mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
M 76
Tie „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 JH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Donnerstag, 30 März
Der Anzeigenpreis beträgt für die Igeipalrene Zeile ober deren Raum 15 j>„ bei auswärtigen Anzeigen 20 J,., für Reklamen die Zeile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Tatenvorschrift und Belegliefcrung ausgeschloffen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
46. Jahrg.
1911.
Erstes Blatt
21
(Nachdruck verboten.)
dieser Strecke kostet etwa 2000 X, die neuen i 1200 Meter Biegenstraße aber ca. 60 000 X. | Ihre Verzinsung und Amortisation erfordern I also jährlich 3600 X.
2. Die Fahrtzeit über den Biegen mit drei Halte- I stellen wird etwa drei Minuten mehr in An- I sprach nehmen. Durch diese drei Minuten, die I die Wagen weniger am Hauptbahnhof halt n, I entgeht der Bahn ein Verdienst durch die nn- I mittelbar nach Ankunft der Züge weniger Ein- I steigenden, der unzweifelhaft größer ist, als I der ganze Biegenvcrkehr einbringt. I
3. Die Hauptverkehrssteigerung bei Umwandlung I des Pferde- in elektrischen Betrieb ist durch die- I jenigen Personen zu erwarten, die vom Haupt- I bahnhof nach der Marktgegend wollen oder I umgekehrt, also bei der Schlachthausbrücke ein- I oder aussteigen. Manche von diesen werden sich I aber von der Benutzung der elektrischen Straßen- I bahn ab halten lassen, wenn sie die Vorstellung I herrscht, daß sie erst den Umweg über den Biegen I fahren müssen. Ueberhaupt sollte man doch
4. nicht lediglich der Bequemlichkeit weniger 100 I Menschen wegen die große Masse der Fahrer I nötigen, stets drei Minuten länger zu fahren. I Die Hauptsache ist jedoch folgende: Die Notwendig- I leit, das Biegenvierte! bester an die Oberstadt anzu- I gliedern, wird unzweifelhaft in einigen Jahren dazu I nötigen, eine bessere Verbindung zwischen dem mitt- I
ten sie. Sie stöhnte mehrmals im Schlafe auf und bewegte sich unruhig hin und her.
Endlich fuhr sie empor und blickte wild um sich, ungewiß, ob sie geträumt, oder ob dies Wirklichkeit gewesen sei.
Eine unheimliche Stille herrschte in dem Eemäch, die Lampe brannte ruhig fort, nichts regte sich.
Ein Gefühl des Grauens überschlich die einsame Frau,' fast bereute sie es, die Gesellschaft von Fräulein Römer verschmäht zu haben.
Unwillig über sich selbst, streckte sie hastig die Hand nach der Glocke aus, um die im Vorgemach befindliche Dienerin herbeizurufen. Sie wollte schlafen gehen, ohne, wie sie int Willen gewesen war, die Rückkehr von Tochter und Enkelin abzuwarten.
War sie noch schlaftrunken oder geschah es in der Hast? -
Sie stieß mit der Hand gegen die Lampe, welche vom Tische herab zu Boden fiel; — im nächsten Moment schoß eine jähe Flamme empor, — ein Fenstervorhang hatte Feuer gefangen.
Die machtlose Frau schrie in gellenden Tönen um Hilfe, allein niemand kam. Die Dienerin hatte sich vor einigen Augenblicken entfernt, und von den Hotelbediensteten befand sich zu so vorgerückter Abendstunde kein Mensch in den Gängen.
Frau von Hohenzil sah, wie die Flammen mit rasender Schnelligkeit um sich griffen; sie machte vergebliche Anstrengungen, sich zu erheben; umsonst, die gelähmten Füße versagten ihr den Dienst. Noch einmal ließ sie einen Hilferuf ertönen; da wurde die Tür aufgeriffen und herein stürzte eine junge Dame — Lucie Waldeck.
„Retten Sie mich, retten Sie mich!" ächzte die alte Frau, bereits halb «stickt von Rauch und Qualm.
9.
Zwanzig Minuten später hatten die Damen das Haus verlaffen.
Frau von Hohenzil saß einsam in ihrem Zimmer, mit Lektüre beschäftigt, aber ihre Aufmerksamkeit war nicht bei dem Buche. Sie blickte oft auf, um träumend in die Flamme der Lampe zu starren, die dicht neben ihr auf einem kleinen Tischchen stand; dann blätterte sie wieder ungeduldig hin und her, bis sie endlich den Band zur Seite legte, um sich ganz ihren Gedanken hinzugcben.
Die Mitteilung ihre Tochter hatte sie mehr erschüttert, als sie es sich selbst zugestehen wollte. Es j lag etwas in der resignierten Klage der jungen Frau, das mächtig zu ihrem Herzen sprach. Sie hatte es ja immer gewußt, daß Elises Ehe keine glückliche gewesen, aber ihr Stolz hatte jeden geheimen Selbstvorwurf energisch niedergedrückt. Sie hatte sich eben verrechnet und dann alles getan, was in ihren Kräften stand, um diesen Mißgriff auszugleichen. Sie sah es deshalb auch als ihre Pflicht an, für die Zukunft ihrer Enkelin Sorge zu tragen, und alles war bisher auch nach Wunsch gegangen. Da trat die Mutter dazwischen und machte ihre Rechte geltend. Zum ersten Mal stteß die alte Frau auf einen Widerstand, der, wie sie voraussah, auch von ihrem I Sohne unterstützt werden würde. I
lieber all diesem Nachdenken war die alte Dame I eingeschlummert; schwere finstere Träume beängstig- •
Einige Augenblicke lang blieb das junge Mädchen regungslos in dem Korridor stehen. Ein Heer von stürmischen Gefühlen und widersprechenden Empfindungen durchwogte die junge Brust. „Bald hätte ich mich verraten," sagte sie leise vor sich hin. „Mama ist gut, unendlich gut, aber mein Geheimnis darf sie nie erfahren!"
Unverstanden.
Roman von Marie Weber.
(Fortsetzung.)
„Mama, Mama," rief sie unter strömenden Trä- I nen, „ich kann so nicht weiter leben! Diese Verhältnisse erdrücken mich! Ich--“
Sie verstummte; ein leises Pochen hatte sie unterbrochen.
„Trockne deinen Tränen!" flüsterte die Baronin hastig ihrer Tochter zu, dann ging sie auf die Tür zu, um zu öffnen.
Die Großmutter hatte eine Dinerin gesandt; Graf Sternberg war gekommen, um die Damen abzuholen. Der Wagen wartete schon eine geraume Weile vor dem Hause; es war die höchste Zeit.
Frau von Dahlen blickte ratlos auf ihre Haus- toilette.
„Wir kommen sogleich," sagte sie zu der Dienerin, 1 bann schloß sie die Tür und wandte sich gegen ihre I Tochter. I
„Elfriede," sprach sie in sanftem begüttgenden I Tone, „beruhige dich und sei offen gegen mich. Nein, I jetzt nicht," fügte sie hinzu, als sie das junge Mädchen I ängstlich zusammenschrecken sah. „Jetzt muffen wir I der leidigen Konvenienz Genüge leisten; wir können I den Grafen nicht länger warten kaffen. Versprich I mir nur eins, mein Kind: laß es zu feiner Erklärung I kommen. Graf Alfred wird vielleicht den heutigen I Abend dazu benützen wollen. Sei klug, mein Kind, I *nb vertraue mir, — ich will nur dein Bestes!"
Sie drückte einen innigen Kuß auf der Tochter Stirn und drängte sie sanft zur Tür hinaus. |
»Ich komme gleich nach," flüsterte sie. „meine j tarierte wird bald beendet sein." •
Biegen oder Pilgrimstein?
Diese Frage droht das Projett einer elettrischen Straßenbahn zum Scheitern oder aufs neue zu langen Schlummern zu bringen. Die Befürworter der Biegen-Strecke sagen: „Auf dem Pilgrimstein wohnen keine Leute, wohl aber am Biegen" oder noch durchschlagender: „Herr X., der Biegensttaße 20, oder Herr P., der Biegenstraße 21 wohnt, hat mir gesagt, wenn die Elektrische nicht über den Biegen fährt, fahre ich nie." Also!
Untersuchen wir die Sache doch etwas gründlicher: Die Strecke Schlachthausbrücke—Elisabethttrche ist über den Pilgrirnstein 700 Meter, über den Biegen 1200 Meter lang. Solche Umwege zu machen, kann sich für eine elektrische Straßenbahn lohnen, wenn damit ein Berkehrszentrum erreicht wird, wie es für Marburg etwa der Wilhelmsplatz, die Ecke am Museum oder an der Elisabethttrche ist und auch der Friedrichsplatz wohl werden wird. Am Biegen gibt es ein solches Verkehrszentrum nicht und kann es erst dann geben, wenn der Ortenberg bebaut sein . wird, in absehbarer Zett also nicht. Es mögen auf dem Biegen und in den angrenzenden Straßen z. Z. in 45 Häusern*) etwa 900 Menschen wohnen, also eine höchst geringe, nur recht langsam zunehmende Zahl. Es ist nun ferner ein Irrtum, wenn man glaubt, diese Biegen-Bewohner, ebenso wie die anderen Marburger benutzten die Elektrische nur bann, wenn sie an ihren Häusern vorbeiführe. Man fährt, wenn man zwecks Erreichung eines bestimmten Zieles genügend Zett und Kraft spart, einerlei, ob man vor oder nach bet Fahrt noch einige 100 Meter zu gehen hat. Die Grenze, wo es vorteilhaft und be- ! quem düntt zu fahren, fängt bei de» Einem schon bei 700 Meter, bei dem Anderen erst bei 2000 Meter an. Wie steht's speziell bei dem Biegen? Die dortigen Bewohner, die näch dem Hauptbahnhof wollen, werden im allgemeinen schwerlich den großen Umweg em die Elisabethttrche machen, sondern lieber zu Fuß gehen. Diejenigen aber, die nach dem Wilhelms- plrch ober weiter wollen, werden in der Regel fahren, einerlei, ob sie in ihrer Straße ober erst an bet Schlachthausbrücke bezw. nach Durchlegung ber Eavignystratze an ber Einmündung dieser einsteigen können. Nehmen wir bei 900 Biegen-Bewohnern I und etwa 100 weitwohnenden Schülern, die für die elektrische Straßenbahn in Frage kommen, den für Städte von 20—30 000 Einwohnern erfahrungs- I mäßigen Durchschntttsertrag von 2,25 X pro Kops I «inb Jahr an, so ergibt dies 2250 X. Wenn diese ] Benutzer statt bis zur nächsten Haltestelle auf dem I Biegen die 200 Meter weiter bis zu einet I Haltestelle Ecke Pilgrimstein —Sa- I »ignysttaßegehen müssen, so kann hier- I durch ein Ausfall entstehen, der hochgerechnet auf I 10%, also auf 225 X jährlich zu schätzen ist. I
Welche Nachteile stehen nun diesem großartigen I Mehrverdienst von 225 X jährlich gegenüber? I
1. Auf dem Pilgrimstein liegt ein noch 10—15 |
Iahte benutzbares Gleis; die Eletttifierung I
#) Deutschhausstraße nur bis zum Mühlgraben I gerechnet. I
scheu Geschwader mit dem Erzherzog Franz Ferdinand. Die Kaiserflottille durchfuhr das Geschwader unter gegenseitigem Salitt, Hurrarufen und Abspielen der Nationalhymne. Auch die Forts von Pola salutierten. Das Geschwader begleitete die Kaiserjacht eine halbe Stunde und verabschiedete sich dann unter abermaligem gegenseitigen Salut. Das Wetter ist schön.
— Die Antwort des Königs von Italien. Rom, 28. März. Der König sandte dem Kaiser Wilhelm folgendes Antworttelegramm: „Die Glückwünsche, die Du mir in Deinem Namen und im Namen der Kaiserin mit so großer Herzlichkeit aussprachst, rührten mich tief. Diese Gefühle finden in meinem Herzen und im Herzen des italienischen Volkes ein Echo. Das Bündnis unserer beiden Völker, die durch Bande so aufrichtiger und gegenseitiger Sympathie vereinigt sind, wird immer die mächtige Garantie bleiben für ihren Fortschritt und den der Welt."
— Antrag. Berlin, 28. März. Graf v. Ka- nitz und Eenosien brachten eine Resolution ein, der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, tunlichst bald eine Novelle zum Börsengesetz vorzulegen, wodurch die „ „ . . Entscheidung über die Zulasiung ausländischer
leren Pilgrimstein und bet Wettergasse herzustellen, Wertpapiere einer für alle deutschen Börsen als es jetzt die sog. Enge Gaffe bildet. Hierdurch I zuständigen Zentralzulassungsstelle übertragen werden aber erst bte Nachteile, daß die elektrische I ' u
Straßenbahn leider nicht durch die Hauptstraßen der I _
Stadt geführt werden kann, ausgeglichen, wird die I „„ Hertttng erkrankt. Berlin,
Bedeutung und bet Verkehr bet elektrischen Straßen- I ">• Marz. Der Reichstagsabgeordnete Freiherr bahn erheblich gesteigert werden. I v. Hertling (Ztr.) ist schwer erkrankt. Er wurde
Kurz, alle Erwägungen sprechen gegen den Biegen. I mit den Sterbesakramenten versehen und in chgs Durch baldige Herstellung wenigstens einer Fuß- I Hedwigskrankenhaus gebracht. nP*’
gängernerbinbung im Zuge ber Savigny- ober bet I — Wahlpriifungskomm isfion. VerliN. 28. Wolfstraße wirb man allen berechtigten Ansprüchen | März. Die Wahlprüfungskommission bes Ab- «ÄÄ SÄÄ SSSSMSä ÄS? S„ nw «ww (1 S"Sta)
Also begnüge man sich mit bet Elektriesierung bet I Zuwachssteuer. Berlin, 28. März,
bestehenben Strecke! I Wie die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, werden in
»— - --------=———; ■— | den nächsten Tagen vom Reichsschatzamt die Aus-
I fuhrungsbestimmungen zur Reichszuwachssteuer
■UeiU|<ye» I in den bei jeder Postanstalt erhältlichen amt-
— Di« Reise des Kaisers. Wien, 28. März. lichen Nachrichten veröffentlicht werden. Die Wie die „Neue Freie Presie" aus Pola meldet, Ausführungsbestimmungen sehen die Einrich- fuhr heute morgen 4 Uhr das gesamte Eeschwä- I tung von Zuwachssteuerämtern und Oberämtern der von Fasan« aus, um der Jacht .Hohenzol- I vor, welche durch das Zentralblatt für das lern", auf der sich Kaiser Wilhelm auf der Fahrt I Deutsche Reich veröffentlicht werden. Das Ver- nach Korfu befindet, entgegenzufahren. An fahren hat drei Abschnitte: 1. Mitteilung und Bord eines Kriegsschiffes hatte sich der Erzherzog Anmeldung des Steuerfalls, 2. das sog. Vorver- Franz Ferdinand eingeschifft. Die Begegnung fahren, nämlich die Feststellung, ob eine Steuererfolgte auf hoher See. Die Musikkapelle eines pflicht vorliegt, 3. das sogen. Hauptverfahren, Kriegsschiffes intonierte beim Nahen der nämlich die Veranlagung und Erhebung der „Hohenzollern" die deutsche Hymne. Gleichzeitig Steuer. Für die Anmeldungspflicht kommen gaben die Kriegsschiffe Salut ab. Gegen 11 2 r Grundbuchämter, Registergerichte, Notare, son- mittags ist das Geschwader in den Hafen zurück- stige Urkundbeamten und einzelne Steuerpflich- gekehrt. — An Bord der „Königsberg, 28. März. tige in Betracht. In normalen Fällen, insbe- (Durch Funksoruch über Pola): Heute vormit- sondere wenn der Abschluß eines notariellen tag gegen 10 Uhr begegnete die „Hohenzollern" Kaufgeschäftes sodann Auflasiung und Eintra- mit den Begleitschiffen bei Pola dem österreichi. I gung in ein Grundbuch stattfinden, hat der
Steuerpflichtige sich aus nichts zu veranlasse«. Was das Vorverfahren betrifft, so soll das Za- wachssteueramt auf Grund seiner eigenen Sachkenntnis und der ihm zugegangenen Mitteilungen prüfen, ob überhaupt ein steuerpflichtiger Fall gegeben ist; insbesondere sollen die Feststellungen des Vorverfahrens darauf gerichtet werden, ob überhaupt ein Steuerbetrag von 20 M. erreicht werden wird, damit Fälle, wo sich der Steuerbetrag unter 20 J*. hält, von vornherein ausgeschieden werden, da sie nach § 28 Absatz 3 steuerfrei zu veranlassen sind. Erst wenn feststeht, daß es zu einer Steuerfestsetzung von mehr als 20 <X kommen wird, tritt das Zuwachssteueramt an die einzelnen Steuerpflichtigen heran, indem es ihnen den Vordruck für die Zuwachssteuererklärung übersendet. Um die Eintragung zu erleichtern, wird eine Mustererklärung von der Reichsfinanzverwaltung veröffentlicht werden. Die Angaben der Zuwachssteuererklärung werden sodann einer Prüfung unterworfen. Rach Abschluß der Ermittelungen wird die Steuerberechnung zu, den Akten aufgestellt und den Steuerpflichtigen der Zuwachssteuer-Bescheid zugestellt. Dem Grundstückseigentümer soll es auch ermöglicht sein, auch ohne Veräußerung von der Steuerbehörde über die bisher feststellbaren Berechnungsgrundlagen eine Erklärung zu erhalten.
— Nachspiel zu Moabit. Berlin, 28. März. Der verantwortliche Redakteur des „Vorwärts", Wermuth, wurde vom Landgericht I wegen eines Artikels im „Vorwärts" am 2. November: „Am Wedding Ruhe und Regen", in dem das Verhalten der Polizei einer scharfen Kritik unterzogen wurde, wegen Beleidigung der Berliner Polizei zu 200 verurteilt. Der Polizeipräsident hatte Strafantrag gestellt.
— Die Hamburger Spione und der Dieb im Reichskanzlerpalais. Berlin, 28. März. Von einem Berliner Blatte ist die Hamburger Spionageangelegenheit mit dem Diebstähle im Reichskanzlerpalais in Verbindung gebracht worden. Gegenüber dieser Sensationsmeldung ist die „Neue Preußische Korrespondenz" in d>- Lage festzustellen, daß die beiden Angelegenheiten nichts miteinander zu tun haben. Der Diebstahl im Reichskanzlerpalais kennzeichnet sich als ein einfacher Gelegenheitsdiebstahl, in-, dem der Liebhaber eines Kochfräuleins sich einige Schmucksachen von unbedeutendem Wert aneignete. Dagegen ist der Dieb bis in die Zimmer, in denen er amtliche Schriftstücke hätte entdecken können, nicht vorgedrungen. Dokumente sind nicht entwendet worden, ganz abgesehen davon, daß im Reichskanzlerpalais Schriftstücke, die für einen Spion von Wert sein können, nicht aufbewahrt werden.
— Aus Deutschostafrika meldet ein Telegramm des stellvertretenden Gouverneurs, daß gegen den Referenten, bei dem Gouvernement, -----------== ===== _ - X
Lucie besann sich feinen Augenblick. Mit ihren zarten Armen hob sie die gelähmte Frau empor und von dem Mute der Verzweiflung beseelt, gewann sie f) viel Kraft, ihre Last bis zur Tür zu schleppen.
Aber weiter fam sie nicht; erschöpft brach sie zusammen, indem sie noch beim Niebersinfen es versuchte, mit ihrem Körper die alte Dame vor ben züngelnben Flammen zu schützen, bie gierig jetzt nach zwei Opfern leckten.--
Mit sehr gemischten Empfinbungen hatten Mutter und Tochter ben Ballsaal berieten. In geheimer Sorge blickte die Baronin auf ihr Kind, daß sie fast Groll empfand und während sie die flachen Redensarten des Grafen Alfred mit zerstreutem Lächeln erwiderte, quälte sie sich mit dem Gebauten, was sie morgen ihrer Mutter sagen sollte.
Mutter und Tochter bildeten ein reizendes Paar; wie die voll erblühte Rose neben der sich eben erschließenden Knospe, so stand die Baronin an berSeite ihrer jugendfrischen Tochter.
Das Erscheinen der beiden Damen erregte Sensation in dem Saale und bald waren Mutter und Tochter der Mittelpunkt der Gesellschaft.
Der alte Graf Sternberg blickte etwas mißmutig drein, es gefiel ihm nicht, daß Elftiede so viel Beifall fand. Sein Sohn tonnte sich nicht mit den jungen Männern messen, die das hübsche Mädchen huldigen» umschwärmten; es war also in seinen Augen nicht unmöglich, daß Elfriede an einem anderen Gefallen fand und dadurch dann das Heiratsprojett vereitelte. Einer solchen Gefahr mußte vorgebeugt werden an» der Gras beschloß, schon am nächsten Tage mit bet Frau Landrat zu sprechen, um seine Ansprüche sicher zu stellen.
(Fortsetzung folgt.)