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Marburg

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Erstes Blatt.

Heere auf die Hauptstadt Marokkos los. Alle Welt

hält den Atem an und fragt sich, wie dar gehen soll; in Pari» aber ist Delcasses Leichtsinn wieder oben­auf.

Inschrift, wohl von einer spateren Reparatur des Tempels herstammend. Heute wurde an der ton Prof. Dörpfeld vermuteten Stelle ein gut­erhaltener Triglyph von 61 Zentimeter Breite und 109 Zentimeter Höhe, wahrscheinlich zu der Haupt-Ostfront gehörig, gefunden. Ferner in ge­wißem Abstand davor ein Stück eines Marrnor- fimses, offenbar ebenfalls zum Ostgiebel gehörig, da es im Gegensatz zu den bisher gefundenen glatten Stücken des Westgiebels mit einer in Relief gearbeiteten dorischen Blattwelle ge­schmückt ist. Nunmehr kann die Lange des Tem­pels auf über 40 Meter, die Achsenweit« der Säulen auf ungefähr 3,20 Meter festgestellt wer­den. Die deutschen Gäste nahmen das Früh­stück mit dem König und der königlichen Familie im ^jlotz Monrepos.

Di« Beschießung derHohenzolleru" vor Korfu ein Aprilscherz? Berlin, 27. April. Di« von dem KvWmtinopeler BlattTanin" gebrachte Meldung, wonach in Korfu von Grie­chen auf die Jacht Kaiser WilhelmsHohen- zollern" drei Schüsse abgegeben wurden, wird in Athen mit dem Hinweise darauf abgeleugnet, daß es sich zweifellos um die Wiedergabe eines am 14. April (griech. Zeitrechnung 1. April) in einigen griechischen Blättern enthaltenen April­scherzes handelt. Wir haben gleich an der Glaubwürdigkeit der Meldung gezweifelt. Je­denfalls ist aber ein derartigerScherz" eines so ernsten und einflußreichen Blattes, wie es Tanin" ist, unwürdig.

Beihilfen für Kriegsteilnehmer. Berkin, 28. April. Nachdem der Reichstag die Summe von 5 Millionen Mark als Beihilfen für hilfs­bedürftige Kriegsteilnehmer bewilligt hat, und die neuen Ausführungsbestimmungen zur Ge­währung dieser Beihilfe bekannt gemacht sind, sind zahlreiche neue Anträge von Kriegsteilneh­mern gestellt worden. Die Behörden find an­gewiesen worden, diese Gesuche auf das wohl­wollendste zu untersuchen, und wenn irgend mög­lich, den geäußerten Wünschen nachzukommen. Es wird möglich sein, in diesem Jahre etwa 60000 Kriegsteilnehmern mehr als sonst Bei­hilfen zu gewähren.

Die Flottenmanöver. Wilhelmshaven, 26. April. Die Hebungen der Hochseeflotte werden im Monat Mai sich in der Nordsee abspielen. Die beiden Geschwader werden zunächst getrennt manövrieren. Das FlottenflaggschiffDeutsch­land" verläßt mit dem 2. Geschwader am 1. Mai Kiel und geht um Skagen bis nach Frederiks- havn, um von dort aus unter stetigem Manöv­rieren bis nach Helgoland weiterzudampfen. Am 2. Mai wird das 1. Geschwader von Kiel aus in See gehen und auf direktem Wege die Nordsee aufsuchen. Wo sich die beiden Geschwader tref­fen, ist noch unbestimmt. Bom 3.10. Mai wer­den gemeinschaftliche llebungen in der Nähe der Unterelbe abgehalten. Bon hier aus nimmt das 1. Geschwader Kurs nach der Jade, bleibt hier zwei Tage, um dann nach der Unterelbe zurück­zukehren. Am 17. folgt das 2. Geschwader nach der Jade, verweilt dort drei Tage und kehrt so­dann ebenfalls in die Unterelbe zurück. Am 26. Mai vereinigen sich nach Schluß der llebungen beide Geschwader in Kiel.

Stadt Hamborn. Berlin, 27. April. Der Staatsanz." veröffentlicht heute den ministe­riellen Erlaß, durch den die Stadt Hamborn im Regierungsbezirk Düsieldorf vom 1. Mai d. I. ab für ausgeschieden aus dem Verbände des Kreises Dinslaken erklärt wird, so daß sie von diesem Tage ab einen Stadtkreis bildet, mit der Maß­gabe, daß diese Regelung für das Verhältnis der Gemeinde Hamborn zum Kreise Dinslaken und zur Provinz schon vom 1. April d. I. an gilt.

Kriegsschiffe und Ausländsdeutsche.

(Von unserem Marine-Mitarbeiter.)

Die in Brasilien erscheinenden deutschen Zei­tungen find voll von langen und begeisterten Berichten über den Besuch des neuen deutschen Panzerkreuzersvon der Tann". Besonders die Einwohner der deutschen Kolonie Blumenau be­tonen wieder und wieder, wie die Anwesenheit des deutschen Kreuzers sie erfreue, denn wenn schon unter fremder Staatshoheit lebend und in diese Eigenschaft Republikaner geworden, fühl­ten sie sich nach wie vor als gute Deutsche und empfänden allen Stolz des Deutschen über die wachsende Macht des Reiches, wie sie sich auch in diesem neuen Vertreter der Flotte darstelle. Wir unsererseits geben unserer besonderen Freude darüber Ausdruck, daß man den Kreuzer von der Tann" auf seiner großen Ozeanreise gerade dahin geschickt hat, wie diese guten und treuen Deutschen seit einem halben Jahrhundert durch die Früchte ihrer Arbeit sich erhalten und vorwärts kommen, und dabei im rühmlichen Gegensätze zu so vielen Millionen ehemaliger Volksgenoffen stets ihr Deutschtum hochgehalten baden und stolz darauf sind. Schon seit langer Zeit freilich ist es Brauch, daß Auslandsschiffe unserer Flotte bei Gelegenheit auch jene Häfen anlaufen, aber natürlich ist die Wirkung eine ganz andere, wenn anstatt eines kleinen Kreu­zers ein modernes Riesenschiff von unübertrof­fener Geschwindigkeit und gewaltiger Armierung die Flagge zum Gruße der überseeischen Deut­schen zeigt, und mit ihr eine Kampfkraft, die sich sehen lassen kann. Es ist vielleicht vielen aufgeklärten" Zeitgenosien unverständlich oder sie glauben es nicht, daß die Art des Schiffes, welches so im Auslande auftritt, wirklich von solcher Wichtigkeit für die dort wohnenden und Handel und Gewerbe treibenden Deutschen sein könnte. Derartiges, so meint man, sei doch höch­stens Ncgervölkern oder zum mindesten Halb­wilden gegenüber der Fall. Und doch ist es anders. Mag man einen Deutschen fragen, der in einem der südamerikanischen Staaten gewohnt hat, in Mexiko, ja in den Vereinigten Staaten, in Indien, in China und Japan, oder wo es auch immer sei: Jeder gibt die gleiche Antwort, man solle nur gute Schiffe entsenden, wenn man den Deutschen im Auslande einen Dienst erwc :n wolle, aber keine alten und schwachen. Der Besuch dieser-ne die ansässigen Deutschen nur in der Achtung des betreffenden Staates und Volkes herabsetzen. Daraus ergäbe sich aber beinahe immer eine materielle Schädigung der handeltreibenden Deutschen. Es ist die alte Sache: Ohne Schutz oder ohne den Gedanken, daß wirksamer Schutz ausgeübt werden könnte, gibt es außerhalb der Heimat keine Achtung. Diese Art der Achtung äußert sich auch wieder in der gesamten sozialen Stellung--» der betreffenden Volksangehörigen, die im Auslande wohnen. Gewiß, die ideale Seite der Sache ist selbstver­ständlich auch vorhanden und gerade hier be­deutet es für den Ausländsdeutschen eine neue Stärkung und Auffrischung des Gefühls der Zu­sammengehörigkeit, wenn er auch nur einige Stunden seine Füße auf die Planken eines deut­schen Kriegsschiffes hat setzen können und wenn er sei es auch noch so kurze Stunden mit der Be­setzung verlebt hat. Wo es immer Deutsche im Auslande gibt und zwar in der Nähe eines Ha­fens, da ist auch der stet« Wunsch und das aus­gesprochene Verlangen vorhanden, daß deutsche Kriegsschiffe in nicht allzu langen Perioden, nach Möglichkeit aber regelmäßig, ihre Flagge in dem betreffenden Hafen oder an der Küste zeigen. Dieser Wunsch geht, wie angedeutet, aus den triftigsten realen und idealen Motiven her­vor. Das Deutsche Reich aber gibt, wenn es die­sen Wünschen Folge leistet, kein Almosen, son­dern erfüllt eine Pflicht und arbeitet vor allem auch für seinen eigenen Vorteil im umfassendsten Star--le.

46. Jahrg-

1911.

Deutsches Reich-

vom Kaiser. Achilleion, 28. April. Der Kaiser begab sich im Automobil nach Earitza, wo auch der König und die königliche Familie er-

** Die Lage in Marokko. Paris, 28. April. Bezüglich des in Tanger verbreiteten Gerüchtes, das Major Bremoud gefallen sei, war bis Mit­ternacht weder im Kriegsministerium noch t» Ministerium des Aeußern irgend eine Bestätig gung eingetroffen. Gegenüber der insbefonde« in kolonialpolitischen Kreisen ausgesprochenem Ansicht, daß es notwendig wäre, auch von der algerischen Grenze aus eine Expedition über Taza nach Fez zu unternehmen, wird offiziös ge­meldet, daß die Regierung keineswegs eine der­artige Absicht habe, da sie der Meinung fei, ba[ die von Casablanca und Rabat abgesandten tSreitkräste durchaus hinreichend feien, um Fez zu entsetzen und die Autorität des Sultans übel die Stämme wiederherzustellen. Die an der algerisch - marokkanischen Grenze ausgestellte« Truppen werden lediglich den Zweck haben, einen Anschluß der ostmarokkanischen Stämme an dit Aufständischen zu verhindern. El Mrani ist mit der Harka der Schauja in Elkunitza, General Moinier mit seiner Kolonne am 27. April abends in Rabat eingetroffen. Wie der , Agence Havas" aus Ceuta über Tetuan gemel­det wird, herrscht in Ceuta rege militärische Tätigkeit. Die Spanier schickten Unterhändler an die Rotabeln des Andjerastammes, um durch hohe Belohnungen zu veranlassen, daß sie Ein- geborenen-Kontingente im Hinblick auf den Marsch auf Tetuan für die Armee stellen. Kriegsminister Berteaux besprach im Minister­rat die in Marokko getroffenen Maßnahmen. Die Couns der Schauja hätten heute vormittag den Boudegreg überschritten, die erste Abteilung der Kolonne solle morgen folgen. General Moinier behält das Oberkommando über sämt­liche Truppen. Aus Tanger wird gemeldet: Trotz aller Ableugnungen werde behauptet, daß eine Landung spanischer Truppen in Larrache und deren Marsch nach Tetuan bevorstehe. In Larrache seien am 23. April etwa 10 spanische Offiziere eingetroffen, die mit dem spanischen Konsul und den Offizieren der spanisch-marok- kanifchen Polizei Besprechungen abhielten. Der Kommandant dieser Polizei sei am 24. April mit allen Reitern aus El Kaffar auf gebrochen, um das Vorgehen der französischen Militärmisiion zu unterstützen.

* Mexiko. Rewyork, 28. April. DieNew- York Times" meldet aus Mexiko: Die Staaten Guerrero und Morelos werden fast vollständig von Banden beherrscht, die mit der Madero- pariei in keinem Zusammenhänge stehen. Viele Mordtaten und Grausamkeiten werden verübt. Aus Nogales wird gemeldet: Nach authen­tischen Meldungen ist die Stadt Mazatlan in der Provinz Sinaloa von den Aufständischen einge­schlossen, die die Stadt von der Wasierzufuhr ab­geschnitten haben sollen. Ein mexikanisches Ka­nonenboot soll die Stellung der Aufständischen mit Granaten beschaffen, aus die vereinten Vor­stellungen der französischen Konsule das Feuer eingestellt haben und in See gegangen sein. Züge verkehren nicht, da die Aufftändischen di« Brücken verbrannt haben.

** Ausstand in Kanton. Hongkong, 28. April. Aus dem Aufstandsgebiet Kanton traf ein Dam­pfer mit etwa 100 Flüchtlingen, meist Frauen, ein. Es verlautet, bei den Zusammenstößen mit den Truppen seien gegen 300 Aufftändische ge­tötet worden.

** Bom Balkan. Ceiinje, 28. April. Neun hervorragende Malifforenführer, die sich jetzt in Montenegro aufhalten, richteten an den Sultan eine Depesche, in der sie demütigst um Verzeihung und um Wiederaufnahme in seine Staaten bit­ten, wo sie stets getreue und gehorsame Unter­tanen zu sein versprechen. Ein ähnliches Bitt­gesuch wurde von den orthodoxen Führern der Auswanderer an den Sultan abgeschickt.

Ausland.

** Zum verbot der Maikundgebungen. Pa­ris, 28. April. Bezüglich des Beschluffes der Re­gierung, die für den 1. Mai geplanten Straßen- kundgebungen nicht zu duwen, wurde einem Be­richterstatter von einem Ausschutzrnitgliede des Syndikatsverbandes des Seine-Departements erklärt, daß die Straßenkundgebungen trotz des Verbots stattfinden würden. Die Kundgebungen hätten einen friedlichen Charakter tragen sollen, aber angesichts der Haltung der Regierung seien Zwischenfälle immerhin möglich.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalart,kcl ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Zig' gestattet.»

Marburg, 29. April.

Bo» Wonnemonat Rai. Der Lieblingsmonat des deutschen Voltes ist der Mai. Das beweisen nicht nur die vielen Liederdichter, die von der schönen Maienzeit" sagen und singen, sondern dies zeigt auch der Umstand, daß derMai" in Verbindung mit anderen Wörtern außerordentlich häufig erwähnt wird. So ist dieser Monat auch durch denMai­käfer" und de»Maiwurm" Im Tierreich und durch dieMaie" (Birke), dieMaiblume" (Liinrenzahn,. Pustelblume) und durch da» Maiglöckchens da» tu.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

Aus der Woche.

(Fürstliche Zweckbesuche.)

Das Hofleben hat sich im letzten Menschenalter sehr modernisiert; die Monarchen sind vielfach za Geschäftsreisenden in Politik geworden, um so ihrem Lande mehr zu nützen, als wenn sie sich nur auf die altmodische steife Repräsentation daheim beschränken. Das paßte anfangs dem soliden Bürger nicht und er grollte: zuerst hätte wir einen greise , Kaiser gehabt, dann einen weisen Kaiser, zuletzt einen Reisekaiser. Allmählich aber hat man eingesehen, daß diese moderne Regierungstechnik sehr viel für sich hat. Während wir noch auf dasJrrlichterieren" Wil­helms II. in der Welt Herumschalten, übertrumpfte Eduard VII. von England unseren Kaiser In der Reisepolitik. Der Erfolg bestand in der sogenannten Einkreisung Deutschlands, in der Entente zwischen England, Frankreich und Rußland, der Italien sich auch anschließen zu wollen schien, während Portugal ihr längst als Lehnsmann diente. Es hat uns blutige Mühe gekostet, alles das zu parieren.

Wie die Großen, so die Kleinen: neuerdings will auch König Peter von Serbien auf Reisen die Geschäfte seines Landes besorgen und seine Dy­nastie kräftigen. Zn Rom ist er schon gewesen. Dorr hat man eine kleine Schwäche für Balkanpotentaten, weil König Viktor Emanuel der Schwiegersohn des Montenegriners ist. Jetzt wollte Peter von Serbien den greifen Kaiser Franz Josef besuchen. Aber zu­nächst erhob sich im eignen Lande eine heftige Oppo­sition, genährt Hvon der Partei de» Prinzen Georg, die in Oesterreich seit der bosnischen. Krise den Erb­feind sieht und imnttst noch 'von einem Rachekrieg träumt. Dem ganzen Spiel hat man jetzt von Wien aus ein Ende bereitet: Kaiser Franz Josef fei zu unpäßlich, unEden Serben empfangen zu können. Diese HeiserlM kam sehr gelegen! kann man jetzt am Wiener Hofe deklamieren; denn man empfindet bei dem Gedanken an König Peter, den Protektor der Mörder seines Vorgängers, immer noch ein ge­wißes Würgen und Kratzen im Halse.

Nächstens wird zur Krönung des Londoner Onk.ls unser Kronprinz nach England reisen. Etliche Wochen später, wenn das Denkmal der Königin Viktoria dort enthüllt wird, kommt auch der Deutsche Kaiser nach London. Diesmal wird auf endgül­tigen Abschluß des von König Eduard zuletzt in Kronberg begonnenen Werkes einer deutsch-en- lischen Verständigung gerechnet, aber nicht in der ursprünglich vorgeschlagenen Form einer ge­meinsamen Einschränkungen der Rüstungen, sondern etwa in der Art, wie Deutschland und Rußland sich in Potsdam auseinand-rgesetzt haben. Also eine Verständigung überNichtkonkurrieren in gewißen Gebieten des nahen und des fernen Orients, besten­falls auch eine Abmachung, daß man an feindseligen Handlungen cner dritten Macht sich nicht beteiligen wolle. Das Ergebnis wäre die Isolierung Frank­reichs. In Paris sieht man mit geringem Ver­gnügen der Reise entgegen.

Als jüngst das deutsche Kronprinzenpaar bei der Jubelfeier Italiens die deutschen Glück­wünsche überbrachte, hieß es, daß das Volk von Rom sich^ aufftMvndk- zurückgehalten habe. Die Pariser Preße beitete Sas als Abneigung gegen den Bundes- gwloßen IlA Dreibund. In Wahrheit sind aber die Römer ein 'eingebildetes Völkchen, das von schwär­menden Reisenden her gewohnt ist, daß derHaupt­stadt der Welt", demewigen" Rom, Schmeicheleien über Schmeicheleien gezollt werden. Auch der letzte Eckensteher nimmt in majestätischer Pose die Hul­digungen entgegen, als sei er Konsul der alten römi­schen Republik, Besieger Europas und Erbauer aller Kulturdenkmäler der Kapitale. Für diese Leute ist der deutsche Kronprinz eben auch nur ein junger Fremder, der sich begeistern darf. In der vorigen Woche waren die Franzosen in Rom, an ihrer Spitze ein verdienter alter General, aber die Römer zeigten sich womöglich noch kälter, noch uninteressanter und liefen nicht etwa zusammen.

Auf Naturvölker macht Monarchenbesuch noch einen ganz anderen Eindruck. Wenn sie auch sonst an blumenreiche, phrasenhafte Rede gewöhnt sein mögen, bei einem Herrn aus königlichem Geblüt ver­stummt jeder Schwindel. Umgekehrt glaubt man einem solchen Herrn auch aufs Wort. So hat Prinz Heinrichs Besuch in Peking dort einst das Eis völlig gebrochen, so hat auch der K a t s e r b e s u ch it; Tanger einst eine kolossale Wirkung gehabt. Sie wurde nachher wieder abgeschwächt. Die auswärtige Politik der Aera Bülow-Schoen gab den Franzosen freie Hand, so sehr, daß der jetzige Leiter unserer aus­wärtigen Politik unter den früheren Abmachungen geradezu seufzt. In diesen Tagen nun wird es sich entscheiden, ob unsere Diplomatie imstande ist, ein Kaiserwort wahr zu machen, das auf ihre Veran- lassung gegeben ist; denn Kaiser Wilhelm ist nicht auf eigene Initiative, sondern auf Wunsch des Für­sten Bülow seinerzeit nach Tanger gegangen. Er hat dort beim Empfange der deutschen Kolonie versichert, Uefc mi» hl» GnuuptirnUSt Marokko» aufrecht erhalten

würden. Augenblicklich marschieren große französische I schienen waren. Gesunden wurde gestern noch Heere auf die Hauptstadt Marokkos los. Alle Welt ein Stück eine» Ziegels mit dem Anfang eiltet

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