois sprachen sie es aus: ihnen hämmerte ber Mor­gen eines neuen Tages?

In diesem Gefühl kann ich Sie alle be­ruhigten Herzens verlassen. Ich scheide ohne Groll, nur etwas plötzlicher, als ich dachte. Aber ich bin Fatalist. Es war die Vorsehung selbst, die die Hand jenes Feuerwerks führte. Und hatte ich Gelegenheit, nachzuholen, was ich meiner lieben Freundin sonst vielleicht schuldig gebileben wäre. So bleibt der fremde Ein­dringling für ben Augenblick ber Sieger. Aber wenn ich mir ben Kreis, ben ich verlasse, rocht betrachte, so meine ich doch, es ist ihm nicht mehr zngefallen, als bie Rolle bes Sauerteigs. Unb bas ist gut so. Denn wir alle hier wir wollen bas als ehrliche Männer boch nicht leugnen! wir alle finb in Gefahr, einzuschlaftn. Wir leben wie bie Hamster in ihrem Bau. Ein wenig, ein ganz klein wenig hat ber fremde Eindringling recht."

Dieser Teil ber Abschiebsrebe hatte Wider­spruch erfahren, aber ber Apotheker stimmte zu. Er war wirklich ein neuer Mensch geworben. Am Abend vor ber Abreise seiner Frau war es sogar zu einer Versöhnung zwischen beiben ge­kommen, bie so rührenb gewesen war, baß Frau Rudies, als sie ber Schwägerin bie Schlüssel übergab, noch besonbers bat:

Halte ihn boch nicht zu kurz, Tinchen. Min- bestens einmal in ber Woche junge Hühner, und bann manchmal zum Abend gebratene Schleie ober Schusterpastete. Weißt bu, ich backe auch mal Schrnanbwaffeln. Wir haben es boch ver­fehlt in ber letzten Zeit, sonst wäre es nicht so schlimm geworben. Ach Göttchen, wenn es mir nur nicht so schwer würbe, abzufahren."

lFortsetzung folgt.)