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mit dem Krersblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

M 65

TreLberhrssische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der (sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 Jt lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <M frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei. Verantwortung.) Truck der Univ.-Buchdruckerci I. A. Koch (Inh.:

Tr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 56.

Marburg

Freitag, 17. März

Der Anzeigenpreis betragt für die 7gc|paltene Zeile oder deren Raum 15 4, bei auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlich« kett für Platz-, Tatenvorschrist und Beleglieferung ausgeschloffen. Zahlungen im Poftschcckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

46, Jahrg,

1911.

Mftes Blatt.

Tie italienische Jubelfeier.

Man kann nicht sagen, daß die Italiener von heute siOfMsfreudig wären, wie ihre Vorfahren im Mittelalter. Wenn sie aber den 17. März 1911 als besonderen Festtag freudig begehen, so haben fle ein gutes Recht dazu. Denn an diesem Tage ist ein halbes Jahrhundert vergangen, seitdem König Viktor Emanuel durch ordnungsmäßiges Ersetz al» König von Italien proklamiert worden ist.

Seit dieser Zeit hat die Linie der italienischen Geschicke im großen und ganzen aufwärts geführt. Manche Sorgen, manche Mißerfolge sind dem jungen Königreiche in diesem halben Jahrhundert sowohl auf dem Gebiete der äußeren wie der inneren Politik nicht erspart geblieben, aber die Italiener, bekannt als gute und nüchterne Rechner, können heute doch mit dem Eesamtfazit zufrieden sein.

Italien steht nach außen als ein achtunggebietend der Staat da, dessen Freundschaft wohl erwünscht Ft Es hat gerade mit Hinsicht auf seine Bedeutung für die internationale auswärtige Politik dem Beitritte zu dem Bündnisse zwischen Deutschland und Oester­reich-Ungarn außerordentlich viel zu danken, denn fonst wäre es in derselben drückenden Abhängigkeit gegenüber Frankreich geblieben, in der es sich bei der Begründung des jungen Königreiches der bekannt­lich die Abtretung von Nizza und Savoyen an Frank­reich vorangegangen war befunden hatte.

Die Gerechtigkeit zwingt, zu sagen, daß die äußere Stellung Italiens aber auch trotz des Anschlusses an das deutsch-österreichische Bünidnis nicht so gefestigt wäre, wie sie es tatsächlich ist, wenn nicht Hand in Hand mit einer geschickten äußeren Politik die finan­zielle und wirtschaftliche Festigung des jungen König­reichs gegangen wäre. In einer FestschriftUnsere Freunde die Italiener" hat Legationssekretär a. D. Dr. Adolf von Flöckher sorgsam gesichtetes Material über die wirtschaftliche Lage Italiens zusammenge­stellt. Das Büchlein ist um so lesenswerter, als der Verfasser bei außerordentlich großem persönlichen Wohlwollen für Italien doch den Fehler so vieler Festschriften vermieden hat, nur die Lichtseiten zu betrachten.

Die bedeutsamste und erfreulichste Erscheinung in der Gestaltung des wirtschaftlichen Lebens Italiens ist die Gesundung der italienischen Staatsfinanzen. Vor noch nicht zwei Jahrzehnten stand der Kurs der 5prozentigen italienischen Staatsanleihe auf kaum 60; heute, wo die italienische Anleihe auf 3% Proz konvertiert ist, stehl her Kurs andauernd höher als 100. Der weite - roßte Teil der Anleihe ist ferner im italienischen , lunbe untergebracht, was auch aus Gründen der äußeren Politik wichtig ist, weil es da­durch etwaigen ausländischen Gegnern unmöglich ge­macht ist, durch einen Druck auf den Kurs der ita­lienischen Papiere die Politik des Landes zu beein­flussen.

Eine Folge der günstigen Finanzlage ist die Tat­sache, daß seit zwei Jahren das früher chronische De­fizit aus dem italienischen Etat verschwunden ist, ob­wohl sich die Staatsavsgaben wesentlich gesteigert haben. Bei dieser Erhöhung der Staatsausgaben fällt besonders ins Auge, daß gerade bei den produk­tiven und kulturellen Aufgaben die Steigerung dir verhältnismäßig erheblichste ist. Im letzten Jahr­zehnt sind die Ausgaben im Wirkungsbereiche des Ministeriums der Oeffentlichen Arbeiten von 114 auf 202 Millionen, im Tätigkeitsgebiet des Mini­steriums für Ackerbau und Handel von 12 auf 27 und innerhalb des öffentlichen Unterrichts von 43 auf 143 Millionen gestiegen.

Trotz alledem hat Italien noch sehr viel zu tun, um zu wirklichem und dauerndem Gedeihen auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens zu gelangen. Wohl hat sich die Industrie in den letzten Jahren er­heblich entwickelt, aber Italien steht darin doch noch gewaltig hinter den anderen Eroßstaaten zurück. In höherem Maße als in hen meisten anderen Ländern ist die Bevölkerung Italiens an der Landwirtschaft beteiligt. Um so bedauerlicher ist es, daß ein sehr großer Teil der landwirtschaftlichen Bevölkerung unter völlig unzureichenden Lebensbedingungen steht llcberhaupt ist Süditalien sowohl in der Landwirt­schaft, wie in der Industrie wie im Handel den nörd­lichen Provinzen gegenüber stark benachteiligt. Der Norden hat ein dichteres Eisenbahnnetz, einen durch die Nachbarschaft mit Oesterreich, der Schweiz und Frankreich lebhafteren Handelsverkehr und eine durch wesentlich günstigere Wasserverhäftnisse und die da« durch gegebene Gelegenheit künstlicher Bewässerung blühende Landwirtschaft.

Bestehen zwischen Süd und Nord ohnehin schon mancherlei, politische Gegensätze, so werden diese durch den Unterschied des wirtschaflichen Wohlergehens noch gesteigert. So können wir als gute Freund.' dem jungen Königreiche zu seiner Jubelfeier nichts Besseres wünschen, als daß e" dem Bemühen der ita­lienischen Staatsmänner gelingen möge, besonders den Süden des schönen Landes kuturell und wirt­schaftlich zu heben, dadurch die Unterschiede zwischen i «L» und Nord immer mebc au verwischen und damit

die vor einem halben Jahrhundert proklamiert äußere Einigung des Königreichs Italien auch inner­lich immer inniger und unlöslicher zu gestalten.

Frankfurter Universität.

Dem Abgeordnetenhaus ging ein Antrag Friedberg (nationallib.), Clairon d'Haussonville (kons.) und Rewoldt (freikons.) zu, die königliche Staatsregierung zu ersuchen, die Errichtung einer nichtstaatlichen Universität Frankfurt a.M. nicht anders als auf Grund der Ge­setze zu genehmigen.

lleber die Entstehung des Antrags, der mit den auch kürzlich seitens derPost" geäußerten staatsrechtlichen Bedenken gegen die Frankfurter Universität zusammenhängt, wollen wir uns hier nicht äußern. Er verfolgt den Zweck zu verhin­dern, daß die Universität Frankfurt etwa auf dem Wege ministerieller Verordnung gegründet werde, ohne daß das Abgeordnetenhaus dabei entscheidend gefragt würde. Daß diese Gefahr, besonders bei der Rührigkeit des Herrn Adickes, vorliegt, ist bekannt. Hoffentlich wird sie nun be­seitigt. So weit wie die Frankfurter sich mit dem Projekt glaubten, sind sie also noch nicht, und diejenigen, die bei uns allzu pessimistisch in die Zukunft schauen, mögen sich sagen lassen, daß eine energische und geschickte Opposition noch nicht umsonst ist.

llebrigens regt man sich jetzt auch in Hessen. Wir lesen darüber in derFranks. Ztg.":

In der hessischen Zweiten Kammer besprach, wie uns aus Darmstadt berichtet wird, bei der Etatsberatung beim KapitelLandest'esversi- tät" der Abg. Dr. Osann (natlib.) die Frage der Errichtung einer Universität in Frankfurt, die für Gießen eine starke Konkurrenz bedeuten werde, da anzunehmen sei, daß auch viele Hessen die neue Universität besuchen würden. Es müsse etwas geschehen, um die drohende Gefahr abzu­wenden. Bon Marburg sei bereits ein scharfer Protest erfolgt. Vielleicht empfehle sich eine ge­meinsame Aktion der süddeutschen Universitäten. Der Minister des Innern v. Hombergk er­widerte, die Regierung habe auf diplomatischem Wege Erkundigungen eingezogen. Eine Ant­wort stehe bis jetzt noch aus. Man müsse den Grundsatz anerkennen, daß die Genehmigung der Universität Frankfurt lediglich Sache der preu­ßischen Regierung sei. Immerhin verkenne die hessische Regierung nicht die schweren Nachteile, die der Landesuniversität und der Stadt Gießen drohen, und sie werde nicht unterlassen, an ge­eigneter Stelle ihre Bedenken vorzubringen.

Recht so?

Politische Umschau.

Gießen.

Kurz nach der Ersatzwahl beeilte sich die Frkf. Ztg." zu melden, die Gießener National­liberalen hätten für die Stichwahl S t t m - menfreigabe beschlossen und es sei darob zu einem Krach mit Austritt der mehr rechts­stehenden Vorstandsmitglieder gekommen. Es ist von großem Reiz, die jahrelangen Bemühun­gen des Frankfurter Blattes im einzelnen zu verfolgen, gerade den hessischen Nationallibera­lismus völlig zu verwirren. Bei jeder Gelegen­heit wird der Eroßblock empfohlen und versucht, einen Keil in die Partei zu treiben. Weshalb wohl? Was gehen denn die wütend demo­kratischeFranks. Ztg." die Parteiverhältnisse der Nationalliberalen an? Die Antwort ist einfach. Ein Teil der nationalliberalen Partei, der sich nach den Direktiven derFranks. Ztg." richtet, ist dann eben nicht mehr nationalliberal, sondern freisinnig. Auf diesem Wege sollen die Nationalliberalen zum Freisinn herüber­gezogen werden und das geschieht, wie Gießen gezeigt hat, nicht ohne Erfolg. Hoffentlich baben die Nationalliberalen nun endlich den Braten gemerkt und lassen sich nicht weiter durch die Hetzereien gegen dieWormser Ecke" und ähnliches irritieren.

Gegen die Meldung von der merkwürdigen Gießener Stichwahlparole hat sich nun aber ein wahrer Sturm erhoben. In den Wandelgängen des Reichstages wird die Nachricht eifrig von den Nationalliberalen selbst dementiert; es handele sich gar nicht um einen Beschluß der geordneten Wahlkreisvertretung.

DerNationalzeitung" entnehmen wir fol­

gende Meldung:Die Nachricht, daß die Na- tionalliberalen in Gießen Stimmenfreigabe be­schlossen haben, ist unzutreffend. Die Wahlkreis- Vertretung wird erst morgen zusammentreten, um über diees Frage Beschluß zu fassen. Vor­aussichtlich wird die Unter st üßung des bürgerlichen Kandidaten beschlossen werden."

Das klingt doch schon anders. Es war auch in der Tat schwer zu glauben, daß die National­liberalen aus die Unterstützung des Genossen verfallen sollten. DieTägl. Rundschau" be­merkt dazu:Die Gründe, aus denen dieFrkf. Ztg." ihre Falschmeldnug verbreitet hat, liegen auf der Hand. Es besteht alle Aussicht, daß die verantwortliche Vertretung der Gießener Natio­nalliberalen denjenigen Entschluß fassen wird, der im nationalen Interesse als der allein ge­botene erscheint."

Falschmeldung ist wohl etwas hart. In Wirklichkeit handelt es sich wohl nur um eine Darstellung der wirklichen Verhältnisse viel be­stimmter und autoritativer beleuchtet, als es der Wahrheit entspricht zu dem durchsichtigen Zweck, die Gießener Nationalliberalen allmäh­lich auch zu dem A und O derFranks. Ztg." gekommen sein zu lassen, daß in der Unter­stützung der Genossen für die Monarchie Deutsch­land das Heil ruhe. Stimmungsmache, die Übrigens ihren Zweck verfehlt hat, wie folgende Meldung zeigt:

Gießen, 16. März. Der nationalliberale Wablkreisausschuß stieß gestern den Beschluß des Wablausschusses auf Stimmfreigabe um und be­schloß, den antisemitischen Kandidaten Werner gegen die Sozialdemokraten zu unterstützen.

Deutsches Reich.

Der Kaiser und die Erhaltung Helgo­lands. Der Kaiser ließ sich, wie der Korrespon­denzHeer und Politik" aus Marinekreisen mit­geteilt wird, vor einigen Tagen während seines Aufenthaltes auf der Insel Helgoland einen Vortrag über die Erhaltung der Insel und be­sonders über die neu zu errichtenden Schutz­mauern an der Westküste von Helgoland halten. Besonders interessierte den Kaiser die Frage, ob der Zerstörungsprozeß, der an dem Helgoländer Gestein durch die Brandungswelle, durch die Tätigkeit gewisser Meerestange und durch Ein­flüsse der Witterung hervorgerufen wird, durch die Schutzmauern aufgehalten werden kann, zu- inal die Kosten bisher ungefähr 25 Millionen Mark betragen. In dem Bericht, der dem Kaiser gegeben wurde, wurde darauf hingewiesen, daß die ältesten Ablagerungen der Insel aus den be­kannten kalkhaltigen Tonschichten bestehen, be­sonders die Westseite ist aus diesem wenig wider­standsfähigen Material gebildet. Die Oberfläche der Insel setzt sich aus gefleckten Kalksandgeinen und dünnaeschichteten grauen Kalken zusammen, die eine Beimengung von Kuvfererz nicht auf­weisen. Der Schutz dieser sebr empfindlichen Steinarten wird durch die bisber errichteten Mauern ziemlich sicher gewährleistet. Besonders gegen die Unterspülungen durch die salzige Brandungswelle die S^nümouern

sicherlich eine große Sicherheit. Es ist bekannt, daß die Insel vor vielen Jahrhunderten viel größer gewesen ist. Es werden sogar in dem Töck, dem dunkelbraunen Ton des nördlichen Teiles der Insel, Siißwasserm^lusken und Pflanzenreste gefunden, wie sie im heutigen Norddeutschland noch vorkommen. Das beweist, daß früher die Insel eine ganz andere Ausdeh­nung gehabt haben muß als heute. Trotzdem der Verwitterungsprozeß früher ohne jede Be­hinderung vor sich geben konnte, ist in den letzten Iabrbunderten die Zerstörung der Insel nicht sehr weit fortgeschritten. Es ist darum zu er­warten, daß jetzt, wo mit allen Mitteln der Technik dem Zerstörungswerk der Elemente ent- gegenqearbeitet wird, die Erhaltung der Insel in ihrem bisherigen Zustande durchaus gewähr­leistet ist. Falls aber irgend eine Veränderung vor sich gehen sollte, so ist nach dem Urteil der Fachleute im Laufe der nächsten Jahrhunderte nicht daran zu denken. In absehbarer Zeit haben also Befürchtungen über den Bestand von Helgoland keinerlei Berechtigung.

Der Prinzregent. Berlin, 15. März. Der Nordd. Allgem. Ztg." zufolge übersandte der . Prinzregent von Bayern dem Reichskanzler sein I

Reliefporträt in Bronze mit einem gnädigen Schreiben.

Anträge. Berlin, 15. März. Im Abge­ordnetenhause brachten die Abg. Schiffer-Magde­burg (natlib.) und Hackenberg (natlib.) mit der Unterstützung der nationalliberalen Fraktion einen Antrag ein, dem Gesetzentwurf über die Befreiung der Dissidentenkinder vom Religions­unterricht die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen. Von dem Abg. Viereck (freikons.) ging ein Antrag ein, die Eeschäftsordnungskom- mission zu beauftragen, eine Verdeutschung der Fremdwörter in der Geschäftsordnung des Ab­geordnetenhauses vorzunehmen.

Die Reichslande im preußischen Landtag. Di:moralischen" Eroberungen, die Preußen jetzt in den Reichslanden machen will, indem et ihnen 3 Bundesratsstimmen zugesteht, die nm gezählt werden sollen, wenn sie sich gegen Preußen einsetzen, sind uns unverständlich. Preußen, das sowieso im Bundesrat nicht ent­sprechend seiner Größe vertreten ist, verschlech­tert dieses Verhälanis noch und erntet sicherlich nirgends dafür Dank. DieKreuzzeitung" nun, die angeregt hatte, diese den preußischen Staat schädigende Verfassungsänderung müsse unbe­dingt im Landtage besprochen werden, wird von den Liberalen dahin, daß diesnicht ginge", belehrt. Wenn Reichstag und Bundesrat einig feien über die Verfassungsreform für Eisaß- Lothringen, könne man im Abgeordnetenhar.se daran nicht rütteln. Gewiß nicht. Wohl aber steht es den Einzellandtagen zu, ihre Regierun­gen zu befragen, warum sie ihre Bundesrats­ratsvertreter so oder so instruiert hätten. Ha' etwa der bayrische Landtag nie seine Mtniste» scharf gemacht, sie sollten dem Reiche keine Re­servatrechte opfern? Hat man sich in der sächsi­schen Kammer etwa geniett, die auf Preußens Antrag eingeleitete Stromabgabenpolitik zu kri­tisieren? Und hier im Berliner Abgeordneten­haufe beträfe diesmal eine Kritik nur den eigenen Staat, denn es ist ja amtlich verkündet worden, daß die Anregung zur Erhebung der Reichslande im Bundesrat von Preußen aus­gegangen sei. Das ist klar, daß es gar nicht ein­mal der Berufung auf Bismarck bedarf, der von denHamburger Nachrichten" zitiert wird. Er hat den Abgeordneten der deutschen Einzelland­tage ausdrücklich angeraten, in nationalem Sinne die Reichspolitik unter die Lupe zu neh­men. Er tat dies in der verhängnisvollen Aera Caprivi. Nähern wir uns auf irgend einem Gebiet wieder einer ähnlichen Aera, so ist es das gute Recht jedes Preußen, davor zu warnen.

Elfaß-Lothringen. Berlin, 15. März. Die Reichstags-Kommission für Eljaß-Lothringen lehnte den Zentrumsantrag, nach dem der Statthalter die Minister ernennen und entlassen soll, mit 13 gegen 13 Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokraten und der Polen ab. Der Rest des § 2 wurde nach der Regierungsvorlage angenommen.

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Ausland.

** Di« Friedensschalmei im englischen Unter­haus. Die Nachtsitzung des englischen Parla­ments vom Montag zum Dienstag ist, was nie­mand erwartet hätte, zu einer Art Sensation geworden. Die Staatssekretäre des-Aeußeren und der Marine erklärten übereinstimmend, daß das Riesenbudget der Flotte in diesem Jahre ii6et 880 Millionen Mark eineHoch­wassermarke" bedeute und daß die Wässer wieder im Verlaufen seien. Vielleicht brächte schon das kommende Jahr eine Herabsetzung, vorausgesetzt, daß es sich bewahrheite, daß Deutschland über den Rahmen seines Flottengesehes nicht hinaus- gehe. Bis hierher meldet der offiziöse Tele­graph die ministeriellen Erklärungen und fügt dann unvermittelt die nochsensattonellere" hinzu, daß Grey von kommendenherzlichen Be­ziehungen" zu Deutschland gesprochen und ver­sichert habe, die Großmächte zerfielen nicht mehr in zwei feindliche Lager. Also lauter Friedens­schalmeien? Was aber der offiziöse Telegraph nicht gemeldet hat, das ist der einschränkend« Satz, den der Minister hinter seiner Verficht rung, es gehe wieder hinunter mit dem Flcen- etat, eingeschoben hat:Aber ich bitte mich nicht mißzuverstehen, ich kann mich für nichts binde« und geb« keine Versicherungen ab, sonder« spreche nur Hoffnungen aus, die unter gewisse«