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Marburg

Jti. 47

oa kett für Platz-, Datenvorschttst und Beleglieferung ausgeschlossen

^rettag, 24. tyCDllltU Anzeigen, bet denen der Auftraggeber .in der Expedition

von 10 4 erhoben.

Erttes Blatt

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fNochdruck nerMen.)

46. Jahrg

1911.

PoNtische Umschau.

Die Furcht vor Her Wahrheit.

Der Antrag des Trafen Mirbach im Herrenhause, die Wahrheit über die Finanzreform im Volke noch mehr zu verbreiten, hat, wie zu erwarten war, auf feiten derer, die aus der Hetze mit den Steuern Wahl gewinn schlagen wollen, verschnupft. Die Abficht sei, so heißt es, um Regierungshilfe für die Parteien zu betteln, die die Finanzreform angenommen haben. Wir find bekanntlich damals mit der Fassung, die die Reform zum Schlüsse erhielt, nicht einverstanden gewesen, aber wir haben noch nie gesehen, daß die konservative Partei sich vor einem Kampf gefürchtet hätte, das ist wohl auch für den Gegner wirklich ein lächerlicher Borwurf. Die Sache liegt doch so. daß die Regierung die Finanzreform angenommen und gebilligt hat. Die Regierung selbst das

größte Teil deines Vermögens ist in durchaus sicheren Papieren und Unternehmungen sestgelegt. Du bist eine sehr reich« Erbin, Ruth."

Sie strich mit der Hand über die Tischplatte.

Ich danke dir, daß du mir all das abgenommen Hast du auch meines Vaters Schreibtisch durch­gesehen?"

Gewiß, da du es wünschtest, hab« ich es getan. Er enthielt außer geschäftlichen Dingen nichts von Wichtigkeit."

So hast du auch nichts gefunden, was dir Auf­schluß darüber gab, warum ich dein« Frau geworden bin?"

Er fuhr auf und sah forschend, mit brennen­dem Blick in ihre großen, dunklen Augen hinein, di; heute einen so ganz andern AuÄrruck hatten. Sie waren schön in Schnitt und Farbe, und nun sie nicht mehr so verschleiert blickten, strahlten sie einen warmen, sanften Glanz aus.

Rein, ich habe nichts gefunden. Ruth. Aber da du selbst das Thema berührst diese Frage hat mich oft deunruhigt und in letzter Zeit nicht losgelassen. Alle meine Vermutungen nach dieser Seite find mit der Zeit hinfällig geworden. Und als ich dich vor unserer Verlobung fragte, sagtest du mir, daß der Wille deines Vaters bestimmend für dich gewesen wäre. Damals glaubte ich dir das, denn ich kannte dich nicht. Jetzt weiß ich, daß du dich durch sklavischen Gehorsam nicht in eine Ehe hineindrängen ließest. Willst du mir nun endlich Aufschluß geben?"

Ja, du sollst alles wissen. Ich konnte dich nicht aufklären, so lange mein Vater lebte. Ich will mich kurz fasten. Das Bekenntnis ist mir nicht leicht, denn ich muß meinen Vater noch tm Grabe ehrlos machen."

Jetzt faßte er erschrocken ihre Hand.

Ruth!"

Sie zog ihre Hand langsam zurück.

Bitte, höre weiter und unterbrich mich uicht mehr, bi, ich dir alles gesagt habe."

geschrieben. Wenn man den Pariser Offiziösen glauben wollte, so hätte Deutschland seinerzeit Kiaut- schou nur zu dem Zweck besetzt, die Rusten nach Port- Arthur zu locken und den Japanern ans Mester zu liefern. Dieses alberne Märchen trug Andre Tardieu auch gestern wieder imTemps" vor. Er stellte so­gar die Behauptung auf, seit dreißig Jahren habe noch jede deutsch-russische Annäherung sofort eine russische Aktion in Asien zur Folge gehabt. Nachdem Anno 1884 in Skierniewic abgeschlossenen Rückver­sicherungsvertrag ging der General Komarof gegen die Afghanen vor, was eine anglo-russische Krise heraufbeschwor. Rach den Kieler Festlichkeiten von 1895, zu denen auch ein französisches Geschwader sich von den Russen ge- und verleiten ließ, kam sofort das deutsch-russisch-franzöfische Einvernehmen zu Stande, das die Japaner um die Früchte ihres Sieges über die Chinesenbetrog" und die Be­setzung von Kiautschou wie von Port-Arthur vorbe­reitete. Ferner gilt es demTemps"-Diplomaten als notorisch", daß der persönliche Briefwechsel zwischen dem Kaiser Wilhelm II. und dem Zaren Nikolaus in den Jahren 1902 und 1903 von der russischen Aktionapartei ausgebeutet wurde, um den unglück­lichen Mandschurei-Feldzug zu inszenieren, und jetzt endlich überrascht das Petersburger Cabinet die Welt mit einer ebenso bedrohlichen wie anspruchsvollen Stellungnahme gegen China wenige Monate nach der Monarchenbegegnung in Potsdam. Post hoc, ergo propter hoc!

Wehmütig schließt das große ministerielle Abend­blatt feine historische Klitterung mit dem Bemerken, daß noch jede russische Aktion, die von Berlin aus ermutigt oder begünstigt wurde, für das Zarenreich einen Übeln Ausgang nahm, seine Stellung in Europa schwächte und seine Verbündeten schädigte Dieses letztere Argument dürfen wir als aufrichtig gelten lassen. Die Franzosen fürchten einerseits einen russisch-englischen Konflikt und infolge desselben den gänzlichen Zerfall desDreieinverständnisses", das den mitteleuropäischen Dreibund in Schach halten soll, andererseits eine militärische und finanzielle Schwächung ihres Verbündeten, der natürlich die in Zentralasien von ihm aufgebotene Macht- und Streit­mittel nicht mehr an seiner Westgrenze zu gallischer Verfügung bereit halten kann.

I Recht, dafür zu sorgen, daß das Volk darüber aufge­klärt wird, was die Finanzreform an Lasten gebracht hat. Von den Freisinnigen z. B. ist so und so ost gesagt worden, daß sie bereit waren, 400 Mrüionen indirekter Steuern zu bewilligen. Gewiß, die Ableh­nung der Erbschaftssteuer war ein Fehler, aber die 400 Millionen würde die Linke auch nicht aufgebracht haben, ohne daß die Steuern im einzelnen als Be­lastung empfunden worden wären und damit den Genossen z. B. Stoff gut Agitation geliefert hätte. Wenn die Regierung Klarheit über die wirkliche Be­lastung durch die Reichsfinanzrefcrm schaffen will, so hat das sicher mit der Parteipolitik nicht das geringste zu tun. Es kommt ja daraus an, wie es geschieht. Eine klare Darstellung würde kein Ein­greifen in den Hader der Parteien und den Wahl­kampf bedeuten, und nur die, denen es unwillkommen ist, wenn der Verhetzung des Volkes etwas die Kraft der llebertreibung und Unwahrheit genommen würde, können es verdammen. Die Furcht vor der Wahrheit scheint groß zu sein. .

Die Antwort Chinas.

Das Reuter'sche Bureau hat die offizielle Mit­teilung erhalten, daß die Antwort der chinesischen Regierung auf die russische Note, in der gewisse Forderungen bezüglich des Petersburger Vortrages erhoben worden, folgenden Inhalt hat: China er­kennt alle Bertragsrechte und Prvilegien an, die Rußland besitzt. Alle die Grenze betreffenden Fragen zwischen den beiden Regierungen sind stets in freund­schaftlicher Weise erledigt worden. Einige Streit­fragen sind aus der Verschiedenheit der beiderseitig erhaltenen Berichte entstanden: aber diese Streit­fragen könnten zu jeder Zeit leich- erledigt werden. China versteht nur nicht, wie die Regierung in Peking einer Vernachlässigung ihrer Verpflichtungen angeklagt werden kann. Die Erklärung der russischen Regierung, daß Rußland sich das Recht vorbehalte, die Bestimmungen des Vertrages, wenn notwendig, durch scharfe Maßnahmen zu verteidigen, steht mit einem freundlichen Empfinden kaum int Einklang und China bedauert es tief, daß die russische Re­gierung die Angelegenheit in diesem Lichte be­trachtet. China ist entschlossen von Anfang bis zum Ende an den Prinzipien des Vertrages festzuhalten und alle Fragen in freundschaftlicher Weise zu be­handeln mit der Absicht, die Privilegien beider Par­teien zu schützen und die nachbarlichen Beziehungen zwischen beiden Mächten aufrecht zu erhalten. Der Wawupu sagte in einem in London etngegangenen Telegramm über den Inhalt der russischen Note, der russische Gesandte hätte am 23. d. Mts. persönlich eine offizielle in scharfer Sprache ab gefaßte Note überreicht, die sechs Forderungen enthalte. In der ersten tadelt uns die russische Regierung, daß wir ihr nicht gestatten, Zölle an der Grenze zu erheben. Dies scheint auf einem Mißverständnis zu beruhen, denn die russische Regierung hat dem auf Wunsch chinesischer Kaufleute gestellten Ansuchen der chinesi­schen Regierung zugestimmt. Die Erhebung der Zölle innerhalb von 300 Li von der Grenze eine Zeitlang aufzuschieben. Die übrigen fünf Punkte find auf dem Vertrage basiert, an dem wir festhalten werden, den aber Rußland zu erweitern wünsche.

Er sah, wie ihre Lippen zuckten, wie ihre Stirn sich im Schmerz zusammenzog. Er hätte sie am lieb­sten in seine Arme genommen und ihr gesagt. Sprich nicht weiter, du quälst dich. Ich will nichts hören sag mir nur. ob ich je deine Liebe erringen kann denn ich liebe dich und möchte dich glücklich machen." Aber er schwieg und sah sie erwartungs­voll an. Sie seufzte tief auf und fuhr fort:

Mein Baier hat in Gemeinschaft mit eurem alten Inspektor Seltmann dich und deinen Vater in nicht rechtlicher Weise übervorteilt. Eure Leicht­gläubigkeit und Geschästsunkenntnis machten sie sich zunutze. Sie schlossen Verkäufe ab, die euch eine be­deutende Summe verlieren ließen Die genaue Höhe derselben vermag ich nicht anzugeben. Ich weiß nur, daß dir auf diese Weise ein großer Teil deines Vermögens verloren ging."

Hans Rochus hatte sich vorgeneigt und sah ihr be­troffen in das Gesicht.

Ruth bedenkst du, was du sagst?"

Sie lächelte bitter.

Ich Nage meinen Vater an, das muß dich überzeugen."

Ein tiefes Schweigen entstand. Endlich sagte et ruhig:

Und wie kamst du zur Kenntnis dieser dieser Unregelmäßigkeit?"

Nenne es beim rechten Namen dieses Betrugs. Ich war einmal durch Zufall Zeuge einer Unter­redung zwischen Seltmann u. d meinem Vater. Da hörte ich alles mit meinen eigenen Ohren. Und noch mehr. Ich erfuhr, daß mein Vater den ehrgeizigen Plan hegte, mich zur Gräfin von Rochsberg zu machen. Erlaß mit, was ich dabei empfand. Ich war ohnmächtig, etwas zu unternehmen, was dich wieder in den Besitz der veruntreuten Gelder fetzen konnte. Meinen Vater onflcjcn und ins Gefängnis bringen das konnte ich nicht. Und sonst bot sich mir kein Ausweg Da blieb mir nur das eine meines Baiers Wunsch zu erfüllen und deine Fran

Des russischen Ultimatums Echo.

Paris, 18. Febr.

Der Freund und Verbündete an der Newa stellt das französische Vertrauen auf harte Proben. Kaum gelang es den Offiziösen Pichons, die öffentliche Meinung wegen der Truppenverschiebungen in den russischen Westprovinzen zu beschwichtigen, so hört man, daß die Petersburger Politik ihre Aufmerksam­keit wieder dem fernen Osten zuwendet, ihren Taten­drang in Zentralasien zu befriedigen sucht und den Chinesen ein Ultimatum stellt. Das kommt den Diplomaten am Quai d'Orsay wie denen in Downing-Sireet äußerst ungelegen. Da» russische Vorgehen paßt ganz und gar nicht in die Pläne des Drei-Einverständnisses. Die Engländer können nicht gleichgültig zusehen, die Londoner Presse hat bereits energisch ihren Unwillen geäußert und somit können die Franzosen ihrerseits nicht für Rußland Partei nehmen. Aber sich klar und entschieden gegen das neue astatische Abenteuer aussprechen können sie noch weniger. Das hieße dem Franco-RussenbLndnis den Gnadenstoß versetzen. So fitzen fie zwischen der westmächilichen Herzeinigkeit und dem gallisch- slawischen Doppelbund wie zwischen zwei Stühlen Was sie dabei noch besonders kränkt, ist die Wahr­nehmung, daß Rußland schon wieder auf eigene Faust handelt. Herr Sasonow hat den kleinen Pichon vor­her garnicht um Rat gefragt, nicht einmal benach­richtigt, so wenig wie bezüglich der Potsdamer Vereinbarungen. Wer und was gab den Russen plötzlich solches Selbstvertrauen? Offenbar die Ge­wißheit, von deutscher Seite in Ostasten nicht be­hindert zu werden. Daraus folgert man hier, daß auch die russisch-chinesischen Beziehungen in Potsdam erörtert wurden, daß deutscher Zuspruch die Petersburger Diplomatie auf gefährliche Abwege verlockte, daß das Ultimatum an die chinesische Adresse am Ende gar unter deutschem Diktat ge­schrieben wurde.

Wenn dem nicht so sein sollte, so läßt es sich doch immerhin behaupten. DerTemps"-Diplornat Andre Tardieu behauptet es denn auch frisch und fröhlich, und seine gestern Abend veröffentlichten Aus­führungen find sofort von der ganzen Boulevard­presse als Losung angenomr en worden. Wegen des - russischen Vorgehens gegen China polemisieren heute alle Pariser Blätter gegen Deutschland. Aus diese Weise glaubt man dem Düren den Pelz waschen zu können, ohne ihn naß zu machen. Indem man den nordischen Verbündeten freundschaftlich vor den arglistigen und selbstsüchtigen Ratschlägen" der deutschen Staatsmänner warnt, findet man Gelegen­heit, sich den englischen Freunden gefällig zu zeigen, , seine Mißbilligung anzudeuten, den Schein der Un­abhängigkeit zu wahren, besonders aber Deutschland als den Störer des Weltfriedens zu verdächtigen. Die Methode ist nicht ganz neu, hier in Patts aber sehr beliebt. Die Mißerfolge Rußlands in der Mandschurei wurden ja auch von jeher dem Macchiavsllismiis der deutschen Politik ufs Conto

zu werden, damit du durch meine Hand zurück er­hieltest, was dir genommen wurde. So nahm ich deine Werbung an und konnte dir auf deine Frag« versichern, daß ich aus freiem Willen deine Fron werden wollte. Welch heimlicher Zwang auf mir lastete, konnte ich dir nicht verraten. Ich war so durchdrungen von dem Wunsche, geschehenes Unrecht gutzumachen, daß ich mich dir verlobte, obwohl ich dich nicht liebte und von dir nicht geliebt wurde.

Hätte ich geahnt, daß mein Vater so bald sterben würde ich hätte vielleicht unsere Verheiratung hinzögern könn-n. Dann konnte ich dir nach seinem Tode zurückgeben, was dir gehörte. So wurde ich deine Frau. Seit meines Vaters plötzlichem Tode steht es bei mir fest. Dir alles zu sagen. Ank den Lebenden mußte ich Rücksicht nehmen die Rücksicht auf den Toten kann mich nicht bestimmen, dies Leben der Lüge fortzuführen. So bitte ich dich, gib mich frei. Du wirst verstehen, daß es eine Erlösung für mich ist, die drückende Fessel zu sprengen.

Ich habe mit alles bedacht und überlegt in die­sen Tagen. Als verständige Menschen wollen wir uns das Auseinandergehen erleichtern^ Ich werde morgen Rochsberg verlassen und mit Fräulein Heben- streit abreisen. An irgend einem hübschen Ott lasse ich mich nieder. Der Dienerschaft gegenüber kann ich vorläufig als verreist gelten aus Gesundheits­rücksichten. Rochsberg bleibt natürlich in deinem Besitz. Nur so bin ich sicher, daß alles unrechtmäßige Eut wieder in deine Hände zurückkommt. Sobald es dir passend erscheint, kannst du bann die gericht­liche Scheidung einleiten. Ein Grund wird gefunden sein, wenn ich mich weigere, zu dir zurückzukehren. So können wir beide die Lüge von uns werfen, die unsere Ehe im Grunde war. Ich hoffe, du bist mit allem einverstanden."

Sie hatte das alles schnell und monoton gesagt, wie etwas Eingelerntes. Nichts verriet ihre innrer Qual.

(Fortsetzung folgt.)

nzeigen, bei denen der Auftraggeber milgeteilt werden soll, wird eine Gebühr

Deutsches Reich.

Bo» der Reise des Kronprinzen. Kalkutta, 22. Febr. Im Rückblick auf den letzten Ausflug des deutschen Kronprinzen schreibtPioneer": Der Kronprinz bekundete großes Interesse für die Verhältnisse Ostbengalens, die von denen der anderen Teile Indiens in vielen Bezieh­ungen abwichen. Auf diesem Teil der Reise stan­den ihm die besten Kenner des Landes zur Seite. Der wohlgelungene Ausflug nach Ostbengalien bilde einen harmonischen Abschluß der indischen Reise des Kronprinzen. Am vorigen Sonn­abend wurde auf der Tigerjagd ein Kulitreiber von einem Tiger schwer verletzt. Der Kronprinz brachte den Verwundeten in seinem eigenen Boot nach dem Militär-Hospital, besuchte ihn täglich und beschenkte ihn freigebig.

Der Eroßherzog von Hessen in Braun­schweig. Braunschweig, 22. Febr. Heute Vor­mittag 11 Uhr trafen mit dem fahrplanmäßigen Zug zu mehrtägigem Besuche des hiesigen Hofes der Eroßherzog und die Großherzogin rott Hessen mit Gefolge hier ein.

Auszeichnung des deutschen Botschafters in Amerika. Philadelphia, 22. Febr. Der deutsche Botschafter wurde von der Staats-Uni­versität von Pennsylvanien zum Ehrendoktor ernannt. Die Feierlichkeiten waren äußerst ein­drucksvoll. Der Botschafter sprach über deutsch« soziale Probleme.

Ein Beleidigungsprozeß des Herrn Bür­germeister n. D. Schücking. Dortmund, 22. Febr. Vor der hiesigen Strafkammer wurde gestern und heute in dem Beleidigungsprozetz gegen Rechtsanwalt Dr. Schücking und drei Re­dakteure verhandelt. Dr. Schücking hatte den Zeitungen Artikel zugestellt, in denen behauptet wurde, daß Stadtschulrat Dornheckter von einer ihm unterstellten Lehrerin, Bathe, ein Darlehen - erhalten und als diese das Geld zurückverlangt habe, habe sie Stadtschulrat Dornheckter gegen ihren Wunsch und ihren Willen aus ihrem bis­herigen Wirkungskreis herausgenommen und sie in ein anderes Amt gebracht. Die zweitägige Verhandlung ergab, daß der Stadtschulrat aller­dings durch die betreffende Lehrerin von deren Schwager ein Darlehen erhalten hatte, daß er es aber, nachdem es zwischen ihm und der Leh­rerin zu Diferenzen gekommen war, zurücker­stattet hatte. Die Versetzung der Lehrerin sei nur im Interesse des Dienstes unter Zustim­mung der zuständigen Behörden erfolgt. Nach­dem bis Nachmittags in der Sache verhandelt worden war, gab Oberbürgermeister Dr. Eick­hoff, im Namen der städtischen Behörden die Ge­nehmigung für die Schließung eines Vergleichs, nachdem Dr. Schücking die beleidigenden Aeuße-

Der stille See.

Roman von H. Courths-Mahler.

lFortietzung.)

Laß das Hans Rochus . Du konntest das natürlich nicht wissen. Verzeih, wenn ich es dir verheimlichte. Ich glaubte nicht, daß es Interesse für dich hätte. Uebtigens ist es mit lieb, dich hier zu finden. Ich habe Wichtiges mit dir ju besprechen. Hast du Zeit für mich?"

Ihre Art berührte ihn seltsam. Et wat wie ge­lähmt.

Verfüge ganz übet mich."

Laß uns niedetfitzen ich habe dk viel zu sagen."

Sie setzten sich einander gegenüber, ein kleines Tischchen mit kostbarer, eingelegter Platte zwischen fich. Er sah fie erwartu gsvoll an.

Ruth nahm sogleich das Wort.

Bist du mit der Rachlaßotdnung fertig? fragte fie, gleichsam als Einleitung. Hans Rochus wurde es schwer, ihr ruhig gegenüberzufitzen. Tausend Fragen hätte et an sie richten mögen. Aber ihr Be­nehmen, das ihm so seltsam fremd und verändert schien, bannte ihn. Richt einmal nach ihren schlan­ken, weißen Händen faßte et, obwohl fie dicht vor ihm tagen und seine Augen wie magnetisch auf sich gogen.

Er war noch fassungslos übet die Entdeckung, die er gemacht hatte, und nut mit Mühe zwang er sich gut Ruhe Er wollte hören, was fie ihm zu sagen hatte. Vielleicht gab fie ihm freiwillig Aufschluß übet alles, was et zu wissen verlangte. So antwortet« er mit verhaltener Erregung:

Ja. Im gröbsten ist alles geordnet. Deines Baiers letztwillige Bestimmungen waren so klar und ausführlich, daß mit nicht viel zu tun übrig blieb. I Hendrich führt das Geschäft deines Vaters fort. Der

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

TicOberhesfische Zeitung" erscheint täglich mrt Ausnahme der von^ und Keurtaqe. Der Bezugspreis betragt v:ertelzghrlrch durch jte Po» bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zer^ngsstellen uno iv- Ervevition (Markt 21), 2.00 -K frei ins Haus. (Für unver­langt "zugesandte Manuskripte übernimmt die Mebafhonfetnetlet Verantwortung.) Druck der Unrv.-Buchdruckerei I. A. Koch, (Inh..

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