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daran gedacht, mich darüber
Hände».
(Fortsetzung folgt.)
vergessen, daß Du noch vor Gemeinschaft mit der Gräfin
„Du hast vielleicht ganz kurzer Zeit jede abgelehnt hast."
„Ich habe niemals zu äußern."
In welchem verächtlichen, wegwerfenden Ton sie das sagte.
Das Blut stieg Wolfgang siedend heiß ins Gesicht. Langsam zog er feine Brieftasche hervor.
„Ich habe xoar immer gewußt, Maria Magda-
soll. Du freilich hattest schon immer so sentimentale Anwandlungen."
Wolfgang senkte den Kopf tief auf die Brust.
Wie sollte er es nur möglich machen, mit diesein Mädchen zu reden.
„Tu' mir die einzige Liebe, Wolfgang," ries Maria Magdalene empört, „und laß das Jammer- gesicht! Es ist ja gewiß sehr traurig, daß durch Lottes unverantwortlich dummen Streich unsere Hochzeit wieder aufgeschoben wird, aber es läßt sich doch nicht ändern. Ich hoffe, wir kommen in den nächsten Tagen schon wieder aus der Heide zurück. — Der Balg wird doch nicht so albepn sein und jetzt wirklich ernstlich krank werden. An Nervenfieber und so was, wie der rührselige Pastor schreibt, glaube ich nicht, und —“
„Halt!" rief Wolfgang gebieterisch. „Latz die Reflektionen, die gar keinen Zweck haben. Ich wollte Dir nur sagen, daß Du auf keinen Fall Mama nachreisen wirst."
„Was soll das heißen? Welche Sprache führit Du gegen mich?" kam es erschreckt von den Lippen Magdalenes.
„Die Sprache des Rechts!" gab er kalt zurück.
„Ich werde aber auf jeden Fall fahren!"
„Das wirst Du nicht tun. Im übrigen vergißt Du wohl, daß di« Gräfin Bergholz sich in Begleitung meiner Mutter befindet!"
„Das wäre nur ein Grund mehr, ihr zu folgen." Ein Zug des Ekels flog über sein Gesicht.
Schuhe gespendet. — Der „Karlsruher Ztg." zufolge ist die Staatseisenbahn-Verwaltung ermächtigt worden, Liebesgaben jeder Art für di« durch Hochwasser Geschädigten in dem Amtsbezirk Tauberschifsheim unentgeltlich zu befördern.
— Halbe Anrechnung des Kinderprivileg» bei der Eemeindeeinkommensteuer. Eine Entscheidung von allgemeiner Wichtigkeit in der Anwendung des Kinderprivilegs hat vor kurzem ein Bezirksausschuß in der Rheinprovinz gefällt. Mehrere Beamte hatten gegen den Ee- nieindevorstand wegen der Veranlagung zur Ee- meindeeinkommensteuer Einspruch beim Bezirksausschuß erhoben. Nach den früheren Be- stimungen wurden die Kläger nur zur Hälfte ihres Einkommens zur Steuer herangezogen. Sie beantragten, daß bei der Veranlagung das Kinderprivileg zur Anwendung gebracht und die Eemeindeeinkommensteuer um je eine Stufe ermäßigt werde. Der Bezirksausschuß hat nun die Einsprüche kostenfällig zurückgewiesen und dafür erkannt, daß die bei der Staatseinkom- mcnsteuer zur Anrechnung kommende Kinderzahl bei der Gemeindeeinkommensteuer, bei der der Staatsbeamte nur die Hälfte seines Einkommens versteuere, auch nur zur Hälfte Anwendung finde, sodaß also 3 Kinder, die bei der Staatseinkommensteuer eine Ermäßigung um eine Stufe bedingten, bei der Eemeindeeinkom- mcnsteuer eine solche Wirkung nicht haben können, denn hierbei käme nur „V/2“ Kind in Anrechnung, wos ohne Einfluß auf den Steuersatz sei.
— Untersuchung gegen französische Studenten. Straßburg, 3. Juni. Der Senat der Universität hat gegen den bekannten „Zirkel der elsaß-lothringischen Studenten", der sich wiederholt als eine Pflanzstätte französischer Gesinnungen bemerkbar gemacht hat, eine Untersuchung wegen seines letzten Semesterberichtes eingcleitet.
Marburg
Mittwoch, 7. Juni
lene," sagte er, jedes Wort schwer betonend, daß Du kein Herz hast, aber ich habe nicht geglaubt, daß Du schlecht genug wärest, zur elenden, gemeinen Lügnerin herabzusinken. Kennst Du diesen Brief, hast Du ihn geschrieben?"
Mit hartem Druck hatte er ihr Handgelenk umspannt und zwang sie so zu seinen Füßen nieder, indem er ihr den Brief, welchen ihm Elinor gegeben, unter die Augen hielt.
Bis in die Lippen erbleichend brach Maria Magdalene zusammen. Verächtlich schleuderte Wolfgang ihre Hand weg und trat einige Schritte von ihr zu,ick.
„Du hast Dich selbst gerichtet," sagte er dann milder. „Von Kindesbeinen an mit Wohltaten in meinem Elternhause überhäuft, hast Du Dich nicht entblödet, gegen die in gemeiner Weise zu intrigieren, der Du Dankbarkeit und Ehrfurcht schuldigst. Was Du mir damit getan, ich will es
bieterisch. „Bon frühester Juaend an hast Du versucht, mich zu beherrschen, meinen Willen unter Deinen Willen.zu stellen. Du hast es meisterhaft verstanden, mich als Dein Eigentum zu betrachten und mich, wenn es Dir paßte, als solches zu erklären. Ich habe mich nicht dagegen gewehrt, weil — sagen wir — weil es zu unbequem war. Ich meinte, es lohnte sich nicht der Mühe, und ließ Dich gewähren. Ich kannte die Wünsche meiner Mutter und die Deinen, und jetzt — jetzt, Maria Magdalene, beginnt der Teil meiner Schuld. Während mein Herz einer anderen gehörte, die mich verschmähte, warb ich um Dich. Du kanntest mein Herz, besser als ich selbst es kannte; aber Du nahmst dir Werbung an, und als Du fü chtest, das Herz derjenigen, die mir einst wehe tat, könnte milder gegen mich gestimmt »erden, griffst D» zur gemeine»
46. Jahrg.
1911.
Lüge, um jene unserem Hause fern zu halten. Ich mache Dir keinen Vorwurf; ein jeder handelt eben wie es sein Charakter bedingt. Aber diese Drin« lat macht mich Gott sei es gedankt, frei von btt Fessel, die mich seit langer Zeit fast zu Bode« drückt! Was ich Dir getan, indem ich mich Dir, ohne mehr als brüderliche Liebe zu empfinden, verlobte, hast Du wett gemacht. Wir sind quitt. Siehe zu, wie Du Dich mit Deinem Gewissen abfindest. Bon heute an gehen unsere Wege auseinander."
„Du weisest mich aus dem Hause, Wolfgang? Nein, nein, es kann ja nicht sein. Wo soll ich denn hin, wovon soll ich denn leben?"
Ein verächtliches Lächeln zuckte um Wolfgangs Lippen.
„Auch dafür ist gesorgt," antwortete er lakonisch. „Du kannst jede Stunde in die Pension der Fra« Dr. Burmuth, mit welcher ich bereits gesprochen habe, treten. Dort magst Du bleibe», bis Du einen Dir zusagenden Wirkungskreis gesunden hast"
Maria Magdalene senkte tief das Haupt. Zum erstenmal in ihrem Leben fühlte sie, daß in dem blonden Riesen da vor ihr eine Welt für sie ver- bergen lag, die sie in maßlosem Egoismus selbst zer- trümmert.
Bleischwer lag es ihr in den Gliedern. Mühsam erhob sie sich und wankte zur Tür.
Wolfgang blickte ihr nach, und ein tiefe» Erbarmen kam über ihn.
„Maria Magdalene," bat er weich, „laß uns i» Frieden scheiden."
Sie winkte gewährend mit der Hand, aber sie berührte seine ausgestreckte Rechte nicht.
„ßeb wohl, sei glücklich," hauchte sie leise. b«w» fiel die Tür ins Schloß, und man hört« nicht» al» ihren schlürfenden, müden Schritt auf dem Gange; dann verstummte auch dieser. — Wolfgong war in einen Sessel gesunken und barg sei» Gesicht in den
Ausland.
** Das Befinden Kaiser Franz Josephs. Wien» 2. Juni. Wie in politischen Kreisen verlautet, sind die Beziehungen zwischen dem Kaiser Franz Joseph und dem Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand namentlich in der letzten Zeit besonders vertrauensvolle. Die Gerüchte, daß der Kaiser einen Teil der Regie- ri ngspflichten abgegeben hätte, beruhen auf vollständigem Irrtum und auf ein Verkennen der Personen.
** Johann Ortbs Testament. Wien, 3. Juni. Rach der „Neuen Freien Presse" wurde henke das Testament Johann Orths dem Kaiser überreicht. Die Publikation erfolgt nach der Ein- s. tnahme durch den Kaiser am Dienstag.
sRvchb-- ' Heidezauber.
Roman von Anny W 0 t h e (Fortsetzung.)
nicht erörtern —"
„Wolfgang!" Verzweifelnd, flehend hoben die Augen Maria Magdalenes zu ihm auf.
„Laß die Komödie, Cousine," entgegnete er
Lauter Volksbeglücker.
„Mir sind alle Menschen ganz besonders sympathisch!" sagt mit leisem Spott der Weltkundige. Diese verblüffende Wendung malt Unmögliches. Aber es scheint, daß es Staatsmänner gibt, die den Satz wahr machen und wirkttch-^alle" Menschen in den amerikanischen Friedensbund einbeziehen wollen; ihnen sind alle Staaten ganz besonders sympathisch. Um keinen Mißton in diese Sphärenharmonie zu bringen, hat auch die deutsche Regierung sich die Satzungen des Bundes — oder vielmehr: den Entwurf des allgemeinen Schiedsgerichtsvertrages — kommen lassen. Aber diese Völker- bcglückung ist letzten Endes doch weiter nichts wie der Versuch, das Trustwesen auch auf die Staaten auszudehnen. Gesetzt den Fall, daß Amerika, England, Frankreich und Deutschland (ein ganz unglaubliches Viergespann) diesen Trust einleiteten, so würde alsbald doch, wie auch im geschäftlichen Leben, die Jagd auf die Außenstehenden angehen. Die Japaner würden, wenn sie eine loyale Behandlung der gelben Einwanderer in Australien und Kalifornien verlangten, das alsbald zu fühlen bekommen. Schließlich müßte bei fortschreitender Vertrustung die Selbständigkeit der Kleineren überhaupt aushören. Welche Nation aber wäre „beglückt", wenn man sie in dem großen Trust kontingentierte und ihr den Anteil in der Weltpolitik zumessen wollte?
Alte und moderne Pädagogik liegen sich in den Haaren. Früher wurde den Faulen, den Aufsässigen, den Bummligen „das Fell ver- gerbt", da der nächste Weg zu ihrem Herzen hinten herum führte, heute aber heißt es, daß man vor allem den Ehrgeiz wecken solle, statt zu strafen. In der Politik wird nach diesem Prinzip die Hinauflobung der Sozialdemokratie mit geradezu rührendem Eiftr betrieben. Welches Glück, wenn man durch Anerkennung, durch Schmeichelei, durch Entgegenkommen die Leute so weit brächte, daß sie Hand in Hand mit den bürgerlichen Parteien gingen! Wir kennen seit Jahren diese Melodie freisinniger Weltbeglücker, Naumönner und anderer, aber die Sozialdemokratie hört nicht darauf. Sie läßt sich nicht einmal dadurch rühren, daß neuerdings die Minister denselben Sang loslassen. Bei der Bera- tyng der Verfassungsreform für Elfaß-Lothrin- gen ist die Negierung der äußersten Linken so weit entgegengekommen, daß sie sich sogar von gut liberalen Blättern, wie der „Magdeb. Ztg." vorwerfen lassen muß, an ihr „Unannehmbar" werde in Zukunft niemand mehr glauben. Man sollte also annehmen, daß diese äußerste rote Linke eine Spur von Dankbarkeit empfinden
sollte, ein menschliches Rühren, eine Regung des Ehrgefühls, das nicht umsonst Wohltaten annehmen will. Aber hart und höhnisch schreibt die „Leipz. Volksztg.": „Wir haben für die reichsländische Vorlage gestimmt, weil wir von der sozialrevolutionären Wirkung des allgemeinen Wahlrechts fest überzeugt sind. Wenn man das positive Mitarbeit an einer nationalen Aufgabe nennt, so kanns uns recht sein."
Selbstverständlich — mit lebhaftem Augenzwinkern versichern es die Franzosen — dächten sie nicht an ein Protektorat über Marokko; sie wollten bloß, da sie von dem armen bedrängten Sultan darum gebeten seien, ihm helfen, Ordnung in Marokko einzuführen. Mit ähnlichen Beglückungsphrasen ist bisher noch jeder Länderraub motiviert worden. In Wirklichkeit verhindern die Franzosen die Ordnung. Der von ihnen geknebelte Mulay Hafid ist ein tüchtiger, gesunder Herrscher gewesen, der erste Sultan von Marokko, der es kraft seiner Autorität wagen konnte, die Sklavenmärkte zu verbieten. Und jetzt? Die von den französischen Jnstruktions- offizieren angeführten Eingeborenentruppen brennen die Dörfer nieder, erschießen verwundete Männer und — verkaufen gefangene Frauen und Kinder. Zwischen 5 und 150 Mark schwanken die Preie für die Menschenware. Und das geschieht dicht vor den Toren Europas, während das ferne „wilde" Amerika schon vor 50 Jahren die Sklaverei aufgehoben hat. Und es geschieht unter derBilligung der Nation, die sich die zivilisierteste Europas nennt. Bereits haben die Tugendwächter im englischen Unterhause deswegen ihre Regierung interpelliert, die Mer ausweichend geantwortet hat; denn ließe sie auch nur ein mißbilligendes Wörtchen über Frankreichs Vorgehen fallen, so würden ihr selber noch ganz andere Beispiele von „Volksbeglückung" vorgehalten werden, die den englischen Namen verunehrt haben. Wir brauchen bloß eins zu nennen: die „Zufluchtslager" der Burenfrauen, wo man sie zu Tausenden sterben ließ.
Deutsches Reich-
— Auszeichnung Ballins durch den Kaiser. Hamburg, 3. Juni. Der Kaiser verlieh dem Generaldirektor Ballin anläßlich seines 25jäh- rigen Jubiläums mit einem in wärmsten Worten gehaltenen Handschreiben die Brillanten zum Kronenorden 1. Klasse.
— Das Befinden des Prinzen Joachim. Potsdam, 3. Juni. Bei dem Prinzen Joachim ist heute morgen der Bluterguß im Kniegelenk durch Punktion entfernt worden. Hiervon erhoffen die Aerzte eine Linderung der Schmerzen.
deren Raum 15 bei auswärtigen Anzeigen 20 4., für Reklamen die Zeile 40 Ä. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt cd» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbmbluh- kett für Platz-, Datenvorfchrift und Belegliefernng ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt «. M.
— Die „Rordd. «llg. Ztg." über den Reichstag. Berlin, 3. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt in ihren Rückblicken über den Sessionsabschnitt des Reichstages: Das Gesamtergebnis der Tagung ist ein beredtes Zeugnis für die Arbeitsfreudigkeit und die Arbeitswilligkeit dieses Reichstages, dessen vorzeitige Auflösung während der letzten zwei Jahre vielfach gefordert wurde. Ein Beweisgrund zugunsten dieser Forderueg ist aus der positiven Leistung des Reichstages nicht herzuleiten. Selbst in solchen Blättern, die an den von der Regierung eingebrachten Entwürfen oder an der endgiltigen Gestalt der Gesetze Kritik übten, wird beim Vergleich der parlamentarischen Lage vom Herbst 1909 mit der heutigen Situation anerkannt, daß der Reichskanzler mit der Hoffnung, der Zwang zum Schaffen werde sich über alle Parteiwirren hinweg geltend machen, recht behalten habe.
— Rene gesetzliche Maßnahmen gegen die Spionage. Die Kommission, die seit dem 4. April im Reichsjustizamt unter Vorsitz des Geh. Regierungsrats Dr. Lucas über die Reform des Strafgesetzbuches berät, wird auch neue gesetzliche Maßnahmen gegen den Verrat militärischer Geheimnisse festlegen und in kurzer Zeit veröffentlichen. Daraus geht hervor, daß das Reichsspionagegesetz vom 3. Juli 1893 einer Umarbeitung nicht unterzogen werden soll. Ueber den Charakter der neuen verbesserten Gesetzesmaßnahmen, wie sie die Reform des Strafgesetzbuchs bringen wird, verlautet, daß es sich in erster Reihe um Beseitigung von Mißständen handeln wird, die durch ein Versehen des Reichstages bei der Beratung des Gesetzes in die Vorlage hin- eingelommen find und eine juristische Unmöglichkeit darstellen. Es sind nämlich für versuchte Spionage mildernde Umstände nicht vorgesehen, während bei vollendeter Spionage mildernde Umstände vom Gericht angenommen werden können. Demgemäß kann bei vollendeter Spionage auf Festungshaft erkannt werden, während der reine Versuch unter allen Umständen mit Zuchthaus bestraft werden muß. Durch die Reform, die von der Kommission ausgearbeitet wird, wird besonders diese Frage einer Regelung u:.(erzogen werden.
— Hilfsaktion für die Geschädigten im Ta^hrrgebiet. Karlsruhe, 3. Juni. Der „Karlsruher Ztg." zufolge hat das Eroßherzogspaar für die durch das Unwetter in dem Amtsbezirk Tauberbischofsheim Geschädigten 5000 und die Großherzogin Luise 1000 J*. gespendet. Die Großherzogin hat den durch das Unwetter im Amtsbezirk Tauberbischofsheim Geschädigten eine größere Sendung Männerkleidung, die Großherzogin Luise für Männer, Frauen und Kinder Wäsche und die Königin von Schweden
Tie „Cberliefiifdje Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der «onn- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertellahrlich durch die Post bezogen 2.25 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpeditton (Markt 21) 2.00 <M. frei ins HauS. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die. Redaktion keinerlei Verantwortung.) Drrick der Univ.-Buchdruckere, I. A. Koch (Inh.:
Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55. _________
Christels Stimme zitterte heftig. Sie dachte ihres kranken Lieblings im Pfarrhause, und jede Minute, die sie hier verbrachte, schien ihr wie Stunden.
„Wir wären mit bei Frau Mutter gern gleich initgefahren, Herr Professor," schloß sie ihren Bericht, „aber die Frau Pastor wollte es nicht leiden — sie sagte, wir sollten mit dem nächsten Zuge Nachkommen."
„Schon gut, Christel," nickte der Professor. „Mache Dich fertig und reise allein!"
„Allein? Ja, aber was soll denn hier aus Fräulein Braut werden?"
Wolfgangs Lippen umspielte ein bitteres Lächeln.
„Auch sie wird noch heute das Haus verlassen. Sorge Dich nicht, Alte, und beeile Dich?"
Damit ließ er die verdutzte Christel stehen und betrat schnell das Wohnzimmer, in welchem eine halb verdunkelte Lampe brannte.
Maria Magdalene saß reisefertig auf dem Sofa, den blonden Kopf nachlässig in die grobe Hand gestützt.
Bei seinem Eintritt sprang sie erregt auf. Ein eigentümliches Licht irr'e durch ihre Augen, als sie grcllend sagte:
„Es ist wirklich unverantwortlich von Dir, Wolfgang, mich so lange warten zu lassen. Es ist die höchste Zeit, daß Du kommst."
„Nur zu früh für Dich!" murmelte er zwischen den Zähnen, dann aber setzte er laut hinzu: „Ich erfüllte den letzten Wunsch einer Sterbenden."
„Sterben müssen wir alle," höhnte Maria Magdalene, „und ich sehe nicht ein, warum man feer Sterbenden wegen die Lebenden vernächlässigen
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwittschastliche Beilage.