mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
Jts. 93
Die „Lberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <Ä (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins Haus. (Für untier« langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: | Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Freitag, 2L April
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46. Jahrg.
1911.
Republikanische Freuden.
Wir spotten mit Recht über die geographische Unkenntnis der Franzosen, die Pommern für eine Gegend am Eismeere und die Ulanen für einen wilden Volksstamm halten. Wir selber aber leiden unter einer grenzenlosen Unkenntnis. der politischen Zustände des Auslandes, die wir manchmal für ideal im Gegensätze zu den heimischen erklären.
Es ist schade, daß vorerst nur der Professorenaustausch zwischen uns und den Nordamerikanern, der Schüleraustausch zwischen uns und den Franzosen organisiert ist. Wir müßten auch einen Arbeiteraustausch haben, dann würden solche merkwürdigen Urteile über den Genuß einer republikanischen Regierung sehr bald aufhören.
lieber Ostern hatte man gerade wieder in Frankreich alle Hände voll mit der Berichterstat- kung über Skandale zu tun, die das republikanische Regime auf dem Gewissen hat. Hohe Regierungsbeamte und der erste Leitartikler des offiziösen „Temps" sind hineinverwickelt. Und während in Paris die weißesten Westen plötzlich Schmutzflecken aufweisen, kämpfen draußen in der Champagne die Weinbauern mit der „Soldateska", die den Befehl hat, unter allen Umständen die unzufriedenen Rebellen niederzuschlagen, koste es auch noch so viel Bürgerblut. Die Dragoner in Ay reiten ganz andere Attacken aus die Volksmenge, als die Schutzleute in Moabit) die Brüderlichkeit im Wappenspruch der Republik ist reichlich derbe.
Roch hat man in Frankreich kaum die Duez- fkandale verdaut, bei denen es sich herausstellte, daß der Staat um viele Millionen betrogen worden war. Dann hatten wir die Affäre Marix — der Hauptmann Marx hat seinem Namen ein „t" eingefügt, damit er französischer aussähe —, eine Affäre, in der es sich herausstellte, daß dieser geschäftstüchtige Offizier Begnadigungen und Beförderungen verkaufte, für die er die Unterschriften der höchsten Autoritäten herausschmuggelte. Gleich darauf kam der Fall Maimon in die Presse) dieser Händler mit Ee- heimakten hatte seine Lieferanten im Auswärtigen Amt und seine Helfershelfer in der „anständigsten" Presse. Und zuguterletzt hat man noch einen Wirklichen Geheimen Rat verhaftet, der im Ministerium Hunderttausende unterschlug.
Die einzige Parole in einer modernen Republik lautet eben: Enrichez vous, macht Geld! Der vielgewandte Herr DelcassS ist so zum Millionär geworden. Zeder Minister, jeder Abgeordnete, ja jeder Vetter dritten Grades der Tante eines Abgeordneten drängt an die große Krippe, und niemand kann es verhindern.
Man schreibt in Frankreich, die deutsche Presse sei von der „Wilhelmstraße" abhängig,
6 (Raibdruck v-rboien.)
Heidezauber.
Roman von Anny Woth«.
(Fortfetzung.)
Am anderen Morgen fegte der Sturm über die Heide, und dunkel und regenschwer hingen die Wolken hernieder. In der Pastorei aber war eitel Sonnenschein, denn gestern am späten Abend war noch eine Depesche gekommen, welche die Nachricht brachte, daß Wolfgang, der einzige Sohn der Pastorin, der länger als ein Jahr als Begleiter des Erbprinzen Georg Wilhelm auf Reisen gewesen war, endlich heimkehren werde. Die Pastorin, eine hohe, ernste Frauengestalt mit großen, blauen Augen und leicht ergrautem Haar, das ein zierliches, schwarzes Spitzenhäubchen vorher umkleidete, empfand die Rückkehr ihres Sohnes wie einen Segen des Himmels. Nur noch wenige Wochen, dann war die Frist verstrichen, die ihr nach dem vor etwa Jahresfrist erfolgten Tode ihres Mannes blieb. Sie mußte, um dem neuen Pastor Platz zu machen, die Pastorei verlassen, und, obwohl in dem Heidedorfe ein hübsches Witwenhaus war, dachte fte doch keinen Augenblick daran, in der Heide zu bleiben.
Ihr Sohn, noch nicht dreißig Jahre alt, dem es In Folge seiner außergewöhnlichen Kenntnisse gelungen war, in der Residenz eine Professur zu erlangen und Reisebegleiter des Erbprinzen zu werden, der sollte, ihr helfen, auch ihr Leben angenehm zu gestalten.
Länger als dreißig Jahre hatte die Pastorin in ,der öden Heide gelebt, und sie sehnte sich mehr als sie sich selbst eingestehen mochte, nach der Welt zurück.
Frau Pastor Rieckmann war geistig Line unbe- i deutende Frau, obwohl ihr Gesichtskreis in vielen *
obwohl sie es nicht ist; in Paris aber werden die Redakteure des „Temps" und anderer Blätter direkt von der Regierung unterstützt, indem man ihnen nebenamtlich das Gehalt für Posten im Ministerium auszahlt, die überhaupt nicht existieren. Es ist ein Riesensumpf von Eeld- macherei, Schmierung und „Beteiligung" in allen Formen, und mitunter ist der halbe Text der Zeitungen von — Bankhäusern „gepachtet".
Rein, da „seufzen" wir lieber unter dem „Absolutismus" in Deutschland, der eine derartige Korruption in Regierungskreisen, in der Armee, im Parlament, in der Presse nicht kennt. Und dabei kommen wir vorwärts, und der Durchschnitt der Lebenshaltung hebt sich bei uns in fast allen Ständen. Die republikanischen Freuden beschränken sich auf — die Firma der Republik.
Politische Umschau.
Die Ordensschwindler in Frankreich.
Paris, 19. April. Die Untersuchung der Angelegenheit des Ordensschwindels ergab, daß einige Sekretäre von Deputierten sich der Namen dieser bedienten, um Auszeichnungen für andere zu erhalten. Mehrere teilten mit Valenst die Summen, die von den Bewerbern gezahlt wurden. Valenst bediente sich gleichfalls der Namen gewisser Deputierter, um Diplome des tunesischen Ordens „Nisham Zftikhar" zu erlangen, die er nach Bedarf weiter verkaufte. Sein Mitschuldiger Clementi lieferte ihm gefälschte Diplome für 2000 bis 5000 Francs. Zm Verlaufe der Untersuchung erklärte der verhaftete Leiter der „Diplomatischen Revue", Meulemans, er habe auf die Aufforderung zahlreicher Personen, insbesondere zweier Fremden aus Holland und der Direktoren eines deutschen Provinztheaters, welche Auszeichnungen zu erhalten wünschten, mit Valensi darüber gesprochen, mit dem er in engen Beziehungen gestanden habe. Valenst versprach, seinen Einfluß geltend zu machen und übergab ihm einige Tage darauf zwei Diplome, in denen die beiden Holländer zu Offizieren der Akademie ernannt wurden. Meulemans beteuerte seinen guten Glauben) er habe nicht vermutet, daß die Diplome gefälscht oder gestohlen sein könnten. Meulemans steht insbesondere im Verdacht, dem Altonaer Theaterdirektor Prinz ein falsches Diplom der „Akademischen Palmen" verkauft zu haben. Meulemans, gegen den die Beschuldigung des Betrugs, der Fälschung und der Gebrauch gefälschter Urkunden erhoben wird, beteuert energisch seine Unschuld. Bei der in seiner Wohnung vorgenommenen Durchsuchung wurden zahlreiche Schriftstücke gefunden, durch die angeblich auch noch andere bekannte Persönlichkeiten arg bloßgestellt werden. Es heißt, man müsse sich auf mancherlei lleberraschungen gefaßt wachen.
Dingen ein beschränkter war und sie sozusagen über viele Dinge nicht hinouskam. Zu diesen gehörte auch die fixe Idee daß ihr Sohn ohne ihr Gängelband untergehen müsse im Gewühle des Leb.ns. Und darum wollte sie mit in die Residenz. Das Jahr, das er fern von ihr, auf Reisen zugebracht, hatte ihr tausend Schmerzen verursacht. Er hatte zwar früher, während seiner Studienzeit, auch getrennt von ihr gelebt, aber er war doch zu den Ferien gekommen, oder sie war wochenlang in die Residenz gereist, um zu sehen, ob es ihrem Liebling an nichts fehle. Außerdem hatte sie stets einen regen Briefverkehr unterhalten. Es gab nichts, wie sie meinte, in ihres Sohnes Leben, das sie nicht kannte. Stets fragte er sie als die höchste Autorität um Rai, und sie hatte sich daran gewöhnt, über ihn zu bestimmen, nicht, als wäre er ein denkender Mensch, sondern ein Automat, der willenlos ihre Wünsche und Anordnungen erfüllte. So lange ihr Sohn als Freund des Erbprinzen bei Hofe verkehrte, verzehrte die Pastorin eine fast wahnsinnige Angst um ihren „Jungen", wie sie Wolfgang mit Vorliebe nannte, und ihr Entschluß, mit in die Residenz zu ziehen, um ihm in Stunden der Gefahr nahe zu sein, war unabänderlich.
In diesem Vorhaben wurde sie auf das Wirksamste durch ihre schon länger als zwanzig Jahre im Hause lebende Nichte Maria Magdalene bestärtt. Es war von jeher ein Herzenswunsch der Pastorin gewesen, in ihrer Nichte und Wolfgang dereinst ein Paar zu sehen. Sie hatte aus diesem Wunsch nie ein Hehl gemacht, und schon als Kinder hatten sich die beiden daran gewöhnt, sich als Brautpaar zu betrachten. Ob sie einander liebten, daran hatte die Pastorin nie gedacht, sie fand aber, daß Maria Magdalene eine vorzügliche Frau für ihren Wolfgang war. Keine ander« wie sie kannte so seine
Der Korrespondent des „Tag" meldet außerdem aus Paris: Gegen Meulemans laufen aus Deutschland, wo er offenbar zahlreiche harmlose Opfer gerupft hat, fortgesetzt neue Klagen ein. Bei der Verhaftung trug Meulemans selbst ein übermäßig großes Ordensabzeichen im Knopfloch, das aussah wie die Rosette eines Offiziers der Ehrenlegion. Der Untersuchungsrichter fragte ihn nach dem Diplom: „Das ist nicht die Ehrenlegion", erwiderte Meulemans, „das ist der portugiesische Christusorden. Ich bin Belgier, daher kann ich diese Auszeichnung tragen." Er erklärt, kein Geld für seine Gefälligkeiten erhalten zu haben, er habe Valensi für die beiden Diplome, die der deutsche Thcaterdirektor und der Konsul von Guatemala in Kopenhagen erhielten, nur eine Eisenbahnfreikarte verschafft. Erst durch die Weigerung des deutschen Kanzlers, das Diplom einzutragen, habe er erfahren, daß es gefälscht sei. — Die Liste der „Auszeichnungen", die die Schwindler zur Verfügung stellten, weist eine reiche Auswahl von „Orden", „Ehrenkreuzen" und „Diplomen" auf. An der Spitze steht das „Eold.e Kreuz von Italien (Wohltätigkeitsorden) des Internationalen Instituts Wohlfahrt und Frieden", dann kommt der „Ritterorden Johannes des Täufers von Spanien, die vornehmste Auszeichnung S. M. Alfons XII. von Spanien". Weiter figurieren auf der Liste das „Diplom als Ritter St. Sebastians und Wilhelms von Frankreich, der vornehmste Ritteriitel Karls VI. von Frankreich", ferner das „Diplom des Ordens vom goldenen Kreuz für Verdienste um Landwirtschaft und Literatur", das „Diplom der Palmen der französischen Akademie für Fortschritt", das „Diplom des Goldenen Kreuzes für große Verdienste um Industrie und Landwirtschaft" usw. Zum Schluß kommt noch etwas Wunderschönes: das „Diplom der Parthenopäischen Akademie für Verdienste um Landwirtschaft, Handel und Industrie, verbunden mit der Ernennung zum Mit- gliede dieser Akademie."
Tschechen-Anmaßung in Deutsch-Südwestafrika.
Alle, die das Wort „Monopol" nicht hören mögen, begrüßten es seinerzeit, daß die Eisen- bahnbau- und Betriebsgesellschaft Lentz u. Co. in Südwestafrika eine Konkurrenz bekam. Der Umbau der Staatsbahnstrecke Karibib—Windhuk und der Neubau der Teilstrecke der Nord- Südbahn Windhuk — Nehoboth wurde dem Eisenbahnkonsortium Vachstein u. Koppel übertragen; die Kosten dafür fallen ebenso wie die Vergrößerung des Reichsvorschusses der Kolonie zur Last. Freunde der Besiedelung Südwestafrikas erhofften von diesem Bahnbau, daß noch mehr Deutsche als Handwerker und Arbeiter ins Land kommen, sich dort niederlassen würden. Dem nationalen Gesichtspunkte aber hat die Firma nicht nur nicht Rechnung getragen, sondern ihm, nach zwischenzeitlich hierher^gelangten
Gewohnheiten, wußte so, was seinem nach ihrer Meinung schwächlichen Körper gut tat, trotzdem er eine blühende Erscheinung und niemals krank gewesen war. Maria Magdalene allein würde ihn in ihrem Sinne behandeln, so daß sie später ruhig ihr schweres, verantwortliches Amt, den großen Sohn zu pflegen, in die jungen Hände legen konnte.
Maria Magdalene hatte es von Kindheit an — zahlte fünfundzwanzig Jahre — verstanden, Wolfgang zu behandeln, als gehörte er ihr, und das war der Pastorin ein Trost. Das junge Mädchen war es auch, dis zuerst den Gedanken bei ihr geweckt hatte, mit in die Residenz zu ziehen, nur hatte sie ihr nicht gesagt, daß sie fürchtete, Wolfgang könnte dort sein Herz an eine andere verlieren, ein Gedanke, der dem jungen Mädchen nur zu oft kam, wenn es bemerkte, wie ruhig, brüderlich, fteundlich er mit ihr bei seinen Besuchen verkehrte.
Maria Magdalene war das einzige Kind einer Jugendfreundin der Pastorin. Die Eltern des Mädchens waren gestorben, als das Kind kaum fünf Jahre alt war, und Pastors hatten sie gleichsam als eigenes Kind, trotzdem keinerlei Verwandtschaft zwischen ihnen bestanden, bei sich ausgenommen, und die Kinder wußten es nicht anders, als daß sie Cousin und Cousine waren.
Ein Grund war es noch, der Frau Pastor Rieckmann besttmmte, nach der Residenz zu ziehen. Lottes Erziehung machte ihr viel Sorge Das Kind, das bis zum Tode des Pastors nur von dem eigenen Vater unterrichtet wurde, das gern und schnell gelernt hatte, war wie ausgewechselt. Bücher waren ihr verhaßt, und weder Schelte noch Strafe konnten sie zum Lernen bringen. Sie lief Tag für Tag, bei jedem Wetter über die Heide, dort war sie ju Hause, dort lebte und atmete sie. und wenn sie ob des sonderbaren Gebührens die Leute tm Dorfe nur noch
Meldungen, direkt ins Gesicht geschlagen. So klagen die deutschen Angestellten der Firma, daß Tschechen, die nur Techniker sind, deutsch« Diplomingenieure unterstellt worden find uni daß diese tschechischen Beamten Deutschen gegenüber Ausdrücke gebrauchten, die ebenso frech, roi< für jeden aufrechten Deutschen herausfordernd' waren. Ein gewisser Cizek soll von „deutschen Schweinen" gesprochen und einem Mann mit Hochschulbildung gedroht haben, er werde sein« Kroaten beauftragen, ihn zu erschießen. (!!) Daß die beiden mit 20 000 M besoldeten Obertschechen in unserer gut deutschen Kolonie in dieser Weise ihrem Deutschenhaß die Zügel schießen lassen dürfen, als waren sie bei sich zuhause, ist einfach unerhört. Einigermaßen begreift man das Engagement der tüchtigen Wenzelsöhne, wenn man sich vergegenwärtigt, daß dieselbe Firma in „Groß-Tschechien" (also in Böhmen) ebenfalls Bahnen baut und darum die Gunst dieser angenehmen Ausländer sich nicht verscherzen möchte, weshalb sie auch Scharen tschechischer und kroatischer Arbeiter angeworben hat. Bei den Lohnstreitigkeiten, die die Firma mit ihren deutschen Angestellten bekommen hat, log das moralische Recht jedenfalls auf Seite der 1 jteren. Das Reichskolonialamt wird den Din- ;\ streng nachzuspüren und event. dafür zu sor- b. :i haben, daß einer Gesellschaft, die so wenig nationales Verantwortungsgefühl besitzt, die Ehre nicht wieder zuteil wird, im Namen des Deutschen Reiches da draußen Kulturarbeit zu i.icn"(fiten mit der Beimischung einer obligaten Dcutschenhetze durch von deutschem Eelde bezahlte Tschechen.
Die Lage in Marokko.
Paris, 19. April. Die Regierung wurde gestern Abend vom französischen Konsul in Fez verständigt, der Sultan habe den Wunsch ausgesprochen, die Harka des Schaujagebietes möchte unter dem Befehl des Kalifen von Casablanca El Mrami mit den von den Dukkala und den Beni Meskin gebildeten Kontingenten sich nach Rabat und dem Charbgebiet begeben. Die Regierung befahl dem General Moinier, unverzüglich der schleunigen Verwirklichung der Wünsche Muley Hafids seine Unterstützung zuteil werden zu lassen. — Zu der Meldung des französischen Konsuls Gaillard, wonach Fez blockiert ist und der Sultan Muley Hafid um die Entsendung bei Harka des Schaujagebietes nachgesucht hätte, wird in einer anscheinend offiziösen Zeitungs- note bemerkt: Für den Augenblick soll dieser Marsch nur von den französischen Streitkräften unterstützt würden. Die Annahme, daß ein Marsch französischer Truppen nach Fez bevorstehe, ist zum mindesten verfrüht, denn die französische Regierung hat die Absicht, zunächst den Sultan alle Versuche mit den Eingeborenen-Hilfskräften erschöpfen zu lassen, bevor sie zu einem Demonstrationsmarsch nach Fez ihre Zuflucht nimmt.
„Heidelotte" nannten, dann lachte sie das maien- frische Lachen, das Ullrich von Niendorf auf der Heide so bezaubert hatte, und lief singend über die Heide, oft mit den „Nägelbeschlagenen" oder auch mit den bloßen Füßen, zum Kummer der Pastorin und zum Entsetzen Maria Magdalenes.
Die beiden wußten nicht, daß es der ganze Trotz des Kindes war, der sich aufbäumte, weil es fort sollte von der geliebten Heide. Es war tägllch ein Ringen und Kämpfen in dem jungen Herzen, das vielleicht niemand verstand als vielleicht Elinor, das junge Erafenkind: aber Charlotte mochte auch die Freundin nicht quälen, weil sie, obgleich drei Jahre jünger als die Komtesse, mit feinem Takt fand, daß Elinor selbst nicht ruhig im eigenen Herzen war.
Eine hatte aber doch Verständnis für die Heidelotte, aber es war nur eine ganz ungebildete Person. Das war die Christel, die alte Hausmagd, dieselbe, an welche Elinor gestern so freundlich in ihren Erinnerungen gedacht. Christel verstand ihre Heine Lotte, aber sie verstand es in ihrer groben Weise nicht so zu sagen, wie sie gern mochte, und darum polterte sie dann doppelt, wenn Lotte zu ihr in die Küche kam.
Das war heute schon am frühen Morgen geschehen.
„Soll ich Dir helfen, Christel?" fragte Lott« freundlich.
„Ist nicht nötig,“ brummte die Alte, „steh lieber mal in die Stube, ob der Frühstückstisch fertig ist.“ Eine ttotzige Falte legte sich um den kleinen roten Mund, und das niedliche Händchen bMte sich gu einer allerliebsten Faust.
(Fortsetzung folgt.)