N97
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46. Jahrg.
1911.
(Nachdruck'ten.)
Marburg
Mittwoch, 26 April
an der algerisch-marokkanischen Grenze, haben nur den Zweck, den französischen Inspekteuren und den französischen Kolonisten in Fez zu Hilfe zu kommen, den Sultan instand zu setzen, die Ausständigen niederzuwerfen, seine Oberhoheit über die aufrührerischen Stämme geltend zu machen und diesen Stämmen zu zeigen, daß fie nicht ungestraft die Ruhe stören dürfen. Frankreich hegt keine Er- oberungsgedanken, es wünscht nur, dah in Marokko Ruhe und Wohlstand herrschen. Unsere Offiziere und Soldaten werden in Fez bleiben, sie werden diese Stadt, sobald das angestrebte Ziel erreicht ist, verlassen.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 31.
PoMsche Umschau.
Son den Alldeutsche«.
Man schreibt uns aus Berlin:
Wir möchten sie wirklich nicht missen, die Männer mit dem lodernden Vaterlandsgefühl, die sich Alldeutsche nennen; und ein wenig alldeutsch ist ja jeder von uns, auch wenn er nicht zum Verbände dieses Namens gehört. Der Verband hat in schwächlicher Epigonenzeit dafür gesorgt, das Gedächtnis großer Tage lebendig zu erhalten, er ist der Stachel des Treibens gewesen, wenn das Geschlecht der Gegenwart erschlaffte. Alles das danken wir ihm gern. Aber er hat aus reinem Idealismus manchmal auch erklecklich vorbeigehauen, nicht nur in der Burenzeit, wo er feine Liebe und unser schönes Geld an Leute verschwendete, die sich nachher doch nicht als so ganz würdig erwiesen, Leute, die jetzt unter der englischen Flagge bereit find, auf den ersten Ruf gegen das deutsche Südwestafrika mobil zu machen. Er geht in seiner „prachtvollen Einseitigkeit" — das Wort stammt von Treitschke — fast immer zu weit. Zn seiner Vorstandssitzung am letzten Sonntag in Berlin hat der Alldeutsche Verband (das kann man ihm nach- fiihlen) gegen eine Politik deutscher Schwächlichkeit in den Ost- und Westmarken energisch protestiert, Hai (darin stimmt jeder gute Deutsche ihm zu) gegen die Fremdenlegion scharf gemacht, deren Werbetätigkeit in Deutschland unter allen Umständen "^hindert werden mäste; der Verband hat aoer auch in ganz undiplomatischer Naivetät die Forderung nach einer — Aufteilung Marokkos gestellt, wobei Deutschland den ganzen atlantischen Teil des Sultanats bekommen müßte. So etwas tut man, aber man sagt es nicht". Nach diesem Grundsatz handeln wenigstens die Franzosen und kommen damit erheblich weiter. Unsere auswärtige Politik wird durch diese alldeutsche Resolution jedenfalls nicht „auf den Trab gebracht", sondern im Gegenteil gelähmt werden.
Tie marokkanische Auflösung.
Die"Mdnzosen hüllen die Vorgänge in Marokko tn einW Schleie., der aus lauter Schreckenserzählungen gewoben ist. Was dort wirklich vorgeht und »je die allgemeine Lage ist, läßt sich daraus nicht ersehen, und auch nicht aus den deutschen Berichten, denn diese, wenn sie an sich auch richtig und wahrheitsgetreu sein mögen, geben immer nur einen ganz kleinen Ausschnitt, und auch nur einen, der lediglich in einen Teil der jeweiligen lokalen Verhältniste 'einen Einblick gestattet. Besonders von den rnili- lttärischen Ereignisten können diese Privatberichte einen auch nur einigermaßen richtigen Eindruck nicht geben. Das einzige, was mit Sicherheit aus allem hervorgeht und hauptsächlich auch aus der Haltung der französischen Presse, ist der völlige Verlust der Abhängigkeit des Sultans. Der Sultan ist schon seit längerer Zeit finanziell in den Händen Frankreichs, und zwar nicht durch eigene Schuld. Die Franzosen haben seiner Zeit die Ausgaben, die fie für ihre sogenannten Polizeiaktionen in Marokko machten, dem Sultan zur Last geschrieben. Sesttverständlich war der Sultan nicht in der Lage, den Franzosen das Geld zuriickzubezahlen, und darauf zwang Frankreich ihn, ob er wollte oder nicht, eine Anleihe von entsprechender Höhe aufzunehmen. Das war der verhängnisvolle Schritt, besten Folgen dem Sultan die Unabhängikeit über kurz oder lang kosten mußten. Dazu kam, daß es den Franzosen nicht im entferntesten einfiel, nun ihre Truppen aus den besetzten Gebieten Marokkos herauszunehmen. Sie blieben nicht nur da, sondern benutzten auch die in jedem Augenblick eintretenden — nämlich von ihnen hervorgr- tufenen — sogenannten Unruhen, um das besetzte Gebiet folgerichtig zu erweitern.
Da ist es kein Wunder, wenn der Sultan im eigenen Lande schnell das Ansehen verlor, und fich, wir das in Marokko dann Üblich ist, gleich eine Gegenbewegung geltend machte. Was sollten die Marokkaner auch noch für ihre nationale Wohlfahrt von einem Sultan hoffen, der sich als ganz in den Händen der Franzosen befindlich zeigte? Die Gegenbe- wegung im Lande gegen den Sultan nahm zu und vor einigen Wochen trat als Krönung dieser Entwickelung das Ereignis ein, daß der Sultan die Franzosen um militärische Hilfe bitten mußte. Mit diesem Augenblicke war, unserer Ansicht nach jedenfalls, die entscheidende Wendung eingetreten.
Dieser Sultan ist nach jeder Richtung hin auf Frankreich angewiesen, große Gebiete seines Landes find von den Franzosen besetzt, und zwar dauernd; es ist kein Gedanke daran, daß die französischen Truppen, wie natürlich anfangs versprochen worden ist, die Gebiete wieder räumen sollten. Run ist aber die Unabhängigkeit des Sultans und die Integrität seines Landes die Bedingung und Voraussetzung für die Gültigkeit der Akte von Algeciras gewesen. Sobald diese beiden Forderungen nicht mehr erfüllt sind, kann selbstverständlich auch nicht mehr davon die Rede sein, daß irgend eine Macht durch die Akte ge-
resigniert, das Zimmer verließen. Hätten fie gesehen, daß der Professor, nachdem fie kaum die Tür hinter ihnen geschlosten, die warme Decke weit von sich warf und aufipringend alle Fen'ter aufriß, fie wären gewiß in Sammei und Verzweiflung über solchen Leichtsinn gesunken; aber fie wußten es glücklicherweise nicht, auch nicht, daß der Profestor stundenlang ohne Kopfbedeckung in Sturm und Regen am offenen Fenster stand und über die Heide blickt«, dorthin, wo der Gosenhof lag, den er vielleicht heute zum letzten Male sah.
Wie sehr hatte fich der Professor auf ein Wiedersehen mit Elinor gefreut. Seine kleine Spielgefährtin. oder besser gesagt, seine Schülerin, die ihm stets bei seiner Heimkehr jubelnd um den Hals gestürzt; nur heute war es so ganz anders gewesen. Als er in dem elenden Mietsfuhrwerk, das er auf der letzten Bahnstation mit Mühe aufzetrieben, heute morgen finnend über die Heide fuhr, da war es ihm gewesen, als müsse Elinor seine Ankunft ahnen, als müsse fie ihm, wie einst, entgegenfliegen. Und als er plötzlich die Augen erhob, da sah er fie auf ihrem schwarzen Pferde über die Heide jagen, zu ihm. Wie schön fie aussah, trotzdem der Sturm ihr blondes Haar arg zerzaust hatte und ihr Reitkleid so fadenscheinig und schlecht erschien.
„Willkommen, Wolfgang, daheim!" rief sie ihm entgegen, indem fie ihr Pferd geschickt parierte. „Ach, ich wußte ja, daß Du heute kommen würdest, trotzdem Niendorf behauptete, es nicht genau zu wissen."
Der Professor stteckte dem schönen Mädchen beide Hände aus dem Wagen entgegen.
„Grüß Gott, Schön Elinor," sagte er herzlich, unwillkürlich die Anrede gebrauchend, die er ihr als Kind oft gegeben, und die ihm so natürlich erschien, da selbst die Dörfler fie gebrauchten.
Elinor aber errötete heute darüber, was fie noch wie getan, und als Wolfgang fragend iw ihr« großen.
O flicht zum Kranz mir nicht die rote Rose, Die in des Gärtners treuer Hut erwacht; Dem Spiel der Winde gönn' die Dauerlose, Wie bald entflattert traumgleich ihre Pracht. Und nichts als Dornen dürst' ich mit mir tragen Aus meines Glückes gold'nen Sonnentagen. Nein, flicht zum Kranze mir die Heideblüte, Die fich um braune Tannenwurzeln schmiegt. Die furchtlos, o der Sommertag verglühte. Ihr Haupt im mächt'gen Wettersturme wiegt, Daß kampfumtobt die roten Glöckchen klingen Wie der Erinn'rung fernes Märchenfingen.
Der Professor lachte gellend auf, dann warf et verächtlich das Blättchen in die hochaufzüngelnden Flammen. Auch die verblaßten Erikablüten flogen in die rote Lohe Wolfgang klopfte seine Hände ineinander, als müßte er etwas Staub abschütteln, und sah triumphierend, wie auch das letzte Restlein seines Schatzes verklomm.
„Vorbei!" sagte er lästig und legte wie müde bie weiße Hand gegen die Stirn. „Sie will nur Rosen, nicht die bescheidene Heideblüte. So fahre denn hin, mein Heidezauber, fahre wohl!"
Er schloß das Fenster und setzte fich an seine« Schreibtisch, um Briefe zu schreiben. Aber was et auch schrieb, immer wieder tanzten einige Lieder- strophen dazwischen. Es war die Fortsetzung des Liedes, das dort auf dem verkohlten Papier geftan den, und die er nicht vergessen konnte.
Nicht in der Enge buft’ger Rosenauen Des Glückes Wunderblume mir erstand, Nein, fern im Wald, wo finft’re Nebel brauen, Der Sturmwind peitscht den weißen Heidesand. Der Bergquell rauscht mit wildem Schaumgetriebo: Da fand ich Dich — und mit Dir Glück und Lieb«.
Er stöhnte tief auf, dann aber erhob er sich hastig und schob die Papiere weit von fich.
„Maria Magdalene," murmelte « vor fich htt^ J6at gesiegt. Der Kampf ist «ms." (Forts, folgt.) :
*■*- Heidezauber.
Roman von Anny Wothe.
l Fortsetzung.!
Wolfgang küßte dankbar die Hand seiner Mutter. Wie gut sie ihn doch stets verstand.
In demselben Augenblick trat Maria Magdalene ein. Sie trug ein Tablett in bet Hand, auf welchem eine Tasse Bouillon stand.
„Bitte, trink aff, Wolfgang," sagte sie ruhig, als wäre nichts vorgefallen, und als er abwehrend mit der Hand winkte, hob sie die sanften blauen Augen bittend zu ihm auf.
Er trank schweigend die Taste in einem Zuge leer und litt es auch, daß sie ihren Arm um seine Schultern legte. Als sie aber ihren Kops mit dem glatten Scheitel so selbstrerftändlich an seine Brust lehnte, als gehöre et dahin für Zeit und Ewigkeit, da trat et mit einem Zuge des Widerwillens zurück und sagte:
„Verzeiht, wenn ich mich jetzt in mein Zimmer zutückziehe; ich bin müde und will etwas ruhen."
Maria Magdalene und die Pastorin sprangen hinzu und gaben ihm, wie einem Toiktanken, das Geleit. Et ließ es ruhig geschehen — er wußte ja — alles Wehren dagegen half nichts. Dann wurde er in feinem Zimmer sorglich auf ein Sofa gebettet, und Maria Magdalene deckte ihn mit einer großen Reisedecke bis an die Nasenspitze zu.
Dann schütte fie bas Feuer, das im Kamin flatterte und eine unerträgliche Hitze verbreitete, und sagte, fie wolle gleich durch Ehtistel heißen Tee senden. Und Frau Pastor Rieckmann fragte ihren Liebling, ob ihm nicht der Kopf friere, es wäre noch das schöne Sammetkäppi vom seligen Papa da.
Die Ablehnung, di« bet Profestor aber aussprach, eat-io faftini««. daß di« beide« grauen endlich still,
bunden sei. Für Deutschland wäre die Anerkennung | bieies neu eingetretenen vertraglosen Zustandes politisch nut günstig, denn es würde ihm die Freiheit des Handelns roitbergeben und gestatten, die Bahn zu verlasten, in welche die deutsche Politik Frankreich gegenüber mit Beziehung auf Marokko sich selbst gebracht hat. Auch das Februarabkommen, welches 1909 zwischen Deutschland und Frankreich geschlossen worden ist, verliert dann seine Gültigkeit, denn es steht auch auf der Algeeirasakte und somit auch auf den Voraussetzungen, welche deren Gültigkeit von Anfang an bedingt haben. Wir hoffen, daß bie beutsche Regierung bie Konsequenzen aus der Lage ziehen wird und zwar nach einer Seite, die uns einerseits nicht in Abenteuer hineinstößt, auf der anderen die berechtigten Interessen des Reiches fest und energisch wahrnimmt.
Die militärische Lage.
Betrachtet man die militärische Lage im Scherifat, wie fie fich nach den französisch-spanischen Meldungen darstellt, so ergibt fich folgendes Bild: In Fes hat Sultan Mulay Abdul Hafid den größten Teil feines Heeres zufammengezogen. Man wird feine Stärke auf ungefähr 10000 Mann veranschlagen können. Diese Truppen, die aus Infanterie, Kavallerie und Attillerie bestehen, unterstehen und werden geführt durch die stanzösische Militärmission unter dem Obersten Mangin, die aus einer größeren Anzahl von Offizieren und Unteroffizieren zu- fammengefetzt ist..
Fes wird nun von den aufrührerischen Stämmen, umlagert. Nördlich davon steht, umringt von feindlichen Eingeborenen, eine kleine Truppenabteilung des Sultansheeres unter Brernond, der im Begriff ist, sich nach Fes durchzuschlagen. Außerdem beginnen die Franzosen nun von Osten und Westen den Vormarsch auf Fes und stellen hierzu große Truppenmassen bereit. Im Osten werden am Mulufluß, schon auf marokkanischem Gebiete, die algerischen Truppen zusammengezogen und zwar die verfügbaren der Division Oran, die durch die Division Algier auf bb Stärke von 10 000 Mann gebracht werden. Die Besetzung von Tasa steht unmittelbar bevor oder ist schon erfolgt. Damit ist die stanzösische Ostarmeeabteilung auf 100 Kilometer Luftlinie auf Fes vorgerückt.
Die französische Westarmeeabteilung steht in Easablance und im Schaujagebiet. Frankreich verfügt demnächst auf marokkanischem $ oben über 31000 Mann französischer Truppen, benen sich weitere 10000 Mann in nächster Zeit anschließen sollen.
Die Franzosen beruhig««!
Paris, 24. April. Die meisten Blätter billigen bie von der Regierung bezüglich des Marsches nach Fez beschlossenen Maßnahmen. In einem sichtlich offiziösen Artikel des „Matin" heißt es: Gegenüber den Beunruhigungen, die in gewissen Madrider oder Berliner Blättern zutage treten könnten, dürfen wir bereits heute folgendes erklären: Den von der Regierung getroffenen Maßnahmen liegen keinerlei Hintergedanken zugrunde. Die Entsendung französischer und marokkanischer Truppen nach Fez, die Verstärkung des Besatzungskorps der Schauja, die Ausamlmung französischer und algerischer Truppen
Deutsches Reich-
— So« Korf«. Achilleion, 24. April. Da« österreichisch-ungarische Geschwader ist heute vormittag im Hafen von Korfu eingelaufen, nach- dem es beim Passieren des Achilleions die Kaiserstandarte salutierte. — Etwa vierzig Dffi* ! ziere des österreichisch-ungarischen Geschwader» trafen unter Führung des Eeschwaderchefs, • Konteradmirals Edler von Kunfti, gegen 4 Uhr hier ein und wurden von den Majestäten auf der Achilleion-Tecrasse empfangen, worauf der Tee eingenommen wurde. Der Kaiser verweilte im Kreise der Herren bis gegen 6 Uhr. Die Offiziere gingen hierauf durch den Park, an dem Denkmal der Kaiserin Elisabeth vorbei zum Pier hinab und kehrten auf dem Wasserweg zu ihren Schiffen zurück. — Heute abend war bei den Majestäten auf der „Hohenzollern" Souper und Tanz. Es nahmen daran teil die Majestäten, Prinzessin Viktoria Luise, die griechische Königsfamilie mit Gefolgen, die österreichischen Offiziere, die Kommandanten der drei deutschen Schiffe, der Kommandant des gMMfihen Kreuzers „Spetzsai", der Präfekt, der deutsche Gesandte Frhr. v. Wangenheim und Gemahlin mit Tochter, der österreichische Generalkonsul in Korfu, Merle, der deutsche Konsul Spengelin mit seinem Bruder und Professor Dörpfeld.
— Erlaß des Unterrichtsministers. Berlin, 24. April. Der Unterrichtsminister hat an sämtliche Königliche Regierungen einen Erlaß gerichtet, in dem er den didaktischen Materialismus bekämpft und vor einem kleinlichen Zerpflücken des Lesestoffes warnt. Er betont die Notwendigkeit selbständiger Leistungen der Kinder und fordert eine erhebliche Einschränkung der Lehrplanstoffe. Gegenüber dem Memorieren von Liedern und Sprüchen soll die religiöse Erziehung in den Vordergrund treten. Die Fertigkeit im Schrift-Deutsch wird neuerdings betont, und es wird verlangt, außer den üblichen Aufsätzen täglich in jedem Unterrichtsfach, falls es angängig ist, eine Niederschrift des durchgearbeiteten Stoffes anfertigen zu lassen.
— Ministerwechsel. Braunschweig, 24. April. Staatsminister v. Otto tritt am 1. Mai d. Z. in den Ruhestand. An seiner Stelle wurde der bisherige Minister des Innern, Hartwicg, zum Staatsminister ernannt. Das Ministerium des Innern übernimmt der bisherige Präsident des Verwaltungsgerichtshofes Radkau, dem der Titel eines Ministers verliehen wurde.
— Aussperrung auf der Schichauwerft. Danzig, 24. April. Wegen des Ausstandes von etwa 700 Schiffbauern auf der Schichauwerft hatte die Werftleitung durch Anschlag bekannt gegeben, nur diejenigen weiter beschäftigen zu wollen, welche sich schriftlich verpflichteten, ohne Rücksicht auf die Streikleitung die Arbeit fortzusetzen. Da
grauen Augen blickte, ba sagte fie, wie in leichter Verlegenheit:
„Du weißt bereits, daß ich an den Hof gehe?"
Wolfgang schnellte von seinem Sitz empor.
„Du — Du gehst an ben Hof? Du hast nicht abgelehnt?"
„Wie sollte ich dazu kommen? Ich habe es satt hier auf ber oben Heide "
„Elinor!" Es war rote «in Aufschrei.
„Ich verstehe Dich nicht," gab fie zurück. „Alle ftnben, baß es ein großes Glück für mich ist, Du allein tust, als wäre es ein Unrecht. Die einförmige Erika ist mit zum Ekel geworben, feitbem ich die Rosen bes Lebens kennen gelernt, Rosen, bie nur in bet Welt und nicht in unserer weltfernen Heide blühen."
Da hatte er, wie müde, ben Kopf gesenkt, und als sie fragend zu ihm herübetsah und nach dem Grund seines Schweigens fragte, ba hatte er kaum verständlich zu ihr herüber geflüstert:
„Ich habe nichts mehr zu sagen, Gräfin."
Da hatte fi« sich zürnend abgewandt, um gleich darauf fröhlich lachend Niendorf und Lotte zuzuwinken. Nicht ein Blick der schonen, strahlenden Augen hatte ben Professor mehr gestreift, selbst ba nicht, als fie ihm die Hand zum Abschied« reichte, um mit dem Rittmeister heim zu gehen.
Der Professor biß in wildem Schmerz die Zähne aufeinander. Etwas wie glühend« Eifersucht gegen seinen Freund Ullrich, etwas wie Haß gegen Elinor erfaßte ihn. Hasttg trat et zu seinem Schreibtisch — ein winzig Sträußlein Erika entnahm et einem Kästchen: Elinor gab es ihm einst beim Abschied, und et hatte es sorglich gehütet und ein Blatt mtt finnigem Vetslein dazu gelegt, an welches er immerfort denken mußte die ganze lange Zeit, die et fent wat.
Auch jetzt taten feine Ange« Über ba» winzige Blättchen.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Vellage
Der Anzeigen preis betragt für bie 7ge)paltene Zette oder deren Raum 15 bei auswärtigen ?!njeigen2° ^.. furReHamen die Zeile 40 A. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als SBarrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ber^ndltch- feit für Platz.. Datenvorschttft und Beleglieferung ausgeschlossen. - Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Pottokosten - unter Rr. 5015 de« Postscheckamtes fcranffurt «. M. _______________
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