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Die französische Knsts.

Der Kabtnettwechsel in Frankreich ist an und Mr sich nichts ungewöhnliches, und es hat viele Kabinette gegeben, die erheblich kürzer lebten, als das Kabinett Briand, und insofern hat ein solcher Wechsel ja keine besonders große Be­deutung.

Höher möchten wir ihn unter dem Gesichts­punkte anschlagen, daß der Rücktritt Briands wieder einen Ruck der französischen Eesarnt- politik nach links bezeichnet. Briand ist der Linken zu nachsichtig gegen die katholische Geist­lichkeit und was damit zusammenhängt erschie­nen, vor allem aber haben seine ehemaligen politischen Gesinnungsgenossen ihm niemals ver­gessen, daß er während des Eisenbahnstreikes energische Mittel ergriff, um die Autorität des Staates zu wahren, und hauptsächlich, daß ihm jbles sogar gelang. Briand, der frühere Sozial­demokrat, der in den ersten Jahren des Jahr­hunderts gewohnt war, die wildesten Reden gegen jede staatliche Autorität zu halten, jetzt jttls erfolgreicher Inhaber eben dieser Autorität, Ibas war zuviel, und seine ehemaligen Freunde, Faurtzs an der Spitze, schworen ihm blutige Rache.

Das find die eigentlichen inneren Gründe des Rücktritts, während der letzte äußere Anlaß für die Beurteilung gar nicht in Betracht kommt. Für französische Verhältniffe irgend welche Pro­phezeiungen auszusprechen, ist noch bedenklicher ^wie in anderen Ländern, denn die Persönlichkeit macht dort, wenigstens für kurze Zeit, so viel für die Stimmung aus, daß sie politische Grundsätze 'wegschwemmt, und andererseits weiß man auch nicht, wie derartige Persönlichkeiten sich ver­halten werden, wenn fie mit der Macht auch die Verantwortlichkeit erhalten haben. Sieht man von derartigen Ueberraschungen aber ab, so ! scheint in der Tat, daß die französischen Berhält- : Nisse mehr und mehr einem Zustande zutreiben, troo die staatliche Autorität sich nicht mehr wird | durchsetzen können, und wo des ferneren auch die Stützen des Staates nach außen hin, vornehm­lich die Armee, in schädliche Mitleidenschaft ge­zogen werden muffen. Wer die französische Lite­ratur und einen Teil der Journalistik dort wäh­rend der letzten Jahre mit Aufmerksamkeit ver­folgt hat, weiß, daß mehr und mehr eine anti­republikanische Strömung wächst und sich be­merkbar macht.

Es gibt sehr ernste Politiker in Frankreich, die offen sagen: lange könne und werde es nicht so weiter gehen, denn die Dinge trieben zur Krisis, und diese müsse mit dem Konsulate oder dem Kaisertum oder dem Königtum endigen.

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Grenze

46. Jahr-.

1911.

Marburg

Freitag, 3. März

Proporttnalsystem vorschlagen, bei den Eisenbahn- gesellschasten sich für die Wiederanstellung der ent­lassenen Beamten verwenden, dagegen an dem Gesetz­entwurf über die Unterdrückung der Sabotage fest­halten. Indes sollen die Bestimmungen des Ent- wurfs, die den Eisenbahnangestellten das Recht der Ausstands nehmen, gestrichen werden. Außerdem wird die Regierung die Einführung der Einkommen­steuer weiter betreiben. Den Blättern zufolge wies der mit der Bildung des Kabinetts betrau'« Senator Monis als er Delcaffe das Marine­ministerium onbot, daraufhin, daß Delcaffe seit vier Zähren für die Marine sehr erfolgreich gearbeitet und sehr nützliche und einschneidende Reformen erzielt uni erst kürzlich von der Kammertrik üne herab Worte gesprochen habe, die einen überaus großen Eindruck gemacht hätten. Aber er wolle sich vorher auch über die äußere Politik des Kabinetts mit ihm in» Einvernehmen setzen, und ihn deshalb betreffs der Persönlichkeit der das Ministerium des Aeußern übertragen werden soll, zu Rate ziehen. Delcaffe sei durch diese Morte sehr gerührt gewesen und hrbe das Anerbiet n Moni-, unverzüglich angenommen und sich auch einverstanden erklärt, daß das Porte­feuille des Aeußern zunächst dem Senator Ribot angeboten werde. Der für das Kriegsministerium in Aussicht genommene Berteaux sagte zu Bericht­erstattern, das neue Ministerium sei so ziemlich fertig und werde sich zweifellos der Kammer am

Wir verweisen im besonderen auf das vor etwa einem Jahre erschienene sehr interessante Buch: Frankreich stirbt". Es stammt aus der Feder eines ehemaligen Diplomaten. Dieser Mann ist fest von einem solchen Ende der Dinge über­zeugt, und seine einzige Befürchtung bleibt, daß das Deutsche Reich aus Furcht vor einer ge­fährlichen Erstarkung Frankreichs die Einfüh­rung der Monarchie in irgend einer Form zu verhindern versuchen werde.

Wir sind nun natürlich weit davon entfernt zu glauben, daß eine solche Wandlung schon für demnächst zu erwarten sei, ja wir stehen nicht an, zu behaupten, daß es uns fraglich erscheint, ob das französische Volk, wie es jetzt ist, über­haupt noch für die Monarchie zu gewinnen, je­denfalls auf die Dauer an ihr zu halten wäre. Aber auch das, ist zum größten Teile eine Frage der Persönlichkeit. Eine große Menge fähiger Köpfe und glühender Patrioten haben sich wegen der jetzigen Zustände von der Politik zurück­gezogen. Damit sind sie aber noch nicht aus der Welt, und sie würden, wenn ihnen der Moment zu einer Umwälzung gekommen zu sein schiene, eine größere Macht darstellen, als man jetzt wohl im allgemeinen vermutet.

Aus der Budgettornrnifiron des Abgeord» «eteuhaufes. Berlin, 1. März. In der Budget­kommission des Abgeordnetenhauses teilte der Minister mit, daß auf der Brüsseler Ausstellung die deutsche und preußische Schulausstellung die Anerkennung der ganzen Welt gefunden habe. Die preußische Schulausstellung wird im Aus­stellungspark am 7. März dem Publikum zu- gängig gemacht. Die Kommission nahm einen Zentrumsantrag auf Vermehrung der Hilfs­schulen für schwach veranlagte Kinder und der Volksschulen einstimmig, einen Antrag betref­fend die Wahrung des konfessionellen Charak­ters der Volksschulen gegen die freikonserva­tiven, nationalliberalen und freisinnigen Stim­men, ferner mit demselben Stimmenverhältnis einen Antrag des Zentrums und der Deutsch­konservativen bei vermehrter Einführung der Rektoren an den Volksschulen den Einfluß der Kirche auf die Schulen sicherzustellen an.

Der serbische Zwischenfall. Berlin, 1. März. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der serbische Kriegsminister gab seine Entlassung unmittelbar nachdem der deutsche Gesandte we­gen der von dem Minister gegen ihn ausgespro­chenen Insinuation einen darauf gerichteten An­trag gestellt hatte. Die Entlassung des Kriegs­ministers wurde dem deutschen Vertreter von dem Minister des Aeußeren Milowanowitsch amtlich mitgeteilt. Außerdem ließ der Minister des Auswärtigen der kaiserlichen Regierung sein Bedauern über das Verhalten des Kriegs­ministers aussprechen; wenn serbische Blätter neue andere Gründe für den Rücktritt anführen, so ändere dies, gleichgültig ob ihre Behauptun- cfen richtig oder nachträglich ad hoc aufgestellt sind, an Vorstehendem nichts. Ebenso find nach­trägliche Aeußerungen des Scheidenden selbst für die kaiserliche Regierung und ihre Vertretung in Belgrad belanglos.

2 Ausland.

* Die Kabinetts-K>ise in Frankreich (Delcaffe Minister!). Paris, 1. März. DieAgence Havas teilt entgegen anderslautenden Meldungen mit, Monis äußerte bei seiner gestrigen Besprechung mit Delcassä keineswegs die Ansicht, der neue Inhaber des Portefeuilles des Auswärtigen müsse sich in der Leitung der auswärtigen Politik von den Rat­schlägen Delcasses befttmmen lassen. Ein derartiger Anspruch wäre unzulässig. Monis gab Delcaffe und Berteaux gegenüber lediglich den Wunsch zu er­kennen, sich mit ihnen über die Wahl der zukünftigen Mitarbeiter ins Einvernehmen zu setzen. Als Er­gebnis der Besprechungen zwischen Monis und den Persönlichkeiten, die in das Kabinett eintreten sollen, läßt sich bezeichnen, daß die neue Regierung di« Politik der Verweltlichung der Schule fortsetzen wird, jedoch unter strenger Vermeidung jeder Art der Verfolgung. Sie wird unter Aufrechterhaltung der Ordenung und Sicherheit für eine sozial« Vet- brüderung zu wirken suchen, die Listenwahl mit dem

Deutsches Reich-

Eine eigenartige Kaiserrede. Bei der llniverfitätsseier in Würzburg zu Ehren des 90. Geburtstages des Prinz - Regenten Luitpold brachte Berliner Blättern zufolge der außer­ordentliche Professor Dr. Fritz Regel, Vorstand des Geographischen Instituts, das Kaiserhoch aus. Seine Rede enthielt nach der Darstellung des Würzburger Zentrumsblattes eine derartige Kritik an der Person des Kaisers, daß vielfach Oho-Rufe von Professoren und Studenten laut wurden und der Divisionär Generalleutnant v Fasbender im Begriff war, mit den anderen Generalen und Offizieren protestierend den Saal zu verlassen; nur das beschwichtigende Zu­reden des Präsidiums und die Noblesse des Ge­nerals und der Offiziere bewahrten die Univer­sität vor einem großen Skandal. Regel ging in seiner Rede sogar so weit, daß er es wiederholt als lästigen Zwang bezeichnete, eine Per­son, an der so viel auszusetzen sei wie an der des Kaisers, auch noch hochleben lassen zu müssen. Die ganze Geschichte klingt unglaublich. Pro­fessor Regel ist 57 Jahre alt und als Sohn eines Gothaer Landrats und der Tochter eines preu­ßischen Legationsrats auf Schloß Tennenberg in Thüringen geboren. Seit 1880 ist er Reserve­offizier und gehört der nationalliberalen Partei an. Man muß sich wundern, daß erst heute von der Geschichte geredet wird. Verhält es sich wirk­lich so, wie das Blatt berichtet, so muß natürlich der Vorfall ernstere Folgen haben. Vorläufig bedarf er der Aufklärung!

Lieferung der Leichen der beiden Erschlagenen und zwar mutmaßlich aus dem Grunde, weil dieselben auf infame Weise verstümmelt waren. Der Präfekt gibt offiziell zu, daß der Tod der beiden Opfer auf griechischem Gebiete stattfand. Die türkische Re­gierung tat zur sofortigen Einleitung einer ein­gehenden Untersuchung Schritte, damit die Betant- toortunnsfrage festgestellt werde.

Aehrenthal. Budapest, 1. März. DerBester Lloyd" bezeichnet die Gerüchte daß der Urlaub des Grafen Aehrenthal der Vorbote seiner Demission sei, als unsinnige Kombination. Graf Aehrenthal habe während der jetzigen Session der Delegation wiederholt Proben außerordentlicher Schlagfertig­keit gegeben, sodaß er, wenn er der Erholung bc darf, doch keineswegs so krank sei, um aus sein Amt zu verzichten. Was den Grafen Berchtold betreffe, den man als Nachfolger Aehrenthals bezeichnet, so sei in eingeweihten Kreisen bekannt, daß es Mühe gekostet habe, ihn zum Verbleiben im Staatsdienst zu bewegen, da er ruhebedürftig sei und sich vom Staatsdienst zurückzuziehen wünsche. Die Berufung des Botschafters in Konstanttnopel, Markgraf Palla- vicini zum Stellvertreter des Grafen Aehrenthal, fei in den Rangverhältniffen begründet, da er als Botschafter rangmäßig befugt sei, anstelle des Ministers des Aeußern einem Botschafter Weisungen zu erteilen. Auch sei er vermöge seiner Stellung iw

hinterrücks überfallen

griechischen Wachtposten geschleppt, wo sie auf die rohes e Weise geschlagen wurden. Der griechische Präfekt, sowie der Militärkommandant verweiger­ten dem türkischen Konsul gegenüber die Aus-

Montag vorstellen.

** Bo« Balkan. Berlin, 1. März. Der hiesigen türkischen Botschaft ist über den Erenzzwischenfall bei Domenikon folgende Depesche aus Konstantinopel zugegangen: Bei Eunitza an der türkisch-griechischen Grenze wurden zwei türkische Soldaten auf türkischem Gebiete von zehn griechischen Soldaten und lebend nach dem

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwittfchastliche Berlage.

deren Raum 16 X, bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt all Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt, lverbindlich- teit für Platz-, Datenvorschrist und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Postfcheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der unh Feiertage. Tei Bezugsprers betragt vierteliahrlich durch die Post bezogen 2.25 Jl lohne Bestellgeld), bei unseren Ze-tungsstellen und der Expedition fMarkt 21) 2.00 frei ml HauS. (Für unöer- langt zugesimdte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Unw.-Buchdruckerer I, A. Koch (Inh..

Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

4 '. (Nachdruck verboten.)

Der siille See.

Roman von H. Eonrths-Mahler.

> l Fortsetzung.)

Eine lähmende Angst kroch an fie heran vor dem, was dieser Brief enthalten könnte; schlaff ließ sie ihre Hand herabsinken mit dem Schreiben. Wenn es nun die Ankündigung enthielt, daß Hons Rochus die Scheidung eingeleitet hätte? Wie demütigend wäre das für sie nach dem Briefe, den fie ihm gestern geschrieben und den et in wenigen Stunden emp­fangen würde. Endlich nahm fie allen Mut zu­sammen und öffnete das Schreiben. Sie hielt es mit zitternden Händen, und eine Weile tanzten ihr die Buchstaben vor den Äugen, bis sich däs tobend« Blut in i^ren Adern beruhigt hatte. Hans Rochus schrieb:

Liebe Ruth! Soeben komm« ich von eine« frohen Berlobungsfeste nach Hause. Hilde ist nun doch noch Heinz Wendlings Braut geworden. E- war damals an der Auflösung ihrer Verlobung mit Kracht schuld. Unvermutet haben sich seine Vet- mögensverhältnisse so gebessert, daß er an eine Hei­rat mit Hilde denken tarnt. Hoffentlich wird er mit ihr glücklich ich habe keine sehr hohe Meinung von Hikd«, obwohl ich einst selber sehr nahe daran «ar, ihretwegen den Verstand zu verlieren. Zum Glück sah ich ein, daß fie nur mit mir spielte, wie die Katze mit der Maus. Einem Flirt war sie nie abgeneigt wird es auch nie sein trotzdem fi« sich einbildet, Wendling zu lieben. Aber nun genug wm ihr Wo ist di« Zeit hin, da mir eine Hilde j Sontheim gefährlich «erben konnte? Ich habe (JWt* Herz damals bald

ein anderes Bild steht jetzt auf dem Altar meines Herzens rein und schön und unvergänglich.

Warum ich Dir heute schreibe warum ich Dir dies erzähle? Ich fühle mich heu"? nach dem fröh­lichen Feste doppelt so einsam und allein in meinem stillen Rochsberg. Der Mond steht über dem Park und übergießt ihn mit mildem Licht. Mir ist das Herz so voll und schwer. Eben habe ich in Deinen Büchern gelesen. Sie find alles, was mir von Dir geblieben ist. Und nun hält es mich nicht mehr, ich muß Dir sagen, wie es um mich steht. Man fragte mich heute von allen Seiten nach Dir, ob sich Dein« Gesundheit noch nicht so weit gefefttgt habe, daß Du heimkehren kannst. Alle glaube" an Deine Rückkehr und ich vermag es nicht, zu sagen:Sie ist für immer von mir gegangen! Manchmal ist es mir, als höre ich Deinen leichten Schritt vor meiner Tür manchmal meine ich. Deine Stimme neben mir zu hören. Eitler Wahn Du bist fern und zürnst dem Säumigen, der mch immer nichts getan hat, um Dich ganz frei zu machen. Aber ich werde den Schritt nie tun, nie. Das wollte ich Dir sagen Willst Du unsere Ehe lösen, so tue selbst die nötigen Schritte, dann muß ich mich fügen. Aber vorher sollst Du wissen, Ruth liebe teure Ruth, daß ich Dich liebe mit grenzenloser sehnsuchtsvoller Innig­keit. Wie das in mir gewachsen ist ich weiß es nicht, weiß nur, daß Du meines Lebens höchster' Wert bist. Das wußte ich schon, als Du von mit gingst, aber ich hielt Dich nicht weil Du mit sagtest, daß Dich die Fesseln drückten, die Dich an mich bin­den. So ließ ich Dich gehen und schwieg Dir auch von meinet Siebe. Du solltest nicht wissen, wie weh Du mit tatest.

«bet meine Hebe zu Dir wird stärker von Tag Xafc meine Sehnsucht nach Dir brennender und

heißer, alles in mit geht unter in der sehnenden Liebe nach Dir. Und so komme ich Dir mit einet innigen Bitte; kehre zurück zu mir, laß mich um Deine Liebe werben, ich will es unermüdlich tun. Vielleicht gelingt es mit doch, Dein Hetz zu bezwin­gen. So groß und stark ist meine Liebe, daß ich ihr Wunder zutraue. Sei barmherzig, geliebte, teure Frau, schreibe mir bald ein Wort, daß ich kommen darf. Dich heimzuholen. Unbegrenzt soll meine Dankbarkeit Jein. heißet Liebe Dein Hans Rochus."

Aus Ruths Augen sielen schon lange, ehe sie bis zu Ende gelesen, heiße erlösende Tränen. Was für unsagbare Wonne empfand sie beim Lesen seiner innigen Worte. Mit dem Brief in der Hand eilte fie an das Bettchen ih es Kindes und drückte ihr tränenfeuchtes Gesicht an seine schlaftoatme Wange Er holt uns heim, mein goldiges Kind et gelt uns heim," schluchzte fie in fassm gsloset Seligkeit. Das Kind wurde wach und tappte mit den kleinen Händchen ungeschickt in bas Gesicht bet Mutter. Ruth hob es hoch empor in jubelnder Wonne und drückte es bann zättlich in bie Arme, bis es schreienb nach feinet Amme verlangte.

Diese eilte aus bem Nebenzimmer herbei. Ruth reichte ihr bas Kind und ging hinaus in den Garten.

Fräulein Hebenstteit kam ihr mit gtü. en Kräu­tern für die Küche entgegen, die \ i im Garten ge­pflückt hatte. Ruth umfaßte fi« lachend und weinend und küßte die vor Erstaunen Sprachlose auf bie Wange.

Mein Mam. holt uns heim bald. Hebe teure I Seele bald. Alle Not hat ein Ende, und wir gehen

nach Rochsberg zurück.

S-e ließ das alte Fräulein stehen und lief schnell davon. Ihre Hetzenswonne mußt- in den lachenden Frühling getragen werden.

Fräulein Hebenstteit iah ihr mit feuchten Augen nach. So hatte fie Ruth noch nie gesehen, so fassungs­los und außer sich. Von der Nach'icht selbst war fie gar nicht so überrascht sie hatte es ganz sichet ge­wußt, daß die beiden sich wieder versöhnen würden schon des Kindes wegen.

Kaum wat fie ins Haus getreten, als auch Ruth wieder zurückkam und an ihren Sc reibtisci; ging. Es war ihr eingefallen, daß fie in ihren Briefen nicht ein Wort geschrieben hott-, daß fie Hans Rochus liebte. Wenn sie ihm einen Eilbrief sandte, erfuhr et es morgen. Auch ohnedies würde er so bald als möglich kommen, aber er sollte nicht eine Minute länger als ig im Zweifel bleiben.

Sie torieu mit fliegender Hand:

.Mein geliebter Hans Rochus!

Geliebt da steht es geschrieben geliebt ach grenzenlos innig und beiß bist Du geliebt von Deinem Weibe. So töricht war ich Hons Rochus so töricht und guätte Dich und mich. Ich habe Dich so lieb so lieb schon feit langet, langer Zeit und wat nur zu stolz, es Dir zu sagen, weil ich glaubte, Du liebtest mich nicht. Ach Hans Rochus nun habe ich Deine geliebten Zeilen, Du liebst mich ich liebe Dich Hetz, halte fest, daß Du nicht brichst vor namenloser Wonne.

Ich zähle die Minuten, bis Du bei mit bist bei mit und unserem Kinde.

Deine glückselige Ruth. (Fortsetzung folgt.)

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