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JH49

Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte," murmelte er, und dann stieß er sachte einen Fensterflügel auf, damit der Rauch abziehen konnte und die kühle Mailuft in den Brodem hereinfiel wie ein Zug von Wandervögeln.

Laura," sagte er leise,komm und sieh dir einmal den Mond an. Macht der einem nicht auch Lust, zur Natur zurückzukehren? Wie wäre es, wenn ich mir einen Urlaub geben ließe, und mich zum Herbst aus dem Staatsdienst zurück­zöge?"

Aber Laura war ein vernünftiges Mädchen.

Richt vor Januar. Eher bekomme ich meine Wäsche nicht eingezeichnet. Und ich will nun einmal bare achttausend Mark haben, ich habe es mir vorgenommen. Es muß alles seine Art haben."

Nur einer hatte sich schon auf dem Marptplatz von den übrigen getrennt und war seines Weges gegangen: der alte Kapitän Rodonath. Es be­kam ihm nie, wenn er mit Damen zusammen war, er wußte das schon. Er hatte es auch Diet­rich gesagt, aber der hatte seine Gegenwart ge­fordert.

Sie sollen nicht sagen, daß ich ein Eiferer bin, Rodonath. Mit Milde will ich sie ge­winnen. Sie sind ein Beweis für meine Milde."

Der Kapitän hatte ihn angesehn. Er war sehr enrpfindlich gegen Spott, denn er hatte die ganze Eitelkeit kleiner Seelen, die sich durch Be­harrlichkeit emporgebracht haben, aber in dem Gesichte Dietrichs war nichts zu lesen, es war undurchdringlich. Und so war er gekommen, hatte Frau Rudies zu Tisch geführt und eine Rede auf die Aeffin gehalten. Mel Erlebnisse

auf einmal für den kleinen Mann, der seine Kajüte selten verließ. Er pustete auch ein wenig, als er den Weg nach Lochstedt hinanging, den­selben Weg, den Eusti so flott herabgeradelt war.

Die Mainacht war kühl. Das Haff lag in dem weißen Mondlicht wie flüssiges Blei. Die hohen Dächer der alten Komturei zeichneten sich schwarz ab. In den Koppeln stand schon das Vieh. Hin und wieder tönte ein Brüllen herüber, denn die stallgewohnten Tiere froren noch. Er ging über den Hof, der voll Mondlicht lag und klopfte sacht an ein helles Fenster. Der Schullehrer öffnete.

Bst, Zunge. Schusche-patrusche, was raschelt im Stroh? Kannst du vier unterbringen für die Nacht? Ist mir zu weit und zu lustig für eine rechtschaffene Wanderung." Gottlieb Rodo­nath öffnete nach, wenigen Augenblicken die eisenbeschlagene Haustür.

Bist schon im Sommerbau, wie ich sehe."

Sobald es die Jahreszeit erlaubte, bezog der Schullehrer ein klaines Kreuzgewölbe, bei dem man vor einigen Jahren mit der Aufdeckung der alten Fresken begonnen hatte. Der nüchterne Bewurf hatte sie freigeben müsien, diese Zeichen eines Kunstsinns, der einst die einfache Komturei umschlosien hatte, wie die Hochburg von Marien­burg. Die langgestreckten gotischen Heiligen waren wieder da, griffen mit ihren feinen dünnen Fingern in die Sailen und krönten die Männer in den Panzerhemden und weißen Mänteln. Gottlieb und Lusche hatten den Ar­beiten beigewohnt wie Offenbarungen. Als ob die Männer, die ihre Heiligen gewesen waren, so lange sie denken konnten, plötzlich leibhaftig ihnen die Hand böten. Und seitdem fiedelte der

46. Jahrg.

1911.

Marburg

Mittwoch, 28. Juni

(Akademie), welches doch doch immerhin freiem Vürgerfinne seine Entstehung und Entwicklung verdankt, und auch in seiner bisherigen Situa­tion höchst achtungswerte pädagogische Arbeit geleistet hat, der Beherrschung durch das preu­ßische Unterrichtsministerium auszuliefern, so lange desien Eigenart und durch eine fast ^jäh­rige Tradition geschaffene Praxis so bleiben, wie sie heute sind."

Wie die -Frankfurter Ztg." sagt, will Prof. Weber keine Vorwürfe gegenkonkrete Persön­lichkeiten" erheben, er verwendet sich gegen das System, das die Beamten jenes Ministeriums gar nicht geschaffen haben, desienKnechte" sie aber seien.Dieses System ist gesetzlich durch die Lex Arons" in derjenigen Interpretation, welche die höchste Disziplinar-Jnstanz ihr gege­ben hat, festgelegt, und schlechterdings keine Art der Gestaltung des Vorschlagsverfahrens kann hindern, daß diese Interpretation fich auch aus die Frankfurter Dozenten erstrecken wird."

Weiter führt Prof. Weber aus:Keine noch so bedeutenden Erfolge, welche speziell (wie un­bedingt anzuerkennen ist) der verstorbene Mini­sterialdirektor Althoff z. B. auf dem Gebiet der Beschaffung von Unterrichtsmitteln und vielem anderen erzielt hat, vermögen über den korrum­pierenden Einfluß ein anderes Wort gibt es nicht hinwegzutäuschen, welchen sein an dieser Stelle nicht näher zu analysierendes System der Menschenbehandlung auf den akademischen Nach­wuchs ausgeübt hat." In dieser Hinsicht sei es seither nicht bester, sondern wesentlich schlimmer geworden, wie der Fall Bernhard zeige. Sollte, so schließt Prof. Weber,die Auslieferung von Instituten, deren Mittel nicht einmal zu einem Bruchteil der Staatshilfe entstammen, an den derzeitigen preußischen Staat dennoch erfolgen, so müßte allerdings durch Aufnahme einer, mög­lichst noch schärfer und eindeutiger zu fastenden Bestimmung dafür gesorgt werden, daß jene ge­hässige politische Interpretation der Lex Arons, welche ohne daß sie int Gesetz selbst enthalten wäre die staatliche Disziplinarbehörde gegen den Protest der Fakultät eingenommen hat, für Frankfurt ausgeschlossen bleibt."

Der Bericht Prof. Webers kommt den An­schauungen des radikalen Teiles der Bürger­schaft und des Stadtverordnetenkollegiums ent­gegen, die vom Staate Preußen für die Uni­versität die Privilegien verlangen, ohne ihm die geringsten Rechte zugestehen zu wollen. Man wird ja sehen, wie es so geht.

Schullehrer in die Bücherei, wie man das Ge­wölbe nannte, an dem Tage, an dem seine Jungen das Vieh austrieben und der besten Kuh einen Kranz von Himmelsschlüsteln um die Hörner wanden. Einen einfachen Arbeitstisch nahm er mit, auf dem flammte das Lämpchen bis weit nach Mitternacht, während er über bk Geschichte Heinrich von Plauens geneigt saß und arbeitete. Ein Zweig flammende Herzen, der erste, stand in einer leeren Bierflasche neben den Folianten, die man ihm durch Vermittelung Hastes aus der Königsberger Bibliothek überließ.

Du kannst mein Bett nehmen, Ohmchen. Ich schlafe denn in Luschens Krankenstuhl."

Wie geht es ihr denn?"

Bester, seit sie den Tee trinkt, den Dr. Diet­rich ihr verordnet. Ich weih nicht, ob es bet Frühling ist aber sie lebt auf. Du kannst bich morgen selbst davon überzeugen."

Weiß ich auch ohnedem, mein Junge. Was der in die Hand nimmt, das wird. Sie muß nur Vertrauen zu ihm haben, hat er mir gesagt. Das ist die Subquestration, Gottlieb, davon ver­stehen wir nichts."

Der Jüngere lächelte.

Sie hat Vertrauen, als sei er ein verkappter Weißmontel. Gute Nacht, Ohmchen." Der hatte sich während des Sprechens entkleidet und in das eiserne Feldbett gelegt. Der Neffe wollk noch vorsichtig ein Buch vor die kleine Lamp« stellen, um den Lichtschein aufzufangen, da be­lehrte ihn ein kräftiges Schnarchen, daß jede weitere Vorsicht unnötig sei.

Und Heinrich von Plauen bot ihm wieder : Manneshand!

(Fortsetzung folgt.)

Zur Frankfurter UniversüStssrage gibt, auf eine Anfrage eines Teiles der Frank­furter Stadtverordnetenkommission, jetzt auch Prof. Max WeberHeidelberg seine Meinung kund. Er sagt u. a.:Der Protest gegen die Verstaatlichung muß sich, soweit er sich auf die besonderen Voraussetzungen und Bedingungen des hier vorgelegten Planes gründet, in erster Linie gegen die, trotz aller Großartigkeit der privaten Stiftungen, unzulänglichen, genauer gesagt: wohl für eine kleineProrinzialuni» versität", nicht aber für ein Institut, welches -- wie die Vorlage des Magistrats behauptet hat»: > mit den großen Eroßstadt-Universitäten um Zuhörer konkurrieren soll, zulänglichen Mitteln richten. Daneben fallen namentlich jene <>:- Lnderungen in der Stellung der Krankenhäuser, sowohl ihres Personals wie ihres Materials ins Gewicht, über deren Bedenklichkeit der Me;r- heitsbericht in der Tat wohl allzu leicht hinw-:,- gegangen ist, und gegen die es im Fall der Um­wandlung in Unire-si^äte Jnstitute kein si Heros Mittel gibt.....

Weit schwerer aber muß die Frage ins Ge­wicht fallen: ob es erwünscht ist, ein Institut

daß konservative Kreise fich entschlossen haben, bei Stichwahlen Vergeltung zu üben. Es ist noch gar nicht so lange her, ja bis auf den heu­tigen Tag kann man es inbürgerlich"-radi- kalen Blättern lesen, daß es keine höhere po­litische Aufgabe gebe, als die Rechte, eventuell einschließlich der Nationalliberalen, zu zerschmet­tern. Da das mit den paar freisinnigen Man­daten und Stimmen nun nicht geht, so erklärt man es als heilige Pflicht, überall und stets die Sozialdemokratie zu stärken und zu stützen. Vielleicht ist diese dann so dankbar und barm­herzig, der Linken ihrerseits wieder zu einem Mandate zu verhelfen. Nun treibt die Linke gegenüber der Rechten das Spiel, daß man ihr zumutet, ein für allemal in einer Stichwahl zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten für den ersteren einzutreten. Das könnten die Kon­servativen schon gar nicht anders, um ihrem Prinzip der staatserhaktenden Partei nicht un­treu zu werden.Wär' der Gedank' nicht so ver­wünscht gescheidt, man wäre versucht, ihn herzlich dumm zu nennen". Dieselben Leute, die geradezu vom schwarzblauen Koller befallen zu sein scheinen bekanntlich könnte man ebensogut von einem rosaschwarzen oder einem rosaroten Block reden, je nachdem, muten ihren Tod­feinden zu, daß sie sie selbstlos unterstützen sollen, vielleicht, damit man die dummen Teufel nach­her um so sicherer verderben kann. Gerade in der Politik wäscht eine Hand die andere. Man kann ja verstehen, daß der Freisinn, desten Man­date sowieso meistens durch Kompromisse erwor­ben werden, hier mit derReaktion" die Ee- nosten, dort mit den Genossen dieReaktion" schlagen will Er muß nur Leute finden, die darauf hereinfallen. Vewunderungswert bleibt aber die Unverfrorenheit, mit der in Taschen­spielerart der Beweis versucht wird, daß die Konservativen durch diese einfache taktische Maß­regel der Notwehr gegen die radikale bürger­liche Linke zu Schrittmachern der Sozialdemo­kratie geworden wäre.

Es ist ja natürlich, daß eine derartig generelle konservative Stichwahlparole nicht geben kann. Man wird sich halt die Freisinnigen ansehen müsten, die konservative Stichwahlhilfe begehren. Sind es solche Richterscher Observanz, die die gemeinsamen bürgerlichen Jnteresten höher stellen, so wird man sie natürlich unter­stützen. Wer aber in der Wahlhilfe für die Sozialdemokraten das A und O seiner politischen Betätigung erblickt, der soll sich doch nicht wun­dern, wenn man ihn nach dem Grundsätze Gleiche Brüder, gleiche Kappen" behandelt, das ist doch wohl selbstverständlich und werden auch die Freisinnigen sehen.

Die SMwablparole.

Wie nicht anders zu erwarten war, sind die Herren der Linken nicht damit einverstanden.

Die Rückkehr zur Ualur.

14) Eine lachende Geschichte Von Agnes Harder.

(Fortsetzung.!

Wenn sie keine Zähne mehr hat," trium­phierte da einer. Es ging ein wenig drüber und drunter. Nur Tittnak, der Verschwörer, war fast nüchtern geworden. Er dachte an sein Fuschchen, das ihm oft ganz verändert vorkam, das ver­langte, er solle sich den Rauch aus seinem Bart waschen, ehe es ihm einen Kuß gab. Er hatte sein Lebenknng die Dinge genommen, wie sie eben an ihn herantraten, mit gutmütiger Indo­lenz, ohne viel nachzudenken. Und gar der Ki­witt! Wenn er noch an das Gefühl mitleidiger Herablastung dachte, mit dem er damals nach Pillau gefahren war! Plötzlich aber begehrte er auf. Irgendwie, in dem Rauch und dem lauen Eroggeruch fand er nur den Zusammenhang nicht recht, irgendwie kam er fich wie der Ge­foppte vor. Er schlug mit bet Faust aus ben Tisch, daß die Gläser klirrten.

Ich laste mich nicht Potsdamern."

iutt auch nicht," tönte es im Chor.

Laura, einen Danziger Lachs zur Trost- ronde."

Tittnak bearbeitete noch immer den Tisch.

Wir lasten uns nicht versittlichen. Wir wollen nicht zur Natur zurück," brüllte er.Wir sieben unsere Frauen und dabei bleibt es!"

Der Postdirektor sah mit innigem Behagen in das Getümmel. Der Kiwitt grüßte die süße Laura nicht, und er hielt nun einmal auf diese Kleinigkeiten. Die Sache da vor ihm war schon M Gange. ..

Deutsches Reich.

Som Kaiser. Kiel, 25. Juni. Der Kaiser folgte heute Abend einer Einladung des Prin­zen Ada:?ert zur Tafel in desien Villa. Abenbs traf Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter hier ein und nahm Wohnung auf der ,Lohenzollern". Botschafter D. I. Hill, Admiral Budget und Marineattach^ Ttaut statteten dem Reichskanz­ler Besuche ab. Heute traf auch Pierpont Mor­gan auf seiner Jacht hier ein. Kiel, 26. Juni. Der Kaiser verlieh Pierpont Morgan den Role.. Adlerorden erster Klasse und schenkte dem ame­rikanischen Kontreadmiral Badger sein Bildnis. Der von Morgan vor kurzem erworbene Brief Luthers an Kaiser Karl V. wurde von Morgan an den Kaiser abgetreten und von diesem für Wittenberg bestimmt. Der Kaiser hörte den Vortrag des Reichskanzlers von Bethmann-Hol- weg und des Staatssekretärs v. Kiderlen- Wächter.

Aus dem Abgeordnetenhaus. Berlin, 26. Juni. Das preußische Abgeordnetenhaus lehnte zu Beginn seiner Sitzung den Antrag Hofmann (Soz.), die Beratung über den Antrag auf Ab­änderung der Geschäftsordnung von der Tages­ordnung abzusetzen und dafür als ersten Punkt über den freisinnigen Wahlrechtsantrag zu ver­handeln mit großer Majorität ohne Debatte ab. Sodann wurde die dritte Lesung des Gesetzent­wurfes betreffend die Reinigung öffentlicher Wege fortgesetzt und der Gesetzentwurf inklusive des Antrags Herold, nachdem eine geschlostene Ortslage nur insoweit als vorhanden anzusehen ist, als die Wohnhäuser im wesentlichen in räumlichem Zusammenhang liegen, angenom­men. Der Antrag Engelsmann (natlib.) und Genosten, in welchem die Regierung ersucht wird, schleunigst Maßnahmen in Aussicht zu nehmen, durch die die infolge des Unwetters im Wein- baugebict der Nahe Geschädigten staatliche Un­terstützung erhalten, wird, nachdem der Minister des Innern sorgfältige Prüfung zugesagt hatte, an die Budgetkommission überwiesen. Der Ge­setzentwurf betr. Abänderung des Gesetzes über Eisenbahnunternehmungen wird nach kurzer De­batte auf Antrag des nationalliberalen Abge­ordneten Schwabach der Kommission überwiesen. Nachdem das Haus alsdann in die wiederholte Beratung des Zweckverbandes für Eroß-Verlin eingetreten war, vertagte sich das Haus.

Der Fall Ialho. Köln, 26. Juni. Der neugebildete Kirchengemeindeausschuß des Ver­eins für evangelische Freiheit ruft zur Samm­lung einer Jathospende für Jatho und andere Geistliche in ähnlicher Lage auf.

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