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Erstes Blatt

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46. Jahrg.

1911.

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heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 15.

Deutsches Reich-

Der Dank des Kaisers. Berlin, 20. gebt. Der Kaiser erließ nachstehende Kabinettsordre an den Chef der Marinestation der Ostsee: Zm Anschluß an' meine Ordre vom 20. Januar 1911 verleihe ich hierdurch nachbenannten Angehöri­gen meiner Marine und der Verwaltung des Kaiser Wilhelm-Kanals, welche sich bei der Ret­tung der Bc 'atzung und bei der Bergung des Un­terseebootesll. 3" teils unter Nichtbeachtung des eigenen Lebens rühmlichst hervorgetan ha­ben, als Ausdruck meiner warmen Anerkennung folgende Auszeichnungen: Den Roten Adler­orden vierter Klasie dem Kapitänleutnant von Forstner und dem Oberlootfen Freiwald, den königlichen Kronenorden vierter Klasie am Bande der Rettungsmedaille dem Oberleutnant z. S. Max Valentiner, den königlichen Kronen­orden vierter Klasie dem Werftinspektor Natzke von der Werft in Kiel, die Rettungsmedaille am Bande dem Torpedobootsmannsmaaten Friedrich Heinrich und dem Torpedoheizer Jo­hann Eießner, das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens dem kommissarischen Taucher­meister Töpper ooWi Kaiser Wilhelm-Kanal, das Allgemeine Ehrenzeichen dem Meisters­maaten Peter Jepp, sowie den Tauchern Busiäus und Lampe vom Kaiser Wilhelm-Kanal.

Ein Willkommensgruß für Kaiser Wilhelm. London, 20. Febr. Pall Mall Gazette schreibt: 9ßir werden alle entzückt sein, Kaiser Wilhelm an unseren Küsten willkommen zu heißen. Wenn er kommt, um der Enthüllung des Denkmals feiner Großmutter beizuwohnen, dann ist gerade ein Jahr verfloßen, daß der Kaiser als Leid­tragender um König Eduard unter uns geweilt, und wenig mehr als zwei Jahre, daß er einen offiziellen Besuch hier abgestattet hat. Die Wärme des Willkommens, der ihm bei dem letz­ten Anlaß dargeboten wurde, war ein hinrei­chender Beweis für seine Popularität, die er bei der britischen Bevölkerung genießt.

Bon der Reise des Kronprinzen. Calciütta, 20. Febr. Der Kronprinz schoß in Gunberbrtbs fünf Tiger, die die Viehzüchter viel geschädigt hatten. Der Kronprinz ist von seinem Aufent­halt in Ost-Bengalen sehr befriedigt und nimmt reges Jnteresie an den Kultivierungs-Plänen, sowie an den lokalen Problemen, die damit zu- sammenhängen, daß infolge der Veränderungen der großen Flußläufe Inseln bald entstehen und bald verschwinden. Der Kronprinz reist am Mittwoch nach Calcutta zurück.

Betriebseinnahmen der Eisenbahn. Ber­lin, 20. Febr. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen betrugen im Januar 1911 gegenüber dem Januar des Vorjahres im Per-

Marburg

Mittwoch, 22. Februar

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7g,spaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bei auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bet Konkurs kein Rabatt Verbindlich, kett für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung' ausgeschlossen. Für Anzeigen, bei denen der Auftraggeber in der Expedition mitgeteitt werden soll, wird eine Gevuh- von 10 4 erhoben.

TieOberhessisch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der «onn- und Fetertage. Der Bezugspreis betragt vretteliahrlich durch jte Po? bezogen 2.25 <M (ohne Bestellgeld), bei unsere» Zeit^ngsstellen um» de- Spedition sMarkt 21), 2.00 M frei ins Hau». (Für unver- laaat zuaestkndte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei SGetaittworbtng.) Druck der Univ.-Buchdruckeret I. A. Koch, (Inh.: Ä. Hitzeroth.) Martt 21, Telephon 55.

(Heiterkeit und Beifall.) Er hoffe, daß die besten Elemente im nächsten Wahlkampfe auf Seite des Bundes stehen werden. (Stürmischer Beifall.) Red­ner schließt mit einem Hoch auf das deutsche Vater­land, in das die Versammlung mit le« Lrede Deutschland, Deutschland über alles" eursttmmt.

Ueber städtischen und ländlichen Mittelstano sprach dann Vezirksschornsteinfegermcister Conradt(Bres- lau). Der Redner verbreitete sich in längeren Aus- führunoen über die Wechselbeziehungen zwischen dem ländlichen und dem städtischen Mn fftande und be­tonte, daß die Bestrebungen von Stadt und Lam> stets parallel laufen müßten. Der Hansabund wolle nur Zwietracht in die Reiben des städtischen Mittel­standes hineintragen. Notwendig sei es leshalb, daß sich auch der Mittelstand in den Städten dem Bunde der Landwirte anschtieße.

In der Diskussion polemisierte Dr. Oertel gegen Caprivi und Hohenlohe, worauf unter allgemeiner S"annunq Reichstagsabgeordneter v. Ollenburg- I a n u s ch a u das Wort nahm. Er polemisierte gegen die Nationalliberalen und meinte: Wählermasien find keine Meinen, es find Menschen mit einer Seele, die ihren eigenen Weg gehen wollen, und die sich sagen, das alte Lied ist wahr:Faßt du mir an mein Kinneken, dann kriegt mein Herz 'nen Klaps. Er schließt mit dem Rüfe: Schutz dem Kaiser, Schutz dem Vaterlande, Schutz der nationalen Arbeit rn Stadt und Land! Mit der Degenspige gegen die So­zialdemokratie! (Lebhafter Beifall.)

Er sprachen dann noch Hofbesitzer Werden- höfer (Hannover), der einen freiwilligen Extra­beitrag zur Wahl empfahl, Rittergutsbesitzer von Vodelschwingh (Schwarzhasel), der ein Aus­nahmegesetz gegen die Sozialdemokratie wünschte und einen Klub der Harmlosen mit Minister Bodmann (Karlsruhe) und dem Polizeipräsidenten von Mül­hausen im Elsaß als Vorsitzenden empfahl

Zum Schluß bat Kaufmann Heil aus Jannowitz die Bauern, die kleinen Ees^äftsleute zu unterstützen, worauf der Antrag Weidenhöfer, sowie die vorgelegte Resolution einstimmig angenommen wurde.

Darauf schloß Freiherr v. Wangenheim die Tagung Hoch. auf dell Bund der Land­

wirte. "

schein Gruß und Handschlag. Die österreichise.e Land­wirtschaft leide unter denselben Hebeln wie die deutsche, und werde mit denselben Waffen bekämpft. Trotzdem werde sie der Forderung eines ausreichen­den Schutzzolls für ihre Erzeugnisse nach wie vor als eine nattonale Tat ansehen. (Stürmischer Beifall.)

Es erhält darauf der zweite Vorsitzende des Bun­des Dr. R o e s i ck e (Eörsdorf) das Wort zu seiner Ansprache, indem er allsfuhrte:

Man hat uns im Anfang des vorigen Jahres prophezeit, daß der Bund der Landwirte nun bald ausgespielt Hütte. Diese Prophezeiung litt an dem llebel, an dem die meisten Prophezeihungen leiden: sie ist nämlich nicht wahr geworden. Im Gegenteil, der Bund der Landwirte ist immer großer geworden, die Räume, die wir brauchen, um zusammen zu kom­men, damit wir gemeinsam einen wirkungsvollen Ausdruck für unsere gemeinsame lleberzeugung kund- aeben können, sind immer größer geworden. Redner spottet über die Gegner, die von dem Ausgang der Reichsfinanzreform einen Niederbruch d.s Bundes der Landwirte erwartet hätten. Heute stehe fest, daß die Vundestaktik eine durchaus richtige gewesen sei. Die Industrie blühe, die Arbeitslosigkeit lasse nach und die ReichSfiuänzcn seien im ),or'tschreiten be­griffen, Zu verlangen sei, daß nun auch bei der WertzuwachsstÄer eine Ausdehnung des Gesetzes auf das mobile Kapital erfolge.

Hierauf betrat mit donnerndem Beifall begrüßt Dr. Diederich Hahn die Trivüne. Er führte aus: In den heutigen Berliner Morgendlättern ist es mißfällig bemerkt worden, daß in unserem Ge­schäftsbericht die Angabe des Ä!..gl Überbestandes fehlt. (Heiterkeit.) Ich kann die Herren beruhigen. Wir haben um 11000 Mitglieder zugenommen. (Großer langanl itenber Beifall.) Wir wollten den Gegnern diese Freude machen und haben die Mit­gliederziffer bisher zurückgehalten. (Erneute Heiter­keit). Auch die Zahl unserer Versammlungen ist ge­stiegen und zwar auf 10 810. Wir sagen allen Red­nern unseren herzlichsten Dank daß sie sich bei der Verteidigung des Bundes öer Landwirte gegen Hansabund und Bauernbund so treu an unsere Seite gestellt haben. Wir bitten die Freunde, lies auch in Zukunft zu tun. Wir treten nach n ie vor ein für die Interessen der großen wie der kleinen Besitzer und gegenüber den immer wiederholten Angriffen, daß wir nur den Großgrundbesitzer zu schützen suchten, stelle ich fest, daß ivir stets für eine gesunde Besitz- verteilung gewesen sind, und daß cs einen besonde­ren Vorkämpfer für diesen Gedanken als unseren Freiherrn v. A>angenheim nicht gibt. (Lebh. Beifall.) Alles was demgegenüber in Volksversammlungen und Parlamenten Ihnen erzählt worden ist, widerspricht der Wahrheit.

Er forbert weiter eine obligatorische, staatliche Maul- und Klauenseuchenversicherung und eine Be­kämpfung der Warenhäuser und des Hausierhandels. Zur politischen Lage übergehend begrüßte er die Mit­arbeit des Zentrums und beruft sich auf Bismarck, der sich dieser bei wirtschaftlichen Maßnahmen eben­falls bedient habe. Die weiteren Ausführungen des Redners gestalteten sich zu einer Generalabrechnung mit dem Hansabund, dem Bauernbund und der Nationalliberalen Partei. Dem Hansabund wirft der Redner vor, daß er gegen das Jnteresie der In­dustrie arbeite, weshalb er in aller Freundschaft die Jndusttie auf der ganzen Linie auf dieses Treiben des Hansabundes aufmerksam macht. Dom Bauern­bund behauptet er, daß er durch Strohmänner und Mittelspersonen und in der Hauptsache mit jüdischem Gelbe arbeite. Auf einen Zuruf erklärt er, daß der Rittergutsbesitzer Becker kein Ägratter, sondern der Sohn des Bernstcln-Vecker sei, und beschul '.gt schließ­lich den Bauernbund, mit seinen reichen Mitteln un­lauteren Wettbewerb gegenüber dem Bund der Land­wirte zu treiben. Er hetze Stadt und Land gegen­einander auf und rühme sich noch bei der Reichs­finanzreform die breiten Massen unzufrieden gemacht zu haben, allerdings nur die breiten Mafien der Kommerzienräte (Stürmische Heite.keit), die von den neuen Steuern ihren Untergang gefürchtet hätten. Schließlich feiert auch dieser Redner den Bund als die königstreueste, die staatserhaltende Gruppe der Bevölkerung. Jnbezug uuf bie Nationalliberale Partei bedauert der Redner, daß sie zum teil mit Bauernbund und Hansabund Wahlgeschäfte machen wolle, und daß es in Vaden bereits zum Bruder- bunb mit den Roten gekommen sei. Gehe es auf diesem Wege weiter, so werde allmählich die Seuche der Sozialdemokratie den ganzen nationalliberalen Parteikörper zerstören. Wir haben anbei ffeits aber auch niemals die Nationalliberale Partei als solche bekämpft, und wenn Herr Profefior Paasche immer roiebet mit der Behauptung kommt, iche auch den letzten Nationalliberalen aus der Provinz Hannover hinauswerfen wollen, so sttmmt das nicht. Ich bin vielmehr stets bestrebt gewesen, bie rechtnational­liberale Richtung zu unterstützen, die allerbings nicht ganz identisch ist mit der Partei, die zuerst für einen größeren Zollschu und dann dagegen war. Sie re­spektiert ihr eigenes Programm nicht mehr. Sie hat zuletzt sogar einer ihrer Besten zum Ausscheiden ver­anlaßt. So lange solche Zustände in ler National­liberalen Partei herrschen, können wir natürlich nicht mit ihr gehen. Allerdings hat vor kurzem der Füh­rer der Nationalliberalen Partei in Worms sich rill und rückhaltlos auf den Boben des Bundes der Land­wirte gestellt. (Hört! Hört! und Beifall.) Es ge­schah dies in einer Versammlung, der unser Freund Lucke beiwohnte, und der die Ri tigteit dieser Mit­teilungen bestätigen wird. (Lebh. Hört!) Hört!) Ebenso wie Graf Strachwitz einst vom Zentrum sagte: Das Zentrum wird agrarisch sein cder es wird nicht sein!, ebenso muffen wir es inbezug auf die National- liberalen aussprechen: die Natioiwlliberalen müfie-i das Heidelberger Programm wieder annehmen, oder sie werden nicht fein! Auch wenn sie auf den Krücken des Hansa- und des Bauernbundes durch die schwie­rigen nächsten Rei. eragswahlen zu gelangen hoffen.

Generalversammlung des Bundes der Landwirte.

Berlin, 20. Februar.

Unter dem Präsidium seiner be en langjährigen Vorsitzenden, des Freiherrn v. Wangenheim (Kl.-Sptegel) und des Abg. Dr. Roeficke (Eors- dorf) trat heute mittag im Sportpalast in der Po.s- Mmerßraße der Bunb der Landwirte zu feinet dies­jährigen Generalversammlung zusammen. Neben den .Großgrundbesitzern bes Osten» und den Kleinbauern und Winzern aus West- und Süddeutschland sah man Auch viele Reichstags- und Landtagsabgeordnete und «lle bekannteren Bundesführer. Den Ehrengästen unb den Frauen der Bundesmitglieder war der erste kRang des Sportpalastes einaeräumt worden, auf dem ipch die Rednertribüne befand. Hier sah ..ion neben den beiden Bund.svorsitzenden auch den Bundesdtrek- tor Dr. Diederich Hahn, den Kammer errn von Oldenburg-Ianuschau, den früheren preußi­schen Landwirtschaftsmtnister v. Podbielski, Prof. Dr. Suchsland (Halle), den bekannten Major v. Endell (Posen) und den süddeutschen Bundesführer Abgeordneten Schrempf (Stutt­gart). Neben dem Geschäftsbericht des Bundes­direktors Dr. Diederich Hahn lag bet Versammlung zu Beginn eine längere Resolution vor.

Der Bund er Landwirte bedauert Vie Zerrissen­heit bes heutigen politischen Lebens in Deutschland) er bebauert insbesondere bie Versuche, in die geschlos­senen Reihen der Landwirte Zwiet' alt zu tragen: er betont die Gefahr, daß durch die zerfetzende Tätigkeit der Sozialdemokratie die heutige Art der Agitation der liberalen Parteien an Umfang und Einfluß ge­winnt. .

Der Bund der Landwirte vertritt heute rote von febre den Standpunkt, daß nut die gleichmäßige Be- rüasichttgung aller wirtschaftlichen ^nttrefien so­wohl der gewerblichen wie der landtmrtickmMtchen, dem deutschen Volke eine ruhige und sichere Entwick­lung gewährleisten. Die Erundansck..uungen, die der Bund der Lanbwirte am 9. November 1895 verkündet hat, sind für ihn unverändert maßgebend. Wie er auf .der einen Seite die einseitige Förderung der Inter- 'effen des mobilen Großkapitals verwirft und defien uneingeschränkter Machtvollkommenheit Schranken auserlegt wissen will, so verwirft er auf der anderen Seite den Kl"ssenkamvf, der den Frieden zerstört

Entsprechend der Botschaft weiland Kaiser Wil­helms vom 17. November 1881 erblickt et in dem Zu- sawm.enfassen der realen Kräfte des lbtistlnhen Vol s- lebens in der organischen Ein- und Unterordnung aller Stände und Berufe unter das Gesamtinteresse der Volksgemeinschaft, die wichtigste Aufgabe und fein notwendiges Z.el. Unser Kaiser und kaiserlicher Herr, Wilhelm II. hat sich in seiner feierst ten Kund­gebung in Mar'.enburq für diese Grundgedanken der Botschaft seines unvergeßlichen Vorfahren bekannt, denn er sagte:

Die Landwirtschaft schlage in die Hand des Kaufmanns ein, bieser in bie Hand des Indu­striellen. Der Zugehörige feiner Partei ergreife die Hand des Andersgesinnten: wenn es darauf ankommt, Hobes für unser Vaterland zu leisten' unb eine Konfession trage bie anbere mit Liebe.

Das wissen wir unserem Kaiser Dank. Fürst BisnSrck hat mit seiner nationalen Wirtschafts­politik den Weg dieses Ausgleiches mit glänzendem Erfolg beschritten. Ebenso wie die Bisma-cksche Wirt­schaftspolitik in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zum Schaden der Gesamtheit vom Grasen Caprivi durchbrochen wurde, so drohen un­serer wirtschaftlichen Woblsahrispolitik für alle Stände bei den nächsten Wahlen erneut die schwer­sten Gefahren. .

Freiherr o. Wangenhetm (Kl.-Spiegel) er­öffnete die Verhandlungen mit einem wirtschaftlichen Rückblick. Einleitend bedauerte er, die Not der Win­zer, bestritt dann die Mitschuld der Landwirte an den hohen Fleischpreisen und begrüßte schließlich die Ankündigung eines kräftigen und natfihalttgen Seuchenschutzes durch den Reichskanzler, woran et bie Anforderung knüpfte, daß gewisse südeutsche Staaten keine weiteren Abschwächungen des Grenz­schutzes vornehmen möchten. Weiter polemisierte et gegen die Fortdauer der Reichsfinanzreformhetze und bezeichnete den Bund der Landwirte, in welchem sich der Mittelstand in Stadt und Land verkörpere, als bas sicherste Bcllwerk gegen die Sozialdemokratie. Deshalb auch der wütende ..ampf der Eigner gegen ihn. Von dem jetzt energisch in die Hand genomme­nen Werk der inneren Kolonisation erhofft der Red­ner Land und Arbeit für viele Millionen Deutsche. Allerdings müsse dann auch ein nachhalttger Schutz der deutschen Produktion eintreten. Das Ziel müsse vor allem sein, die deutsche Landwirtschaft unab­hängig vom Auslande zu machen. In diesem Sinne müsse auch die Kolonialpolitik geführt werden. Der Rebner polemisierte dann scharf gegen die Sozial­demokratie und forderte die Liberalen zur Rückkehr von einer verhä nisvok-n Bahn auf. Mit sym­pathischen Worten für dar Auftreten des Kaisers als Landwirt im Deutschen Landroirischaftsrat verband der Redner eine Kaiserhuldigung, die na< einem be­geistert aufgenommenen Katierho^ ein Huldigungs­telegramm an den Kaiser zeitigte.

Hierauf begrüßte der Vorsitzende des österreichischen Bunde» der Landwirte, Reichsritter o. S i e m i s ch - -»henblum nie imposante Tagung mit agrari-

sonenverkehr 1,8 Millionen M gleich 4,55 v. ;

im Güterverkehr 8,5 Millionen gleich 8,41 v.

»insgesamt einschließlich der Mehreinnahmen s aus sonstigen Quellen 11,3 Millionen gleich 7,52 v. H. mehr. Der Januar 1911 hatte eine« j Festtag weniger unb einen Werktag mehr, al» , der Januar bes Vorjahres. Bei gleicher Zahl: der Fest- und Werktage würde die Verkehrsstei- gerung sich im Personenverkehr auf etwa 8 Proz. im Güterverkehr aber auf nur etwa vier Proz. gestellt haben. Diese leise Abschwächung der Verkehrssteigerung im Güterverkehr beruht da­rauf, daß der Januar im Vorjahre bereits einen außergewöhnlich starken Verkehr gezeigt hatte.

Unsere Schutzgebiete und die Pest. Berlin,' 20. Febr. Nach einer amtlichen Mitteilung des ' Gouverneurs von Kiautfchou aus Tsingtau trat in den letzten Tagen anscheinend ein Stillstand in dem Vordringen der Pest ein. Bis zum 8.1 Februar würben von dem chinesischen Eouver- neur in Schantung 551 tödliche Pestfälle aus sei­nem Verwaltungsgebiet festgestellt, davon 221 s in Tschifu, 49 im Kreise Tsimo und 16 in der chinesischen Kreisstadt Kiautfchou, nicht in dem; deutschen Kiauschougebiet. Das beutsche Schutz-. gebiet ist pestfrei. Die chinesischen Behörden; bringen den sanitären Maßnahmen unserer Be­hörden großes Verständnis und bereitwilligste Unterstützung entgegen. Berlin, 20. Febr. DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine Be­kanntmachung vom 18. Februar, wonach alle aus chinesischen Häfen kommende Schiffe und ihre In­sassen bis auf weiteres vor der Zulassung zum freien Verkehr ärztlich zu untersuchen sind.

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Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Criginalarfitel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Oberhefi. Ztg." arttattet.)

Marburg, 21. Febr.

* Städtisches. Am nächsten Freitag findet eine Stadtverordnetensitzung statt. Auf der Ta­gesordnung steht die Genehmigung von Maß­nahmen zur Heranziehung von Industrie nach Marburg. Dies wird ja fchon seit vielen Jah­ren, allerdings bislang vergeblich, angeregt.

* Berufung. In den Eesamtwasserstraßen- beirat wurde Kammerherr Rabe von Pappen­heim, Rittergutsbesitzer auf Liebenau, Mitglied des Abgeordnetenhauses und Präsident des kur- hessischen Kommunallandtages, als Mitglied be­rufen.

Ehrung. Die hiesigen vereinigten Innungen stifteten der Metzgerinnung einen prächtigen Pokal, dessen Ueberreichung am Sonntag Abend int Freidbofschen Saale stattfand. Selbstredend war eine kleine Feier damit verbunden.

Ein Ständchen brachte heute früb der Ge­sangvereinLiederverein" seinem Mitgliede Emil Sachs, der heute seine silberne Hochzeit be­ging.

Bort tag. Bor den Mitgliedern des Fort­bildungsvereins hielt gestern Abend im Audi­torium 10 der Universität Herr Professor Weckß- let einen Vortrag über das deutsche und das französische Volkslied. Was wir Volkslied zu nennen vfleaen. so etwa fiibrte et aus, ist immer als das Werk eines künstlerisch begabten Einzelmenschen entstanden, fei es eines Mannes ober einer »trau, eines Mmtmöfeiq Gebil­deten oder eines schlichten Volksgenossen, eines Dichters und Sängers von Beruf oder aus per­sönlicher Neigung. Aus dem enaen Kreise einer Landschaft, eines Berufs oder Standes sind diese Lieder ins Weite und ost über die Grenzen der Landesinracke hinausaedrnngen. Das Volk als, Gesamtheit der Ungelehrten, hat sie zu seinem Eigentum gemacht, mündlich weitergegeben und dazu mannigfach verändert,zersungen". Aber nicht jedes Lied ist fähig, in dieser Weise ein ge­meinsamer Besitz des Volkes zu werden. Es be­darf dazu besonderer Eigenschasten. Und diese" wesentlichen Züge aller guten Volkslieder festzu­stellen ist eine schöne Aufgabe wissenschaftlicher Arbeit. Der Redner schilderte bann die Weltan­schauung, die Bildungslage, die künstlerische Aus-' fgssung und Darstellung sowie den eiaentlicke« Bänkelsängerlied, die Moritat. Und tiefer noch Gedankenablauf des Volksliedes. Etwas sehr viel Geringeres und streng zu scheiden ist da» steht der Gassenhauer, der in den Großstädte«^ und bald auch auf dem Lande mehr und mehr° das Volkslied verdrängt. Es verhält sich zu biet' fern wie bie alte unb eckte Mundart zur Pöbelt spräche, dem Argot von Berkin und Pari». Am