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Erstes Blatt
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mation Berichte schreibt. Da uns ein objel* tiverer Bericht vorlag, haben wir selbstverständlich diesen ausgenommen. Wir haben also nicht entstellt, sondern van unserem Rechte Gebrauch gemacht, einen ohne Aufforderung zugesandten Bericht nicht aufzunehmen. Oder glaubt der B. d. L., daß sein Wunsch für uns Befehl sei? Wir haben ihm schon einmal auseinandersetzen muffen, daß er sich darin irrt.
16. Jahrg.
1911.
Marburg
Sountag, 18. Juni
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Zur Landtagsersatzwahl.
Am kommenden Montag finden nun die Wahlmännerersatzwahlen für die am 28. Juni angesetzte Landtagswahl statt, soweit dies nötig ist. Die Lage ist z. Z. die, daß wie bekannt von den Konservativen des Kreises mit Ausnahme einiger Herren, die zugleich dem Bunde der Landwirte angehören, Herr Profeffor Dr. Vredt aufgestellt ist. Diese Kandidatur wird auch von" den Nrtionalliberalen unterstützt. Der Freisinn hält selbstverständlich an seiner Kandidatur des Prof. Schücking fest und ist bereits bei den Wahlmänerersahwahlen in den Wahlkampf eingetreten. Ebenso haben die Nationalliberalen wie die Konservativen je ihre besonderen Wahlmänner aufgestellt. Der Bund der Landwirte hat in Herrn Gutsbesitzer Lauer- Frohnhausen bekanntlich eine besondere Kandidatur ausgestellt und agitiert auf Wahlreisen seines Bezirksoertreters, der von einigen Herren aus dem Wahlkreise unterstützt wird, heftig. Wir glauben, daß durch den Ton dieses Kampfes, der sich besonders gegen Herrn Profeffor Bredt richtet, die Einigkeit unter den rechtsstehenden Parteien, die uns gerade hier sehr nötig wäre, nicht besonders gefördert wird. Wir unsererseits haben es darum auch vorgezogen, auf die vielerlei Steifigkeiten nicht einzugehen. Der Kampf wird aber von anderer Seite durch Flugblätter in die Oeffentlichkeit gezerrt. Und da müffen wir sagen, wie das geschieht, kann es nur die Entrüstung aller ruhiger denkenden Menschen erregen. Anders könnte auch ein Sozialdemokrat von dem „mehrfachen Millionär" Bredt (bekanntlich eine Unwahrheit), von der Partei der Kommerzienräte u. s. s. nicht schreiben. Uebrk- gens gehört auch Herr Geh. Rat Riesch dieser, der freikonservatioen Partei an und wir glauben kaum, daß irgend jemand behaupten könnte, derselbe sei nicht ein geschickter und tüchtiger Vertreter ' feines Heimatkreises sowie der landwirtschaftlichen und städtischen Interessen. Möge Herr Professor Bredt in derselben Partei nur ebenso wirken. Besondere Zurückweisung verdient es, daß in denFlugblättern derKampf zwischen Stadt und Land direkt gepredigt wird. Prof. Bredt erscheint eben deshalb als die geeignetste Person, weil er erstens in der Frankfurter Universitätsfrage imstande ist, die Jnter- effen unseres Kreises auf das Geschickteste und Energischste zu vertreten, weil et aber auch die ländlichen Verhältniffe des Kreises aus eigener Berwaltungspraxis genau kennt. Daß Prof. Bredt außerdem auf dem Boden des Schutzzolles steht, wissen die Herren vom Bunde doch lange. Sie haben ifjr doch deshalb gerade als Reichs- tagskandidatcn aufgestellt und auch in Cölbe nicht gewagt ihn „abzusetzen", sondern bloßStirn- menfreigabe proklamiert. Die seelenvolle Berufung auf den verstorbenen Abgeordneten Geheimrat von Regelein sollten sich die Herren schenken, in der Erinnerung daran, daß und wie sie diesen selben Abgeordneten einst durch eine Sonderkandidatur Diedrich Hahns bekämpft haben und zwar, weil Herr v. Regelein in einem Punkte anders dachte, als die Zentrale des Bundes in Berlin es haben wollte.
In dem vor ca. 8 Tagen erschienenen Flugblatte bemerkte die hiesige Leitung des Bundes, sie müsse zu den Flugblättern greifen, da die „Oberhess. Ztg." ihre Berichte entstellt bringe. Wir müffen das aufs energischste zurückweisen. Von der gemeinsamen Sitzung der Mitglieder des Bundes der Landwirte und des Vorstandes der konservativen Partei hatte uns Herr Buhl einen Bericht gesandt. Zu welchem Zwecke, dürfte klar fein, zumal von Herrn Buhl, mit dem wir uns erst kürzlich auseinanderfetzen mußten, nicht zu erwarten ist, daß er nur zu unserer Anfor
aussetzungen befähigt ist." Diese Frag« hat ebenso wie der Vorderrichter auch das Oberverwaltungsgericht verneint.
Ausland.
** Aufg hobenes Aussuhrserbot. Kopenhagen, 15. Juni. Das Ackerbauministerium hat das am 3. Juni erlassene Ausfuhrverbot für Binder, Schafe, Ziegen und Schweine aus Laa- land und Falster nach dem Auslande und anderen Teilen Dänemarks aufgehoben.
Deutsches Reich-
— Bom Kaiser. Hannover, 16. Juni. Der Kaiser ist um 10.25 Uhr von Wildpark abgereist und kurz vor 3 Uhr mittels Sonderzug hier eingetroffen. Er wurde am Bahnhof von dem Polizeipräsidenten v. Beckerath und dem Geheimrat Bernay empfangen und in das Fürsten- zimmer geleitet, wo drei junge Mädchen dem Kaiser Kornblumen überreichten. Darauf fuhr der Kaiser, der die Uniform der Königsulanen trug, im Automobil unter den Hochrufen des zahlreich versammelten Publikums nach der großen Bult. Dort traf er 3 Uhr 20 Min. zum Kaiserrennen ein, wo er von dem Präsidenten des Direktoriums, General von Alten, und dem ersten Vizepräsidenten, Stadtdirektor Tramm, empfangen wurde. Das zahlreiche Publikum bereitete dem Kaiser stürmische Ovationen.
— Orden Verleihung. Berlin. 16. Juni. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser verlieh dem Südpolarforscher Ehackleton den Königlichen Kronenorden 2. Klaffe.
— Audienz des Generals Nogi beim Kaiser. Wie verlautet, ist nunmehr bestimmt worden daß der Kaiser den Grafen Nogi in Sroinemünde gleich nach Beendigung seiner diesfährigen Nordlandsreise in Audienz empfangen wird. Der General, der, bekanntlich vom Kaiser mit dem Orden Pour le mente im ostasiatischen Kriege ausgezeichnet wurde, wird sich persönlich für diese hohe Auszeichnung bedanken. Graf Nogi. der bekanntlich zu den Krönungsfeierlich- keiten in England reist, wird Ende Juli in Berlin eintreffen und eine Orientierungsreise durch Deutschland machen, auf der er sowohl militärische Institute wie namentlich Schulen jeder Art besuchen will. Der General wird außerdem bereits Mitte Juli in Berlin zu einem kurzen Aufenthalt eintrefsen und bann eine Reise nach Oesterreich und dem Balkan unternehmen, nach deren Beendigung er wieder in Deutschland eintrifft. Abgesehen vom General Nogi wird auch eine japanische Militärkommission Anfang Juli in Berlin eintreffen, nachdem sie in Paris, Rom und Wien geweilt hat. Als Führer der Kommission fungiert Generalmajor Pamaguchi. Ferner sind Generalmajor Toyobe, die Oberstleutnants Onodera und Nagasoka dazu kommandiert worden.
— Landtagsersatzwahl. Schmalkalden, 16. Juni. Bei der Landtagsersatzwahl im Wahlkreise Eschwcge-Schmalkalden für die ungiltig erklärte Wahl des Abg. Wendlandt (natlib.) wurde dieser mit 164 gegen 131 Stimmen, die auf den konservativen Kandidaten Landrat von Keudell entfielen, wiedergewäl-lt.
— Darf man in ein schwebendes gerichtliches Verfahren eingreifen? Der Sah, daß es nicht zulässig ist, in in schwebendes gerichtliches Verfahren einzugreifen, ist bisher von der Presse und der öffentlichen Meinung als eine Art Evangelium angesehen worden. Nun tritt, der bekannte Sozialpolitiker Landgerichtsrat Kulemann in der neuesten Nummer des Zentralorgans des deutschen Juristenstandes auf den Plan, um sich gegen dieses Dogma zu wenden. Er stützt sich dabei auf einige markante Fälle der neuesten Zeit, auf die Besprechung der Moabiter Unruhen, durch den Reichskanzler im Reichstage, auf den bekannten Fall Jatho, und er erwähnt, als in der abgehaltenen Protestversamm- Im.g einige Geistliche als Redner auftraten, wurden die gegen sie eingeleiteten disziplinarischen Maßregeln u. c. auch damit begründet, daß es sich um ein gegen Jatho schwebendes Verfahren handle. Kulemann verkennt nicht das Wagnis, der communis opinio entgegenzutreten, da man fürchten müsse, allgemeinen Widerstand zu stoßen. Aber seine Abhandlung in der Deutschen Juristenzeitung ist von ungewöhnlichem Interesse, und in jedem Falle würde die herrschende Ansicht, daß es unzulässig fei, Streitfälle, die den Gegenstand eines schwebenden gerichtlichen Verfahrens bilden, zum Gegenstand der öffentlichen Erörterungen zu machen, im vollen Umfange verworfen werden müssen. Diese herrschende Ansicht beruhe aber auf einer unrichtigen Grundauffassung, und würde, wenn sie festgehalten würde, eine Verschlechterung unserer Rechtspflege zur Folge haben.
— Spionagrprozeß. Leipzig, 16. Juni. Josef Remene wurde von dem Reichsgericht wegen Verrats militärischer Geheimnis in drei Fällen zu 10 Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt, außerdem wurde auf Zulassung der Polizeiaufsicht erkannt. Seine Schwester Marie erhielt wegen Beihilfe in zwei Fällen ein Jahr und sechs Monate Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Aus der Urteilsbegründung ist zu erwähnen, daß der Versuch gemacht worden ist, an die englische Regierung rnilitä-
Etwas von dem Gleichmut.
Das Wort von der „Wurstigkeit" ist durch Bis- Marckchozüsagen klassisch geworden, und er hat es bei einet Gelegenheit sogar ins Lateinische übertragen: nescio, quid mihi rnagis farcimentum esset, ich wüßte nicht, was mir mehr Wurst wäre. Es gib: nur noch wenige Leute, wenigstens in unseren Großstädten, die dieses Gefühl kennen. Man ist so leicht aus dem Häuschen, man findet alles großartig oder schaudervoll, und bei jeder Gelegenheit gibt es aufgeregtes Getue. In dieser Woche hat der deutsche R u nd f l u g ganz Berlin von Grund auf aufgerührt, und im Reiche gibt es ähnliche Völkerwanderungen zu den Aufstiegplätzen; nur daß an Wochentagen natürlich die Arbeit manchen abhält, während in Berlin am Sonntag alles losgelassen wird. Von dem größten Triumph aller Jahrtausende schwärmen die einen, über die halsbrecherische Zirkuskunst schelten die anderen, aber unberührt von der allgemeinen Erregung bleibt kaum jemand. Da ist denn einer der Hauptflieger, Büchner, natürlich baß erstaunt gewesen, daß, als er auf dem Wege nach Hamburg knatternd aus dm Lüften auf eine Wiese herabkam, hundert Schritte weiter eine Frau sich beim Melken ihrer Kuh nicht stören ließ und kaum den Kopf wandte, als der Flieger sie über Weg und Richtung ausfragte. Die Frau gefällt uns ausgezeichnet. Es gibt doch noch gesunde Leute.
Diplomaten haben diese Art Gesundheit unbedingt nötig. Man kann sie Phlegma nennen, man kann sie, wie Bülow, als Rhinozeroshaut bezeichnen, aber haben muß man sie. Groß sind darin seit jeher die Türken. Kismet, es kommt, rote es muß. Yok, nichts zu machen. Jnschallah, wie Gott will. Diese drei Ausdrücke hört man oft genug, und fremde Unterhändler fahren vor Ungeduld aus der Haut. Von Petersburg und von Wien erhielten die Konstantinopeler Diplomaten das dringende Ersuchen, den albanesischen Auf st and nicht zu einer Kriegsgefahr werden zu lassen. Und die Türken nahmen nun in aller Gemütsruhe die Pfeife aus dem Mund und sagen: Er ist zu Ende! Verblüffter ist Europa lang nicht gewesen. Aufstand „yok", Aufstand „is nid)!" Die Türkei läßt sich in ihre innere Politik nicht hineinpfuschen. Zwischen ihr und Montenegro mag Deutschland vermitteln. Aber wer mit ihr wegen des Albanesenaufstandes sich unterhalten will, der findet statt beredter Diplomaten am Goldenen Horn lauter Stockfische. Nichts zu machen. Die Türken in ihrer Ruhe sind allen über.
Die Franzosen suchen recht aufgeregt nach Entschuldigungsgründen für ihren Marsch nach Fez. Erstens ergebe er sich aus ihren algerischen Rechten; zweitens aus ihrer Bestallung mit der marokkanischen Polizeigewalt; drittens hätten die Konsuln, darunter der deutsche, den Marsch gewünscht. Der erste ist ein Räubergrund: ich babe jemand den Rock ausgezogen, also nehme ich ihm auch noch die Hosen weg, denn sonst ist das Kostüm unvollständig; der zweite ist nur für Leute möglich, die nicht wissen, daß die Algeciras- alte einen Marich ins Innere ausdrücklich ausschließt und nur in einigen Häfen die Organisation der Polizei Franzosen und Spaniern überläßt; der dritte ist aber glatt aus den Fingen gesogen, und unser Auswärtiges Amt erklärt, dazu in der „Norddeutschen", daß der deutsche Konsul in Fez den Marsch nicht gewünscht habe. Die Erklärung wirv nur ganz beiläufig abgegeben, vollkommen gleichmütig. Dieser Gleichmut, der immer nur einen Schwindel nach dem anderen feststellt, ist für die Franzosen zum Verzroeifeln. Diese „Wurstigkeit" macht sie unsicher. Viel lieber sähen sie ein schroffes Auftreten Deuts hlands, damit man doch sähe, rote und wo. Es ist so, als wenn Deutschland ihnen die Leiter gehalten hätte, auf der sie in den Kirschbaum stiegen; nun zieht es sie in aller Ruhe weg und erklärt gleichmütig: „Wenn Sie wieder herunter- roollen, müssen Sie natürlich alles bezahlen."
Politische Umschau.
Die Bedeutung des Artikels 4 der preußischen Bersassungsurkunde
vom 31. Januar 1850 wird in einer neuerdings ergangenen Revistonsentscheidung des 8. Senats des Königlichen Oberverwaltungsgerichts, der der Ausschluß eines Schulvorstandsmitgliedes wegen Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung zugrunde liegt, in den folgenden zwei Sätzen erschöpfend dargelegt: „Wenn der Artikel 4 ausspricht, daß alle Preußen vor dem Gesetze gleich find, so hat dies nur die Bedeutung, daß die Gesetze, ohne Unterschied des Standes, gegen jeden in vollem Umfang angewendet werden sollen. Und wenn es im Artikel 4 weiter heißt, daß die öffentlichen «erntet, "niet Einhaltung der von den Gesetzen festgestellten Bedingungen, für alle dazu Befähigten gleich zugänglich find, so steht ja gerade in Frage, ob der Kläger ab Bekenner brtnldemokratffcher Anschauungen zum Amte eines kchuloorstandsmitgliede« «ach den gesetzlichen Vor»
I rische Schriften zu verraten, und daß die öfter- | reichische Regierung, als ihr das Angebot gemacht wurde, die deutsche Regierung benachrichtigte, sodaß dadurch die Sache entdeckt wurde.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
Herr Professor Bredt sendet uns folgende Erklärung:
Das Wahlkomitee des Bundes der Landwirte, bestehend aus den Herren Weiershäufer, Kapp und Ruth veröffentlicht gegen mich ein Wahlflugblatt, in welchem folgende Unwahrheiten und Entstellungen vorhanden sind:
1. Es wird auf einen Artikel der „Kleinen Presse" Bezug genommen, in welchem ich als Gegner der Getreidezölle hingestellt werde. Dies geschieht, obgleich dem Bunde der Landwirt! das Gegenteil bekannt ist. Der Bund hat eine schriftliche Erklärung von mit in Händen, in welcher ich sage, daß ich gegen eine Herabminderung der landwirtschaftlichen Zölle stimmen würde. Selbstverständlich halte ich diese Erklärung auch noch aufrecht.
2. Von den Unterschriften unter meinem Wahlaufrufe heißt es: „Die in manchen Fällen gar nicht einmal erfolgte." Demgegenüber behaupte ich, daß sämtliche Unterschriften zu Recht bestehen und sehe dem Beweise des Gegenteils entgegen.
3. Es wird gesagt, daß ich niemals Kandidat der Konservativen gewesen sei. Demgegenüber ist festzustellen, daß in dem konservativen Vorstände nur zwei Herren — Klingenbiel und Rauch-Wittelsberg — gegen mich gestimmt haben. Von sämtlichen anderen Vorstandsmitgliedern und, soweit bekannt, auch sämtlichen Mitgliedern der Partei wird meine Kandidatur unterstützt. Die sechs Vorstandsmitglieder, welche als Wahlmänner in Frage kommen, werden ihre Stimme für mich abgeben. Der ursprüngliche Kandidat der Partei, Herr Forstmeister Wolf, hat ausdrücklich erklärt, nur zu meinen Gunsten zurücktreten zu wollen.
4. Es wird erklärt, ich hätte wahrheits- widrig erzählt, Lauer habe sich noch nicht entschieden, ob er die Wahl annehme. Wenn ich Bemerkungen gemacht habe, welche dahin aufge- faßt worden sind, erklären sie sich aus folgendem: Kurz nach der bekannten Versammlung des Bundes der Landwirte traf ich Herrn Lauer auf der Frankfurterstraße und kam mit ihm ins Gespräch. Ich fragte, ob er nun für sich agitieren wolle, und bekam die Antwort, daß er gar nicht daran denke; er wolle sogar d:r Hauptwahl fern bleiben, obwohl er selbst Wablmon n sei. Er geniere sich viel zu sehr, als Kandidat aufzutreten.
5. Es wird behauptet, daß ich auch von den „Schückingwählern" gewählt würde. Dies ist unwahr. Das Komitee muß roi^n, daß meine Kandidatur von dieser Seite scharf bekämpft wird.
Es findet sich die Bemerk, nq, die Stimme Lauers wiege in der Universitätsfrage genau so viel wie die Stimme Bredts, ein ^geordneter brauche gar keine Reden zu halten, dazu seien die Frakttonsführer da. Dem ist entgegen zu halten, daß weder dem Lande noch Stadt mit einem Abgeordneten gedient ist, der nur auf Befehl der Frafiionssührer seine Stimme abgeben kann. Es kommt vielmehr darauf an, daß der Abgeordnete die Interessen des Kreises auch selbst zu vertreten versteht.
Selbstverstän.r,. 'j werden die Herren W"'ers- häuser, Kapp und Ruth wegen der in dem Flugblatte entijßiienen Beleidigungen gerichtlich belangt werden. Dabei gebe ich mich aber Tonern Zweifel darüber hin, daß das Flugblatt viel weniger auf sie zurückzuführen ist, als auf die Leitung des Bundes der Land:'rte. Nach der agitatorischen Tätigkeit, welche Herr Landgerichts- rat Klingenbiel gegen mich entfaltet, muß ich ihn als die Seele der ganzen Bewegung ansehen und finde es in hohem Maße bedauerlich, daß et, der meine Reichstrgrkandidatur bisher mit vertreten hat, ein derartig beleidigendes und Unwahrheiten enthaltendes Flugblatt nicht $at verhindern können. ch
Marburg, den 17. Juni 1911. T"'
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