Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 40.
^Die Intervention Rußlands auf dem Balkan.
Die Lage auf dem Balkan, besonders die Spannung zwischen Montenegro und der Türkei, haben Rußland zu einer Intervention veranlaßt, die einen höchst eigentümlichen Eindruck machen muß. Der russische Botschafter in Konstantinopel ist, wie wir schon kurz meldeten, beauftragt worden, der türkischen Regierung Mitteilungen zu unterbreiten, die wie eine Drohung aussehen. Die russische Regierung ist danach erstaunt über die Truppenzusammenziehung an der montenegrinischen Grenze, die eine ernste Gefahr für den Frieden bedeute, da jederzeit ein Erenz- konflikt hervorgerufen werden könnte, desien Folgen schwer vorauszusehen seien. Die russische Regierung drückt die Hoffnung aus, daß die türkische Regierung zur Erhaltung der Ruhe und des Friedens es als möglich anerkenen wird, unverzüglich und in kategorischer Form ihre friedliche Gesinnung gegen Montenegro zu erklären. Außerdem wird sie nicht verfehlen, der königlich-montenegrinischen Regierung andauernde Mäßigung und Ruhe anzuraten.
Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß der türkische Minister des Aeußern dem Botschafter versicherte, die militärischen Maßnahmen der Pforte bezweckten einzig und allein di« Unter- drückung be» Malissorenaufstandes. Die Pforte denke nie daran, irgend jemand ohne Herausforderung anzugreifen. Die gesamte türkische Presse drückt ihr Befremden über die Beröffent- kichung des russischen Schrittes durch die Petersburger Telegraphenagentur au». Wie auf der Pforte versichert wird, antworteten die übrigen Großmächte auf die Klagen Montenegros über die türkischen Truppenkonzentrationen, die Maß- uahmen der Pforte bezweckten bloß die Unterdrückung des Aufstandes.
In der Diplomatie ist man über diesen Schritt Rußlands, den man nicht verstehen kann, außerordentlich überrascht. Es liegt zweifellos ein politischer Frontwechsel gegen die Türkei vor, der aber, wie man versichert, zu Besorgniffen keinen Anlaß gibt.
Der Schlag gegen die Ehre Preußens.
So überschreibt die freikonservative „Post" ihre Bemerkungen zu der Annahme der Verfassungsreform für Elsaß-Lohtringen, und ungefähr ebenso tönt es uns aus den Reihen der Rechten
(Nachdruck "erboten.)
Heidezauber.
- -1 Roman von Anny Wokh«.
(Fortfetznng.)
„Er kommt, Christel," schluckte sie plötzlich auf. Christel, er kommt!" Vergesien war alle, Leid, sonnenhell blitzte es in den blauen Augen auf, ein süßes, köstliches Kinderlacheln stahl sich um die roten Lwpen, und die alte häßliche Küchenschürze, die sie Umgebunden hatte, weit von sich schleudernd, stürmte Lotte hrnaus, entgegen. Es war ihr, als fei mit ihm das Glück gekommen.
Christel aber hielt die dürren Hände gefaltet auf den Knieen.
„Mein herzlieber Gott," so betete sie, „gib dem armen, kleinen Menschenherzen nur ein« einzige Blume und nimm mir dafür jedes Glück des Daseins."
Sollte es rin frommer Wunsch der braven Alten sein? —
Wie festgebannt blieb Lotte, Fuß auf dem halbdunklen Gange basten. Rein, was sollte er von ihr denken — sie durfte ihm ja nicht entgegenspringen. Zum erstenmal empfand sie diese zartmädchenhafte Scheu Niendorf gegenüber. Diese, Gefühl war ihr selbst unverständlich und legte sich beklemmend auf ihr warmes Herz.
Jetzt betrat sein Fuß die Schwelle der Haustür.
Lotte stieß unwillkürlich einen kleinen Schrei aus und drückte sich etwas enger gegen die Wand.
Ach, Fräulein Lottchen!" rief Niendorf wie zer- -reut. „Habe ich Sie erschreckt? Das würde mir leid tun!"
Damit nahm er flüchtig ihre zitternd« Hand in Heine Recht«.
Erstes Blatt
weiter entgegen. Man kann in bei Tat der Haltung bet Regierung in bieser Frage nicht zustimmen. Vor allen Dingen nicht barin, baß sie Schritt für Schritt von ihren ursprünglichen Forberung zurückgewichen ist, um schließlich sogar bie Sozialbemokratie zum ausschlaggeben- ben Faktor in bet Veifassungsfiage zu machen. Das ist ein Weg, bet von allen einstbenkenben Deutschen unb Pieußen mit gioßen Bebenken betrachtet werben muß. Der Reichskanzler hat gehofft, baß biefe Vorlage zum Segen gereichen möge, bas hoffen wir auch. Hebet bie wirklichen Verhältnisse unb bas was not tut kann man ja nur aus genauester Kenntnis bes Laubes urteilen. Ob bei Kanzlei aber baian gedacht hat, baß bie Alt bet Behanblung bes Themas bie allerschweisten Schwierigkeiten für bie Zukunft bringen wirb, erscheint uns zweifelhaft. Mit seiner Begründung hat Herr v. Bethmann-Holl- weg unseres Erachtens kein Glück gehabt. Diesen Einbruck gewinnt man besonbers angesichts bei nervösen Art, mit bet et bem Verteidiger bet preußischen Interessen, Herrn v. Oldenburg, antwortete. Hebet Henn v. Oldenburgs Rede meint bie „Post":
Wer Herrn v. Olbenbutg nur aus bem „Sim- plizifsimus unb bet „Jugenb" kenne, müsse ihn für einen Possenreißer halten. „Einem Possen- reißer aber hört man nicht mit so lautloser Stille zu, wie gestern bem Herrn v. Oldenburg. Im Gegenteil hatten wir das Gefühl, als ob manchem unten im Saale bas Gewissen schlug, baß er so leichthin über Preußens Rechte unb Machtstellung hinweggegangen war, währenb bieser aufrechte Junker aus Ostpreußen mit einer Begeisterung und einem Ernst baffli eintrat, bie auch bem Gegner bie tiefste Achtung abnötigte. Wenn Herr v. Olbenburg nur bas wäre, was bie Witzblätter aus ihm machen wollen, bann würbe bei Reichskanzlei sicher nicht mit solcher Nervosität seiner Rebe zugehört und mit solcher Energie aufgesprungen unb ihn einer so scharfen Antwort gewürdigt haben. Es läßt sich eben nicht leugnen, baß bet Heu v. Zanuschau ben Nagel auf ben Kopf traf unb bem Ding ben rechten Namen gab, als et ausrief: „Diese Vorlage ist ein Schlag gegen bie Ehre Preußens"."
Sachlich führt bet „Reichsbote" aus, daß diese elsaß-lothringische Autonomie ein unsühnbarer Fehler gewesen sei unb baß sie trotz Herrn von Vethmann-Hollweg niemals in ben Bismarck- fchen Plänen gelegen habe.
Der Sieg bes Herrn v. Bethmann ist teuer erkauft, so führt besonbers bie „Rhein.-Westf. Ztg." an. Der Krebit ber Regierung habe in nationalen Fragen starke Einbuße erlitten. Das A'att freut sich, baß bie Konservativen bie wohlverstandenen Interessen bes Reichs unb Preußens so tapfer vertreten haben unb kann sich bem Einbruck nicht entziehen, baß ber Riß zwischen ber Rechten unb bem Kanzler bebeutenb sei.
Verantwortung.) Druck der llniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh. Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
46. Jahr-,
1911.
Dieser Riß ist auch bas Wesentliche, was auf ber Linken als Verbienst bet Vorlage besonbers gebucht wirb. Man scheint barüber sogar vergesien zu haben, baß man vor nicht zu langer Zeit Herrn v. Vethmann-Hollweg als ben „schwarz- blauen Kanzler" bezeichnete.
Es ist natürlich, bah besonbers bie Fieifinns- presie sofort mit einem großen Wunschzettel heranrückt, bet bem Kanzler präsentiert wirb. „Wer A sagt, muß auch B sagen", meint bas „Betl. Tagebl." Es schöpft aus ber Art, wie sich bie Regierung hier hat treiben lasien, um nur etwas zustanbe zu bringen, neuen Mut unb fordert das Reichstagswahlrecht für Preußen. Die sozialdemokiatischen Blatter tun dasselbe, indem bet „Vorwärts" heroorhebt, baß es sich zuweilen eigenartig ausgenommen habe, bie Vorlage von dem Manne verteidigt zu sehen, die früher bie Forberung eines neuen Wahlrechts für Preußen so schroff abgelehnt habe.
Zur allgemeinen Sachlage schreibt Profesior Ve:::hack in bet „Magdeb. Ztg.":
„Geradezu verhängnisvoll muß bie Verfassungsoorlage auf bie Stellung bet Regierung, bes Reichskanzlers wie bes Staatssekretärs Delbrück einwirken. Einmal hat sie, statt bie zerfahrenen Parteiverhältnisse zu behce.^M, sich von ben Parteien fortreißen lasien unb damit ihre Schwäche gezeigt. Bundesratsstimmen und allgemeines Stimmrecht waren anfangs unannehmbar, könne nabet jetzt passieren, damit nur eine Mehrheit im Reichstage zustande kommt. Wer wird künftig noch unannehmbare Dinge für unannehmbar halten"
Die „Cbcrheiiifdje Zeitung" ericheint täglich mit Aufnahme der S^nn- und Feierlage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
Marburg
Sonnabend, 27. Mai
nahm in zweiter Lesung das Wahlgesetz für Elsaß-Lothringen unverändert in der Kommis« sionsfasiung an.
— Der Straßburger Studentenausschuß aus« gelöst. Straßburg, 24. Mai. Der Hniversitäts« senat hat die Auslösung des Ausschusies bei Straßburger Studentenschaft verfügt.
— Unglücksfälle auf einem Truppenübungsplatz. Berlin, 24. Mai. Gestern ereigneten sich auf dem Truppenübungsplatz (Elfenborn bei Aachen zwei schwere Hnglücksfälle. Ein Dra> goner des 7. Dragoner-Regiments Saarbrücken nahm einen auf dem Hebungsfelde gefundenen p-Artilleriezünder in die Baracke mit. Dori explodierte der Zünder. Drei Soldaten wurden verletzt, zwei schwer. Beim 59. Artillerieregiment krepierte ein Geschoß im Rohr einer Haubitze, wodurch das Rohr platzte. Sprengstücke durchbohrten einem Vizewachtmeister der Reserve den Leib und einem Kanonier den linken Arm. Der Zustand bes Vizewachtmeisters ist lebensgefährlich; bem Kanonier wird bet linke Arm abgenommen werben müssen.
— Die Kommission für das Kurpsuschergesetz vertagt. Berlin, 24. Mai. Die Kommission bes Reichstags für bas Kurpfuschergesetz beschloß, bei ber Geschäftslage bes Reichstags bie Weiterberatung ber Vorlage bis zum Herbst zu vertagen.
— Gesellschaftsreise der Deutschen Landwirt« schastsgesellschast. Heber bas nunmehr feststehende Programm bet von ber Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft geplanten Gesellschaftsreise durch Thüringen und bas Eroßherzogtum Hessen wird uns berichtet: Die Reise wirb burch ben Generalsekretär bet Landwirtschaftskammei für bas Herzogtum Gotha, Dr. Koch, unb durch den Sekretär ber Kammer für bas Eroßherzogtum Hessen, Dr. Hamann, vorbereitet. Di« Reise beginnt mit einer Versammlung in Altenburg am 15. Juni im Hotel „Europäischer Hof". Am 16. Juni werden u. a. die Jungviehweideanlagen ber Altenburger Viehversicherungsgesellschaft, das Meuselwitzer Kohlenrevier besichtigt, und bie Fahrt geht über Meuselwitz nach (Beta. Am 17. Juni Ankunft in Köstritz, Oberweimar unb Weimar, Besichtigung von $rau= et/;::, Obst- und Rosenkulturen usw. Am 18» Ankunft in Apolda und Weimar. Am 19. Zeiteinteilung Vorbehalten. Der 20. Juni führt z* d'N Rittergütern des Herrn v. Eichel-Streiber und nach Eisenach. Am 21. Juni Ankunft in Gerstungen und Berka (Besichtigung des Kalisalzbergwerks Alexanderhall) sowie Casiel. Vom 22. bis 24. Besichtigung der dortigen Wände.« ausstellung. Der 25. Juni führt nach Gießen und Lauterbach (Jungviehweide und Landwirtschaftliche Institute usw.), dann Ankunft in Friedberg. Am 26. Besichtigung der Euter Wick- stadt, Ankunft in Holzhausen, per elektr. Bahn von Ober-Eschbach nach Frankfurt a. M. Für den 27. Juni ist Ankunft in Mainz (Weinbau-
und Feierlage. — Der Bezugspreis betragt viertekiahrlich durch die Post bezogen 2.25 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen JtO 1*2.3 und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei ins HauS. (Für unver-
J langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei
Deutsches Reich,
— Som Kaiser. Berlin, 25. Mai. Der Kaiser begab sich gestern nachmittag von Potsdam nach Berlin zum Reichskanzler und nahm heute vormittag im Neuen Palais bei Potsdam den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts entgegen.
— Ein« Vertagung des Reichstages? Berlin, 24. Mai. Dem Reichstage ging ein Antrag zu, zur Vertagung des Reichstages bis zum 10. Oktober die ve^^siungsmüßige Zustimmung zu erteilen. Ferner ging dem Reichstag ein Gesetzentwurf zu, nach dem die Mitglieder des Reichstages int Oktober und November, falls sich der Reichstag versammelt, aus bet Reichskasse eine außerordentliche Aufwandentschädigung von insgesamt 700 <M. erhalten sollen.
— Keine Spannung zwischen Zeppelin und Hergesell. Straßburg, 24. Mai. Prinz Heinrich von Preußen ermächtigte ben Vertreter bes Wolffbureaus, öffentlich zu erklären, daß eine Spannung zwischen Zeppelin unb Hergesell nicht besteht. Die beiden hervorragenden Männer arbeiteten auch in Zukunft stets miteinander.
— Das Wahlgesetz für Elsaß-Lothringen angenommen. Berlin, 24. Mai. Der Reichstag
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
„Ich suche vor allem Wolfgang," fuhr er fort. „Ist Ihr Bruder daheim?"
„Nein, Herr Baron," antwortete Lotte leise und öffnete die Tür zum Wohnzimmer: er muß aber jeien Augenblick zurück sein. Mama und meine Cousine haben Besorgungen in der Stadt, werden aber gleich wieder kommen."
So lasien Sie mich hier einen Augenblick Ihrer Angehörigen harren, denn es wird lange Zeit vergehen, bevor ich Sie wiedersehen tarnt"
Eine unendliche qualvolle Angst erfaßte Lottes Seele. Cie wollte reden, ihn fragen, brachte aber keinen Laut über bie Lippen. Nur eine heiße, bange Frage lag in ihrem Auge.
Niendorf merkte es nicht. Er ging unbesorgt um Lottes Eeegenwart im Zimmer auf und ab. Das junge Mädchen war ans Fenster getreten. Boll fiel b*r scheidende Sonnenglanz auf ihr üppiges Haar, goldene Lichter darauf setzend. Wie Schleier lagen jetzt die Lider tief über den sonst so lachenden Sian« äugen.
„Nun, kleine Freundin," sagte Niendorf endlich, sie sich besinnend, „Sie sagen kein Wort; es war doch sonst nicht ihre Art zu schweigen."
„Sie find so sonderbar, Herr von Niendorf," stieß Lotte gepreßt hervor. „So ganz anders, als sonst."
„So, bin ich das?" Der Adjutant lachte schneidend auf. Also anders als sonst? Sehen Sie mich mal ganz genau an, Kleine: so wie ich, sieht ein ab- gewiesener Freier aus. Haben Sie schon mal einen gesehen?"
Lotte starrte Niendorf mit weit geöffneten Augen an Was sollte das alles?
„So reden Sie doch, Kindl Verstehen Sie denn nicht, daß das Schweigen entsetzlich ist?"
Nein, sie verstand nichts — ihr war der Kopf »üft
und wirr. Nur die blauen Augen hoben sich jetzt zu ibn. auf und sahen ihn so angftooll, so tränenschwer an, daß er davor betroffen den Blick senkte.
„Arme Kleine, ich habe Sie erschreckt," sagte er mitleidig. „Sie wissen noch nicht, wie es ist, wenn die Seele tausend Schmerzen leidet. Möchte es Ihnen immer verborgen bleiben."
„O doch, doch!" schluchzte da Lotte auf und sah wir hilfeflehend in seine so trübe blickenden Augen.
Niendorf sprach beruhigend auf Lotte ein und legte feine Hand auf ihren lockigen Scheitel. „Was heute noch trüb und traurig war, ist morgen sonnen- hel und mit Rosen geschmückt. Bei uns aber ist es anders. Das Leid, das mir geworden, ist das Schwerste unb Bitterste meines Lebens."
Lotte schluchzte herzbrechend.
„Kind, Kind, was ist Ihnen? Bereitet es Ihnen Weh, daß ich leide und daß ich darum von hier fortgehe?"
„Sie gehen fort, fort für immer?" Lotte stieß es atemlos hervor.
Er senkte langsam das Haupt. „Für immer," entgegnete er. „Ich habe vom Herzog meinen Abschied aus dem Dienst erbeten und — erhalten. Ich tarn — um Abschied zu nehmen!"
Lotte sank mit einem leisen Wehelaut zusammen.
Bestürzt hob er sie auf und trug die leichte Gestalt zu einem Lehnstuhl, wo er sie sanft niedergleiten ließ. Schon faßte seine Hand nach der Klingel, die alte Christel herbeizurufen, als Lotte die Augen wieder aufschlug.
„Wie haben Sie mich erschreckt" sagte er, sich tief zu ihr herab beugend und ihr mit stummer Frage an die Mgen sehend. „3ft Ihnen wieder besser?"
„D, es ist nichts, Herr von Niendorf," sagte sie mit schwankender Stimme, „ein leichter Ohnmachtsanfall,
wie et mich häufig trifft“ — es war die erste Lüge ihres jungen Lebens — „aber nun ist es corüber, lassen Sie uns weiter plauden.“
„Wunderbar,“ dachte er. „War es mir doch fast, als redeten die blauen Kinderaugen da eine so seltsam berauschende Sprache, wie ich sie so heiß von ein Paar andern Augen ersehnt; aber es war wohl nur Täuschung!“
Natürlich war es Täuschung. Lotte lachte und plauderte so unbefangen, wie seit langer Zeit nicht mehr. Wer sie genau kannte, bei wußte allerdings, daß in ihrer Stimme Tränen klopften, ber wußte, baß bas junge Herz aufschrie in qualvollem Weh, währenb ber Mund lachte.
O ewiges, unlösbares Rätsel, Weiberherz. I» ber schwersten, leibvollsten Stunden bist bu am stärksten unb größten!
Sie sprachen noch lange zusammen. Seine Er« regtheit, mit bet et ihr bei seinem Kommen entgegen getreten, wat gewichen. Ruhig und klar erzählte er, daß er beabsichtige, sich auf feine Güter zurückzuziehen unb ein Krautjunker zu werden. WaE ihn dazu veranlaßt, erwähnte er nicht mehr; aber fit wußte es ja, seine Andeutungen hatten es ihr vev« raten, daß es die unerwiderte Liebe zu Elinot war,
„Da kommt Wolfgang,“ sagte Lotte plötzlich tief oufatmenb und sah nach dem Fenster. „Sie haben gewiß noch mancherlei mit ihm zu besprechen. Leb« Sie wohl, Herr von Niendorf, und — und reifen 6K glücklich.“
Sie stand ernst und ruhig vor ihm unb reichte ihm freundlich, aber gemessen, die Hand zum Abschied» entgegen.
Niendorf strich wie beklommen mit bet Hatck übet seine Stirn«, ehe er st« dem jungen Mädchen reichte. (FottsetzitB- felgU. . ’