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M 151

Erves Blatt

46. Jahrg.

1911.

Marburg

Freitag, 30. Jani

regierung von dem Fortgänge der parlamenta­rischen Arbeiten ab. Das Fortbildungsschul­gesetz erhielt in der Kommission für die Regie­rung eine unannehmbare Fassung und es be­stand keine Hoffnung, daß hierin im Plenum noch eine Aenderung eintreten könne. Auch die Aussicht, noch mehrere andere Gesetze zu verab­schieden, wurde durch den Verlauf der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses zerstört. In­folgedessen sah die Staatsregierung trotz des glatten Fortgangs der Geschäfte im Herrenhause sich veranlaßt, von der erteilten Allerhöchsten Ermächtigung, den Landtag zu schließen, unver­züglich Gebrauch zu machen.

Gemeinsam« Schlußsitzung des Abgeord­neten- nnd Herrenhauses. Berlin, 28. Juni. Am Ministertisch Ministerpräsident v. Beth- mann-Hollweg und sämtliche Minister. An­wesend sind etwa 100 Mitglieder beider Häuser. Der Präsident des Herrenhauses, Freiherr von Manteuffel, eröffnete die Sitzung 5.10 Uhr. Der Ministerpräsident v. Bethmann-Hollweg verlas alsdann die Allerhöchste Botschaft, durch die die Session des Landtages geschlossen wurde, ii6et=' reichte dem Präsidenten die Urkunde und er­klärte den Landtag für geschloßen. Freiherr v. Manteuffel brachte sodann ein von den Ver­sammelten lebhaft aufgenommenes Hoch auf den König aus und schloß die Sitzung.

Zur Neuregelung der rechtlichen Stellung der Studierenden. Die Unterrichtskommission des Abge­ordnetenhauses hat sich in längeren Beratungen mit der Petition des Präsidiums der Berliner Freien Studentenschaft und der Freien Wissenschaftlichen Vereinigung an der Universität Berlin um einheit­liche Neuregelung des Studentenrechts befaßt, die auch dem Herrenhause vorgelegen und von ihm an die dortige Kommisiion zurückverwiesen war. Der Antrag auf Ueberweisung zur Berücksichtigung wurde mit allen gegen 2 Stimmen abgelehnt und es wurde beschloffen, dem Hause zu empfehlen, den Punkt 1 der Petitiongrundlegende Reform derDiszip­linarvorschriften für Studierende") der Staats­regierung zur Erwägung zu überweisen, den 2. Punkt (Ausführung des Beschlusses des Abgeordneten­hauses vom 13. Juni 1910 auf Neuregelung der recht­lichen Stellung der Studenten) durch die Beschluß­fassung bezüglich des Punktes 1 für erledigt zu erklären und über die weiteren Punkte (einheitliche Regelung des Vereins- und Versammlungsrechts der Studierenden für das Reich, sowie einheitliche Regelung des gesamten Studentenrechts im Reiche) zur Tagesordnung überzugehen, letzteres deshalb, weil eine solche Regelung Reichs- und nicht Landes­sache sei.

Ausland.

** Das Ende der Londoner Festtage. London, 28. Juni. Der Kronprinz und die Kronprinzes­sin nahmen gestern das Frühstück bei dem Her­zogspaar von Devonshire ein. Gestern Abend folgte das Kronprinzenpaar nach dem Theater einer Einladung des Earl of Derby zum Souper und Ball. Der heutig Besuch des Kronprinzen in Shorncliff galt seinem dort stehenden 11. Hu- saren-Regiment. Die Kronprianzessin besuchte heute Nachmittag das deutsche Hospital. Der erste Sonderzug mit den Krönungsgästen ver­ließ die Victoria-Station um 9 Uhr vormittags. Der Herzog von Connaught und zahlreiche diplo­matische Vertreter waren auf dem Bahnsteig erschienen. Unter be:. Abgereisten befinden sich der Erzherzog Franz Josef, der Kronprinz von Bulgarien, die Prinzen Philipp und Leopold von Sachsen-Koburg-Eotha, Kronprinz Danilo und PrinzeMn Militza von Montenegro, sowie Herzog Albrecht von Württemberg.

*« Unfall der dänischen Kronprinzessin. Ko­penhagen, 28. Juni. Als ein Kutter mit der Kronprinzessin und d:m Prinzen Knud an Bord bei Oeresund kreuzten, zerbrach plötzlich der Mast. Der Kutter lief auf Grund. Ein Ma­rinedampfboot nahm die Kronprinzessin und den Prinzen Knud auf und brachte sie an Land.

** Das neue französische Kabinett. Paris, 28. Juni. In den Wandelgängen der Kammer rief die Zusammensetzung des neuen Kabinetts bei den Sozialisten unverhohlen Feindseligkei­ten hervor. Jaur^s äußert sich besonders scharf darüber, daß der frühere Minister der öffent­lichen Arbeiten, Dumont, und der bisherige Mi­nister der sozialen Fürsorge, Boncourt,ausge­zischt" worden seien Das Verbleiben Dumonts, so erklärt Jaurtzs, wäre eine unumgängliche Notwendigkeit gewesen und sein Abgang bedeut« einen Rüchug vor den Bahngesellschasten. Be­reit» gestern wurde eine Anzahl neuer Inter­

pellationen angekündigt. So will d:r nationa­listisch-soziale Deputierte Delahayo über da» von den Großbanken begünstigte Eindringen fremder Wertpapiere und Major Driant über die Frage des Oberbefehls im Frieden und im Kriege interpellieren. In der Presse wird das neu Kabinett sehr verschiedenartig beurteilt. DiePetite Republique" schreibt: an seiner Ge­samtheit macht das Ministerium Caillaux einen guten Eindruck und die Befriedigung, die es her­vorruft, ist um so größer, als Herr Jaur^s seiner Unzufriedenheit bereits offen Ausdruck gab. Paris Journal" sagt: Das neue Kabinett wird die Stimmen der republikanischen Mehrheit auf sich vereinigen, obgleich eine Anzahl Sozialisten ihni feindselig gesinnt sein wird. Der kon- fe-vativeFigaro" schreibt: Das neue Kabinett sei nur aus Kreaturen Tombes' und Pellolans zufammnegefetzt.Libre Parole" schreibt: Die schwarzseherischsten Leute hätten nicht geglaubt, daß Caillaux bei der Bildung des Kabinetts sich zu solchen Ungereimtheiten und Herausforde­rungen verstehen werde. DasEcho de Paris" findet, daß das neue Ministerium vollständig dem Kabinett Monis gleiche.Eclair" meint, das Ministerium sei ein seltsames Gem'.sch von Widersprüchen, vollends aber die Ern:nnung de Selves' zum Minister des Aeußern übersteige alles. DerRadikal", das offizielle Blatt der Sozialistisch-Radikalen, spendet bereits heute den Absichten und Fähigkeiten Caillaux' das wärmste Lob. Die Minister hielten gestern Abend einen Kabinettsrat ab und stellten die im Parlamente abzugebende ministerielle Erklä­rung in den Hauptzügen fest. Sie beschlossen, alle Anstrengungen zu machen, um die Erledig­ung des Budgets zu beschleunigen.

** Der internationale Seemannsstreit. Lon­don, 28. Juni. 150 Polizei beamte gingen heut« von Birmingham nach Hüll ab. Die Unmöglich­keit, die an Bord der Schiffe befindlichen großen Vorräte an Butter, Eiern und Schinken in Hüll und in den anderen Häfen an Land zu bringen, ist besorgniserregend. Die Lage in Hüll wird stündlich ernster, da die Ausständigen die Schiff­fahrt vollständig lahm legen. Alle Hafenarbei­ter von Erimbsby treten morgen in den Aus­stand. Liverpool, 13. Juni. Die Soeleute des Expreß Brotain traten in den Ausstand und zogen zu allen großen Dampfern, um die Mann­schaften auszufordern, sich ihnen anzuschließen. Binnen 1% Stunden war die Arbeit auf allen nordatlantischen Schiffen zum Stillstand ge­bracht. Die Mannschaft des DampfersHavas fori), der nach Philadelphia bestimmt war, be­gann den Streik bevor das Schiff abgehen sollte und als schon alle Passagiere an Bord waren. Die Hafenarbeiter erklärten sich mit den See­leuten solidarisch. Manchester, 28. Juni. 3000 Hafenarbeiter und nahezu 1000 Seeleute, Heizer und Takler traten in den Ausstand. Der Schiffs­verkehr wurde dadurch zum Stillstand gebracht. Rotterdam, 28. Juni. Sechs Dampfer, da­runter der DampferSloterdyl" der Holland- Amerika-Linie verließen heute mit neuen voll­ständigen Besatzungen den Hafen. Der Reeder­verband macht bekannt, daß aus den Küsten­orten und dem Auslande so zahlreiche Arbeits­anerbieten eingegangen find, daß die Abfahrt der Schiffe in den nächsten Wochen gesichert ist.

Deutsches Reich-

Rückkehr des Reichskanzlers. Berlin, 28. Juni. Der Reichskanzler ist heute Mittag aus Kiel hier wieder eingetroffen.

Vom Bundesrat. Berlin, 28. Juni. In der heutigen Vundesratssitzung wurde die Vor­lage betreffend den Handels- und Schiffahrts­vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Ja­pan und der Vorlage betr. die vorläufige Rege­lung des Konsulatswesens . mit Japan zuge­stimmt, ebenso der Vorlage betr. den Entwurf einer Verordnung über die Wahlkreiseinteilung für Elfaß-Lothringen.

Plötzlicher Schluß des Landtags. Berlin, 28. Juni. Das Abgeordnetenhaus hielt heute drei Sitzungen ab, deren letzte äußerst stürmisch verlief. Fortgesetzt wurde die Beratung des Ge­setzentwurfes betreffend Abänderung der rheini­schen Landgemeindeordnung, die jedoch gegen­standslos blieb, da das Haus beschlußunfähig war. Präsident v. Kröcher teilte alsdann mit, daß der Schluß des Landtags für heute Nach­mittag 5 Uhr vorgesehen ist. Nach einem drei­maligen Hoch auf den König ging das Haus in die Ferien. Das Wolff-Bureau ist ermächtigt, dazu folgendes festzustellen: Der Schluß des Landtages war, wie bekannt, für Ende dieses Monats in Aussicht genommen. Die nähere Be­stimmung des Zeitpunktes hing fit die Staats­

Zur Landtagswahl

Die Partei Verhältnisse in unserem Wahl­kreise sind bekanntlich die verzwicktesten, dir man im deutschen Reiche überhaupt antrefsen kann. Bringt es doch sogar ein Vertreter der groß­städtischen Asphaltdemokratie vom Schlage der Welt am Montag" fertig bei uns Anhänger zu werben. Alle Parteischattierungen sind bei uns vertreten, und jede sucht sich möglichst einen eige­nen Kandidaten zu sichern. Was dabei heraus­kommt und kommen muß, ist klar: Der politiscye Kampf aller gegen alle, der leider auch bei den Parteien der Rechten mit am stärksten tobt Nun brauchte man sich darüber nicht besonders zu grämen, wenn die Sache nicht die lulange- nehme Begleiterscheinung zeitigte, daß" zuweilen Leute als Parlamentsvertreter gewählt werden, die keineswegs die Anschaungen der Mehrheit des Wahlkreises wiedergeben. Man denke nur an die Wahl des Herrn v. Eerlach im Jahre 1903 mit Hilfe des Zentrums und der Sozial­demokratie. Wir find ja auch leider dafür be­kannt, daß wir möglichst Vertreter ganz neuer Parteien in das Parlament versenden. Im wesentlichen infolge der oben angegebenen Gründe. Besser ist es freilich schon geworden dank der Einsicht der nationalliberalen und kon­servativen Kreise. Das zeigt T>ie gestrige Land- ta^swahl.

Nachdem sich in Herrn Prof. Bredt ein kon­servativ gerichteter Kandidat gefunden hatte, der geeignet erschien, die städtischen und länd­lichen Interessen im Parlamente wirkungsvoll zu vertreten, vollzog sich eine Einigung von 148 Wahlmännern auf ihn, die die Extreme rechts und links ausschlotz. Daß der Freisinn bei uns keine besondere Bedeutung hat, wußte man, daß aber dem Bunde der Landwirte, der bei einer der letzten Landtagswahlen noch über 40 Stimmen gegen den konservativen Abgeord­neten von Negelein aufbrachte, trotz einer ge- watrigen, in persönlichster Weise geführten Agi­tation von seinen eigenen Anhängern so stark verlassen würde, hatte man wohl kaum geglaubt. Es mutz darum gesagt werden, daß die Führer des Bundes, getrieben durch die Berliner Zen- tralinstanz und den Parteisekretär Buhl durch ihr Sondervorgehen der Sache des Bundes der Landwirte schwer geschadet haben. Unseren Landwirten ist die Kenntnis der wirtschaft­lichen Verhältnisse unseres Kreises, seine Nöte und Erfordernisse, wie man steht, entscheidender gewesen, als die Wünsche einer paralmentarisch- politischen Gruppe, der zuliebe sie einen Mann wählen sollten, gegen dessen Tüchtigkeit zwar nicht das geringste einzuwenden ist, der aber nach Lage der Dinge kaum imstande gewesen wäre, in für uns nicht gefahrloser Zeit Stadt und Land gegen scharfe und mächtige Feinde zu ihrem Rechte zu verhelfen. Sie haben sich ihr selbständiges Urteil bewahrt und Herrn Buhl eine treffliche Absage erteilt in dem Sinne, daß hessische Bauersleute sich nicht einfach dirigieren lassen, wie man in Berlin will. Wir haben uns mit diesem Verhalten der Bundesleitung ja be­reits öfters auseinandergesetzt, so daß es über­flüssig erscheint, auf alles dies noch einmal ein­zugehen.

Da der verstorbene Wahlkreisvorsitzende Karl Kaiser-Ebsdorf einsah, daß der Bund sich gerade hier int Wahlkreise Dr. Böhmes durch eine extreme Sonderpolitik schwer schädigen würde, hat er in kluger Voraussicht die Mitglieder des Bundes davon zu überzeugen gesucht, daß die Unterstützung eines Kandidaten wie Dr. Bredt das richtigste sei. Die Spuren dieser Taktik zu verwischen haben sich die Herren von der Zen­tralinstanz dann leider nach dessen Tode sofort bemüht, aber sie haben, und das kann man als Resultat der Landtagswahl feststellen, mit ihrer Politik keine Anhänger gefunden. Die 18 Stim­men für Herrn Lauer sind eine deutliche Absage. Wie sehr die Herren übrigens dem Bunde der Landwirte selbst geschadet haben, werden sie ja sehen. Der Sache der rechtsstehenden Parteien haben sie durch ihre Agitation gleichfalls keinen Dienst erwiesen. Das werden sie bemerken, sobald die Agitation zur Reichstagswahl einseht. Frei­lich wird man das nicht allzu tragisch zu nehmen -rauchen angesichts der Tatsache, daß, wie sich gegeigt hat, das Vertrauen zu Prof. Bredt weite Kreise beherrscht.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Verlagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 bei auswärtigen Anzeigen 20 J., für Reklamen die Zeile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gllt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlich- leit für Platz», Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Posischeckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 deS Postscheckamtes Frankfurt e. M.

Marburg und Umgegend.

(Nachd.uck aller Originalartlket ist gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhess. Ztg ' gestattet. 1

Marburg, 29. Juni.

Peter und Paus. Heute ist Peter-Paulstag An diesem Tage soll im Jahre 258 die Uebertragung der angeblichen Gebeine der Apostel Petrus und Paulus nach dem Vatikan stat^gefunden haben. Seit dem 4. Jahrhundert wird der 29. Juni als der ge­meinsame Todestag der beiden Apostel aufgefaßt und gefeiert. Für den Landmann ist der Peter-Pauls- tag ein Merktag des Fruchtjahres, dem nur der br- deutungsreiche Siebenschläfertag einigen Abbruch tut. Es steckt nur viel Aberglaube in der Bedeutung des Siebenschläfertages, dessen Wetter auf die ferner« Witterung in gar nichts schließen läßt, wie längst wissenschaftlich festgestellt worden ist. Es ist wohl Zeit, einmal mit dem Glauben an diese ebenso alt­ehrwürdigen, wie fragwürdigen Wetterbetrachtungea zu brechen. Schaden hat niemand davon, auch der Land­man» nicht! Denn unsere Wissenschaft gibt heul» viel bessereWettervoraussagungen".

Bom Bezirksausschuß. Die Ferien des Be­zirksausschusses beginnen am 21. Juli und endi­gen mit dem L September d. 3. Während bet

Politische Umschau.

Die Ausgestaltung der nächsten Handels- und Zollpolitik.

Es ist als ziemlich sicher anzusehen, daß die Vor arbeiten für die Ausgestaltung der nächsten Handels- und Zollpolitik in größerem Umfange einfetzen wer­den, sobald die nächsten Reichstagswahlen vorüber sein werden, also etwa im Frühjahr 1912. Einzelne Vorbereitungen s.nd schon jetzt getroffen durch die Erneuerung der Produktionsstatistiken für einige <5>e-- werbszweige, denen jedenfalls noch andere folgen werden. Bisher ist an dem Zolltarif vom 25. Dezember 1902, der mit dem 1. März 1906 zurEeltung gelangte, auch nicht in einem Punkte eine Aenderung vorgenommen worden. Das ist um so auffälliger, als der Zolltarif von 1879 gerade in der ersten Zeit seines Bestehens mehrfachen Revisionen unterzogen wurde. Der Grund für das jetzige Verfahren liegt aber nicht in dem Mangel an Wünschen aus Aenderung einzelner Zolltarifpositionen. Im Gegen­teil, solche Wünsche sind von den verschiedensten Seiten geäußert, einzelne auch von maßgebenden Stellen als berechtigt anerkannt. Wenn trotzdem keine Zolltarifänderung bisher vorgenommen worden ist, so ist wohl dafür der Grund maßgebend gewesen, daß man eine Aufrollung der ganzen deutschen Handels und Wirtschaftspolitik, die sich unstreitig an eine der­artige Zolltarifnovelle knüpfen würde, vermeiden wollte. Ob nach den nächsten Reichstagswahlen hierin eine Aenderung sich vollziehen wird, bleibt ab zuwarten. Wahrscheinlich ist sie nicht. Es dürfte vielmehr die Erfüllung aller bezüglich der Aenderung der Zoll- und Handelspolitik geäußerten und noch zu äußernden Wünsche auf die allgemeine Zolltarif­revision verschoben worden, deren Vorbereitung nach den nächsten Reichstagswahlen einsetzen wird. Des­halb dürften auch alle Erwerbszweig«, die die Um­gestaltung einzelner Zolltarifpositionen herbei wünschen, gut tun, sich darauf einzurichten, daß eine Entscheidung über ihre Wünsche erst gefällt werden wird, wenn die allgemeine Zolltarifrevision im Reichstage zur Beschlußfassung gestellt sein wird. Es ist demnach wahrscheinlich, daß der Zolltarif vorn 25. Dezember 1902 nahezu 12 Jahre in Kraft bleibt, oh«« daß er irgendeiner Aenderung unterzogen rttifen wird.

Di« Wahlurnen.

Di«Seil. Polit. Nachrichten" schreiben:

In der liberalen Presse wird dem Minister des Innern ein Vorwurf daraus gemacht, daß er mit Rücksicht auf die Verpflichtung der Gemeinden, die Kosten der Wahlurnen zu tragen, abgelehnt hat. für diese eine besondere Form vorzuschreiben. Man unterstellt ihm dabei die Absicht, für etwaige Wahl­mogeleien auf dem flachen Lande die Möglichkeit be­stehen zu lassen. Diefe Unterstellung entbehrt jeder Begründung, denn es wird völlig übersehen, daß. wenn Wahlvorstände, welche entgegen der mini­steriellen Vorschrift sich solcher Wahlgefäße bedienen, die die Geheimhaltung der Abstimmung beein­trächtigen, sie sich den vorgesetzten Behörden gegen­über verantwortlich machen. Sie würden daher aus begründete Beschwerde zweifellos auch zur Verant­wortung gezogen werden; man wird daher mit Bestimmtheit erwarten dürfen, daß die von dem Minister für die Zeit vor den nächsten Reichstags­wahlen in Aussicht gestellte wiederholte Mahnung bei den Nachgeordneten Behörden ihre volle Wirkung haben wird.

TieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Lonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich lurch die Post bezogen 2.25 JK. lohne Bestellgeld), bei unseren ZeitungSsteSen und der Expedition (Markt 21) 2.00 «X frei in? Hau». (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.