OßechW Bt’ifung mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
M 67
Die „Lberhesiische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroths, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 19. März
Erstes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Abermals die Frage der Abrüstung.
Das englische Unterhaus berät in lebhaften Debatten die englische Marinevorlage. Diese Marme- vorlage bringt eine Zunahme des Budgets von beinah- 100 Millionen Mark. 5 Dreadnoughts, 3 gepanzerte Kreuzer, 21 Zerstörer und 6 Unterseeboote sollen in Angriff genommen, die Flottenmannschaft soll um 3000 Mann erhöht und damit auf eine Gesamtstärke von 134 600 Mann gebracht werden. Wie man sieht, ganz anständige Ziffern, welche jedenfalls eher den Wunsch, die englische Seeherrschaft gegen alle Eventualitäten zu sichern, als jenen Wunsch erkennen kaffen, für eine Beschränkung der Rüstung den Boden zu bereiten.
Nun hat allerdings in derselben Debatte der englische Minister des Aeußeren erklärt, es wäre in jeder Beziehung vorteilhaft, wenn der Gedanke der Rüstungsbeschränkung in den öffentlichen Meinungen in Boden gewönne und wenn man insbesondere dazu gelangen könnte, mit Deutschland ein Abkommen zu erzielen. Dieselben Abgeordneten, die sich mit der großen von der Regierung vorgeschlagenen Flottenvermehrung durchaus einverstanden erklärten, haben diese platonische Auslastung Sir Edward Greys mit großem Beifall ausgenommen.
Trotzdem aber diese Demonstration für den Abrüstungsgedanken durch die Neuforderungen des Flottenbudgets eigentümlich eingeschränkt wird und jedenfalls nicht an Eindringlichkeit gewinnt, hat dieselbe die deutschen Flottengegner und Ab- riisti ngsschwärmer auf den Damm gerufen. Der „Vorwärts" fordert Verhandlungen mit England. Er schreibt: „So ist der psychologische Augenblick durchaus günstig, um in Verhandlungen etnzutreten Das englische Unterhaus hat gesprochen. Zn voller Aebereinstimmung mit der französischen Kammer, die erst vor kurzem einen dem Sinne nach gleichen Antrag angenommen hat, hat dem Antrag des Liberalen King zugestimmt, der folgenden Wortlaut hat: „Das Haus bedauert das Fortbestehen der Aufrechterhaltung großer Rüstungen und würde die Herbeiführung einer internationalen Vereinbarung für die Beschränkung der Rüstungen willkommen heißen." Nun hat der deutsche Reichstag das Wort. Wir fordern mit allem Nachdruck — und die sozialdemokratische Fraktion wird die Forderung klipp und klar stellen — daß der deutsche Reichstag dem Willen der arbeitenden Klassen dieses Landes Rechnung trage und die Regierung anweise, ohne Verzug die Besprechungen mit England zu beginnen. Dem Wahnsinn des Wettrüstens mutz ein Ende gemacht werden, soll nicht dem Schrecken ohne Ende ein Ende mit Schrecken folgen."
Darnach scheint die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages die Abrüstungsfraqe abermals aufs Tapet bringen zu wollen. Der Moment, der dem „Vorwärts" günstig scheint, scheint uns denkbar ungünstig. Wenn die neue englische Vorlage richtig gewürdigt wird, so kann doch der im Zusammenhang mtt der Flottenvorlage aufgetretene Wunsch nach Abrüstung nur die Bedeutung haben, daß die Briten den Gedanken einer Rüstungseinschränkung zwar theoretisch in den Vordergrund schieben, praktisch aber nur zulasten wollen, auf der Grundlage einer maritimen Alleinherrschaft Englands. England selbst ist doch offenbar nicht bereit, zu geben. Welcher Art unter diesen Umständen die Vorschläge sein können, die nach Meinung des „Vorwärts" der Reichskanzler sofort den Engländern machen soll, dürfte auch den Redakteuren des „Vorwärts" durchaus unklar sein. Die deutschen AbrLstungsfrcunde scheinen zu glauben, England habe praktische Vorschläge gemacht, dies ist jedoch nicht richtig. Die englischen Sondierungen, von denen auch der Reichskanzler gesprochen hat, waren ganz allgemeiner Natur und enthielten allem Anschein nach keinerlei praktisch greifbare Vorschläge. Nicht am deutschen Reichstag ist es daher, zu reden, sondern an der englischen Regierung, ihren platonischen Erklärungen einen praktisch greifbaren Inhalt |u geben. Daß die Engländer nicht daran denken, zeigt ihr Buoget.
Politische Umschau.
Gießen.
Die fortschrittliche Stichwahlparole ist, wie wir bereits gestern mitteilten, für den Genossen ausgegeben worden. Das war zu erwarten und ist, um es kurz zu sagen, erfreulich, denn es bringt eine wefentlicheKlärung. In der Begründung heißt es:
„Die Entscheidung kann für liberale Männer licht zweifelhaft sein. Die Aufgabe der Gegen- I
wart und der nächsten Zukunft in der deutschen Politik ist es, die Mehrheit, die nach dem Ausspruch des Fürsten Bülow ein frivoles Spiel mit den Interessen des deutschen Volkes getrieben hat, zu zertrümmern. Wir dürfen nicht kurzsichtig sein; wenn es nicht national ist, uns von der Sozialdemokratie die Stichwahlhilfe gewährenzulassen, kann es auch nicht pflicht- vergessen sein, ihr solche zu lei st en. Wir fordern unsere Freunde und Wähler dringend auf, am 21. März ihre Stimme abzugeben für den Kandidaten der Sozialdemokratie Herrn, Georg Beckmann in Gießen. Darin sind wir mit den hervorragendsten Führern beider liberaler Parteien gleicher Meinung."
Der „Post" wird dazu aus parlamentarischen Kreisen geschrieben:
„Schon nach der lleberlieferung des Mandats in Usedom-Ueckermimde an die Sozialdemokraten und ähnlichem Borgängen dieser Art begegnete man in rechtsstehenden Kreisen und in der konservativen Presse aller Richtungen vielfach der Auffassung, daß unter solchen Umständen die Linksliberalen genau so als Feind zu behandeln seien wie die Sozial- demokraten, und daß sie demzufolge, wenn sie mit diesen um ein Mandat streiten, sich selbst zu überlassen seien. Dieser weitverbreilelen Auffassung war schon bisher schwer mit Erfolg von dem grundsätzlichen Standpunkte der Sammlung aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie entgegenzutreten. Vorgänge, wie die für die Gießener Stichwahl ausgegebene Wahlparole machen dies nachgerade beinahe zur Unmöglichkeit und man wird sich daher in freisinnigen Kreisen nicht darüber wundern dürfen, wenn ihnen bei Wahlkämpfen gegenüber den Sozialdemokraten die bisher so bereitwillig gewährte konservative Wablhilfe versagt wird, wenigstens soweit nicht Abmachungen auf der Grundlage der Gegenseitigkeit bestehen."
Das ist es ja, die Freisinnigen rechnen damit, daß die Konservativen sie gegen den Genossen doch herausreißen und spielen „Va banque". Darum muß ihnen im eigensten Interesse gezeigt werden, daß sie ohne konservative Hilfe schon das vorige Mal nur wenige Sitze erobert hatten, daß diesmal ihnen aber eine Hilfe in keiner Weife gewährt werden kann.
Zn der Villa Malta-zu Rom aber klingen einem Kanzler a. D. die Ohren, daß die fortschrittliche Volkspartei in Gießen es fertiggebracht hat, sich auf den Fürsten Bülow zu berufen, um damit ihr Eintreten — für den sozialdemokratischen Kandidaten zu motivieren. Nach dem Kanzler müsse man als gutet Deutscher gegen den Deutschsozialen für den Sozialdemokraten stimmen! Auf diese Weise wird Fürst Bülow, der Sieger der Wahlen für 1907, zum Protektor des Umsturzes gestempelt. Dos ist ein allerliebster Taschenspielertrick. Der frühere Kanzler aber wird über die Geister, die er gerufen, nicht sehr erbaut sein.
Am interessantesten ist aber trotz alledem die völlige Verbrüderung der radikalen Linken, deren einer „bürgerlicher" Teil einst unter Bülow sich sogar auf seine nationale Vewilligungslust viel zu gute tat. Heute lassen sich damit politische Geschäfte nicht mehr machen. Ergo!
Italienische Festtage.
Rom, 17. März. Im Verlaufe der heutigen Kammersitzung verlas der Präsident die Elück- wunschdepesche des Präsidenten des Deutschen Reichstags. Der Präsident und alle Deputierten erhoben sich von den Sitzen. (Wiederholter enthusiastischer Beifall.) Der Präsident erklärte im Anschluß an die Verlesung des Telegramms, nach dieser Kundgebung, die ein Zeugnis dafür sei, wie das italienische Parlament und ganz Italien des Bandes gedächten, das Italien mit der edlen deutschen Nation verknüpft, erachte er sich ohne weiteres für beauftragt,, dem Reichstag durch ein Telegramm die Gefühle der Freundschaft Italiens auszudrücken. (Lebhafter, andauernder Beifall.) Unterstaatssekretär' Fürst Discalea schloß sich im Namen der Regierung in erhebenden Worten dem Präsidenten und der ergreifenden Kundgebung an, mit der die italienische Kammer den Gruß des großen, befreundeten und verbündeten Volkes erwiderte. (Lebhafter Beifall.)
Turin, 17. März. Die 50. Wiederkehr des Jahrestages der Aufrichtung des Königreichs Italien wurde hier durch eine glänzende Ver
Der Anzeigenpreis betragt für Die 7gespaltene Zeile ober beten Raum 15 j., bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorfchrist und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt e. M.
46. Jahrg«
1911.
sammlung der Bürgermeister aller Gemeinwesen des ehemaligen Königreichs Sardinien festlich begangen. Nach feierlichem Empfange im Rathaus begaben sich die Bürgermeister im Festzuge nach der Mole Antonelliana, wo in Gegenwart der Prinzessin Lätitia, des Herzogs von Genua und des Finanzministers Facta als Vertreters der Regierung und der Vertreter Roms und Florenz eine Gedächtnisfeier ab^ehalten wurde. Sodann vereinigte ein großes Bankett auf dem Gelände der Ausstellung 1911 die Bürgermeister und die Spitzen der Behörden. Auch in Mailand, Bologna, Genua und in anderen Städten wurde der Tag festlich begangen.
Deutsches Reich-
— Die Reise des Kaisers nach Wien. Wien, 17. März. Wie die Korrespondenz Wilhelm erfährt, wird die Ankunft des Deutschen Kaisers, der Kaiserin sowie der Prinzessin Viktoria Luise und des Prinzen Joachim am 24. März auf dem Nordbahnhof um liVi Uhr erfolgen. Kaiser Franz Josef wird voraussichtlich die erlauchten Gäste empfangen und begrüßen. Nach einem Aufenthalt von wenigen Minuten wird die Fahrt nach der Station Penzig fortgesetzt, wo der Hofzug gegen 11 Uhr eintrifft und die Begrüßung durch die Erzherzöge und Erzherzoginnen und Würdenträger erfolgt. Non dort wird die Fahrt zu Wagen nach Schönbrunn fortgesetzt. Mittags findet im Schönbrunner Schloß Dejeuner, abends Tafel statt, an die sich ein Empfang anfchließt. Hierauf setzen die deutschen Majestäten mit der Prinzessin und dem Prinzen Joachim die Reise nach Venedig fort. — Berlin, 17. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Dem Vernehmen nach macht die Kaiserin die Fahrt nach Korfu gemeinsam mit dem Kaiser; demgemäß wird sie trotz ihres angegriffenen Gesundheitszustandes bei der Unterbrechung in Wien an dem Besuche bei Kaiser Franz Josef teilnehmen. Prinzessin Viktoria Luise begleitet die Eltern nach Wien und Korfu, ebenso macht Prinz Joachim die Reise bis nach Wien mit, da der Kaiser Wert darauf legt, dem Prinzen den Paten vorzustellen.
— Berfassungsreforn» für Elsaß-Lothringen. Die Reichstagskommission für die elsaß-lothringische Verfassungsreform beseitigte in § 5 die Befugnis der Landesregierung, im Konfliktsfall mit dem Landtag Steuern und Abgaben weiter zu erheben und Schatzanweisungen auszugeben. Sie nahm statt dessen einen Zentrumsantrag an, wonach Steuern und Abgaben für die Staatskasse nur erhoben werden dürfen, soweit sie in den Etat ausgenommen oder durch besondere Gesetze angeordnete stiid. Der zweite Teil des Zentrumsantrages, der die erwähnte Befugnis mit der Begrenzung auf vier Monate zulassen wollte, wurde abgelehnt. Auch alle anderen Anträge fielen, darunter der auf Beseitigung der ersten Kammer und Uebettragung der in § 5 dem Kaiser vorbehaltenen Befugnisse auf den Statthalter. Zu § 6 (Zusammensetzung der ersten Kammer) lagen vom Zentrum und der Linken Anträge vor, die Zahl der vom Kaiser zu ernennenden Mitglieder herabzusetzen und dafür die der anderen Mitglieder zu erhöhen. Sie wurden vom Staatssekretär scharf bekämpft. Die Beratungen werden am 21. März fortgesetzt.
— Ein wirklicher Abrüstungsantrag. Man schreibt uns: Merkwürdig, daß das heutige Geschlecht nicht mehr die Spuren schrecken". Bringt , da die Sozialdemokratie wahrhaftig im Reichstage einen Antrag ein, daß die deutsche Regierung mit den übrigen Mächten in Verhandlungen über allmähliche Ab- riistung eintreten solle. Auch die Fortschrittspartei will in dieselbe Kerbe hauen. Man scheint ganz vergessen zu haben, daß 1869 der Abg. Virchow mtt Rücklicht auf die „ungemein friedliche Stimmung" der Völker denselben Antrag einbrachte und daß — wenige Monate später die Kanonen donnerten. Menn erst die Abrüster Oberwoffer haben, dann liegt Krieg in der Lust: denn unsere Friedenspropheten haben seit jeher sich durch die Weltgeschichte postwendend eines besseren belehren lassen müssen.
Ausland.
** Die Bereinigten Staaten und Mexiko. Der an die Grenze von Mexiko und die Verein. Staaten entsandte Sonderberichterstatter der „Köln. Ztg." meldet aus San Antonio unterm 16. März: Die Lage an der Grenze ist ernst, dagegen in Mittel- und Süd-Mexiko ruhig. In
den Staaten Ohihwahua, Niederkalifornien, Ceahuila, Vera Cruz, Pukatan, Oaxara, Guerrero ist der Aufstand allgemein. Der Bahnver- kehr hört bei Jiminez auf, 160 Kilometer von Chihuahua. Der Eeneraladjutant Sadd sagt, die Truppen seien innerhalb zweier Stunden marschbereit. Die Southern-Pacificbahn hält in San Antonio 500 Wagen bereit. Die neueste Lesart über den Manöverzweck besagt, die völlige Entblößung der atlantischen Festungen und die Umwanvtung der Küstenartillerie in Infanterie soll dem Volke die Notwendigkeit eines Vertrages mit England klarmachen.
** Aus der Duma. Petersburg, 17. März. Die Reichsduma schloß wegen der Lärmszenen am 15. März den Sozialdemokraten Jegorow auf 5 Sitzungen, die Mitglieder der extremen Rechten Obraszowene Samyslowski auf drei Sitzungen aus.
** Türkei. Saloniki, 17. März. Amtlich wird gemeldet: Bei Kotschana überschritt eine 50köpfige Bande die Grenze und löste sich :n vier Gruppen auf. Wie es heißt, bereiten weitere Banden einen Einbruch vor. Es verlautet zuverlässig, daß demnächst der Kriegsminister hier eintrifft. Er werde vielleicht auch nach Albanien reisen, wo abermals ungefähr 40 Bataillone konzentriert werden sollen. Andererseits wird die Maßregel auch mit dem bevorstehenden Besuche des Sultans in Zusammenhang gebracht. Der ehemalige Sultan, Abdul Hamid, befindet sich verbältnismästig wohl. Die Nachricht, daß er einen Selbstmordversuch gemacht habe, ist un- begründet.
Die Frankfurter.
Der „Frankfurter Zeitung" gefällt die vorgestrige Verhandlung im Abgeordnetenhause über den Antrag, die Frage der Frankfurter Universität nicht anders als durch Gesetz zu regeln, gar nicht. Die betrübten Lohgerber! Es war alles so schön von Herrn Adickes eingefädelt. Der Fortschrittsmann Funck, der so gar nichts sonst für Kronrechte übrig hat, will von einer gesetzlichen Regelung absolut nichts wissen und beruft sich stolz auf — die Kronrechte. Die Frankfurter Denkschrift betont bekanntlich gleichfalls schon die hohe Bedeutung der Staatsaufsicht für die Universitäten, obwohl man solche Töne aus Frankfurt sonst nicht gewöhnt ist. Also man verstehts. Die „Franks. Ztg." nennt das „großzügig" und verlangt, daß man auch von anderer Seite nicht kleinlich sein solle. Das Blatt meint ferner zu den Verhandlungen:
„Liebe zum Frankfurter Projekt war es nicht, was diesen Antrag hervorrief. (Sehr richtig!) Das war von vornherein klar und wurde dann durch die Ausführungen der Redner bestätigt. Man muß aber sagen, daß die Gesichtspunkte der Gegner des Frankfurter Projekts, die in dieser Debatte wieder hervortraten, eher alles andere, nur nicht groß sind, was freilich auch darauf zurückzuführen ist, daß sich große Gesichtspunkte gegen das Projekt überhaupt nicht finden lassen. Die Sache steht nicht so, als ob sie — die spätere Genehmigung des Staates vorausgesetzt — schon entschieden wäre, denn es ist noch die finanzielle Seite des Projektes genau zu prüfen, damit sich nicht etwa nachträglich für die Frankfurter Steuerzahler Ueberraschungen ergäben. Aber wenn diese Prüfung schließlich dazu führen sollte, daß die finanziellen Bedenken, die vorhanden sind, behoben würden, bann fiele es schwer, stichhaltige Gründe gegen das Projekt aufzubringen."
Na, wir glauben, daß die Bedenken, die von der großen Mehrheit des Hauses gestern « geäußert und bekräftigt wurden, wirkliche Gründe dagegen find. Daß fie der „Frkf. Ztg." nichts gelten, ist anzunehmen. Wiegt es nur für die Regierung und die Parteien schwer? Weiter heißt es:
„Aber kleinlich ist es, mit Argumenten zu kommen wie dem, daß der Zug nach der Großstadt nicht gesteigert werden solle, daß benachbarte Universitäten ein paar Studenten verlieren könnten, und was dergleichen mehr ist. Der Abgeordnete Friedberg sieht sogar eine schiefe Ebene, auf der man mit der Gründung einer Stiftungsuniversität berabgleiten werde, weil man dann auch der Gründung sogenannter freier Universitäten die Genehmigung nicht werde versagen können. Welch ein Optimist doch Herr Dr. Friedberg ist!" . '