Einzelbild herunterladen
 

McrMch Leitung

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

'M 82

TieCücibcififdjt Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der L-onn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei inS Haus. (Für unver. langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: | Dr. Hihcroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 6. April

Ter Änzelgenprers betragt für Cie 7geipalteite Zeile ober deren Raum 15 j., bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Berbinmich- keit für Platz«, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 deS Postscheckamtes Frankfurt a. M.

46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Türkische Lebensfragen.

Der jungen Türkei wird es schwer, sich zum aner­kannten H«rn im eigenen Hause zu machen. Eine aufständische Bewegung löst die andere ab. Kaum war der große albanische Aufstand niedergeworfen, »a schlugen die Flammen der Bewegung in Pemen hoch empor, und jetzt, wo die türkischen Truppen km arabischen Sande un er denkbar schwierigen Ber- hältniffen marschieren und kämpfen, scheint in Nord­albanien der Aufruhr wieder zu beginnen. Die junge Türkei steht vor ganz auherordentlich schweren Aufi^ben. Es ist ihr wohl - tch schon geraten wor- dei , Re zentrifugalen Teile des türkischen Reiches in toten einfach aufzngeben, wenn sie nicht mehr zu halten wären, sich dagegen auf die Erhaltung de? europäitöen Teils der Türkei zu beschränken und diesen jmnn umso fester zu konsolidieren. Das mag ein letztes Auskunftsmittel sein, aber vor der Hard kann man es der türkischen Regierung nicht ver­denken. wenn sie alle Kräfte anspannt, fth Arabien zu erhalten. Wären die dort wohnenden Stamme erst einmal vom türkischen Reiche abgesprengt, so wäre beinah rm Tage darauf Arabien zur englischen Provinz geworden. Das aber kann, ganz abgesehen von der Türkei, kein einziger europäischer Staat wünschen, während es für die Türkei selb',, doch nicht viel weniger als eine staatliche Lebensfrage be­deutet. Soweit Nachrichten vorhanden sind, ver­laufen die Kämpfe in Nemen zwar schwer, aber hodj erfolgreich, und wir halten für sehr möglich, daß, wenn nach endgültig erfochtenem Siege über die aufständischen arabischen Stämme die türkische Re­gierung eine Politik der Versöhnung walten läßt, die den nationalen Eiaentümlichketten der Araber Rechnung trägt, sie aber andererseits fest an der Leine hält, daß dann nicht nur ein Zustand vorübergehender Rübe cintreten kann, sondern auch ein allmähliches Zusammenwachsen Aradiens mit den türkischen Reiche zum mindesten beginnen wird. Freilich, die Engländer dürften nach wie vor alles tun. um ein solches Ergebnis zu verhindern, denn ste hoffen nach wie vor, einmal durch die Besitz­nahme Arabiens die politisch und militärisch ge­sicherte Landverbindung zwischen Aegypten und I-dien Herstellen zu können. Dieser große Plan ist schon garnicht mehr neuen Ursprungs.

Auch in Macedonien will eine wirkliibe Ruhe nicht kommen und auch da sind die englischen Um- trie e und das englische Eold wirksam. Sehr wahr­scheinlich ist das auch in Albanien der Fall. Es lre^t Eroßbritanien immer daran, die Türkei zu schwächen und zu zersetzen, wenn ste sich nicht ganz in d.e Hände der englischen Politik begibt, was ja auch früher schon -G itweise der Fall gewesen ist. Heute ist allerdings kaum mehr anzunehmen, daß die Türkei Sehnsucht hätte nach den Fleischtöpfen Albions: diese Speise ist ihr immer schlecht genug bekommen. Wir in Deutschland muffen hoffen, daß di- Türkei möglichst bald der großen Schwierigkeiten im Inneren Herr r-rde, denn Deutschland hat ein besonderes Jntereffe an einer nach innen und nach außen starken Türkei.

Politische Umschau.

Die Wahrheit über Eietzen.

Eine lustige Geschichte von der fixen Bericht­erstattung eines siegesgewissen Blattes macht z. Zt. die Runde durch die Presse, die wir unfern Lesern doch auch nicht vorenthalten wollen. In der Nummer vom 23. März (am 21. war die Wahl in Gießen) desOberschlefischen Tageblat­tes" las man nämlich:

Nun ist die Hochburg des hessischen Anti­semitismus gefallen. Alle freiheitlichen Par­teien des Kreises haben sich geeinigt, um ihm das Mandat zu entreißen. Wenn das in Eießen- Nidda geschehen konnte, wie mags bei den kom­menden Wahlen in den anderen antisemitischen Kreisen werden, die vielfach nur durch kühne Handstreiche vorübergehend gewonnen sind?

Der Sozialdemokrat hat mit liberaler Hilfe gesiegt. Das ist unbestreitbar. Denn jedes po­litische Kind weiß, daß die Genossen immer in der Hauptwahl ihre Wähler restlos an die Urne zu bringen verstehen, so daß sie bei den Stich­wahlen meist gar keinen Zuwachs, nicht selten sogar einen Stimmenrückgang zu verzeichnen haben. . . In Gießen haben die Fortschrittler und ein Teil der Nationalliberalen für den 53. Sozialdemokraten des Reichstages, den Kranken­kassenkontrolleur Beckmann gestimmt. Die Fort­schrittler haben es ohne Zögern und Bedenken getan,' die Nationalliberalen nach manchem Schwanken und trotz gegenteiliger Stichwahl- « ipatole ihres Wahlkomitees. Der Unwille gegen I

den schwarzblauen Block im allgemeinen und den antisemitischen Zuwachs im besonderen war stärker als alle parteipolitische Abneigung gegen die Sozialdemokratie. Ein Mene Tekel für die kommenden Wahlkämpfe!"

Ein paar Tage haben die guten Kattowitzer nun glauben dürfen, daß die fftReaktion" völlig zerschmettert sei! Ein Zeichen für die kommenden Wahlen und der Verworfenheit des schwarzblauen Blocks. Die parteipolitische Phrase feiert doch immer wieder die nettesten Triumphe.

Deutsches Reich-

Das Kronprinzenpaar in Italien. Brin­disi, 4. April. Das Kronprinzenpaar ist heute Nachmittag 4 Uhr an Bord derHohenzollern" eingetroffen, begrüßt vom Salut der Panzer­kreuzerPisa",Amalfi" undSan Giorgio" und dem Hurra der Mannschaften. Rom, 4. April. DasEiornale d'Ztalia" schreibt zu dem Besuch des Kronprinzen und der Kronprinzessin: Dies sei die vierte Generation des Kaiserhauses Hohenzollern, die das italienische Königshaus offiziell besuchte: Wilhelm I., Friedrich III., Wilhelm II. und der Kronprinz: jeder dieser Namen sei mit einem Moment des neuen Ita­lien verknüpft. Kaiser Wilhelm habe nicht nur dafür gesorgt, daß bei der Jubelfeier der Einheit Italiens Deutschland in weitestem Maße an den Festen in Rom, Turin und Florenz sich beteilige, sondern er habe auch gewollt, daß sein geliebter Sohn und die Kronprinzessin persönlich die' Wünsche des Kaisers für das Wohlergehen Ita­liens wiederholen, die schon in dem kürzlichen denkwürdigen Telegramm so beredt zum Aus­druck gelangt seien. Rom wisse, daß es keinen würdigeren und willkommeneren Dolmetscher der Gefühle Deutschlands und des Kaisers geben könne als den Kronprinzen und die Kronprin­zessin. Ihre herzliche Aufnahme in Rom werde beweisen, wie groß die wechselseitigen Sympa­thien beider Völker seien.

Ein Nachklang zum 90. Geburtstag des Prinzregenten. München, 4. April. Prinz Arthur von Großbritannien überreichte heute Nachmittag dem Prinzregenten den Hosenband­orden und ein Handschreiben des Königs von England, in dem dieser seine Glückwünsche zu des Prinzregenten 90. Geburtstag wiederholt. Hieran schloß sich eine Ealatafel zu 45 Gedecken, bei der der Prinzregent die Insignien des Or­dens trug. An der Tafel nahmen die hier wei­lenden Prinzen und Prinzessinnen des König­lichen Hauses, Prinz Ernst August von Braun­schweig, der sächsische Minister Vitzthum v. Eck-, stüdt, Ministerpräsident Frhr. v. Podewils, der englische Gesandte und der Ehrendienst teil. Der Prinzregent toastete auf den König von England und die Königliche Familie und Prinz Arthur darauf auf den Prinzregenten.

Lorraine Sportive. Metz, 4. April. Das Urteil im Prozeß Lorraine Sportive wurde heute Abend gegen 6 Uhr 20 Min. gesprochen. Es lautet gegen Samain wegen gemeinschaft­lichen Hausfriedensbruchs auf sechs Wochen Ge­fängnis, wegen Veranstaltung eines Konzertes ohne polizeiliche Erlaubnis auf 4 M Geldstrafe eventuell ein Tag Haft, gegen Sehl wegen ge­meinschaftlichen Hausfriedensbruchs auf vier Wochen Gefängnis, gegen Karl Marin und Lo- renzer wegen groben Unfugs auf eine Geldstrafe von je 80 M eventuell je 16 Tage Haft, gegen Tourneois, Ernst Marin und Bracchi wegen gro­ben Unfugs auf je 30 M Geldstrafe eventuell 6 Tage Haft, gegen Nicola wegen Aufruhrs auf 6 Monate Gefängnis, wegen groben Unfugs auf 30'M Geldstrafe eventuell 6 Tage Haft, gegen Schneider wegen Widerstands, Bedrohung und Bestechung auf 6 Monate Gefängnis: den beiden letzteren wurde die Untersuchungshaft angerech­net. In der Begründung führte das Gericht aus, daß die Veranstaltung als eine öffentliche anzusehen sei und daß gemeinschaftlicher Haus­friedensbruch vorliege.

Saatenstandsbericht vom 1. April 1911. Nach den bei der Preisberichtstelle des Deutschen Land­wirtschaftsrats Ende März eingelaufenen Berichten haben die Saaten unter den Einwirkungen des ziem­lich wechselvollen Winterwetters im allgemeinen nur wenig gelitten, wohl aber haben, wie dies zu er­warten war, Mäuse und S^ necken den Roggen- und Kleesraten zum Teil erheblichen Schaden zugefügt, so daß sich bei diesen Fruchtalten vielfach die Rot- wendigfeit größerer Umpflügungen herausstellt. In­

folge des trockenen Herbstwetters und der wegen des massenhaften Auftretens von Mäusen vielfach spät erfolgten Bestehung waren die Saaten ziemlich schwach in den Winter 'ekommen. In den Winter- monater behielt das Wetter indes überwiegend milden Charakter, und während der zeitweise, aber imt nur kurz auftretenden strengen Fröste waren die Saaten ausreichend geschützt. Jedenfalls haben sie unter Mangel an Schnee nirgends gelitten, wohl aber stellenweise Ladurch, daß der Sch..ee auf unge­frorenen Boden mt und, wo er zu lange liegen blieb, die Bildung von Schimmel begünstigte. Im übrigen sind aber eigentliche Winterschäden, wie ein­gangs erwähnt, nur in vereinzelten Fällen zu ver­zeichnen, wenigstens geht.aus den bei der Preis­berichtstelle eingelaufenen Berichten hervor, daß not­wendige llmvflügungen nur selten auf Aus­winterungen, vielmehr in der Hauptsache auf den Einfluß tierischer Schädlinge zurückzuführen sind. Einen wie großen Umfang ' er durch Mäuse und Schnecken angerichtete Schaden vielfach erreicht hat, geht daraus hervor, daß in manchen Gegenden, namentlich in West- und Süddeutschland, die Roggensaaten bis zu 50 Proz. umgepflügt werden mußten. Günstiger lauteten "ie Berichte im allge­meinen über die Weizensaaten.

Ausland.

** Frankreich. Paris, 4. April. Ein unter dem Vorsitz des Präsidenten Falliöres abgehal­tener Ministerrat setzte die Abreise des Präsi­denten nach Tunis auf den 15. April fest. Die italienische Regierung ließ die französische wissen, daß sie zur Begrüßung FaM-res Kriegs­schiffe nach Tunis entsenden werde: die italie­nische Regierung sei der Ansicht, daß dieser Höf­lichkeitsakt die Bande, welche die Franzosen und Italiener in Tunis verbänden, nur enger knüp­fen könne. Im weiteren Verlaufe des Mini­sterrats gab der Minister des Aeußern Cruppi eine ausführliche Darstellung der Lage in Ma­rokko, die Gegenstand einer längeren Erörterung bildete. Mehrfach wird behauptet, daß die von Minister Cruppi über die Lage in Marokko mitgeteilten Nachrichten sehr ernst lauteten. Liberti" will wissen, daß die Regierung glaube, gestützt auf die Ansichten des Gesandten Reg- nault, daß die aufständische Bewegung gegen­wärtig nicht gegen die Fremden, sondern gegen gewisse Kaids und deren Vorgehen gerichtet sei. Falls es dem Sultan gelinge, die Verhandlun­gen mit den aufrührerischen Stämmen zu einem guten Ende zu führen, würden die Vertreter Frankreichs sich bemühen, die Aktionsmittel des Sultans zu reorganisieren und namentlich die ihm laut dem französisch-marokkanischen Abkom­men vorbehaltene Umgestaltung der Streitkräfte vorzunehmen. Im Falle eines Erfolges des Aufstandes würden alle Maßnahmen zum Schutze der Fremden getroffen. Erst wenn Fez und die übrigen Städte des Innern von den Europäern geräumt wären, würde man ohne Furcht vor fremden-feindlichen Bewegungen eventuell ein direktes Einschreiten unternehmen können. Je­denfalls würde die französische Regierung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Autorität Muley Hafids unterstützen, und ihm die erforderlichen Eeldvorschüsse gewähren. Das Besatzungskorps des Schauiagebiets würde in seinem Wirkungskreis darüber wachen, daß die Stämme treu bleiben. Nötigenfalls würden auch französische Schiffe in den atlantischen Häfen Marokkos die Autorität Muley Hafids aufrecht erhalten. Die Mahalla des Obersten Mangin habe gegenwärtig die Aufgabe, die Verbindung zwischen Fez und Tanger zu sichern.

** Marokko. Tanger, 4. April. Meldungen aus Fez vom 29. März besagen, daß seit dem Tage vorher kein neues wichtiges Ereignis zu verzeichnen war. Regen machte militärische Operationen unmöglich. Die Beni Mter suchen andere Stämme auf ihre Seite zu ziehen. Es wird eine Zusammenkunft der Stämme östlich von Fez bei Hayana stattfinden. Die Umzinge­lung von Fez wird von den Beschlüssen abhän­gen, die daselbst gefaßt werden. Die Stadt ist ruhig.

* Die Pest auf Java. Haag, 4. April. Nach amtlichen Mitteilungen find auf Java von An­fang Februar bis 2. April 105 Erkrankungen an der Pest vorgekommen. Bon den Erkrankten sind 5 gestorben: 13 wurden geheilt. Am 2. April waren 13 Erkrankungen und 7 Todesfälle zu ver­zeichnen. Die Seuche ist auf die Bergdistrikte von Penangoengan und Karangle beschränkt.

** Chinesen in England. London, 4. April. In Birkenhead, einer vielfach von Chinesen be­

wohnten Stadt in der Grafschaft Chester, kam es in der Nacht zum Sonntag zu Rassenkämpfen, weil angeblich Chinesen englische Damen auf der Straße beleidigten. Eine Menge von ungefähr 2000 Personen überfiel das chinesische Vierth. Es kam zu einem blutigen Handgemenge. An den Chinesenhäusern wurde viel Schaden ange­richtet. Gestern wiederholten sich die Gewalt­taten.

** Millionenprozesse in Amerika. Hunts­ville (Alabama), 4. April. Vierundzwanzig Prozesse, wobei es sich um nahezu 214 Millionen Dollars handelt, wurden gegen die Louisville und Nashville Railread und 13 Prozesse mit einer Streitsumme von W2 Millionen Dollars gegen die Southern Railroad wegen angeblich gefälschter Ladescheine in Verbindung mit der Zahlungseinstellung der Firma Knight Pency & Co. angestrengt.

Marburg und Umgegend.

(Äadit'.'.rrf aller Criginalartltel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

Cberfjefi. Zig." neffaffet.)

Marburg, 5. April.

* Die Kontrollversammlungen für die Mann­schaften aus Marburg finden, wie wir auf Wunsch nochmals mitteilen, wie folgt statt: Es haben sich zu melden n) die Landwehrleute I. Aufgebots der Jahresklassen 1898 bis 1902, b) die Reservisten der Iahresklassen 1903 bis 1910, c) die zur Disposition der Trupventeile beur­laubten Mannschaften, d) die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften, e) sämtliche Ersatz-Reservisten der Jahresklassen 1898 bis 1910 und zwar wie folgt: In Marburg auf dem Kämpfrasen für die Mannschaften der Stadt Marburg am Freitag, den 7. April, vor­mittags 8 Uhr, für sämtliche Ersatz-Reservisten: Freitag, den 7. April, vormittags 10 Uhr, sämt­liche Landwehrleute I. Aufgebots: Freitag, den 7. April, nachmittags 4 Uhr, sämtliche Reservi­sten, sowie die oben unter e und d bezeichneten Mannschaften. Sonnabend, den 8. April, nach­mittags 4 Uhr, sämtliche Offizier-Aspiranten, Unterärzte, halbjährig gediente Sanitätsmann- - schäften, Unterapotheker und Militärapotheker.

* Die städtische Fachschule hatte für die bei­den ersten Tage dieser Woche eine Ausstellung der Schülerinnenleistungen veranstaltet. Beine Besuchen derselben geriet man zunächst in Ge­fahr, von der Fülle des Gebotenen etwas über­wältigt und daher verwirrt zu werden. Nach und nach aber entwickelte sich das Ganze zu schar­fen und übersichtlichen Einzeleindrücken: und mit besonderem Interesse verfolgte man dann an der Hand der ausgelegten Theoriehefte und praktischen Arbeiten den wohl durchdachten, kla­ren Lehrgang jedes Kursus und die erfreuliche, oft überraschende Entwicklung der einzelnen Schülerinnen. In dem Erdgeschoß konnte man rechts sehr sauber und glänzend gebügelte Wäsche, vom einfachsten Taschentuch bis zum schwierigsten Faltenhemd und umständlich ge­machten Kleid, bewundern. Links waren die Arbeiten ausgestellt, die das Ergebnis des Ma- schinennäh-, Zeichen- und Malkursus boten. Mit Ziernähten aller Art versehene Probeschürzen bewiesen die nötige Vorübung im Gebrauch der Maschine. Einfache und elegante Leibwäsche in jeder Form, alle nach Schnitten auf Grund des Körpermaßes angefertigt, interessierte ebenso wie Proben des Eedächtniszeichnens und Skizzie­rens. Die Skizze einer Mühle am Bach, eine Wasserlandschast in Oelmalerei und verschiedene schöne Aquarelle fielen besonders auf. Eine Treppe höher waren überzeugende Proben von dem ausgestellt, was eine fleißige Schülerin im Schneidern zu leisten vermag. Einfache Kinder- und Hauskleider zeigten den Anfang des Kön­nens, das immer sicherer und unternehmender wurde und sich schließlich zur Herstellung schwie­rigerer Blusen, eleganter Gesellschaftskleider und ganzer Kostüme steigerte. Farbe und Schnitt waren oft sehr geschmackvoll und die Verzierun­gen besonders farbige Holzperlen, Soutache und Lochstickerei wirkten eigenartig und ein- beitlich. Einzelne hübsch ausgesührte Knüpf­arbeiten spielten schon in das Gebiet des Kunst- gewerbes hinüber, dessen ganze Reichhaltigkeit sich im letzten Zimmer zeigte. Beim Eingang" fiel einem hier gleich die Darstellung eines Lehr­gangs zum Musterzeichnen auf, der, von den ein­fachsten geometrischen Figuren ausgehend, nach und nach zur Ausführung farbiger Muster für