Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 38.
Kaiserlage in London.
London. 18. Mai. Gestern Abend wohnten der Kaiser und die Kaiserin der Galavorstellung im Drury Lane Theater bei, das in Gelb, Weitz und Kornblumenblau glänzend und eigenartig dekoriert war. Der künstlerische Gedanke der Dekoration war, den Eindruck von Meißener Porzellan Hervorzurusen. Als die Fürstlichkeiten die Loge betraten, wurde die Nationalhmne angestimmt; alle Anwesenden erhoben sich von den Sitzen. Zm Programm stand e. a. „Sang an Aegir". Von König Georg war für die Festvorstellung das Stück „Money" ausgewählt worden, ein Werk des Novellisten und Dramatikers aus der Epoche der Königin Viktoria Lord Lytton. Die hervorragendsten Schauspieler Englands hatten die Rollen des Stückes übernommen. Die Handlung spielt zur Zeit der Königin Viktoria. Es war große Sorgfalt auf Inszenierung und Ausstattung verwendet worden, um die Kostüme, die allgemeinen Dekorationen und das Ameublement den besten Ueber- kieferungen des Zeitalters der Köngin Viktoria entsprechend zu gestalten.'— Der Kaiser unternahm heute vormittag eine Ausfahrt in Begleitung des Obersten Segge. Um 1 Uhr folgte der Kaiser einer Einladung zum Frühstück beim Kriegsminister Haldane. Die Kaiserin frühstückte mit der Königlichen Familie im Bucking- hampalast. — Die Kaiserin besuchte heute vormittag das deutsche Waisenhaus und das Hospital Dalston. Die Kaiserin besuchte auch die Krankenabteilung der Kinder und sprach mit den kleinen Patienten. Vor dem Hospital waren die Kinder der deutschen Schulen aufgestellt, die die Kaiserin mit „Deutschland, Deutschland, über Alles" begrüßten. Auch hier unterhielt sich die Kaiserin mit verschiedenen Kindern. Die Abfahrt erfolgte unter großem Jubel der Kleinen. — Die Kaiserin und die Königin fuhren heute Nachmittag im Automobil vom Buckingham-Palast nach Windsor. Der Kaiser und der König folgten eine halbe Stunde später. Ungefähr 400 Kinder der katholischen Schule, die sich in Hammersmith-Road aufgestellt hatten, jubelten den Majestäten zu und schwenkten Fahnen. Der Kaiser war über die Huldigung anscheinend sehr erufreut und beide Monarchen nickten den Kindern häufig zu. — Die Prinzessin Viktoria Luise machte heute Morgen eine Ausfahrt. Der Kaiser stattete vormittags dem Zoologischen Garten einen Besuch ab.
28 sNa-hdruck rerf iten.)
Heidezauber.
। ' Roman von Anny Wothe.
(HorHefcung.)
In demselben Augenblick flog Niendorf mit Lotte im Arm vorüber. Ihr rosiges Gesichtchen leuchtete in Freude und Lust. Sie dünkte ihm schön, die kleine Heckenrose, deren Köpfchen kaum bis zu seinem Herzen reichte, aber er dachte doch einer anderen Ri.se, die, das fühlte er wohl, ihm heute „aus Laune" scherzhafte Verse gespendet; aber er konnte doch die Rose und die „Rosige Laune" nicht vergessen.
Spät in der Nacht da lag auch eine Rose auf dem Schreibtisch des Arbeitszimmers des Profesiors Rieckmann. Er saß lange davor — ernst sinnend — er empfand langsam, wie ihr Duft immer mehr sckwand, er sah, wie ein Blatt nach dem andern wie müde zusammensank. Tief aufatmend öffnete er das Fenster und warf die welke Rose weit hinaus in den Garten. Aber die Worte, die ihm di« „Rosige Laune" zu der Rose gesagt, die irrten noch lange wie fluffiges Feuer durch seine Gedanken. Die Worte lauteten:
„Leuchtende Rosen nur will ich begehren, Rosen allein uns Liebe lehren."
Sie hatte ihm also noch einmal sagen wollen, daß der Heidezauber gebrochen war.
Der Lenz war gekommen. Ein Veilchenteppich deckte die Erde, aber in Elinors Herzen wollte es nicht Frühling werden. Schon seit Wochen befand sich die junge Gräfin in seltsam wechselnder Stimmung. Oft war es ihr, als schwellten Stolz vnd helles Elücksbewußtsein ihre Brust, wenn sie daran dachte, daß nun bald die Zeit gekommen, wo
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Erstes Blatt
große Rücksicht auf die Windrichtung obwalten z» lassen, sondern der Lage sein, fast bei jede« Wetter Ausflüge vorzunehmen."
Wie fegt berichtet wird, ist ein großer Teil des Gerippes der „Deutschland" noch unversehrt, ferner werden die Ballonets, Maschinen und Passagierkabinen für das neu zu erbauende Luftschiff Verwendung finden können. Man hofft die Deutschland" bis Anfang September fertigstellen zu können.
46. Jahrg.
1911. o
Ausland.
*• Der Aufstand auf dem Balkan. Wien, 18. Mai. Der „Neuen Freien Presse" wird aus Ce- tinje gemeldet, daß die montenegrinische Regierung auf die Beschwerde des dortigen türkischen Gesandten, daß seit mehreren Tagen drei Montenegrinische Batterien an der türkischen Grenze ständen, den Vorschlag gemacht hat, sofort ein« gemischte Kommission einzusetzen, um zu bezeugen, daß diese Behauptung unbegründet sei. — Konstantinopel, 18. Mai. Nach einer Depesche des Malis von Skutari fand vorgestern hei Euzinje ein Zusammenstoß Mischen türkischen
Deutsches Reich»
— Prinz Heinrich in Karlsruhe. Karlsruhe, 18. Mai. Prinz Heinrich von Preußen ist heute Mittag 1 Uhr anläßlich des Zuverlässigkeitsfluges am Oberrhein im Automobil hier eingetroffen und hat int Eroßherzoglichen Schlöffe Wohnung genommen.
— Postalischer Bureaukratismus. In Deutschland, so wird der „Germania" geschrieben, leben viele Tausende Italiener, die bei ihrer rühmen» werten Heimatsliebe nicht selten ihren Angehörigen in Italien Geschenke senden. Haben st« nun die Zollinhaltserklärung italienisch geschrieben, was doch wohl für italienische Zollbeamte die verständlichste Sprache ist, so bedeutet man ihnen auf der Post, daß diese Erklärung nicht etwa deutsch, noch weniger italienisch, sondern französisch geschrieben sein muffe. Und wenn dann der gute Italiener kein Französisch kann, an kleinen Orten kein Sprachkundiger sitzt, und der Postbeamte manchmal keine Zeit oder keine Lust hat, dem Absender eines Pakets zu helfen, so muß die Sendung unterbleiben, und der Italiener wird das nächste Mal nicht deutsche Waren, sondern deutsches Geld nach Italien senden. Unsere Geschäftsleute wissen, was das zu bedeuten hat.
— Bäckerstreik in Berlin. Berlin, 18. Mai. In Groß-Berlin sind Lohnstrettigkeiten bei den Bäckern ausgebrochen. Es wird befürchtet, daß in den nächsten Tagen ein allgemeiner Väcker- gesellenstreik in Groß-Berlin ausbrechen wirltz außerdem droht den Bäckermeistern in den Arbeitervierteln ein Boykott.
Petersburg, 18. Mai. Zum Empfang des Kronprinzen und der Kronprinzessin fanden sich der Stadthauptmann, die Spitzen der Militärbehörden und eine Abordnung der Stadtverwaltung ein. Der Kronprinz schritt, nachdem der Stadthauptmann ihn begrüßt hatte, die Front der Ehrenwache ab, die das dritte Leibgarde-Schützenregiment gestellt hatte. Währenddessen spielte die Musik die preußische Hymne. Der Bürgermeister bot dem Kronprinzen mit einer Ansprache Salz und Brot auf einer sil- be,nen Schüssel und überreichte dem Kronprinzen eiten Blumenstrauß. Der Kronprinz dankte und ließ sich die Vettreter der Stadtverwaltung vorstellen. Hierauf fuhren die Gäste nach der Kaisergruft, wo der Kronprinz am Sarkophag Alexanders HL einen Lorbeerkranz, die Kronprinzessin an den Sarkophagen ihrer Großeltern Blumengewinde niederlegte. Das Krenprinzenpaar fuhr dann ins Anitschkow-Palais zum Besuch der Kaiserin-Witwe, wo das Frühstück eingenommen wurde.
Zur Katastrophe der „Deutschland*.
Ein Schreiben Zeppelins.
Graf Zeppelin richtete nach der Besichtigung d>.r Luftschiffhalle an den Oberbürgermeister von Düsseldorf ein Schreiben, in dem er sein teilnehmendes Bedauern ausdrückt, daß die Erwartungen die Düsseldorf auf die Anwesenheit eines Zeppelin-Luftschiffes gesetzt hatte, wiederum getäuscht worden sind. Er erkennt an, daß nie« mundem ein Verschulden trifft und führt dann weiter aus: „Die Deutsche Lustschiffahrts-Aktien- gesell'chaft glaubte, gestützt auf an andern Orten gemachte Erfahrungen, um der Stadt Düsseldorf Kosten zu sparen, eine Halle mit nur einem Ausgang auch hier für genügende Sicherheit bietend erklären zu können. Das hat sich bald als ein Irrtum erwiesen, weil mit der Umgebung und der Bodengestaltung des sonst vorzüglich geeigneten Platzes zusammenhängend das Umspringen und Wechseln in der Stärke des Windes besonders häufig vorkommt. Wenn aber ein auch nur so schwacher Wind, wie der gestern wehende, das einem mächtigen C'gel zu vergleichende Luftschiff von der Seite trifft, so vermag keine anwendbare Ee- walc sein Ausweichen aus einer bestimmten Lage ganz zu vermeiden. Es mutz also, um ein Anstößen zu verhindern, genügender Raum f Lr jenes unvermeidliche Ausweichen vorhanden sein. Da letzteres immer in der Richtung mit dem Winde geschieht, so darf sich das Luftschiff auch nie auf der Windseite vor seiner Halle befinden. Wenn sich die Stadt Düsseldorf entschließt, dis feste Wand an der einen Langweile der Halle durch ein Tor zu ersetzen, so datz das Luftschiff stets unter dem Wind aus- unb einfahren kann, so darf mit größter Zuversicht angenommen werden, daß sich Zusammenstöße mit der Halle fürderhin kaum mehr ereignen. Tie Fchrtleitung würde dann auch nicht mehr gezwungen sein, die bisher geübte
Das Kronprinzenpaar in Petersburg.
Bei seiner Ankunft wurde das Kronprinzenpaar feierlichst empfangen.
Auf dem Wege zum Alexanderpalais bildete die Garnison von Zarskoje-Sselo in zwei Reihen Spalier. Dem kaiserlichen Pavillon am nächsten standen die Kosaken des kaiserlichen Eonvois in ihren scharlachroten Kaftanen. Neben dem grünen Povillonzelte war eine Ehrenwache vom zweiten Gardeschützen-Regiment ausgestellt.
Vor der Ankunft des Hofzuges trafen ein das Gefolge des Kaisers, der Oberhofmarschall, der Hofmarschall, der Palastkommandant und der Stellvertreter des Ministers des Aeußern Neratow, die Hofdamen, die Generalität und die Adjutanten der GroMrsten. Weiter erschimen die GroMrstir. Miliza Nikolajewna, die Großfürsten Kyrill Wladimirowitsch, Andrei Wladimirowitsch, Dmitri Äon« stonttnowitsch, Nikolai Michajlowitsch und Sergei Michailowitsch, sowie Herzog Michael zu Meckenburg- Sttelitz.
Fünf Minuten vor der Ankunft des Hofzuges fuhren Kaiser Nikolaus und Kaiserin Alexandra am Bahnhofe vor. Der Kaiser trug die Uniform des Kaiser-Alexander-Earde-Erenadier-Regiments mit dem Bande des Schwarzen Adlerardens. Als der Hofzug in den Bahnhof einlief, spielte die Musik die deutsche Nationalhymne. Der Kaiser trat an den Salonwagen heran, in welchem sich seine hohen Gäste befanden. Zuerst verließ die Kronprinzessin den Wagen. Der Kaiser und die Kronprinzessin begrüßten sich wie nahe Verwandte; darauf küßte die Kronprinzessin auch die Kaiserin Alexandra. Der Kronprinz und der Kaiser begrüßten sich gleichfalls auf das herzlichste. Der Kronprinz trug die Uniform des Kleinruffischen Dragoner-Regimentes Nr. 14, dessen Ehef er ist, mit dem Bande des Andreasordens.
Nachdem der Kronprinz und die Kronprinzessin auch die Eroßfürsttnnen und die Großfürsten verwandtschaftlich begrüßt hatten, schritt der Kronprinz mit dem Kaiser die Front der Ehrenwache ab und nahm den Rapport entgegen. Nach Vorstellung der beiderseitigen Gefolge begaben sich der Kaiser und der Kronprinz durch den Pavillon zum Wagen und fuhren nach dem Alexanderpalais. Die Kaiserin folgte mit der Kronprinzessin in einem 4 la Daumonr bespannten Wagen. Auf dem ganzen Wege vom Bahnhofe zum Alexanderpalais wurden der Kronprinz und die Kronprinzessin mit begeisterten Kundgebungen begrüßt. Beim Eintritt in den Palast wurden die hohen Gäste des Kaiserpaares von den He-fchargen empfangen. Später traf auch die Kaiserin- wrtwe in Zarskoje Sselo ein.
Zarskoje Sselo, 17. Mai. Heute abend 8 Uhr fand im Hauptsaal des Zarenpalais ein Eala- diner statt. In der Mitte der Tafel saß der Kaiser uni- die Kaiserin-Mutter, rechts von der Kaiserin- Mutter der Kronprinz, links von dieser die Kronprinzessin. Während der Tafel konzertterte das Hof- wchester. Der Kronprinzessin wurde vom Kaiser Nikolaus der Orden der heiligen Katharina verliehen.
Petersburg, 18. Mai. Das Kronprinzen- pcar ist heute Mittag hier eingetroffen. Es fand militärischer Empfang statt. Die Sttaßen zeigen Flaggenschmuck.
Marburg
Sonnabend, 20. Mai
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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sic Reichtum und Macht eintauschen konnte gegen ihr Herz. Oft war es auch, als müßte sie das Herz festhalten, als gehörte es ihr selber nicht, als dürfte sie es nicht fortgeben. Dann war sie grenzenlos elend. Dem Erbprinzen war es, wie er ihr jüngst zuge- flüftert hatte, gelungen, seine Mutter für feinen Hciratsplan halb und halb zu gewinnen — den Herzog hoffte sie selbst zu zwingen, denn dieser hatte sich in der letzten Zeit so besonders freundlich gezeigt, daß es ihr ein Leichtes, schien, seine Einwilligung zu ihrer Verbindung mit dem Erbprinzen zu erhalten. Und doch war es ihr, wenn sie an diese Verbindung dachte, als wollte etwas in ihrer Brust sterben, als müßte sie aufhören zu atmen, zu leben.
Mit Professor Rieckmann war sie in letzter Zeit wenig ober gar nicht zusammengetroffen. Wenn sie zu seiner Mutter kam, war er meist schweigend nach flüchtigem Gruß aus dem Zimmer gegangen. Sie rrar selten, sehr selten zur Pastorin gegangen, aber immer, wenn sie dort gewesen, war es ihr, als sei Friede in ihre Brust gezogen. Stundenlang hatte sie dann oft der alten Frau zu Füßen gesessen, wie einst als Kind, und sie hatten zusammen von der Heide geplaudert, von dem Gosenhof und der Pastorei. Und die Augen von Wolfgangs Mutter hatten bann so liebevoll auf ihrem Antlitz geruht, und es war ihr bann gewesen, als müßte sie ihren Kopf in den Schoß der alten Frau bergen und all ihr Leid an das Herz der Pastorin legen.
Wie merkwürdig — es kam ihr auch nicht mehr lächerlich und übertrieben vor, wie einst, wenn des Professors Mutter mit dem Ausdruck der Sorge von ihm sprach. Es war ihr fast zu Bedürfnis geworden, von ihm zu hören, und doch fühlte sie mehr als je, daß sie ihn haßte.
Er begegnete ihr noch stolzer und unnahbarer als früher, und sie zahlte mit gleicher Münze.
Wie lange noch, dann würden die Hochzeitsglocken lauten, und er würde im stillen Glück — so glaubte sie — mit Maria Magadalene vor dem Altar stehen, um das Gelöbnis der Treue zu tauschen. Und vielleicht zur selben Zeit, da würde sie die Königin rauschender Feste sein, und sie würde am Arm des stattlichen Erbprinzen huldvoll lächelnd sich dem Volke geigen. Man würde sich ihr demutsvoll neigen und um ihre Gunst werben, und er, der Gespiele ihrer Kindheit, er würde in beschränkten, kleinlichen Verhältnissen dahin leben müssen, fern ab von der Menge, im engen Heim. Und wie Elinor weiter daran dachte, da kam es über sie wie heiße, namen- lcse Sehnsucht, wie unnennbares, qualvolles Begehren nach einem solchen engen, kleinen Heim. Eng- begrenzt, woran sie früher nie gedacht, aber verschönt, verklärt durch die Liebe.
Liebte sie denn? Woher kam dies brennende Ver- Icngen?
„Ach nut einmal die Heide sehen," stöhnte sie auf, ..nur noch einmal im alten Eosenhos sitzen und über die Heide blicken, ob Wolfgang noch nicht käme, wie es einst war."
„Et tarn nicht mehr, er haßte sie. Er verstand nicht ihr heißes Wünschen und Begehren, damals als er auszog, die Welt zu sehen. Und doch hatte es eine Zeit gegeben, wo er sie ganz verstand, wo sie all ihr Wünschen, ihr Hoffen vertrauensvoll dem Freund ans Herz legen konnte. Das war lange her, und alles wat vorbei seit der Stunde, als damals auf der Heide ihr die Erkenntnis kam, daß es ihrem Herzen gefährlich werden konnte.
Wie ein Schreckgespenst war damals vor ihrem geiffigen Auge eine enge, bescheidene Häuslichkeit aufgetaucht, wo sie an seiner Seite malten sollte als .süchtige Hausfrau". Die kleinlichen Sorgen bee Lebens, die sie haßte nnd von denen sie frei sein
wollte um jeden Preis, die fühlte sie wie eine unerträgliche Last. Im Geiste sah sie sich genau wie feint Mutter ängstlich jeden Groschen umwenden und Ta« aus Tag ein sich mit Sorgen um sein Wohlbefindet verzehren. Sie schauderte bei dem Gedanken, benf auf der anderen Seite lag ja die Zukunft sonnenhek vor ihr. Glück lag auf ihrem Wege, warum sollt, sie es nicht aufnehmen. Und dann? Hatte er ff« denn geliebt? Hatte es ihr je ein Wort von ihn verraten? Nein, nur zuweilen hatte sie es frühe, in seinen Augen zu lesen gemeint. Das war aber lange her, und nun war er der Verlobte einer anderen, und diese andere war schlecht und ialsch.
„Wenn ich ihn doch retten könnte," hatte sie mehr als einmal im Laufe der letzten Woche gedacht, aber nirgends schimmerte ihr ein Hoffnungsstrahl, denn an seiner eisernen Unnahbarkeit prallte, das wußte sie wohl, alles ab. Seine Mutter, die eigentlich selbst daran schuld war, daß er Maria Magdalene gewählt, war wie Elinor bemerkt zu haben glaubte, selbst ganz umgestimmt. So hatte sie beispielsweise Elinor geklagt, daß Maria Magdalene fett der Verlobung ihr nur noch mit Hochmut und Trotz begegne, und daß sie die jahrelang zur Schau getragene Fügsamkeit und Duldsamkeit seit langer Zeit ganz abgestreift. Auch das Verhältnis der beiden Verlobten zu einander mache ihr Sorge. Während Maria Magdaleen ihn als ihr alleiniges (Eigentum betrachte und ihm täglich Szenen mach:, daß er sie vernachlässige, vermeide er es überhaupt, mit ihr zu reden. Dabei dränge er fast fieberhaft auf die Beschleunigung her Hochzeit und sei überhaupt von einer Gereiztheit und Empfindlichkeit, wie sie dieselbe nie bei ihm gefunden habe.
(Fortsetzung folgt.)