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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
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Tie „Oberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 dH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonnabmd, 18. März
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46. Jahrg«
1911.
. Erstes Blatt.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 22.
Geht er oder bleibt er?
Iu Oesterreich-. _ n herrscht eine beinahe ängst
lich zu nennende ojwmiung, ob der Graf Aehrenthal wieder ins Amt zurückkehren wird oder nicht. Alle möglichen kleinen und kleinsten Kmftänbe werden hervorgesucht, um einen Anhalt zu gewinnen, und daneben verfolgt man die Nachrichten Über das Befinden des Ministers. Diese lauten nun tatsächlich nicht besonders erfreulich, zumal letzthin von einer schweren Nierenkrankheit in Verbindung mit der Augenerkrankung gesprochen wurde. Sollte sich dieses bewahrheiten, so wäre selbstverständlich an eine Rückkehr Aehrenthals ins Amt unter keinen Umständen zu denken. Eine baldige Rückkehr jes Grafen zur amtlichen Tätigkeit war von vornherein iti ,t wahrscheinlich, denn krank war er offenbar sch en längst, und dazu kamen Verstimmungen des Thronfolgers Erzherzogs Franz Ferdinand wegen der politischen Selbstbeschränkung, welche Aehrenthal wohl oder übel im Intereffe der Sache üben muhte.
Man weiß, daß der Thronfolger sowohl für den Balkan als hauptsächlich gegen Italien weit ausgreifende Pläne hegt. Auf der anderen Seite ist bekannt, daß der Thronfolger wahrscheinlich mit Einverständnis des alten Kaisers, mag es nun stillschweigend oder ausdrücklich fein, einen Einfluß auf die Besetzung der obersten BeamtenstsLen im Reiche ausübt, natürlich im Gedanken, daß er, wenn auf den Thron gelangt, nicht gleich mit einem Personenwechsel an den obersten Stellen zu beginnen braucht, es also auch nicht nötig ist, daß die so oft bei Regierungswechseln eintretenden Hemmungen und Schwenkungen Platz greifen. Graf Aehrenthal ist nun sicher, als man ihn aus Petersburg in das Ministerium des Auswärtigen berief, in jeder Beziehung der Mann des Thronfolgers gewesen. Ebenso sicher steht fest, daß er es heute nicht mehr ist, also liegt die Schlußfolgerung nahe.
Die große Frage wäre die eines Nachfolgers, und da bietet sich als äußerlich am meisten wahrscheinlich sein jetziger Vertreter, der Markgraf Pallavicini Er war bis jetzt bekanntlich in Konstantinopel als Botschafter tätig, ist ein genauer Kenner der orientalischen Verhältniffe und hat in der Annexionskrisis ausgezeichnete Dienste geleistet. Vor nicht langer Zeit wurde ein andrer Nachfolger genannt, den wir freilich vom deutschen Standpunkte nicht gerade wünschen können. Dieser Punkt ist ja für die deutsche Politik eine sehr wichtige Sache. Es ist wohl begreiflich, daß man in Oesterreich-Ungarn den Grafen Aehrenthal mit großem Bedauern ziehen lassen würde, den man rühmt ihm mit Recht nach, daß er zum ersten Male seit langen Jahren wieder Oester- reich-llngarn als aktiven Faktor in die auswärtige Politik eingeführt und ihm die internationale Achtung und Beachtung verschafft hat.
Deutsches Reich-
— Rechtsanwalt Liebknecht. Berlin, 16. März. Kegen den Rechtsanwalt Abgeordneten Dr. Karl Liebknecht wurde auf Beschluß des Kammergerichts das Hauptverfahren vor dem Ehrengericht der Anwaltskammer Berlin eröffnet. Das Verfahren gründet sich darauf, daß Liebknecht auf dem Magdeburger Parteitag durch eine von ihm eingebrachte Resolution über die Vergewaltigung Finnlands und den Besuch des russischen Kaisers in Deutschland, und durch I seine Begründung zu der Resolution den Kaiser von Rußland, sowie die preußische und sächsische Regierung beleidigt und dabet aufreizende Aeußerungen getan habe.
— Die Bevölkerung des Deutschen Reiche». Nach dem vorläufigen Ergebnis der Volkszählung vorn 1. Dezember 1910 betrug die ortsanwesende Bevölkerung für das gesamte Reich 64 903 423 (32 031 967 männliche und 32 871 456 weibliche) Personen. Oie I Volkszählung vom 1. Dezember 19€'> hatte 29 884 851 1 männliche und 30 756 638 weibliche, zusammen I 60 641 489 Personen ergeben; somit ist die Beoölke- I rung in den letzten fünf Jahren um 4 261 934 Per- I sonen oder um 7 03 v. H. gewachsen. Die männliche I Bevölkerung hat um 2147116 Personen oder 718 I v H. die weibliche um 2114 818 Personen oder 6 88 I H zugenommen. Auf je 1000 männliche Personen I kamen im Jahre 1910 1026 weibliche. Seit der Volkszählung 1905 ist in allen Bundesstaaten eine I Zunahme der Bevölkerung eingetreten. Am größten I war sie, abgesehen von den drei Hansestaaten Lübeck, I Bremen und Hamburg, wo sie 10,1, 13,4 und 16,1 v. H. I «reicht, im Großherzogtum Oldenburg (9,9 v. H), J ta Königreiche Preußen (7,7 v. H.j, im Königreich« |
Sachsen (6,5 v. H.), in Baden (6,5 v. H), in Sachsen- Koburg-Eotha (6,1 v. H.) und im Großherzogtum Hessen (6,0 v. H). Die Zahl der Großstädte, d. h. der Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern, ist seit 1905 von 41 auf 47 gestiegen. Zu diesen 47 Großstädten, die insgesamt 13 709 863 Einwohner oder 21,12 v. H. der gesamten Reichsbevölkerung zählen ist noch eine Landgemeinde mit mehr als 100000 Einwohnern hinzugetreten, nämlich Hamborn mit 101718 Einwohnern.
— Sie Pest in Deutsch-Ostafrika. Berlin, 16. März. Aus Deutschostafrika wird dem Gouverneur telegraphisch gemeldet, daß in Muansa am Viktoriasee neuerdings die Pest auftritt. Nach den eingegangenen Berichten kamen bisher vier Todesfälle vor.
Ausland.
** Marokko. Tanger, 16. März. Aus Fez wird unterm 13. März gemeldet: Die Bewegung unter den Berabern dauert an und pflanzt sich in der Richtung gegen Raselma fort. Am 12. März brannten die Rebellen zwei Meilen von Fez Rzabafaradji ab. Sie wurden von der unter Befehl Bendjilalis stehenden Mahalla in der Richtung auf Douiat zurückgeworfen. Dabei hatte die Mahalla drei Tote. Die Beraber verhalten sich abwartend. Die Nachrichten von der Mahalla des Majors Mangin sind gut. Es finden andauernd Unterwerfungen statt.
** Serbien. Belgrad, 16. März. Der deutsche Gesandte reiste von Belgrad ab. Am Bahnhof hatten sich zurr Verabschiedung eingefunden der Minister des Aeußern und die Mitglieder des diplomatischen Korps. — Der König verlieh dem deutschen Gesandten den Sava-Orden 1. Klasse.
Die Frage der Universität Fra ffmt a. M.
wurde gestern im Abgeordnetenhaus« verhandelt. In Ergänzung unseres regelmäßigen Berichtes wird uns dazu weiter geschrieben: Der konservative Redner Abg. Graf Clairon d'Haussonville begründete den Antrag, über den wir bereits gestern berichteten: Universitäten seien Veranstaltungen des Staates, daher müßten die gesetzgebenden Faktoren mitwirken. Endgiltige Stellungnahme zu der Frage nach einer Frankfurter Universität behalte man sich natürlich vor. bis das dahingehende Gesetz vorgelegt werde.
Der Zentrumsabgeordnete Schmeding führte aus: Ein Bedürfnis für die Errichtung einer neuen Universität ist nicht anzuerkennen. Ersparnisse werden durch Frankfurt nicht erzielt. Den Universitäten Marburg, Gießen, Heidelberg und Würzburg würden nur Studierende entzogen. Die Kosten werden dadurch nicht verringert, es ist doch nicht erfreulich, daß die Jugend immer mehr in die Großstadt und in das großstädtische Leben hineingezogen werden soll. Ein großer Mangel sei es beim Universitätsplan von Frankfurt, daß keine theologische Fakultät geschaffen werden solle. Möge vorläufig eine ausreichende Summe von privater Seite für die Universität in Frankfurt a. M. aufgebracht werden, so sei doch keine Garantie gegeben, daß später nicht doch noch der Staat eingreifen müsse.
Abg. Friedberg (natlib.): Unsere Stellungnahme zu dem Frankfurter llniverfitätsprojekt müssen wir uns Vorbehalten, bis das Projekt abgeschlossen ist. Es ist zu fragen, ob eine Universität Frankfurt a. M. eine Rückwirkung auf die benachbarten Universitäten hat. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Universitäten in ihrer Frequenz geschädigt werden. Es ist ein Schritt von außerordentlicher Tragweite, deshalb müssen wir verlangen, daß eine Entscheidung seitens der Staatsregierung nicht getroffen wird, ohne dieses Haus zu fragen. Nach der Verfassung ist das Schul- und Universitätswesen durch Gesetz zu regeln, und es wäre eine Rücksichtslosigkeit, wenn dieser Schritt ohne Befragen der gesetzgebenden > Körperschaften gemacht würde. Ich weiß nicht, ob man sich für freie Universitäten begeistern soll, wenn man auf Belgien sieht, wo erst von klerikaler Seite eine Universität gegründet wird und dann von liberaler. Wenn man jetzt der einen Kommune die Möglichkeit gibt, eine Universität zu errichten, wird man andere schwer abweisen können. Aber gerade weil die Frage so schwer ist, müssen wir verlangen, daß die ganze Angelegenheit durch ein Gesetz geregelt wird, bei welchem auch der Landtag mitwirkt. I
Der Abg. Rewoldt (freikons.) hält gler..,falls die gesetzliche Regelung für notwendig. Zunächst würden doch die kleineren Universitäten der Nachbarstädte geschädigt werden und dann sei es wohl auch ziemlich sicher, daß der Staat in absehbarer Zeit doch mit Mitteln eingreifen müsse.
Abg. v. Regelein (kons.): Unter Zustimmung meiner Fraktion bringe ich die Bedenken vor, die wir gegen die Errichtung einer Universität in Frankfurt a. M. haben. Wenn eine solche städtische Universität errichtet wird, so wird damit ein ganz neuer Weg beschritten. Es wird mit dem Prinzip der staatlichen Universität gebrochen. Wenn es auch im Ausland anders ist, so folgt daraus nicht, daß wir den bisher bewährten Weg verlassen sollen. Es ist von jeher Deutschlands Stolz gewesen, daß seine Landesherren die Wissenschaft förderten. Der Wetteifer der Fürsten war von großem Nutzen. Die Freiheit der Universitäten und ihrer Lehrer ist unter dem Schutze der staatlichen Leitung in größerem Maßstab gewährleistet. Soll dem Minister ein Ernennungsrecht der Professoren zustehen? Soll Frankfurt Vorschlagrechte erhalten? Wie verhält es sich mit der Verwendung der Mittel?' Wir können nicht wünschen, daß eine Universität, der das Recht zukommt, akademische Grade zu verleihen, von der staatlichen Leitung mehr oder weniger sich frei macht und dem Einfluß einer Stadtverwaltung untergeordnet wird. Es ist kein Bedürfnis für eine Universität Frankfurt a. M. verbanden. In 100 Kilometer Umgebung von Frankfurt gibt es 4 Universitäten. Das gelehrte Proletariat würde nur noch vermehrt werden. Die Frankfurter wiegen sich ja schon in dem Traum einer Universität. Wir würden gerne zur Vermehrung des Glanzes der Stadt Frankfurt beitragen. Frankfurt soll auf dem Wege der Forschungsuniversität, den es ja schon eingeschlagen hat, beharren. Würde die Universität gegründet, dann würden bald die Stiftungsgelder nicht mehr ausreicken und der Ruf nach Staatsbilfe würde lv"t werden. Der Resolution Dr. Friedberg stimmen wir zu, weil wir nickt wünschen, daß das Prinzip der Staatsuniversität wegen des Ehrgeizes Frankfurts durckbrochen wird. (Beifall reckts.)
Abg. Funck (Vp.): Der Gedanke, eine Frankfurter Universität zu begründen, ist nicht neu und entspringt nicht ehrgeizigen Regungen. Schon die reichhaltigen Institute der Stadt rechtfertigen diesen Plan; hinzu kommen aber auch die in bestimmte Aussicht gestellten Stiftungen. Die Institute sollen planmäßig zusam- mengeschlossen werden und so ist die Uni- i versi tät in bet Hauptsache nur der neue > Ausdruck für bereits bestehende I Einrichtungen. Auch ein hübscher Stab I von Lehrkräften ist schon vorhanden. Für die nötige einmalige Aufwendung von 1578 000 dl I ist schon jetzt die Summe von 1064 000 Jl be- I schafft. Man fürchte also nicht, daß Frankfurt bald staatliche Zuschüsse fordern werde. Die Uni- I versität Marburg wird neben Frankfurt ruhig I weiter bestehen können. Wenn man weiter auf I den Zuzug der Studenten nach der Großstadt I verweist, so mindert man den nicht, indem man I die Universität Frankfurt verhindert. Wessen I Eharakter leicht unterliegt, der wird auch in der I Kleinstadt unterliegen. Ich bin auch überzeugt, daß in Bezug auf die Berufung d:r Lehrkräfte I ein Modus vivendi sich wird finden lassen. I Wenn der Antrag den Zweck verfolgte, eine grundfäbliche gesetzliche Regelung des gesamten Universitätswesens herbeizuführen, so könnten wir das noch verstehen. Aber der Antrag hat zweifellos die Absicht einer Ausnahmegeseh- gebung. Die Errichtung von Universitäten ist ei« Kronrecht. Die Unterstützung des Antrages seitens der Konservativen ist verständlich wegen ihrer latenten Gegnerschaft gegen die Städte, bedauerlich ist aber, daß auch die Nationalliberalen diesen Antrag mitunterschrieben haben. (Beifall bei der Bolkspartei.)
Kultusminister v. Trott zu Solz: Eine Anfrage wegen Gründung einer Univer,..at in Frankfurt a. M. ist bisher an mich nicht gerichtet, ich habe daher keinen Anlaß gehabt, mich I mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Ich habe zwar aus der Zeitung gelesen, daß der Ma- - gistrat Frankfutt a. M. mit einem Antrag auf Gründung einer Universität an die Stadtverord- net: «Versammlung herangetreten ist. Ich muß aber ebttratten, bis auch an mich eine Anfrage I
I herantritt. Sie erheblichen Bedenken gegen ■ diesen Plan habe« sich zu diesem vorliegende« I Antrag verdichtet. Rach dem allgemeine« Land- recht find Schulen und llniverfitäten Anstalten I des Staates. Sergleichen Anstalten dürfen nur I mit Vorwissen des Staates errichtet werden. I Wir werden daher, wenn an uns eine Anfrage I herantritt, die Sachlage prüfen und zu unter- I suchen haben, ob die Voraussetzungen gegeben I sind. Würden sie gegeben sein, so würden wir I die Genehmigung erteilen, jedenfalls aber kann eine Universität nur auf Grund eines besonderen Gesetzes errichtet werden. Daher ist gegen den Antrag von Dr. Friedberg nichts einzuwenden, denn die Rechtslage ist nach dieser Richtung nicht zweifelhaft.
Abg. Dr. Bell (Zentr.) führte aus: Der Abgeordnete Funck hat ein vorzügliches Plaidoyer für die Universität Frankfurt gehalten. Trotzdem können meine Freunde von ihrer Stellung nicht abweichen, die Herr Schmedding gekennzeichnet hat. Unsere Universitäten sind zu Zeiten gegründet, wo es noch keinen Gegensatz zwischen Tßronr-cht und Parlamentsrecht gab, sondern der König allein regierte. Es ist nicht zu vergessen, daß Frankfurt nach seiner ganzen Vergangenheit und auch nach seiner jetzigen Zweckbestimmung eine Industriestadt ist. Wir verkennen nicht, daß sie vieles auch für Kunst und Wissenschaft getan hat, aber das kann nicht als Moment für die Errichtung einer Universität angeführt werden. Als es sich um die Servis- klassen-Einteilung handelte, hat sich die Stadt Frankfurt in Bezug auf die Teuerung auf einen anderen Standpunkt gestellt als heute der Abgeordnete Funck. (Heiterkeit.) Nur die besten Kräfte sollten zur Universität gehen.
Abg. Dr. Schroeder-Cassel (natlib.): Die Befürchtung, daß sich in der kommunalen Universität städtische Einflüsse geltend machen könnten, kann ich nicht teilen. Die Wohnungen sind in Frankfurt in allen Stadtteilen überaus teuer. Ein Bedürfnis für eine neue Universität ist nicht vorhanden. Nicht nur Marburg, sondern unser ganzes Land Hessen blickt mit Besorgnis auf das Projekt von Frankfurt. Es sind genug Universitäten im Westen vorhanden. Ich kann absolut kein Bedürfnis für eine neue Universi.»t tm Westen anerkennen, besonders nicht in einet Großstadt. Ich bitte dagegen die Regierung, sich möglichst der Interessen von Marburg anzunehmen.
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) spricht sich für die Universität Frankfurt au.
Der Antrag über die Frankfurter Universität wird gegen die Stimmen der Linken angenommen.
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Wir haben über die Verhandlungen ausgedehnter berichtet, damit sich unsere Leser ein Bild davon machen können, was gestern in Berlin vorgegangen ist. Neue Gesichtspunkte sind freilich in den Reden nicht hervorgetreten. Wer die Erörterungen in der Presse verfolgt hat, speziell die Artikel der „Post" und der „Kreuzztg." und der „Franks. Ztg.", wird eine Wiederholung der hier gegen und für das Projekt vorgebrachten Gründe konstatieren können. (Wir beschränken uns hier naturgemäß mehr auf die Betonung der lokalen Gesichtspunkte, da man in Frankfurt und vielleicht auch in Berlin unsere Ausführungen ja doch nur als die einer „Konkurrenz" würdigt, wie das kürzlich in einer Bemerkung eines Frankfurter Blattes zum Ausdruck kam. Unsere Leser aber mögen überzeugt sein, daß wir auch sonst unsere Schuldigkeit tunJ
Wir Marburger können die Verhandlung- nur begrüßen, denn erstens zeigen sie, daß die Opposition gegen das Frankfurter Proj:tt im Kultusministerium noch stark ist; zweitens ist erreicht, daß das Projekt den heimlichen Besprechungen und Verhandlungen des Herrn Adickes, von denen Frankfurter Flätter ja ganz offen reden, entzogen ist, und drittens zeigt die Verhandlung, daß im Abgeordnetenhause selW nur die Freisinnigen und Sozialdemokraten unbedingt für das Projett zu haben find. Von der Rechten und dem Zentrum sowie dem größten Teil der Nationalliberalen ist der schärfste Widerstand zu erwarten. Es ist für die Gegner des Projektes von allergrößter Bedeutung gewesen, daß die Sache jetzt und so zur Sprache kam. Aber man darf nun die Hände nicht in den Schoß legen, und die offiziellen und