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Jti 49

Erstes Blatt

46. Jahrg.

1911.

Marburg

Lomtag, 26. Februar

tröste Dich, dafür hast Du auch das Recht, keinen Kneifer, keinen Schirm und beinahe keinen Hut zu haben. Und dieser entfamigte Regen rauscht. Dieser Regen, der Zeit und Ort entnattonalistert, enteignet, verwäscht und unkenntlich macht, der Tod alles eige­nen Landschaftlichen, der Tod alles Jahrzeitenstils und Tagzeitenstils. Denn wo find wir? Morgens, mittags, abend? Frühjahr, Soipmer, Herbst, Win­ter? Dieser graue, laue, feige Matsch ist zeitlos, ortlos, wesenlos wie der Stumpfsinn, wie die dumpfe Masse. Es kann Februar oder Junius, Oktober oder Dezember fein. Er wäre wert, dieser Matsch, das Wetter des Zukunftsstaats zu fein. Als der frech«, heimtückischen, pointenlose Wind mir wieder den Hut vom Kopf fegen will, greife ich schnell zu, wie man einen Taschendieb in flagranti bedrückt. Aber gegen­über diesem Regen wirkt er faßt erfrischend, wie ein Hauch des Individuellen. Man lernt allmählich Be­scheidenheit.

Ja, dieser wesenlose, nichtssagende, charakterlose, öde Regen sollte das Wetter des Zulunftsstaats sein, wo wir Luthers Tischreden und Goethes Weither, Bismarcks Gedanken und Erinnerungen werden in Antiquaschrift lesen dürfen, wenigstens wenn es nach dem Herrn Profefior Stengel geht. Der Faust aber wird dann in Esperanto gegeben. Ich weih keinen Fall, der mir das Bertrauen zu der Gesetzgebung unseres Reichsparlaments so stark erschüttert hätte, wie die Fixigkeit, mit der die Pefttionskommission geruht hat, zu dekretieren, daß fortab unsere gothi- schen Schriftzeichen, die charakteristische, unserem Wesen und unserer Kunst entsprechende Form, sozu­sagen als Altfitzer, als Spielzeug für ein paar kuriose Käuze ganz nebenbei noch geduldet werden soll. Wer die früheren Debatten über den Schriftenstreit mit­erlebt hat, saht sich an den Kopf, wie es möglich ist, daß die Kommission den Tendenzen des doch immer­hin recht unbedeutenden freisinnigen Proiessors sich so schnell und ganz, offenbar ohne die nötige Stoff- durcharbeitung, ergeben hat. Er faßt sich an den Kops. daß der Stur» geaen diesen unerhörten SLild-

Vossische Zeitung" schreibt die Entschließung über den Kronprinzenbesuch in Rom als Sieg dem Vatikan, dasTageblatt" sich selbst aufs Konto. Es wird beiden Blättern überlassen werden können, die Frage, welches von beiden Blättern recht hat, unter sich ausfechten."

DasB. T." schreibt sich In der Tat ein Verdienst zu. Es bringt die Abfertigung der Köln. Ztg." natürlich nur auszugsweise es mangelt an Platz und fügt hinzu:Ja, ja, man hätte es ruhig Herrn v. Bethmann-Hollweg überlassen sollen, der sich, ganz aus freien Stücken und von niemandem gedrängt, gewiß beeilt hätte, trotz dem Widerspruch des Zentrums den Kaiser zur Reise nach Rom zu bewegen! Jetzt scheint man ja in den Berliner Regierungskrei­sen erfreulicherweise sich auch zu der Ansicht be­kehrt zu haben, daß diese Reise eine Notwendig­keit sei, denn man findet sie bereitsdurchaus diskutabel".

Die Regierung kann einen, leid tun, daß sie in die Lage kommt, daß einer ihrer Entschlüsse als Erfolg desBerliner Tageblattes" gedeutet wer­den könnte, aber man sieht, sie weiß sich zu weh­ren. Die Anpöbelung des deutschen Volkes, die das Blatt in einer Aeutzerung eines Gewährs­mannes seinen Lesern vorzusetzen wagte, findet jetzt in Italien eine starke Zurückweisung. Die ZeitungPopolo Romano" schreibt:Die vom Berliner Tageblatt" in reklarnehafter Weise aufgemachten Unterredungen mit italienischen Politikern hält unser Berliner Vertreter für gröbliche Fälschungen wegen der darin enthalte­nenunangemessenen Bemerkungen über Deutsch­land". Das Blatt betontden Mangel jedes politischen Taftes und der elementaren Einsicht" bei dem betreffenden, sattsam bekannten Ber­liner Blatte, dessen Treiben höchst gefährlich und geeignet sei, der italienischen Regierung Verlegenheiten zu bereiten und die öffentliche Meinung Deutschlands zu verstimmen, an wel­ches Italien durch das Bündnis und durch die lebhafteste Freundschaft gebunden sei."

DiePost" hält es übrigens für notwendig, die ganze Angelegenheit im Reichstage zu be­sprechen und sowohl den italienischen Polittkern als auch ihrem Mundstück in Berlin einmal gründlich die Meinung zu sagen. Weiter wollte ja dasB. T." nichts! Das wäre billige Reklame. Den Gefallen wird man den Herren hoffentlich nicht tun.

Der vomPopolo Romano" so derb abgefer- iigte Korrespondent des Blattes sendet jetzt über die Angelegenheit weiteres in die Welt. Er nimmt von seiner Kennzeichnung keine Notiz, dagegen liest man imB. T.": In Kreisen, welche dem Quirinal nabesteben, will man, wie

ein Privattelegramm aus Rom uns meldet, sogar bereits wissen, die Reise sei definitiv beschlossen worden, und der Kaiser werde am 1. April nach Rom kommen. Unser römischer Korrespondent fügt hinzu:Trotz der ausgezeichneten Quelk gebe ich diese Nachricht nur unter allem Vorbe halt." Der Mann läßt sich nicht verblüffen' Der hat eine Rhinozeroshaut! Ob das frei­lich ein Vorzug ist!?

Aus Rom liegt weiter folgende Meldung vor: Das Ministerium des Aeußern teilt mi: daß Kaiser Wilhelm durch eigenhändigen Brie! dem König Vittor Emanuel angezeigt habe, da- Kronprinzenpaar werde auf der Rückreise von Aegypten anläßlich des Nationaljubiläum- Italiens im April in Rom die Glückwünsche der Kaisers überbringen.

Tagung des Hansabundes.

Berlin, 24. Februar.

Die heutige Tagung des Eesamtausschuffes des Hansabundes im Langenbeckhause war von gegen 600 Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands besucht. Das Präsidium war vertreten durch Geheimrat Dr. Rießer, Landrat Roettger, Eroßkaufmann Craßmann- Hamburg und Ingenieur Hirt-Cannstatt, die Ge­schäftsführung durch Oberbürgermeister Knobloch und Assessor Dr. Kleefeld. Von hervorragenden Persön­lichkeiten seien bemerkt Mendelssohn, Dr. v. Parseval, Dr. Toepfer-Finkenwalde, Salk-Bochum, Stadtrat Metzmacher-Dortmund, Geheimrat Helfferich-Berlin, Geheimrat Jakob, Ehrenobermeister Rahardt, Kauf­mann Sturm-Wiesbaden, Kommerzienrat Meitzner- Eörtttz u. a. Die Tagesordnung begann mit einem Hoch auf den Kaiser, in das von den Beteiligten leb­haft etngesttmmt wurde. Alsdann begrüßt« Landrat a. D. Roettger die Anwesenden. Er wies auf die Agitationsform des Landwirtebundes hin, gegenüber welcher der Hanfabund im Bewußtsein seiner Stärke ruhig und sachlich sein könne und sprach des weiteren über die Jnteressensolidarität der Arbeitgeber und Angestellten. Der Direktor des Hansabundes Ober­bürgermeister a. D. Knobloch erstattete hierauf den Geschäftsbericht. Er erklärte zunächst auf den Ton aus jenen Kreisen, die in diesen Tagen im Sport­palast getagt haben, nicht reagieren zu wollen. Im abgelaufenen Jahre habe der Bund 47 000 neue Mit- Aieder gewonnen. Im ganzen seien jetzt 51 Landes- b^rksgruppen. 603 Ortsgruppen und über 1600 Per­sonen in kleineren Orten vorhanden, die die Inter­essen des Bundes wahrnehmen. In 1600 Orten sei von Rednern des Bundes gesprochen worden. Red­ner verlangte, daß, bei aller Anerkennung der Tüch- ttgkeit des preußischen Beamtentums, mehr kauf­männischer Geist, zum mindesten aber mehr kauf­männisches Verständnis für die Bedürfnisse des kauf­männischen Lebens in das Beamtentum einziehe. Alsdann teilte der Sttzungsleiter Dr. Rießer mit, tLß das Direktorium des Hansabundes in der gestri-

Sitzung einmütig die Abhaltung eines allgemei­nen deutschen Hansatages beschlossen habe. (Lebhafter Beifall.) Darauf referierte Generaldirektor Dr. Wald- schmidt, von stürmischem Beifall unterbrochen, über industrielle Forderungen und rotes besonders darauf hin, wie die Landwirtschaft der industriellen Tätig­keit viele und große Fortschritte verdankt. Industrie und Landwirtschaft können nicht Feinde sein, denn beide sind aufeinander angewiesen, wohl aber fordert die Industrie durch den Hanfabund den Linfkuß auf Gesetzgebung und Verwaltung, der ihrer wirtschaft­lichen Machtstellung entspricht. Wir wollen uns end­lich schützen vor dem Hagelschauer von Gesetzen und administrativen Bestimmungen, die Handel und In­dustrie bedrücken. Es ist ja meist Mangel an Sach­kunde, die Gesetze zeittgt, die anderen wehe tun. Wie können z. B. Leute, die nicht imstande find, eine Bi­lanz richtig zu lesen, beurteilen, wie sich eine in

Berliner Allerlei.

Berliner Sturm Wesenloses Antiquaseuche Berliner Vortragspulte.

Ich habe hier einen Freundzu fitzen" nicht in Moabit, der hat ein Gedicht gemacht, in dem er erzählt, daß die einzige Situation, in der er sich halbwegs behaglich fühlt, die ist, wenn ihm die Stürme in die Ohren pfeifen und die Hagelschlossen ins Gesicht pfeffern. Ich finde, der Gute wird reno- miert haben. Denn auf diese sogenannte Berliner Stürme" der letzten Tage pfeife ich genau so, wie sie auf mich pfiffen. Schön, wenn es sich poch um einen anständigen kalten Sturmwind handelt, der wie ein ehrlicher Gegner von vorn kommt, der Dir ins Gesicht knallt, daß Du mit Anstrengung Widerstände überwinden und die Klappe zumachen, daß Du wie einParseval" Dir Deinen Weg erkämpfen mußt, dann hatte die Sache noch Sinn. Dann kommst Du Dir Wunder wie groß vor, was Du eigentlich für ein Kerl bist, und jede noch so lütte Erhebung, wenn es auch bloß ein Symbolchen ist oder eine Fittion, sie tut Dir bekanntlich ja schon so wohl, Du Mensch­lein, von dem in grauer Vorzeit die Leute sagten, daß nichts gewaltiger sei.

Na schön. Aber von all den Dingen ist ja hier garnicht die Rede bei dem Berliner Wind, über den abfällig zu äußern ich mich gezwungen sehe. Zunächst war er nicht kalt und trocken, sondern halb lauwarm wie stehengebliebener Grog. Trotzdem aber frech, heimtückisch und pointenlos. Und ein ewiger Landregen spülte dazu über diese Großstadt. Lag es an der agrarischen Woche oder woran sonst? Und dieser Regen war ebenso andauernd und langweilig wie manche Reichstagsreden. Und nun, Mitbürger, stelle Dir vor, daß dieser Wind wie gesagt ftech und heimtückisch war, wie man es ja häufig gerade bei den schlappsten Gesellen findet. Er kam ja auch manchmal von vorn, aber war in beständigemDreh". And plötzlich packt er Dich von rechts und stößt Dich

einem Unternehmen investierte Summe verzinst. Be- I züglich der sozialpolitischen Gesetzgebung muß man das gewerbliche Rennpferd wenigstens ab und zu ver­schnaufen lassen, damit es nicht tot zusammenbricht. Redner schloß mit einem Aufruf zur Selbsthilfe,

Jia Anfchluß daran brachte Stadtrat Schulz-Memel die Wünsche des Kleinhandels zur Sprache. Schmiede- meister Scholz trug die Wünsche des Handwerks und des Mittelstandes vor, wobei beide die Interessen­gemeinschaft des Mittel- und Kleingewerbes mit der Industrie und dem Handel betonten. Beide wiesen gleichzeitig auf die zersetzende agitatorische Tätigkeit des Landwirtebundes hin.

Dann sprach der Vorsitzende des Leipziger Hand­lungsgehilfenvereins Marquardt Über die gemein­samen Interessen der Arbeitnehmer mit den Arbeit­gebern und wie seit Gründung des Deutschen Reiches ein starker Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens zu verzeichnen sei. Dann wieß Rießer darauf hin, daß der Hanfabund der Privatbeamienversicherung durchaus freundlich gegenüberstehe, wie es auch Auf­gabe des Hansabundes sei, an dem Gesetzentwurf mit­zuarbeiten, allerdings unter besonderer Berücksich­tigung aller im Hanfabund vertretenen Stände. Ae erster Stelle des durch Krankheit in der Familie ver­hinderten Ehrenobermeisters Richt sprach der Land­tagsabgeordnete Rahardt über den deutschen Ee- werbeblock. Er führte aus, daß die Handwerker- und Industriekonferenz in der Frage der Abgrenzung von Fabrik und Handwerk über Paragraphen 100 q der Gewerbeordnung, und über die Beteiligung der In­dustrie an der Lehrlingsziehung zu durchaus ein­mütigen Beschlüssen gekommen seien. Durch das Ent­gegenkommen der Industrie sei es ermöglicht worden, daß die Vertreter des Hansabundes zur Tagung der im Reichsamt des Innern am 7. April stattfindenden Handwerkerkonferenz mit bereits feststehenden Be­schlüssen versehen seien. Zum Schluß dankte der Vor­sitzende für die lebhafte Beteiligung, und der Ee- fchäftsführung des Hanfabundcs für ihre Tätigkeit, worauf Geheimrat Ravene ein Hoch auf die Verwal­tung des Hansabundes ausbrachte, welches von den Beteiligten lebhaft aufgenommen wurde. Heute Abend findet ein Festbankett sämtlicher Teilnehmer an der Gesamtausschußsitzung im Zoologischen Garten statt. Morgen beginnen die Tagungen der Otts- gruppen-Vorstände des Hansabundes.

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Dr. Hitzeroth.) Markt 21, Telephon 55.

Deutsches Reich-

Born Kronprinzen. Bombay, 24. Febr. Der Kronprinz stiftete dem Pachtklub von Bom­bay, dem viele Deutsche angehören, einen Pokal als Rennpreis.

Neues vom Kaisermanöver 1911. In Kaisermanöver 1911 wird, wie der Korrespon­denzHeer und Politik" von militärischer Seite geschrieben wird, in Stettin und Neustrelitz j< eine Feldbäckerei und Feldfleischerei eingerichtet werden. Zu diesem Zwecke werden diejenigen Reservisten, die in ftren bürgerlichen Berufen Bäcker und Fleischer- sind, schon einige Wochen vorher zu den Ue6um.en eingezogen werden, um die für die schnelle kelung der Verpflegung notwendigen Voran hiLen auszuüben. Es wer­den für die FeldEerei 12 große Zelte herge­stellt, von denen fahrbare Backöfen beher­bergen. Neben 80 Reservemilitärbäckern sollen 40 aktive Mannschaften beschäftigt werden. Di« tägliche Produftion der 6 Backzelte mit 12 Oefen beträgt rund 12 000 Brote. In den Feldfleifche- reien wird für die Mannschaften das frische Fleisch geltefett, das neben den Fleischkonserven zur Verpflegung benutzt wird. Die Verbindung zwischen den Truppen im Manövergebiet und den Feldbäckereien und Feldfleischereien erfolgt, wie im vorjährigen Kaisermanöver, durch auto­mobile Derpflegungskolonnen. Die Geräte, die von der Jntendaniurverwaltung geliefert wer­den, werden schon jetzt instand gesetzt, lieber die Paraden im Kaisermanöver dürfte eine neue Bestimmung getroffen werden. Während bisher angenommen wurde, daß die Parade des 2. Ar­meekorps bei Stettin und die des 9. Armeekorps bei Lübeck stattftnden wird, dürfte mit einer Verlegung der Kaiserparade von Lübeck nach bürgersttetch nicht weit größer und heftiger fick auf» bäumt, als es iw der Berliner Protefiversammlung geschah: daß nicht die gesamte deutsche gebildete Jugend wie ein Mann sich erhebt im Ramen Luthers. Bismarcks und Goethes. Denn wenn den Stengel- Pedanten auch Luther und Bismarck nicht imponieren, Goethe werden sie doch noch ein bischen deutsche und auch vielleicht ein ganz Nein wenig Gesamtkultur zu­trauen, von dem Frau Aja 1807 an Ehrtfttane Pulpius schrieb: "---aber die Großmutter hat

auf neue die Lateinischen Lettern und den Heinen Druck zum Adrachmelech gewünscht. Er (Goethe) lasse ja nichts mehr so in die Welt ausgeben Halle fest an deutschem Sinn deutschen Buchstaben, den wenn das Ding so fortgeht, so wird in 50 Jahren kein Deutsch mehr weder geredet noch geschrieben und Du und Schiller Ihr seid hernach klassische Schriftsteller wie Horah, Lifius. Ovid und wie sie alle heißen, den, wo keine Sprache mehr ist. da ist auch kein Pol' was werden alsdann die Professoren Euch zergliedern auslegen und der Jugend einvleuen - drumm so lang es gebt deutsch, deutsch geredet geschrieben und gedruckt " Gibt es eine vernichtendere Kritik der Herren, die in der Berliner Versammlu.rg sich so für bi« un­deutsche wesenlose Lateinschrift einsehten?

Es wäre wieder ein beschämender Sieg der alles über einen Kamm scherenden Zivilisation üde, unsere deutsche und damit die Weltkultur. So unkulttv^rr das zivilisierte Berlin meistens auch ist, an moi>*ew Stätten merkt man doch wachsenden Höh-ngrab. innere Verfeinerung. Neulich las Tilla Dürre»? >n der Singakademie Verse vor. An st» wird der Schon- spieler keineswegs immer der beste Freund des Dichters fein. Er wird zu leicht die grodkö- a Mittel der Kulisse in den intimen Vor!, - M tragen, wird durch eintönigen Singsang u' n* des Pathos Seelisches -erdrücken. Hier nur!: -a» nichts davon. Hier heißt es: man muß bes Jba^» . fähig, aber auch mächtig fein. Hier ist vollste Ern- | fgchhett, tiefstes seelisches Erleben. Zartes und doch

MchM MW mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen:Rach Feierabend",Fürs Haus" undLandwtttschastlrche Betlage.

Romreise undB. T."

(Eine ulkige Geschichte.)

Wir lesen in derNordd. Allgem. Ztg.": Der von uns angekündigte Besuch des Kronprinzen­paares zum italienischen Nationalfest in Rom wurde von den größeren deutschen Zeitungen durchweg sympathisch ausgenommen. Eine Aus­nahme machen zunächst nur dasBerliner Tage­blatt" und dieVossische Zeitung", die in rüh­render Uebereinstimmung wieder einmal an einer Entschließung der Regierung herummäkeln, allerdings mit folgendem Unterschied: Die

auf einen Apselstnenkorb vor einem Kramladen, dann hat et Dich wieder int Genick und treibt Dich vor sich her, wie die Polizei den Mob von Moabit oder wie der Wolf die Herde scheucht. Dann läßt er ein Weilchen nach, und Du trudelst stillvergnügt vor Dich hin. Da schnellt er plötzlich von unten vor Dir auf wie ein wütender Tigerbulle, springt Dich an, stößt Dir von unten gegen den Mützenschirm, und deine schöne Erüne segelt hoch in die Lüfte. Aufgebauscht schwebt, nein, rast sie mit enormer Sekundenge­schwindigkeit davon wie ein Ballon. (Bitte, laut neuer Bestimmung, Ballohn. Du sagst doch auch nicht Barong oder Bataillong, Mitbürger.) Jetzt scheint fie eine Notlandung zu machen, sanft senkt Re sich in die Moorlandschaft des Straßendamms, rollt noch ein paar Meter in ziemlich lebhafter Schleiffahrt und klappt zusammen. Du läufft ihr nicht nach. Du hast Haltung und philosophische Gemessenheit genug, ihr nicht nachzulaufen. Entblößten Hauptes schreitest Du ihr entgegen. Du siehst, wie sie zwischen Scylla und Eharybdis inmitten der Schienenstränge liegt. Die R-Bahn und die Nummer 14 kreuzen sich, aber unge­fährdet wartet fie. Was man liebt, läßt man nicht am Wege sterben, und mit zwei Fingerspitzen nimmst Du fie zu Dir. Du ttägst fie in eine Wohnstätte für Menschen, trinkst einen Dreizehnteltopf, gibst fie in Pension, borgst Dir einen Hut und pilgerst weiter. Und dieser infame graue Regen riefelt und rauscht. Des Chores grause Melodie zu den Sololeiftungen des groglauwarmen, frechen, heimtückischen, pointen­losen Windes. Und ob er pointenlos ist! Jetzt hat er von links meinen Kneifer beim Wickel, wirst ihn in einem Winkel von 45 Grad nach oben, und läßt ihn bann abfallen, rote einen nichibefördertenVizefeldwebel. Er klirrt nicht einmal anständig im Sterben. Wer Regenschirme haßt, leidet doppelt, a) unter dem fehlenden eigenen, b) unter den vorhandenen frem­den. Aber, Mitbürger, wenn drei hastende Madonnen Madonnen find immer lieb und gut mit ihren Schirmspitzen Deine beiderseitigen Backen zerfetze«,

daß Du aussiehst, wie ein Fux nach der ersten Mensur,