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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
Die „Oberheffischr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <* lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt Sy 2.00 M frei ins HauS. (Für unverlangt zugesändte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 65.
Marburg
Dienstag, 7. März
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ESES9
46. Jahrg,
1911.
Erstes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Die Frage der Frankfurter Universitäl
macht nun auch noch andere stutzig. Das „Mainzer Journal" beschäftigt sich mit dem Projekt, es sei eine Tat, mit der sich die hessische Regierung werde auseinandersetzen müssen. Das Blatt macht den Vorschlag für Hessen strenge Besuchsordnungen einzuführen, daß sämtliche Kandidaten, die auf eine hessische Staatsstellung reflektieren, vier oder fünf Semester auf der Landesuniversität zu hören gezwungen werden. Das Blatt stellt dann der „Universität Frankfurt" eine glänzende Zukunft in Aussicht. Die großen Kliniken mit dem Krankenmaterial, die reichen Anregungen der Bibliotheken, das Oberlandgericht, für jede Fakultät eine Attraktion. Wenn auch ein Gießener Stadtrat etnet Fabrik mehr Wert für die Stadt zuschriebe als der Universität, mit Rücksicht auf die Aufwendungen der Negierung und die kritische Finanzlage Hessens sei die neue Entwicklung zu beklagen. „Ob die Gießener Universität dann noch rentabel bleibt, mag die Zukunft entscheiden; nur das ist wahrhaft wertvoll, was lebenskräftig ist." Das ist ein trauriges Horoskop, das die Herren stellen, so schlimm wirds wohl nicht werden. Aber die Herren irren sich noch in einem andern Punkte. Das Blatt schreibt nämlich: Nicht Marburg sondern Gießen wird Einbuße an Besuchern erleiden durch die Frankfurter Universität. Wer nach Marburg geht, der geht dahin, um in einem ruhigen, landschaftlich reizend gelegenen Städtchen in Muße den Musen zu leben. Gießen ist eine Mittelstadt, die mit aller Gewalt seit etwa fünf Jahren versucht, sich einen großstädtischen Anstrich zu geben usw.", mit Frankfurt könne es nicht konkurrieren. Ein wahrer Kern mag darin stecken. Die Praxis wird anders werden. Gießen ist und bleibt die Landes Universität des Großherzogtums, ihr Monopol sichert ihr ständig eine Besucherzahl aus Hessen, die auch durch Frankfurt nicht wesentlich vermindert werden kann. In Gießen studieren doch auch heute fast nur Hessen oder junge Leute, die sonst lokale Beziehungen haben — die Veterinärmediziner ausgeschlossen. Marburg aber ist heute alleinige Landesuniverfität von Hessen-Nassau und wie wird das in Zukunft werden — das ist ja für uns eine der wichtigsten Fragen bei dem ganzen Frankfurter Projekt —, die Entscheidung, die, wenn sie gegen uns fällt, uns am schwersten schädigt. Daß die Frankfurter Eeldmagnaten sich wissenschaftliche Institute halten, Herr Adickes ist ja nur ihr Beauftragter, kann niemand hindern. In gewissem Sinne haben ja die Frankfurter bereits heute etwas Hochfchulattiges, es werden den Neuphilologen sogar Semester angerechnet. Es wäre also töricht, wollte man sagen die Frankfurter Universität kommt oder kommt nicht, sie ist ja schon da. Eine richtige „Universität" soll es übrigens überhaupt gar nicht werden, da als dem lokalen Charakter nicht entsprechend auf die 4. Fakultät, die theologische, verzichtet wird. ..Die Frage kann uns nur nach der Richtung interessieren, wie sich der preußische Staat zu den Berechtigungen stellen wird, die die Frankfurter für ihre zur „Universität" erweiterten Institute wünschen. Daraus kommt es an, und in der Bezieh- nung müssen wir eben alles aufbieten, zu verhindern, daß die Privilegien die unserer Hochschule auch 1 866 gegeben sind, tangiert werden. Es ist völlig müßig diese für unsere Stadt hochwichtige Angelegenheit mit andern Fragen zu verquicken. Gewiß wäre es wünschenswert, wenn wir in Marburg eine hochentwickelte Industrie hätten, noch wünschenswerter vielleicht, wenn wir einige reiche Leute hätten, die bei ihrem Tode uns Speier-Sttftungen wie in Frankfurt hinterließen, bas ist nun ein« malnicht. Jetzt müssen wir darauf sehen, daß die Grundlagen des Aufschwungs unserer Stadt, * i. unbestritten unsere Universität, nicht zerstört oder doch verletzt werden.
Ist die Macht des Frankfurter Geldes stärker «Is unsere Rechte, fo soll man uns jedenfalls
nicht nachsagen können, wir hätten uns nicht rechtzeitig gerührt.
Noch eins, die „Frkf. Ztg." knüpft an die Auslassungen des „Mainzer Journals" wieder die Pemerkung, die „kleineren Nachbaruniversi- täten“ würden durch Frankfurt nicht geschädigt werden, das sage schon die „Denkschrift" der Magistratsvorlage. Das ist ja sehr freundlich, aber es glaubts niemand, also sollte diese Beschwichtigungsformel allmählich auch verschwinden. Wir drängen uns nicht zu Schädigungen, wir lassen uns aber auch nicht die — „Frkf. Ztg." auf die Augen legen, sondern urteilen selbst.
Deutsches Reich,
— Der Kaiser in Wilhelmshaven. Wilhelmshaven, 5. März. Der Kaiser ist um 11 Uhr 35 Min. hier eingetroffen. Am Bahnhof waren zur Begrüßung anwesend: Prinz Heinrich von Preuß n, Staatssekretär v. Tirpitz, die Admirale Graf v. Bau- disfln, v. Holtzendorff und Kontreadmiral Schmidt. Der Kaiser fuhr mit dem Prinzen Heinrich im Automobil durch die beflaggten Straßen der Stadt zum Exerzierhaus der Matrosendivision, wo um 11% Uhr die Vereidigung der Rekruten stattfand. — Der Kaiser und Prinz Heinrich trafen kurz vor 12 Uhr im Exerzierhaus ein. Nachdem der Kaiser die Front der aufgestellten Truppen abgeschritten hatte, hielt Konststorialrat Schorn und der katholische Marinepfarrer Erdmann Anprachen, worauf die Vereidigung von 1200 Rekruten durch Oberleutnant zur See Büchel erfolgte. Anschließend hieran hielt dec Kaiser eine kurze Rede, in der er auf die Heilighaltung des Eides Hinweis. Der Inspekteur der zweiten Marineinspektion, Kontreadmiral Jacobsen, brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Rach der Feier nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen und fuhr mit dem Prinzen Heinrich nach dem Kasino, wo um 12% Uhr Frühstück stattfand. An der Tafel nahmen die Admirale, das Gefolge, sowie die an der Vereidigung beteiligten Offiziere teil. Der Kaiser verließ um zwei Uhr das Kasino und fuhr im Automobil nach dem Hafen, wo er sich an Bord des Linienschiffes „Deutschland" begab. — Oldenburg, 5. März. .Der Kaiser hatte heute vormittag auf seiner Reise nach Wilhelmshaven einen Aufenthalt von etwa zwei Stunden. Der Kaiser wurde auf dem Bahnhof vom Eroßherzog und dem Erbgroßherzog empfangen und begab sich mit ihnen nach dem Palais zum Frühstück. Gegen 10% Uhr setzte der Kaiser die Reise nach Wilhelmshaven fort, wohin ihm der Eroßherzog morgen folgen wird, um an den Besichtigungen teilzunehmen.
— Die Rückreise des Kronprinzen. Suez, 5. März. Der deutsche Kronprinz ist an Bord der „Arabia" hier eingetroffen.
— Zum 90. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold. München, 4. März. Wie die „Korrespondenz Hoffmann" erfährt, hat der Prinzregent anläßlich seines bevorstehenden 90. Eeburtsfestes den Staatsminister v. Podewils und den Kriegsminister v. Horn in den erblichen Erafenstand erhoben. Ferner verlieh der Regent dem langjährigen Akademiedirektor v Kaulbach das Prädikat Exzellenz und dem Stifts« probst v. Türk das Eroßkreuz des 6t. Michael-Verdienstordens. — Der Prinzregent hat an den Staats« minister v. Wehner folgendes Allerhöchstes Handschreiben gettchtet: „Getreu den Traditionen meines Hauses und dem Vermächtnis meines Höchstseligen Vaters habe ich stets das Interesse für die schönen Künste mit besonderer Sorgfalt gepflegt. In den Tagen, in denen ich der Vollendung meines 90. Geburtstages entgegengehe, gedenke ich deshalb in inniger Zuneigung der gesamten Künstlerschaft, deren unermüdlicher aufwärtssttebender Schaffenskraft unser liebes Bayern seine Hauptstadt und sein Königshaus so viel zu danken haben, und ich will meinem Gefühle der Anerkennung und des Dankes dadurch Ausdruck geben, daß ich mit einem Kapitale von hunderttausend Mark eine Stiftung für Pensionen an tüchtige bedürftige Künstler errichte. Hiernach rooT'en Sie das Weitere veranlassen und mir den Entwurf des Stiftungsbriefes vorlegen. Die Königliche Hofkasse ist zur Auszahlung der Summe von hunderttausend Mark angewiesen. München, den 4. März 1911. gez. Luitpold, Prinz von Bayern."
— Erbauliches aus Llsatz-Lothringea. Metz, 5. März. Heute Abend gegen 7 Uhr kam es hier wiederum zu einem Krawall. Zwei einheimische junge Leute randalierten auf der Römerstraße und gerieten in einen Wortwechsel und bann in einen Streit mit Unteroffizieren. Es sammelte sich eine große Menschenmenge an. Schutzleute mußten ein« schreiten und nahmen die beiden jungen Leute fest. Aus der Menge wurden Rufe: Vive la France! A bas la Prusse! laut. Bei dem Zusammenstoß sollen die Unteroffiziere blank gezogen haben und auch auf der anderen Seite von dem Messer Gebrauch gemacht worden fein. Eine authentische Darstellung war bisher nicht zu erlangen. Hier war zunächst das Eerüchr verbreitet, daß es sich bei den jungen Leuten um Mitglieder der Lorraine Sportive handle; das stellte sich ober später als unrichtig Hera«».
— Ofsiziersschuldeu. Eine abenteuerliche Meldung ist dieser Tage aus einem Berliner Blatt in die gesamte Presse übergegangen: es sei so eine Art Milliardenstiftung im Werke, um damit eine Entschuldung des deutschen Offizierkorps herbeizuführen. DieseEntschuldung wird aber von unseren Regimentskommandeuren feit Menschenaltern viel einfacher und ohne jeden Mammon besorgt. Nämlich wer Schulden hat und sie nicht bezahlen kann, bet — fliegt. So in der Gegend von Serbien find derartige Aktionen eher denkbar. Die Berliner Meldung klang warhaftig so, als säße unser ganzes Offizierkorps in Schuldknechtschaft. Dabei lebt man im Durchschnitt, von Leutnantsstreichen abgesehen, in diesem Stande sehr solide und den Verhältnissen entsprechend. Ueber den Luxus in der Armee herrschen ganz falsche Anschauungen. Das Gehalt allerdings ist sehr knapp — und zu dessen Erhöhung wollte einmal eine Stiftung, die Fürst Henckel-Donnersmarck angeregt hatte, beitragen. Aber dieser Plan ist schon vor Jahren von den deutschen Offizieren selbst mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen worden. Offenbar ist es diese alte Geschichte, die ein findiger Reporter jetzt in anderer Form wieder aufgeroärmt hat.
— Die Anklage gegen die „Lorraine sportive". Metz, 1. Metz. Die Anklageschrift wurde dem Vorsitzenden Sarnain und acht Mitgliedern nunmehr zugestellt. Sarnain und zwei Mitglieder der Gesellschaft wurden beschuldigt, daß sie in die Geschäftsräume und das eingefriedigte Besitztum des Hotels Terminus in Metz widerrechtlich eingedrungen sind. Sarnain soll ferner öffentlich vor einer Menschenmenge zum Ungehorsam gegen die Gesetze aufgefordert haben. Ferner sott Sarnain ein öffentliches Konzert ohne polizeiliche Erlaubnis veranstaltet haben. Fünf weitere Mitglieder sind beschuldigt, daß sie durch Teilnahme an einem lärmenden Auszug und bei einer Kundgebung in ungebührlicher Weise ruhestörenden Lärm erregt und groben Unfug verübt haben. Ein Mitglied ist beschuldigt, öffentlich aufrührische Rufe ausgestoßen, einem Leutnant und einem Soldaten bei bet rechtmäßigen Ausübung ihres Dienstes gewaltsam Wiberstanb unb schließlich einem Solbaten Geschenke angeboten zu haben, um ihn zu einet Verletzung seiner Dienstpflicht zu verleiten.
— Der Aufruhr auf Ponape beendet. Berlin, 4 März. Der älteste Offizier der auf Ponape versammelten deutschen Streitkräfte, Fregattenkapitän Vollerthun, meldet aus Guam: Die Operationen gegen die Ausrührer auf Ponape wurden am 22. Februar beendet. Der ganze Stamm der Dschokatsch- leute ist gefangen. 15 Mörder, die an dem Blutbade vom 18. Oktober beteiligt waren, wurden auf Grund des Urteils des Vezirksamtmanns am 24. Februar standrechtlich erschossen. Die Übrigen Aufltändischen, zusammen 426 Mann, wurden nach Yap verbannt und werden dorthin von der „Titania" überführt. Fast alle im Besitze der Eingeborenen befindlichen Gewehre sind abgeliefert. Die schnelle gründliche Erledigung machte nachhaltigen Eindruck. Die Eingeborenen, bei denen starke Friedensneigung vorherrscht, empfinden die verhängten Strafen als gerecht. Der Bezirksamtmann und die Weißen der Kolonie halten die Anwesenheit des „Eondor" für ausreichend. Die übrigen Schiffe sind daher entbehrlich. 130 Mann der Polizeitruppe bleiben zurück. „Nürnberg" geht nach den Truk-Jnseln (Karolinen 1, um dort das Urteil und die Strafen bekannt zu geben. Alle Verwundeten befinden sich auf der „Emden" zur Ueberführung nach Tsingtau. Ihr Befinden ist gut. Sie befinden sich in Genesung und werden völlig wiederhergestellt werden, mit Ausnahme des Matrosen Meyer, dessen linkes Bein am« puffert werden mußte.
Ausland.
** Oesterreich-Ungarn. Budapest, 4. März Die Oesterreichische Delegation nahm das gesamte Heeres- erforbernis nebst bem außerordentlichen Heereskredit an. Bärenreuther hob in seiner Schlußrede hervor, daß die Monarchie nicht nut im Rüstungswettbewerb der Mächte, sondern auch im wirtschaftlichen Wettbewerb bestehen müsse. Mit einem Hoch auf den Kaiser wurde die Session geschlossen.
** Der neue französische Kriegsminister. Paris, 4. März. Der „Motin" berichtet: Der neue Minister des Neustem Ctuppi habe gestern verschiedenen Botschaftern Besuche abgestattet und bei dieser Gelegenheit gesagt, daß eje den Wunsch hege, im Sinne des Friedens die Bündnisse und Freundschaften Frankreichs eifrigst zu erhalten, zu entwickeln und zu bestätigen und andererseits vie guten Beziehungen zu allen Regierungen, besonders in wirtschaftlicher Beziehung zu befestigen und zu erweitern. — Dasselbe Blatt berichtet, daß der neue Ktiegsminister Ber- teaur am Tage vor dem Rücktritt des Kabinetts Btiands folgende Aeußerung getan habe: „Ich betrachte den Aeroplan als ein „wundervolles Kriegshandwerkzeug" in den Händen der Franzosen. Et ist für Aufklärungs- zwecke durchaus unerläßlich geworden und wird in dieser Hinsicht Erstaunliches leisten. Aber ich gehe weiter, ich glaube, daß der Aeroplan auch im Angriff eine Waffe werden wird, bereu furchtbare materielle and moralische Wirkungen man noch gar nicht er
messen kann. Wir können den Gebrauch des Aero- plans gar nicht genug fördern. Frankreich ist eine große militärische und Seemacht, aber es must die größte .^uftmacht" werden.
** Eine Bortragstournee Btiands? Patts, 4 März. Einet Blättermeldung zufolge, hat ein Impresario dem früheren Ministerpräsidenten Brand für eine Bortragstournee in sämtlichen Hauptstädten Europas und Amerikas ein Honorar von 300 000 Francs angeboten. Briand hat auf das Anerbieter noch keine Antwort erteilt.
” Das republikanische Frankreich Patts, 4 März. Heute morgen fand ein Pistolenduell zwischen George Clatette und Leon Daudet, der den VcPec seines Gegners als Leiter des Theatre Ftancaise in einem Artikel angegriffen hatte, statt. Nachdem vier Kugeln erfolglos gewechselt waren, wurde der Zweikampf mit Degen fortgesetzt. Claretie erhielt im ersten Gange eine Brustwunde, die ihn kampfunfähig machte.
** Rußland. Petersburg, 4. März. Heute wurde in ganz Rußland die fünfzigste Wiederkehr des Tages der Aufhebung der Leibeigenschaft festlich begangen In allen Städten unb vielen Dörfern fanben in ben Kirchen aller Konfessionen, Moscheen unb Synagogen feierliche Gottesdienste statt. Ueber die Truppen wurde Parade abgehalten. Allenthalben wurden feierliche Sitzungen, populäre Vorlesungen und Volksvergnügungen veranstaltet und Jubiläumsschriften mit dem Bilde Alexanders H. verteilt; die Armen wurden gespeist. In fast allen Dorfgemeinden wurden die von den Bauern errichteten Denkmäler für Alexander II. feierlich enthüllt. Viele Stadtverwaltungen, Semstows und Bauerngemeinden gründeten zum Andenken an das Jubiläum Lehranstalten ober errichteten Stipenbien für arme Bauernkinder; außer neuen Schulen wurden auch Krankenhäuser, Volkshäuser und Mäßrgkeitsanstalten gegründet. Besonders feierlich verlief der heutige Festtag in ben Resibenzstädten. Bei ber Fahrt zum Gottesdienst in der Kafanschen Kathedrale wurden den Majestäten vom Publikum jubelnde Kundgebungen dargebracht
Zum 50irrigen Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr.
Reicher Flaggenschmuck legte beredtes Zeugnis davon ab, baß unsere Freiwillige Feuerwehr, die vorgestern unb gestern ihre 50jährige Jubelfeier beging, sich in allen Bevölkerungskreisen ber besten Sympathien erfreut unb baß man überall bis Tüchtigkeit bieses wichtigsten kommunalen Vereins wohl zu schätzen weiß. Einen Rückblick auf ben Werbegang ber Freiwilligen Feuerwehr haben wir bereits in unserem ersten Bericht gegeben unb wollen wir uns heute des- halb auf eine zufammengefaßte Schilderung des Verlaufs der Festlichkeiten beschränken. Zwischen 8 und 9 Uhr am Sonnabend veranstaltete die Freiw. Feuerwehr vom Bahnhof aus einen Festzug durch die Stadt zu ben Stadtsälen. Die Mannschaften machten in ihrer neuen Uniform einen schneidigen Eindruck. Um 9 Uhr begann in den Stadtsälen der Festkommers . An langen Tafeln hatten hier die Feuerwehrleute und zahlreiche Gäste Platz genommen. Vor der Bühne bemerkte man den Vorstand der Feuerwehr, Vertreter verschiedener Behörden und Abgesandte auswärtiger Feuerwehren. Die Gallerie war mit Damen dicht besetzt. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, Kreisbrandmeister Heuser, eröffnete den Kommers mit herzlichen Begrüßungsworten und dankte besonders den Gästen für ihr Erscheinen. Hierauf brachte Herr Freund den bereits in unserer letzten Nummer abgedruckten Festprolog der Marburger Dichterin, Elisabeth Mentzel-Frankfurt, recht ansprechend zum Vortrag.
Landrat Geh. Reg.-Rat v. Negelein danfte im Namen ber Gäste. Er wies baiauf hin, welche glänzende Entwicklung die Marburger Freiwillige Feuerwehr genommen, wie sie nach unb nach ihre Fertigkeit erhöht unb manchen Branb gebämpft habe. Der Eemeinfinn, ber die Feuerwehr zusammenfiihrt, sei zu loben. Berufsfeuerwehren eigneten sich wohl für große Städte, für kleine Städte sei eine Freiwillige Wehr bas idealste Institut. Indem bei Redner die Freiwillige Feuerwehr zu ihrem Jubiläum beglückwünschte, erinnerte er auch, daß eine solche Entwicklung nur unter bem Schutze ber Friebens- regierung unseres Kaisers möglich gewesen sei. Er enbete mit einem allseitig begeistert aufgenommenen Hoch auf ben Kaiser, worauf bie Nationalhymne gesungen würbe.
Oberbürgermeister Troje schloß sich seine« Vorrebner an. Er erinnerte in seiner eindruckr- 1 vollen Rebe an bie früheren Feuerlöschverhält» 1 Nisse unb gab dann ein Bilb von der Gründung