mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Setlagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage,
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Die „Oberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährltch durch die Post bezogen 2.26 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <H frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. 8t. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 56.
Marburg
Sonnabend, 13. Mai
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46. Jahrg.
1911.
Erstes Blatt.
Das Jubiläum des deutschen Handelstags.
-Der deutsche Handelstag begeht in diesem Jahre das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens mit einer festlichen Tagung in Heidelberg, wo er im Jahre 1861 gegründet worden ist. In der Festsitzung am 13. ds. Mts. wird Generalsekretär Dr. Soetbeer die Entwicklung des Deutschen Handelstags im ersten halben Jahrhundert in großen Zügen darlegen. Außerdem erscheint zum Festtage der erste Band einer Geschichte des Deutschen Handelstags.
Am 13. Mai 1861 trat zum ersten Male der Deutsche Handelstag in Heidelberg zusammen. Unter schwarz-rot-goldener Fahne vereinigten sich Industrielle und Kaufleute aus dem Zollverein, den Hansestädten und Oesterreich. In sechstägiger Verhandlung wurde eine Reihe bedeutender Gegenstände erörtert: einheitliches Maß und Gewicht, einheitliche Münze, Organisation des Zollvereins, Einführung des Handelsgesetzbuchs, Handelsgerichts Einheitssätze für die Eisenbahntarife, Handelsverträge, Abschaffung von Transitabgaben und Flußzöllen. Auf der zweiten Vollversammlung, 1862 in München, wurde wiederum über die Organisation des Zollvereins, im Zusammenhang damit über die Zolleinigung mit Oesterreich und über den von Preußen abgeschloffenen, von Oesterreich bekämpften Handelsvertrag mit Frankreich verhandelt. Es kam zu erbitterten Kämpfen zwischen den Anhängern der preußischen und denjenigen der österreichischen Handelspolitik. Die ersteren siegten; aus dem Deutschen Handelstag schieden die österreichischen Mitglieder bald wieder aus, die letzten 1867. Auch in der Folge führten am ehesten die Zollfragen zu Streitigkeiten innerhalb des Deutschen Handelstags, so Ende der 1870er Jahre die Frage der Eisenzölle, Mitte der 1880er Jahre die Eetreidezölle. Beide Male trat eine Reihe von Mitgliedern aus, und erst 1899 wurde es erreicht, daß sämtliche Handelskammern dem Deutschen Handelstag angehören. Unübersehbar ist die Reihe der weiteren Verhandlungsgegenstände aus den Gebieten des Geld- und Bankwesens, der Börse, des Verkehrswesens, der Versicherung, des Schutzes des gewerblichen Eigentums, der Steuern, der Sozialpolitik, des Handelsrechts, des Kleinhandels, der agrarischen Bestrebungen und manchen anderen Gebieten. Der erste Präsident des Deutschen Handelstags war David Hansemann, Gründer der Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft und der Direktion der Dis- konto-Eesellschaft, 1848 preußischer Handels- und Finanzminister, bis 1851 Ehef der Preußischen Bank. Ihm folgten v. Beckerath (Krefeld),
24 sNwbdruck -"-Men.)
Heidezauber.
Roman vonAnnyWothe.
(Fortsetzung.)
„Verzeih' Mama!" mischte sich Wolfgang ins Gespräch. „Im Vertrauen auf Deine ©fite und Einsicht habe ich bereits für Lotte zugesagt. Es war mir nicht möglich, ohne meine Stellung hier vollständig zu erschüttern, wiederum abzulehnen."
„Du?" Die Pastorin brachte er nur mühsam hervor, „Du wagst es, gegen meinen--“ “
Die Worte erstorben ihr im Munde, denn Wolfgang hatte sich erhoben und stand nun kampfbereit mit blitzenden Augen seiner Mutter gegenüber. Sie kannte den Blick, nut selten war er in den dunklen Augen des Riesen aufgeflammt. Aber sie hatte dann stets gefühlt, daß sie am Ende ihrer Macht sei, und durch kluges, rechtzeitiges Einlenken hatte sie es immer verstanden, ihn durch scheinbares Nachgeben zu besänftigen. Sie faßte sich daher schnell und jagte- „Wenn Du zugesagt hast, lieber Junge, so werde ich wohl oder übel nachgeben müssen, so schwer es mtr auch fällt."
Niendorf lächelte verbindlich und neigte sich, Abschied nehmend, über die Hand der Pastorin.
„Haben Sie Dank für Ihre Zusage," sagte er herzlich; „ich bin glücklich, der Prinzessin so günstige Auskunft geben zu können." Und sich zu Lotte wendend, fuhr er lachend fort:
„Also auf Wiedersehen, liebe, kleine, sonnige Freundin!"
Da lachte sie ihn wieder so glückselig an und schüttelte seine dargebotene Rechte so kräftig, daß sie Ihn schmerzte. Aber et empfand e» nicht unange-
Reichsfinanzminister von 1848, H. H. Meier (Bremen), Gründer des Norddeutschen Lloyd, Gustav Dietrich (Berlin), Benjamin Liebermann (Berlin), dann von 1870—1890 Adalbert Delbrück, von 1890—1905 Adolf Frentzel (beide Berlin). — Von weiteren Ausschußmitgliedern sind hervorzuheben Adolf Soetbeer (Hamburg, Göttingen), Weigel (Breslau, Cassel), Bussell (Berlin), Hammacher (Berlin), Dissens (Mannheim), Michel (Mainz), Woermann (Hamburg).
Deutsches Reich.
— Der Kaiser in Wiesbaden. Wiesbaden, 11. Mai. Der Kaiser, welcher nach dem Frühstück beim Landrat Ritter v. Marx in Homburg die Erlöserkirche besucht hatte, ist um 5yz Uhr hierher urückgekehrt.
— „Kaisermanöver" in der Schweiz. Von dem „Figaro" wird die Nachricht verbreitet, daß der Kaiser dem schweizerischen Bundesrat seine Teilnahme an den diesjährigen Manöver» des schweizerischen Bundesheeres in Aussicht gestellt habe. Wie demgegenüber die Korrespondenz „Heer und Politik" von militärischer Seite erfährt, entspricht diese Mitteilung nach den bisherigen Dispositionen des Monarchen nicht den Tatsachen. Auch im vorigen Jahre ist von irgend einer Seite gemeldet worden, daß in der Schweiz Kaisermanöver stattfinden werden. Der Kaiser verfolgt die Entwicklung des schweizerischen Heerwesens mit großem Interesse und hat dies erst bei dem Siege des schweizerischen Obersten Schaek im Gordon-Bennet-Rennen der Lüfte gezeigt. Man kann darum vielleicht in Zukunft mit einer Teilnahme des Kaisers an den schweizerischen Manövern rechnen. In diesem Jahre ist aber nicht daran zu denken.
— Ernennungen. Berlin, 10. Mai. Der .Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Unterstaatssekretärs im Auswärtigen Amte Stemrich zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz; des Wirklichen Geheimen Legationsrates Zimmermann zum Unterstaatsfekretär des Auswärtigen Amtes; des bisherigen Gesandten in Belgrad von Reichenau zum Gesandten in Stockholm; des nunmehrigen Dirigenten in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes von Stumm zum „außerordentlichen Gesandten und bevoll- mächttgten Minister".
— Bom Bundesrat. Berlin, 11. Mai. Der Bundesrat stimtme der Vorlage betr. das Abkommen mit Griechenland über die Anerkennung der Jdentitätszeichen an Waren, die von Handlungsreisenden eingeführt werden, dem Entwurf einer Verordnung betr. das Inkrafttreten der Maß- und Gewichtsordnung am 30. Mai 1908, der Vorlage betr. die Ausführungsbestimmungen zum Reichsbesteuerungs- gesehe und der Vorlage betr. die Prägung von fünf Millionen in 25 Pfg.-Stücken zu.
nehm, sondern sagte zu sich selbst: „Das „Wurm" ist doch wirklich allerliebst."
Wolfgang begleitete den Freund bis zllr Gartentür. Als sie dieselbe fast schon erreicht hatten, blieb er plötzlich stehen und fragte leise:
„Beantworte mir eine Frage, Ullrich: Liebst Du die Gräfin Bergholz?"
Eine heiße Röte flog über des Rittmeisters Gesicht. Aber et sah den Professor offen an und sagte laut und vernehmlich „Ja!"
„Glaubst Du, daß sie Dich liebt?"
„Ja, weshalb fragst Du?"
„Es ist grt," nickte Wolfgang, „ein anderes Mal mehr darüber. Lebe wohl!"
Das Gartentor schloß sich hinter Niendorf, der langsam von dannen schritt. Der Professor sah ihm eine Weile sinnend nach, bis Niendorf das Ende der Straße erreicht hatte.
In demselben Augenblick, als Wolfgang zurfick- treten wollte, um dem Hause zuzuschreiten, erblickte er eine werbliche Gestalt, die hasttg vorübergehen wollte. Die Gestalt erschien ihm seltsam bekannt — noch ein flüchtiger Blick — das Licht der nahen Gas^ laterne fiel voll auf ihr Gesicht, und Wolfgang prallte fast entsetzt zurück. Gegen seinen Willen und fast wie ein Schrei kamen die Worte von seinen Lippen „Gräfin Bergholz!"
Mit eisernem Griff umschloß des Professors Hand Elinors Arm, die bei feinem unverhofften Anblick bis in die Lippen erbleichte.
„Wie kommen Sie zu dieser Stunde hierher?" rief Wolfgang, nur mühsam seine Stimme beherrschend und ihr flammend in die Augen sehend.
Die junge Gräfin warf stolz das blonde Köpfchen zurück und zog die weiße Kapuze tiefer in die Stirn.
— Die Abstimmung in der Kommission für die elsaß-lothringische Berfasinngsfrage. Berlin, 11. Mai. Die Reichstagskommission für die elsaß-lothringischen Verfassungsgesetze beriet in der vierten Lesung zunächst den § 6 (Zusammensetzung der ersten Kammer). Es lagen ein Antrag der Nationalliberalen und ein Antrag des Zentrums vor. Nach dem ersteren soll den Handelskammern ein vierter, den Handwerkskammern ein zweiter, nach dem Zentrumsantrag dem Landwirtschaftsrat 6 Sitze anstatt 3 gewährt werden. Staatssekretär Delbrück erklärte die Zustimmung der verbündeten Regierungen. Die Anträge wurden angenommen und der ganze Paragraph mit 16 Stimmen ebenfalls. Sodann wurde der Antrag der Reichspartei betreffend die religiöse Freiheit und der § 24 a angenommen. Der von der Reichspartei beantragte Sprachenparagraph, 24 b, wurde mit Stimmengleichheit, mit 11 gegen 11, abgelehnt. — In der vom Vorsitzenden vorgeschlagenen Ee- samtabstimmung wurde alsdann das Verfassungsgesetz mit 13 gegen 12 Stimmen im ganzen abgelehnt, da nunmehr die Freikonservativen wegen Ablehnung der Sprachenparagraphen gegen das Gesetz stimmten und aus gleichem Grunde sich die nationalliberalen Mitglieder, die an sich Freunde der Vorlage sind, der Abstimmung enthielten. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde alsdann, ohne daß es hierüber zu einer Aussprache kam, die in der Zweitlesung noch nicht beratene Wahlgesetzvorlage von der Tagesordnung abgesetzt.
— Aus der Kommission für de« Gesetze«!« w«rf betr. Pflichtfortbildungsschulen. Berlin, 11. Mai. Die Kommission des Abgeordnetenhauses für den Eesetzenwurs betr. Pflichtfortbildungsschulen nahm einen freikonservativen Antrag einstimmig an, wonach durch den Staatshaushalt alljährlich der Betrag von mindestens 10 M. auf den Kopf der nach den Bestimmungen des Gesetzes der Schulpflicht unterliegenden Fortbildungsschüler zur Verfügung gestellt wird.
— vom Ausstand der Straßenbahner in Bremen. Bremen, 11. Mai. Ein großer Teil der Straßenbahner erbat Wiedereinstellung. Die Wiedereinstellung erfolgte unter neuen Vertragsbedingungen, soweit die Stellen nicht anderweitig besetzt waren.
Ausland.
** Sonntagsruhe für Soldaten. Der belgische Kriegsminister Hellebaut hat für alle Angehörigen de» Soldatenstandes Sonntagsruhe vorgeschrieben. Fortan soll jeder Soldat das Recht baben, am Sonntag nach Hause gehen zu dürfen. Nach Rückkehr in die Kaserne mutz der Soldat dem Kompagnie- oder Batteriekommandanten seinen Erlaubnisschein aushändigen, der von dem Haupt der Familie unterschrieben sein muß. Soweit die Soldaten Besuche bei Familien-
„Welches Recht haben Sie, danach z« fragen?“ entgegnete sie mit leisem Hohn in der Stimme, die Straße ist doch für jedermann."
„Gewiß," gab er mit einer spöttischen Verbeugung zurück, „nur nicht für junge, ungeschützte Damen. Der Beschützer ist allerdings nufjt weit," fuhr er noch höhnischer fort, „aber leider scheinen sie ihn verfehlt zu haben."
Elinor sah verständnislos in des Professors Gesicht.
„Der Freiherr von Niendorf ist bereits vor einigen Minuten nach Hause gegangen,“ sagte er, und es war, als läge ein schmerzlicher Triumph in feiner Stimme.
Elinor trat erschrocken einen Schritt zurück; es war, als wankte sie. Als aber der Professor näher auf sie zutrat, als wollte er sie stützen, richtete sie sich stolz empor und sagte mit fliegender Hast:
„Ich bin Ihnen allerdings bann eine Erklärung schuldig, weshalb Sie mich zu so später Stunde hier finden, damit sich die guten Refidenzler morgen nichr schon in der Frühe erzählen, die Gräfin Bergholz hätte mit dem Freiherrn von Niendorf in einer menschenleeren, einsamen Vorstadtstraße eine Zusammenkunft gehabt —" hier ließ Elinor ein leises, höhnisches Lachen .ertönen. „Also ich war bet der Baronin Neinstedt; wir plauderten lange und besprachen eingehend den demnächst stattfindenden Basar; es ward spät, ich hatte den Wagen zurückgesandt, weil ich es köstlich fand, einmal allein durch die mondbeglänzten Vorstadtsttaßen zu gehen und —"
„Und? Gräfin! Lassen Sie mich fortfahren. Sie trafen statt des Erwarteten mich. Das mag ja nicht angenehm für Sie fein, und ich bin auch nicht berufen, darüber zu entscheide«, ob es recht ober ««recht war;
angehörigen machen wollen, darf also Sonntags kein Dienst mehr angesetzt werden.
** Fallir-re» in Brüssel. Brüssel, 11. Mai. Präsident Fallitzres besuchte heute vormittag in Begleitung des Königs das Kolonialministerium. Heute mittag fand in der französischen Gesandtschaft ein Frühstück statt, an dem auch der König teilnahm. Die Abreise des Präsidenten erfolgte gegen 3 Uhr nachmittags.
** Aus bett englischen Parlamenten. London, 11. Mai. Die dritte Lesung der Vetobill beginnt am Montag im Unterhaus. Die Ein« bringung des Budgets wurde auf Dienstag ver« schoben. Die Debatte über die zweite Lesung des Gesetzentwurfes zur Reform des Oberhauses, den Lansdowne letzten Montag eingebracht hat, beginnt am Montag im Oberhause, sodaß eine interessante parlamentarische Situation geschaffen wird.
** Die Wirren in Mexiko. El Paso, 11. Mal. Der Kommandant von Juarez, Navarro, hißte mittags die weiße Flagge. Zwei Stunden nachdem Madero sein Hauptquartier in Juarez auf'- dem Obersten Garibaldi. — Madero stellte 500. Gefangenen der Bundestruppen die Wahl, sich der Sache der Aufständischen anzuschließen oder sich gegen gefangene Aufständische avs*au- schen zu lassen. Wie es heißt, schlossen sich 150 Soldaten den Revolutionären an.
** Bom Balkan. Konstantinopel, 11. Mai Der König von Montenegro beabsichtigt, den Sultan nach dessen Rückkehr von Albanien in Konstantinopel zu besuchen. — Nach einer Blättermeldung wurde der Gehilfe des Korrespondenten der „Times" wegen Teilnahme an dem Diebstahl diplomatischer Dokument >'er- haftet. — Der Sultan empfing den früheren Finanzminister Dschavid Bey und drückte ihm sein Bedauern über seine Demission aus. Er lud Eschavid Bey ein, die bevorstehende Relle nach Macedonien und Albanien mitzumachen. — Saloniki, 11. Mai. In Monastir wurde ein Oberstleutnant von einem Major erschossen. Der Mordtat liegt folgender Vorfall zugrunde: Ein Major — albanesischer Herkunft — zerriß in einem Kaffeehaus ostentativ türkische Zeitungen. Zwischen ihm und dem Oberstleutnant entstand ein Wortwechsel. Nachts lauerte der Major dem Oberstleutnant auf, feuerte und verwundete ihn tödlich.
** Zur Lage in Marokko. Tanger, 11. Mai. Eingetroffene Briefe aus Fez vom 4. Mai berichten, daß die Beni Mter bei einem Angriff auf die Stadt unter großen Verlusten zurück- geschlagen worden sind; sie ließen 80 Tote zurück. Der Verlust der Verteidiger der Stadt beträgt etwa 30. — Paris, 11. Mai. Der kürzlich run den Beni Hassen gefangen genommene französische Journalist Houel meldet, daß er auf Betreiben des Kaids Geddari freigelaffen wurdo. Gcdarri habe sich flüchten müssen, weil er sich dem Heiligen Kriege nicht anschließen wollt«, ! -------------------- ------- ' ''
nur so viel möchte ich Ihnen sagen, baß es eine Un möglichkeit für Sie ist, allein nach Hause zu gehen Ich werbe Sie begleiten, bitte treten Sie einet Augenblick ein, ich bin sofort wieder zurück."
Damit schob er bie fast Willenlise in den Garten unb schritt bann eiligst, ohne sich umzusehen, bent Hause zu, um Hut unb Mantel zu holen.
Elinor stanb wie betäubt. Eine flammenbe Röt« ber Scham über bie ihr angetane Beleidigung flog über ihr Gesicht unb krampfhaft schlangen sich ihre Hänbe ineinander.
Was gab ihm das Recht, so Schlechtes von ihr zu denken? Ja, es ließ sich nicht leugnen, sie war unvorsichtig gewesen, abends nach neun Uhr durch die menschenleeren Sttaßen zu gehen; aber es war ja doch so köstlich, sich einmal so ganz frei zu fühlen Was hatte sie denn getan, und was war das mit Niendorf? Und nun stand sie hier allein in der Nacht und harrte auf den, der sie eben so tief gekränkt und beleidigt hatte, daß er kommen sollte, sie heim zu begleiten? Und er hatte sie nicht einmal au’geforbert, bei seiner Mutter einzutreten, son- bern er ließ sie wie eine Betteldirne an ber Tür stehen?
„Unerhört!" murmelte sie, unb ihre weißen Zähnchen gruben sich tief in bie Unterlippe. „Er will nut augenscheinlich eine Verlegenheit ersparen, bet gute Professor, unb ahnt in seinem Philisterstol» wohl gar nicht, wie erbärmlich er sich benimmt. Und auf ihn sollte sie warten, an seinem Arm sollte sie nach Hause schreiten?
Nein, nimmermehr! Lieber tot, als noch einmal in sein finsteres, drohendes Gesicht sehe«, seine höhnischen beleidigenden Worte hören!
(Fortsetzung folgt)