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Crstes Blatt.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 34.

tz

Abwechslung muß sein.

Als R ichskanzler v. Bethmann-Hollweg bei ^inem ersten Auftreten im Parlament erklärte, libet den Parteien zu stehen und unabhängig non den politischen Parteien regieren zu wollen, erklang ein einziger Hohnschrei durch den Blät­terwald. Eine Politik über den Parteien? hieß s. So etwas gibt es ja gar nicht. Und in der radikalen Presse wurde ausdauernd und mit großer Anschaulichkeit geschildert, wie der leitende Staatsmann in immer größere Abhän- zigkeit vomschwarz-blauen Block" geraten sei ir.b wie er es für seine vornehmste Aufgabe halte, insbesondere den Winken des konser­vativen Führers zu gehorchen. Zu was für ge- sck-mackvollen Karikaturen dieses unsinnige Ihema in den radikalen Witzblättern ver­arbeitet undpopulär" gemacht wurde, ist wohl noch allseitig in Erinnerung.

So wurde es fast wie eine Bloßstellung des Reichskanzlers angesehen, wenn namentlich kon­servative Führer und Zeitungen ihn freundlich behandelten, oder ihm ihr Vertrauen ausdrück­ten. Aber in demselben Atem, in dem sie die Mär verbreiteten, Herr v. Bethmann-Hollweg regiere nachschwarzblauen" Rezepten und laste sich von den Konservativen seine Politik vor­schreiben, warnten sie ihn eindringlich vor der schwarzblauen Koalition und suchten ihm ein­zureden, die Konservativen als abgefeimte Minn'terstürzer suchten auch seinen Sturz her- beizuführen.

Es ist eine Welt von Widersprüchen. Beson­ders die unentwegten Fortschrittler sind groß darin. So verwendet deren führendes Blatt, dieFreisinnige Zeitung", die sich den Nachweis der totalen Abhängigkeit des Reichskanzlers von den Schwarzblauen schon unendlich viel Pa­pier hat kosten lasten, in ihrer letzten Sonntags­nummer einen langen Leitartikel zu einer Dar­legung von Tatsachen, aus denen hervorgehen soll, daß Herr v. Bethmannden Konservativen mehr Aerger bereitet habe, als ein Mann, dem pe von Herzen vertrauen könnten, jemals getan hätte". Als Beweis führt das Blatt zunächst das Verhalten des Ministerpräsidenten bei der Wahlrechtsreform an. Dann habe sichdieser Reichskanzler in höchst verdächtiger, fast belei­digender Weise geweigert, die Finanzreform gut und schön zu finden, der liberalen Hetze ent-

8 sNa-bdruck

Heidezauber.

Roman von Anny Wothe.

(Fortt ehung.)

Wie ein versengender Atem wehte es ihr aus sei­nen Worten entgegen. Ein Wort jetzt von ihr, und Georg Wilhelm lag zu ihren Füßen. Sie wußte aber auch, daß ein Hauch aus ihrem Munde den Zauber bannen konnte, wenn sie unklug war. Es er­faßte sie etwas wie schwindelndes Entzücken, wenn sie daran dachte, daß ihr die Möglichkeit gegeben war, die höchste Stufenleiter des Glückes zu erklimmen. Herrschen können, Glanz und Macht einheimsen, das war ja stets der Inbegriff des Glückes gewesen. Warum sollte sie die dargebotene Hand nicht er­greifen? Die Leidenschaft des Erbprinzen für fie war echt in ihrer Hand war er weiches Wachs. Ein Lächeln ihres Mundes raubte ihm fast den Ver­stand, und ein freundlicher Blick von ihr machte ihn zu ihrem Sklaven. Zwar tauchten ein paar blaue, leuchtende Augen, die immer in ihrer Nähe auf­prahlten wie Demantglanz, vor ihr auf. Aber was ging sie schließlich der Freiherr von Niendorf und seine Liebe an. Gewiß, sie hatte ihn gern, er war ihr einziger und bester Freund, aber Liebe? Wir kam sie überhaupt dazu, zu lieben? Ein l is-r Schauer ging durch ihren Körper. Es war ihr plötz­lich, als wäre sie daheim auf der Heid« und die Mägde des Gosenhofes sangen:

Auf der Heide erblühte Die lieblichste Maid, Ein schwarzbrauner Knabe Hatt' gern sie gefreit. Ein schwarzbrauner Knabe Durchirrte die Heid', Er suchte sein Liebchen, Bi» sein Herz brach vor Leid.

M 106

46. Jahrg.

1911.

Marburg

Sonnabend, 6. Mai

gegenzutreten und das Volk amtlich aufzu­klären". Auch ein Feuerbestattungsgesetz habe er vorgelegt, was ein Mann des Vertrauens der jetzigen Mehrheitsparteien nicht getan haben würde. Beim Antimodernisteneid habe er sich ebenfalls nicht als ein Mann des Block- vcrtrauens gezeigt:Kurz und gut, ein Mann des unbedingten Vertrauens kann dieser Kanz­ler weder für die Agrarier und Konservativen,

Zur Laae in Marokko.

Tanger, 4. Mai. Der französische Konsul in Fez sagt in seiner Meldung über den Einzug der Kolonne Bremond am 26. April, alle In­strukteure seien wohlauf. Der Kampf war sehr erbittert. Die Stämme unterwarfen sich nicht. Die Blockade dauert fort. Es herrsche Mangel an Lebensmitteln und die Notwendigkeit neuer Zufuhr bestehe immer noch. Der englische Konsul SUtc. Leed meldete dem englischen Ee- ;andten in einem Schreiben vom 26. April, die Lage sei bedenklich. Der deutsche Konsul kam der Mahalla Vremonds entgegen, um die französischen Instrukteure zu begrüßen.

Paris, 4. Mai. El Mori erhielt eine De­pesche aus Tanger mit Nachrichten aus Fez vom 27. April die besagen: Der Sultan ließ sofort nach der Ankunft der Mahalla Bremond einen allgemeinen Angriff gegen die Ben Mter unter der Leitung des Eroßwesiers unternehmen. Die scherifischen Truppen trugen einen glänzenden

geladjutanten Hauptmann Tarras-Wahlberg das Ritterkreuz erster Klaste des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen.

Weitere Reiseverfügungen des Kaisers^ Berlin, 4. Mai. Mitte Juni besichtigt der Kaiser die Earde-Kavallerie-Regimenter in« beritz. Am 19. und 20. Juni finden auf der Un­terelbe die Segelregatten und vom 21.-29. Juni die Kieler Woche statt, woran sich auch der Kaiser beteiligen wird. Rach den Regatten Kiel-Travemünde setzt Anfang Juli die Nord­landreise ein und dauert bis Anfang August. Nach seiner Rückkehr wird der Kaiser den Ka­vallerieübungen in Alten-Erabow beiwohnen und sich dann nach Wilhelmshöhe begeben. End« August bis Anfang September wird er den Pa­raden des 9. Korps bei Altona und des 2. Kapri bei Stettin, der Flottenparade bei Swinemünd« und der Herbstparade des Eardekorps beiwoh­nen. Hieran schließen sich dann die Kaisermanö­ver an, die in die Zeit vom 11.14. September fallen.

Programm für den Kronprinzenbesuch ix Petersburg. Schon jetzt sind die Vorbereitungen für den Besuch des Kronprinzen in Petersburg in vollem Gange. Die Vorbereitungen zu sei­nem Empfang und das Programm für die Fest­lichkeiten anläßlich seines Besuches sind schon durch die Tradition vorgezeichnet, da der Ge­burtstag des Zaren seit altersher ganz bestimmt« Feste und Feierlichkeiten verlangt. Er gehört zu den sogenanntenKronsfeiertagen". Dies« Feiertage, zu denen auch die Geburtstage der Zarin, der Zarin-Mutter und des Großfürsten- Thronfolger gehören, werden in ganz Rußland vollkommen wie die religiösen Feiertage festlich begangen. Der Geburtstag des Zaren gilt als der höchste Kronsfeiertag, für den auch durch die Hofetikette ein festes Zeremoniell bestimmt ist, das diesmal nur eine Erweiterung erfährt. Rach den bisherigen Bestimmungen wird der Kronprinz in Wirballen von dem Ealazuge des Zaren abgeholt. In Wirballen erwartet ihn ein militärisches Gefolge unter Führung zweier Eeneraladjutanten des Zaren und unter der Be­teiligung der deutschen Botschaft in Petersburg. Zum Empfang am Bahnhof wird die ganze kai­serliche Familie einschließlich sämtlicher in Pe- teresburg weilenden Großfürsten und Großfür­stinnen anwesend sein. Das Spalier wird rein militärisch sein, da dafür das erste und zweite Leibgarde-Schützenregiment befohlen worden ist. Am Morgen des Geburtstages des Zaren findet ein feierlicher Kirchgang statt, an den sich der große Empfang und die Eratulations- cour anchließt. Um 4 Uhr nachmittags ist das große Gala-Diner angesetzt, an dem außer dem kronprinzlichen Paare nur die nächsten Ange­hörigen der Zarenfamilie teilnehmen. Die

Deutsches Keich

Festtage in Karlsruhe. Karlsruhe, 4. Mai. Um 1 Uhr begaben sich die Fürstlichkeiten vom Schloß zum Palais, wo bei den großherzog­lichen Herrschaften Familientafel stattfand. Im ersten Wagen fuhren der Kaiser und der König von Schweden, im zweiten die Kaiserin und die Königin von Schweden, im dritten Großherzogin Luise und Prinzessin Viktoria Luise. An der Tafel nahmen ferner teil Prinzessin Wilhelm von Baden und die Erbprinzessin von Sachsen- Meiningen, die kurz vorher im Automobil von Baden-Baden eingetroffen war. Gleichzeitig fand im Schloß Marschalltafel für Gefolge und Hofstaaten statt. Die Majestäten nahmen heute Nachmittag den Tee beim Gesandten von Eisendecher. Der Kommandant des kaiserlichen Hauptquartiers, Eeneraladjutant von Plesien, und der Flügeladjutant v. Dammes find hier eingetroffen. Der König von Schweden ist heute abend 8 Uhr nach Berlin abgereist. Der Erotzberzog von Baden gab ihm das Geleite bis zum Bahnhofe. DerKarlsrnber Zeitung" zufolge bat der Eroßherzog dem Königlich-schwe­dischen Generaladjutanten Generalleutnant von Uggla das Eroßkreuz und dem schwedischen Flü-

noch für das Zentrum sein." Also ist Herr von - Bethmann doch kein Blockkanzler!

Was haben dieselogischen" Sprünge zu be­deuten? Erblicken die Fortschrittler nun in dem Reichskanzler den Mann ihres Vertrauens? Haben fie erkannt, daß sie gegen ihn einen prin­zipiellen Kampf mit nicht gerade vornehmen Waffen zu unrecht geführt haben? Ach nein! Binnen kurzem wird man es in der linken Presie wieder anders lesen. Heute noch glaubt dieFreisinnige Zeitung" einen äußerst klugen Schachzug gegen den leitenden Staatsmann ge­tan zu haben, indem sie ihn denSchwarzblauen"! als Mann der Linken verdächtigt. Merkt sie, daß diese Schlauheit ohne jeden Eindruck bleibt was man ihr heute schon auf das bestimmteste versichern kann, dann kehrt sie zweifellos wie­der zur alten Taktik zurück. Geht es nicht mit der Verdächtigung des Kanzlers bei den Kon­servativen und nicht mit der noch alberneren Verdächtigung der Konservativen als professio­neller Ministerstürzer bei dem Kanzler, dann kommt wieder die Legende von dem schwarz­blauen Kanzler an die Reihe. Abwechslung muß sein", sagt der Freisinn und blamiert sich mit seiner vielfachen Schlauheit weiter, so gut er kann.

TieLberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der -sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis betragt vierteliahrlich durch di- Post bezogen 2.25 Jft (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <M frei ins Haus. (Für unver- langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der llnib.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh..

| Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

Machsen beschloß, die Aufständischen von neuem am 26. April anzugreifen, um sie vollends ver­nichten zu können.

Eine El Mokri zugegangene zweite Depesche besagt, die Mahalla Bremond hätte den Feind auf allen Seiten siegreich angegriffen. Ueberall mußte der Feind den Rückzug antreten. Nach anderen Meldungen hatte die Mahalla Bre­mond, die bis vor den Toren von Fez Schar­mützel gegen die Aufständischen zu bestehen hatte, im ganzen 30 Tote und 30 Verwundete. Gegenwärtig stehen dem Machsen in Fez 7000 Mann zur Verfügung, nämlich 2600 Mann der Mahalla Bremond, 2400 der Mahalla Nangin und 2000 Irreguläre.

Madrid, 4. Mai.Heraldo" meldet aus Melilla: Ein Scherif, der ein Abkomme von Mulay Eries zu sein behauptet, kam zum Stamme der Beni Buyahi und predigte dott mit solchem Erfolge den heiligen Krieg, daß zwei Notablen Omar Mtalzi und El Mizzian, letzte­rer der Führer einer Harka im Melilla-Feldzuge, die Bildung einer Harka ankündigten. Die Stämme der Beni Burraouel, der Beni Tvsin, Temsansin und der Beni Mich versprachen jeder, 300 Mann zu stellen.

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I Sieg davon. Dem Eroßwesier wurden zwei Pferde unter dem Leibe getötet. Die Aufständi- schen erlitten eine Niederlage, die sie zweifellos sehr geschwächt hat. Der Einbruch der Nacht verhinderte den Kampf fortzusetzen. Der

Sie frieren, Gräfin?" fragte der Erbprinz in zärtlich besorgtem Tone, fie fester in den kostbaren Pelzmantel hüllend.

Sie schüttelte abwehrend den blonden Kopf und sagte, sich wie müde im Schlitten zurücklehnend: Nein, Hoheit, ich sehnte mich heim."

Der Weg ist nicht mehr allzu lang," entgegnete Georg Wilhelm tröstend.

Sie lächelte bitter. Wie hätte er fie auch ver­stehen sollen! Und doch wollte sie ihn erhören?

Ich möchte Sie etwas fragen, Gräfin," hob der Erbprinz von neuem an und versuchte ihre Hand zu fassen.Sie wissen doch, daß

Bitte, nicht weiter, Hoheit," wehrte fie mit angstvollem Blick,bitte nicht jetzt."

Das antworten Sie mir immer, Gräfin, wenn ich Ihnen von meinen Gefühlen für Sie sprechen will: aber endlich muß einmal Klarheit zwischen uns werden. Ich liebe Sie und will Sie besitzen um jeden Preis. Man wird es mir wehren wollen, aber ich werde um Sie kämpfen bis zum letzten Atemzuge. Wehe Dem, der es wagen sollte, uns zu trennen, Sie mir zu entreißen. Mein Vater ist gütig und schwärmt für Sie, meine Mutter ist von Ihnen entzückt, und meine kleine Schwester liebt fie. Das sind drei wichtige Bundesgenossen, die mir helfen werden, siegreich aus dem Kampfe hervorzugehen."

Er atmete tief und schwer und sah ihr lange in ihr heiß erglühtes Gesicht.

Ein Wort, Elinor," bat er leise.Habe Mit­leid, Süße, und sprich es endlich aus, daß Du mein sein willst in Zeit und Ewigkeit!"

Wieder flog der kalte Schauer durch ihren Leib. Flehend hob sie die Hände zu ihm auf.

Ja ober nein, Elinor, sprich mein Urteil."

Ja," kam es wie ein Hauch von ihren Lippen.

Mit jubelndem Entzücken faßte er ihre Hände und zog fie wieder und immer wieder an seine Lippen.

Schon legte er den Arm um die bebende Gestalt, um sie an seine Brust zu ziehen, aber fie wehrte ihm ernst und voll unnahbarer Hoheit.

Nicht also, mein Prinz," sagte fie besttmmt und fest, mit tiefem Ernst in den grauen Augen.Man reicht den Lorbeer erst nach dem Siege. Wollen Sie um mich kämpfen, bin ich Ihnen des Kampfes wert, so zeigen Sie es mir. Als Siegespreis bin ich dann Ihr eigen, aber, wohlverstanden, nut dann!"

Sie foate es ernst und doch mit schalkhaftem, rei­zendem Lächeln in seine Augen sehend.

Holdes, süßes Weib," flüsterte et berauscht und preßte ihre Händchen nochmals an seine heißen Lipevn. Sie aber entzog ibm die Hand und steckte sie eiligst in den reizenden kleinen weißen Pelzmuff.

Das ist für später," sagte sie mit lieblichem Er­röten.

Und der Erbprinz Georg Wilhelm, dem alle Ftauenherzen im Sturme zugeflogen, bet nur die Hand auszustrecken brauchte, bie schönsten Frauen bes Herzogtums fein eigen zu nennen, er senkte bescheiden den Blick und entgegnete leise:

Verzeihen Sie, Gräfin, wenn ich zu stürmisch war: ich habe Ihr Wort, das mich zum Glücklichsten der Sterblichen macht und das ist mir vorläufig ge­nug." Und dann begann et zu erzählen von seiner letzten Reise mit Professor Rieckmann, und Elinor war es, als tanzten feine Worte vor ihren Augen einen kuriosen Reigen, und dazwischen klang es zu iht wie mit Donnerstimme:In Zeit und Ewigkeit!"'

Dann blickte fie auf den flimmernden Schnee, bet rings wie flüssiges Silber vom Monblicht über­haucht auf den Bäumen unb Sträuchern lag, und etwas wie ein roilber Schmerz, ein unsagbares W-h iurchwogte ihre Seele. Was wat das nut? Wnrf ihr bic Glücksgöttin nicht lächelnd bie köstlichsten Geschenke in den Schoß: Liebe, Glanz unb Macht? Wie eine Fata Morgana zog im Geiste vor ihr die Heide mit dem Gosenhof und dem alten Pfarrhof

auf Schimmernd in zauberischer Pracht, im strahlenden Eoldglanze lag fie vor ihr, und etwas wie eine h--, namenlose Sehnsucht erfaßte sie. Ach, nur eimm-. das schmerzende Haupt in bie kühlen Blüten bet Erika bergen, ach, nur einmal!

Amor grüßt!" tief eine lustige Stimme aus einem ciriibetlaufenben Schlitten vorüber. '

Der Zauber wat verflogen. Elinor lachte lustig auf. Wie närrisch sie boch war.

Wit grüßen ihn wieder!" rief sie mit dem Erb­prinzen zusammen wie aus einem Munde.

Ich glaube, das war die allerliebste Hexe, di« kleine Wedell," rief Georg Wilhelm gut gelaunt Die wird doch nicht spioniert haben."

Vorsicht und Verschwiegenheit, bester Prinz/ entgegnete Elinor und sah die Häuserreihen der Straße entlang, in welche fie dann einbogen.

Ohne Sorge, Holde, Süße," flüsterte er zurück. Du bist nun mein in Zeit unb Ewigkeit!"

Der Schlitten hielt, unb bet Erbprinz sprang hin­aus, um Elinor heraus zu holen. Er hielt fie habet einen Moment länger als nötig war in fernen Armen. Niemanb hatte es gesehen, aber Elinor mar es, als hätte fie einen Schlag empfangen, der in ihrem Herzen wie flüssiges Feuer brannte.

©ott Amor scheint bet Rosenau untreu geworben ,u sein," ging es anberen Tages lachenb unb kichernd durch die Hofgesellschaft. Nirgends ein Brautpaar zu erblicken, wohin man auch spähte, so viel man auch fragte.

Der Erbprinz aber drehte mit luftigem Lächeln seinen rotblonden, mächtigen Schurrbart und sah blitzschnell zu Elinor hinüber, auf deren Wangen ein leichtes Rot der Verwirrung lag.

Sie Beide allein wußten ja nur, daß fie MS lieblichen Knaben in ihrem Schlitten mit heimge­bracht, wenn auch Elinor ihn nur weinend sah.

(Fortsetzung folgt)