Marburg
JE 68
Erttes Blatt
l
46. Jahrg
1911.
A,te „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M sahne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei ins Hous. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Regierung eingeschlagenen Weg einverstanden sind, werd aber die Gefahr einer solchen Taktik nicht verborgen bleiben. Nachdem der Bundesrat unter entschiedener Ablehnung der auf einen lebenslänglichen Statthalter und einen selbständigen Bundesstaat gerichteten Anträge die Verleihung von drei Bundesratsstimmen an Elsaß-Lothringen vorgeschlagen hat, könnte man erwarten,daß die groß- Bedeutung dieser Verleihung von jedem, der die weitere Entwicklung des Reichslandes zu größerer Selbständigkeit ehrlich wünscht, richtig gewürdig würde. Voraussetzung für ein günstiges Resultat der weiteren Beratung der Ve fassungsreform ist aber, daß die Wünsche, die über die Gesetzesvorlage der verbündeten Regierungen hinausgehen, zurückoestellt werden. Die Bedeutung solcher das Budgetrecht, die erste Kammer und das Wahlrecht betreffenden Wünsche, steht in keinem Verhältnis zur Bedeutung dessen, was die Elsaß- Lothringer nach den Vorschlägen der Reichsleitung erlangen sollen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Versuch, Sonderwünsche zu forcieren, auf den entschiedenen Widerstand der verbündeten Regierungen stoßen und das S.heitern der Vorlage zur Folge haben würde. Die Verantwortung für diesen Ausgang, der die Entwickelung des Reichslandes zur Selbständigkeit auf lange Zeit in Frage stellen müßte, siele dann nicht den verbündeten Regierungen zu Wenn die Politik der Sinn für das Möglich- und die Gabe ist, Wesentliches von dem Unwesentlichen zu unterscheiden, so wird der Politiker das Wesentliche, das heute möglich ist, nicht durch das Unmögliche' das unwesentlich ist, gefährden können. Das sollten die aufrichtig an der Verfassungsreform interessierten Elsaß-Lothringer bedenken und anstatt den Boaen zu überspannen, umgekehrt dahin wirken, daß den Parteien im Reichstage, die in gemeinsamer Arbeit mir der Regierung das Reformwerk zustande bringen wollen, die erforderliche Zurückhaltung in den Anträgen nicht erschwert wird.
mit Patronen belandene Maulesel sind zrr Mahall« «bgesandt. Eine Anzahl der Stämme bot ihre Unterwerfung. Es ist noch ungewiß, ob Mula, Hafid morgen zu dem an diesem Tage üblichen Gebet die Stadt verlassen und sich nach dem außerhalb der Befestigung gelegenen Orte Masalla begeben wird, um dort das Gebet zu verrichten. Für den Fall, daß er dort hingeht, werden Unruhen befüchtet. Ein Verbleiben in der Stadt würde jedoch einen Triumph der Beraber über die dem Maghzen beigebrachte Demütigung bedeuten.
dem Eifer und bestem Erfolge gewirkt hat. Wie I u>ir damals aus Anlaß seines Todes diesem her- I vorragenden Schulmann und warmherzigen I Freund der Jugend (in Nr. 171 der Oberhesf. I Zeitung vom 24. Juli 1895) einen ehrenden I Nachruf gewidmet haben, so möchten wir heute, I am 20. d. M., als dem 100. Jahrestage seiner
Geburt, in den Herzen unserer Leser, und besonders seiner ehemaligen Schüler, sein Andenken wieder erneuern.
* Eisenbahn - Personalien. Ernannt: zum Lokomotivführer: Lokomotivheizer Elänzer in Marburg; zum Lademeister: Schirrmeisterdiätar I Engelhardt in Treysa. Die Prüfung hat bestanden: Die Ergänzungsprüfung zum Eisenbahnsekretär: Eütervorsteher Nickel in Jesberg.
* Bon der Eisenbahn. Der Eisenbahn-Güterverkehr hat in der letzten Zeit derart zugenommen, daß es nicht immer möglich war die Beförderung der Güter mit den planmäßige" Zügen, zu bewirken. Es mußte daher die'Einlegung mehrerer Sonderzüge angeordnet werden. Auch in den Eisenbahnwerkstätten häufen sich die Arbeiten infolge der größeren Inanspruchnahme des rollenden Materials.
* Militärisches für den »eurlaubtenstand. Ende März werden wieder neue Krieasbeorde- rungen und Paßnotizen ausgegeben. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes, wozu die Reservisten und Landwehrleute, sowie die Er- satzreseroisten gehören, werden darauf hingewiesen, daß jedem einzelnen die Kriegsbeorderung bezw. Paßnotiz direkt durch die Post zugestellt werden wird. Die Empfangsbescheinigung (Postkarte), welche der Kriegsbeorderung bezw. Paßnotiz beiliegt, ist nach Unterschrift am 1. April durch die Post an das Hauptmeldeamt zurückzusenden. Die Postkarte (Quittung) darf nicht in Marburg oder an einem zum Ortsbe- stellbezirk Marburg gehörenden Orte zur Post gegeben werden, sondern am Wohnsitz des Betreffenden, da sonst Strafporto entsteht. Denen in Marburg wohnenden Mannschaften wird empfohlen am 23., 24. oder 25. März beim Be-'
Politische Umschau.
Die elsaß-lothringische Bersassungsfrage.
Berlin, 18. März. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Der elsaß-lothringisch« Landesausschuß nahm am Donnerstag einen Antrag an, der bezüglich der Verfassungsreform eine Reihe radikaler Forderungen aufstellt, über deren Unannehmbarkeit sich auch dir Urheber des Antrages keinem Zweifel hingeben dürfe::. Wenn die elsaß- lothringischen Elemente, die im Lande Unzufriedenheit und sich Agitationsstoff erhalten wollen, diesen Radikalismus nach Kräften schüren, um die Vorlage zu Fall zu bringen, so mag aas taktisch verständlich sein. Allen denen, die prinzipiell mit dem von der
Deutsches Reich-
— Zur Reise des Kaiserpaares nach Wien. Wien, 18. März. Die Korrespondenz Wilhelm" meldet: Der Erzherzog-Thronfolger und Gemahlin, Herzogin von Hohenberg, unterbrechen ihren Aufenthalt in Brioni und treffen am 23. März abends in Wien ein, um das deutsche Kaiserpaar, den Prinzen Joachim und die Prinzessin Viktoria Luise am 24. März hier zu begrüßen. Am 25. März kehren sie nach Brioni zurück. Anläßlich des Besuches des Kronprinzenpaares am 9. April wird der Erzherzog Thronfolger und Gemahlin wiederum in Wien fein. Prinz Joachim von Preußen fährt am 24. März nach der Abreise seiner Eltern vom Nordbahnhof nach Berlin. Die Tafel am 24. März im Schönbrunner Schlosse findet um 7 Uhr abends statt.
— Zum 18. März. Berlin, 18. März. Die Feier auf dem Friedhof der Märzgefallenen in Friedrichshain spielte sich in dem bekannten Rahmen ab. Bei dem schönen Wetter hatten sich zahlreiche Arbeiterdeputationen und viele Besucher, darunter viel Frauen, eingefunden. Das Publikum verhielt sich sehr ruhig.
— Spione. Hamburg, 18. März. Das „Hamburger Fremdenblatt" meldet, daß ein Engländer und vier einheimische Personen verhaftet worden find, die in dem dringenden Verdacht stehen, genaue Angaben über die auf den Hamburger und Bremer Werften im Bau befindlichen Kriegsschiffe nach England zu liefern. — Zu der Angelegenheit verlautet, daß schon seit acht Tagen die Festnahme einer Persönlichkeit vorbereitet war, die im Verdachte der Hochstapelei stand. Die Hamburger Kriminalpolizei nahm dann eine Person fest, jedoch sollen jetzt die Verdachtsgründe fich nicht als stichhaltig erwiesen haben, sodaß dieselbe wahrscheinlich wieder auf freien Fuß gesetzt wird.
“ Boykott gegen die Griechen Athen, 19. März. Von den Dardanellen wird gemeldet: Der Boykott gegen die Griechen hat wieder sehr scharfe Formen angenommen. Durch Anschlagszettel werden die Türken aufgefordert, griechische Schiffe und Eeschäft- zu boykottieren. Dieselben Nachrichten treffen aus Brussa ein. In Smyrna oerbot das Komitee streng, griechische Arbeiter bei Löschung der Schiffe zu verwenden. Das Komitee bemächtigte sich der Pakete von griechischen Zeisilngen, die auf einem italienischen Postdampfer eingctroffen waren und lieferte dieselben erst nach dem Einschreiten der Polizei aus. Ein heute aus Smyrna eing-troffenes Telegramm meldet: Die Schiffsauslader warfen die griechischen Zeitungen, die aus Athen mit einem russischen Post- dampfer dort cingetroffen waren, ins Meer: das Eingreifen der Polizei war erfolglos. Infolge einer Aufforderung der türkischen Zeitungen begab sich die muselmanische Bevölkerung in die Moscheen und Klubs, wo von den Rednern ein- systematische und energische Bokottierung der Griechen gefordert wurde.
“ Rußland und die Chinesen. Tokio, 18. März. SVe Erregung der hiesigen chinesische-: Studenten dauert an. Gestern drang ein Haufe in das Gebäude der chinesischen Gesandtschaft, um gegen die angeblich provozierende Haltung Rußlands zu protestieren. Der Gesandte empfing die Studenten nicht Sie blieben aver nachts in der Gesandtschaft.
** Tätlichkeiten im Parlament. Serajewo, 17. März. Im Landtag kam es vor der Abstimmung über das Budget der inneren Verwaltung zwischen dem Kroaten Ejurkovecki und dem Serben Erreggiten zu Auseinandersetzungen, die zu Tätlichkeiten führ' n. Die Sitzung wurde unterbrochen.
Bereinigte Staaten. Washington, 18. März. In Gemäß des von dem General Wood, dem Chef t es Eeneralstabs der Bundesarmee, vor mehreren Monaten ausgearbeiteten Planes zur Verstärkung der unzureichenden Besatzung von Honolulu ist das zweite Infanterieregiment der Vereinigten Staaten nach Honolulu abs egangen. Rach einer Meldung aus Tucson, der Hauptstadt Arizonas, welche das Regiment passierte, ist dort das Gerücht verb. itet, daß die Streitkräfte von Hawaji in den nächsten drei Monaten um zwölf Tausend vermehrt werden.
“ Marokko. Tanger, 19. März. Aus Fez wird unterm 13. März gemeldet: In dem Kampfe gegen die Beraber bei Feradje verlor die scherifische Mahalla 14 Tote, darunter einen Kaid; etwa 20 Mann wurden verwundet. Die Beraber zogen fich zurück und nehmen eine abwartenve Haltung ein. Zur zeit ! lagert die Mahalla in Derhafid Serradi; zweihundert I
Ausland.
” Italien. Rom, 17 März. Da die Mehrheit der radikalen Deputierten in dsr Frage de» Berichts der Kommission für die Wahlreformlage in der gestrigen
I Kammersitzung anders abstimmte als das Kabinett, sprachen die Minister Sacchi tm') Credato den Wunsch aus, aus dem Kabinett auszutreten. Infolgedessen beschloß der Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten LuMttt einstimmig, zu demissionieren. Luz- za ti überreichte die Demission des Kabinetts heute Morgen dem König, der sich Bedenkzeit vorbehielt. Das Kabinett, das vorläufig die laufenden Geschäfte erledigt, wird morgen dem Senat und der Kammer seine Demission mitteilen.
** Die Winzerrevolte. Reims, 19. März. Die Bewegung der Winzer im Departement Aube ruft eine Gegenbewegung in der Champagne hervor. In dem Tal der Marne und in den Bergen bei Reims ist die Bevölkerung sehr erregt. In mehreren Gemeinden sind Kundgebungen angeschlagen, in denen gewisse Kaufleute mit Sabotage bedroht werden. — Troyes, 19. März. Auf der Präfektur laufen fortgesetzt neue Demissionen von Eemeinderäten ein. Vor den Bürgermeistereien von einzelnen Gemeinden wurden die Feuerspritzen angefahren, um dce Bürger an der Ablieferung ihrer Abgaben zu verhindern; auch der Gemeinderat von Troyes gab seine Entlassung
** Und willst Du nicht mein Bruder fein . . . Viry Chaiillon, 18. März. Bei Draveil überfielen etwa 150 Erdarbeiter eine Gruppe von Steinbrucharbeitern. weil diese sich keinem Syndikat anschließen wollten. 10 Steinbrucharbeiter wurden durch Knütrel- hiebe verwundet. Drei Angreifer wurden verhaftet.
“ Die Prügelstrafe in Dänemark. In dem provisorischen Gesetz über die Aenderung der Strafgesetzgebung vom 1. April 1905 wurde auf die Initiative des damaligen Iustizministers Alberti u. a festgesetzt, daß männliche Personen zwischen 18 und 55 Jahren als Zusatzstrafe zu der von ihnen verwirkten sonstigen Strafe zu körperlicher Züchtigung (Prügel) verurteilt werden kön en bei Gewalttätigkeiten gegen Personen, die dazu keinen Anlaß gegeben haben, >o- w>- für Unzucht, begangen an Mädchen unter 12 Jahren. Das betreffende Gesetz fnll vor Ablauf von 6 Jahren revidiert werden Da es sich gezeigt hat. daß die Prügelbestimmung im Laufe der Jahre ganz außerordentlich wenig -ngewendet worden ist, hat der jetzige Justizminister in der geeen- ttW ’ttg n Reichstags:? fion einen Gesetzentwurf i vorgelegt. durch den die übrigen Bestimmungen des Gesetzes erneuert werden, während die Prügelbestimmung nicht mitübernommen ist. Der Gesetzentwurf ist im Folkeung angenommen worden und wird jetzt im Landsting verhandelt, wo er vermutlich auch angenommen werden wird. Es ist somit Aussicht vorhanden, daß die dänische Gesetzgebung de: Bestimmung über die seinerzeit so viel besprach me Prügelstrafe befreit wird. I
Marburg und Umgegeno.
I (Rächtaller Vriginalartikel ist gemätz § 18 des | Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 20. März.
* Ein Frühlingssonntag. Wenn auch der Frühling morgen am 21. erst kalendermäßig seinen Einzug hält, so ließ er uns gestern, nach dem unfreundlichen Wetter der letzten schon einmal einen Teil seiner Reize kosten. Von den _ frühen Morgenstunden an beleuchtete" goldener Sonnenschein die Felder und Wälder, die im Begriffe sind, ihr Frühlingskleid anzuziehen. In das Summen der Bienen, die die an den Südhängen bereits sich zeigenden ersten Frühlingsblumen benaschten, mischte sich der Jubelgesang der geflügelten Sänger, die nun die Win- tersnot glücklich überstanden. Und nachmittags zog Alt und Jung hinaus durch die Felder und Wälder; die Ausflugsorte der Umgebung sanden gestern reichlichen Ersatz für die paar letzten Sonntage, die uns unfreundliches Wetter brachten. Freilich — allzu leicht durfte man sich gestern doch noch nicht kleiden. Für Strohhüte war's noch nichts und wer seinen Paletot zu Hause gelassen hatte, mußte dies schwer büßen. Da wo die Sonne nicht schien und an manchen Höhenlagen war's recht zugig und in den Abendstunden herrschte eine empfindliche Kühle. Im großen und ganzen kann man jedoch mit dem gestrigen ersten Frühlingssonntag recht zufrieden sein.
* Eine Erinnerung an Prof. Collmann. Man schreibt uns: Viele Bewohner unserer Stadt werden sich noch gerne des am 20. Juli 1895 hier verstorbenen Kgl. Eymnasial-Professors Dr. Eckard Collmann erinnern, der 51 y, Jahre lang am hiesigen Kgl. Gymnasium als Lehrer der klassischen Sprachen und des Französischen mit nie ermüden- ' '
Die Ziele.
Der „Vorwärts" bringt zum 18. März einen Revoknkivnsartikel, in dem es heißt:
Heute nach sechzig Jahren schlagen Millionen Herzen zuversichtlich, wenn der Revolution stolze Losung widerschallt:
Ich werde sein, und wiederum voraus den Völkern werd' ich gehn!
Auf eurem Nacken, eurem Haupt, auf euren Kronen werd' ich stehn!
Heute wissen die Machthaber genau, daß die Welt schwanger ist mit einer Revolution, gegen die 1848 ein Kinderspiel war. Sie wissen, daß es kein Entrinnen gibt, und bauen nur noch auf die rohe Gewalt, auf die Flinte, die schießt; und den Säbel, der haut. Oder sie tun wenigstens, als ob sie's glauben. Denn sie wissen sehr wohl, daß zu dem Arm, der die Flinte regiert und dem Säbel, ein Kopf gehört und daß Tag für Tag in den Köpfen die Gedanken klarer werden. Sie wissen ferner, daß seitdem ein anderes Dichter- wort erprobt ist, das Wort „Alle Näder stehen still, wenn dein starker Arm es will", daß dieses Wort die Drohung eines furchtbaren Kampfes enthält, eines Kampfes, in dem selbst die Schnellfeuergeschütze und Kleinkalibrigen versagen. Wenn das nächstemal das revolutionäre Gewitter sich entlädt, wenn die Welt in Flammen vufgeht, dann helfen keine Worte mehr und keine theatralischen Umzüge mit der schwarz-rot- goldenen Fahne. Freilich, auch die Machtmittel der herrschenden Klasse sind unendlich viel größer und vor allem diese herrschende Klasse ist in sich fester gefügt, denn je. Wohl tobt „der Kampf um den Platz am Futtertrog"; doch besteht darüber kein Zweifel, daß im Ernstfälle von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten des bürgerlichen Lagers alles zusammensteht gegen das Proletariat. Für uns in Deutschland vor allem wäre ein Zweifel daran lächerlich. Es ist undenkbar, daß sich Proletariat und Bürgertum zusammenfinden. Mit Sturmeseile geht die Entwickelung weiter. Mit unheimlicher Schnelligkeit vollzieht sich ununterbrochen die Proletarisierung der Völker und immer von I neuem wird die Welt durch politische Konflikte beunruhigt. Die Völker starren in Waffen und jeden Tag kann die Unvernunft der herrschenden Klaffen die Kriegsfurie entfesteln. Der Krieg aber birgt heute die Revolution in fich. Das ist das Verhängnis der kapitalistischen Welt."
Vor kurzem ging eine Unterredung durch die Blätter, die ein bürgerlicher Politiker in Offenbach mit einem Sozialdemokraten gehabt hatte. Der letztere hatte darin mit bemerkenswerter Offenheit von der Revolution gesprochen, bei der alles brynter und drüber gehen werde. Der ganze Haß gegen die anderen Klassen kam dabei I schon in der Form zum Ausdruck. Wir haben , f- 3t- nicht davon Notiz genommen, weil man I nicht Parteien für die Auslassungen irgend I eines Mitgliedes verantwortlich machen kann I und soll. Eine verwerfliche und törichte Taktik, I die von der gegnerischen Presse log für Tag in hetzerischer Weise gegenüber den rechtsstehenden I Parteien angewandt wird. Etwas anderes aber I ist es, wenn das Zentralorgan einer Partei fich nunmehr so äußert. In einem Teil unserer I Presse ist die Angst vor dem Verlust sozialdemokratischer Stimmen usw. schon soweit gediehen, I daß solche Steuerungen einfach unterschlagen werden, die dem nut einigermaßen I «och „b ü tgerlich" Denkenden die Augen öffnen müssen darüber, wohin die I Reise in der Gemeinschaft mit den Genossen I geht. Umsomehr ist es Pflicht der übrigen Presse, derartige rückhaltlose Vekennnisse einer I schönen Seele niedriger zu hängen. Die Konse- I quenzen für das Bürgertum und die Regierung I find ja klar, einer Partei gegenüber, die die I wahren Scharfmacher in sich zählt und die I skrupellos auf Bürgermord hinzielt. I ftompf mit allen gesetzlichen Mitteln. Unter I hlesen neuen Gesichtspunkten des „Vorwärts" I wird man übrigens auch den — „Abrüstungs- I tut rag" der Genossen betrachten müssen! I
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
L,er Anzeigenpreis betragt sur die «gehaltene Zeile ober beten Raum 15 bei auswärtigen Anzeigen 20 j., für Reklamen die Zeile 40 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Tatenborschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.