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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

Jti. 77

TicOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 JH. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: j Dr. Hitze roth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 31. März

Ter Anzeigenpreis betragt für die Tgejpaltcnc ZeUe oder deren Raum 15 bei auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Berbindlich- keit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

46. Jahr-,

1911.

Erstes Blatt.

Zur Ermordung des Fretherrn v. Schlichting.

Berlin, 29. März. Aus Konstantinopel wird «nterm 29. März berichtet:

Der Mörder des Oberstleutnants v. Schlich­ting wurde heute mittag von dem zusammen­getretenen Kriegsgericht einstimmig zum Tode verurteilt. Heute nachmittag erschien der erste Adjutant des Sultans in der deutschen Bot­schaft, um das Beileid des Sultans auszu­sprechen. Namens der Regierung kondoliert» der Eroßwesir. Die türkischen Marineoffiziere sandten dem deutschen Botschafter ein Beileids­telegramm.

Weiter wird gemeldet: Die gesamte Presse drückt ihr Bedauern und ihre Entrüstung über die Ermordung v. Schlichtings aus und hebt die Sympathien der Türkei für die deutsche Armee und das gedeihliche Wirken der deutschen In­struktoren hervor. Der Sultan richtete an den deutschen Kaiser eine Beileidsdepesche, in der der Tod Schlichtings als großer Verlust für die türkische Armee bezeichnet wird. Ebenso drückt^ der Kriegsminister dem preußischen Kriegs- ministtzr seine Teilnahme aus.

Zu dem Mord wird die Anschauung des besten Türkenkenners, des Eenerai^.^marschalls Freiherrn von der Goltz, über die Stellung des Deutschtums im allgemeinen und der deutschen Jnstruktionsoffiziere im besonderen von Inter­esse sein. Generalfeldmarschall von der Goltz, der im Jahre 1883 zum ersten Mal nach der Türkei kam, sprach sich nach seiner jüngsten Rück­kehr aus der Türkei in einem Artikel desTag" im allgemeinen sehr günstig über das Deutsch­tum in der Türkei aus, wenn auch der englische und französische Einfluß nicht zu verkennen sei. Er sagte:Das deutsche Zeitalter in der Türkei, wenn man es so nennen will, ist weit jüngeren Datums. Es begann nach 1876 unter Abdul Hamed II., der zuerst junge Leute vorzugsweise nach Deutschland schickte, den deutschen Sprach­unterricht einführen ließ und deutsche Offiziere und Beamte ins Land rief. Die sehr tüchtigen Leistungen der deutschen Schule von Konstanti­nopel kamen dabei zur Geltung. Söhne vor­nehmer türkischer Familien begannen sie zu be­suchen. Besonders eng knüpften sich die Be­ziehungen zwischen den beiden Heeren." Dazu wird derHeer und Politik" von einem Offizier, der längere Zeit in der Türkei weilte, geschrie­ben: Die Anschauung des Feldmarschalls über die engen Beziehungen zwischen dem deutschen

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Rlnverftanben.

Äoftan von Marie Weber.

(Fortsetzung.)

Durch seinen Vater angespornt, tat Graf Alfred alles mögliche, um seinen Platz an Elfriedes Seite zu behaupten. Vergebene Mühe! Das junge Mäd­chen flog wtze ein Schmetterling umher; sie hatte für jeden ein flüchtiges Lächeln, ein heiteres Wort, aber sie begünstigte niemand, auch nicht den Grafen Alfred.

Alle, die sich ihr huldigend nahten, traten ja doch zuruck vor dem Bilde des einen, des Mannes, der nun der Verlobte einer anderen war!

Vergebens hatte sie es versucht, sein Andenken aus ihrem Herzen zu reißen, zu vergessen, daß sie ihn je gekannt; es war ihr nicht gelungen. Die Liebe zu ihm wurzelte zu tief in ihrer Seele, war viel zu eng mit ihrem ganzen Sein verwachsen, um so schnell sterben zu können, und eben deshalb hatte Elfriede die Pflicht zwischen sich und ihre Gefühle stellen wollen, um wenigstens einen Halt zu haben, an den sie sich in ihrer Machtlosigkeit klammern konnte.

Was wußte das junge Mädchen von den Kämpfen und Stürmen, in die es sich durch einen solchen Schrirt stürzte? Selbst jetzt noch, nach der Unterredung mit ihrer Mutter, dachte Elfriede allen Ernstes daran, ein Band zu knüpfen, bas sie für immer und ewig von ihren Jugendträumen schied.

Eins hatte jedoch oie Warnung der Baronin immerhin erreicht: Elfriede hütete sich, das entschei­dende Wort zu schnell zu sprechen. Sie trachtete, einer Erklärung des jungen Grafen auszuweichen Mnb dies war ihr auch bis jetzt gelungen, aber der alte Graf gab sich nicht s» leicht zufrieden.

Er wußte, daß er «m der Baronin eine geheime

und dem türkischen Heere hat gerade dann be­sondere Geltung, wenn man von dem Verhält­nis der deutschen Jnstruktionsoffiziere zu dem türkischen Heer spricht. Die Jnstruktionsoffi- ziere, die auf Ersuchen der türkischen Heeresver­waltung nach der Türkei gesandt wurden, haben dort nicht nur eine äußerst freundliche und ka­meradschaftliche Aufnahme bei den Offizieren und Vorgesetzten gefunden, sondern sie wurden auch von den Soldaten, die ihnen unterstellt waren, sehr geschätzt. Der türkische Soldat, ähnelt sehr stark, was Pflichtgefühl und Gehor­sam anbetrifft, dem deutschen. Darum hatte er stets das Gefühl, in dem deutschen Offizier einen ihm gleichgesinnten Vorgesetzten zu haben, der das kriegerische Element über alles liebt. Fälle von Gehorsamsverweigerung sind fast nie zu verzeichnen gewesen, und Mahmud Schefket Pascha hat mehrfach seiner großen Befriedigung über das schöne Verhältnis, das zwischen den deutschen Vorgesetzten und türkischen Soldaten bestand, Ausdruck gegeben. Bei dem Abschied von Jnstruktionsoffizieren kam dieses Gefühl der Anhänglichkeit immer zum schönsten Ausdruck. Die jüngste Mordtat ist also als ein Ausnahme; fall i" betrachten, der keinerlei Bedeutung hat.

Berlin, 29. März. Eeneralfeldmarschall Freiherr v. d. Goltz äußerte einem Redakteur derMorgenpost" gegenüber, er habe noch keine direkte Nachricht über den traurigen Vorfall in Konstantinopel. Er kannte Herrn v. Schlichting aber als einen ruhigen und besonnenen Offizier, bei dessen ganzer Charakteranlage es ausge­schlossen sei, daß er seine Leute mißhandelte, ja sie auch nur zu schroff behandelte. Die Art von Korrektur, die er an dem albanesischen Soldaten vorgenommen habe, sei um so eher zu verstehen, als der Albaner weder Türkisch noch sonst eine Sprache außer dem Albanischen verstand, von Schlichting habe aber nicht den eigenartigen Ehrbegriff des Albanesen gekannt. Jede B:- rührung seines Körpers empfinde er als tödliche Beleidigung. So sei der Vorfall auf eine Ver­kettung außergewöhnlicher Umstände zurückzu­führen, ohne daß den Offizier eine Schuld träfe.

Deutsches Reich-

Die Ankunft des deutschen Kaiserpaares in Korfu. Korfu, 29. März. DieHohenzol- lern und die Begleitschiffe sind gegen 12 Uhr nach sehr schöner Fahrt vor Korfu eingetroffen. Der Kaiser empfing an Bord die Spitzen der Behörden. Später war Frühstückstafel an Bord. Das Kaiserpaar und die Prinzessin Viktoria Luise mit Gefolge begaben sich um 2 Uhr 50 Min. an Land und fuhren in Automo­bilen nach dem Achilleion, wo sie Wohnung nah­men. Die Majestäten wurden überall von der

Gegnerin hatte und daß von ihrer Fürsprache nichts zu hoffen war. Deshalb wandte er sich als echter Diplomat direkt an die Tochter und von seinem Vor­recht als alter Herr Gebrauch machend, isolierte er die junge Dame geschickt von ihrer Umgebung.

Befangen und errötend nahm Elfri:de den Arm des Grafen. Sie hatte eine Ahnung von dem, was kommen würde und gleichsam hilfesuchend, flog ihr Blick zu ihrer Mutter hinüber, aber die Baronin 6e- merkte diese Augensprache ihrer Tochter nicht.

Sie war in diesem Moment von einigen Damen in Anspruch genommen, welche die schöne Frau mit jenen doppelsinnigen Liebenswürdigkeiten überschüt­teten, die im Grunde genommen nichts als versteckte Bosheiten sind, und da Frau von Dahlen ihre Tochter nicht in Gesellschaft des Grafen Alfred sah, so fiel ihr nicht ein, irgend welche Besorgnisse zu hegen.

Elfriede blieb also hilflos dem alten Herrn über­lassen, der seine Sache viel besser als sein Sohn zu führen verstand. Er geleitete das junge Mädchen nach einem kleinen Seitenkabinett, das ihm zu einer ungestörten Unterredung geeignet schien, und hier begann er, ohne viele Umschweife von der Neigung seines Sohnes zu Elfriede zu sprechen.

Das junge Mädchen hörte ihm schweigend zu. Mit niedergeschlagenen Augen saß sie da, kaum das verstehend, was der alte Herr sagte, immer mir mit dem Gedanken beschäftigt, was Waldeck wohl dazu sagen würde, wenn er hörte, daß sie sich verlobt hätte.

Er wird vielleicht lächeln und sagen: das kleine Mädchen hatte es eilig, unter die Haube zu kommen," dachte sie bei sich, und ihre Lippen zitterten krampf­haft bei diesem Gedanken, wenn, ja, wenn sie das gewußt hätte!

Der Graf sah, daß sie abwechselnd errötete und erbleichte, und deutete dies zu seinen Gunsten.

^Vollen Sie mir die Freude gönnen, meinen

Bevölkerung mit Hochrufen und Händeklatschen auf das herzlichste begrüßt.

Die Fahrt des Militärluftschiffes. Bre­men, 29. März. Die beiden Offiziere der Mili­tärluftschiffabteilung, Leutnant Mackenthun als Führer und Oberleutnant Erler als Passagier, welche mit einem Militäräroplan (Doppeldecker Albatroß") heute nachmittag 4 Uhr 50 Min. vom Wandsbecker Exerzierplätze abgefahren sind, sind ohne Zwischenlandung nach einer außer­ordentlich raschen Fahrt um 6 Uhr 5 Min. auf dem hiesigen Exerzierplatz im Neuenlander Felde in der Nähe der Schietzstände glatt ge­landet. Die Fahrt fand bei scharfem Nordwest­wind, aber sonst herrlichem Wetter statt. Die Lustschiffer nahmen den Weg diesseits und jen­seits der Eisenbahnlinie Hamburg-Bremen. Wie von einem Passagier des um 4 Uhr 31 Min. von Hamburg abgegangenen Schnellzuges w»+ geteilt wurde, holte der Aeroplan allmählich den Schnellzug ein, kreuzte dann die Bahn und be­gleitete den Zug eine Strecke weit und ent­schwand dann, denselben überholend. Der Flug Hamburg-Bremen wurde in V/4 Stunden ge­macht. Die Luftschiffer erreichten damit ein- Durchschnittsgeschwindigkeit von 92 Kilometer in der Stunde. Ueber die Weiterfahrt ist nichts bekannt.

Die Deutsche Reichsbank. Berlin, 29. März. - In der heutigen Monatssitzung der Deutschen Reichsbank wurden zunächst die Er­gänzungswahlen für die Bezirksausschüsse bei den Reichsbankhauptstellen und die Deputierten­wahlen für die Reichsbank-Zentrale vorgenom­men. Bei Vorlegung eines Zwischenausweises per 27. März erklärte Präsident von Havenstein, daß eine Diskontveränderung zur Zeit nicht in Frage komme. Nach dem Ausweis betrug die Steuerfreie Notenreserve 367 Millionen Mark gegen 189 Millionen im Vorjahre. Zieht man die Differenz von 77 Millionen Mark nach der Berechnung infolge des neuen Bankgesetzes in Betracht, so beläuft sich die Besserung des Status gegen das Vorjahr auf rund -100 Millionen Mark. Es scheine aber, als ob infolge der Quar­talswende ziemlich scharfe Ansprüche an die Reichsbank gestellt werden würden.

Die Brüder. (Nachklang zur Gießener Wahl). Berlin, 27. März. DasBerliner Tageblatt" hatte bekanntlich den Sozialdemokraten zum Dorwurfe ge­macht, daß ihr Kandidat für die Reichstagsersatz­wahl in Gießen nicht geeignet fei. DerVorwärts" widmet dem sonst so hefteundetenBerliner Tage­blatt" einen langen Artikel, in dem folgende Kraft­worte vorkommen:Unsinn, Geschwätz, dummes Ge­rede, Mossescher Größenwahn, törick-tes Nachplappern, reichsverbändlerischen Schwindels, klägliche Kompro- misstlei, Grundsatzlosigkeit, waschlappiger und korrupter Lieberaliemus." Das genügt wohl selb» für starke Bedürfnisse. Trotzdem wird dasBerliner

Sohn glücklich zu sehen?" fragte er, sich zu ihr herab­beugend.

Elfriede sah ihn mit großen, erstaunten Augen an. Sie wußte nicht, was er gesprochen hatte, und erst als der Graf seine Frage in eindringlichem Tone wiederholte, begriff sie, was er von ihr wollte.

Einen Moment lang zauderte sie, aber schon tn der nächsten Sekunde war sie entschlossen,ja" zu sagen.

.Herr Graf," entgegnete sie in so ruhigem Tone, daß sie sich selbst wunderte,ich will gern

.Fräulein von Dahlen, es brennt in Ihrem Hause!"

Derjenige, der in aller Hast diese Hiobspost hervorsprudelte, war niemand anders als Graf Alfred selbst, der viel zu wenig Zartgefühl besaß, um eine solche Mitteilung in schonenderer Weise vor­zubringen.

Der alte Graf warf seinem Sohne einen wüten­den Blick zu; nichts hätte ihm unwillkommener sein können, als diese Störung gerade in diesem Augenblick.

Elfriede war mit einem Schreckensruf von ihrem Sitz aufgesprungen.

Mein Gott, die arme Großmama!" stieß sie in höchster Bestürzung aus.

Ohne sich um die beiden Herren zu kümmern, eilte sie durch den Saal davon, um ihre Mutter auf­zusuchen.

Die Baronin hatte gleichfalls soeben die Kunde von dem Unglück erhalten. Sie bebte vor Stufregung

Graf Sternberg hatte nicht einmal mehr Zeit, den Damen seine Begleitung anzubieten, denn als er aus dem Saal trat, waren sie schon verschwunden. Der alte Herr biß sich auf die Lippen und murmelte etwas in den Bart, das eben keine Schmeichelei für seinen Sohn war. Er hatte so eine Slhnung, als ob nun das ganz» Heiratsprojekt zujammen- gestürzt sei.

Tageblatt" die Hand desVorwärts" gegebenenfalls wieder küssen, die es so derb gezüchtigt hat, schreibt dazu dieD. Tgsztg." die, wie wir berichteten, dieser Entgegnung mit begreiflicher Spannung entgegensah.

Ein Reichstagsabgeordneter verurteilt. Berlin, 28. März. Der Reichstagsabgeordnet« Amtsgerichtsrat Dr. Kölle aus Zellerfeld wurde wegen Disziplinarvergehens vom Disziplinär- fenat des Oberlandesgerichts Zelle zur Ver­setzung in ein anderes Richteramt mit dem glei­chen Range ohne Erstattung der Umzugskosten sowie zu 500 M Geldstrafe verurteilt. Der große Disziplinarsenat des Kammergerichts, der heute unter dem Vorsitz des Kammergerichtspräsiden- ten Dr. Heinroth infolge eingelegter Berufung des Angeschuldigten sich mit der Angelegenheit zu befassen hatte, hob die Geldstrafe von 500 -ft auf; im übrigen blieb das Urteil bestehen.

Die parteipolitsiche Klärung macht Fort­schritte. Für die bevorstehende Landtagsstich­wahl im 23. ländlichen Wahlkreise zwischen dem freikonservativen und dem sozialdemokratischen Kandidaten gibt die Fortschrittliche Volkspartei folgende Parole aus:Keine Stimme dem frei­konservativen Kandidaten! Ob unsere Wähler für den sozialdemokratischen Bewerber summen, oder einen unbeschriebenen Stimmzettel abgeben wollen, überlassen wir der eigenen Entschei­dung." Man kann im Sinne der richtigen Be­urteilung der radikalen Linken diese Parole nur begrüßen.

Sieberate und Sozialdemokratie. Ueber Liberale und Sozialdemokratie heißt es in derNord. Allg. Ztg.":Verhängnisvollen Enttäuschungen von der Art künftig zu entgehen, wie sie ihnen in Gießen begegnete, werden die liberalen Parteien sich doch wohl angelegen sein lassen. Es ist ein grundsätz­licher Unterschied, ob ein bürgerlicher Kandidat von der Sozialdemokratie deswegen unterstützt wird, weil die Sozialdemokratie ihn als das kleinere Uebel be­trachtet, oder ob eine bürgerliche Partei direkt der Sozialdemokratie Wahihilfe leistet. Solange Eugen Richter lebte, wäre eine parteioffizielle Erklärung seiner Anhänger zugunsten des Sozialdemokraten un­möglich gewesen. Selbst als Eugen Richter in der allerheftigsten Opposition stand, hat er stets zu ver­hindern gewußt, daß die Fortschrittspattei offiziell für den Sozialdemokraten eintrat. In der natio­nalliberalen Presse kommt das Bewußtsein, sich den Anfängen energisch widersetzen zu müssen, auch deut­lich zum Ausdruck."

Ausland.

** Italien. Rom, 29. März. DieAgenzia Stefani" meldet: Der König nahm die Demis­sion des Kabinetts Luzatti an und beauftragte Eiolitti mit der Neubildung. Nach Mittei­lungen aus den Wandelgängen der Kammer wird das neue Kabinett Eiolitti sich morgen konstituieren. Wie versichert wird, soll die Liste

Als Frau von Dahlen mit ihrer Tochter hn Hotel erschien, war alles schon vorbei das Feuer war gelöscht und man hatte Frau von Hohenzil in ein anderes Gemach transportiert.

Schreck und Aufregung hatten die alte Dame auf» Krankenlager geworfen. Lutte Waldeck, ihre edel­mütige Retterin, war unversehrt geblieben.

Bleich, aber ohne irgend ein äußeres Zeichen von Aufregung trat sie den beiden, atemlos hereinstürzen- den Samen entgegen.

Die Baronin umarmte sie mit tränenden Augen und flüsterte heiße Dankesworte, welche Lucie be­scheiden ablehnte. Elftiede blickte scheu zu dem blei­chen ernsten Mädchen auf, das ihr in diesem Augen­blicke wie ein überirdisches Wesen erschien.

Die Frau Landrat verlangte, daß Lutte in ihrer Nähe bleiben sollte, und so übernahm denn das junge Mädchen das Pflegeramt bet der Frau, die noch wenige Stunden zuvor für ihren Eruß kaum einen Dank gehabt hatte.

Mit einem Schlage hatte sich die ganze Lage der Dinge geändert. Aus der mit eigensinniger Beharr­lichkeit an ihrem Willen festhaltenden Dame war eine weichmütige Frau geworden, deren befanber« Liebling das Mädchen blieb, dessen aufopfernder Mut sie vor einem schrecklichen Tode bewahrt hatte.

Die beiden Grafen Sternberg waren abgereift: die Frau Landrat war zu krank, um die Herren z» empfangen, und die zarten Andeutungen des alte» Grafen waren von der Baronin mit so kühler Zurück- Haltung ausgenommen worden, daß ein Korb voraus- zusehen war, wenn der Graf mit seiner Werbung offen hervorgetreten wäre.

Da» wollte der alte Herr denn doch nicht ri» tieren und so räumte er das Feld, da. solange Fr» von Hohenzil krank war, an eine Realisierung feine» Wünsche nicht zu denken war.

(Fortsetzung folgt.)