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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

Jfä. 126

DieOberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <Ä (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei ins HauS. (Für unver­langt zugesanbte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Mittwoch, 31. Mai

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 4-. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt eil Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlich­keit für Platz-, Datenvorschrift und Belegliefcrung ausgeschlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

46. Jahrg

1911.

Erstes Blatt.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 41.

Zick-Zack-Kurs.

Nun wird's Tag! Bislang war es den Herren Ministern in Baden und Bayern (Bod- mann und Frauendorfer), vorbehalten, vor der Sozialdemokratie grüßend den Degen zu senken. Lorr, im kühlen Norden, hielten mit Anstand auf Distanz zu Rosa und Rot. Da steht am 27. Maientage im Reichstag Staatssekretär Del­brück auf und spricht (bei der Verpackung der Reichsversicherungsordnüng) diesen Segen:

,,. . . und noch eins ist es, was mich per­sönlich unbedingt mit einer gewissen Freude erfüllt, nämlich die Erinnerung daran, daß die Gegner dieses Entwurfes ihn wohl bekämpft, aber mit ritterlichen Waffen bekämpft und dem Bestreben, den Gesetzentwurf zu verab­schieden, nicht Schwierigkeiten in den Weg ge­legt haben."

Also derRitterschlag" in aller Form! Zuvor hatte Fischer gegen die Regierung los­gelegt und triumphierend ausgerufen:So stark ist keine Regierung mehr, dazu haben wir das Volk doch zu sehr aufgepeitscht!" Während der drei Lesungen der Reichsversicherungsordnung haben die Aufpeitfcher ihren Ehrenfchild reich­lich mit Ordnungsrufen gespickt durch manches ruppig-struppige Gefecht. Und daß sie nicht Ob­struktion auf der ganzen Linie getrieben, ist nicht eben ritterliches Verdienst, sondern schlaue Parteitaktik; denn die Genossen int Lande hätten ihnen schön heimgeleuchtet, würde durch die Führer die ganze Vorlage mit ihrem zweifellos großen sozialen Fortschritt ge­fallen sein.

Man braucht übrigens nur darauf zu verwei­sen, daß Herr Fischer die Regierung ohnmächtig und als Werkzeug in Scharfmacherhänden be­zeichnete. Sie erhöhe dem preußischen Könige die Zivilliste um 3y2 Millionen jährlich, der aus den erhöhten Agrarzöllen jährlich Hundert- iausende mehr einnehme, habe aber kein Geld für eine ordentliche Fürsorge für Schwangere. Eine Behauptung des Ministerialdirektors Ca­spar wurde als formell und materiell erlogen bezeichnet. Herr Fischer nannte es fernerpuren Schwindel", wenn man den Arbeitern weiß­machen wolle, daß die Witwen- und Waisenver­sorgung ausreichend sei. In seiner Polemik ge­gen die anderen Parteien bezeichnete er u. a. die Zuchthäusler Ohm und Eötsche alsHerolde der konservativen Moral" u. s. f.! Das nennt Herr Delbrück ritterliche Waffen. Wer den selt­samen Lobgesang des Staatssekretärs hörte, ahnte gleich, daß dasDank von der Minister­bank" sein sollte für die Sekundantendienste be­züglich der elsaß-lothringischen Vorlage. Und richtig: dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" brachte am selben Abend das gedruckte Patent, indem sie bei der kritischen Würdigung der An­nahme der elsaß-lothringischen Vorlage schrieb: Auch war es eine neue Erscheinung, daß bei dieser wichtigen nationalen Aufgabe die sozial­demokratische Partei positive Mitarbeit geleistet hat. DerVorwärts" bemüht sich aber heute be­reits, den Eifer derjenigen zu dämpfen, die aus der zustimmenden Haltung der Sozialdemokratie weitgehende Folgerungen ziehen könnten."

Das' offiziöse Organ hätte sich den dämpfen­den Schlußsatz auch noch schenken können, denn in der Sonntagsnummer schon kündete derVor­wärts" seinerseits offiziös:Erst indem sie (die Regierung) der Forderung der Sozialdemokratie nachgab, ermöglichte sie unsere positive Arbeit. Wenn die Regierung auch künftig zu solcher Mit­arbeit bereit sein sollte, brauchte sie sich wegen der Haltung desVorwärts" keine Sorgen zu machen," . . . Wir haben bereits davon Notiz genommen.

Zick-Zack-Kurs! Einmal proklamiert die Re­gierung den Kampf gegen den Umsturz. Im Fahre 1907 war es die denkbar kräftigste Wahl­parole, heute macht die Regierung eine Verbeu­gung nach der anderen nach der roten Seite, Hl«. Wie das auf andere wirkt, kann man ßehen, wenn man die Rede des Herr« Basser-

mann studiert, die er auf dem Parteitage der Rheinprovinz-Nationalliberalen in Saarbrücken gehalten hat. Dort bestätigte er, daß die ver­traulichen Besprechungen über die Verfassungs­frage unter Ausschluß der Konservativen und unter Zuziehung der Sozialdemokraten stattge­funden haben, begrüßte es, daß die Sozialdemo­kraten für das Gesetz gestimmt hätten, und meinte:Das sei eine sehr bedeutsame und be­grüßenswerte Entwicklung, insbesondere, wenn man überlege, was in 20 bis 50 Jahren in Deutschland sein werde." Herr Baffermann scheint nicht zu sehen, daß n i ch t die Sozialdemo­kratie sich entwickelt und nachgibt. Er sollte nur den Vorwärts studieren, dort kann er über die elsaß-lothringische Frage in dem bereits oben angezogenen Artikel lesen:Es war doch so, daß die Regierung nach heftigem Wider­streben unsere wichtigste Forderung, die Ein­führung des gleichen Vahlrechts akzep­tiert hat! Wir waren v on Anfang an bereit, posiitive Arbeit in unserem Sinne und zum Nutzen des Volkes zu verrichten und die Regierung war das Hindernis."

Wie die verwirrende Haltung der Regierung wirkt, möge sie in denk berühmtenBcrl. Tage­blatt" nachlesen:Bisher hat das Bündnis mit der Sozialdemokratie vielleicht einige empfind­liche Seelen geschreckt. aber welcher Liberale darf empfindlicher sein als die Reichsregierung selbst? Herr v. Bethmann Hollweg ist kein Re­volutionär und kein schlechter Patriot, und man begeht keinen Vaterlandsverrat, wenn man den Spuren des Kanzlers folgt." . . . Durch ihr Beispiel, durch eine kluge Tat hat die Regie­rung, einer staatsmännischen Eingebung folgend, die Bündnisfähigkeit der Sozialdemokratie pro­klamiert, und es wird nun die Aufgabe der Libe­ralen fein, aus dieser offiziellen Zustimmung alle nur möglichen Vorteile zu ziehen." War das die Absicht der Regierung, fo möge sie es ruhig deutlicher sagen. Ihr jetziges Verhalten kann nur Verwirrung Hervorrufen.

Eine Verwirrung, die in ihren Konsequenzen der Regierung kaum angenehm sein dürfte. Man braucht nur die Frage aufzuwerfen:Wie denkt sich die Regierung ihre zukünftige Stellung­nahme zur Wahlreform in Preußen in Konse­quenz ihres jetzigen Verhaltens und ihre wirk­same Bekämpfung der Sozialdemokratie, die sie sich bisher angelegen fein ließ? Zick-Zack geht es nicht!

Deutsches Reich-

Truppenübungsplatz Döberitz, 29. Mai. Der Kaiser traf heute Morgen hier ein und es begann um 6 Uhr 30 wie alljährlich am 29. Mai das Exerzieren der zweiten Earde-Jnfanterie- Brigade, an das sich eine größere Gefechtsübung unter Hinzuziehung von Truppenabteilungen aller Waffengattungen anschloß. Prinz Joachim von Preußen zog sich bei diesen Uebungen, denen auch die Kaiserin beiwohnte, eine ernste Fußver- letzung zu, die darauf zurückzuführen ist, daß er in eine Bodenvertiefung geraten und zu Fall ge­kommen war. Er wurde im Automobil nach dem Kabinettshause in Potsdam gebracht. Die ärzt­liche Untersuchung ergab einen Bluterguß ins rechte Kniegelenk.

Der Ostmarkenverein und der Reichskanzler Pofen, 28. Mai. Im Anschluß an die Ausschuß­tagung des Deutschen Ostmarkenvereins fand am Sonntag in Posen ein Deutscher Tag statt, der unter außerordentlicher Beteiligung, vor allem auch von deutschen Ansiedlern und Kleinbauern, verlief und durch das prächtige Frühlingswetter ungemein begünstigt wurde. Eingeleitet wurde der Deutsche Tag durch einen Festkommers, zu dem auch Oberprä- sident v. Waldow erschienen war. Stürmischen Bei­fall fand die Verlesung des folgenden Antworttele- grcmms des Reichskanzlers auf das vom Gesamtans- sv'. an ihn abgesandte Begrüßungstelegramm:

®tm Ostmarkenverein danke ich bestens für den freundlichen Gruß vom Deutschen Tage in Posen. Ich freu« mich, daß die Ostmärker sich durch die aus der Lust gegriffenen Gerüchte von einem angeblichen Wechsel in der Ostmarkenpolitik der Regierung nicht beirren lassen und gesonnen sind, in Einigkeit und Hand in Hand mit der Regierung auf dem alten Wege fortzuschreiten. Nunquam retrorsum!

Reichskanzler von Bethmann Hollweg."

Berlin, 29. Mai. DieRordd. Allgem. Ztg." schreibt zu dem Telegrammwechsel zwischen dem Oft« markenverein und dem Reichskanzler:Man darf in dem Begrüßungstelegramm des deutschen Ostmarken- vereins an de« Reichskanzler et« Zeichen dafür er«

blicken, daß jener die vom Landwirtschaftsminister v. Schorlemer mit Recht zurückgewiesenen Behaup­tungen, als ob ein Kurswechsel sich in der Ostmarken­frage vollziehe, fallen gelassep hat. Darum wird auch in der Antwort des Reichskanzlers die Notwen­digkeit hervorgehoben, Hand in Hand mit der Regie­rung auf dem alten Wege fortzuschreiten.

Zusammenstoß zweier Torpedoboote. Kiel, 29. Mai. Zn der Nacht zum Sonntag sind bei einer Hebung der Hochseeflotte bei Stagen die TorpedobooteS. 139" undG. 172 zusammen­gestoßen. Der Matrose Eberlein wurde tödlich verletzt. Die Boote sind zur Reparatur auf der hiesigen Werft eingelaufen.

Neue Freimarken in Bayern. München, 29. Mai. Zur Erinnerung an die 25jährige Re­gentschaft des Prinzregenten werden am 10. Juni voll der bayrischen Postverwaltung zwei besondere Freimarken zu 5 und 10 Pfennig aus- gegeben. Diese Marken find nur vom 10. bis 30. Juni gültig und nur für den deutschen und deutsch-österreichischen Verkehr bestimmt.

Die Racktlogeu. Berlin, 26. Mai. In den Berl. N. N." lesen wir:Die Nacktlogen treiben ihr Unwesen weiter. Rach den für ihre Mitglieder ausgegebenen Mitteilungen der über ganz Deutsch­land verbreitetenLoge des aussteigenden Lebens" zählte diese am 23. Februar rund 450 Mitglieder; darunter find Kaufleute 97, Handwerker 59, Staats- und Gemeindebeamte 56, Architekten, Ingenieure und Techniker 48, Oberlehrer und Lehrer 47, Studenten 32, Privatbeamte 29 Fabrikanten 12, Aerzt« 8, Ober­leutnants und sonstige Militärs 7, Schriftsteller und Redakteure 7, Schüler höherer Schulen (!) 5, Kellner und Portiers 4. Regierungsräte 2, Professoren und Direktoren 2 usw.; weibliche Mitglieder einzeln ge­meldet 9, sowie etwa dieselbe Anzahl Ehefrauen. Danach scheint diese Verirrung noch nicht überwunden zu sein."

Ausland.

** Ein Cholerafall in Oesterreich. Graz, 29. Mai. Wie amtlich gemeldet wird, ist bei dem Postoffizianten Franzki, der sich auf einer Ur­laubsreise nach Venedig befand und an Brech­durchfall erkrankte, nach der Rückkehr in seine Heimat Wallendorf der Choleraverdacht rege geworden. Die bakteriologische Untersuchung er­gab Cholera afiatica. Alle Vorsichtsmaßregeln sind getroffen. Das Befinden des an Cholera erkrankten Postbeamten Franzki verschlechtert sich im Laufe des gestrigen Tages derartig, daß nur geringe Hoffnung besteht, ihm am Leben zu erhalten. Der Cholera-Kranke, Postbeamte Frr-zki, ist gestorben.

** Die päpstlich« Enzyklika. Rom, 29. Mai. Die angekündigte päpstliche Enzyklika ist erschie­nen; sie trägt den Datum vom 21. Mai und ist an die Bischöfe der ganzen Welt gerichtet. Der Papst bedauert lebhaft die von Portugal gegen die Kirche gerichteten Feindseligkeiten und er­innert daran, daß die provisorische Regierung unmittelbar nach der Proklamation der Repu­blik eine Reihe von Maßnahmen antikirchlicher Art ergriffen habe, an die gewaltsame Unter­drückung der religiösen Orden, deren Mitglieder in rohester Weise ausgetrieben worden seien, an die Abschaffung des religiösen Eides, an das Verbot des Religionsunterrichts in öffentlichen Schulen, Einführung der Ehescheidung und an dre willkürliche Absetzung der Bischöfe von Oporto und Baja.

** Das franzöfiche Protektorat über Marokko. Paris, 29. Mai. DerMatin", dessen Bericht­erstatter gestern aus Fez gemeldet hat, daß der Sultan Mulay Hafid das französische Protekto­rat und die Verstärkung der französischen Trup­pen auf 50 000 Mann verlangt habe, erklärt heute in einer anscheinend offiziösen Rote fol­gendes: Das Ansuchen Mulay Hafids um das Protektorat Frankreichs ist nicht neu. Ein solches Ansuchen wurde im Namen des Sultans schon Ende 1910 durch El Mokri an den Minister Pichon gerichtet. Die Regierung, die auf diesen den Grundsätzen der Algecirasakte und den anderen bestehenden Ver­trägen so zuwiderlaufenden Gedanken nicht ein­gehen konnte, erwiderte ausweichend. Selbst- versiändlsch ist die Haltung der gegenwärtigen Regierung in diesem Punkte dieselbe wie die ihrer Vorgängerin. Die Algecirasakte bleibt die Grundlage der Marokkopolitik Frankreichs. Ebenso selbstverständlich ist es, daß man dem Ansuchen Mulay Hafids, die vor Fez stehenden Truppen auf 50 000 Mann zu erhöhen, nicht Nachkomme« wird. Die gestern eingetroffene

Depesche des Konsuls Gaillard und des Generals Moinier über ihre Unterredung mit dem Sultan Mulay Hafid enthält keinerlei Anspielung auf ein Ansuchen um ein Protektorat oder um eine Verstärkung der französischen Truppen. Das Echo de Paris" schreibt: Falls die Spanier tuan besetzen, so werde dies eine flagrante Ver­letzung der Algecirasakte und eine Bresche i« den internationalen Verträgen bedeuten, die dis Unantastbarkeit Marokkos verbürgen. Den Begierden derjenigen Mächte, die seit langem eine Teilung anstreben, würden dadurch Tür und Tor geöffnet. Die französische Diplomatie habe in dieser Hinsicht eine ebenso gebieterische und dringende Picccht wie es die militärische war. Madrid, 29. Mai.Diario Universal" schreibt: Frankreich wird der Herr MaroUos und Mulay Hafids fein. So erlangt Frank­reich, ohne den Bestimmungen des Algeciras- Vertrages zuwiderzuhandeln ein festes Protek­torat über Marokko. So wird es um den Preis einiger Millionen und einer Promenade nach Fez die Hand auf Marokko gelegt haben, ohne daß sich der geringste Einspruch erhebt.

** Die Wahlen in Portugal. Lissabon, 29. Mai. Die Wahlen finden unter reger Beteili­gung statt. Weder in Lissabon noch in der Pro­vinz ereignete sich ein Zwischenfall. In Coim­bra wurde die Mehrzahl der Personen, die am 18. Mai als Verschwörer verhaftet worden sind, freig-Tr^n.

** Räuberischer Uebersall auf einen Deut­schen. Saloniki, 28. Mai. Der Deutsche Friedrich Richter, der sich gegenwärtig auf einer Studien­reise im Olympgebirge befindet, wurde in der Gegend von Kokiioplo, obwohl ihn zwei Gen­darmen begleiteten, von griechischen Räubern überfallen und nach kurzer Gegenwehr entführt. Alle Nachforschungen der Behörden waren bis­her ergebnislos. Richter stammt aus Jena, und ist ein bei der Firma Karl Zeiß angesiellter technischer Beamter. Er unternahm die Reise und den Aufstieg auf den Olymp vor 10 Tagen im Auftrage der geographischen Gesellschaft Thü­ringens.

** Mexiko. Mexiko, 29. Mai. De la Barra b eabfichtigt, die sofortige Auflösung der revolu­tionären Truppen und die unverzügliche Fest­stellung ihrer durch den Krieg begründeten An­sprüche. Die Kosten des Krieges werden auf 25 Millionen Dollars geschätzt, der den Fremden zugefügte Schaden auf 2 Millionen. Die staat­liche Barreserve beträgt 62 Millionen Dollars, wovon 16 Millionen in der Bank von England deponiert sind.

* Der türkisch-bulgarische Konflitk. Kon­stantinopel, 29. Mai. Das Ministerium des Aeußcrn beauftragte den in Wien weilenden türkischen Gesandten in Sofia, wegen des Zwi­schenfalles an der bulgarischen Grenze, auf seinen Posten zurückzukehren. Die türkische Presse greift Bulgarien mit erregten Worten an. Das Mi­nisterium des Aeußern beauftragte die Gesandt­schaft in Sofia, bet der bulgarischen Regierung ernste Vorstellungen wegen der Erschießung des türkischen Leutnants zu erheben und eine ge­meinsame Untersuchung zur Bestrafung der Schuldigen zu fordern. Zugleich solle die Ge­sandtschaft die Einstellung des Feuers verlan­gen. In Kreisen der Pforte hält man die Er­schießung des Offiziers für einen vorbedachten Racheakt, da die bulgarischen Soldaten aus sol­cher Nähe geschossen hätten, daß die Haare des Leutnants verbrannt gewesen seien. Rach einet Depesche des Mali von Kossowa soll die Zahl der bulgarischen Soldaten, die nach der Erschießung des Leutnants das Feuer gegen die türkischen Grenzposten eröffneten, sich auf tausend belaufen haben.

** Die Antwort der Türkei an Rußland. Petersburg, 29. Mai. Das Miinsterium des Aeußern hat die mündliche Antwort der türki­schen Regierung auf die mündliche Mitteilung des russischen Botschafters in Konstantinopel er­halten, deren Hauptpunkte folgende find: Die türkische Regierung ertidtt, daß sie über die von der russischen Regierung erhaltene Mitteilung erstaunt gewesen fei und ste bedauere fie, da sie iyrer Meinung nach durch die wirkliche Lage der Dinge nicht hervorgerufen wäre. In letzter Zett seien auf montenegrinischer Seite Vorgänge be­obachtet worden, die nicht im Einklänge mit den internationalen Verpflichtungen gewesen feie« und einen gewissen Vorwurf verdienten. Wei« aus der Tatsache, daß die türkische Regierung: