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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

M 52

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 dH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 dH frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuflripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 2. März

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 j., bei auswärtigen Anzeigen 20 >$., für Reklamen die Zeile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlich­keit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

46. Jahrg.

1911.

Erttes Blatt.

Der Belgrader Zwischenfall.

Sonderbare Sachen scheinen in Serbien vor sich gegangen zu sein: der Kriegsminister gibt im Parlamente eine seltsam gewundene Erklä­rung ab, des Inhalts, daß er mißverstanden worden sei, wenn man ihm die Behauptung nachsage, der deutsche Gesandte in Belgrad habe in unzulässiger Weise seinen Einfluß aufge­wandt um eine Artilleriebestellung der Firma Ehrhardt zuzuwenden. Er, der Minister, habe auch nicht gemeint, dah der Gesandte etwa seinen Privatvorteil im Auge gehabt hätte. Zum Schlüsse seiner Auseinandersetzung weist der Minister mit einer auffallend entrüsteten Betonung alle Unterstellungen zurück, er habe ähnliches gesagt oder sagen wollen. Laut dem halbamtlichen Wolffschen Bureau soll diese Er­klärung dem deutschen Gesandten nicht genügt haben) und in der Tat ist der erwartete Rück­tritt des serbischen Kriegsministers inzwischen amtlich bekanntgegeben worden.

Schon diese dürftigen Andeutungen lassen hen eigentlichen Kern der Sache klar durch­scheinen und geben, wie wir hinzufügen möchten, den Beweis, daß es sich wahrscheinlich um die Machinationen einer ausländischen Konkur- xentenfirma Ehrhardts und der Vertreter von deren Regierung in Serbien handelt. Denn wegen eines serbischen Kriegsminister» würden wir kaum so viel Energie verschwenden. Offen­bar ist also von französischer Sette, nachdem der großen Kanonenfabrik in Ereuzot der Zuschlag nicht erteilt worden war, ausgesprengt worden, auf deutscher Seite sei erheblich mitSchmier­geldern" gearbeitet worden und auch unser Ee- !sandte habe dabei gut verdient. Ohne Zweifel hat die deutsche Reichsregierung in richtiger rSBeife und in genügendem Maße dir Eenug- :tuung verlangt und erhalten, welche nach einer solchen Beleidigung des deutscher- Gesandte» selbstverständlich ist.

Im übrigen ist ja das in Rede stehende Thema immer etwas heikler Natur, nämlich das der Unterstützung der heimischen Industrie sei­tens der in einem anderen Lande beglaubigten Vertreter. Artillerieaufträge und ähnliches sind, auch wenn sie von einem Lande wie Ser­bien ausgehen, finanziell betrachtet, immer sehr erhebliche Objekte, und es ist kein Wunder, daß die Geschützindustrie der in Betracht kommenden Staaten durch ihre Vertreter in dem betreffen­den Lande alles erdenklich« tut, um sich den Auftrag zuzuwenden. Desgleichen ist es selbst­verständliche Pflicht des Diplomaten, bei der Regierung, welche den Auftrag zu vergeben hat, das Seinige zu tun, um das Bestreben der hei­mischen Firma zu unterstützen. Denn dieses entspricht den wirtschaftlichen Interessen des ganzen Landes, und sie nachdrücklich und erfolg­reich wahrzunehmen, ist eine der Hauptpflichten eines Gesandten im Ausland«.

Freilich darf er mit dieser Vertretung des wirtschaftlichen Interesses einer Firma nur bis zu einer gewissen Grenze gehen, deren genaue Lage ihm von Fall zu Fall sein Taki zeigen muß. Das, wozu er verpflichtet ist, das ist, mit aller Energie darauf zu dringen, daß für den Wettbewerb absolut gleiche Bedingungen be­stehen, daß die Firma seines Landes ebenso wie die der anderen volle und ausgiebige Gelegen­heit erhält, die Leistungen ihrer Fabrikate zu zeigen; ferner, daß di« fremden Firmen und die Vertreter von deren Regierungen sich nicht durch unlautere Mackienschaften einen Vorsprung be­sorgen. Wir sind überzeugt, daß der deutsche Gesandte in Belgrad diese Grenze in keiner Weise überschritten hat.

Bund der Handwerker.

Am Sonntag trat in Berlin in denEer- maniasälen" der Bund der Handwerker zu seiner 6. Generalversammlung zusammen. Der Vor­sitzende, Schneidermeister Voigt-Friedenau, er­öffnete die Verhandlungen mit dem alten Hand­werkergrußGott segne das ehrbare Handwerk!" rmd mit einem Hoch auf den Kaiser. Er führte bann weiter aus, daß das Handwerk wohl viel­fach organisiert sei, aber eine politische Organi« |

sation sei jetzt erst durch den Bund der Hand­werker erreicht worden. Dem Beamten, so führte er weiter aus, der am 1. des Monats weiß, was er zu fordern hat, fällt es nicht schwer, seine nationale Gesinnung zu bekunden, wohl aber dem Handwerker. Wir müssen uns zusam­menschließen und fragen, wie die Reichstagskan­didaten sich zu bestimmten Forderungen stellen. Wir wollen die Entlohnung im Handwerk schützen, wir verlängen die Einführung des all­gemeinen Befähigungsnachweises, wir verlan­gen den Schutz der Bauforderungen.

Reichstagsabgeordneter Werner referierte hierauf über das ThemaDas Hand werk und der Hansabund". Der Hansabund sei von Groß­industriellen und Kommerzienräten gegründet worden, als die Kotierungssteuer abgelehnt wurde. Der bekannte Obermeister Rahardt habe sich gegen den Befähigungsnachweis gewandt, als er in den Hansabund eintrat. Beim Vor­trage in Cassel habe er die Gründung des dor­tigen Tietz'schen Warenhauses nicht in seiner Rede erwähnt. Mitglieder des Hansabundes dürften sich offenbar nicht gegen die Waren­häuser wenden. Der Bund der Handwerker darf nicht mit dem Hansabund zusammengehen, er muß selbständig bleiben.

Zimmermeister Paukstadt-Goldap, sowie Frl. Homann-Berlin traten den Ausführungen bei.

Der Syndikus des Bundes, Rechtsanwalt Hercher (Berlin) besprach hierauf die Frage: Wie muß unsere Eesetzegbung gestaltet werden, um das Handwerk vor böswilligen Schuldnern zu schützen?" Er trat ein für eine Verkürzung der Verjährungsfrist, für Festlegung des Wohn­ortes des Schuldners als Leistungsort und für die Möglichkeit, böswilligen Schuldnern die Forderung im Eventualfälle durch die Post zu­stellen zu können.

Der Provinzialvorfitzende für Sachsen-An­halt, Herr Klempner-Obermeister Erecke-Halle a. S., trat besonders für die Notwendigkeit der Sicherung der Bauforderungen ein.

Weiter beteiligten fich an der Diskussion Herr Reichstagsabgeordneter Irl, der die Ueber- weisung des Materials an die Reichstagskom­mission empfahl, und Frl. Homann.

Dann sprach Herr Ingenieur Petit-Berlin überDie jetzige Handhabung des Fortbildungs­schulwesens, eine Gefahr für das Handwerk". Er erblickte in der Verlegung des Unterrichts auf die Rachmittaqsstunden eine Schädigung der Meister. Den Vorwurf, daß die Handwerker Feinde der Fortbildunasschule seien, wies der Redner entschieden zurück.

Es wurde dann die Beschlußfassung über das Vorgehen bei der nächsten Reichstagswahl erle­digt, wobei folgende, wom Abg. Werner bean­tragte Resolution einstimmige Annahme fanb:* Der Bund der Handwerker unterstützt jeden Kandidaten, der sein Programm anerkennt. Kommen mehrere Kandidaten dieser Art in Be­tracht, so unterstützt er denjenigen, der im Hin­blick auf seine Person die besseren Garantien bietet."

Aus dem Geschäftsberichte sei erwähnt, daß der Bund jetzt 11 486 Mitglieder zählt, eine Zu­nahme von 4000 gegen das Vorjahr.

Deutsches Reich,

Die Budgetkommissio« de» Abgeordneten­hause« verhandelte über den Kultusetat. Auf An­frage erklärte der Minister, daß bas Schreiben des Papstes an den Kardinal Fischer in Köln vom 31. Dezember v. I. Veranlassung gegeben hätte zu Fest­stellungen bei der Kurie in Rom, rote bet Inhalt zu interpretieren sei. Das Ergebnis dieser Fest­stellungen sei bas Schreiben des Kardinalstaats- fefretärs an den Fürstbischof Kopp in Breslau ge­wesen, nach welchem diejenigen llniverfitäts- prcfessoren, welche kirchliche Funktionen nicht aus- üben, auch den Modernisteneid nicht zu leisten brauchen. Dagegen haben sämtliche Professoren der katholischen Fakultäten den Eid zu leisten. Die katholischen Professoren, welche gefragt wurden, haben ausnahmslos die Frage verneint, ob sie trotz dieser Vorschrift ihren wissenschastftchen Aufgaben gerecht werden können. Ebenso habe ein anerkann­ter Kirchenrech^slehrer geurteilt und ein der kritischen Richtung angehöriger evangelischer Theologe. Dabei ist allerdings zu bedenken, daß die katholischen Fakultäten für den Staat weniger in ihrer Eigenschaft als Forschungsstätten in Be­tracht kommen als Einrichtungen für die Aus­bildung der künftigen katholischen Geistlichen für ihren Beruf. Die Fakultät«» der llutversttäte» find

durch den Modernisteneid beeinträchtigt und in ihrer Stellung gesunken. Trotzdem liegt kein Anlaß vor, die katholischen Fakultäten aufzuheben. Die Staats­regierung wird abwarten und eventuell später ihre Beschlüsse fassen. Darüber, wieviel Professoren den Eid geleistet haben, sei nichts bekannt. Rach Mit­teilungen aus kirchlichen Kreisen hätte angenommen werden müssen, daß die Geistlichen, welche Religions­lehrer an höheren Schulen und an Seminarien sind, den Eid nicht zu leisten hätten. Es seien jedoch, soweit ihm, dem Minister, bekannt, zwei dieser Herren aufgefordert, hätten aber den Eid verweigert, ohne daß ihnen von den kirchlichen Behörden näher getreten sei. Der Staat kann aus der Ablehnung des Eides Folgerungen nicht ziehen. Er muß diese Herren schützen gegen Nachteile, welche ihnen er­wachsen. Sie stehen allerdings auch anders da als die Lehrer an den Universitäten; sie sind der Revision ihrer Vorgesetzten unterworfen und müssen nach den Vorschriften, die ihnen gegeben werden, sich richten. Ueberall, wo Bedenken sich ergeben, wird die Staateregierung Abhilfe schaffen. Von Seiten des Zentrums wurde betont, daß die An­ordnungen und Kundgebungen der Kurie betreffend den Modernisteneid aus dem Bedürfnis und . den Verhältnissen der katholischen Kirche in Italien hervorgegangen seien. Die jungen katholischen Theologen in Italien hätten die Lehre Immanuel Kants übernommen, so daß sie nicht mehr die Offen­barung als Grundlage der Religion anerkannt hätten, und diesem Zustande hätte von Seiten des Papstes entgegengetreten werden müssen. Von einem Mitglieds der Kommission wurde beanstandet, daß der preußische Gesandte beim Vatikan auf seine von Berlin aus veranlaßte Anfrage nicht direkt mit Auskunft versehen, sondern auf den Brief des Kardinalstaatssekretär an den Fürstbischof Kopp hin- geroiefen sei. Der Minister erklärte, daß er diese Ausstellungen als begründet nicht anerkennen könne.

Reichstagserfahwahl Allenftein - Rössel. Allenstein, 27. Febr. Bei der heutigen Reichs­tagsersatzwahl im Wahlkreise Allenstein-Rössel wurden bis 11 Uhr abends gezahlt für Ritter­gutsbesitzer Orlowski-Kutzborn (Zentr.) 10 733, für Pfarrer Berczewski (Pole) 6793 und für Rechtsanwalt Haase (Soz.) 303 Stimmen. Eine Anzahl Bezirke steht noch aus, doch ist die Wahl Orlowskis gesichert. Bei der letzten Wahl er­hielt der Zentrumskandidat 12 944, der Pole 5480, ein nationallib. Kandidat 3133, der So­zialdemokrat 76 Stimmen. Die Polen haben also beträchtlich zugenommen. Die Wahl zeigt, daß die Hochburgen des Zentrums, wie bereits 1907 klar wurde, fest find, sodaß diese Partei auch bei der nächsten Wahl ihre 100 Sitze sicher haben wird.

Die deutschen Aerzte zur Pestforschung in China. Wie derInf." znitgeteilt wird, sind drei deutsche Aerzte, Dr. Biermann, Dr. Eothein und Dr. Mende, die sich zur Erforschung der Pest nach China gemeldet haben, bereits auf der sibi­rischen Bahn nach Tsingtau unterwegs. Sie sind durch Vermittlung des Rechtsanwalts Vor­werk in Hamburg vom Gouverneur von Schan- tung, Sun pao chi, aufgefordert worden, in der Provinz tätig zu fein. Von anderen europäischen Staaten find gleichfalls Aerzte nach China ge­sandt worden, und zum Teil werden auch noch weitere folgen. Es kann angenommen werden, daß alle Aerzte später an einem geeigneten Ort in China zusammenkommen werden, um ihre Erfahrungen gegenseitig auszutauschen. Dies würde dann dem Wunsche der chinesischen Re­gierung entsprechen, die den Zusammentritt einer internationalen Kommission befürwortet hat.

Sozialdemokratische Wahlhelfer. Gießen, 24. Febr. Auf einer Versammlung der fort­schrittlichen Volkspartei, die anläßlich der Reichstagsnachwahl im Kreise Gießen zu Dau- bringen stattfand, erklärte nach derD. Tages­zeitung" der fortschrittliche Redner, daß im Falle einer Stichwahl zwischen dem Sozialdemo­kraten und dem nattonalliberalen Kandidaten, dem Professor Eisevius, die Fortschrittler nicht für den Nationalliberalen eintreten würden. Gs ist einfach unerhört, mit welcher Rücksichts- lofigkeit derFortschritt" mit den Nationallibe­ralen glaubt umspringen zu können.

Ausland.

** Der Kabinettswechsel in Frankreich. Paris, 28. Febr. Einer Blättermeldung zufolge hat der Eeneralgouverneur von Algerien Ionnart heute nacht dem scheidenden Ministerptästdenten tele­graphisch seine Demmission angezeigt. ®» heißt, Ionnart, bet Deputierter ist, habe damit einen politischen Akt vollziehen wolle», beim et befürchtet,

daß die neue Richtung, wie bie letzte Kammerdebatte erwarten lasse, bie allgemeinen Interessen bes Landes schädigen müsse. Ionnart hatte nahezu 11 Jahre den Eeneralgouverneurposten inne.

** Portugal. Lissabon, 28. Febr. Trotz des be­hördlichen Verbots verlas die Mehrzahl bet Pfarrer der Diözese von Vraganza vor den Gläubigen einen bischöflichen Hirtenbrief. Die Bevölkerung von Samora Correa nahm den Pfarrer fest, weil er ver­dächtig ist, insgeheim gegen die Regierung zu arbeiten. Der die Trupp n von Benevento be­fehligende Offizier wurde auf Grund einer gegen ihn eingeleiteten Untersuchung von seinem Posten abberufen. Er soll seine Soldaten aufgeforoert haben, im günstigsten Augenblick die Monarchie zu proklamieren.

'* Mexiko. Douglas (Arigona), 28. Febr. Mexikanische Aufständische nahmen nach einem Kampf die Stadt Fronberas ein.

** Bon bet griechisch-türkischen Grenze. Kon­stantinopel, 28. Febr. Wie der Vali von Monasttr telegraphierte, wechselten gestern türkische und griechische Truppen an der Grenzzone bei Domenikon Schüsse. Der Kampf, an dem auf griechischer Seite auch Zivilisten teilnahmen, dauerte eine Stunde. Bei der Pforte sind Nachrichten eingegangen, daß bie Griechen die Besatzung aller Grenzposten verdoppeln. Der türkische Geschäftsträger regte bei der Negierung Griechenlands an, Maßnahmen zu treffen, um einer Wiederholung solcher Zwischenfälle vorzubeugen.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Criginalartitel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Oberhess. Zig." gestattet.)

Marburg, 1. März.

* Eine Stabtoerordiretensitzung findet rr' ober Freitag nachmittag 5 Uhr statt. Auf der Tages­ordnung stehen die Punkte, die in der letzten" Sitzung nicht erledigt werden konnten.

* Kirchliches. Nach Beschluß des Presbyte­riums der lutherischen Gemeinde soll in jedem Vierteljahr einmal beim Abendmahl die Beichte am Sonntag (Nicht am Sonnabend vorher) statt- finden. Dementsprechend wird es am kommenden Sonntage (5. März) in der Pfarrkirche und Elisabethkirche so gehalten werden. Bemerkt sei noch, daß die Beichte in der ersteren um 9 Uhr, in der Elisabethkirche des abgeschlossenen Chor­raums wegen nach der Predigt, also unmittelbar vor dem Abendmahl stattfinden wird.

* Bom Landgericht. Dem ersten Gerichts­diener Vetter wurde der Titel Botenmeister ver­liehen.

* Fortbildungsverein. Vor einem zahlreichen Publikum sprach am Montag aberb im Hörsaal bes Chemischen Instituts, Herr Prvatbozent Dr. Flabe über:Die chemischen Vorgänge beim Photo­graphieren". Der Rebner führte u. a. aus: In ben photographisch. Silbern kommen bie Unterschieb« zwischen hell um dunkel dadurch zustande, baß an den dunklen Stellen zahlreiche kleine Siloerkörnchen vorhanden sind, während sich an den hellen Stellen nur wenige befinden. Das erste Ergebnis der photographischen Tättgkeit ist das Negativ, ein Bild, wo die Verteilung von hell und dunkel grabe umge­kehrt rote in ber Wirklichkeit ist. Durch bie Belich­tung werben die Bromsilberkörnchen, die sich in der lichtempfindlichen Schicht der Trockenplatte befinden, so verändert, daß sie von dem Entwickler angegriffen werden können. Dieses nimmt das Brom auf, Silberkörnchen bleiben zurück. Das nicht umge- roandelte Bromsilber wird im Fixierbad entfeint Das positive der Wirklichkeit entsprechende Bild er­hält man, wenn man gewissermaßen das Negativ als neuen Gegenstand einer photographischen Auf­nahme behandelt. Als lichtempfindliche Substanz bei. tzt man hier meist Chlorsilber und man belichtet so lange, bis dar Bild da ist, ohne zu Entwickeln. Zur Verbesserung der Farbe werden die Silber- körnchen der pofittven Bilder mit einer Goldschicht überzogen. Ein namentlich für technische Zwecke wichtiges photographisches Verfahren beruht darauf, daß Gelatine cbet Gummi ihre Löslichkrit in Wasser verlieren, wenn fie mit Kaliumlichowat ge­krankt belichtet werde». n

* Fastnacht. Im Verlaufe des Nachmittags des gestrigen Fastnachtsdienstags ging es in de» Straßen der Stadt, besonders in der Oberstadt noch recht lebhaft zu. Der Haupttrubel spielte sich auf dem Marttplatz ab, wo z. B. zur große» Freude der Jndianergeschichten lesenden Jugend" eine Anzahl Rothäute das Leben und Treibe» in Wild-West vorführten. Gegen Abend nah« der Straßentrubel ab, der fröhliche Mummen­schanz verpflanzte fich schon mehr in die Lokali« täten. Von besonderen Vorkommnissen, welch« die Polizei zum Einschreiten veranlaßt hätte, ist nichts bekannt geworden. Einige Rempelei«» kommen da weiter nü6t i» Betracht Heut«