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die anderen wollen Die Scherarda find Obersten Bremond 15. April noch an
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einen wollen den Sultan stützen, gegen seine Mahalla vorgehen, zurückhaltend. Die Kol inne des liegt nach einer Meldung vom ihrer alten Stelle.
Worauf die Sache hinausgeht,
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Neuer Preußischer Lehrertag.
G ö r l i tz, 20. April. Unter Teilnahme von einigen Hundert Delegierten aus allen Teilen der Monarchie trat hier der vor zwei Jahren neugegründete „Neue Preußische Lehrerverein" zu seiner zweiten Hauptversammlung zusammen. Nach den offiziellen Begrüßungsansprachen und dem Kaiserhoch sprach Professor Sohnrey-Berlin über das Thema: „Was bedeutet ländliche Wohlfahrts- und Heimatspflege, und wie kann sie durch die Lehrer auf dem Lande gefördert werden?" — Der Referent legte seinen Ausführungen folgende Leitsätze zu Grunde: „Die ländliche Wohlfahrtspflege besteht in dem freiwilligen Zusammenarbeiten aller Bevölkerungsklassen, sei es für sich allein, sei es für sich allein, sei es mit behördlicher oder staatlicher Unterstützung zur Verhütung oder Beseitigung von wirtschaftlichen Uebelständen und zur Gesundung und Erstarkung des Landvolkes in sozialer, körperlicher und geistig-sittlicher Beziehung. Sie wird in erster Linie durch Entfaltung unserer geistigen und
Der beutfflcn Nummer liegt bei Kieisblatt Nr. SO.
Debatte zu stellen. — Damit tritt die Tagesordr nung der Hauptversammlung erledigt und der Vorsitzende schloß die Tagung mit den übliche« Dankesworten.
„So? Ich danke Dir, Christel, bis jetzt hast Du mir noch alle Tage erzählt, daß ich ein ganz unnützes Kör wäre, und Mama und Maria Magdalene sagen dasselbe, und Vorschriften, Christel, laste ich mir auch von Dir nicht machen. Verstanden? — Ach, da kommt er ja!" schrie sie plötz'ich auf, und wie ein Wirbelkind war sie zur Küchentür hinaus und dem stattlichen Offizier entgegen, der soeben durch den Pfarrgarten auf das Haus zuschritt.
Christel nahm vor Schreck ihre Haube ab und setzte sie sich dann verkehrt wieder auf und blickte starren Auges auf ihren Liebling, der sich in kindlicher Unbefangenheit an den Arm des jungen Offiziers hing und ihn stürmisch ins Haus zog.
„Was der Mensch," — Christel betonte das letzte Wort besonders — „nur für verdammte Augen hat," murmelte sie vor sich hin, „und wie et die Kleine ansah. Es war ja gerade, als wäre ein ganzes Regiment verliebter Blicke losgelasten. Kott steh nur bei, das gibt ein Unheil, das gibt ein Unheil."
Während die alte Dienerin unter solchen und ähnlichen Selbstgesprächen energisch die großen eisernen Kochtöpfe scheuerte, als wäre das seit Monaten nicht geschehen, hatte Lotte ihren vornehmen East lachend in die Wohnstube gezogen. Die erschreckten und verweisenden Blicke ihrer Mutter und die wahrhaft entsetzten Maria Magdalen-s ignorierte ste mit Trotz, und Frau Pastor Rteck- mann hatte alle Mühe, sich durch Lottes Ungezogenheit nicht aus ihrer gewohnten Ruhe und ihrer vornehmen Eelastenheit bringen zu lasten. Sie empfing den East als den Freund ihres Sohnes herzlich und liebenswürdig. Der Rittmeister war entzückt, in dieser Frau Pastor eine ziemlich weltgewandte und finge Frau zu sehen, und bald darauf saßen alle um den einfachen aber gut besetzten Frühstückstisch tn heiterem und anregendem Gespräch.
46. Jahrg.
1911.
Diesen Spanien und Frankreich sehr pastenden Nachrichten über bevorstehende schwere Kämpfe und Unruhen im Lande dürften anderwärts aber als sehr stark übertrieben angesehen werden. Das scheint auch durch folgende Meldungen bestätigt zu werden.
Paris, 20. April. Nach einer Meldung aus Tanger wurde die unmittelbare Umgebung von Fez durch den Kampf vom 12. April freigemacht. Die Lage fei am 14. April noch ziemlich kritisch gewesen, aber die Bevölkerung scheine etwas beruhigter.
Paris, 20. April. Jtait) den aus Tetuan, Larasch und Elkbasar in Tanger vorliegenden Nachrichten ist die Lage in Me > 'ko unverändert. Die Stämme haben ihre bisherige Haltung beibehalten. Unter den Beni Snastcn herrscht Uneinigkeit. Die
raten, wenn man sieht, wie die russische Hetzpreffe bas Vorgehen der Franzosen unterstützt.
Die „Nowoje Wremja" erklärt in einem Leit- artikel, daß man Frankreich in Marokko freie Hand lasten müsse. Man habe die in Marokko lebenden Europäer dem Schutze Frankreichs anvertraut. In- folgedesten dürfe man auch nicht Frankreichs Schritte hier hemmen wollen.
Die Stimmung der Marokkaner gibt wohl am besten folgende Nachricht wieder:
Madrid, 20. April. Nach einer Meldung aus Elkhafar sollen Meinungsverschiedenheiten zwischen Raisuli und den französischen Jnstruktionsoffizieren ausgebrochen fein. Die Marokkaner wünschen nicht, daß der Einfluß der französischen Jnstruktionsoffiziere auf den Sultan Mulay Hafid zunimmt und fordern vom Sultan, daß dieser allein mit Hilfe der marokkanischen Streitkräfte die Berber niederwerfe.
Die Vorgänge in Marokko verlangen die gespannteste Aufmerksamkeit auch in Deutschland.
„Ach bitte, Herr von Niendorf," nahm Lotte zum Entsetzen ihrer Mutter das Wort, „nehmen Sie es nur nicht Übel, daß es hier" — sie machte eine Bewegung mit der Hand über den ganzen Tisch — „\0 leer ausfieht. Ich hatte so schöne Erika für Sie gepflückt und Ihnen auch ein Sträublein in die Serviette gesteckt; in meinem Kochbuch" — fie betonte das Wort überaus niedlich — „steht es wirklich so, aber Maria Magdalene hat alles wieder herunter geristen und sagt, „es wäre albern." Wie können denn Heideblumen albern {ein?"
Der Offizier war in tödlicher Verlegenheit. Die kleine Plaudertasche blickte triumphierend von einem zum andern und lachte, als fie die verlegenen Gesichter sah.
Der Rittmeister faßte sich zuerst und sagte ver- kindlich: „Ich bebiuere sehr, mein kleines Fräulein, daß ich um Ihre mir so freundlich zugedachtr Blumenspende gekommen bin. Ich hoffe, daß, wenn Ihre Frau Mama und Fräulein Cousine gestatten" — hier machte er eine etwas spöttische Verbeugung zu Maria Magdalene hinüber — «Sie mir nachher zum Abschied aus dem Pfarrgarten ein Röslein pflücken."
„Im Pfarrgarten blühen keine Rosen," warf Maria Magdalene spitz ein.
„Allerdings sah ich auch nur eine,“ erwiderte bet Offizier und sah der Sprecherin kampfeslustig tn bis Augen. Die Pastorin aber, die gar nicht auf das Gespräch geachtet hatte, so sehr war sie durch die Indis- kretion ihres jüngsten Sprößlings erschreckt worden, brachte das Gespräch auf ihren bevorstehenden Umzug, der durch Lottes noch fast ganz unvollendete Erziehung durchaus bedingt war.
(Fortsetzung folgt.)
Marburg
Sonnabend, 22. April
Deutsches Reich.
— Der Kaiser auf Korfu. Korfu, 20. April. Heute Nachmittag fanden sich mit dem Kaiser bei den Ausgrabungen die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise, der König der Hellenen, bei Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland und die Königin-Mutter von England ein. Beim Abschluß der Arbeiten vor den griechischen Ostertagen > teilte der Kaiser an die Arbeiter Geld aus und die Prinzessin Viktoria Luise überreichte jedem Arbeiter ein Osterei. Der König der Hellenen hat dem Kaiser das Ausgrabungsrecht zu der Ausgrabung des Tempels überlasten. Zur heutigen Abendtafel auf dem Achilleion sind geladen: Der griechische Minister des Aeußevn Eryparis, der Präfekt Daratario, Gesandter Freiherr von Wangenheim nebst Frau und Tochter, Attachsleutnant Dülberg und Profestor Dor- pfeld. — Achilleion, 20. April. Nach Profestor Dorpfeld gehören die Funde in Earitza zu der nach Westen orientierten Rückfront des großen ca. 60 Meter langen Tempels, der schon im Altertum eingestürzt zu sein scheint. Die Rückfront scheint sechs bis acht Säulen aufgewiesen zu haben, darüber den üblichen Balkon sowie einen Triglyphen-Eiebel. Zahlreiche Stücke eines marmornen Giebels wurden nebeneinander liegend gefunden. Ein Hochrelief des Giebels zeigt in der Mitte eine riesige Gorgo in Knielaufstellung nach links, mit einem Manne kämpfend, rechts von ihr ein Pferd, dann zu beiden Seiten syme- trisch je einen großen Löwen, endlich in der rechten Eiebelecke einen gefallenen Mann. Die Haupt- oder Ostfront des Tempels muß bei dem Frauenkloster Theodorei gestanden haben, wo weitere noch bedeutendere Funde erwartet werden.
— Lom Kaiser. London, 20. April. Wie verlautet wird das deutsche Kaiserpaar in Begleitung der Prinzessin Viktoria Luise, vielleicht auch des Prinzen Joachim, am 15. Mai in Port Victoria eintreffen und im Buckingham-Palast in London Wohnung nehmen. An der Reise nimmt kein Minister oder Staatssekretär teil, da ste lediglich familiären Charakter tragen soll. Die Rückreise ist auf den 20. Mai festgesetzt.
— Aus dem Staatsanzeiger. Berlin, 20. April. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht das Etatsgesetz für 1911, ferner eine Bekanntmachung des Kriegsministers, daß den Unteroffizieren und Mannschaften der Armee dienstlich verboten wird, Zivilpersonen, Handwerksmeistern der Truppen, militärischen Anstalten usw. Beihilfe zur Ausübung ihres Gewerbebetriebes zu leisten. Den Unterofsizieren und Mannschaften I _ 1
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indem fie zärtlich über den braunen Zopf des jungen Mädchens strich, „und denke an die neue Schürze, die mehr als einen Taler gekostet hat, und nicht an Herrn von Niendorf. Was will denn der Mensch hier?"
„Aber Christel, wie kannst Du nur von ihm als einem „Menschen“ reden!" Die Tränen der Kleinen waren wie weggewischt.
„Na, Mensch ist jeder," warf Christel geistreich ein; „sage mir nur, was er hier will."
„Du lieber Gott, Mama besuchen und ihr an» kündigen, daß Wolfgang kommt!"
„Misten wir alles schon," brummte Christel. „Depeschen find viel sicherer als so vornehme Boten," setzte fie mit einem forschenden Blick aus das glühende Gesichtchen Lotte's hinzu.
„Das konnte er doch nicht wissen, daß Wolfgang schon früher kommen kann," verteidigte Lotte tapfer ihren Schützling.
Ein Lächeln huschte verstohlen um den großen Mund der Dienerin, aber gleich daraus war sie wieder ernsthaft und brummig wie immer, als sie sagte:
„Marsch in die Stube, hier ist kein Platz für Dich."
„Laß mich doch noch ein bißchen bei Dir bleiben,“ schmeichelte die Kleine. „Sieh, in der Stube halte ich es nicht aus, da sitzt Mama mit Maria Magdalene und fie lesen ellenlange Verse aus dem Gesangbuch vor und führen so schrecklich erbauliche Gespräche, daß mir ganz übel wird beim Anhören, und von hier aus kann ich auch auf den Weg sehen, der nach dem Eosenhof führt, und ich kann Herrn von Niendorf, wenn er kommt, gleich entgegenlaufen."
„Herr des Himmels!" Die Alte rang die Hände. „Kind, was fällt Dir ein! Weißt Du denn nicht, daß sich das nicht für Dich schickt, Du bist ja jetzt eine erwachsene junge Dame!"
Die „Obrrliesiischk Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 JL (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei in» Hau». (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion ietnerlet Verantwortung.) Druck der Unkv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Die Lage in Marokko
Ist noch Immer der Gegenstand vieler Alarmnach- »ichten.
Das „Paris Journal" bringt aus Tanger vom 19. April abends die Meldung, daß in Fez ein Aufstand der sultansfeindlichen Bewohner gegen diesen und die dort ansässigen Europäer ausgebrochen sein soll. Die Stadt sei geplündert. Eine Bestätigung her Nachricht fehlt.
London, 20. April. Der,Daily Telegraph" bringt ein Telegramm aus Tanger vom 19. April 11 Uhr abends, wonach aus Rabat eine drahtlose Meldung eingetroffen ist, daß Fez von den Aufständischen erobert worden sei. Alle Einzelheiten darüber fehlen. Die Nachricht hat bisher noch keine Bestätigung erhalten.
Auf diese und ähnliche Nachrichten scheint die fran- zösische Regierung sich bet ihren militärischen Maßnahmen zu stützen, über die aus Paris offiziös gemeldet wird, daß die aus der Schauja nach Fez zu entsendende Harka an 2000 Mann zählen und einen Cadre von algerischen und französtschen Instrukteuren, sowie mehrere Artillerie-Abteilungen erhalten werde. Was die Verstärkung der Militärposten am rechten Mulujaufer anlange, so habe die Regierung dem General Toutä freigestellt, über die sämtliche i Mannschafisl stände seiner Division zu verfügen, um die Sicherheit des Grenzgebietes zu gewährleisten. Es scheint, daß die Regierung vorläufig sich darauf beschränken wolle, durch die Truppenansammlung auf dem rechten Mulujaufer, welche durch die im Algecirasoertrag anerkannten französisch-marokkanischen Abkommen von 1901 und 1902 gerechtfertigt sei, die aufrührerischen Stämme von Fez abzulenken. — Der „Temps" bemerkt hierzu: Man mäste sich ragen, ob dies genügen werde, um die Sicherheit des Oberstleutnants Mangin und feiner Streitkräfte zu verbürgen, falls ihm die Munition ausgehen solle.
Weiter wird gemeldet:
. Tanger, 20. April. Nach den letzten Nachrichten operiert Major Bremond mit der Mahalla etwa 40 Kilometer nördlich von Fez. Hauptmann Moreau, augenblicklich in Elksar, organisiert auf dem linken Ufer des Lukkos Verpflegungskosten für die Truppen Bremonds.
Auch Spanien beteiligt sich:
Madrid, 20. April. 3ei einem Empfange der Pressevertreter kam Ministerpräsident Canalejas auf die Möglichkeit der Entsendung einer Truppenabteilung nach Fez zu sprechen, wo die Lage augenblicklich äußerst bedrohlich sei und erklärte, Spanien werde sich an keiner Aktion beteiligen, aber es sei natürlich, daß Spanien Vorsorge treffe für etwaige Rückwirkungen, die die Ereigniste ausüben können. Bei Melilla und Ceuta herrsche Ruhe. Die dort zu- Zeit stattfindende Truppenbewegung bezwecke lediglich, die Ruhe unbedingt aufrechtzuerhalten, die spanische Truppenabteilung verließe dabei die spanisch! Einflu^one nicht.
(Nachdruck r—’ten.) Heidezanber.
Roman von A n n y Wo t he.
(Fortsetzung.)
„Es ist zu abscheulich," platzte ste heraus. „Kannst Du Dir so was denken, Christel? Ich fand den Frühstückstisch so kahl und nüchtern — es stand alles wie immer, in schnurgerader Richtung, und alles sah so langweilig zum Sterben aus, und ich dachte, wenn Herr von Niendorf käme, müßte es doch ein bischen freundlicher aussehen als gewöhnlich, nicht wahr?"
„Hm, hm," brummte Christel.
„Und da lief ich denn hinaus und holte ein paar Weinblätter und legte fie in einem Kranz um die Butter- und Aufschnitteller, und die frischen Eier legte ich auf zartgrünes Moos und steckte die Erika- blüten dazwischen. Einen großen Strauß Erika stellte ich mitten auf den großen Tisch, und zuletzt legte ich die Servietten fein zierlich zusammen — sie lagen ja da, als wollten fie einschlafen — weißt Du, ich habe es in dem großen Kochbuch, das Du mir Weihnachten geschenkt hast, so gelesen — und in die Serviette des Herrn von Niendorf steckte ich ein Heidesträußlein und —"
„Und?“ fragte Christel und blickte mit ihren hellen, blauen Augen erwartungsvoll auf das nur mühsam ein Schluchzen unterdrückende Kind.
„Maria Magdalene riß den ganzen Firlefanz, wie Re es nannte, wieder herunter, und sagte mir, daß sie keine Lust hätte, sich lächerlich zu machen. — ach, »nd ich habe es mir doch so schön gedacht!“
Lotte meinte jetzt ganz vernehmlich tn ihre neue, sihwarzseidene Achselschürze, die sie über dem verwaschenen Kattunkleid trug.
k „Laß gut sein und heute nicht,“ polterte die Alte,
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschastliche Beilage.
I sittlichen Kräfte und durch Weckung und Förderung eines edlen Eemeinfinns; finanzielle Leistungen stehen dem gegenüber erst in zweiter Linie. Der Wohlfahrtspflege liegt febe schablonenhafte Nachahmung fern. Jede Wohlfahrtseinrichtung muß in den vorhandenen örtlichen Verhältnisien begründet und ihnen angepaßt fein. Sie muß in der heimatlichen Art wurzeln. Rechte Wohlfahrtspflege ist zugleich Heimats- Pflege. Die Wohlfahrtspflege ist eine Erziehungsarbeit zur Hebung der Kultur des Landvolkes und hat deshalb für die Landschulen und ihre Lehrer eine besonders große Bedeutung. Den Landlehrern wird im Interesse ihrer Schulen, aber auch ihres Standes dringend empfohlen. die ländliche Wohlfahrtspflege zu fördern. Das kann geschehen: durch heimatlich-anschauliche Ausgestaltung des gesamten Volksschul- unterrichts, durch Förderung aller Bestrebungen, die auf eine gesunde Jugendpflege gerichtet sind und durch Teilnahme an der Wohlfahrtsarbeit in der Schulgemeinde." Nach kurzer Debatte wurden diese Leitsätze angenommen. — Bürgermeister Foege (Kolmar i. P.) erörterte dann die Berührung der Bestrebungen des Neuen Preußischen Lehrervereins mit den Interessen der Kleinstädte. Der Redner forderte zur Mitarbeit an der ideellen Kulturpflege auf, die allerdings nur auf einer gesund und gerecht fundierten materiellen Grundlage gedeihen könne. An letzter Stelle sprach Hauptlehrer Krug-Bilzlingsleben allgemein über „Lehrerbildung". Die Versammlung nahm hierzu folgende Thesen an: 1. Allen Bolksschullehrern ist mit ihrem Abgänge vom Seminar das Recht zu gewähren, ihren Bildungsgang durch das rlniversitätsstudium zu vervollständigen. 2. Das Seminar ist so einzurichten, daß es den übrigen höheren Lehranstalten als gleichwertig zur Seite steht. 3. Präparandenanstalt und Seminar find zu einem sechs- oder siebenstufigen Seminar zu vereinigen. 4. Die bestandene Abgangsprüfung vom Seminar berechtigt zum Eintritt in das Dolksfchulamt, zur späteren Ernennung zum Hauptlehrer oder Rettor. 5. Kreisschulinspektoren und Seminarlehrer sind möglichst aus den Reihen derjenigen Volksschullehrer zu entnehmen, welche die Universität besucht haben." Der Redner wandte sich unter anderem gegen die Mittelschullebrerprü-. fang, die der Volksschule viele gute Kräfte entziehe. Für das Amt eines Aufsichtsmannes ober Rektors seien nicht Prüfungen maßgebend, sondern die pädagogische Befähigung. Allerdings müffe das Recht der Ernennung solcher Persönlichkeiten allein der Behörde zustehen. Wenn die Jugenderziehung reformiert werden solle, müsse auch die Bildung der Lehrer großzügiger gestaltet werden. In der Debatte kamen auch gegenteilige Meinungen zum Ausdruck. Es wurde daher beschlossen, dasselbe Tbema noch einmal auf der nächsten Hauptversammlung zur
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