Einzelbild herunterladen
 

1

Marburg

M 161

uud der Exvedition (Markt.21) 2.00 Jt frei ms Haus, (gur unoei« - .

. langt zugefandte Manuskripte übernimmt bte Redaktion keinerlei 12. fylllt

i nnih «murfihru^rpi «r 9 /Sufi.: «lutwvMf»

m .

Erstes Blatt

t

«

überwiegende Mehrheit unserer Jugend ist

tt

Schulen schreibt dieBerliner Börsen­ganz im Sinn« unserer Auffassung sehr

nt

höheren zettung" richtig:

®ie

n t» n

L i.

It n

46. Jayrg.

1911.

«

2

it r«

.r .I

A\ ll |8 -s g et

Der heutigen Numuier liegt bei Kreisblatt Nr. 51.

Die Frankfurter Hnitierfttät.

Zu der Meldung, daß die Verhandlungen des Herrn Adickes mit dem Kultusminister ungünstig verliefen, schreibt dieFrankfurter Zeitung":Es ist lediglich ein Stillstand zu verzeichnen und zwar nur mit Rücksicht darauf, daß der Minister demnächst in Urlaub geht. Nach seiner Rückkehr werden die Ver­handlungen wieder ausgenommen werden." Auch nach unser» Informationen stößt in der Tat der Plan, wie nicht anders zu erwarten, in Berlin auf Schwierigkeiten. Die Frankfurter verstehen es nun einmal Stimmung zu machen. Vor einiger Zeit be­haupteten sie schon frank und fre, die Gegnerschaft in den umliegenden Unive sitätssiädten hab« bedeutend abgenommen, es fehlt« nur noch, daß sie mitzuteilen wußten hier wünsche man direkt eine Frank­furter Universität, wie sie dies ja von Gießen bereits angedeutet haben. Jetzt wird Stimmung für eine» glücklichen" Fortgang der Verhandlungen mit dem Kultusministerium gemacht. Wir haben uns über das Projekt so oft geäußert und so oft die schwerwie­genden Gründe gegen dasselbe zum Ausdruck gebracht, daß wir vorerst von einem weiteren Eingehen aus die Frage Abstand nehmen wollen. Wir hoffen aber, daß die zuständigen Instanzen, gerade in dieser Zeit der Verhandlungen, di« Befürchtungen und Wünsche unserer Universitätsstadt in Berlin nachdrücklich zum Ausdruck bringen.

Politische Umschau.

3*r konservativen Stichwahlparole schreibt der Abgeordnete v. Zedlitz imTag": Für uns Freikonseroative bedarf es keiner be­sonderen Stichwahlparole für die bevorstehenden Reichstagswahlen. Unser« Partei hat sich in Wort und Tat stets zu dem Grundsätze bekannt, daß alle bürgerlichen Parteien unterschiedslos bei den Wahlen im allgemeinen und bet den Stichwahlen im besonderen gegen die Sozial­demokraten zusammenzuhalten haben. Bon die­sem im besten Sinne konservativen Grundsätze jetzt abzuweichen, liegt kein ausreichender Anlaß vor. Natürlich ist in der Vergangenheit in b e - sonderen Ausnahmefällen nicht nach jenem Grundsatz« verfechren rootbett. Aber im«

nehmigung des Regierungspräsidenten gefüllter hat.

Dem Abschluß eines Vertrages mit bc;r Corps Hasso-Nassovia über Erunderwerb zweä: Verbreiterung der Lutherstraße wurde ohne De­batte zugestimmt.

Ueber den Tausch eines der Armenverwal­tung gehörigen Grundstück« unter der Kirchspitze gegen ein städtisches Grundstück am Kaff erstat­tete Stadtv. Schollmeyer das Referat. Es han­delt sich nach seinen Mitteilungen darum, ein passendes Gelände für ein event. hier zu errich­tendes Kaufmanns-Erholungsheim zu finden. Das betr. Terrain eignet sich hierzu ganz vor­züglich, auch die Wasierversorgung läßt sich hier leicht bewerkstelligen. Sein Vorschlag, zunächst den Ortsarmenverband zu fragen, wurde nach einer Erklärung des Oberbürgermeisters abge­lehnt. Herr Schollmeyer nahm als Mitglied der Armenkommission einen ablehnenden Stand­punkt ein. Seine Ansicht sei, daß diese weder etwas verkaufen noch vertauschen solle. Der Oberbürgermeister wies darauf hin, daß die Rechtslage hier die sei, daß die Armenkommis­sion eine städtische Kommission sei, die Stadt aber die Oberaufsicht und die Verfügung über die Verwaltung habe. Im weiteren Verlaufe der Debatte hierüber wurde auch festgestellt, daß das fragliche Erunisstück für jetzige und spätere Fälle immer das besiere sei. Das Terrain an de, Eroßseelheimer Landstraße in der Nähe des Luftbades komme doch als Bauland wohl nie­mals in Betracht. Stadtv. Schollmeyer fügte hinzu, daß man die Rechte der Armenkommission doch nicht so hintenanstellen möchte. Das ihr ge­hörige Grundstück fei entschieden jetzt und auch in Zukunft wertvoller, wie dasjenige an der Eroßseelheimer Straße, welches der Stadt ge­höre. Der Oberbürgermeister trat den Ausfüh­rungen des Stadtv. Schollmeyer nochmals ent­gegen, die Sache mit dem Terrain an der Kirch­spitze sei nicht die gleiche, wie beim Waisenhaus. Beide Besitzverhältnisse seien zweierlei. Stadtv. Dr. Maurmann stellte den Antrag, das Grund­stück nur zu erwerben, wenn das Kaufmanns- Heim auch hierher komme. So lautet, wie gesagt wurde, auch der Magistratsantrag. Letzterer wurde angenommen mit dem Zusatz, auch den Wert des Grundstückes festzustellen.

Ueber den Abschluß eines Vertrages mit den Erben der Witwe Henke über Erwerb von Grundeigentum zur Verbreiterung der Erün- straße referierte Stadtv. Eichelberg. Die betr. Parzelle, welche 127 qm groß ist, soll für 150 -K an die Stadt abgetreten werden. Der Vertrag wurde genehmigt.

Bei der Bewilligung von Mehrausgaben für den Ausbau der verlängerten Biegenstraße han­delt es sich, wie der Stadtv. Volland mitteilte, um einen Fehlbetrag von 3660 <M, der dadurch entstand, daß dort größere Ausschüttungen und Pflasterungen nötig wurden. Im ganzen sind rund 3373 Jt nachzubewilligen. Wie der Stadt­baurat mitteilt, ließ sich der ursprüngliche Plan einer provisorischen Befestigung nicht ganz durch­führen; auch war das Auffüllungsmaterial dies­mal günstig zu erhalten. Die Vorlage wurde .genehmigt.

Bei dem folgenden Punkte Bewilligung von Stellvertretungskosten für erkrankte Lehrerin­nen der höheren Mädchenschule teilte Stadtv. Maurmann als Referent mit, daß 4 Lehrerinnen in Betracht kommen. Die nötigen Mittel wur­den bewilligt, ebenso erfolgte die Genehmigung einer Beihilfe für einen Oberlehrer der Ober- realschule zu einer Studienreise nach Frankreich und der Niederschlagung unbeitreiblichen Schul­geldes der Oberrealschule.

lleber die Erbauung eines Gebäudes auf dem städtischen Platz Ecke Kasernen- und Universt- tätrstraße referierte Stadtv. Geßner. Es soll dort ein EebäudefüreineSüdpost, we­nigstens sollen die Parterreräume dazu einge­richtet werden, hingestellt werden. Das Hau» wird von der Stadt gebaut. So schön das Plätz­chen wohl sei, so könne man wohl doch im Jnter- esie des Verkehrs nicht umhin, hier zuzustimmen. Die Vorlage wurde angenommen.

Der Punkt betr. »aufluchtlinienplan für die Umgebung des Marktplatzes und Rathause» wurde abgesetzt.

Dem Erlaß von «assergeld für die chirur­gische Klinik wurde, nachdem Stobt». Klee btt erforderlichen Erklärungen gegeben, zugestimmt. Der riesige Wasserverbrauch ist auf tittn Rohr-

DieLberhessische Zeit«»«" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« unb Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch . die Post bezogen 2.25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen uud der Exvedition (Markt.21) 2.00 Jt frei ins Haus. (Für unver-

3 i»

mer nur dann, wenn das Verhalten der Gegner in dem bürgerlichen Lager dessen Durchführung unmöglich machte. So wird auch bei den bevor­stehenden Reichstagswahlen verfahren werden. Bei der Schärfe der Parteigegensätze erscheint es nicht ausgeschlosien, daß solche Fälle politischer Notwehr diesmal häufiger vorkommen als sonst. Das ändert an der grundsätzlichen Stellungnahme gegen die Sozialdemokratie nichts, denn zur Ultima ratio der Neutralität wird immer nur dann gegriffen werden, wenn das Verhalten bürgerlicher Gegner dazu gerade­zu zwingt. Daß auch in solchen Fällen niemals eine Stimme für einen Sozialdemokraten abge­geben wird, ist selbstverständlich. Wenn Links­liberale für Stichwahlen mit den Sozialdemo­kraten auf freikonseroative Wahlhilfe rechnen, so werden sie also ihr Verhalten im Wahlkampfe im ganzen wie im einzelnen so einrichten müßen, daß deren Gewährung nicht unmöglich wird. Wird dies nicht beachtet, so werden sich die be­treffenden Linksliberalen dieFolgenselbst zuzuschreiben haben."

Sehr richtig!

Die Ueberbürdung der höheren Schule«.

Ueber die angebliche Ueberbürdung in unseren

Stadtverordneten-Sitzung

Marburg, 10. Juli.

Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme wurde verlesen, daß die Ordnung betreffs Fest­setzung der Zahl der Stadtverordnete« die Ge-

glücklicherweise recht leistungsfähig. Ein Beispiel! Die höchste Stundenzahl hat die Oberrealschule. Und doch bat gerade eine Oberrealschule in diesem Jahre zum zweiten Male in heißem Ringen mit Gymnasium und Realgymnasien auf dem Tempel­hofer Felde den Biemärckschild erworben. Schonen wir die Nerven unserer Jugend durch wesentliche Herabsetzung der an sie gestellten Forderungen, so muß notwendigerweise Entnervung Platz greifen zuin Schaden der Zukunft unseres Volkes. Denn wie kann der Mann arbeiten, wenn der Jüngling nur gelernt hat, in halbem Nichtstun die Zeit zu ver­träumen. Gerade das aber, daß die Schule arbeiten lehren, also vornehmlich erzieherisch wirken soll, scheinen die Frankfurter (Die Denkschrift der Frank­furter Acrzte. D. Red.) gänzlich vergeßen zu haben. Denn sonst würden sie nicht wieder diesen ganz müßigen, ja schädlichen Strei: um die beste Schul- gattung haben aufleben lassen, wie er angesichts der jetzigen Zustände an den Gymnasien durch die Be­kämpfung des Griechischen vom Zaune ge­brochen worden ist. Man kann sehr wohl ein Freund des Realschulwesens sein und einer Ver­mehrung der Oberrealschulen das Wort reden. Aber lassen wir den Eltern die Möglichkeit, unter den jetzt rvohandenenn drei Wegen den zu wählen, der ihrer Meinung nach der Begabung ihres Sohnes ent­spricht. Wenn auch zurzeit bei der Wahl der An­stalt noch vielfach unbegründete Vorurte'le Mit­wirken wie das. daß das Gymnasium die vornehmste Anstalt sei oder die höchste Bildung vermittle das wird schon anders werden.

Gänzlich zurückzuweisen ist der Borwurf, daß )te höhere Schule die Abnahme be- Militärtauglichkeit, die Zunahme der Kurzsichtigkeit, etwa auch noch der Rückgratverkrümmung verschuld«. Heute wird mehr geturnt, mehr Sport getrieben, als zu unserer Väter Tage«. Was für unglaubliche Drucke auf ab­scheulich m Löschpapier wurden unser» Großvätern in die Hände gesteckt! Und wo waren damals di« hngieuischen" Schulbänke? Wer dachte an «ine so raffinierte Ventilation der Klassenzimmer wie sie heut« in den neuen Schulgebäuden vorhanden st? Uebrigens sollte man mit der Behauptung, dieses oder jenes Leiden nehme im Volke zu. vorsichtig fein. So bat man früher vielfach das nicht als Rückgrat­verkrümmung erkannt, was heute als Rückgratver­krümmung gilt. Anderswo sind die Quellen der zu­nehmenden körperlichen Schäden. Jedermann weiß, daß unsere Jugend viel stärker zu Ver- gnügungen herangezogen wird al» früher. Ein begabter Schüler konnte kürzlich sein Examen erst 'in halbes Jahr später als beabsichtigt war, machen, weil er in dem kritischen Semester 17 Hausbäll« mitg « macht hatte. Und wie spät werden die Konzertgärten und die Restaurants von den Kindern verlassen, weil die Eltern noch nicht müde find! Sehr seltsam ist es übrigens, daß jetzt plötzlich wieder das FeldgeschreiUeber« bürdung" gegen die höheren Knabenschulen erhoben wird, nachdem in " n soeben erst den Mädchen die Aufgaben aufgebürdet hat, unter de en Last die Jungen zu­sammenbrechen sollen."

Verantwortung.) Druck der Unjv.-Buchdruckerei I. A. Koch: (Inh. Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

d, in

5- -ll t- u

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespalteue Zeile oder deren Raum 15 bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Feder Rabatt gilt als Barrabatt. Bet Konkurs kein Rabatt. Berbinblich- feit für Platz-, Datenvorschrift unb Belegliefer,mg ausgeschlossen. Zahlungen im Poftsckeckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Poktschecknmtes Krankfurt a. M.

Zur Lage.

Paris, 10. Juli. Der Berliner Korrespon­dent desMatin" hat von einer politischen Per­sönlichkeit folgendes über den deutschen Standpunkt gehört: Frankreich könne über die Entsendung desPanthers" nicht überrascht fein, da zweimal auf die Ereignisse hingewiesen worden sei, die eintreten könnten, wenn fran­zösische Truppen nach Fez marschieren. Das deutsche Schiff würde so lange vor Agadir bleiben, als die Interessen der deutschen Bürger bedroht feien. Diese Maßregel hat mit etwaigen Verhandlun­gen nichts zu tun und jeder Versuch einer Pression wäre vergeblich und unbedacht, da er aus einer ein­fachen Sch utzmaßtegel eine Ehren­sache mache. Deutschland wolle ein für alle­mal mit dem marokkanischen Wirrwarr ein Ende machen und nicht der Eventualität aus­gesetzt sein, daß in kurzer Zeit aufs neue Trup­pen in Marokko Besetzungen vornehmen. Mir der spanischen Aktion ifabe Deutschland nichts zu tun. Wenn ein Abschluß zwischen Deutschland und Frankreich erfolge, habe Spanien allein sich mit Frankreich zu arrangieren, DerFigaro" schreibt: daß es auf die Frage, wer das erste Wort zu sprechen habe, wenig ankomme. Die Hauptsache sei, daß die Aussprache ohne Hinter- gedanten und Verärgerung erfolge. Der Temps" glaubt den Wort! aut der an die deutsche Diplomatie gerichteten Frage der fran­zösischen Regierung zu kennen. Danach lautete diese Frage: Welche Bedeutung gibt Deutschland der Demonstration vor Agadir? DerTemps" fügt hinzu: Es ist eine Pflicht der französischen Presse, die Antwort Deutschlands ohne Ner­vosität abzuwarten. Es gibt verschiedene Lö­sungen, die mit den Interessen und der Würde Frankreichs völlig vereinbar scheinen, und es wäre unklug, das Werk der Diplomatie zu stören. Die britische Admiralität halte dafür; daß es im Augenblick durchaus nicht notwendig fei, die Lage in Marokko zu komplizieren, da der KreuzerBerlin" sich vor Agadir auf einfache Beobachtungen beschränke. Andere Abendblätter wissen zu melden, daß General Moinier nicht die Absicht habe, .am Tage des französischen Na­tionalfestes in Fez eine Revue abzuhalten, son­dern beabsichtige den stafselweisen Rückzug der französischen Truppen von dem Hauptquartier in Rabat aus ohne Verzögerung in die Wege zu leiten.

DieBosfische Zeitung" meldet aus Tanger: Hier und in Gibraltar erhält sich seit einigen Tagen das Gerücht von einer baldigen Ankunft eines englischen Geschwaders in Tanger, das be­reits hierher unterwegs sein soll.

Der KreuzerBerlin" bleibt.

In eine« Teil der französischen unb eng­lischen Presse ist die Forderung laut geworden, Deutschland solle noch vor dem Beginn der Ver­handlungen mit Frankreich den KreuzerBer­lin" aus den südmarokkanischen Gewässern zu­rückziehen. Demgegenüber erfährt dieN. Pr. Rott. von unterrichteter Seite, daß von bet Zurückziehung des deutschen Schiffes so lange nicht die Rede sein tann, als Frankreich und Spanien keine Miene machen, ihre Truppen aus Marokko zurückzuberufen. Deutschland behalt sich feine Entschließungen bezüglich bet Statio­nierung be« Kreuzers absolut vor unb wird bem Schiff nicht eher einen neuen Bestimmungsort anweisen, bis der letzte Mann der französischen unb spanischen Truppen, soweit sie nicht zu bet durch bie Algecirasakte eingesetzten Polizei- truppe gehören, Marokko verlassen hat.

Das Ortsstatut betr. die studentischen VereinshSuser.

Nach bet Drucklegung be» gestern an dieser Stelle aebrachien Artikel» wurde der Protest be» Au»- schusse» bet Marburger Studentenschaft bekannt. Zu ihm ist zu bemerken: Er ist durchaus verständlich, dich die akademische Jugend diese Angelegenheit nicht

vom nüchternen geschäftlichen Standpunkt aufsaßt, i daß sie wie wir alle in unserer Jugendzeit im korporativen Selbstgefühl leicht verletzlich ist. Es hätte dies vorausgesehen werben können. Das Orts­statut tonnte in der Form geschickter abgefatzt unb mußte vor allem geschickter inszeniert werben. Eine vorausgehende mündliche Orientierung des Aus­schusses hätte gar nicht das Gefühl aufkommen lassen, daß das Ortsstatut eine die Studentenschaftbe­leidigende" Maßregel fei. Auch jetzt wird dies noch gelingen, wenn man unserer für Recht und Billigkeit warm empfindenden akademischen Jugend nur an einem gerade z. Z. vorliegendem Falle zeigt, wie tief wirtschaftlich mindestens zwei Hausbesitzerinnen durch die geplante Umwandlung einer Privat-Billa in ein Vereinshaus geschädigt werden, welcher Scha­den der Allgemeinheit erwächst, wenn sich heute kein wohlhabender Privatmann zum Anbau in Mar­burg entschließen kann, solange ihm keine Sicherheit gegen eine plötzliche Entwertung seines Grundstücks gewährt wird.

Nach dem Protest soll ^>as Ortsstatut bte Stu­denten zu Bürgern 2. Klasse machen. Jeder hat das Recht sich anzubauen, wo tt will, nur den Studenten soll es genommen werden." Mit Verlaub: Mit herz­licher Freude würde es alle Marburger erfüllen, wenn möglichst jeder Einzelne der 2000 Studenten sich hier ein Wohnhaus bauen würde, wo es auch fei. Cs soll fernereine Schmach sein, daß von den 60 Straßen Marburgs nur 4. für die Studenten frei« bleiben sollen." Tatsächlich sind diese als unsere Hausgenossen in jeder Straße herzlich willkommen. Und für Vereinshäuser können doch von den 60 Stra­ßen mindestens 45, (vom Rübenstein bis Zwischen­hausen und bis zur Kappesgasse) schwerlich in Frage kommen. Gut die Hälfte aller für Vereinshäuser überhaupt nur brauchbaren Flächen und zwar die un­streitig bessere Hälfte soll für sie frei bleiben. Wenn bet Ausschuß nur die ganz geringe Anzahl von Kor­porationen in Betracht zieht. . für di« der Bau von Bereinshäusern überhaupt noch in Frage kommen kann wird er auch ohne genauere Kenntnis bet ge­schäftlichen Verhältnisse unserer Stadt erkennen, baß Schwierigkeiten bei der Auswahl eines geeigneten Grundstückes niemals entstehen können. Es liegt wirklich kein Grund vor, daß die Studentenschaft sich verletzt fühlt und in diesrr Frage sich solidarisch er­klärt. Man verwechsele doch nicht immer Universi­tät und Studentenschaft mit den wenigen Korpora­tionen, um die es sich überhaupt noch handeln kann. Aber noch einmal, das Ortsstatut kann geschickter ob« gefaßt werden. Es braucht nur bie vor etwa Jahres­frist ergangene Entscheidung des Bezirksausschusses in eine praktische Form zu bringen.