Bebels Bekenntnis.
August Bebel, der alternde Sozialistenführer und Kladderadatschprophet, richtet im „Vorwärts" seinen Blick auf die kommenden Wahlen. Er meint: „Voraussichtlich werden die nächsten Reichstagswahlen der Partei, im Vergleich zu den vorhergehenden Wahlen, einen erheblichen /Stimmenzuwachs einbringen. Aber als wirklicher Gewinn kann nur angesehen werden, was über dreieinhalb Millionen Stimmen hinausgeht, da die ungünstige Situation der Wahlen im Jahre 1907 uns mindestens eine Viertelmillion Stimmen kostete, die wir bei normalen Wahlen hätten mehr haben müssen. Es wird sich also fragen, wie weit bis zu den nächsten Wahlen der Stimmungs- und Gesinnungswechsel in den kleinbürgerlichen und kleinbäuerlichen Schichten eingetreten ist."
Daß er von dem so erwünschten Stimmungsund Gesinnungswechsel nicht allzuviel erhofft, zeigt folgende Stelle: „Die sozialdemokratische Partei hat aus den Kreisen der Kleinbürger und Kleinbauern nicht den Zuwachs erhalten, den Friedrich Engels glaubte annchmen zu müssen." — Begründet wird diese Erscheinung, wie oft schon vorher, mit der „Rückständigkeit" und der „Dummheit" dieser Kreise, von denen es schmeichelhaft heißt: „Die hier in Betracht kommenden Schichten denken langsam und müssen sich erst aus vielen Vorurteilen befreien, aber sie denken." Wie klug doch dieses: „aber sie denken" berechnet ist? Das eröffnet doch wenigstens einen Hoffnungsschimmer,' und der Masse, die nur auf Erfolg schwört, muß man wenigstens die Aussicht hierauf lassen, will man sie bei der Stange halten. Der denkende Genosse müßte es wissen, was den Bauer und Kleinbürger zum grimmigsten Feinde der Umstürzler macht, er würde sich dessen entsinnen, was gerade an ihnen beiden die Sozialdemokratie gesündigt hat, und nicht in der Dummheit, sondern in dem Denken dieser Volksschichten würde er die Ursache für die Ohnmacht der Roten auf dem Lande suchen.
Heute schlägt der alternde Bebel fast wehmütig-milde Töne an. Einst sprach er es kräf- ttger und deutlicher aus, wie er über den deutschen Bauern denkt. Auf dem Parteftag in München erklärte er: „Es bewahrheitet sich wieder einmal, daß es keinen egoistischeren, brutalere», aber auch keinen bornierteren Menschenschlag gibt als die bäuerlichen Klassen, gleichviel welcher Gegend." Und in demselben Sinne schrieb das Sozialistenblatt, die „Märkische Volksstimme": „Man kennt den Bauerntypus an der glattrasierten oder mit kecken Stoppeln besetzten Visage.---Diese schwerfälligen
und denkfaulen Scharen waren es, die der Wahl ihr charatteristisches Gepräge gaben." Und wie den Landmann, so beschimpft und verhöhnt die Sozialdemokratie auch den Kleinbürger und
42 (Nachdruck verbalen.)
Heidezauber.
Roman von Anny Wothe.
(gortsehung.)
Sinnend schritt er weiter. Da blühte wie damals der gelbe Ginster, und die Bienen summten über den blauen Glockenblumen am Wege, wiegten sich auf den rotblühenden Erikastengeln, alles wie einst.
Horch, klang da nicht auch das Lied:
Und es kam der Herbst und mit ihm das Glück,
Nun freue dich, Seele, wir fahren zurück, Wo Kummer nicht herrschet noch Klage.
Und da erreicht der trauliche Ort,
Das Haus ist zerfallen, dir Schenkin ist fort,
Und der Weißdorn verblühte ar- age.
Nein, er hatte sich getäuscht. Nur der Sommer- wrnd rauschte leise durch die Fichten. Aber wenn es so wäre, wie's im Liede heißt, wenn er wirklich zu spät kam?
Eine heiße A "t überkam ihn. Plötzlich stockte sein Fuß: es war ihm, als müsse er aufjauchzen vor Lust, denn dicht am Waldesrande vor ihm auf weichem Moosteppich ruhte im Schalten einer dunklen Tanne eine weibliche Gestalt. Unter Tausenden Hatter sie herausgrkannt. Diesen mat n Eoldglanz des braunen Haares kannte er lange, lange: war er dach wie flüssiges Feuer durch seinen Sinn geirrt in der langen Zeit der Einsamkeit.
Behutsam trat er näher. Die Gestalt schien zu schlafen. Wirklich, er hatte sich nicht getäuscht! Die schlanken Glieder wie ein Kätzchen zusammengeschmiegt, ruhte Lotte vor ihm. Noch lag eine durch- stchtiae Bläsi« auf dem küßen Gesicht, aber es sah
Marburg
Jl« 133
Parteitssader„demo?rat.Vereiniauna
im zweiten Wagen Platz. Unter nicht enden wollenden Hochrufen setzte sich der Zug durch die Straßen der Stadt in Bewegung.
Um 1 Uhr fand im Residenzschloß Ealatafel statt. Im Festsaale war die Tafel mit dem überaus kostbaren großherzoglichen Servis gedeckt: Blumen in blaßroter Farbe schmückten die Tafel. Der Kaiser führte die Großherzogin, der Erbgrotzherzog die Großherzogin-Witwe, der Eroßherzog die Kaiserin. Im Verlaufe des Mahles brachte der Großherzog einen Trinkspruch auf den Kaiser aus, in dem er auf die Bande der Freundschaft, die seit der Königin Luise zwischen den verwandten Häusern bestanden, hinwies. Der Kaiser erwiderte dem Eroßherzog überaus herzlich.
Nach der Paradetafel hielten die allerhöchsten und höchsten Herrschaften Cercle und begaben sich um 31/4 Uhr mit Automobilen nach Schloß Hohensieritz, wo sie gegen 4 Ubr eintrafen. Die Herrschaften besuchten das Sterbezimmer- der Königin Luise. An einer Tür im Schloß, an der die Maße vieler hervorragender Persönlichkeiten angezeichnet sind, ließ auch der Kaiser sein Maß cinkragen und setzte sein Wilhelm I. R. hinzu. Nach einer Automobilfahrt durch den Slbloßqgrten kebrten die Herrschaften nach Neustrelitz zurück. Um 5 Uhr war im großherzog- lichen Schloß Tee.
Neustrelitz, 7. Juni. Die Abfahrt des Kaissrvaares nach Berlin erfolgte gegen 6 Uhr. Das Grohberzoasnaar und der Erbgroßherzog geleiteten die Majestäten an die Bahn.
Berlin, 7. Juni. Das Koiserpaar traf um 8 V’-t aus Reukti-elitz biet wieder ein.
46. Jahrg
1911.
Handwerker. Von ihm sagte die „Sächsische Ar- | beiterzeitung": „71 Zünftler aus allen Gewerben und allen Gauen sollen herbeigeeilt sein... in Bezug auf ihren äußeren Adam war ihr Eindruck nicht besonders günstig, vielfach auch hatte er etwas Stupides an sich. Schmale, eingedrückte Stirn, mit darüber herabhängenden Haaren, stierem Blick aus kleinen, tiefliegenden Augen und dicken Lippen am breiten Munde, mit jenen zwei eigentümlichen Falten in dessen Winkeln, die in der Regel das Erkennungszeichen dafür sind, daß ihre Besitzer bei der Austeilung der Bosheit, Selbstsucht und Verschmitztheit nicht zu kurz gekommen sind . . .
Den Bauer will die gefühlvolle Gesellschaft, die für „Brüderlichkeit" kämpft, zum Bettler machen, damit er dann ein „Genosse" wird. Liebknecht erklärte auf dem Sozialistenkongreß zu Paris: „Das zähe Festhalten des Bauern an seinem Eigentum, das war die Schranke, an der das rasche Wachsen der Sozialdemokratie styließ- lich hatte zum Stillstand kommen müssen. Das amerikanische Getreide beseitigt diese Schranke, und es stößt den Bauern in das Proletariat hinab. Nicht um dem Arbeiter billiges Brot zu schaffen — er weiß, daß das so nicht geht —, sondern um den Bauern erst zu vernichten und den Verarmten dann bei sich einzureihen, ist man für Freihandel gegen den Schutzzoll.
Und weiter. Wohin will die Sozialdemokratie den Handwerker bringen? Die „Sächs. Arbeiterztg." plauderts aus: „Wir werden immer bestrebt sein, den Untergang des Kleingewerbes zu beschleunigen." Ein Abgeordneter der Partei endlich schrieb die Worte: „Uns kann der Untergang des sogen. Mittelstandes gleichgültig sein; je eher er verschwindet, desto besser
wählen immer noch nicht da sind. „Die Bethmannsche Berschleppungspolitik habe es dahin gebracht, daß heute kaum noch jemand im Ernst daran glauben könne, daß bei den nächsten Wahlen ein wesentlicher Umschwung zu Gunsten der Sozialdemokratie eintrete." Aber auch die Fortschrittler kamen schlecht weg. Wegen ihrer Zustimmung zur Reichsversicherungsordnung wurde die Partei und besonders fielt Naumann hart angelassen. Ein Antrag Rix- dorf will überall Zählkandidaiuren aufgestellt wissen, statt dessen wird empfohlen, alle Kräfte aus Marburg und Berlin I zu konzentrieren. Das kann ja heiter werden.
Wir wollen dies al er vor allem auch deshalb festhalten, weil es nicht verdunkelt werden darf, daß die Kandidatur des Herrn von Gerlach hier die Kandidatur der „Demokratischen Vereinigung" ist, die hier wohl ihren einzigen Kan- didaten durchzubringen hofft. Offenbar glauben die Herren, in Marburg sei da« beste Feld für so „einzigartige Erscheinungen".
Dem kurzen Bericht der „D. Tagesztg." entnehmen wir noch: Für die nächsten Reichstagswahlen wurde die Parole ausgegeben, daß ein für allemal der am weitesten links stehende Kandidat zu unter- stützen sei, bei einer Stichwahl auch zwischen dem Fortschritte und der Sozialdemokratie also der Sozialdemokrat. Ein Antrag, überall dort, wo die Vereinigung selbst keinen Kandidaten ausstellen könne, ohne weiteres den Sozialdemokraten zu unterstützen, wurde zwar abgelehnt, jedoch betont, daß die Ablehnung nur ous taktischen Gründen erfolge. Der angenommene wie der obgelehnte Wahlantrag geben ein klares Bild von dem politischen Eesamtziele der Demokratischen Vereinigung: sie bleibt nur deshalb eine besondere angeblich bürgerliche Gruppe, weil sie hofft, auf diese Weise der Sozialdemokratie noch mehr bürgerliche Mitläufer zuzutreiben: tatsächlich kommt ja auch der gesamte Effek' ihrer politischen Tätigkeit klarerweise einzig und allein der Sozialdemokratie zugute."
Was auch wir schon öfters au praktischen Beispielen zeigten.
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Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Rach Feierabend", „Fürs Hau," und „Landwirtschaftliche Beilage.
ist es."
Gleiche Geständnisse und Offenbarungen der sozialdemokratischen Ziele ließen sich in Masse anführen. Denen, die sie am nächsten angehen, sind sie unvergessen. Und wahrlich, nicht Denkfaulheit und Dummheit, sondern kluge Einsicht und klares Denken werden auch in Zukunft die Ursache sein, daß das Wachstum der Sozialdemokratie vor der ehernen Schranke Halt macht, die der Bauer und der Handwerker zwischen sich und den Genossen errichtet haben.
Das Kaiserpaar in Neustrelitz.
Neustrelitz, 7. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin sind mittels Sonderzug um 11 Uhr 50 Min. hier eingetroffen. Am Bahnhofe war großer Empfang. Der Eroßherzog und die Großherzogin, der Erbgroßherzog, der Hof und die Spitzen der Behörden waren versammelt. Der Kaiser und der Eroßherzog nahmen im Schimmelvierer mit Spitzenreitern, die Kaiserin, die Großherzogin und der Erbgroßherzog
Die Demokratische Bereinigung, zu deren Stützen bekanntlich Herr von Gerlach gehört, hat zu Pfingsten ihren Parteitag in Gotha abgehalten, zu dem 116 Delegierte männlichen und weiblichen Geschlechts erschienen waren. Einige Worte über ihn find wohl zur besseren Erkenntnis der Gruppe angebracht.
Nach dem Geschäftsbericht beträgt die Zahl der Mitglieder der Vereinigung 10 779; feit dem letzten Parteitag find 4277 hinzugetreten und 1412 ausgetreten ; unter den letzteren waren 1325, die wegen Nichtbezahlens des Vereinsbeitrages gestrichen werden mußten. Es find nach der „Post" auch viele wohlhabende Mitglieder ausgeschieden, weil sie das auf dem Kölner Parteitage beschlossene Programm der Partei in sozialistischer Beziehung für zu weitgehend hielten.
Auf dem Parteitage wurden natürlich scharfe Proteste losgelassen gegen den Gewissenszwang, gegen die Todesstrafe und gegen die Gewaltpolitik des „Zarismus".
„Besondere Sicherheitsmaßnahmen braucht die zarische Regierung deshalb nicht ergreifen“, schreibt bt<- „Deutsche Tageszeitung".
Die politische Uebersicht gab Dr. Vreitscheid. Er war selbstredend mit der Regierung nicht einverstanden. Besonders ärgerte ihn, daß die Reichstags-
Deutschss Reich«
— Set Regent von Braunschweig in Stuttgart. Stuttgart, 7. Juni. Anläßlich der Tagung der Deutschen Kolonialgesellschast ist deren Präsident Herzog Johann Albrecht zu Mc^len- butg Regent von Braunschweig mit Gemahlin gestern hier angekommen. Er wurde vom König und der Königin auf dem Bahnhof empfangen und ins Residenzschloß geleitet, wo der Herzog und seine Gemahlin Wohnung n-^-ommen haben. Heute abend findet im Weißen Saale des Residenzschlosses anläßlich der Tagung eine Hoftafel zu 75 Gedecken statt, zu der außer den hier anwesenden Fürstlichkeiten auch die hervorragendsten Mitglieder des Festausschusses und der Kolonialgesellschaft geladen sind.
— Ernennung zum Ehrendoktor. Koblenz, 7. Juni. Anläßlich der Jubelfeier des 3?jähri- gen Bestehens des Vereins für Deutschtum im Ausland überbrachte Prof. Mentz (Jena) in dei heutigen Hauptversammlung dem Vorsitzenden
aus, als warteten die Rosen bet Gesundheit nur darauf, plötzlich unter einem Eliickslächeln aufzu- brcchen. Tief lagen die dunklen Wimpern auf den zarten Wangen. Der rote Mund lächelte wie im Traume, und die kleinen Hände hielten lässig einen Strauß Heideblüten.
Niendorf stand lange vor dem liebreizenden und dach so wehmütigen Bild. Seine Brust wogte in heftigen Atemzügen. Er trat hinzu, als wollte er bü leichte Gestalt zu sich empor an seine Brust reißen, aber et trat vor sich selbst erschrocken, unwillkürlich einen Schritt zurück unb faltete bann wie zum Gebet bi? Hände.
„Lotte, süße, kleine Lotte!" flüsterte er leise.
Da hoben sich wie in tiefer Verwirrung 'ne buntlen Wimpern. Ein fast tödlicher Schreck zuckte bvrch Lottes Augen, zitterte durch ihre Glieder. Eine innere Angst vor etwas Unfaßbarem lag auf ihrem ganzen Antlitz, in ihrer abwehrenden Haltung ausgeprägt, als sie erschreckt in die Höhe sprang und leise sagte:
„Herr von Niendorf, wie haben Sie mich et- sckreckt--ich war so müde vom Vlumensuchen
unb —“
„Lotte!" Mehr konnte e- nicht sagen, aber er streckte ihr beibe Arme entgegen.
„Lotte!" Kind, fühlst Du denn nicht, was mich hergeführt?"
Da hoben sich die blauen Augen in süßem Er- sckrecken zu ihm auf, aber kein Laut kam über die zitternden Lippen.
„Sötte!“ bat er noch einmal, unwillürlich vor ihr auf die Knie sinkend und ihre zarten Händchen, die er ergriffen hatte, gegen feine feuchten Augen pressend, „Lotte, sei mein, endlich mein!"
Da kam es wie ein glückseliger Iubellant aus
ihrem Munde. Ihre Hände umfingen sein Haupt und ruhten betend darauf, wahrend vom Dorf herüber die Glocken klangen.
So standen sie lange in stummer, selbstvergessener Glückseligkeit. Stillselig ruhte Lotte an des Geliebten Herzen, und die Heide flimmerte im Sonnen- golde um sie her wie in einem Zauberlicht.
Dann aber hob Ullrich die leichte Gestalt jauchzend empor und küßte wieder und immer wieder die rosigen Lippen, währ-nb er sein junges Glück lachend unb plaubernb über die Heide dem Dorfe zu trug.
Uebet'm Eosenhof lag flimmerndes Sonnenlicht, und die Bienen surrten wie einst über dem Einster- sttauch.--
O flicht zum Kranz mir nicht t ie rote Rose, Di- in des Gärtners treuer Hut erwacht;
Dem Spiel der Winde gönn' die Dauerlose, Wie bald entflattert traumgleich i re Pracht. Und nichts als Dornen dürft' ich mit ttir tragen Aus meines Glückes gold'nen Sonnentagen.
Noch hing am anderen Morgen der Tau der Rocht an den Gräsern und Blumen, als wir Lotte schon in dem kleinen Gärtchen wiederfinden, der zu dem Häuschen gehörte, welches sie mit ihrer Mutter bewohnte. Das junge Mädchen brach lächelnd die letzten Rosen von den Büschen und reichte sie Christel, welche schon einen ganzen Korb Blumen in der Hand trug, aufjauchzend zu.
„Sieh nur, Christel, die Pracht! O, wie herrlich, wie wunderherrlich ist Gottes Weltl"
„Ja, aber «cht ist e, doch nicht, alle» „ratzen- khl" abzurupse» und dem lieben Herrgo t so seine
Kinder zu stehlen. Ich dächte, wir hätten nu.1 genug Grünzeug."
„Aber Christel, einzige Christel, heute an meine« Verlobungstage brauche ich doch notwendig c'.-i Blumen. Gelt, Du bist nicht böse?"
Ein aufstrahlender Blick aus den alten Augen, welche schon halb blind von den vielen Freudentranen waren, die sie seit gestern abend geweint, traf die Sprecherin.
„Dummer Schnick-Schnack," polterte sie, „roei wird denn gleich böse fein. Verliebte Leute muß man überhaupt nicht so ernst nehmen, denn war sollte man wohl sonst dazu sagen, daß Dein Baron — bas ist übrigens bas einzige, was ich an ihm aus- zujetzen habe — gleich so eins, zwei, drei, Hochzeit machen will."
,/Das ist doch ganz natürlich, Christel! Ullrich will sich nun, da wir uns endlich gefunden Halles nicht mehr von mir trennen. In allerhöchsten» sechs Wochen bin ich für immer sein, und bann —“
„Dann gehst Du auf und davon," grollte Christel, „unb denkst nicht mehr an die Heide, nach der Da Dich erst fast tot gesehnt."
„Du gehst natürlich mit,“ gebot Sötte, als wäre das ganz selbverständlich. „Ober glauft Du, ich könnt« ohne Dich in der Ferne leben?“
„Und die Frau Mutter sollte hier ganz allei« bleiben? Das wär ’en schöne Geschichte und MW« dankbar von uns im höchsten Grade.“
„Ach, die Mama! Die zieht ja, wie ft« schon gestern mit der Gräfin Bergholz verabredet, zu ihr ta den Kofenhof. Elinor will doch nun einmal durch- aus ihre Mutter verlassen, um einen Wirkungskreis zu suchen, und da fandet es Mama ganz selbst»» stündlich, daß sie die Einsamkeit der Gräfin teilt."
(Fortfetzuwg folgt)