mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
Jti 54
Die „Obrrhrjsische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vrerteljährltch durch die Post bezogen 2.25 <M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 dH frei in» Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 56.
Marburg
Sonnabend, 4. März
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4-, bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschloffen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt <u M.
46, Jahrg.
1911.
Erstes Blatt.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 18.
Delcaffe.
Zn Paris bedeutet die Preffe alles. Wenn man den „Temps" für ein offiziöses Blatt hält, so heißt das nicht, daß er Sprachrohr der Regierung sei; sondern, daß die Regierung vom „Temps" ihre Weisungen erhält. Das Kabinett ist nicht der eigentliche Herr Frankreichs, denn Frankreich wechselt die Kabinette wie Dienstboten. Die eigentliche Leitung der Geschicke des Landes liegt in den Händen einer regierenden Clique, die an der Kanonenfirma Schneider-Creusot, an den marokkanischen Geschäften und anderen Dingen mit großem Kapital beteiligt ist und — in den Redaktionen der gelesensten Zeitungen dominiert. Nur der „Eclair" spielt seine eigenen Motive. Auch der „Figaro" tritt hin und wieder als Anwalt der ängstlichen kleinen Sparer, der eigentlichen soliden Bürger des Landes, auf, denen an friedlicher Politik gelegen ist. Fast alle übrigen Blätter lauern auf jede Gelegenheit, bei der sich die Machtpolitik der großen Geschäftemacher empfehlen läßt. Jetzt sind sie wieder obenauf.
Mit einigem Erstaunen vernimmt man, daß der eine Zeit lang scheintote Herr Delcaffe, deffen A und O „Krieg gegen Deutschland" lautete, wieder in das Ministerium eintritt. Eambetta, der noch Delcaffes Anfänge erlebte, nannte ihn den „petit cretin", den blödsinnigen Zwerg. Aber die herrschende Zeitungs- clique, an ihrer Spitze der Chefredakteur des „Txmps", der früher Botschaftssekretär in Berlin war, ist anderer Ansicht. Jetzt weiß man auch, was es bedeutet hat, daß der „Temps" vor einigen Wochen den Ministerpräsidenten Briand plötzlich so heftig angriff, — man deiche: als ob die „Norddeutsche Allgemeine" plötzlich Herrn v. Bethmann- Hollweg beschimpfte. Die Angriffe waren das Toten- gekäut für ein Ministerium, das es zwar an Radikalismus im Innern nicht fehlen ließ, in der auswärtigen Politik aber nicht das Tempo einhielt, das die Maßgebenden wünschen. Nun haben sie wieder ihren Delcaffe, der seinerzeit auf eigene Faust das Kriegsbündnts mit Eduard VII. abschloß und drauf und dran war, einen europäischen Krach zu provozieren, wenn nicht im letzten Augenblick die entsetzten Kollegen ihm in den Arm gefallen wären. Er soll Marineminister im neuen Kabinett werden. Aber der Senator Monis, der das Präsidium übernimmt. hat ihm ausdrücklich versichert, daß man seinen Rat gerade in auswärtigen Dingen wünsche; man werde auch niemand mit dem Portefeuille des Auswärtigen betrauen, ohne seine, Delcaffe, Zustimmung einzuholen.
Es ist erklärlich, wenn Delcaffe als der Urheber einer auf eine gefährliche Unterschätzung Deutschlands aufgebauten Politik, als der Mann, dem
^9 sRa<bdruck verboten.)
Der stille See.
Roman von S. Courths-Mahler.
(Schluß.)
Drei Tage waren vergangen. Es waren Ewigkeiten für Ruths zitternde Sehnsucht. Sie fuhr ihr Kind auf den kiesbestreuten Gartenwegen auf und ab und sah mit großen, träumenden Augen vor sich hin.
Dann nahm sie hinter dem Hause unter einer schattigen Linde Platz und hob das Kind aus dem Wagen. Es blickte mit blanken Aeuglein zur Mutter empor und zauste mit den Händchen in ihrem Haar herum. Sie plauderte ihm süße kosende Worte vor !in seliger Mutterlust. Ringsum war ein Blühen und Gedeihen in Licht und Farbe.
Mutter und Kind boten ein reizendes Bild. Sie Hob das Kind empor in jauchzender Freude. So 'stand sie zu ihrer ganzen schlanken Höhe aufgerichter ■enb sah zu dem zappelnden Menschlein empor mit glückstrunkenen Augen.
Dieses Bild nahm Hans Rochus in sich auf, als er in diesem Augenblicke um die Hauswand bog. Er war eben angekommen — von der Stadt aus in treibender Ungeduld zu Fuße, weil er keinen Wagen hatte auftreiben können. Fräulein Hebenstreit hatte ihn kommen sehen und ihn lä elnd hinter das Haus gewiesen. Da stand er nun wie gebannt und schaute auf das holde Wunder. Seine Augen sogen sich fest en Ruths glückstrahlendem Gesicht. So schön und lieblich war sie anzuschauen in ihrer Holdseligkeit. Sie hatte ihn nicht kommen sehen, ahnte nicht, daß tt sie belauschte. Sie plauderte mit dem Kinde. „Mein Herzensbub, mein Goldkind, freue dich doch — Nln Vater kommt und holt uns heim. Du schaust da so drollig erstaunt, mein süßes Dummerchen, und «begreifst nicht, welches Glück ich dir verkünde. Hörst
König Eduard VII. die famosen 100 000 Mann versprochen haben soll, in Deutschland selbst kein besonderes gutes Andenken genießt. Es wäre ein bedenklicher Irrtum, wollte nun die Bedeutung der Wahl Delcaffes in das neue Kabinett für uns unterschätzen. Zu allem wird er auch seinen damaligen Sturz — vor nunmehr 5 Jahren — uns noch nicht vergessen haben. Die Augen offen heißt es darum heute doppelt für unsere Diplomatie. Die Situation von 1905 hat sich geändert, der Glaube, die Entente cordiale biete der französischen Diplomatie genügenden Schutz, um an deutschen Jn- tereffen vorbeigehen zu können, ist seitdem gründlich ad absurdum geführt worden. Inzwischen ist die Entente cordiale durch Rußland verstärkt und zu einer Triple-Entente ausgebildet worden; trotzdem aber hat diese Triple-Entente Deutschland gegenüber keine guten Geschäfte machen können. Aber der damals leitende Mann, unser Freund Delcaffe ist wieder da. Das bedeutet allemal eine Gefahr, wenn man daran denkt, wie leicht die Ber- hältniffe bei unseren beweglichen Nachbarn durch Personen bestimmt werden.
Die Frankfurter Universität.
In der Frage der Universität Frankfurt ist nunmehr eine eingehende Vorlage des Frankfurter Magistrats erschienen. Die Universität soll drei Fakultäten erhalten: eine juristische, eine philosophische und eine medizinische. Nach der Berechnung des Magistrats fehlen zur Deckung noch rund 130 800 J*. jährlicher Einnahmen, wegen deren Beschaffung Erörterungen schweben. Im einzelnen entnehmen wir der Begründung des Magistrats folgendes:
Seitdem im Dezember 1909 die Verwaltung der Speyerschen Studien-Stiftung bei den wissenschaftlichen Stiftungen und Gesellschaften und gleichzeitig beim Magistrat die Frage der Zu-° sammenfassung der wissenschaftlichen Anstalten und städtischen Kliniken zu einer Stiftungs- Universität angeregt hat, wurden von uns wie im Schoße der Stiftungen und Gesellschaften, unter sorgsamer Berücksichtigung der in der Preffe laut gewordenen Zustimmungen und Bedenken, eingehende Ermittelungen über die Frage gepflogen. Allseitiges Einverständnis herrschte von vornherein darüber, daß größere, aus städtischen Steuern zu deckende Opfer bei der gegenwärtigen Finanzlage ausgeschloffen seien und die Beitragsleistungen der Stadt sich außer der Bereitstellung der städtischen Krankenhäuser und der mit ihnen verbundenen Institute für llnterrichtszwecke im wesentlichen — soweit nicht städtische, insbesondere Krankenhaus-Interessen gefördert werden — auf eine Bereitstellung von Land oder vorhandenen Gebäuden zu beschränken hätten, während im übrigen die erforderlichen beträchtlichen Mittel durch die vorhan-
bu nicht — Herzblatt — der Vater kommt — dein Vater."
Wieder drückte sie das Kind an ihre Brust in Lberquellendem.Empfinden.
Hans Rochus sah mit umflorten Augen, welche Veränderung mit Ruth vor sich gegangen. Dieses glückstrahlende junge Weib glich so wenig der scheuen stillen Ruth, die er kannte. Tiefbewegt rang er nach Faffung.
Leise, um sie nicht zu erschrecken, rief er ihren Namen. Sie sah auf, in seine heißen, sehnsüchtigen Augen hinein. Ein Zittern lief über ihre Gestalt, und dunkle Glut trat in ihr Gesicht.
Stumm standen sie sich eine Weile gegenüber, die Augen tief ineinander gesenkt in einer ernsten, innigen Sprache. Dann streckte ihm Ruth mit einer unbeschreiblichen Bewegung das Kind auf ihren Armen entgegen — als wollte sie ihm das Beste bieten, was sie besaß, und was untrennbar von ihr war.
Mit einem unterdrückten Ruf unsäglicher Wonne umschloß Hans Rochus Weib und Kind mit beiden Armen. Sprechen konnte er nicht, so wenig wie sie. Stumm» sahen sie sich in die flammenden Augen. Welche Seligkeit leuchtete ihnen entgegen.
Seine Lippen preßten sich in zärtlicher Glut auf ihren Mund — die Welt versank um die beiden glücklichen Menschen.
Der kleine Hans Rochus weckte sie mit unzufriedenen Lauten aus ihrer Versunkenheit. Der Vater nahm das Bübchen aus dem Arm der Mutter und betrachtete es mit feuchtschimmernden Augen. Dann wollte er es in den Wagen zurücklegen. Er stellte sich dabei jedoch so ungeschickt an, daß Ruth in all ihrer Ergriffenheit hell auflachen mußte. Dieses warm klingende Lachen berührte ihn ganz seltsam. Nie hatte er sie so lachen hören. Er zog sie von neuem in seine Arme.
„Bist du glücklich, Ruth? Ist es wirklich wahr daß du mich liebst?" Sie schmiegte sich wohlig an sein Herz.
denen oder neu zu begründenden Stiftungen unter angemeffener Berücksichtigung des eigenen Erwerbs der Universität aus Immatrikulations- gebühren, Auditorengeldern usw. zu beschaffen wären.
Es ist dann vorgesehen ein neues chemisches Institut, eine bedeutende Verstärkung der Bibliothekmittel, die Errichtung eines kunstwissenschaftlichen Instituts. Bei der medizinischen Fakultät sollen die Krankenhäuser für Universitätszwecke zur Verfügung gestellt werden. Begründet sollen werden medizinische und chirurgische Poliklinik, eine normale Anatomie und ein philologisches Institut. Im übrigen bemüht sich die Begründung hier zu zeigen, daß es sich hauptsächlich um einen Ausbau der Krankenhäuser handele. Die Berechnungen sind auf eine Ziffer von höchstens 300 Studenten der medizinischen Fakultät aufgebaut.
Als Zeitpunkt der Eröffnung der Universität ist einstweilen — unter Voraussetzung der staatlichen Genehmigung und der rechtzeitigen Beschaffung der noch fehlenden Geldmittel — das Frühjahr 1914 angenommen. Sollten die Geldmittel nicht so zeitig zu beschaffen sein, daß die eingehenden Zinsen insbesondere auch zur Bestreitung der einmaligen Aufwendungen ausreichen, würde die Begründung der Universität entsprechend hinausgeschoben werden müffen. Die Beschaffung der Stiftungsmittel ist die Voraussetzung der Anträge, in denen die gesamten, von der Stadt zu gewährenden Leistungen erschöpfend und ohne daß irgend eine städtische Garantie für die Einrichtungen und den B. trieb der Stiftungs-Universität zu leisten wäre, zusammengefaßt sind.
Es folgen die Anträge.
In der Denkschrift, die den Vorschlagey des Magistrats zugrunde liegt, wird ausgeführt, „daß der Gedanke einer Universität Franksurt- keineswegs willkürlich entstanden sei, sondern- nur den Endpunkt einer langen Reihe Bestrebungen bildet, wiffenschaftliche Forschungs- und Lehrstätten in hiesiger Stadt zu begründen, sodaß das jetzige Vorhaben im wesenu^en nur darauf gerichtet ist, die vorhandenen Stiftungen, Vereine und Anstalten unter Schonung ihrer bisherigen Selbständigkeit zu einem einheitlichen, zusammenarbeitenden Ganzen zusammenzuschließen". In dem folgenden Kapitel, das die Entwicklung der wiffenschaftlichen Anstalten und städtischen Kliniken in Frankfurt im Zusammenhang mit der Stadtgeschichte schildert, wird nach der „Franks. Ztg." erwähnt, daß schon unmittelbar nach 1866 in Altfrankfurter Kreisen bereits der Gedanke hervortrat, daß ein Ersatz für den Verlust des Bundestags und der politischen Selbständigkeit nur in der Begründung
„Ich liebe dich — Hans Rochus. Unsagbar habe ich gelitten, als ich dich aufgeben sollte."
„Und gingst doch so ruhig von mit?“
Sie sah ihn an mit den schönen, zärtlich schimmernden Augen.
„Ruhig? Ach, wenn du hättest in meiner Seele lesen können!“
Er strich ihr sanft Über das Haar.
„Ja — ich war blind und verstand nicht zu lesen, was hinter der starren Maske vorging. Hättest du mir ein einziges Mal so in die Augen gesehen, wie du es jetzt tust — ich hätte erkannt, daß du mich liebst. Nun zeigst du mir immer dies holde, beseette Gesicht, nicht wahr?“
„Das wird mir leichter werden, als das andere, glaub es mit.“
„Und du gehst mit mir nach Rochsbetg zurück?"
Sie umfaßte feinen Hals und legte ihre Wange an die seine.
„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen", sagte sie ernst und innig.
Wenige Tage später war Ruth mit ihrem Manne und dem kleinen Hans Rochus wieder in Rochsbetg. Fräulein Hebenstreit und die Amme waren natürlich auch mitgekommen.
Als Hans Rochus von Ruth erfuhr, wie intrigant Hilde gewesen wat, wollte er im ersten Zorn jeden Vetteht mit abbrechen. Ruth bat jedoch für sie.
„Im Grunde hat sie dadurch viel dazu beigetragen, daß wir so glücklich i,.worden find. Sag ihr kein schlimmes Wort. Liebster — ich bin ja so glücklich. — Wir wollen ihr verzeihen."
Er küßte ihr die Augen.
„Du — du. — Als ob ich dir etwas versagen könnte, wenn du mich so lieb anschaust. Sag mit, was hast du mit deinen Augen gemacht? Früher schienen fie mir so kühl und le« — jetzt liegt mein Himmel darin."
einer Hochschule gefunden werden könne, doch konnten die Erörterungen mit Vertretern d« preußischen Regierung, insbesondere dem Zivil- kommissar Frhrn. v. Patow bei den damaligen politischen Verhältnissen zu keinem Ergebnis führen.
Um die finanzielle Tragweite des Projektes beurteilen zu können, wird nun der gegenwärtige Stand der Frankfurter wiffenschaftlichen Anstalten sowie der städtischen Krankenhäuser mit den preußischen Universitäten verglichen. Dabei ergibt sich, so sagt die Denkschrift, welche überraschend großen Mittel an den verschiedenen zur Zeit noch nicht zusammengeschloffenen Stellen in Frankfurt bereits jetzt für die auf Universitäten verfolgten Zwecke verausgabt werden. Es sind in Frankfurt vorhanden: 1. an Stellen für hauptamtlich besoldete Dozenten: 4 juristische, 10 philosophisch-historische, 9 mathematisch-naturwissenschaftliche ; 2. 20 Seminare und verwandte Institute 3. 17 Kliniken und medizinische Institute und 15 Direktorstellen. Der Lehrkörper der Akademie umfaßt ferner eine Reihe Privatdozenten, nebenamtlichen Dozenten und Affistenten. Reben den Seminar- und Instituts-Bibliotheken stehen drei öffentliche wissenschaftliche Bibliotheken zur Verfügung. Der Gesamtaufwand für diese Dozenten, Institute, Verwaltungskosten usw. beträgt jetzt schon mehr als 1750 000 M, eine Summe, die den vergleichbaren Aufwand der meisten preußischen Universitäten erreicht oder übersteigt. Für eine reine ForschungsUniversität würd.•, wegen des Statuts der Akademie und der Satzungen des Physikalischen Vereins und der Sencken- bergischen naturwiffenschaftlichen Gesellschaft, die vorhandenen Einrichtungen in weitem U'^ange nicht nutzbar gemacht werden können, und von den für eine zukünftige Ausgestaltung zur Verfügung gestellten Geldmitteln ist gleichfalls ein wesentlicher Teil nur unter der Voraussetzung gegeben oder zugesichert, daß sie für Forschung und Lehre zugleich, d. h. für eine Universität in üblichem Sinne verwendet werden. Das einzig mögliche Ziel der Entwicklung ist eine Universität.
Sie hat, wie erwähnt, gleich nach 1866 Befürworter gefunden und später Verfechter in verschiedenen Schriften. Schon jetzt hat der Staat der Akademie und dem Physikalischen Verein gewiffe Berechtigungen verliehen. Die Begründung einer Universität in Frankfurt würde auch der allgemeinen Entwicklung der deutschen Univerfitätsverhältniffe durchaus entsprechen. Von 1880 bis 1907 hat sich die Zahl der Studenten an preußischen Universitäten verdoppelt, seit 30 Jahren ist aber im deutschen
„Weil bu mich jetzt liebst — bu siehst mich auch mit anderen Augen an als früher "
Zwei Wochen später wurde der kleine Hans Rochus getauft. Eine glänzende EefeMchaft wat geladen. Man hatte schon angefangen, allerlei Vermutungen auszusprechen übet die lange Abwesenh'it bet Eäsin Rochsbetg. Nun glaubte man des Rätsels Lösung gefunben zu haben. Gräfin Ruth hatte aus Rücksicht auf ben zu erroartenben Erben in stillster Zurückgezogenheit leben müffen.
Nun sah man fie in strahlender Frische neben ihrem seht glücklich aussehenben Gatten. Man glaubte roieber, weil man sah.
Rur Hilde hatte eine Ahnung, baß etwas anderes mitgefpiett hatte. Sie hütete sich jedoch, darüber zu sprechen, und wat ftoh, daß Ruth und Hans Rochus fie nicht zur Rede stellten. Es wäre ihr doch unangenehm gewesen, wenn Ruth an die Stunde gerührt hätte, in bet fie so giftigen Samen ausge- ftreut. Ruth dachte nicht daran. Im Vollbesitz ihres Glückes verzieh sie gern, wenn sie auch nicht verstehen konnte, weshalb Hilde so boshaft gewesen wat.
Als die Taufgäste sich entfernt hatten, trat Ruth mit Hans Rochus an das Bettchen ihres Kindes. Es lag, die Fäustchen an die Wangen gedrückt, in tiefem Schlaf. Fräulein Hebenstreit, die wie in einem Traum von Vornehmheit durch Schloß Rochs- berg zu streichen pflegte und mit großen Augen und maßlosem Entzücken die feudale Umgebung in fich aufnahm, stand am Fenster, als die Gatten eintraten. Sie entfernte sich behutsam trippelnd, um nicht zu stören.
Ruth beugte fich über bas Kinb und sah lächelnd in bas kleine Gesichtchen. Dann richtete fie fich auf unb warf fich mit leidenschaftlicher Innigkeit ew die Brust ihres Gatten. Er hielt fie fest an feinem Herzen unb sah ihr tief in die glänzenden Augen, die feinen Himmel bargen.
Gude.