Ausland.
** Liebknecht in Oesterreich. Wien, 12. Juni. Wie aus Asch gemeldet wird, ist dem preußischen Landtagsabgeordneten Dr. Liebknecht, der gestern und heute in mehreren Wählerversammlungen gesprochen hatte, von der politischen Behörde nahe gelegt worden, die agitatorische Tätigkeit einzustellen. Dr. Liebknecht ist daraufhin nach Berlin abgereist.
** Ausschreitungen in einer Wählerversammlung. Wien, 12. Juni. Bei einer Wählerversammlung in Oderfurt bei Mährisch-Ostrau kam es zu Zusammenstößen zwischen deutsch-freiheitlichen und sozialdemokratischen Wählern, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. Viele wurden verhaftet. Die Gendarmerie stellte die Ordnung wieder her.
** Das französische Budget. Paris, 12. Juni. Der Senat beriet heute über das Budget. Eene- ralberichterstatter Gauthier stellte fest, daß die Ausgaben für die sozialen Gesetze und für Militär und Marine ständig wachsen. Das Defizit werde sich auf 71 Millionen belaufen. Die Idee einer Anleihe sei zu bekämpfen. Finanzminister Caillaux meinte, das Defizit sei auf 54 Millionen zu schätzen, aber man müße das Anwachsen der Einnahmen um 180 Millionen berücksichtigen. — Das Erträgnis der indirekten Steuern und Monopole im Monat Mai überstieg die Budget- schätzungen um 43 671 000 Francs, davon entfallen etwa 33 Millionen auf die Zolleinnahmen.
** Bon den Winzern. Bar-sur-Aube, 11. Juni. Die Behörden ließen die aufrührerischen Flaggen und Inschriften entfernen, wobei Gendarmerie und Militär die Volksmenge nur schwer im Zaume halten konnte. Sappeure mußten die Türe einer Kirche aufbrechen, nm eine auf dem Kirchturm befestigte rote Fahne zu entfernen. — Paris, 12. Juni. Der Verbands- ausschuß der Aube-Winzer fordert in einem einstimmig gefaßten Beschlußantrag sämtliche Gemeindevertretungen des Departements auf, innerhalb acht Tagen ihre Entlastungen zu geben, falls das ganze Abtrennungsgesetz bis dahin nicht abgelehnt sei. Gleichzeitig wird die Bevölkerung unter Hinweis auf ihre Notlage aufgefordert, alle Steuern zu verweigern. In den Dörfern bei Bar-sur-Aube fanden gestern Abend lärmende Kundgebungen gegen den Abgrenzungserlaß statt. Die Winzer zogen, revolutionäre Lieder singend, durch die Straßen und es kam dabei wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Gendarmen und Dragonerpatrouillen, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung aufgeboten waren.
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die Trockenheit bisher wenig geschadet. Der Ertrag der Futterpflanzen läßt viel zu wünschen übrig, auch die Heuernte fällt bei fehlendem llntergra» sehr mäßig aus. Simtliche Kulturen bedürfen durchdringender Niederschläge.
Marburg
Mittwoch, 14 Juni
46. Jahrg
1911.
schiedenen größeren Städten waren Extrazüge nach Berlin abgelasten worden, die der Versammlung eine große Zahl von auswärtigen Delegierten zuführten. Unter den Anwesenden befanden sich die Abgeordneten Friedberg, Kämpf, Stresemann, Beck (Heidel- berg), Dr. Wiemer, Prof. D. Liszt u. a. Nach Absendung eines Huldigungstelegramms an den Kaiser als den Schirmherrn der Gleichberechtigung aller deutschen Arbeit begrüßte Geheimrat Riester, der Präsident des Bundes die Ehrengäste und Teilnehmer. Die vielen Tausenden, die hierher geeilt seien, um Zeugnis abzulegen, daß sie helfen wollen, eine neue Zeit für unser Vaterland herbeizuführen, zeigen, daß sebst die günstigsten Hoffnungen derer, die den Bund vor zwei Jahren mit Begeisterung gündeten, bei weitem übertroffen worden seien. Der Bund habe als Aufgabe, eine allen Erwerbsgruppen einschließlich der Landwirtschaft in gleicher Weise zugute kommende Politik zu treiben. (Stürmischer Beifalls
Von lebhaftem Beifall begrüßt ergriff darauf Reichstagsabgeordneter Kaempf das Wort, um sich über die „Notwendigkeit des Hansabund-Eedankens" zu verbreiten. Auch er wies den Gedanken von sich, daß der Hansabund ein Feind der Landwirtschaft sei, er verlange nur Gleiberechtigung aller Stände und Erwerbszweige. Magistratsrckt Landschaftsabgeord- ncter Häberl in (Nürnberg) überbrachte Grüße aus dem Süden, der wie in großen nationalen und politischen Fragen auch hier in Fragen des Wirtschaft-, lebens mit dem Norden zusammengehe. Er wünsche dem Hansabund ein tausendfaches Glückauf, damit er eii unneinnehmbares Bollwerk gegen feine Feinde werde. Direktor Felix Dr. Marquardt (Leipzig) betont die Solidarität der Angestellten mit dem Hansa- bvnde. Der Vorsitzende der Detailistenkammer Hamburg Schmersahl wies darauf hin, daß auch der Kleinhandel mit dem Hansabund gehe. Reichstagsabge- ordneter Dr. Stresemann schilderte die Beziehungen von Handel und Industrie zum Hansabund und führte aus, daß bei dem Uebergange Deutschlands vom Agrar- zum Industriestaat mehr als bisher auf die Interesten der erwerbstätigen Stände, die im Hansa- bunde vertreten seien, Rücksicht genommen werden müßte. Handel und Industrie müßten versuchen, die Klinke der Gesetzgebung mehr in die Hand zu bekommen und zu diesem Zweck die Oeffentlichkeit ge- winnnen. Diesem Gedanken zu dienen, sei der Hansa- br.nd berufen. Nach einigen weiteren Rednern sprach Obermeister Rahardt über „Mittelstand und Hansa- bvnd". Nach Entgegennahme des Antworttele- gramms des Kaisers hielt Geheimrat Riester das Scklußwort, indem er sich gege nden Vorwurf der Liebäugelei mit der Sozialdemokratie, einer extrem- frcihändlerischen Richtung und des Hastes gegen die Landwirtschaft verwahrte. Wir wollen die abseits stehenden sozialdemokratischen Kreise zur Mitarbeit heranziehen und ihnen das Staatsbewußtsein wach rufen. Wir unterstützen alle Parteien, welche unser Eleichberechtigungsprogramm akzeptieren. Freilich bildet der Kampf gegen die Ueberagrarier die entscheidende Etappe. Die Sammlung gegen die Sozialdemokratie hat sich in eine Sammlung aller rückständigen Elemente gegen das Bürgertum verwandelt. Die nächste Zeit wird über die Zukunft dec Bürgertums entscheiden, tue daher jeder seine Pflicht. Darauf wurde die Tagung geschlosten.
Erster Allgemeiner Deutscher Hansatag.
Berlin, 12. Juni.
Unter Beteiligung von etwa 4000 Personen aus allen Teilen des Reiches trat heute Nachmittag im Saale des Berliner Sportpalastes der Hansabund zu fernem ersten Allgemeinen deutschen Hansatage zusammen, der zum Jahrestage der Gründung des Bundes vor zwei Jahren einberufen war. Aus ver-
Zu dem Vordringen Spaniens in Marokko.
Madrid, 11. Juni. Die Regierung erhielt »om Vertreter des Sultans in Tanger El Deb- bas, eine Note, in der gegen die Ausschiffung der spMischen Truppen in Larrasch Einspruch erhoben wird. — 200 Mann sind von Cadix nach Larrasch abgegangen, um die Verbindung zwischen Larrasch und Elksar sicher zu stellen. — Tanger, 11. Juni. Dem diplomatischen Korps sind von verschiedenen Stämmen der Umgegend Proteste gegen die Ausschiffung spanischer Truppen bei Larrasch zugegangen. — Madrid, 12. Juni. Im heutigen Ministerrat gab der Minister des Aeußern Earcia Priete Kenntnis von einem Telegramm des spanischen Botschafters in Paris, das über dessen Besprechung am Sonnabend mit dem französischen Minister des Aeußern Cruppi berichtet. Eruppi habe im Laufe dieser Unterredung dem Botschafter erklärt, daß er sich, da er die näheren Umstände, unter denen die Ausschiffung der spanischen Truppen in Dirrasch erfolgt sei, nicht vollständig kenne, darauf beschränke, von der Mitteilung des Botschafters Kenntnis zu nehmen und um weitere Aufklärung bitten werde. Earcia Priete wurde ermächtigt, die Verhandlungen fortzusetzen, um bei dem Pariser Kabinett jeden Zweifel über die Bedeutung und Tragweite des berechtigten Schrittes Spaniens zu zerstreuen. — Paris, 12. Juni. Der ehemalige Botschafter Millet schreibt im „Excelsier": Das kühne Unternehmen der spanischen Regierung wird jeder Zweideutigkeit ein Ende machen. Insbesondere wird es uns gestatten, den widersinnigen Ee- heimvertrag von 1904 zu kündigen. Darf es denn in einem freien Lande überhaupt Eeheim- verträge geben? Darf ein Minister das Recht haben, mit seiner Unterschrift allein die Zukunft des Landes festzulegen und über ein Gebiet zu verfügen, welches er nicht einmal kennt? — Paris, 12. Juni. Nach einer offiziellen M e ld u n g hat die französische Regie- rng die Signatarmächte des Alge- ciras-Vertrages verständigt, daß sie den Maßnahmen Spaniens in derGegendvonElKsarihreZustim- mung verweigert habe.
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Deutsches Reich-
— Personalien. Hannover, 12. Juni. Der Historienmaler Profesior Schaper ist dem „Hann. Anzeiger" zufolge gestorben. — Nach dem „Hann. Courier" ist der langjährige nationalliberale Landtagsabgeordnete Heyermann gestern auf seinem Gute Lehne bei Burgwedel gestorben.
— Antinltramontaner Reichsverband. Frankfurt a. M., 11. Juni. Der Antiultramontane Reichsverband hielt heute hier seine 5. Vertre- terverfammlung ab. Es wurde eine Entschließung angenommen, die zu nachdrücklichem Kampfe gegn den Ultramontanismus aufforderte, desien Verkörperung in Deutschland die Zentrumspartei sei.
— Delegiertentag der elsässischen Zentrums- partei. Straßburg, 11. Juni. Der Delegiertentag der elsässischen Zentrumspartei hat den Reichstagsabgeordneten und den Vertretern im Landesausschusse, die sich gegen die elsaß-lothringische Verfassungsreform aussprachen und gegen sie stimmten, sein volles Vertrauen ausgesprochen. Er beschloß ferner, den Beitritt zu einem neu zu gründenden Ausschusie der Gesamt-Zen- trumspartei für Elsaß-Lothringen abzulehnen und an einer eigenen unabhängigen Landesorganisation, an deren Namen und Programm festzuhalten. Darüber, ob in Zukunft Abgeordnete der elsaß-lothringischen Zentrumspartei gleichzeitig der Zentrumsfraktion des Reichstages angehören sollen, soll statutengemäß die Kreisorganisation zu befinden haben. Die.Beschlüße wurden nach lebhaften Debatten mit großer Mehrheit gefaßt. Sie besagen, daß man zunächst ein besonderes elsaß-lothringisches Zentrum bleiben, ober keinesfalls die Brücken zu der Gesamtpartei des Zentrums abbrechen will.
— Saatenstandsbericht. Nachdem der amtliche Saatenstandsbericht auf den ersten des Monats verlegt ist, wird die Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats an Stelle ihres bisherigen monatlichen Berichts einen wöchentlichen heraus- geben, der die wichtigsten Veränderungen des Saatenstandes während der letzten Woche enthalten wird. Die Preisberichtstelle meldet in ihrem ersten Wochenbericht: Die Berrchte aus den nördlichen und östlichen Gebieten mit Ausnahme von Schlesien lauten mit Rücksicht auf die andauernd trockene Witterung wenig befriedigend. Während Weizen sich aber immer noch ziemlich widerstandsfähig zeigt, hat der Winterroggen namentlich auf leichten Böden weiter unter Trockenheit gelitten. Fast überall zeigen sich Scheinstellen und machen sich Anzeichen von Notreife bemerkbar, auch scheint der Körneran- fatz trotz gut verlaufener Blüte durch Dürre beeinträchtigt zu sein. Am meisten haben die Somnt *r= Halmfrüchte infolge der Dürre eingebüßt, stellenweise war die Sommerung direkt vertrocknet oder ihr Bestand derartig, daß selbst günstige Witterung nur noch wenig erhoff 1 läßt. Günstiger lauten die Berichte aus dem Süden und Westen für alle Halmfrüchte, abgesehen von vereinzelten Klrgen über dünnen Stand und Rostbefall. Den Kartoffeln hat
Dte „Qbertzeffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 «* frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
sRgck'd'-'^ ' '•en.)
Die Diickkehr zrrr Uatur.
2) Eine lachende Geschichte Von Agnes Harder.
< Fortsetzung.)
Es war für Rat Haffe sehr angenehm, bei dem nassen Aprilwetter in der warmen, behaglichen Jltzkefalle zu sitzen und zu denken, daß Sophie Rafael nun schon zehn Jahre lang Frau Rat Haffe war, eine glückliche, rundliche, sehr lustige Frau, deren Schlagfertigkeit ihrem eigenen Buben sehr dienlich war, während seine Tochter aus erster Ehe an der Stiefmutter den besten Kameraden gewonnen hatte. Tittnak Haffe war unbedingt glücklich, schon weil seine Natur diesn Zustand als den allein möglichen forderte,' aber es muß zugestanden werden daß der Gedanke an das Mißgeschick des Freundes dieses Glück würzte, wie etwas Zimmt einen guten Glühwein. Es ist angenehm, unbestrittene Rechte auf eine Frau zu haben, derentwegen ein anderer zwölf Jahre Länder und Meere durchkreuzt hat. Und mit einer gewiffen Rührung bereitete er sich auf den Empfang vor, mit der Miene des Kenners den feinen Duft der gerösteten Neunaugen einziehend und den schweren Porter schlürfend: Armer Kiwitt! Na, über die Kindertorheiten war man ja nun mittlerweile hinweg, und wenn Dietrich sein väterliches Haus beziehen wollte, das in der Residenz dicht neben der Wohnung des Rats lag, dann sollte er bei thnen ganz zur Familie gehören, das hatte er
noch heute früh mit seinem Fuschchen besprochen, ehe er ihr den Abschiedskuß gab. Sie war heute auch ordentlich feierlich gewesen. Es lag in der Luft. Der Bazillus der Sentimentalität.
Einer der Seeleute, die im Windschutz auf dem Kai draußen herumlungerten, klopfte an das Fenster.
„Er kommt all."
Haffe sprang auf und fuhr in den Ueberzieher. Auch Rodonath griff nach dem Eummirock. Aber während der Rat mit dem Schirm kämpfte, den ihm der Wind umschlug, steuerte der alte Seemann mit verächtlicher Verbiffenheit schräg gegen den Wind und bekam so den Blick nach dem Tief frei. Von See her war eben ein Dampfer hineingetragen und stand nun schwarz, mit einer Rauchwolke, die wie ein Trauerwimpel seitwärts getrieben wurde, in dem grauen Regentag.
„Es ist die „Iris"," brummte Rodonath vor sich hin. „Die wird geschlingert haben. — In zehn Minuten ist sie hier," sagte er zu dem Rat, der sich nun soweit durchgekämpft hatte und neben einer Ladung von Fässern im Wi.'^'chutz war.
„Und er auch."
Rodonath nickte höhnisch.
„Aber wie? Seekrank, ich wette."
„Das hat er sich mittlerweile doch wohl abgewöhnt!"
Der alte Kapitän lächelte nur. Seine Meinung über Landratten stand unerschütterlich fest, und gelegentlich Vergnügungsfahrten, die von den Badegästen im Sommer längs der Küste un
ternommen wurden, hatten sie noch immer bestätigt. So sah er gemütsruhig zu, wie die „Iris" anlegte, die Brücke Heruntergelaffen wurde und ein fremder Herr als erster den Dampfer verließ. Dr. Dieter schien vorläufig noch nicht imstande zu sein, die Heimat anders als dur chOpfer zu begrüßen. Auch Haffe spähte nach ihm aus, bis der elegante Fremde vor ihm Halt machte und gelaffen sagte:
„Doch sieh, auch de. Freund, er erkennt ihn nicht, Die Sonne hat zu sehr verbrannt sein Gesicht!"
„Kiwitt!"
Einen Augenblick zog ein suchendes Erstaunen durch die Augen des Angekommenen, dann löste es sich in einem leichten Lächeln.
„Tittnak, wenn wir denn hier in der Heimat auch die Kinderschuhe anziehen sollen. Und nun komme unter Dach und Fach, denn der Regen scheint dich zu belästigen. Mein Gepäck besorgt mein Diener. Ich habe an Bord gegeffen und nehme in der Jltzkefalle mir einen Kaffee, den man mir hoffentlich ausnahmsweise bewilligen wird, dann können wir meinetwegen mit dem nächsten Zuge abdampfen. Für dein Anerbieten in den ersten Tagen dein Gast zu sein, danke ich dir herzlich. Ich küffe deiner Frau heute Abend noch in aller Eile die Hand, ziehe aber das Hotel vor. Ich bin nun einmal meine Bequemlichkeit gewohnt, halte Waschungen wie ein Türke und würde für einen doch immerhin beschränkten Haushalt ein zu anspruchsvoller East sein."
Während er so sprach, war er neben Haffe mit elastischem Schritt nach der Jltzefalle gegangen.
von den Unbilden der Witterung offenbar nicht im geringsten abhängig. Nur als der Freund an der Tür, auf deren Schwelle das Hufeisen genagelt war, seinen naffen Schirm umständlich abschüttelte, zog er seine in Gamaschen steckenden Füße vorsichtig zurück wie eine Katze. Als sie sich drin der Mäntel entledigt hatten, sagte er erstaunt:
„Du bist stark geworden, Tittnak. Das macht der Porter, das viele Sitzen. Ich wette, du radelst nicht einmal. Schade, du hattest früher trotz einiger Unregelmäßigkeiten eine germanische Sieghaftigkeit, die dir gut stand. Aber man altert früh in den Bierstuben und bei den staubigen Akten."
In Haffe regte sich der alte Adam.
„Ich bin gerade der Geschmack meiner Frau." Er fand sich selbst gewöhnlich, als er das sagte.
Aber der Mann mit dem blaffen, bräunlichen Gesicht, mit den nao,...Men, sicheren Bewegungen und der gemeßenen Temperatur reizte ihn. Und jetzt antwortete Dietrich, während er den Zucker beiseite schob, deffen mildernde Kraft der dünn- liche Frank, den mau ihm eben hingestellt hatte, nicht verlangte, im Tone einer leisen Abneigung:
„Die Frauen, Tittnak! Aber die haben ja gar keinen Geschmack. Sieh in jede Kunstgeschichte hinein, so wirst du finden, daß man sie mit Unrecht das schönere Geschlecht genannt hat. Mein EndesurteÜ ist da untrüglich, denn ich habe mich dieses Studium etwas kosten lasse».
1 Und gar die hiesige Raffe! Zu viel Büste und zu « wenig Gehirn." (Fortsetzung folgt.)