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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

JK116

TieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 «M, frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 65.

Marburg

Donnerstag, 18 Mai

Der Anzeigenprers beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 j., bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 J>.. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Stafrrtt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Berbindlich- keft für Platz-, Datenvorschrift und Belegkiefernng ausgeschlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 deS Postscheckamtes Frankfurt a. M.

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46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Zur elsaß-lothringischen Verfafsungs- Frage.

Ueber die Ablehnung der Berfasfungsvorlage in der Kommission äußert sich dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" mit bemerkenswerter Zurück­haltung:

Die Verhandlungen der Kommission für die elsaß-lothringische Verfassuugsreform find am Donnerstag zum Stillstände gekommen. Ob sie mit Aussicht auf Erfolg wieder ausgenommen werden können, ist heute noch nicht zu übersehen. Nach den Aeußerungen der Parteipresse besteht, wie es scheint, nach wie vor bei einer Mehrheit des Reichstages der Wunsch und der Wille, die Reform zustande zu bringen. Zugunsten einer optimistischen Auffassung der Lage wird angeführt, daß die Abstimmungen am Donnerstag mehr von Zufälligkeiten abhingen, als von der Absicht getragen waren, das Gesetz scheitern zu lassen. Auch hätten sie keine Kardinalpunkte der Vorlage betrofsen, über alles Wesentliche sei viel­mehr eine Einigung vorhanden gewesen. Vielfach wird daher der Standpunkt vertreten, daß es im Plenum gelingen werde, über die strittigen Fragen, da sie nicht von prinzipieller Bedeutung seien, eine Verständigung herbeizuführen. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, muß abgewartet werden."

DieDresdener Nachrichten" hoffen auf ein Scheitern des Gesetzes:

Möge dieser Entwurf auf ewig begraben sein. Märe er Gesetz geworden, so wären in der Tat die fvndamentalen Grundlagen der deutschen Reichsver- saffung geändert worden, denn bei der Gründung des Reiches ist ausdrücklich festgelegt worden, daß das Reichsland kein Bundesstaat werden solle, sondern die Landeshoheit über die Westmark solle stets im Reiche ruhen. Es ist eine Ironie der Weltgeschichte, daß die Nachkommen der einst retchsunmittelbaren Straßburger in dieser Eigenschaft, reichsunmittelbar zu sein, eine Degradation erblicken und danach streben, einem neuen Kleinstaat anzugehören. Einst war es ihr Stolz, unmittelbar unter dem Kaiser zu stehen. Es ist ferner ein Zeichen unglaublicher poli- ttscher Verblendung, die vom Deutschen Reiche ge­schaffenen Kulturgüter im Reichsland, wie die Straßburger Universität, die gegründet worden ist mit dem ausdrücklichen Hinweis, sie solle keine Landesuniversität sein, sondern eine Hochschule für das ganze deutsche Volk, wie ferner das deutsche Unterrichtsgesetz und, nicht zu vergessen, die Freiheit der evangelischen Kirche u. a. rettungslos einem Parlament auszuliefern, das stets eine klerikal­sozialdemokratische Mehrheit haben wird."

DieRheinisch-Westfälische Zeitung" schreibt:

Es ist ein Verhängnis, daß in diesem Augen­blick die Nationalliberalen von Bassermann gefühtt werden. Bassermann urteilt nicht nur aus einseitig liberalen Gedanken heraus, sondern er ist auch süd­deutscher Partikulurist: er hat es verstanden, die Nationalliberalen, welche engsten Anschluß Elsaß- Lethringens an Preußen wünschten, mundtot zu machen. Unter seinem Einfluß ist auch in die nationalliberale Partei die versteckte Preußenheh« eingezogen. Man redet von mangelhafter Freiheit vnd Rückständigkeit Preußens unter dem Banne des süddeutschen Geschwätzes, und es ist bezeichnend, daß auf dem Kongreß der Welfen und Rechtsparteiler Bassermann mit dem schönsten Eichenkranz bekränzt wurde: nur habe man, wie es weiter heißt,es mit Verwunderung gesehen, daß solche Männer wie Payer, Bassermann und Naumann (!) statt Preußen in eine Reihe von Provinzen aufzulösen, sich noch lebhaft an der Bewegung auf eine Reform des preußischen Abgeordnetenhauses beteiligen konnten." Der ganze Zentralismus müsse ruiniert und ganz Preußen aufgelöst werden. Die nationalliberale Fraktion darf stolz auf dieses Lob sein, sie, die einst Führer hatte wie Bennigsen und Miquel, die groß und selbstlos ihren Kleinstaat Hannover zurückstellten vnd überführten in den großen Gedanken eines Groß- preußens und eines Deutschen Reiches. Die ganze Fraktion wird vollkommen irregeführt: man sieht, wie ständige Wiederholungen von Behauptungen hypnotisieren:Preußen ist unfrei, Preußen ist un- liberal, Preußen ist rückständig, Preußen muß umge­wandelt oder gar aufgelöst werden." Die national- liberale Fraktton betreibt hier unter Leitung ihres Führers die Schwächung Preußens und die Zer­störung des Bismarckischen Werkes von 1870.

Vorwiegend wird im Gegensatz zu den oben zitierten Stimmen das Schicksal der Vorlage al» nicht hoffnungslos betrachtet.

Das Kaiserpaar in London.

London, 16. Mai. Kurz vor 12 Uhr ver­ließen bei schönem Wetter das Kaiserpaar und das Königspaar mit der königlichen Familie vnd dem Hofstaat den Buckinghampalast und schritten zu dem Baldachin gegenüber dem Denk­

mal der Königin Viktoria. Die Truppen salu­tierten, als die Majestäten und das Gefolge un­ter dem Baldachin Platz genommen hatten. Viscount Esher, der Vorsitzende des Denkmals­ausschusses überreichte einen Bericht und eine Adresse. In Erwiderung auf die Adresse hielt der König eine Ansprache, in der er zunächst auf König Eduards Anteil an der heuttgen Gedenk­feier hinwies und dann seiner tiefen Befrie­digung Ausdruck verlieh, daß fein Vetter, der älteste Enkel der Königin Viktoria bei der histo­rischen Feier anwesend sei. Der König schloß, indem er mit warmen Worten der Hingebung gedachte, die die Königin ihren öffentlichen Pflichten gewidmet habe. An die Ansprache des Königs schloß sich ein vom Erzbischof von Canterbury und dem Bischof von London ge­leiteter Gottesdienst an, an dem sich Massenchöre beteiligten. Darauf wurde das Denkmal, das unmittelbar vor dem Gitter des Buckingham- Palastes errichtet worden ist, vom König feier­lich enthüllt. Der größere Teil des Denkmals war den Blicken schon vor einiger Zeit freige­geben worden. Verhüllt blieb bisher nur noch die Statue der Königin selbst. Die Enthüllung erfolgte durch Elektrizität. Um 12 Uhr schloß König Georg durch Druck auf einen Knopf den elerirrschen Strom, welcher den die Verhüllung festhaltenden Draht verbrannte. Als die Hülle fiel, wurden von einer im St. Iamespark aufge­stellten reitenden Batterie 41 Schuß Salut ab­gegeben. Die Truppen, die in einem weiten Halbkreis vor dem Palaste standen, präsentier­ten. Nach der Denkmalsenthüllung formierten die Truppen einen Vorbeimarsch und defilierten vor dem Kaiser und vor dem König, die wäh­renddessen auf der unteren Straße des Denkmals standen. Die Majestäten wandten sich dann Noch einmal nach dem Denkmal um, grüßten es und begaben sich dann unter den Klängen desEod save the fing!" in den Palast.

London, 16. Mai. Bei der Denkmalsent­hüllung trug der Kaiser ebenso wie der König die englische Feldmarschalluniform mit dem Band des Hosenbandordens. Das Kaiserpaar und das Königspaar standen während der gan­zen Feier auf der großen Plattform des Denk­mals nebeneinander. Nach der Enthüllung legte der Kaiser an dem Denkmal einen schönen Lorbeerkranz nieder, ebenso eine Abordnung des Gardedragonerregiments Königin Viktoria von Großbritannien und Irland.

Auslassung derNordd. Allgem. Zeitung."

Berlin, 16. Mai. DieNordd. Allgem. Zeitung" schreibt: Heute wird das Denkmal der Königin Viktoria feierlich enthüllt. Es ent­spricht dem pietätvollen Sinn des Königs Georg und des britischen Volkes, daß der erste festliche Akt nach Ablauf des Trauerjahres um König Eduard der Vollziehung eines Vermächtnisses gilt, das er mit dem unvollendeten Denkmalsbau hinterlassen hat. Das viktorianische Zeitalter wird als Periode dauernden Glückes und gewal­tigen Aufschwunges eines der glänzendsten Blät­ter der Geschichte Großbritanniens ausfüllen. Als Zeichen dieser großen Zeit wird das Denk­mal der Königin, das Dankbarkeit und Liebe errichtete, dem Herzen jedes Briten teuer sein. Unser Kaiser bekundete die Verehrung für die Königin aufs neue, indem er sich auf Einladung des Königs mit der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise zu der Denkmalsfeier begeben hat. Der herzliche Empfang, der den kaiser­lichen Herrschaften bereitet wurde, begegnet in Deutschland der aufrichtigsten Genugtuung.

Politische Umschau.

Zur Stuttgarter Oberbiirgermeisterwahl schreibt derStaatsanzeiger für Württemberg": Bei der Entscheidung, die in den letzten Tagen gefallen ist, war ein gewisser patriotischer Zug wahrzunehmen. Man dachte in der Wählerschaft bei dieser Entscheidung vielfach unmittelbar auch an den Trager der Krone. Der Sieg, den Stuttgarts Bürgerschaft errungen hat, ist hoch­erfreulich. Er hat den politischen Ruf der wütt- tembergischen Hauptstadt gerettet und die sozial­demokratische Massenherrschaft zurückgewiesen, sowie das Land vor weiterer aufwiegelnder Agi­tation bewahrt und gewährt der Haupt- und Residenzstadt eine ruhige Entwickelung unter Leitung eines tüchtigen, tatkräftigen, besonne­nen Mannes. Es wird der Bürgerschaft überall zum Ruhme angerechnet werden, daß sie ihre

Sache nicht aus einen Eingriff der Staatsregie­rung und Krone und auf unabsehbare Wirrnisse eines wiederholten Wahlganges gestellt, sondern mit Tatkraft und Entschlossenheit selbst in die Hand genommen hat.

Politik und Preßpolemik.

In derPost" lesen wir: Das Demokraten­blatt "Die Welt am Montag", das Blatt, das mit Inbrunst den Asphaltliberalismus in seiner extremsten Gestalt predigt, gefällt sich darin, alle möglichen Leute, die nicht rosarotgefärbte poli­tische Gesinnung haben, in mehr oder weniger vornehmer Art anzugreifen, nicht als politische Gegner, nein, dazu reicht anscheinend die Rüst­kammer des Blattes nicht aus; es macht sich die Sache bequemer und greiftpersönlich an. Jetzt muß der bekannte Schriftsteller und Vor­kämpfer für nationale Jugenderziehung, Herr Richard Nordhausen daran glauben, den das Blatt in einem Artikel über den Märkischen Ruderverein, den Nordhausen ins Leben rief, in allerpersönlichster und ehrverletzender Weise angrgift. Bezeichnend für die ganze Richtung derSBclt am Montag" ist es, wenn sie Nord- hausens hochbedeutsame und rührige nationale Tätigkeit besonders für unsere Halbflüggen da­hin kennzeichnet, daß fie ihn alsdie unerfreu­lichste Erscheinung in der Berliner Tageslittera- tur" bezeichnet. Herr Nordhausen hat, wie er uns mitteilt, gegen das Blatt und den ihm be­kannten Schreiber der ehrverletzenden Angriffe wegen verleumderischer Beleidi - gung Klage erhoben." (In der Tat das ein­zige Mittel! D. Red.)

Deutsches Reich-

Die Kronprinzenreise nach Petersburg. Berlin, 16. Mai. Der Kronprinz ist heute Vor­mittag kurz vor 8 Uhr vom Schlesischen Bahnhof nach Posen abgereist, um später die Reise nach Petersburg fortzusetzen. Die Kronprinzessin folgte ihrem Gemahl um 9y2 Uhr vom Bahnhof Friedrichstraße. Im Gefolge des Kronprinzen beenden sich Graf v. Bismarck-Bohlen, Eeneral- adjutant Generalleutnant v. Schenck, die persön­lichen Adjutanten des Kronprinzen Major Graf zu Solms-Wildenfels und Hauptmann Edler von der Planitz, im (Befolge der Kronprinzessin Oberhofmeisterin Frau von Alvensleben, Hof­dame Gräfin von Grote und Kammerjunker von Behr. Pofen, 16. Mai. Der Kronprinz traf mit dem Luxuszug um 11 Uhr 27 Min. auf dem Bahnhofe ein, wo er vom Oberbürgermeister Dr. Wilms und dem Oberpräsidenten v. Waldow empfangen wurde. Rach kurzer Begrüßung be­gab er sich im Wagen über die Bahnhofsstraße und die Carnonitzre, die reichen Festschmuck tru­gen, zum Hauptpottal der Ostdeutschen Ausstel­lung für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft in der Augusta Viktoriastraße. In der Emp­fangshalle hielt der Oberbürgermeister, der Vor­sitzende des Ausstellungsvorstandes, die Eröff­nungsrede. Darauf erklärte der Kronprinz als Protektor der Ausstellung diese für eröffnet. Es folgte ein Rundgang durch die Ausstellung. Die Kronprinzessin traf heute Nachmittag gegen 2 llhr hier ein und setzte mit dem Kronprinzen die Reise nach Petersburg fort. Eydtkuhnen, 16. Mai. Der Kronprinz und die Kronpttnzessin sind um 9 Uhr 40 Min. hier eingetroffen und von zahlreichem Publikum begrüßt worden. Um 9 llhr 50 Min. erfolgte die Ankunft in Wir- ballen, wo der russische Ehrendienst zum Emp­fang sich eingefunden hatte.

Prinz Freidrich Wilhelm im Landwirt­schaftsministerium. Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der am 21. April seine Tätigkeit im Landwirtschaftsministerium ausgenommen hat, wird nach den bisherigen Dispositionen sechs Wochen lang dort beschäftigt sein. Er hött täglich Votträge von Geheimräten bestimmter Ressorts, die für ihn als Verwaltungsbeamten besonders in Frage kommen.

- Stapellauf. Stettin, 16. Mai. Auf der WerftVulkan" lief heute Mittag der kleine KreuzerErsatz Falke" glücklich vom Stapel. Die Taufrede, die mit einem Kaiserhoch schloß, hielt Oberbürgermeister Bender-Breslau. Das Schiff erhielt den NamenBreslau."

- SchuffchiffPrinzeß Eitel Friedrich". Bremen, 16. Mai. Das Schulschiff des Deutschen SchulschiffvereinsPrinzeß Eitel Friedrich" ist am 5. Mai aon Elsfleth nach Bremerhaven ge­

schleppt worden und wird am 17. seine Gommer» tei|e antreten.

Die Sir Ernest Eassel-Stiftung. Berlin, 16. Mai. DieNordd. Allg. Zeitung" teilt mit: D?r Kaiser, der mit der Kaiserin das Protekto­rat über Sir Ernest Cassels britisch-deutsche Stif­tung übernahm, ernannte zu Mitgliedern des Verwaltungsrats: Staatssekretär a. D. v. Thiel- mann, Staatsminister a. D. v. Posadowsky, Vize-Oberzeremonienmeister von dem Knesebeck, Oberpräsident a. D. v. Löbell, Eeneraldirettor Dallin, Geheimen Kommerzienrat Ed. Arnhold, Ministerialdirektor Max M. Warburg. Den Verwaltungsausschuß sollen Warburg, Löbell und Lewald bilden. Die genannte Zeitung fügt hinzu: Die hochherzige Tat Sir Ernest Cassels kann auch hier nur mit Freuden begrüßt werden, sie läßt die Hoffnung berechtigt erschei­nen, daß sie sich zu einem neuen Bindeglied zwi­schen den beiden stammverwandten Nationen entwickelt.

Ausland-

* - Durchschlag des Martinswandtunnels. Inns­bruck, 16. Mai. Heute früh erfolgte der Durchschlag de« 1800 Meter langen Martinswandtunnels der Mitten­walder Bahn.

* * Aubewein für den deutschen Champagner. Paris, 1. Mai. Der Deputierte Paul Meunier, Prä­sident des Generalrats des Aube-Departements, überreichte dem mit der Abgrenzung des Champagner- Weinbaugebietes betrauten Staatsrate ein von einet Frankfurter Weinfirma an den Präfekten des Anbe- Departements gerichtetes Schreiben, in welchem um ein Verzeichnis derjenigen Winzer seines Departe­ments gebeten wird, die geneigt wären, Weißwein für die Champagner-Erzeugung zu verkaufen. Aus diesem Schriftstück, so bemerkt Paul Meunier, geh« hervor, daß die Ausländer mit Recht die Aube- Weine als Champagner-Weine ansehen. Die Deut­schen würden also die Aube-Weine aufkaufen und dann mit dem von ihnen erzeugten Champagner dem französischen Champagner Konkurrenz machen.

* * Die Wirren in Mexiko. Newyork, 1. Mai. Der Berichterstatter derWorld" in Torreon kabelt: Ich war Augenzeuge des fruchtbaren Gemetzels in Sombrerete. 1700 Aufständische stürmten, aufgebracht über die Grausamkeiten, die die Bundessoldaten an den Landbewohnern begingen, Sombrerete und metzelten 500 Bundessoldaten und Einwohner nieder, die sich weigerten, Hochrufe auf Madero auszu­bringen. Mexiko, 1. Mai. Die Aufständische« nahmen den 60 Meilen nordöstlich von Mexiko ge­legenen Ort Paschuca, in einem der reichsten Berg werksdisttikte liegend, widerstandslos. Der Eou rerneur ist geflüchtet. Eine Telephonistin teilte diel der Hauptstadt mit und fügte hinzu, die Aufständischer sprengten das Regierungsgebäude mit Dynamit in die Luft. Die Gefangenen wurden aus dem Gefäng­nis befreit; die Geschäftshäuser sind nicht geplündert nur die Nationalbank und die Hildagobank.

* Kreta. Konstantinopel, 15. Mai. Die Ant­wort der Kreta-Schutzmächte auf die Schritte der Pforte wegen Entsendung eines Kadis nach Kreta, ifi vorgestern den türkischen Botschaftern mündlich mit» geteilt worden, Nach Informationen der Pforte er­widerten die Mächte, daß die Entsendung vorläufig aufgeschoben werden müsse, um die Ordnung auf der Insel nicht zu gefährden. In den Kreisen der Pfotte hat man Grund anzunehmen, daß die Mächte einen Modus fanden, die Kadi-Frage nach den Wünschen der Pforte zu regeln.

* * Zur Lage in Marokko. Merada, 16. Mai. Nach dem Kampfe am 10. Mai, in dem von Seiten der Marokkaner 100 Mann getötet und 200 verwundet wurden, eröffnete der Feind in der Nacht vom 13. zum 14. Mai von neuem ein Gewehrfeuer auf das Lager; dabei wurde ein Pferd getötet Ein Eil­bote der nach Tauritt gehen wollte, wurde unterwegs überfallen und ausgeplündert. Paris, 16. Mai. Ofiziös wird gemeldet, daß die Kolonnen Brulard und Moreau nicht den über den Zegetta-Paß führen- den Weg nach Fez nehmen werden, da dieser für die Artillerie unpassierbar sei. Man habe deshalb den Een ral Moinier ermächtigt, den Pfad längst de« Sebu-Flusses zu wählen. Demgemäß wird die Vor- hui der Kolonne, sobald fie durch kein Gefecht auf­gehalten wird, frühestens Samstag oder Sonntag vor den Mauern von Fez eintreffen.

Marburg und Umgegend.

(Nachdeuck aller Ottginalattlkel ist gemäß § 18 de» llrheberrechtS nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg. 17. Mai.

Boa der Poft wird uns mitgeteilt: Zum Verzeichnis der Kontoinhaber bei den Post­scheckämtern im Reichs-Postgebiet" erscheint ht den nächsten Tagen der 1. Nachtrag nach dem Stande vom 1. Mat. Das Exemplar wird zum I Preise von 40 Pf. von den Postanstatten an da»