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HZ 191 unb bet Expedition (Markt 21) 2.00 * frei in« Hau». (Für r fnnnf tn^fnnNe Manuikrivte übernimmt bie Redaknon I

Erstes Blatt

in der So

Allgemein wird der Grund desselben dem Mangel einer einheitlichen Leitung ruspghen auswärtigen Politik gesehen, schreibt dieDeutsche Tagesztg":

46. Jahrg.

1911.

Jetzt lassen sich die Ursachen des falschen Schrittes einigermaßen erkennen. Die Haupt­ursache ist offenbar die Krankheit Ssasonows. Das russische Ministerium des Auswärtigen ist ohne eigentliche Leitung, und es machen sich da alle möglichen Stimmungen geltend, die nach Einfluß auf die Politik streben, und ihn bis­weilen, wie in diesem Falle, auch erlangen. Unter solchen Umständen genügte das Wehklagen üntitas von Montenegro, um die schöne Idee aufzugreifen, den kleinen slawischen Bruder ge­gen die Türkei zu schützen und sich so wieder als Schutzherrn aller Slawen zu zeigen. Bei Frank­reich und England wenigstens hofften die Aus­brüter dieses Planes selbstverständlich Unter­stützung zu finden. Natürlich fielen sie damit durch. Keine einzige Macht hat sich dem Vor­gehen Rußlands angefchlosien, und so mußte denn jetzt von russischer Seite der gefährlichen Note eine abschwächende Bedeutung gegeben werden. Seinem Botschafter in Konstantinopel, Herrn Tscharykow, hat es Rußland zu danken, daß es nicht allzu weit zurückzuweichen braucht. Denn der erfahrene Diplomat erkannte sofort den kolosialen Fehler, den man zu begehen be­reit war, und so brach er der beabsichtigten Dro­hung an die Türkei die Spitze ab und verhan­delte in einer Weise, daß die Pforte sich nicht in ihrer Ehre gekränkt fühlte. Rußland kann von Glück sagen, daß es einen so tüchtigen Botschafter am Goldenen Horn hat. Es ist aber sehr zu wünschen, daß Ssasonow bald seine volle GHund- heit wird verlange."

Marburg

Sonntag, 28. Mai

DieOberbrsiisihr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der S«tn- und Feiertage. - Der Bezugspreis betragt vierteftahrlich durch die Post bezogen 2.25 Jl (ohne Bestellgeld), bet unseren Ze'tungsftellen - - 1 'V ... .<wx ». rt rxfX M 4«"^ unver-

maßlose Verherrlichung des Magyarentums sein sollte, in der Tat aber nur nachwies, daß die gesamte ungarische Zivilisation von Nichtmagyaren stammt. Ein paar Jahre später macht« sich Banffy noch be­merkbar, indem er mit einigen Freunden im Sitzungssaal des Parlaments alles kurz und Nein schlug. Er war schon lange tot, ehe er gestorben war.

daß die vielen erheblichen Irrtümer des Buch« die ursprüngliche Annahme, daß ihm amtliche Quellen zugrunde lägen, als unberechtigt er­scheinen ließen.

Di«alten Leut«' bei« Militär. Im Baracke­lager des Truppenübungsplatzes Ohrdruf überfielen fcgenanntealte Leute" einige Muskafier«. Einet von ihnen wurde derartig zugerichtet, daß er in ärztliche Behandlung gegeben werden mußte. Die vieralten Leute" wurden in Hast genommen und in Arrest abgeführt._______________

langt zugesandte Manuskripte übernimmt bte Redaktion keinerlet Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdrucker« I. A. «och (Inh..

~ Dr. Sitzerath). Markt 21. Telephon 55. ________

Deutsches Reich-

Die Bereinigung deutscher Rahrnngs- «ittelchemiker. Dresden, 26. Mai.. Die Vereini­gung hielt hier eine Hauptversammlung ab. Aus den Begrüßungsreden ist eine Mitteilung des Vertreters der Reichsregierung zu erwähnen, der darauf hinwies, daß im Reichsamt des Innern in letzter Zeit vertrauliche Beratungen über den Ausbau der Vereinbarungen über die Unter­suchung der Nahrungsmitel und über das Examen der Nahrungsmitelchemiker gepflogen worden seien, bei denen man den Anregungen des Vereins weit entgegengekommen sei. Prof. Beytien, der bekannte Dresdener Nahrungs-^ Mittelchemiker, sprach hierauf über die Bedeu­tung der Lebensmitelkontrolle für Volksgesund­heit und Bolkswohlfahrt. Die Verhandlungen werden bis morgen abend dauern.

DerGotha der Millionäre" freigegebe«. Berlin, 26. Mai. Gegen den Verfasier des Jahrbuches der Vermögen und Einkommen der Millionäre", den früheren Regierungsrat Mar­tin, war bekanntlich ein Verfahren eröffnet worden, weil der Verdacht vorlag, daß er Steuerbeamte zur Ueberlaffung amtlichen Ma­terials verleitet habe. Dieses Verfahren ist jetzt eingestellt und das Buch freigegeben worden. Wie erinnerlich, hatte sich übttgens schon bald nach Einleitung des Verfahrens herausgestellt,

Gestürzte Gröben.

Der allmächtige Dollar, der die Revolution in Mexiko finanzierte. hat es erreicht: der Präsident General Porfirio Diaz dankt ab. Dieser ,is:rne Politik«!, der noch im Alter von 80 Jahren st,gendfrisch die Staatszügel führte, hat Mexiko erst *u dem gemacht, was es ist, zu einem geordneten Staatswesen, in dem Handel und Wandel blühen und auch deutscher Unternehmungsgeist eine Stätte reicher Betätigung gefunden hat. Allerdings waren seine Mittel nicht sehr sanft. In derRepublik. Mexiko war er der Selbstherrscher und Diktator, er­nannte, statt sie frei wählen zu lasten, jahrzehnte­lang die Abgeordneten, die ihm paßten, und schaffte mißliebige Leute höchst einfach durch dieFlücht­lings-Verordnung" aus dem Wege. Diese Ver­ordnung gestattete straflos das Erschießen jedes Häftlings, der Anstalten zur Flucht machte. In der Piaxis wurde das so gehandhabt, daß Gegner Don Pcrfirios, auch wenn sie sich nicht, hatten zuschulden kommen lasten, nachts aus den Betten geholt, über Land transportiert und unterwegs an irgendeinem Straßengraben erschosten wurden. Punktum. Die Gewaltherrschaft erzog aber das mexikanisch« Misch- lingsvolk zum Gehorsam gegenüber der Regierung und ihren Gesetzen, nierzte die beamteten Diebe aus und schuf europäische Erwerbsmöglichkeiten; Bahnen und Häfen wurden gebaut, der Verkehr blühte empor, das Schulwesen hob sich. Das alles paßte nicht zum Regierungsideal, wie man es in amerikanischen Republiken kennt: daß Regierung und Parlament gemeinsam die Nation bestehlen und mit aus­wärtigen Kapitalisten Konzestionsgeschäfte machen. Endlich ist es nun gelungen, Diaz zu stürzen. An seine Stelle tritt vielleicht das Ehäos.

Roch ist er Majestät, noch regiert er sein Land, noch beglaubigt er Gesandte , der König Peter von Serbien, aber er ist gleichzeitig doch schon so etwas wie Europas komische Figur geworden. Er wird sich manchmal vielleicht wieder in jene Zeiten zmücksehnen, wo er noch nichtKönig Peter" hieß, sondernHerr Karageorgewitsch", und in Paris eine bescheidene kleine Wohnung zu einer jährlichen Miete von 750 Franken inne hatte. Fast alle Höfe losten ihn abfallen; er stürzt reihum. Sämtliche regierenden Familien, bei denen er als Freiwerber für seinen wilden Sohn Georg um eine Prinzestin anklopfte, bekreuzigten sich vor Schrecken; der Kaiser Franz Josef warwegen Schnupfens" behindert, ihn zu empfangen; und Präsident Fallieres ließ ihm wegen desTrauerfalls im Ministerium" wieder ab­sagen. Er war schon bis Basel gekommen und mußte wieder umkehren; und morgen wird sein Volk in Belgrad ihn mit düster« Mienen wieder empfangen. Mas nützt mir ein König, wenn er nicht ästimiert wird?"

In einem vornehmen Herrensitze Englands so wie einst Napoleon III. in Chtslehurst lebt Dom Manuel B rag an za, der von den Republi­kanern gestürzte junge König von Portugal. Die Republikaner haben dem Lande nicht das ver­sprochene goldene Zeitalter gebracht. Der Präsident, seines Zeichens Profeffor der Literatur, muß fortge- sitzi Verhaftungsbefehle unterzeichnen, und der Ziokl- govverneyr, seines Zeichens Spezialarzt für Haut- kraMheitSii, Muß sie fortgesetzt ausführen, weil sich die Zahl der Revolutionäre wider die Revolution tagtäglich mehrt. Handel und Wandel liegen dar­nieder, überall wird gestreikt. Wirtschaftlich steht es i-t Portugal schlimmer denn je. Da waschen wenig­stens der Professor und der Spezialarzt und die anderenStaatsmänner" ihre Hände in Unschuld und erklären, sie seien die einzigen Patrioten, während Dom Manuel das Land an die Fremden habe verraten wollen. Beweis: aufgefundene Privat­briefe des Königs aus der vorrevolutionären Zeit, Briefe an seine Mutter, in denen er erzählt, wie er versucht habe, an zwei befreundeten Höfen für den Fall einer portugiesischen Revolution ein Eingreifen zu Gunsten der Ordnung und zu Gunsten des Hauses Braganza zu erbitten. Man antwortete ihm pflaumenweich. Das ist ganz tnterestant, aber die Ausbeutung der Korrespondenz zwischen Mutter und Sohn ist nicht gerade anständig; zum mindesten der Literaturprofestor hätte sich da doch für den Urheber­rechtsschutz einsetzen müßen.

Von den Seinen fast vergessen, von den Gegnern »«flucht, ist in Ungarn der Baron Desider Banffy gestorben, der einst Ministerpräsident des Königreichs war. Man atmete auf, als er 1899 ge­stürzt wurde. Dieser Mann, der der deutschen Bildung alles zu verdanken hatte und selber nur not- dürftig magyarisch sprach, wurde doch zum wildesten Verfolger derNationalitäten" in Ungarn. Er trieb es so flott, daß er sogar die Einrichtung des nächt- lichen Staatsanwalts schuf, der die noch drurkfeuchten Zeitungsblätter sofort lesen und bei der geringsten ar-timagyarischen Handhabe die Redakteur« verhaften mußte. Ungarn sei kein Gesetzesstaat, erklärte er zvntsch. Unter seiner Aegtde fand in Ofenpest bie berühmteMilleniums-Ausstellung" statt, die eine

Politische Umschau.

Die konservativ« Pattei and die elsaß-loth­ringische Verfass« ngsfrage.

Zur Annahme der elsaß-lothringischen Ver­fassung führt dieKons. Korr." u. a. aus:

Di« Regierung hat eben einen völligen Wechsel ihrer Anschauungen und einen unver­muteten Rüchug vollzogen. Das Deutsche Reich hat den neuen Reichsbürgern, die es in Elsaß- Lothttngen gewonnen hat, kurz nach der Ein­verleibung volles Bürgerrecht im Deutschen Reiche, Stimmrecht und Sitz im Reichstag ver­liehen. Bedeutet es da nun eine Herabsetzung, wenn die Elsaß-Lothttnger reichsunmittelbar sind? Ist er eine Erniedrigung, nur einer Staatsgewalt unterworfen zu sein, an der man durch den Sitz im Reichstag doch immerhin teil­nimmt? Es mag sein, daß unter ruhigen nor- malen Verhältnissen die Sachen sich ohne beson­dere Schwierigkeiten abwickeln werden. Es mag sein, daß für die Regel ein reales Opfer Preu­ßens nicht schwer ins Gewicht fällt. Allein mag das reale Opfer Preußens groß oder wenig groß fein, es gibt doch auch Imponderabilien in der Politik, zumal in einer Zeit, die die schwersten Kämpfe auf dem Gebiete unserer gesamten so­zialen und wirtschaftlichen Entwicklung in Aus­sicht stellt. DieVosfische Zeitung", ein Organ der Fortschrittspartei, hat dazu am 10. März geschrieben:Diese Vorschläge bedeuten eine ge­setzgeberische Verkörperung des Mißtrauens ge­gen Preußen und eine Verschlechterung der Stel­lung Preußens im Bundesrat." Die Westfälisch- Rationalliberalen haben auf ihrem Parteitag den Verfassungsentwurf alseine Schwächung des nationalen Gedankens und eine Stärkung des klerikalen Einflusses im Reichslande" be­zeichnet. Die konservative Pattei steht mit der Ablehnung dieser Verfassungsänderung nur auf dem Boden, den die verbündeten Regierungen im Januar im Reichstag mit Entschiedenheit selbst eingenommen haben, und den auch natio­nalliberale Führer damals mit größter Energie vettreten haben. Es ist bedauerlich, daß mit einer republikanischen Partei verhandelt wurde und sie durch demottatische Zugeständnisse sich verpflichtet gefühlt hat, an einer Vorlage mit- zuarbeiten, in der es sich darum handelte, das Matz der Macht des deutschen Kaisers in Elsaß- Lothringen festzusetzen.

Seltsam genug ist und bleibt dieseReform". Bon einem Unannehmbar nach dem andern ist die Regierung abgewichen. Bundesratsstimmen wurden bewilligt, das Mehrstimmenwahlrecht aufgehoben, das Wahlkreisgesetz abgeändert, die Wohnsitzklausel fast völlig aufgegeben und in »toten Bestimmungen die Vorlage zugunsten des reichsländischen Zentrums und der Nationalisten verwässert. Mit der Aufgabe der Pluralstim­men ist dann zum Schluß der Sozialdemokratie zwar die Brücke zur Mehrheit gebaut, das Ver- ttauen der Ration auf die Festigkeit der Regie­rung aber wohl kaum gestärkt worden.

Ausland.

** Mexiko. Mexiko, 26. Mai. De la Barra leistete den Eid auf die Verfassung. Er fühtt die Präsidentschaft bis zu den nächsten allgemei­nen Wahlen.

** Aus Marokko. Paris, 26. Mai. Marquis de Segonzac meldet demEcho de Paris" vom 21. Mai, er sei vom Sultan empfangen worden, der seiner großen Freude über die Ankunft der französischen Truppen Ausdruck gegeben habe. Die Europäer atmeten auf (!) und erklärten, es sei höchste (?) Zeit gewesen, daß sie befteit wor­den wären. Es sei übrigens notwen­dig, daß die französische Kolonne ge- gen die Aufrührer die Offensive er­greife, da sich die Auftührer nur wenig« Kilometer von der Hauptstadt entfernt hätten. Die Blätter lassen sich aus Fez melden, datz die Bevölkerung aus Freude über die Ankunft der französischen Truppen geflaggt und illumi­niert hätten. Es seien auf dem Wege, den Een ral Moinier und sein Eeneralstab am 22. Mak nehmen mußten, Triumphbogen errichtet worden.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwtrtjchaftltche Beilage.

Der Anzeigenpreis beträgt für die Tßefpaltene Zeile oder deren Raum 15 bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 A-- Bei Wiederholungen entsprechen^! Ra^tt. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt, Arbinbltch- leit für Platz-, Datenvorfchrist und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt <L M.

Marburg und Umgegend.

(Rachdruck aller Originalartikel ist gemäß 5 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Oberhess. Ztg." aestottet.)

Marburg, 27. Mai.

Die Marburger Landtagswahl. Im Amts­blatt der Kgl. Regierung zu Cassel finden wir folgende amtliche Mitteilung:

Ersatzwahl ein es Abgeordneten im 10. hiesigen Wahlbezirk (Kreis

Marburg).

Nachdem das Mitglied des Hauses der Abge­ordneten, Geheimer Regierungsrat, Landrat von Negelein am 16. April d. I. gestorben und die Vornahme einer Ersatzwahl angeordntt wor­den ist, sehe ich mit Ermächtigung des Herrn Mi- Nisters des Innern als Tag für die etfotbet« lichsn Wablmänner-Ersatzwahlen

Montag, den 19. Juni 1911, i und für die Neuwahl des Abgeordneten

Mittwoch den 28. Juni 1911, hierdurch fest.

Wahlmänner-Ersatzwahlen find erforderlich:

1. im 1. llrwahlbezirk der Stadt Marburg in der 1. Abteilung für einen verstorbenen Wahlmann und in der dritten Abteilung für einen verzogenen Wahlmann,

2. im 2. Urwahlbezirk der Stadt Marburg in der 1. Abteilung für einen verzogenen Wahl­mann und in der 3. Abteilung für einen verstorbenen Wahlmann,

3. im 3. Urwahlbezirk der Stadt Marburg in der 2. Abteilung für einen verzogenen Wahl­mann,

4. im 5. Urwahlbezirk der Stadt Marburg in der 3. Abteilung von 2 Wahlmännern in­folge Ungültigkeitserklärung durch die Wahl­versammlung,

8. im 7. llrwahlbezirk der Stadt Marburg in der 3. Abteilung für einen verzogenen Wahl­mann,

6. im 8. Urwahlbezirk der Stadt Marburg in der 3. Abteilung eines Wahlmannes infolge Ungültigkeitserklärung (wie zu Rr. 4),

7. im 9. Urwahlbezirk der Stadt Marburg in der 2. Abteilung für einen verzogenen Wahl­mann und in der 3. Abteilung für einen ver­zogenen Wahlman. '

8. im 10. Urwahlbezirk der Stadt Marburg il der 1. Abteilung für einen verzogenen Wahl- manu und in der 2. Abteilung für einen ver­storbenen Wahlmann,

9. im 11. Urwahlbezirk der Stadt Marburg In der 2. Abteilung für einen verstorbenen Wahlmann und in der 3. Abteilung ffit einen verzogenen Wahlmann,

10. im 12. Urwahlbezirk der Stadt Marburg 11 der 2. Abteilung für zwei verzogene Wahl­männer. - i

Die Intervention Rußlands auf dem Balkan.

Konstantinopel, 26. Mai. Nach In­formationen der Pforte wandte fich Rußland auch an andere Großmächte mit dem Ersuchen, sich an dem Schritt bei der Pforte zu beteiligen, was sämtliche Mächte abgelehnt haben. Einige erklärten den Schritt für unangemessen, da die Türkei ein unabhängiger Staat sei und im übrigen sei aus der bis­herigen Haltung der Pfotte nicht festzustellen, was den Schritt rechtfertigen könne. Schließlich erklärten die Mächte, Montenegro müsse die strengste Zurückhaltung und Neuttalität beob­achten.

Die Antwort der Pfotte.

Konstantinopel, 26. Mai. Nach In­formationen aus dem Ministerium des Aeußern antwortete der Minister des Aeußern Rifaat Pascha auf die hauptsächlichsten Puntte der rus­sischen Mitteilung, wonach eine kategorische Er­klärung über die Haltung der Türkei gegenüber Montenegro verlangt wird, nicht. Der Mi­nister erklärte, daß die Pforte ihre Angelegen­heiten unabhängig regele und weigerte sich bis­her nie, über schwebende Fragen mit den be­freundeten Mächten freundschaftlich zu reden. Sie hege keine kriegerischen Absichten Monte­negro gegenüber, verlange aber von Montenegro ein korrektes Handeln. Von Montenegro hänge es ab, ob die beiderseitigen Beziehungen in nor­male Bahnen zurückkehrten, doch müsse Monte­negro die völkerrechtlichen Regeln achten und dürfe die Aufständischen nicht unterstützen. D i e Ratschläge fänden einzig in Ee- tinje eine wirksame Verwendung. Soyneßlich erklätte der Minister, die Pforte werde des Umstand es gedenken, daß von allen Großmächten nur Ruß­land einen solchen Schrilk unter­nommen Haie.

Deutsche Preßstimmen.

Die deutsche Presse, wie auch die auslän­dische, gibt fast einheitlich ihrem Erstaunen über den eigentümlichen Schritt Rußlands Ausdruck.