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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Vellage.

Die Wahl des Stuttgarter Oberbürgermeisters.

Es ist anders gekommen, als die nationalen Parteien schon gefürchtet, die Fortschrittler im Stillen gehofft und die Sozialdemokraten gehofft und gefürchtet hatten. Nicht der Genosse Dr. Lindemann wurde zum Oberbürgermeister bezw. zum Stadtschultheitzen von Stuttgart erkürt, son­dern der Kandidat der vereinten nationalen Parteien Regierungsrat Lautenschläger trug den Sieg mit 900 Stimmen Mehrheit davon. Ge­wissen Kreisen der Sozialdemokratie mag dies gar nicht so unangenehm sein, da es ihnen da­durch erspart wird, dasHofgängertum" in ihrer Partei offiziell einem Genossen zugestehen zu müssen. Desto unangenehmer ist aber das Wahl­resultat den Freisinnigen, die sich schwarz und blau über den Erfolg desschwarzblauen" Blocks ärgern. Gar zu gern hätten sie die Wahl Lau­tenschlägers verhindert und so nebenher durch indirekte Unterstützung des Eenosien Dr. Linde­mann den Sozialdemokraten ein artig Kuckucksei ins Nest gelegt. Die ganze Kandi­datur Keck bestand ja von vornherein nur, um die linksliberalen Stimmen zu sammeln, sie insgesamt von einer Wahl Lautenschlägers abzu- bringen und dadurch die Wahl des Sozialdemo­kraten zum Schultheißen der schwäbischen Resi­denz überhaupt erst zu ermöglichen.

Diesmal hatten aber die unentwegten Recken die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ihre Anhängerschaft besann sich doch und verweigerte, ähnlich wie in Eiehen-Nidda, den Gehorsam. Sehr schön sagt dasBerliner Tageblatt": Wenn das Resultat auch alle überraschte, so konnte es nur dadurch zustande kommen, daß in der Volkspartet eine völlige Verwilderung ausgebrochen. So energisch die Parteileitung die Kandidatur des Göttinger Oberbürgermeisters Keck bis in die letzte Stunde aufrecht erhalten hat, der volks­parteiliche Abgeordnete Liesching (der noch in letzter Stunde für Lautenschläger eintrat), stand eben mit seiner Parteinahme für Lautenschläger doch nicht so allein, wie es die Parteileitung mit gutem Recht gern gesehen hätte. Man weiß, daß Mitglieder der Volkspartei für Lautenschlä­ger gestimmt haben, und man berechnet ihre Zahl auf mehr als tausend." Dieses Tausend bedankte sich eben dafür, einen Eenosien als Oberbürgermeister zu besitzen und schloß sich lieber dem nationalen Kandidaten an.

Die Frankfurter Zeitung war schon so schön überzeugt von der Wahl Lindemanns, und nun sieht sie ihre stille Hoffnung zu Wasier werden.

MA 114 und der Expedition (Markt 21) 2.00 JL frei ins Haus

w'=-*** Mnnt iimpfnnbte Manuikrivte übernimmt die Reda

Erstes Blatt

46. Jahrg.

1911.

Marburg

Dienstag, 16. Mai

einem Berliner Brief die marokkanische Frage in etwas seltsamen Betrachtungen unter dem Eefichts- wrnkel der deutsch-österreichisch-ruMchen Beziehungen behandelt läßt. Solche Erörterungen sind zum min­desten zwecklos. Im Verein mit den vorhin gekenn­zeichneten sensationellen Ausstreuungen erschwer n sie es der Presse, sich bei der Behandlung der marok­kanischen Frage in so ruhigen Bahnen zu halten, wie sie von den ernsten Blättern bet einer so wichtigen Sache ebenso befolgt werden müßten, wie von der amtlichen Politik."

Paris, 13. Mai. DerLiberte" wird aus Tanger gemeldet: Daselbst wird das Gerücht ver­breitet, daß die Spanier um jeden Preis den Affen­berg gegenüber Gibraltar besetzen wollen. Man frage sich in diplomatischen Kreisen, welche Haltung Eng­land beobachten werde, falls Spanien dieses Vor­haben ausführen werde.

P a r i s, 13. Mai. In dem unter dem Vorsitz des Präsidenten Falliere« abgehaltenen Ministerrat machte der Minister Eruppi Mitteilungen von Mel­dungen, dte der französische Konsul in Fez am 6. Mai abgesandt habe. Den Meldungen zufolge sei die Lage immer bedenklicher geworden. Der Angriff m 4. Mai konnte nur mit Mühe abgeschlagen werden. Die Verbindungen mit dem Innern werden alle Tage schwieriger: Leben.mittel und Munition wer­den knapp. Der Sultan bat noch einmal dringend fck-ristltch um Unterstützung durch die ftanzöflschen Truppen. Dte Nachricht von einer Intervention Frankreichs ist in Fez von der eingeborenen Bevöl­kerung, die sich in ihren Interessen ernstlich bedroht fühlt, sowie von den europäischen Kolonien und den Mitgliedern des Wachsen reudig ausgenommen racrden. Der Ministerrat war der Ansicht, daß unter dieseen Umständen es für angezeigt sei, die schon früher General Moinier erteilten Weisungen zu bestätigen und ihm vorzuschreiben, den Marsch der Htlfskolonne zu beschleunigen, um Fez zu entsetzen, daß nur für die unbedingt notwendige Zeit besetzt gehalten werden soll.

Ceuta, 14. Mai. Die Angheraleute protestier­ter. bei El Eebas gegen die in den letzten Tagen er- folgte Besetzung einiger Punkte ihres Gebietes durch spanische Polizeiposten und fragten, welche Haltung sie den Spaniern gegenüber einnehmen sollten. El Eebbas erwiderte, das Vorgehen der Spanier sei normal und riet den Fragestellern, alles zu ver­meiden, was einen Konflikt Hervorrufen könne.

die Erweiterung des Stadtkreises Erfurt, die ländlichen Fortbildungsschulgesetze, die Regulie­rung der Landesgrenze mit Bayern und einige kleinere Vorlagen. Da der Landtag aller Vor­aussicht nach Ende Juni geschlossen werden soll, so würden von größeren Vorlagen für die Ar­beiten des Herrenhauses außer den Zweckver- bandsgesstzen wohl nur das Eisenbahnanleihe­gesetz in Betracht kommen. Das gewerbliche Fortbildungsschulgesetz sowie die Vorlage über die Feuerbestattung werden voraussichtlich un­erledigt bleiben. Weiter ist dem Herrenhause der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Um­legung von Grundstücken in Köln zugegangen. In dem einzigen Artikel des Entwurfs wird be­stimmt, daß das Gesetz betreffend die Umlegung von Grundstücken in Frankfurt a. M., vom 28.< Juli 1902 und das Gesetz wegen Abänderung des § 13 des vorbenannten Gesetzes vom 8. Juli 1907 in Köln mit der Maßgabe sinngemäß An­wendung finden, daß überall anstelle des Ma­gistrats der Oberbürgermeister tritt, und daß im § 8 Abs. 2 letzter Satz das WortMagistrats­mitglieder" durch die Worteder Oberbürger­meister und die Beigeordneten" ersetzt wird. In der Begründung wird ausgeführt, daß das Fal­len der Rayonbeschränkungen Anlaß zur Be­lebung der Bautätigkeit bietet, während es vor­läufig durchaus an baureifen Grundstücken fehlt, da die Zersplitterung des Erundbesi^es eine außerordentlich große ist. Die Notwendigkeit, für neues Baugelände zu sorgen, liegt umso mehr vor, als die Zahl der verfügbaren Woh­nungen von Jahr zu Jahr zurückgeht, während die Beoo.rerung ständig wächst. Die Wohndich- tigkeit in den Stadtwohnhänsern nimmt ständig zu, und gleichzeitig ist ein Rückgang der Ein­familienhäuser zu verzeichnen. Unter diesen Umständen erscheint die Umlegung von Grund­stücken, die von der Stadt beantragt wurde, durchaus notwendig.

Naiv meint sie, da die Wahl Lindemanns doch kaum bestätigt worden wäre, hätten die Sozial­demokraten doch gut getan, sich für einenden Eesamtverhältnissen Rechnung tragenden links­stehenden bürgerlichen" Kandidaten zu entschei­den. Betrübt klagt sie:Aber diese richtige Ein­sicht trat aus bisher noch unbekannten und daher nur zu vermutenden Ursachen plötzlich in den Hintergrund." Es zeugt jedenfalls von einem abgrundtiefen Mißverständnis des sozialdemo­kratischen Wesen und von naivem Optimismus, wenn die Freisinnigen glauben durch Nach­giebigkeit oder sonstwie die Sozialdemokraten zu einer Opportunitätspolitik zu bringen. Dann müssen sie eben auch die Zeche bezahlen. Das nationale Bürgertum kann sich damit trösten, daß die roten Bäume trotz der radikal-bürgerlichen Düngungsversuche nicht in den Himmel wachsen.

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DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis betragt vrerteliahrlrch durch »i- &

läng^ zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion kernerle, Verantwortung.) Druck der Unw.-Buchdruckerer I. «. Koch (Inh.. | Dr. Hitzeroth). Markt 21. Telephon 55.

Politische Umschau.

Nächste Sitzung und Arbeiten des Herrenhauses.

Die nächste Sitzung des Herrenhauses soll am 29. d. Mts. stattfinden, wobei man voraussetzt, daß die Kommission des Herrenhauses die beiden Zweckverbandsgesetze, die gegenwärtig im Abge- ordnetenhause zur Beratung vorliegen, erledigt hat. Die Herrenhauskommission ist zu diesem Zweck bereits gewählt worden. Vom Herren­hause erledigt sind bereits die Gesetze über die Beschulung Taubstummer, die ostpreußische Wegeordnung, das Wegereinigungsgesetz, die rheinische Landgemeindeordnung, die Abgren­zung der Amtsgerichte Verend, Stargard usw.

Deutsches Reich-

Der Kaiser in Wiesbaden. Wiesbaden, 13. Mai. Der Kaiser wohnte auch dem letzten Abend der Festvorstellungen im Hoftheater bei. In der Hofloge hatten neben dem Kaiser der Staatssekretär des Reichsmarineamts Platz ge­nommen.Oberon" wurde in Wiesbadener Be­arbeitung gegeben. Die musikalische Leitung hatte Professor Schlar. Der Kaiser, welcher heute morgen den gewohnten Spazierritt unter­nommen hatte, hörte vormittags die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamts, Großadmirals von Tirpitz, und des Chefs des Marinekabinetts Admirals von Müller. Die beiden Herren, sowie der russische Botschafter Graf von der Osten-Sacken sind zur Frühstucks­tafel geladen. Der Kaiser ist heute Abend 10

.Kur Lane in Marokko.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" verbreitet ein Berliner Telegramm derKölnischen Zeitung" in einer Weife, die dessen hochoffiziösen Charakter zutage treten läßt.

Die neulich mit aller Schärfe gezeichneten Preß­treibereien in der marokkanischen Frage finden in einer neuen falschen Meldung derWiener Allge­meinen Zeitung" ihre Fortsetzung. Das Blatt weiß jetzt zu berichten, daß die russische Regierung in Berlin jetzt einen vermittelnden Schritt getan habe, um eineDetente" in der marokkanischen Frage her- beizuführen, und daß sie dabei auf ihre Bundes­pflichten gegenüber Frankreich hingewiesen habe. Hierzu wird derKölnischen 3eitunfl aus Berlin berichtet: Es handelt sich bei dieser Angabe um eine vergiftende Entstellung der einfachen Tatsache, daß die marokkanische Frage wie zwischen anderen Kabi­netten, so auch zwischen der deutschen und der russi­schen Regierung in der letzten Zeit mehrfach den Gegenstand freundschaftlicher Aussprache gebildet hat. Von einem vermittelnden Schritt der russischen Re­gierung ist dabei in keiner Weise die Rede, wie ja auch wegen Marokko zwischen Berlin und Paris gar nichts zu vermitteln ist. Ebensowenig ist im Stande de. marokkanischen Frage ein Anlaß gewesen, auf die russische Bundespflicht gegenüber Frankreich auf­merksam zu machen, und tatsächlich ist dies auch nicht geschehen.

Beide Regierungen haben Mitteilungen über die französischen Absichten in Marokko erhalten, die nach unserer Kenntnis im wesentlichen gleichartig ge- Icutet haben und an beiden Stellen mit dem gleichen Vertrauen in die Loyalität und Aufrichtigkeit dec französischen Regierung ausgenommen worden find. Dies hat auch, wie wir weiter zu wissen glauben, in den Aussprachen zwischen den deutschen und den rus­sischen Staatsmännern deutlichen Ausdruck gefunden.

Im übrigen ist der Standpunkt der deutschen Re­gierung erst kürzlich so klar zur öffentlichen Kennt­nis gebracht woden, daß man sich damit um so mehr begnügen sollte, als sich in der allgemeinen Lage und ihrer Auffassung seitdem nichts geändert hat. Man muß es bedauern, daß auch dieWiener Reichspost" sich auf das Gebiet der Kombination begibt und in

25 (Nachdruck verboten.)

Heidezauber.

Roman von Anny Wothe.

(Forst etzung.)

So ist es denn entschieden," murmelte er vor sich hin, und dann sich zu dem leise erschauernden Mäd­chen wendend, fuhr er fort:

Er ist mein Freund, und ich habe ihn lieb, aber so wahr und wahrhaftig ich an seine Freundschaft glaube, so weiß ich auch, er wird Sie elend, grenzen­los elend machen. Elinor," fuhr er wärmer werdend fort und seine Stimme bebte,gestehen Sie mir, Ihrem alten Freunde eins. Wir verstanden uns doch einst so gut, denken Sie der Tage unserer Kindheit auf der Heide mit ihrem märchenhaften Zauberschein. Nicht wahr, die Sucht nach Glanz und Ruhm hat Sie geblendet, Sie wollen das flüchtige Glück, das sich so selten einem Erdenkinde bietet, festhalten, Sie wollen herrschen und gefeiert sein? Antworten Sie, Elinor!"

Wieder schauerte sie leicht zusammen.

Sollte sie ihm, der sie verhöhnt, verspottet, der sie bis auf den Tod verwundet, die Wahrheit jagen9 Rein, nein, schrien taufend Stimmen in ihrer Seele.

Antworten Sie, Elinor! Sie lieben ihn?"

Ja, ich liebe ihn!" entgegnete fie hart.Und nun? Stolz schimmerten ihre grauen Augensterne In die seinen.

Jeder Zoll eine Fürstin," sagte er statt einer Antwort, sich verbeugend.Wird sind am Ziel, Gräfin."

Sie standen an der Hinterpforte des Schlosses. Leben Sie wohl," sagte er,und vergessen Eie, was ich Ihnen heute unbewußt getan; ich wußte nicht, daß Ihr Herz bei der Sache beteiligt war."

Eie neigte flüchtig da« Haupt und glitt geräusch­

los durch das hell erleuchtete Portal des Schlosses. Er sah ihr lange nach, dann schritt er langsam den Weg, den er gekommen war, zurück.

Diese Nacht schlief der Professor nicht.

Auch ein anderes Augenpaar war an diesem Abend noch lange in dem Vorstadthäuschen wach. Dieses Augenpaar war blau, und es lachte so ver­gnüglich den Mond an, der mit seinem vollen Gesicht gerade dem Mägdlein in die Blauaugen guckte, das schon seit Stunden in dem Bettchen lag und nicht ein­schlafen konnte. Der alte gute Mond wußte es so gut wie Lotte, woher das kam. Es war der Veilchen- duft, der das Kämmerlein erfüllte. Veilchen, die jetzt vor der holden Träumerin standen, die waren schuld daran, daß der Schlummer noch immer Lottes Lager floh. Aber die Kleine war gar nicht böse. Sie lachte und scherzte mit den blauen Blumen und dem Mondenschein um die Wette, und als der Traumgott endlich ihre Lieder küßte, da lächelte fie so hold wie ein Kindlein.

Der Mond hatte das Lächeln gesehen, und er hat es auf den Schwingen der Erinnerung mit fortge­tragen in ein anderes Herz, in ein anderes Gemach, dorthin, wo Ullrich von Niendorf auf und nieder schritt. Dieses glückliche holde Kinderlächeln, das einen freundlichen Schein in die verdüsterte Seele des Rittmeisters warf, wenn er Lottes gedachte, war das Einzige, was dem Freiherrn als das Ergebnis des Tages geblieben war.

Wie dunkles, schweres banges Ahnen lag es auf seinem Herzen.

Der Tag des großen Wohltätigkeitsbasars, der schon wochenlang die Residenz und die Hofgesellschaft beschästtgt hatte, war in den Räumen des herzog­lichen Schlosses eröffnet worden. Die Säle strahlten in einem Meer von Duft und Glanz. Prächtige Palmen und Blattpflanzen, untermischt mit den herrlichsten blühenden Blumen, wurden überstrahlt

von den überall hervorquellenden, rot, grün und gelb schimmernden Eliihlam.en, deren blendendes Licht alles überflutete. Ein mittlerer Saal war für die Tanzenden r-ferviert, im großen Saal aber bot sich ein farbenprächtiges, märchenhaftes Bild dem Be­schauer bat. Die einzelnen aufgestellten Buden mit ihren jugendschönen Verkäuferinnen, in den ver­führerischsten Trachten, wetteiferten mit dem präch­tigen Bau der großen Halle, in der die Tambola aufgestellt war. Hier bot Prinzessin Ruth im Verein mit der jungen Gräfin Plessen einem reizenden braunlockigen Mädchen beide in kleidsamem grie­chischen Kostüm (gleichsam Fortuna verkörpernd) zu hohen Preisen Lose zum Verkaufe dar, die reißenden Absatz fanden. Der Erbprinz und Niendorf sekun­dierten, ohne jedoch ihren hohen Partnerinnen mehr Aufmerksamkeit als nötig war zu schenken, da ihr ganzes Interesse durch die Vorgänge, die inmitten des Saales ftattfanben, gefesselt schien.

Der Herzog unb die Herzogin hatten auf einer hohen Esttode an der Längsseite des Saales, in­mitten zahlreicher Herren unb Damen bes Gefolges Platz genommen unb schauten wohlgefällig lächelnd auf bas bunte Bilb, bas sich ihnen bot.

Wer ist benn der kleine, ganz allerliebste Back­fisch da drüben unter den Heiderosen?" rief der Her­zog ganz enthusiasmiert seiner Gemahlin zu.Wahr­lich, da kann man sagen:Eine holde Rose selber! Das Heckenrosen-KoMm ist sehr glücklich gewählt."

Es ist so, wie Du sagst, mein Freund," gab die Herzogin lächelnd zurück.Die Kleine ist Erikas Protegee, ein Heidekind unb nebenbei noch die Schwester bes Professors Rieckmann."

Ei bet Tausend, der Satanskerl, warum hat et benn diesen Schatz verheimlicht?"

Sie ist ein Kind, Liebster!"

Hm," machte der Herzog unb sah wieder zu Lotte

hinüber,aber scheu ist sie nicht. Sieh nur, Wilhel­

mine, wie unbefangen sie dem Erbprinzen die Heib^ rosen zum Kaufe anbietet. Ich glaube, der Junge fi toll," fuhr er lachend fort,er opfert ja der Kleinen seine ganze Börse. Da noch eins; na, ich werde wohl meinem Herrn Sohn den Brotkorb etwas höher hän­gen müssen, wenn er die blanken Goldfüchse unter den schönen blauen Augen eines Heidekindes so dahin- fliegen läßt."

Die Herzogin lachte herzlich.Steh nut, fuhr fie fort,da ist auch Niendorf."

DeP muß auch dran glauben," schmunzelte de: Fürst.

,T>n irrst, mein Freund, et glaubt nicht daran. Ct nimmt die Heckenrosen ganz achtlos aus ihrer Hans sie wird rot, die Kleine, wie traurig blickt fie auf oas Goldstück in ihrer Hand. Niendorf ist s.hcn wieder der Ruth es war wohl nur eine Heftigkeit, o'-> et da dem Kinde erweisen wollte.

..Wilhelmine, Wilhelmine," drohte der Herzog slbetzend mit dem Finger,wir sitzen hier wie ein paar alte Klatschbasen und vergessÄr ganz unsere Pflichten."

Die Herzogin lächelte ihrem Gemahl freundlich zu. In den großen dunklen Augen der noch immer schönen Frau glomm ein warmer Strahl.

Ich dachte meiner Heide," sagte fie wie zur Entschuldigung,welche die Kleine da so hold ver- köpert."

Ja, es ist toll," nickte der Herzog,wie es Erika gelungen ist, alles so herrlich zu gestalten. Die Ecke des Saales dort gleichsam zu einem Stück Heide um­zuzaubern, wo die Tannen duften, Erika, Glocken­blumen unb wilde Rosen blühen und liebliche Men­schenkinder sie vom Strauche weg verkaufen, da« mehr al« genial, ich sah nie etwas Schöneres."

Ich auch nicht," meinte die Herzogin,ab« Erika macht mir Sorge."

(Fortsetzung folgt.)