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Erstes Blatt
23
in den Hintergrund
ihrem Bruder und Jennys Name war
46. Jahrg.
1911.
Zustand der Frau Landrat war erregend genug, um alles andere treten zu lasten.
Lucie sprach nur selten von
Marburg
Sonnabend, 1. April
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 26.
wird, daß unsere Armee mindestens so stark sein darf wie die Rußlands und Frankreichs zusammengenommen, so treten wir auf der Stelle dafür ein. Ebenso wie Rußland und Frankreich einen solchen Vorschlag von unserer Seite für unannehmbar erklären würden, müßen wir die englische Auffastung von der Abrüstung zur See als undiskutierbar bezeichnen. Trotzdem können wir auf freundschaftlichem Fuße mit England bleiben, wie ja auch der Reichskanzler mitgeteilt hat, daß wir uns mit England über einen gegenseitigen Nachrichtenaustausch über die Kriegsschiffbauten zu verständigen bereit find.
Ebenso wie die Abrüstungsfrage an dem Maße der jedem Staate zuzugestehenden Friedensstärke und an der Frage der Kontrolle der tatsächlichen Durchführung der Abrüstung scheitern muß, ebenso sind auch Schiedsverträge ohne jede Klausel ganz undurchführbar. Schon Bismarck hat hervorgehoben, daß selbst Bündnisse nicht mehr aufrecht zu erhalten sind, wenn tiefe Interessengegensätze zwischen den bisher verbündeten Staaten entstehen, «och viel weniger können unbeschränkte Schiedsverträge unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. -Gerade heute konnte man lesen, daß Amerika und Japan einen ähnlichen weitgehenden Schiedsvertrag planen, wie Amerika und England. Dem Schreiber dieser Zeilen hat kurz nach dem japanisch-chinesischen Kriege der damalige japanische Gesandte in Berlin, Vicomte Aoki, gesagt: „Wir müßen expansive Politik treiben, weil unser Land zu klein und zu gebirgig ist, unsere fortgesetzt wachsende Bevölkerung zu ernähren." Wenn diese Notwendigkeit expansiver Betätigung Japan in einen scharfen Jntereßen- gegensatz zu den Vereinigten Staaten hineintreibt, dann würde der geplante amerikanischjapanische Schiedsvertrag „zerfallen wie Zunder", wie gestern der Reichskanzler sich ausgedrückt hat.
„Weniger wäre mehr gewesen", heißt es bei Leßing. Allzu hitzig betriebene Abrüstungsbestrebungen und allzu weitgehende Schiedsgerichtsverträge dürften der Sache des Friedens weniger dienen, als wenn man sich in weiser Beschränkung an das Erreichbare hält. Wir glauben, daß die Sozialdemokratie subjektiv ehrlich ist, wenn sie erklärt, den Frieden fördern zu wollen, aber die Art ihres Vorgehens scheint uns nicht die richtige. Die verfichtige und ein wenig skeptische Auffaßung des Reichskanzlers mag manchen Friedensschwärmer enttäuschen, aber sie dürfte trotzdem der Erhaltung des Friedens, deßen Deutschland sich nunmehr schon seit vier Jahrzehnten erfreut, dienlich sein.
। den die Löhne und Lebensmittelpreise während des Zeitraumes von 1901—1905 einerseits und
I 1906—1908 andererseits miteinander verglichen.
I Diese Jahresgruppierung ist deswegen gewählt worden, weil mit dem 1. März 1906 der neue
I deutsche Zolltarif in Kraft getreten ist, von dem I die Freihändler bekanntlich weissagten, er 1 werde das Arbeiterelend in Deutschland noch steigern. In England sind in dem Zeiträume
I 1906—1908 im Vergleiche mit den Jahren 1901 | bis 1905 die Lebensmittelpreise um 6 vom Hun- I bett, die Löhne im Bergbau nur um 5,9 vom I Hundert gestiegen. In Deutschland stiegen die I Lebensmittelpreise in der genannten Zeit allerdings stärker und zwar um 13,6 vom Hundert.
I die Löhne im Bergbau aber stiegen in derselben Zeit um rund 20 vom Hundert. In England ist
I also die Lohnsteigerung hinter der Lebensmittel- I Preissteigerung etwas zurückgeblieben, in I Deutschland war die Lohnsteigerung um 47 vom Hundert stärker als die Erhöhung der Lebens- mittelpreise. Nach amtlicher englischer Darstel- I Jung brachte sonach der außerordentliche Auf» I schwung der Industrie von 1906 für die Lebens» | Haltung des Arbeiters einen kleinen Rückgang I mit sich, während in Deutschland die gefürchtete und geschmähte Verstärkung des Schutzzolles eine namhafte Erhöhung der Lebenshaltung des In»
I dustriearbeiters im Gefolge gehabt hat.
des Grußes erstarb auf ihren Lippen, denn urplötzlich I sah sie sich dem Manne gegenüber, den hier zu finde« I sie am allerletzten erwartet hatte. I
Wie zu Stein erstarrt, als hätte er das Haupt der I Medusa erschaut, so unbeweglich war der Etngetre- I tene stehen geblieben. Erst nach sekundenlanger Pause rang es sich von seinen Lippen: I
„Jenny, Jenny — du hier?" I
Die junge Dame hatte sich unterdeßen gefaßt. I
„Wie Sie sehen, Herr von Hohenzil," erwiderte I fie kalt, indem sie das schöne Haupt stolz zurückwarf. I
Ein bitteres Lächeln umzmkte seinen Mund. I
„Ah," sagte er, „ich sehe, daß ich auch auf die verwandtschaftlichen Rechte Verzicht leisten mutz. I Pardon, Miß Howard, ich werde Sie nicht mehr mit I einer vertraulichen Anrede belästigen." I
So ruhig und selbstbewußt die schöne Amerika- I nerin auch dastand, fie war trotzdem sehr bleich ge- I worden und das leise Zucken der Oberlippe verriet, I daß ihre kalte Gleichgültigkeit nur eine Maske sei. I
„Ich muß um Entschuldigung bitten," kam e» I förmlich von ihren Lippen, „ich bin nur durch einen Irrtum hierhergekommen." I
Sie neigte leicht das Haupt und machte einig« I Schritte der Tür zu. Aber Edgar vertrat ihr jetzt I den Weg. I
„Nicht so, Miß Howard," sagt« er mit mühsam I unterdrückter Leidenschaftlichkeit, „da uns der Zufall I zusammengeführt hat —“ I
Sie unterbrach ihn durch eine abwehrende Be- I wegung. I
„Was könnten wir uns noch zu sagen haben? I fragte sie eisig. „Das, was einst war, ist nicht I mehr; wir find uns fremd geworden und werden es I bleiben!" |
„Das steht unerschütterlich fest," versetzte er finster, i „Ich möchte nur eins wißen: weshalb Sie «ich l« 1
Unverstanden.
Roman von Marie Weber.
l Fortsetzung.)
Edgar eilte auf die Nachricht von dem Brande sofort herbei und war nicht wenig überrascht, ßucte Waldeck als Pflegerin an der Seite seiner Mutter zu finden. Das schöne, ernste Mädchen hatte immer seine volle Sympathie beseßen, aber jetzt lernte er fie erst so kennen, daß er sie hoch über alle Frauen stellte, denen er sich bisher genähert hatte.
Das Zusammenleben der Familie Hohenzil war noch nie ein so inniges und herzliches gewesen als jetzt, da das bleiche, stille Mädchen in ihrer Mitte weilte. Mit ihrer sanften Ruhe, mit ihrer sich stets
schnell beiseite schoben, wie man ein Spielzeug, deßen man überdrüssig geworden ist, in die nächste Eckr wirft. Sie haben sich mir freiwillig anverlobt; Sie haben mir Ihre Hand zugesagt. — Sie kamen über» Meer, um meine Gattin zu werden! Ich hatte kerne Ursache, an Ihrer Treue, Ihrer Liebe zu zweifeln: da plötzlich schrieben Sie mir, Sie könnten meine Gattin nicht werden, Sie liebten mich nicht mehr.. Das war deutlich genug, — aber den Grund möchte' ich wißen!" u '
Das stolze Mädchen lenkte die Wimpern vor dem festen Blick des beleidigten Mannes, deßen Augen mit durchdringender Schärfe auf ihrem Antlitz ruhten.
Gründe wollen Sie wißen?" stieß fie mit unsicherer Stimme hervor. „Genügt es nicht, wenn ich Ihnen sage, daß ich mich über meine Empfindungen getäuscht, daß ich in Wirklichkeit niemals Liebe ,« Ihnen gefühlt habe?" „
„Die Täuschung währte lange genug, erwidert« er in grollendem Tone. „Und wenn Sie meine Gattin geworden wären und erst dann entdeckt hatte«, daß Eie mich nicht liebten, was hätten Sie dann getan?"
Es lag etwas in seinem Blick, in dem Klang seiner Stimme, da, ihr fast Furcht einflößie. All ihre, Stolz zusammenraffend, hob sie den Blick z« ihm empor.
„Es ist jedenfalls das beste für Sie wie für mich, daß ich es früher erkannte, sprach fie schneidend scharf. „Jetzt aber hoff« ich, find wir zu Ende!"
Eie sah ihn herausfordernd au. Der Blick, btt ihr als Antwort zuteil ward, war eine Mischung von Erregung und Wehmut zugleich.
(Fortsetzung folfltj
Schaufensterwettbewerb und Verkehrstage
finden morgen, Sonntag und Montag bei «ns statt, so verkündeten die Zeitungen unserer Stadt und der weiteren Umgebung, wie viele werbende Prospekte. Nicht wenige Fremde wer» den herbeieilen, um an dem in unfern Mauern sich entwickelnden Leben und Treiben teilzunehmen. Sie wollen dabei sehen, was alles unsere heimischen Geschäfte in geschmackvoller I Form in ihren Schaufenstern zu bieten haben.
Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, I daß morgen auch das kaufende Publikum Marburgs „auf den Beinen" ist, um zu sehen, was I die ihnen zum größten Teil bekannten Geschäfte I bei so außergewöhnlicher Veranlaßung in ihren I Auslagen zeigen. Daß fie nicht enttäuscht wer- I den, deßen sind wir gewiß. Mögen Einheimische und Gäste auch den Eindruck mitnehmen, daß die I Firmen unserer Stadt stets bemüht sind, in rüstigem Vorwärtsschreiten allen Ansprüchen des I kaufenden Publikums zu genügen. Dann wird I der Kaufmännische Verein, der die Veranstal- I tung ins Leben gerufen hat, mit dem Ergebnis I zufrieden sein. .
I Damit die Verkehrstage aber auch wirklich I etwas zu bieten haben, hat das Komitee dafür | gesorgt, daß in dieser Tagen mancherlei „los" I ist. So finden am Sonntag und Montag, mit»
Fließe, Abrüstung und Schieds- Gericht.
„L'empire c'est la paix" sagte Napoleon III., aber er führte alle zwei Jahre einen anderen Krieg. „Die internationale Sozialdemokratie arbeitet mehr für den Frieden als die bürgerlichen Parteien", sagte gestern im Reichstag der sozialistische Abgeordnete Scheidemann, aber die Partei, der er angehört, suchte im November 1904 wegen der bekannten Doggerbank-Affäre England in einen Krieg Mit Rußland hinetnzu- treiben, und sie hat seitdem unzählige Mal versucht, Deutschland in einen Krieg mit seinem östlichen Nachbarn zu verwickeln, wobei noch zu bemerken ist, daß ein deutsch-rußischer Krieg notwendigerweise zugleich einen deutsch-französischen, möglicherweise auch einen deutsch-englischen zur Folge haben würde.
Vielleicht aber glaubt der Abg. Scheidemann den Ruhm seiner Partei als der friedlichsten deshalb in Anspruch nehmen zu können, weil sie für Abrüstung, internationale Schiedsgerichte und dergleichen schwärmt. Auch gestern hat sie zum Etat des Reichskanzlers eine auf Begünstigung der Rüstungsbeschränkungen abzielende Resolution eingebracht. „Wir sollen in die Hände einschlagen, die uns über die Vogesen und über den Kanal herüber entgegengestreckt werden", sagt Herr Scheidemann. Nur schade, daß in derselben Stunde, in der der sozialistische Abgeordnete das friedliche Entgegenkommen Frankreichs rühmte, bekannt geworden ist, daß ein von einer deutschen und einer ftanzösischen Zeitung geplanter friedlicher Wettbewerb auf dem Gebiete der Aviatik durch französische Chauvinisten gescheitert ist. Unaufhörliche Hetzereien haben die Zeitung „Le Journal" gezwungen, von der Vereinbarung zurückzutreten. Wir weinen dem mißglückten Unternehmen keine Träne nach, aber immerhin beleuchtet dieser Vorgang doch in recht eigenartiger Weise die angebliche friedensfreundliche Gesinnung der Franzosen.
Was die englischen Abrüstungswünsche anbelangt, so hat der Reichskanzler — ohne etwa Irgendwie England verletzen zu wollen — seine freundlichen Gesinnungen gerade gegen dieses Land sind ja bekannt — in seiner gestrigen Rede mit Recht darauf hingewiesen, daß England für Rüstungsbeschränkungen zur See nur unter der Voraussetzung eintritt, daß seine Ueberlegenheit gewährleistet ist. Ja, wenn uns zugestanden
chouvinistischen Kampagne, die in Frankreich gegen den geplanten Wettflug Paris—Berlin entfeßelt wird, erklärte das „Journal be Paris" ohne Rücksicht auf seine vertraglichen Verpflich- hingen den internationalen europäischen Rundlug nicht über Deutschland führen zu können. Damit ist das ganze großangelegte sportliche Unternehmen in Frage gestellt, da es zweifelhaft scheint, ob unter diesen Umständen Belgien, Holland und England die Veranstaltung, die durch das Ausscheiden Deutschlands zum Korso geworden, noch weiter unterstützen. Wie die „B. Z. am Mittag" bekannt gibt, wird der vom Verlage Ullstein u. Co. gestiftete „B. Z.-Preis der Lüfte" von 100 000 M auf alle Fälle der Aviatik zugute kommen. — Seit Wochen ist die Preße voll von kommenden Wundern der Aviatik, die ein Wettflug Paris-Berlin-Brüßel-Lon- don-Paris uns offenbaren soll. Ein französisches Blatt, „Le Journal", hat die ersten 200 000 Fr. dafür gestiftet, die „Berliner Zeit am Mittag" fügte 125 000 Jt hinzu, andere Zeitungen, Städte, Vereine folgten mit Zusatzpreisen. Selbstverständlich wurde alle Welt interviewt. Und alle Welt stotterte ein paar liebenswürdige Phrasen von dem „völkerverbindenden" Sport und von der neuen Aera friedlichen Wettbewerbs. Aber die Abonenten von „Le Journal" haben diesem Blatte derartig zugesetzt, daß es jetzt erklärt: die deutsche Strecke müße ausscheiden, sonst ziehe es seinen Preis zurück! Das nennt man im gewöhnlichen Leben Vertragsbruch. Es ist aber auch ein klatschender Schlag in das Gesicht aller der Enthusiasten, die den Franzosen sportlich — an das Herz kommen wollen, da es anders nicht geht. Wenn der europäische Rundflug „unter Ausschluß" Deutschlands zustande tarne, so wäre das jetzt eine Beleidigung Deutschlands. Wir zweifeln daran, daß Belgier und Holländer mitmachen. Mögen die „Ententemächte" den Wettflug auf die Strecke Paris-London-Paris beschränken oder sonst etwas aus dem Unternehmen machen, uns kann es recht sein. Aber dankbar find wir für die Lehre, die das Ereignis uns erteilt. Wenn nicht einmal eine (Einigung über solchen harmlosen Wettflug möglich ist, wie will man da glauben, es sei jemals ein allgemeines Schiedsgerichtsabkommen zwischen uns und den Franzosen möglich? Eine beßere Illustration konnte die große Reichstagsrede unseres Kanzlers gar- nicht erhalten, als durch die kurz vorher eingetroffene Nachricht von dem gelungenen Streiche der Pariser Cbauvinisten.
— Lebenskosten «nd Löhne in Deutschland und England. Die „Agrarpolit. Korresp.", auf deren treffliche Veröffentlichungen wir mehrfach hingewiesen haben, bringt heute einen Vergleich der Entwicklung der Lebenskosten und Löhne in Deutschland und England, und zwar auf Grund der amtlichen Statistik beider Länder. Es wer-
«och weniger von deßen Braut.
kaum zweimal über ihr« Lippen gekommen.
gleichbleibenden Milde übte finde einen wundersamen Einfluß auf die Frau Landrat aus. Es lag etwas dem ihren Verwandtes in dem Eharatter des jungen Mädchens, nur war hier mehr Herz, mehr Gemüt vorhanden, als Frau von Hohenzil je beseßen hatte. In jener stolzen Würde aber, die keinen Einblick in das tiefinnerste Gefühlsleben duldet, begegneten sie sich, und diese Gleichheit vornehmer Ee- finnung wob jetzt mit feinen, unsichtbaren Fäden das Zauberband, das diese einander einst so ftemd gegen- Lberstehenden Frauen vereinigte.
Elfriede war glücklich jeder Auseinandersetzung mit ihrer Mutter ausgewichen: die Abreise der Grafen Sternberg beseitigte deren größte Sorge, und der - - ' • - - überdies Besorgnis
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Vellage.
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Deutsches Reich-
— Französisch« Chauvinist««. Berlin, 30. März. Infolge der andauernden heftigen
ElfriedUutzte also von Waldecks Braut nicht mehr als früher, und wie um sich selbst zu quälen, malte sie sich das Bild von seiner künftigen Gattin in Farben aus, die der Wirklichkeit wenig entsprachen.
10.
Jenny Howard war in dem Badeorte eingetroffen, ohne Lucie auch nur mit einer Zeile von ihrem Kommen benachrichtigt zu haben.
Sie hatte es vorgezogen, ein anderes Haus zu ihrem Absteigequartier zu wählen, als dasjenige, das Lucie bewohnte.
Sofort nach ihrer Ankunft hatte die schöne Amerikanerin an ihren Verlobten geschrieben.
„Ich bin überzeugt, in wenigen Tagen wird er hier sein," sagte sie sich selbstzufrieden.
Jenny war ziemlich spät abends eingettoff en; da sie keine besondere Sehnsucht empfand, ihre zukünftige Schwägerin zu sehen, so verschob sie ihren Besuch bis auf den nächsten Tag, und zur Mittagsstunde desselben ging sie in einer eleganten Toilette, die ihr seitens der sie begegnenden Damen manchen neidisch bewundernden Blick zuzog, langsamen Schrittes die Prcmenade entlang, die zu Sudes Wohnung führte.
In dem Hotel angelangt, fragte sie den Portier nach Fräulein Waldeck.
Man wies die elegante junge Dame in einen kleinen Empfangsfalon, mit der Bitte, einen Moment zu warten, das Fräulein werde sogleich erscheinen.
Jenny nickte hochmütig. Mit der ihr eigenen stolzen Anmut ließ sie sich auf einen Fauteuil nieder und warf einen forschenden Blick um sich.
„Sie wohnt eleganter, als ich glaubte," dachte fie bei sich, als fie das Deffnen einer Tür vernahm.
In der Meinung, es sei Lude, erhob fie fich langsam und wandte den Kopf nach der Richtung, woher sie dar Geräusch vernommen hatte. Allei» das Wort