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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

DieS?bert)Cfiifdje Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« | und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezöge« 2.25 «Ä lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <K frei in5 Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Nniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:

Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 56.

Marburg

Donnerstag, 15 Juni

Der Anzeigenpreis betragt sur die dgespaltene Zeile oder deren Raum 15 J., bei auswärtigen Anzeigen 20 4-, für Reklamen die Zeile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs fein Rabatt. Verbindlich­keit für Platz-, Datcnvorschrift und Beleglieferiing ausgeschloffen. Zahlungen im Postscbeckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes strankfurt n. M.

46. Jahrg.

1911.

Die Linke und Sozialpolitik.

Nachdem gewisseentschieden" liberale Forde, rungen bei der Reichsversicherungsordnung aus wohl­erwogenen Rücksichten keine Erfüllung gesunde» ' heben, reicht, wozu immerhin schon etwas gehört, wenn es ans Hetzen geht, dis Terminologie des Radi­kalismus kaum aus, um dem Abscheu Ausdruck zu geben, dec die fortschrittlichen Schrittmacher der Sozial­demokratie vor denunsozialen",arbeitersernd- lichen" undreaktionären" Mehrheitsparteien erfüll:. Diese Entrüstung steht nun einer Partei ganz be­sonders gut zu Gesicht, die noch bis zum Jahre 1890 die radikalste Gegnerin jeder sozialpolitischen gesetz­geberischen Maßnahme gewesen ist. Der gesamte Freisinn stimmte 1883 gegen die Arbeiterkrankenver­sicherung, 1884 gegen die Unfallversicherung, 1889 gegen die Jnvaliditäts- und Altersversicherung, 1890 gegen die gewerblichen Schiedsgerichte. Und was das wichtigste und kennzeichnendste ist, der Freisinn hat diesen grundlegenden sozialen Gesetzen nicht des­halb Widerstand geleistet, weil ihm etwa die Einzel­heiten der entsprechenden Gesetzesentwürfe bezw. ihre Ausgestaltung im Reichstage unannehmbar er­schienen wären, sondern er hat damals jene Vor- lcgen abgelehnt als ein Gegner jeder staatlichen Fürsorge für die arbeitenden Klaffen. Das geht klar und deutlich hervor aus den Aeußerungen und Erklärungen der freisinnigen Parlamentsredner bei den in Frage kommenden Beratungen. So urteilte beispielsweise der Abg. Dr. Hirsch über die Kranken­versicherung folgendermaßen:Aus dieser Vorlage leuchtet der Geist der Beschränkung und Bevormun­dung hervor: es spricht aus allen ein Mißtrauen gegen das Volk und insbesondere gegen die Arbei­ter." Wenige Tags darauf bezeichnete derselbe Abg. Dr. Hirsch im Reichstage dieVerstärkung des Zwanges, und zwar des Zwanges gegen mündige Bürger" als denHauptcharakter" des Gesetzes. Bei der Beratung des Unfallverstcherungsgesehes erklärte der Abg. Dr. Bamberger:Das sozialistische Element wird durch diese Gesetze in die Gesetzgebung einge- führt. Es hat noch niemand gesagt, daß Reichsbrot- backereien gemacht werden müssen, und ich sehe des­halb nicht ein, warum man Reichsversicherungs­anstalten schaffen muß." Zu dem gleichen Gegenstand gab der Abg. Eugen Richter sein Urteil ab mit den Worten:Nachdem nun dieses Gesetz zustande ge­kommen sein wird, wird der Wunschzettel der kon­servativen Partei erfüllt sein, soweit sie dem Ar- bciterstand besondere Vorteile versprach. Nun wird man im Arbeiterstand sehen, was an diesen Früchten konservativer Gesetzgebung ist." Als endlich das Alters- und Jnvaliditätsversicherungsgesetz beraten wurde, sagte derselbe Abg. Schrader, der jetzt gegen die ganze Reichsversicherungsordnung gestimmt hat, weil sie ihm nicht weit genug ging, wörtlich folgen­des:Man macht, wie es die Sozialdemokraten wol­len, einen jeden Arbeiter zum Staatspensionär. Die Herren von der sozialdemokratischen Partei lächeln sehr vergnügt; sie haben das Gefühl, daß der Weg, den wir gehen, ihr Weg ist, daß wir nur das, was sie vielleicht schnell wollen, langsamer, aber vielleicht «n: so sicherer erreichen werden. Das ist das Resul­tat der eingeschlagenen Jnvaliditätsversicherung. Man wird die Arbeiter unter einen Zwang stellen den sie bisher nicht gehabt haben."

Es gehört ein gerüttelt Maß Heuchelei dazu, wenn eine Partei mit einer derartigen sozialpolitischen

sNack>>"' -*en.)

Ire Rückkehr zur Uaiur.

3) Eine lachende Geschichte Von Agnes Har de r.

(Sortierung.)

Hasse stellte das Bierglas, das er eben zu Munde führte, wieder hin, der Ausdruck seiner Züge aber war so sprechend, daß der Freund ruhig antworten konnte.

Du denkst an die alte Fabel. Mit Nichten, Bester. Ich bin nicht so eitel, meinen da­maligen Abfall jetzt leugnen zu wollen. Du ahnst nicht, mit welcher Dankbarkeit ich heute die Hand deiner Frau küssen werde. Zu denken, daß ich jetzt hier die übliche Praxis mit dem üblichen Schild an meiner Haustür hätte und wahrschein­lich auch noch immer Bier tränke und womöglich Pfeife rauchte ah, ich sehe, ich hab's getroffen? und mir durch Alkohol und Nikotin jeden fei­neren Genuß unmöglich machte! All dies exqui­site Auccinanderhalten der verschiedenen Rei­zungen, das bei einer vergifteten Zungenspitze ja ganz unmöglich ist! Nein, die Hand deiner Frau wies mich auf den Weg meiner wahren Entwicklung. Und eine zweite Erfahrung be­kräftigte mich noch darin."

Du hast noch einmal angehalten?" fragte Hasse, in dessen Augen es aufleuchtete.

Ich war verlobt, in Bremen mit einer Pa- trizrertochter. Zch hatte de« Alten das Leben tzeretlet, wie die Laien zu sagen pflegen. Wir |

Vergangenheit gegen andere Parteien den Vorwurf mangelnden sozialpolitischen Empfindens erheben will.

Deutsches Reich-

Ehrung Pros. Ehrlichs. Berlin, 13. Juni. Wie das Wolff-Bureau von zuverlässiger Seite er­fährt, ist der Direktor des Königlichen Instituts für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M., der Entdecker des Salvarsan, Geheimer Obermedizinalrat Prof. Dr. Ehrlich, zum Wirkl. Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt worden.

Abänderungen der Bestimmungen über die Ersatzkommissionen. Im Parlament wurde mehrfach die Frage der Aenderung der Bestimmungen über das Heeresergänzungsgeschäft angeschnitten, und im Abgeordnetenhause wurde die Regierung ersucht, im Bundesrat entsprechend hinzuwirken und für eine Vereinfachung des Ersatzgeschäftes Sorge zu tragen Wie mitgeteilt wird, istdie Heeresverwaltung gegen­wärtig damit beschäftigt, zu prüfen, ob die Geschäfte der Ober-Ersatzkommission und der Ersatzkommissionen vereinigt werden können. Man kann damit rechnen, daß die neuen Bestimmungen in nicht ferner Zeit, also noch in diesem Jahre, erscheinen werden.

Wegen Verrats militärischer Geheimnisse verurteilt. Berlin, 13. Juni. Marinebau­meister Johanes Krüger wurde wegen des Ver­rats militärischer Geheimnisse, begangen durch die Bekanntgabe der'Armierung des Panzerschif­fesNassau" an England, obwohl diese geheim bleiben sollte, zu drei Monaten Festungshaft verurteilt, wovon eine Woche auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnet wird. Der Vor­sitzende bemerkte bei der Urteilsbegründung, der Gerichtshof erwog bei her Strafbemessung, daß dem Staate Schaden durch die Veröffentlichung der Armierung nicht entstanden fei, da vier Mo­nate später die Geheimhaltung der Armierung aufgehoben worden sei. Bei der Verhandlung wurde eine ganze Reihe Sachverständiger aus dem Neichsmarineamt vernommen.

Zunahme der Maul- und Klauenseuche. Wie stststeht, hat eine weitere Zunahme der Maul- und Klauenseuche in Deutschland sta-tgefunden. Nach den letzten amtlichen Feststellungen sind gegenwärtig im ganzen 3117 Gemeinden und 13 493 Gehöfte als von dc: Maul- und Klauenseuche verseucht gemeldet worden. Die vorhergehende Feststellung verzeichnete eine Verseuchung von 12 505 Gehöften. (Der höchste Stand der Maul- und Klauenseuche wurde am 15. November 1899 erreicht, an welchem Tage 25 407 ver­seuchte Gehöfte gezählt wurden.) Gegenwärtig wellt in Deutschland der Regierungsbezirk Düffeldorf mit 188 Gemeinden und 1093 Gehöften den größten Be­stand an Maul- und Klauenseuche auf. Es folgt der Regierungsbezirk Stettin mi 214 Gemeinden und 1000 Gehöften, und bedeutend ist ferner die Ver­seuchung im Regierungsbezirk Breslau (254 Gemein­den und 713 Gehöfte), Magdeburg (188 Gemeinden und 745 Gehöfte), im Regierungsbezirk Hannover (>37 Gemeinden und 706 Gehöfte), im Regierungs­bezirk Stade (62 Gemeinden und 222 Gehöfte), im Regierungsbezirk Köln (64 Gemeinden- und 293 Ge­höfte), im Regierungsbezirk Aachen (67 Gemeinden und 333 Gehöft«), in der Pfalz (43 Gemeinden und

Aerzte wissen ja. daß es das nicht gibt. Ein glücklicher Zufall. Ich merkte, daß ich ein will­kommener Schwiegersohn gewesen wäre, wenn ich mich hätte seßhaft machen wollen. Es war zu überlegen. Was für eine Praxis garantierten mir die Schmerbäuche der reichen Handelsherren, ihre schweren Zigarren und ihre Abneigung ge­gen Bewegung! Und das Mädchen mißfiel mir nicht. Kalt, nüchtern, ohne ein Fünkchen von Temperament, konventionell, ohne eigene An­sichten, kurz, das Ideal meiner Frau, wenn ich die Ehe denn aus praktischen Gründen noch ein­mal in Erwägung zog. In der Familie waren wir einig, ich genoß alle Vertraulichkeiten, schon sollten die Karten bestellt werden, da

Sie schnappte ab," stammelte Hasse erregt.

Da verliebte sie sich in mich! Puh, wie un­ästhetisch! Seufzer, suchende , Finger, feuchte Augen, ein beständiges Ummichherumstreichen, meine Hilfe in Anspruch nehmen, wenn es eine kleine körperliche Anstrengung galt, und eines Abends ein richtiger Ueberfall, inszeniert wie in einer Komödie, mit rosa Ampel und Fliederduft, Küssen und Sehnsuchtsgeflüster. Ich fühlte, daß sich alles in mir sträubte. Am nächsten Morgen verließ ich die Stadt. Mit der Ehe hätte ich mich abfinden können mit der Liebe nicht. Aber verzeihe, du bist zum zweiten Male verheiratet und denkst wohl anders über die Frau."

Hasse blies den Rauch seiner Zigarre von sich und schwieg. Er war so verblüfft, daß er in der Tat nicht antworten konnte. Er fühlte wohl nn-

330 Gehöfte), in Schwaben (43 Gemeinden und 404 Gehöfte), im Neckarkreis (40 Gemeinden und 396 Ge­löste), ferner in Braunschweig (81 Gemeinden und 430 Gehöfte), im Unter-Elsaß (40 Gemeinden und 352 Gehöfte) und im Ober-Elsaß (77 Gemeinden und 493 Gehöfte). Ganz frei von der Seuche find nur, wie bisher, der Regierungsbezirk Aurich, ferner die Amtshauptmannschaft Chemnitz, die bisher verseucht war, das Fürstentum Lübeck (Oldenburg), die freie Hansestadt Lübeck und die Fürstentümer Schwarzburg- Sondershausen und Rudolstadt.

Ausland.

** Kranken- und Unfallversicherung in der Schweiz. Bern. 13. Juni. Dos Eesen, betreffend die Kranken- und Unfallversicherung der Arbeiter, wurde von dem Nationalrat mit 136 gegen 12 Stimmen und von dem Ständerat einstimmig angenommen.

*' Der drohende Seemannsstreik. Brüssel, 13. Juni. Das Syndikat der Seeleute verbreitet ein Manifest, worin der Ausstand auf den belgischen Schiffen er­klärt wird. Trotz der Aufforderung, daß keine Matrosen sich für irgend eine Seereise verpflichten sollen, haben heute vormittag Anwerbungen für die Red-Star-Linie stattgefunden. Auch die Haltung der Hafenarbeiter erscheint zweifelhaft. Amsterdam, 13. Juni. Die Matrosen weigerten sich, vier Dampfer der Könialichen Sck>iffahrtsaesellschaft, die an dem Tage, an dem Generalstreik wahrscheinlich pro­klamiert wird, abfahren iollten, zu bemannen, ebenso weigerten sich die Matrosen an Bord des DampfersKönigin Wilhelma" zu gehen, der am 23 Juni zur Flottenschau nach der Reede van Spithead in See gehen sollte. Der Streik umfaßt zur Zeit 80 Matrosen. Southampton, 13. Junt. Die Kohlenträger beschlossen fast einstimmig, die Vorschläge der Arbeitgeber zurückzuweisen. Der Aus­stand dauert daher fort. An der Bekohlung der Damnfer in den Häfen arbeiten zur Zeit gegen 700 Mann, die von auswärts herangezogen wurden. Der Beginn des internationalen Seemannsstreiks ist endgültig auf morgen festgesetzt.

** Die antirepublikanische Bewegung in Frank­reich. Paris. 13. Juni. Der Herzog von Orleans hat das Entlaffungsgesuch des Leiters seines Pariser Bureaus Graf de la Regle und des Präsidenten der royalistischen Ausschüsse des Seine-Devartement- Graf de Eastellane angenommen. Man glaubt, daß der Nachfolger des Grafen de la Regle der Partei der Aktion entnommen wird. Der bisherige Mit­arbeiter des Grafen de la Regle, der Publizist Baragnon erklärte einem Berichterstatter, daß dies eine einschneidende Aenderung der ganzen Politik und einen vollen Sieg der Liga derAction Fran- caife bedeute, die zum Sturze der Republik bereit fei, sich auch mit Revolutionären zu verbinden.

** Zur Sage i * Marokko. Paris, 12. Juni Aus Fez wird unterm 8. Juni gemeldet: Die französischen Truppen brachten Mittwoch Nacht in Zdida, drei Stunden von Mekines zu nachdem sie mehrere Ban­den von Berbern zurückgeschlagen und das Haus des Kaids Haka, des Anführers der Aufständischen, an« gezündet hatten Den ganzen Tag wurde Kanonen­donner gehört. Wahrscheinlich ist General Moinier mit den Beni Mter in Kamp geraten. Larrasch, 12. Juni. Infolge des Protestes Raisulis, der ver­sicherte, daß die Stabt und die Umgebung ruhig ist, verzichteten die Spanier auf eine Landung in Arzila.

deutlich, daß er nun ein hohes Lied auf die Frau hätte anstimmen müssen, aber es war ihm nicht möglich. Der Kiwitt benahm ihn. Allein schon der Tonfall, das leise Suchen nach Worten, wie bei eMnschen, die lange Zeit eine andere Sprache gesprochen haben. Es war ja zu geschmackvoll, fremde Brocken einzustreuen, aber zuweilen stellte er den Mund so eigentümlich, so anders, als es das heimische Idiom erforderte. Er zer­quetschte das R so, das er früber so tief und rollend aus der Kehle hervorgeholt hatte. Und über diesen Betrachtungen versäumte der Rat den richtigen Zeitpunkt, und statt seiner stand Kapitän Rodonath vor Dr. Dietrich, von Erog- dunst dampfend und sagte feierlich:

Da hinten hab' ich gesessen und habe zuge- bört, Herr Doktor. Ich kannte Sie ja auch von früber. Wissen Sie noch, die Pauline? Nicht daß ich selber ein Aug auf ihr hatte, aber sie war die einzigste, die sich einen Stengel Reseda und einen Portulak bei mir abbrechen durfte für das Gesangbuch. Na, und ich dachte ja, es würde gleich mit dem Teemädchen anfangen. Aber so gründlich haben sie noch nie einen gewaschen, der die Linie passierte. Und Sie sind mein Mann, Herr Doktor. Es wird mir eine Ehre sein, wenn Sie mir in meiner Koje besuchen wollen. Die Schneeglöckchen sind vorbei, aber ich habe ein Hyazinthenbeet, daß sie sich die Nase glatt drücken möchten an meinem Staketenzaun."

Er wartete keine Erwiderung ab, sondern schritt nach der Tür. Da prallte er mit Dietrich» |

DieStgence Havas" meldet aus Elksar miet dem 11. d. Mts.: Als die Spanier einziehen wollten, machte ihnen der Pascha den Vorhalt, daß et über eine genügende Garnison verfüge, um den Polizei­dienst versehen zu Kennen. Paris, 13. Juni. Aus Mekines wird gemeldet, daß der Wachsen des Prä­tendenten Mulay Zin, der Bruder Mulay Hafids, bei dem am 8. Juni erfolgten Einmarsch der franzö­sischen Truppen seine Unterwerfung ankündigte. Ge­neral Meinier ließ antworten, daß der Schritt des Wachsen allein nicht genüge und daß Mulay Zin selber kommen müsse. Einige Stunden später traf Mulay Zin mit einem zahlreichen Gefolge im Lager des Generals Moinier ein und bot feine Unterwer­fung an. Moinier erklärte dem Prätendenten, daß et fein Gefangener fei; er müsse ihn nach Fez bringen, um ihn den Händen des Sultans zu übergeben, et verbürge sich jedoch dafür, daß er gut behandelt wer­den solle. El Mrami, der gleichfalls in Mekines an­gelangt ist. wird mit feiner Mahalla und drei Kom­pagnien algerischer Schützen dort bleiben. In dem im Elysee abaehaltenen Kabinettsrate teilte bet Minister des Aeußeren Cruppi unb Kriegsminister Goiran bie Einnahme von Mekkines mit. Es würbe auf französischer Seite ein Soldat getötet, vier­zehn würben verwunbet. Die Regierung wirb ihr Einverständnis erklären, baß bie Interpellationen über Marokko in bet Kammer nach ben Inter­pellationen über bie Ruhegehälter bet Arbeiter zur Beratung gestellt werben. Aus Tanger wirb ge- melbet, baß der von El Eebbas gegen die spanische Besetzung von Larrasch erhobene Einspruch einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Spanten unb Marokko herbeiführen werbe, falls bie Mabriber Regierung eine ebenso unversöhnliche Haltung beobachte wiebr Gesandter in Tanger.

Die Reise bes Sultans. Uesküb, 13. Imst. Der Sultan empfing gestern bie hiesigen Diplomaten und verschiedene Deputationen. Nachmittag fand ein Festzug unb Boisüh»'.ng von Nationaltänzen statt. Der Sultan verteilte Gelbgeschenke unb fpenbete für Wohltätigkeitsanstalten 2100 Pfunb In der Stabt herrscht große Begeisterung. Der Sultan ist über ben freubio.cn Empfang entzückt. In Prischtina waren authentischen Nachricht n zufrnge i - er 100000 Albanesen zum Empfang versammelt.

$envaltiing§bcriif)t des Kreises Marburg.

Marburg, 13. Juni.

Aus dem Bericht des Kreisausschusses bes Kreises Marburg über die Verwaltung und den Stand der Kreis-Kommunalangelegenheiten im Jahre 1910 ist folgendes von Interesse:

Der Umfang des Kreises und der Gemar­kungen ist unverändert geblieben und beträgt der Flächeninhalt 506,94 Quadratkilometer oder etwa 10 Quadratmeilen. Derselbe verteilt sich auf 2 Städte, 88 Landgemeinden und 7 da­runter 5 forstfiskalische Eutsbezirke mit im Ganzen 193 Wohnplätzen.

Bevölkerung: männlich 27 810 (26 205 in 1905), weiblich 29131 (27 574 in 1905), zusam­men 56 941 (53 779 in 1905).

Der Kreis hat den plötzlichen Tod seines langjährigen und allbeliebten Landrats, des Ge-

Diener zusammne, der meldete, daß das Gepäck auf dem Bahnhof verstaut sei und der nächste Zug in zwanzig Minuten ginge. Man brach auf, ehe Hasse seine Redegewandtheit wiederge­funden hatte.

Der Wirt nahm die Tasse und die Gläser fort und wischte über die Tische. Die frühe Dämme­rung des Regentages füllte die Jltzkefalle mit ihrem grauen, weichen Licht. Noch eine halbe Stunde, dann kamen die ersten Stammgäste. Der messingene Spucknapf, auf den aus dem glühen, den Ofen rötliche Streiflichter fielen, funkelte und warf einige Reflexe nach den gläsernen Augen des ausgestopften Iltis, der dem Namen des Lokals zu Ehren oben auf dem Bord stand. Spucknapf und Iltis schienen nachdenklich das Gehörte zu erwägen, bis der Wirt flirrend die Hängelampe herunterzog und ansteckte. Sie schwamm wie eine matte Kugel in der Rauch­luft des niedrigen Raums. Das Strahlenspiel zwischen Cpucknapf und Iltis war zu Ende, da­für gewahrte der Wirt nun das Peutagramma, das Hasse vorhin auf die Schwelle gezeichnet hatte. Rasch holte er einen Lappen vom Schenk­tisch und wischte es ab. Gerade als er damit fer­tig war, kamen die ersten Stammgäste, brüdten sich auf die ihnen zukommenden Lederkissen und bestellten einen Grog.

(Fortsetzung folgt.)