Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 37.
Der Kaiser in England.
Die Londoner Blätter find arg verwundert, daß die gegenwärtige Englandfahrt unseres Kaisers von der deutschen Presse kaum besprochen wird. Aus dieser Enttäuschung steht die Eitelkeit hervor. Die Londoner Presse ist es gewohnt, die City für den Mittelpunkt der Welt anzusehen, nicht nur für den Geldhandel, sondern auch für die Politik; geht nun ein europäischer Monarch dorthin, dann — so meinen sie — müßte sich sein Volk die ganze Zeit über mit Zittern und Beben fragen, was er „ausrichten" werde. Diese geschwollene Auffasiung ist natürlich vollkommen unberechtigt. Deutschland ist keine Filiale des britischen Reiches, wir haben in London weder Rechnung zu legen, noch irgendwelche günstigen Bedingungen zu erbitten; der Kaiser reist als Privatmann.
Das kommt schon äußerlich dadurch zum Ausdruck, daß der Monarch ein verhältnismäßig kleines Gefolge mitgenommen hat, darunter keinen Vertreter des Auswärtigen Amtes, und daß er in Zivil reist. Zu diesem nachbarlichen Familienbesuch bei Vetter Georg bringt der Kaiser auch seine Tochter mit, um sie, nachdem es zuerst in Wien geschehen, nun auch in London in den europäischen Regentenkreis einzuführen.
Wenn die deutsche Preße zum Erstaunen der Londoner die Einzelheiten dieser Kaiserrede so wenig bespricht, so ist also im Grunde nur ein gewißes Taktgefühl dafür entscheidend. Nur Klatschbasen schnüffeln immer herum und nehmen jedem Besuche dadurch von vornherein die Unbefangenheit. Nebenbei hat natürlich auch der Kaiser selbst das Bedürfnis, gelegentlich mit feinen Verwandten zusammenzutreffen. Die europäischen Monarchen find ja fast alle miteinander verschwägert. Sie haben geschäftlichpolitisch nicht immer dieselben Interessen, sie befinden sich da vielfach sogar im Widerstreit miteinander, aber das braucht auf die persönlichen Beziehungen durchaus nicht abzufärben. Man trennt heute beides voneinander mehr als früher, zumal da es keine Hausmachtspolittk sondern nur noch nationale Politik im Staatenverkehr gibt.
Mit dem ruhigen Empfange, den heute Kaiser Wilhelm als Gleichberechtigter in England erfuhrt, können wir zufrieden sein; wir wollen gar nicht mehr. Vor allem wäre uns die Wiederkebr jener Zeiten vor etwa siebzig Jahren sehr unlieb,
25 (Nacbdrnck v--rbtten.)
Heidezauber.
Roman von Anny Wothe.
(Fortsetzung.)
„Sticht doch, Liebste," winkte der Herzog abwehrend mit der Hand und wandte sich mit lächelnder Frage an einen alten General, während sein Blick der Herzogin sagte: „Sieh Dir nur Dein jüngstes Kind genau an."
Und in der Tat, Prinzessin Erika erschien wie das blühende Leben selbst. Im Kostüm einer lichtblauen Glockenblume und einen Kranz von den nickenden Blumen im Haar, schwebte sie im Verein mit Lotte durch das kleine Stückchen Heideland, das nach ihrem Sinne geschaffen war. Hier und dort brach sie eine schimmernde Glockenblume, die sich zwischen den Heideblüten am Boden wiegte, von ihrem schwanken Stengel und reichte sie einem oder dem anderen der Kavaliere. Und Lotte pflückte die wilden Rosen von der Hecke, die das kleine Eden einfaßten, und tat es der Prinzessin nach, und zwar so bestimmt und sicher, als gehöre das zu ihrem ständigen Tagewerke. Wenn ihr für ihre Rosen eine besonders hohe Spend« ward, dann brach sie geschwind noch eine und reichte sie dem Betreffenden mit den Worten dar:
„Ach, mein Herr, Sie haben gewiß viel Geld, bitte, nehmen Sie noch eine Rose, es ist ja für die Armen!"
Und die Kavaliere lachten und taten, wie di« kleine Heidelotte bat, staunten auch ihren Geldvorrat gewisienhaft an, den sie jedem zeigte, und sagten ihr allerlei schöne Dinge, die sie glücklicherweise nicht »erstand. Und wenn sie weiter zogen, dann wurden wiederholt die Worte laut:
„Allerliebste kleine Kröte, entzückender Balg. Rolliges, kleines Häschen, dich« kleine Heiderose; wirklich superb."
H» 115 und der Expedition iMarkt 21) 2.00 X frei ins HauS. (Für untrer»
119 kangt zugesandte Manuskripte übernimmt die. RedÄtion ketnerle.
wo das englische Eönnertum den Hohenzollern I Ankerplatz vor Fort Viktoria näherte. Die Ma-
Erstes Blatt
46. Jahrg
1911.
Marburg
Mittwoch, 17. Mai
jestäten werden die Nacht an Bord verbringen und morgen vormittag nach London fahren. — London, 15. Mai. Der Sonderzug mit dem deutschen Kaiserpaar und der Prinzessin Viktoia Luise fuhr heute vormittag 11 Uhr von Fort Viktoria ab und traf um 12 Uhr 45 Min. auf der
gegenüber geradezu beleidigend hervorgekehrt wurde. Die Königin Viktoria, die durch ihren
Deutsches Reich,
— Zum Straßburger Denkmalskonflikt. Straßburg, 13. Mai. In der Audienz, die fünf Vertreter des Studentenausschußes beim Statthalter hatten, um ihm für seine Vermittelung beim Kaiser zu danken, erklärte Graf Wedel, daß es allen Teilen schmerzlich gewesen sei, die Studenten bei der Enthüllung des Denkmals für den Gründer ihrer Universität zu vermißen. Wenn er früher auf dem Festplatze anwesend gewesen wäre, so hätte er den peinlichen Ausgang dieses Zwischenfalles zu verhindern gewußt. Auch er
Gemahl Herzogin zu Sachsen" geworden war, fühlte sich damals als Patroneßa des deutschen Bundes und ließ das den König von Preußen auch empfinden. Man nahm ihn pomphaft auf, wie einen armen Verwandten, der auch einmal einen guten Tag haben soll, und stopfte ihn im übrigen mit guten Ratschlägen. Das brauchen wir jetzt nicht mehr.
Viktoriastation ein. Die Majestäten wurden auf dem prächtig geschmückten Bahnhof von dem König, der Königin und anderen Mitgliedern der Königsfamtlie begrüßt. Der deutsche Botschafter mit den Herren der Botschaft und einige wenige hervorragende Mitglieder der deutschen Kolonie waren ebenfalls auf dem Bahnsteig anwesend. Nach Austausch herzlicher Begrüßung fuhren die Majestäten, von der Zuschauermenge mit lauten Zurufen begrüßt, durch die dicht besetzten Straßen nach dem Buckingham-Palast, wo sie Wohnung nahmen. Das Wetter ist trübe, aber es regnet nicht. — Dem Frühstück im Buckingham-Palast wohnten viele Fürstlichkeiten bei, darunter die Königin Alexandra, der Herzog von Connaught und Prinz Arthur von Con- naught. Nach dem Frühstück empfing der König in Anwesenheit des Kaisers eine Abordnung von Offizieren und Unteroffizieren des preußischen ersten Gardedragonerregiments „Königin Vrnoria". Der Empfang war sehr herzlich. Der König verlieh den Offizieren verschiedene Klassen des Victoriaordens und den Unteroffizieren die Dietoriamedaille. Dem Empfang wohnte auch der britische Militärattache bei. Als die Offiziere in offenen königlichen Eguipagen fortfuhren, wurden sie von der seit der Ankunft des Kaisers vor dem Palast versammelten Menge stürmisch begrüßt. Der Palasthof war von Equipagen und Automobilen hervorragender Persönlichkeiten gefüllt, die sich in das für den Kaiser aufgelegte Besucherbuch einzuzeichnen wünschten. — Der Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise verließen später den Palast im Automobil, von der Menge mit lauten Zurufen begrüßt und fuhren zum Marlbou- roughouse, um den Tee bei der Köngin Alexandra einzunehmen, die sich nachher aufs Land begab.
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Ausland.
** Festtage in Rom. Rom, 15. Mai. Im Ouirinal fand gestern abend zu Ehren des Großfürsten Boris und der Großfürstin Wladimir ein Galadiner statt.
Tie „Lbrthessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der SE, und Feiertage. — Der Bezugspreis betragt viertetMhrltch durch die Post bezogen 2.25 X lohne Bestellgeld), bei unseren Zettungsstellen . . 1 — u .. . . /an . A4 V n Art 14 (AAltS lifltr ItTItlPT#
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halte durch den Empfang der ganzen Studenten- 1 schäft durch den Kaiser die Angelegenheit für ab- geschloßen. Er fügte hinzu, daß der Kaiser von dem Verlaufe dieses Empfanges sehr befriedigt war.
— „5m Reichstag wird nicht geschimpft!" Mit diesen Worten rügte Präsident Graf Schwerin-Löwitz den Salongenoßen Heine, als dieser im gemachten Brustton pharisäerhafter Entrüstung den Wahrheitsbeweis der bürgerlichen Parteien für die Mißherr- schaft im Krankenkaßenwesen ein „Schimpfen ohm Gründe" nannte. Große Heiterkeit des Hauses quit< tierte über dieses satirische bon mot, das, einem Blitze gleich, den Tieefstand des derzeitigen parlamentarischen „guten Tones" beleuchtete. Wer ander» als die Partei der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit hat, getreu der Mahnung: „Wir müßen immer ruppiger werden", das Wörterbuch des Reichstage» durch Ausdrücke der Eaße bereichert? Mit zielbe- wnßter Ruppigkeit schraubt man den roten Rekord im Schimpfen von Tag zu Tag höher, und wenn man . die Wahrheit in scharfen, treffenden Woerten von der . anderen Seite hören muß, dann markiert man den Unschuldigen, den Anständigen, den Erzieher!
— Die Furcht vor der Fuchtel hat zu einem eigenartigen neuen Gaunertrick geführt. In Berliner „Proletarierfamilien", deren Häupter gerade nicht zu Hause sind, erscheint ;in Mann, der angibt, er komme von der sozialdemokratischen Partei, und bietet Porträts des seligen Genoßen Singer, sowie sozialdemokratische „Haussegen" zum Kaufe an. Weigern sich die öffnenden Frauen oder Töchtc des abwesenden Genoßen, diese jedem Zielbewußten teuren Kunstgegenstände zu erwerben, so macht der Händler eine Bewegung, als wolle et das Notizbuch heroor- holen und den Namen der betreffenden Familie eintragen, in der Absicht natürlich, sie bei der Partei wegen mangelnden Intereßes zu denunzieren. Dabei meint er etwa: „So, so, ich höre schon, Sie interessieren sich nicht für so etwas! Sind wohl gar nicht mal organisiert. Den Namen wollen wir uns mal merken!" Damit geht er schimpfend, ganz, als wäre er ein echter Roter, ab. Er ist aber ein falscher, ein Scheintoter . Der „Vorwärts" stellt es fest, warnt vor dem genialen Schwindlet mit dem klugen Trick, ; der so tief blicken läßt, und wirft sich dann in di« Pose der sittlichen Entrüstung, indem er beteuert. > „Natürlich sagte sich die Frau hinterher, daß der Mann, der so auftrat, unmöglich (!) von bet ; sozialdemokratischen Partei kommen könne." Dieses ' im Brusttöne der lleberzeugung ausgesprochene „Unmöglich" ist köstlich. Zweifelsohne weiß da der Scheintote bestens Bescheid, das ist ja das Geniale an feinem Trick. Er, offenbar «in eingeweihter Er- genoße, spekuliert ganz richttg aus die Furcht vor bet Gesinnungsschnüffelei bet kontrollierenden Partei- Häuptlinge und wird sicher famose Geschäfte mit Singer und Segen machen.
mit dem Kursblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwittfchaftliche Beilage.
Von der Englandreise des Kaiseipaares.
Sheerneß, 15. Mai. Kutz nachdem die „Hohenzollern" festgemacht hatte, begab sich der Oberkommandierende der Nore-Marine- station Admiral Sir Eh. C. Drury in Begleitung des Vizeadmirals des Prinzen von Battenberg, des Kontreadmirals Ommanney, des Oberwerftdirektors von Chatam, Generals Barker, des Kommandeurs der östlichen Küstenverteidigung, an Bord der Kaiserjacht, wo sie vom Kaiser mit Händedruck empfangen und der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise vorgestellt wurden. Die Herren blieben zum Diner an Bord, ebenso der deutsche Botschafter Graf Wolff Metternich, der zur Begrüßung des Kaisers sich ebenfalls an Bord eingefunden hatte. Der deutsche MarineattachS in London, Korvettenkapitän Widemann war den Majestäten bis Vlisstngen entgegengefahren. — Den ganzen Tag bis kurz vor der Ankunft der „Hohenzollern" hatte es geregnet; dichte Nebelschleier lagerten über dem Waßer, als die Kaiserjacht mit der Eskorte eintraf. Als die „Hohenzollern" aus dem Nebel auftauchte und an den mit Menschenmaßen dicht besetzten Ufern vorbei dem Ankerplatz zustrebte, ließen die Mannschaften der britischen Kriegsschiffe laute Cheers ertönen, die von den deutschen Matrosen lebhaft erwidert wurden. Gleich nachdem die „Hohenzollern", die eine ruhige, jedoch durch Regen und Nebel beeinträchtigte Ueberfahrt gehabt hatte, fest gemacht hatte, wurde sie mit Port Biftoria in telegraphische Verbindung gebracht..— Das deutsche Kaiserpaar und die Prinzessin Viktoria Luise sind gestern nachmittag 51/> Uhr an Bord der „Hohenzollern" vor Port Viktoria angekommen. Die Kaiserjacht wurde vom Kreuzer „Königsberg" und dem Depeschenboot „Sleipner" eskortiert. Als die „Hohenzollern" an der Grenze der britischen Territorialwäßer anlangte, empfing sie eine Division britischer Torpedobootszerstörer und geleitete sie zur Ankerhütte. Alle Kriegsschiffe im Hafen von Sherneß hatten die deutsche Flagge auf Hauptmast gehißt und feuerten den Königssalut, als die „Hohenzollern" sich dem
„Aber dumm und ungebildet," wagte wohl einer einzuwenden. „Sie hat keine Manieren."
„Unsinn, die PrinzeMn Erika ist ihre Freundin, und das genügt," lispelte ein alter Kammerherr.
„Sie ist ihre Freundin," ging es durch die Reihen. „Natürlich ist sie ein Licht."
„Tanzkarte von Heiderose schon beschrieben?" fragte ein Leutnant seine enthusiasmierten Kameraden.
„Nein, nein," hallte es durcheinander, und wieder wandte man sich der Heideecke zu.
Kutt von Herbig, der persönliche Adjutant des Erbpttnzen mar der erste, welcher Lotte erreichte.
„Reizendes Kind der Heide, liebliche Rose der Hecke," redete er Lotte pathetisch an, „darf ein armer Sterblicher um einen Tanz für den heutigen Abend bitten?"
„Natürlich!" lacht« Lotte hell auf und hielt ihm ihre Tanzkarte hin. „Sehen Sie mal, alles noch ganz leer — schrecklich nicht wahr? Ach, und ich tanze doch so gern; Christel sagt zwar, ich dürfe nicht so „trampjen", aber ich habe doch nicht immer so feine Schuhe an wie heute, und gelernt hab' ich's auch nicht."
Der lustige Kurt bekämpfte nur mit Müh« seine Lachlust.
„Heilige Madonna, wo haben Sie es denn gelernt, mein gnädiges Fräulein?"
„Bei Christel aus der Diele," gab sie naiv zurück. „Aber bitte, sagen Sie doch nicht „gnädiges Fräulein" zu mir, Herr Leutnant, sagen Sie doch, bitte, Lotte, ja?"
Der junge Adjutant war so verblüfft, daß er überhaupt kein Wort der Erwiderung fand.
„Ist ja unbezahlbar," lachte er bei sich. Als aber die Prinzeffrn Erika hinzutrat, dienerte er bis zur Erde, und als er gar hätte, daß die PrinzeMn zu Lotte „mein süßes Kind" sagte, da murmelte et etwas wie:
„Muß ja eine ganz charmante Tanzlehrerin gewesen sein, die alte Christel," und heroisch schrieb er noch einmal seinen Namen in die Tanzkarte.
„Achtung! Liebespost!" rief eine neckische Stimme, und rote aus der Erde gezaubert stand Fräulein von Wedel als Amor gekleidet oor den Aeberraschten.
Sie trug einen kurzen, weißen, goldumsäumten Atlaskittel, einen Kranz von duftigen Frühlings- blüten auf dem lockigen Köpfchen, eine Girlande von Frühlingsblumen um die Hüsten geschwungen, gold- schimmernde Flügel an den Schultern und ein blumenbekränztes Täschchen in den Händen mit der Aufschrift: .Mebespost."
„Wer kauft, meine Herrschaften, wer kauft!" rief sie schelmisch, „damit Gott Amor luftig wird."
- „Ich, ich," rief Kurt hastig. „Zeig her, holder Gesell, was hast Du in Deinen reizenden kleinen Händen?"
Liddy erröt-te. Ihr fiel ihr Gespräch auf der Rosenau ein.
„Da Sie mir den Amor noch immer nicht gebracht, Herr von Herbig," rief sie, sich schnell faßend, „wie Sie jüngst auf der Rosenau versprochen, bin ich selbst zum Amor geworden."
„Zu unserer Wonne," nickte der junge Offizier galant. „Meinen Hoheit nicht auch?"
„Gewiß, liebster Herbig. Aber nun, kleiner, reizender ©ott, käme Deine Weisheit aus.“
Lotte starrte von einem zum andern und verstand kein Wort von der Sache; aber schön fand sie es doch, und Fräulein von Wedell sah reizend aus.
Liddy lachte und nahm bedächtig einen Brief nach dem andern aus ihrer Tasche.
„Was kostet der ganze Schwindel?" fragte Herbig ungeduldig.
„Gemach, mein Freund, Arcor» Gunst erkauft man nicht."
„Laß Dich erbitten, holder Knabe," flehte er mit
aufgehobenen Händen. Sie entfloh ihm lachend und trat dicht zur Prinzessin Erika heran.
„Hoheit ist die Gunst der Götter besonders zu eige ,“ sagte sie leise und hielt ihr drei Briese entgegen. „Will die blaue Glockenblume wählen, Amors Gunst bleibt ihr gewlß."
Ein fast fchmerzlickes Lächeln irrte um die roten Lippen der kleinen PrinzeMn.
„Um hohen Preis," sagte sie sinnend und ließ einige Geldstücke in die Brieftasche Liddys gleiten; dabei faßte sie mechanisch nach dem einen Kuvert, bas bie Aufschrift trug:
„Wer wird mich ft"dcn?"
Ihre Augen wurden groß, und ein süßes, kinder- haftes Lächeln stahl sich um ihre Lippen, etwas rote ein seliges Entzücken durchwogte ihr Herz.
Hasttg erbrach sie bas Siegel. Mit fliegenbem Atem las sie die Worte:
MLb' neigt die Erica ihr Haupt, Der Wind schläft in den Bäumen, Doch wir, wir wollen gluckgeweiht, Geliebte, in die Ewigkeit Uns sttll hin'iberträumen.
„Uebermut," drohte die PrinzeMn lächelnd ntU dem Finger „nehmen Sie das eigene Herz in Acht.'
„Ist nicht mehr nötig, Hoheit," lachte sie zurüt „ist schon ganz hin, wahr und wahrhaftig kapui,' setzte sie kläglich lächelnd binzu und ließ das Köpfchen hängen. Aber sich blitzschnell umwendend und * ein Briefchen hoch haltend, sprang sie zu Lotte und sagte lachend: „Auch der kleinen Heiderose eine» Gruß von Amor."
Verwirrt hielt Lotte das Brieschen in der Hand
„Ich h»be Eile," nickte Amor nach dem Adjutanten zu.
(Fortsetzung folgt.)
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