. mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
M 79
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn-' und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <M, (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen unb 4>er Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Berantwortung.) . Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon. 55.
Marburg
' Sonnlag, 2. April
Der Anzeigenpreis beträgt für dre 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 j., bei auswärtigen Anzeigen 20 j., für Reklamen die Zeile 40 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Berbinolich- keit für Platz«, Tatenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postschcckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 beS Postscheckamtes Frankfurt a. M.
46. Jahrg
1911.
Erstes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Das Echo.
Die Rede des Reichskanzlers über Abrüstung mib Schiedsgerichte hat im Inland und Ausland ein lebhaftes Echo hervorgerufen. Treffend schreibt von der rechten Seite die „Rh.-Westf. Ztg.": „Der Reichskanzler hat in letzter Zeit nicht immer mit Geschick operiert. Da war es eine besondere Erquickung heute, den Ausfüh- rungeit des leitenden deutschen Staatsmannes zu lctufchen, die nicht nur bei uns im Lande, sondern auch weit über die deutschen Grenzen bei den fremden Nationen lebhaften Widerhall finden werden. Das war nicht mehr der zögernde, nach Worten suchende Minister, der die elsaß- lothringische Frage schwächlich zu verteidigen suchte, sondern — da es sich heute um des Deutschen Reiches Wehrkraft, feine Unabhängigkeit und Bewegungsfreiheit als Militärstaat ersten Ranges handelte — ein ruhiger, energischer, zielbewußter Mann, der, ebenso gemäßigt wie entschieden, alle utopistischen Pläne der Schiedsgerichtsfreunde und Neider der achtunggebietenden deutschen Armee und Marine ins Reich des Unerfüllbaren verwies/'
-Die „Baff. Ztg." meint abwiegelnd: „Ein wenig mehr Wärme für einen an sich doch begreiflichen Gedanken hätte vielleicht nicht geschadet. Auch in der Frage der Schiedsgerichte ist der leitende Staatsmann kühl bis ans Herz hinan. Wenn er es ist, braucht er dem Ausdruck zu geben? Wie sind gewiß, eigentlich meint es Herr Taft und meint es Sir Edward Erey auch nicht anders. Aber sie verstehen sich auf die diplomatische Redeweise."
Der „Vorwärts" greift in den unerschöpflichen Schatz seiner blühenden Phrasen: „Die Rede Bethmann-Hollwegs ist die stärkste Herausforderung des deutschen Proletariats, die nachdrücklichste Aufforderung zum Kampfe gegen dieses System. Herrn v. Bethmann schreckt die Steuernot des deutschen Volkes nicht. Die Herrschenden Deutschlands und die Völker des Auslandes sollen erkennen, daß der Kanzler gesprochen hat gegen den Willen und gegen die Ucber- zdugung des deutschen Volkes, das den Frieden wünscht und entschlossen ist, dem Wahnwitz, den heute Bethmann-Hollweg als letztes Wort deutscher Negierungsweisheit proklamiert hat, ein Ende zu machen. Wahrhaftig, es ist Zeit, daß die elende Schafsgeduld, von der heute Scheidemann sprach, endlich aufhöre, aufhöre, ehe es zu spät ist!"
Aus dem Auslande liegen folgende Meldun- genHor:
-«Wien, 31. März. Mehrere Blätter besprechen die Rede des Reichskanzlers. Das „Fremdenblatt" meint: „Die Rede war klar, sachlich und ohne Verbrämungen, der Reichskanzler bekannte sich dabei als Realpolitiker." — Die „Neue Freie Presse" schreibt: „Das also ist das Glaubensbekenntnis des deutschen Reichskanzlers) keine internationalen Schiedsgerichtsverträge, auch keine unbeschränkten Schiedsverträge zwischen den einzelnen Staaten, aber Detailverträge mit klaren, scharf abgegrenzten Bedingungen." Das Blatt hebt die Bereitwilligkeit Deutschlands hervor, sich mit England über die gegenseitigen Schiffsbauten zu verständigen und erklärt: „Es ist zweifellos, daß durch eine derartige Verständigung jenes Mißtrauen beseitigt werden muß, das bisher so viel Anlaß zu Reibungen gegeben hat. In dieser Verständigung liegt aber mehr, als die Beruhigung der öffentlichen Meinung; das ist ein Punkt, der nicht übersehen werden darf, wenn man die Worte des deutschen Reichskanzlers bewertet. Deutschland erleichterte in der Bagdadbahnfrage durch sein Entgegenkommen mit England eine Annäherung und sucht sich jetzt in der Angelegenheit der Flottenrüstungen Vertrauen und dadurch Maßhalttn zu verschaffen. In dieser versöhnlichen Politik liegt auch der Wert eines Vertrages und die Garantie des Friedens. Diese Garantie aber ist es, worauf es ankommt."
Part», 81. März. Der „Gaulois" schreibt: »Wir müssen der bedeutsamen Rede, die der ßttiHrkan-ler gestern über die Abrüstung hielt,
unsere vollste Aufmerksamkeit zuwenden. Der Reichskanzler erklärte, daß die Verwirklichung der Abrüstung jetzt weniger denn je möglich gewesen sei. Kraft sei die Bürgschaft des Friedens. Aus dieser Formel tönt das Echo jenes mittelalterlichen Wortes Bismarcks: Kraft geht vor Recht. Es ist keine Selbsttäuschung mehr möglich. Wir sind dem Reichskanzler für seine Erklärung sehr dankbar, denn unsere Pazifisten können — es wäre denn, daß sie zu Verrätern würden, die Frankreich an Deutschland ausliefern wollten — nicht mehr Pazifisten sein. Sie können uns nicht mehr mit dem Haager Tribunal, foppen; unser Tribunal, unser Bollwerk, unsere Sicherheit und unsere Existenz ist unsere Armee und Flotte."
London, 31. März. Der liberale „Daily Chronicle" schreibt: „Die Rede des deutschen Reichskanzlers ist wie ein kalter Wind. Er wird zahlreiche Mitglieder des Parlaments ernüchtert haben. Der Kanzler behauptet, daß die Idee des Präsidenten Taft ebensowenig durchzuführen ist, wie der Plan einer allgemeinen Abrüstung. Gewiß, ein Weltschiedsgericht ist ein Ideal, das niemals erreicht werden kann. Aber der Schiedsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und England ist ein praktischer Vorschlag. Auch eine allgemeine Abrüstung ist wohl schwer durchführbar."
Die konservative „Morningpost" schreibt: „Die Reichstagsdebatte verdient eine sorgfältige Betrachtung seitens der Optimisten, die sich etn- bilden, daß eine allgemeine Friedens-Aera nahe bevorstehe. Bethmann-Hollweg ist mit seiner männlichen Klarheit durch die unbestimmten Phrasen, die man gebraucht hat, um den Mangel klaren Denkens zu verhüllen, auf den Kern des Problems durchgedrungen. Er wies vollkommen berechtigt im Reichstag darauf hin, daß England in einer Konferenz für die Beschränkung der Rüstungen von vornherein die Bedingung aufstellen würde, daß es in jeder möglichen Kc nbi- nation von den Mächten eine überlegene Flotte erhalten müsse."
Politische Umschau.
Ei,aß-Lothringen.
Berlin, 31. März. Die Reichstagskommission für die elsaß-lothringischen Berfassungsgesetze beschloß heute über § 2 des Wahlgesetzes. Die Wahlberechtigung betr. den Besitz der Reichs- angehörigkeit wurde aufrecht erhalten entgegen den Anträgen, die die Staatsangehörigkeit vorschreiben wollten, ebenso das 25. Lebensjahr, der dreijährige Wohnsitz, jedoch nicht im Wahlkreis, sondern in Elsaß-Lothringen, für diejenigen Einwohner, die in Elsaß-Lothringen ein Wohnhaus besitzen, ein stehendes Gewerbe oder Landwirtschaft selbständig betreiben oder ein öffentliches Amt ausüben, Religionsdiener, Lehrer der öffentlichen Schulen, Rechtsanwälte sind, soll einjähriger Wohnsitz ausreichen. Für diese Voraussetzungen ist der Zeitpunkt der Wahl maßgebend. Unter den Gründen für den Ausschluß von der Berechtigung zum Wählen wurde die Bestimmung, daß die Wahlberechtigung bei den Personen ruhen soll, über deren Vermögen der Konkurs eröffnet ist, während der Dauer des Konkursverfahrens aufrecht erhalten wird, die weitere Bestimmung, daß sie event. noch 5 Jahre nach der Beendigung des Verfahrens ruhen soll, wurde jedoch gestrichen, ebenso die Bestimmung gestrichen, daß Personen, die wegen Landstreicherei und Bettelns rechtskräftig verurteilt sind, für die Dauer von 3 Jahren von der Wahlberechtigung ausgeschlossen sein sollen. Zu 8 3 wurden mit großer Mehrheit die Pluralstimmen gestrichen, sodaß jeder Wahlberechtigte unterschiedslos nur eine Stimme hat. § 4, betr. die Bestimmungen über die Wählbarkeit, blieb unverändert. Zu 8 7 betr. Wahltag wurde ein sozialdemokratischer Antrag angenommen, die Wahlen Sonntags vorzunehmen. Damit ist die zweite Lesung des Wahlgesetzes beendet. Nächste Sitzung nach den Osterferien.
Der Prozeß gegen »Lorraine sportive".
Metz, 31. März. Vor der hiesigen Strafkammer begann heute vormittag 9% Uhr die Verhandlung des Prozesses anläßlich der Ausschreitungen des Vereins „Lorraine sportive" am 16. Januar 1911. In Erwartung eines großen Zudranges war für die Verhandlung der Schwurgerichtssaal in Aussicht genommen, doch ist der Zudrang nicht so bedeutend als angenommen
I wurde. Angeklagt sind 9 meist junge Leute, darunter der Vorsitzende Samain. Dieser sowie die Angeklagten Sehl und Marin sind beschuldigt, gemeinsam widerrechtlich in den Versamm- lungssaal des Hotels „Terminus" eingedrungen zu fein. Samain außerdem wegen Aufforderung einer Menschenmenge zur Ungehörigkeit gegen die Gesetze und die Anordnungen der Obrigkeit, sowie ferner wegen Veranstaltung eines Konzerts ohne polizeiliche Erlaubnis. Sieben Angeklagten wird die Beteiligung an einem lärmenden Umzug und Verübung groben Unfugs zur Last gelegt, dem Installateur Nicolais außerdem Widerstand und versuchte Nötigung der Polizei, dem Schlosser Schneider, der vielfach mit Zuchthaus vorbestraft ist, Widerstand und Bedrohung des einschreitenden Militärs und der versuchten Bestechung eines ihn bewachenden Soldaten. — Etwa 20 auswärtige Journalisten sind anwesend. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Tappermann, die Verteidigung die Rechtsanwälte Iustizrat Blumenthal-Goldberg bei Samair und Justizrat Nennig-Straßburg, ferner die Rechtsanwälte Benca und Braun aus Metz. Die Anklage vertritt der Erste Staatsanwalt Eembart und Staatsanwaltschaftsrat Richert. Die Verhandlung beginnt mit dem Aufruf der Zeugen. Samain, der französisch antwortet, wurde ersucht, deutsch zu sprechen, da ihm dies doch geläufig fei, doch würde ihm schließlich zugestanden, sich in besonderen Fällen der französischen Sprache zu bedienen. Geladen sind 41 Zeugen.
Nach der Verlesung des Eröffnungsbeschlusses wird mit der Vernehmung der Angeklagten, zunächst des Angeklagten Samain begonnen. Dieser behauptet, es seit vor dem Konzert zu dem Oberregierungsrat Heitz gegangen, der ihm gesagt habe, das Konzert könne ruhig abgehalten werden, es sei eine private Veranstaltung, die Polizei werde nicht soweit geben, es aufzulösen, es werde höchstens ein Protokoll geben. Der Angeklagte erörterte bann die Vorgänge vor Beginn des Konzerts. Als er den Brief des Verwalters erhielt, daß das Konzert doch verboten fei, habe er das als blödsinnige Stänkeret der Polizei empfunden. Die Aufforderung, den Saal zu verlassen, habe er an die Versammelten ergehen lassen, weil ihm die Polizei schließlich leih getan habe. Sanain behauptet auch, daß in dem Verein niemals antideutsche Tendenzen o ir geherrscht hätten. Der Verein treibe lediglich Musik und Sport. Die übrigen Angeklagten behaupten sämtlich unschuldig zu sein. Einer will nur mitgegangen sein, weil er seine verlorene Trommel suchen wollte. Ein anderer behauptet, daß er die uniformierten Mitglieder bewegen wollte, nach Hause zu gehen. Ein Dritter erklär^ auf die Frage des Vorsitzenden, ob er eine Rede gehalten habe, unter großer Heiterkeit, dazu sei er garnicht imstande. Zwei Angeklagte reden sich mit starker Trunkenheit bezw. totaler itonfufion heraus. In der Beweisaufniyn - wird zunächst die Frage erörtert, ob Heitz wirklich die oben erwähnte Bemerkung zu Samain gemacht habe. Hierüber wird keine Klärung er- li.-U. Heitz bestreitet die Bemerkung, Samain bleibt aber dabei. Zwei Zeugen bestätigen ihm, daß er ihnen den Inhalt der Unterredung auch, trie ei sie schilderte, angegeben habe. Heiterkeit erregt es auch, als festgestellt wird, daß einer der Angeklagten aus Homburg v. d. Höhe flamm'. Da die Verhandlungen sehr langsam vonstatten gehen und noch acht Tage in Anspruch nehmen dürften, werden wir uns auf die Wiedergabe der wichtigsten Zwischenfälle beschränken.
Deutsches Reich-
— Der Kaiser in Korf«. Korfu, 31 .März. Der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise begaben sich heute Nachmittag nom Achilleion in den Hafen an Bord der ,Hohen- zvllern". Der Dampfer „Prinzregent Luitpold" lief um 3 Uhr 15 Min. ein. Der Kronprinz unb bi • Kronprinzessin standen auf der Brücke des Dampfers, der Kaiser auf der Kommandobrücke die Kaiserin und die Prinzessin auf dem Pro men' ’ mbetf bet „Hohenzollern". Während bet T>amrfer an der Kaisetyacht votbeifuht, waren H- Mannschaften bet Hohenzollern auf D;ck an getreten unb brachten ein dreifaches Hurra * bei- Kronprinzen und die Kronprinzessin aus. Die Herrschaften winkten einander zu. Die Ma- jrfiäten empfingen bann mit der Prinzessin die
Kronprinzlichen Herrschaften am Fallreep mit Kuß und Umarmung. Der Kronprinz in Bord- jätet und weißer Mütze. Die Kronprinzessin ganz in Weiß, sahen vorzüglich aus. Bald nach 4 Uhr begaben sich sämtliche Herrschaften gemeinsam an Land, wo sie vom Publikum überaus herzlich begrüßt wurden. Sie fuhren bann im Automobil zum Achilleion, wo bet Tee eingenommen würbe unb Abendtafel ftattfanb. Di« Kronprinzlichen Herrschaften wohnen auf bei Hohenzollern. Der Kommandant der Hohen- zolletn, Graf von Platen, überreichte der Kronprinzessin einen Blumenstrauß mit einer Schleift aus Mützenbändern der Kaiseryacht.
— Die letzten Dispositionen für die Kron- prinzenreisen. Wie bet „Inf." mitgeteilt wird, wird der Kronprinz mit bet Kronprinzessin bis zum 3. April in Korfu als Gäste bes Kaisers auf dem Achilleion weilen. Anschließend hieran erfolgt die Fahrt nach Rom anläßlich der Jubiläumsfeierlichkeiten Italiens, und bet Aufenthalt soll vom 5.—«. April währen. Von Rom .. aus begibt sich bas Kronprinzenpaar zum Besuche bes Kaisers Franz Joseph nach Wien, wo es am 9. April eintrifft. Hier ist Aufenthalt für einen vollen Tag zunächst vorgesehen. Man wird also bamit rechnen können, baß bie kronprinzlichen Herrschaften am 10. ober 11. April in Potsdam wieder eintreffen werden, wo sie zunächst zu verbleiben gedenken.
— Zu der erfolgten Wiederwahl bes Oberbürgermeisters Kirschner. . Oberbürgermeister Kirschner, der am Donnerstag auf weitere 12 Jahre zum Stadthaupt Berlins gewählt wurde, ist der neunte Oberbürgermeister Berlins, wenn auch seine Amtsperiode die elfte ist. Denn außer ihm ist schon einmal ein Berliner Oberbürgermeister zweimal für den Posten des Stadtoberhauptes ausetfehen worden, und zwar der Oberbürgermeister Krausnick, der infolge der Mätz- revolution 1848 feinen Abschied genommen hatte. Wenn man die Berliner Oberbürgermeister nach ihrer Zeitfolge auffühten will, dann ist al» erster Berliner Oberbürgermeister der bekannte Leopold v. Eerlach zu nennen. Ihm folgte im Iahte 1812 der Berliner Bürgermeister Büsching in der Würde eines Stadtoberhauptes. Der dritte Berliner Dbetbürgermeifter, der im Jahre 1832 gewählt wurde, war Leopold von Bären» fprung. Er war früher gleicherweise, wie sein Vorgänger, zweiter Bürgermeister in Berlin unb ist burch seine Konflikte mit ber Berliner Stadt« Verwaltung bekannt geworden. Auf Herrn von Bärensprung folgte ber Regierungsrat Krausnick in dem Amte. Dieser Oberbürgermeister hat, wie oben mitgeteilt, am 19. März 1848 seine Stellung niebergelegt, ba et mit einigen auftüh- retischen Elementen einerseits unb mit bet Regierung anbererteits in Konflikt gekommen war. Als bie Aufregung ruhiger Erwägung gewichen war, holte bie Stabt ihren bewährten Ober- bürgermeister wieber zurück, unb Krausnick behielt noch 14 Jahre bie Leitung Berlins in feinen Hänben. Nach feinem Tobe im Iahte 62 würbe Seybel zum Dbetbürgermeifter gewählt. Et ist barum noch heute den meisten Berlinern in Erinnerung, weil et in den Iahten der gto» ßen Kriege unb Siege an ber Spitze Berlins ftanb unb ben großen Aufschwung ben die Residenzstadt Deutschlands nahm, miterlebte. Im Iahte 1872 folgte ihm im Amte bet bekannte Finanzminister Arthur Hobrecht, für den bet Sessel des Oberbürgermeisters das Sprungbrett zu feinet späteren Stellung als preußischer Fi« uanzministet bildete. Hobrechts Nachfolget wurde ber berühmte Förderet bet Stobt Berlin Max v. Forckenbeck, auf ben im Iahte 1892 bet Bürgermeister Zelle folgte. Zelle wat bekannt« lich bet Vorgänger Kirschners, benn im Jahre 1899 wurde Kirschner zum Obcrb'"^"" gewählt, aber nicht . . . bestätigt. Es wird noch allen in Erinnerung fein, mit welchem Aufwand von Witz das lanae Ausbleiben b»r k"""fi'ben Bestätigung behandelt wurde. Das Witzwort: „Ich kann matten!“ hastet ja heute noch dem Berliner Obetbütgermeistet an.
— I« Befinden des Abgeordnete« Freiherr« von Hertling hält bie Besserung an. Die Krisis ist glücklich übetstanben, unb bie Genesung schrei« tet langsam, aber sichtlich vorwärts.
— Ersatz „Deutschlanb." Friedrichshafen, 3L März. Das Luftschiff „Ersatz Deutschland* machte heute Vormittag eine 2y>ftünbige Fahrt; es fuhr in einet Höhe von 1800 Metern tber St. Gallen und Konstanz, ‘-u