Ltwdwirtschaftltck'er Kreisv^rnn.
*Marburg,18. Febr.
Dei heute im Restaurant Pfeiffer (Lederer) abgehaltene Versammlung des landwirtschaft- lichen Kreisvereins Marburg war so gut besucht, daß der Saal die Teilnehmer nicht alle zu fassen vermochte.
Herr Oekonomierat Direktor Dr. Hesse wies in seinen Begrützungsworten auf den wieder so vortreffff ch gelungenen Saatmarkt hin. Es sei ein Zeichen der Treue, daß das aus den Herren Holly. Adolph und Matthäi bestehende Saat» markt-Komitee schon seit dem Bestehen des Saatmartts, affo zum zwölftenmale, sich dieser mühevollen Aufgabe unterzogen «nd durchgeführt habe. Ihnen wie auch den Ausstellern,
Wil
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öffentliche Meinung wegen der wachsenden wirtschaftlichen Schädigung im Handel und Verkehr immer mehr gegen die passive Resistenz. Eine Deputation des Börsenrates sprach heute beim Statthalter vor, um ein energisches Eingreifen des Staates zu Gunsten der Erwerbsstände zu erbitten. Ein Nachgeben der Regierung wird wegen des Interesses der Staatsautorität für ausgeschlossen gehalten. — Wie die „Neue freie Presse" meldet, schlossen sich außer den Eerichts- beamten das Personal der Stadthalterei, die Lotsen und das Personal der Südbahn der pasfi- ven Resistenz an. Die Lage auf dem Staatsbahnhof sowie in den Magazinen ist sehr schwierig. Ein Zollbeamter, der vor der behördlichen Kommission, streng nach den Dienstvorschriften verfuhr, wurde wegen Weigerung rascher Arbeit, an einen anderen Posten versetzt.
** Eine Stiftung Carnegies. Kopenhagen, 18. Febr. Carnegie bot durch den amerikanischen Gesandten für Dänemark die Errichtung einer Stiftung für heldenmütige Leistungen mit einem Kapital von 100 000 Dollars an, in Form einer jährlichen Rente von 5000 Dollars. Der Minister des Aeußern ersuchte den Gesandten, Carnegie vorläufig den Dank der Regierung zu überbringen. Er zieht in Erwägung, in welcher Form die Gabe am besten anzunehmen sei.
** Zwischen Rußland und China ist eine bedenkliche Spannung eingetreten. Rußland hat an China eine Note drohenden Inhaltes gerichtet, wegen der Auslegung des Peffnger Vertrages von 1881. Es handelt sich um die Dsungarei, den nordwestlichen Teil der Mongolei, der unmittelbar an Nussisch-Turkestan angrenzt und der militärisch und handelspolitisch mehr von Petersburg als von Peking beherrscht wird. Die Bestimmungen des Vertrags beziehen sich in der Hauptsache auf zwei Dinge, die Errichtung russischer Konsulate auf chinesischem Gebiet und die Handels- bezw. Zollfreiheit. Die Forderungen die Rußland daraus zieht, sind von China nicht anerkannt worden. Daher fübtte Rußland jetzt die drohende Sprache des lllti- matums China gegenüber.
vor leeren ^Bänken. Waren zu Beginn^ der Heutigen Sitzung zur Beschlußfassung über die Beschweiche des Abg. Leinett (Soz.) gegen einen Ordnungsruf auch noch eine größere Zahl von Landesboten zugegen, deren Mehrheit den Ordnungsruf billigte, so wurde es mit fortschreitender, von den sozialdemokratischen Rednern Dr. Liebknecht und Hirsch hauptsächlich beanspruchten Beratungszeit immer leerer im Saal und auch auf den Tribünen. Bei der- Fortberatung des Etats des Ministeriums des Innern konnten die Titel >,Strafanstaltsver- waltung" und „Medizinalwesen" augenscheinlich nur geringes Interesse auslösen. Das erste Thema brachte neue Klagen über die Handwerksfeindliche Gefängnisarbeit, über die gesundheitlichen Gefahren in unseren Strafanstalten, über schlechte Behandlung verurteilter Redakteure. Nach einem Reinen Ausflug auf das Gebiet der Veteranenfürsorge und polnischer Volkszählungsbeschwerden wurden zum Thema „Medizinalwesen" eine Riesenliste von Klagen und Wünschen vorgetragen: die Pestgefahr, der Margarinerummel, der Acrztcstreik, die Kosten der ländlichen Leichenschau, die Verpestung der Flüsse durch die Fabrikabwässer und ähnliche unangenehme Dinge wurden bcflagt und damit der Beratung des Jnnernetats zu Grabe geläutet. Am Montag wird Herr v. Breitenbach den Eisenbahn- etat »« verteidigen haben.
46. Jahrg.
1911.
tatton zu stellen. Es folgten noch eine ganze Reihe von Rednern. Am Montag soll in die Beratung des Eisenbahnetats eingetreten werden.
Marburg
Dienstag, 21. Februar
Deutsches Reich»
— Englische Einladung an de« Kaiser. Berlin, 18. Febr. Wie die „Nordd. Allgem. Ztg." hört, bestättgt sich die Nachricht, daß der König von England den Kaiser und die Kaiserin eingeladen hat, an der Feier der Enthüllung des Denkmals für die Königin Viktoria teilzunehmen und daß diese Einladung dankbar angenommen worden ist.
— Eine erschütternde Trauerkunde aus Kamerun wird vom stellvertretenden kaiserlichen Gouverneur durch eine beim Reichskolonialamt eingetroffene telegraphische Meldung übermittelt. Zn Buea am Sitze des Gouvernements hat der in der ersten Dienstperiode stehende Sekretär Korner in einem Anfalle von Geisteskrankheit den Vezirksleiter Biernatzky und den Sekretär Gnieß erschossen, die Sekretäre Nagel und Schnebele leicht verletzt und dann sich selbst erschossen. Der Verlust von Biernatzky und Gnieß trifft die Kolonialverwaltung um so schwerer, als es sich um Beamte handelt, die sich in langjährigem Dienst des Schutzgebietes Kamerun besonders bewährt hatten. Bezirksleiter Biernatzky, geboren 1863 in Neuhoff bei Straßburg (Westpreußen) war bis November 1893 Vizefeldwebel des Infanterieregiments 30 und kam im Januar 1894 als Polizeimeister nach Kamerun. Er wurde später Polizeiinspettor, 1907 Ctationsleiter von Riodel Rey und vor wenigen Wochen zum Bezirksleiter befördert; er machte eine ungewöhnliche Laufbahn durch. Sekretär Gnieß 1878 in Schlitz (Hessen) geboren, war zuerst hessischer Finanzaspirant und 1903 in den Kolonialdienst berufen worden. Er war Sekretär zunächst beim Gouvernement, sodann außerdem in Victoria und schließlich einige Dienstperioden in Duala beim Bezirksamt bezw. als stellvertrender Vorstand des dortigen Hauptmagazins. Der Täter, 1884 in Köln geboren, war zunächst Eerichtsaktuar, wurde 1908 dem Kolonialinstitut in Hamburg zur Ausbildung überwiesen und im August 1909 beim Gouvernement Buea angestellt.
— Ausländische Papiere. Berlin, 18. Febr. Bei der Beratung des Etats der Handels- und Eewerbeverwaltung in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses gab der Minister Auskunft wegen der Zulassung auswärtiger Papiere und erklärte, daß dabei die Interessen des inländischen Marktes maßgebend seien. Die Bonität der Papiere könne staatlicherseits nicht geprüft werden, weil damit eine zu große Verantwortung übernommen werde.
Abgeordnetenhaus.
-> " Stimmungsbild.
F — Berlin, 18. Februckr.
Der „Horror vacui" hat bekanntlich den Reichstag veranlaßt, an Samstagen möglichst keine Sitzungen abzuhalten. Im Preußischen Abgeordnetenhaus fürchtet man sich nicht in gleichem Maße
Sitzungsbericht. -
30. Sitzung vom 18. Februar.
Aus den Verhandlungen ist zu bettchten: Die Arbeit und die Behandlung der Gefangenen wurde von Rednern aller Parteien, wie Rahardt (fit.), Marx (Zentr.), Liebknecht (Soz) u. a. im wesentlichen ur-t.r Anerkennung der Verwaltung besprochen. Dem Abg. Dr. Runze (Fortschr. Vpt.), der Vorwürfe über die Behandlung der Veteranen erhob, wies der Minister nach, daß seine Sachdarstellung auf Unkenntnis der Rechts- und Sachlage beruhe. Offiziere würden aus dem Fonds überhaupt nicht unterstützt. Abg. v. Oertzen (frk.) unterstützte den Minister wirksam durch den Hinweis auf die Flüssigmachung von weiteren 5 Millionen für Veteranenbeihilfen aus dem Ertrage der von der Linken abgelehnten Reichswertzuwachssteuer. In demselben Sinne sprach Abg. Wallenborn (Zentt.). Bei dem Titel „Kosten der Volkszählung" ergoß sich die Flut der üblichen Polenklagen. Der Minister erwidette, daß Beamte in der Regel sich am besten zu Zählern eigneten; gegenüber den irreführenden Behauptungen der polnischen Presse über die Behandlung der Sprachenfrage sei Belehrung und gegebenenfalls auch die Berichtigung der Zählerkarten geboten gewesen. Bei Besprechung des Etats der Medizinalverwastung wurde die Aerzteftage von den Abg. v. Arnim (kons.) und Dr. Friedberg (natl.) und Wallenborn (Zentr.) in dem Sinne behandelt, daß die Leipziger Organisation der Aerzte zwar an sich einem Bedürfnis entspreche, daß aber Auswüchsen entgegenzutreten fei. Geheimrat Kirschner legte Stand und Verbreitung der Lungenpest in Ostasien dar. Eine Einschleppung der Seuche durch Haare, Pelzwerk u. bergt, sei nicht zu befürchten, sollten gleichviel Einzelfälle bei uns Vorkommen, so sei für eine erfolgreiche Bekämpfung alles vorbereitet. Die Aba. Friedberg (natl.) und l.rsenow (Fortschr. Vpt.) befürworten, einen Arzt an die Spitze der Medizinalverwaltung und der wissenschaftlichen Depu-
Das schmutzige und traurige Gewerbe.
In dem Prozeß gegen Frau v. Eerlach, in dem sie zu 400 <M, Geldstrafe verurteilt wurde, wie wir am Sonnabend berichteten, sind such' einige Ausdrücke gefallen, die doch niedriger gehängt zu werden verdienen. Darnach ist nach Auffassung des Gerichts dargetan, daß die Angeklagte zu den Schutzleuten gesagt habe: „Wie können Sie sich zu einem so schmutzige« Gewerbe hergeben." Sie habe ferner dem Polizeileutnant Krüger die sehr schwere Beeidigung entgegen geschleudert: „Das ist eine Flegelei! Sie wollen Offizier sein?" Sie habe schließlich die Schutzleute dadurch beleidigt, daß sie ihnen sagte: .Lassen Sie mich los! Sie machen mich schmusig!" In derselben Tonart hat Herr v. Eerlach als Zeuge sich geäußert. Wie er selbst angibt, habe, er zu dem Schutzmann gesagt: „Es ist doch ein trauriges Gewerbe, daß man etwas ausfüh- ren muß, was man selbst nicht für richtig hält. Eie wollen wohl, daß der König ganz einsam bleibt und das Volk nicht an ihn herankommt." Nun ist ganz klar, daß das Wesen eines derartt- gen Dienstverhältnisses wie es bei dem Militär und der Polizei ist, darin beruht, daß die Befehle, die von den Vorgesetzten gegeben werden, ausgeführt werden. Diese notwendige Disziplin ein „trauriges Gewerbe" zu nennen, ist unseres Erachtens etwas Unerhörtes. Herr v. Eerlach hat ja bei seiner Behandlung der Moabiter Ereignisse seinen Zorn gegen die Polizei in seiner Art Luft gemacht. Damals erklärte er, daß das nur von der Berliner Polizei gelte. Jetzt beschimpft er ganz allgemein jeden, der überhaupt einen Befehl ausführt. Uns mit Frau v. Eerlach besonders zu beschäftigen, halten wir nicht für richtig. Die Dame scheint in der Tat etwas besonders aufgeregt zu sein. Das geht uns nichts an.
Wenn dagegen Herr v. Eerlach, auf offener Straße den Schutzleuten, wie er sagt, ihr „trauriges Handwerk" vorwirft, als sie ihm — er und seine Frau protestierten gegen eine Absperrung — höflich bemerkt hatten, sie stünden auf Befehl da, so streift das schon nahe an die verpönte „Kasernenaqitation", wie sie einige Sozialdemokraten wünschen. Die Schutzleute tun ihre Pflicht und diese Pficht besteht vornehmlich darin, die Allgemeinheit vor Störenfrieden zu schützen. Es ist weit eher ein trauriges Handwerk, landauf landab gegen alles Positive zu «gitteren, alle Stände geegneinander zu verhetzen und die uniformierten Hüter der Ordnung, die wahrlich einen schweren Beruf haben, zu beschimpfen.
Ausland.
** Die passive Resistenz. Wien, 18. Febr. Wie aus Triest gemeldet wird, wendet sich die
Der üingetgenprets beträgt für Vie 7g.jpaltene Zeile ooer deren Raum 15 4, bei auswärtigen Anzeigen 20 H, für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jever Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Ratmtt Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschttft und Beleglieferung ausgeschlossen. — Für Anzeigen, bei denen der Auftraggeber in der Expedition mttgeteilt werden soll, wird eine Gebühr von 10 4 erhoben.
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der aunn- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch jte Po» bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zei'-ngsstellen und ö-.v Expedition (Markt 21), 2.00 M. frei ins Haus (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch, (Inh.:
Dr. Hitzeroth.) Martt 21, — Telephon 55.____________
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Rach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Berlage.
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4® (Nachdruck verboten.)
Der stille See.
Roman von H. Court hs-Mahler. r
lFortsetzung.)
Hans Rochus hatte inzwischen in Berlin allerlei Geschäftliches erledigt. Abends war et meistens im Theater, in bet Oper ober im Ko, u:tt. Einmal traf er auch bekannte Herren unb verbracht- ben Abend in ihrer Gesellschaft bei Hiller. So waten fünf Tage vergangen, fett er von Rochsberg fort war. Sonderbarerweise war et mit seinen Gedanken fast oyne Unterlaß bei Ruth, und et empfand eine unruhige Sehnsucht nach ihr. Mit großem Unbehagen erfüllte ihn der Gedanke an Hilde. Daß sie in Rochsberg weilte und möglicherweise noch wochenlang dott bleiben würde, war ihm sehr una:.gene$tr. Solange pe da war, konnte er nicht daran denken, Ruth näher DU kommen. Und doch erfüllte ihy ein unruhiger, brennender Wunsch, ein innige» Verhältnis mit ihr «nzubahnen.
Es war kein Zweifel, Ruth war ihm teuer geworden, unb es brängte ihn, ihr das zu zeigen unb zu «ersuchen, ihr herb abweisendes Wesen zu besiegen.
Eigentlich wat et mit seinen Geschäften zu Ende. Mr hätte gleich roiebet heimkehren können, aber ber Gedanke an Hilde hielt ihn ab. So bum r.eite er am Nachmittag planlos Unter den Linden, als er aus seinen Träumereien aufgeschreckt wurde.
»Hans Rochus — du hier?"
E: sah auf und erblickte Wendling, der ihm mit M«Lter Miene gegenüberftanb.
* -Dich hätte ich allerdings hi« auch nicht zu sehen NWtttet Wie geht es btt?“ x
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Wendling war blaß und hager geworden, feine Augen tagen tief in ben Höhlen.
„Man m iß zufrieden sein. Hast du ein Stündchen Zeit für mich? Ich möchte gern allerlei mit dir reden.“
„Ich bin ganz frei, Heinz. Komm, laß uns irgend ein stilles Eckchen aufsuchen, und bann erzählst du mir von deinem Leben.“
Sie suchten eine Weinstube auf unb saßen erst eine Weile schweigend einander gegenüber. Beide dachten an Hilde Sontheim, fteilich jeder auf andere Weise.
Endlich erkundigte sich Wendling nach gemeinsamen Bekannten. Hans Rochus gab ihm ausführlichen Bescheid. Und dann erzählte er von feinem Leben. Er war auf seinen Wunsch in eine kleine Garnison versetzt worden — aus Svarsamkeitsrück- sichten. Ein Heines, langweiliges Spießbürgernest, in dem er so rechte Zeit hatte, allerlei trübsinnige Grillen zu fangen. Jetzt war er auf der Durchreise in Berlin. Der einzige Sohn seines Oheims, dessen Güte er seinen Zuschuß verdankte, war in wenigen Tagen einer Lungenentzündung erlegen, unb Wendling war zu ber Beerdigung gewesen.
Obwohl seine Aussichten auf die Zukunft dadurch plötzlich sehr günsttg geworden waren, hatte ihn der Jammer ber bebauernsroerten Eltern sehr ergriffen. Er vermochte sich nicht barübcr zu freuen, daß er nun Aussichten auf ein reiches Erbe hatte.
Doch war in feinem Herzen ein heißes, heimliches Hoffen erwacht. Er liebte Hilbe Sontheim noch immer mit gleich leibenschaftlicher Innigkeit, unb ba ihn nichts von ihr zurückgehaltcn, als seine Armut, so war burch bie Aenbcrung in seinen Verhältnissen eine Möglichkeit geboten, sie zu erringen.
Mit unsicherer Stimme fragte er Hans Rochus nach ihr.
Dieser erzählte ihm, baß Hilbe in Rochsberg ja Besuch sei unb seit ihrer Entlobung sehr zurückgezogen lebe. Wenbling t t ihm von Herzen leib. Er sah, wie heiße Unruhe in seinen Blicken flackerte, als er nach Hilde fragte. Diese war solch eine treue Liebe gewiß nicht wert, aber er vermochte nicht, Wendling von seiner Meinung über ste etwas zu sagen.
„Willst du ste wohl von mit grüßen, Hans Rochus?“
„Gern.“
„Weißt du, 01 sie mit zürnt?“
„Weshalb sollte ich das?"
„Ach — verstell dich nicht, Hans Rochus, du weißt ja doch, baß ich schulb war, baß Kracht zurücktrat."
Der sah ihn ernst an.
»Ja, Heinz — ich habe es genügt. Aber wie kann Hilbe bir zürnen? Ihre Schulb war so groß wie beine.“
„Rein, nein, ich hätte vernünftig sein unb gehen müssen Jo'lange es Zeit war. Aber glaub’ mir — ich konnte nicht, es hielt mich in ihrer Nähe wie mit taufenb Banden. Unb seit ich sie nicht mehr sehen kann, ist mir zumute, als sei alles L'chi, die Wärme aus meinem Leben verschwunden. Ich habe sie unsag- b-r lieb.“
Hans Rochus faßte feine Hand.
„Sitzt es immer noch ?o tief, Heinz?"
Wendling lächelte ttiibe.
„Das wirb nie anders werben.“
Sie schwiegen eine Weile. Daun sagte Wenbling hastig:
„Meinst bu, baß ich hoffen darf, sie zu erringen,
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wenn sich meine Verhältnisse bessern? Mein Onkel sieht jetzt in mit seinen einzigen Erben. Wenn ich nach einiger Zeit mit ihm Rücksprache nähme — et würbe mit sicher helfen, daß ich heiraten könnte. Nu. darf ich jetzt seinen Schmerz nickt mißbrauchen. Meinst bu, baß Hilde meine Frau würbe?"
„Sie liebt bich doch, nicht wahr?“
„Ob sie mich jetzt noch liebt? — Einst hat sie e» getan.“
„Dann kannst bu bir wohl Hoffnung machen. Iebensalls ist sie noch frei, das weiß ich bestimmt.“
Wenbling atmete auf unb brückte Hans Rochus bie Hand.
„Dank bir für diese Nachricht.“
„Da ist doch nichts zu danken."
„Ich war so seht in Sorge. Hilde ist schön, an Bewerbern wird es nicht fehlen. Und sie ist arm.“
Hans Rochus hätte ihm wohl zum Trost sagen können, daß Hilde nicht eben sehr begehrt wurde seit bet Affäre mit Kracht. Aber er schwieg.
Nach einer Weile fragte Wendung:
„Weißt bu, wie es Kracht geht?"
„Et ist vollstänbig geheilt, wat lange auf Reisen unb lebt jetzt auf seinen Gütern."
,JDb et innerlich fertig ist mit ber Enttäuschung?“ '.Wer weiß. Wit wollen es ihm wünschen.“
Sie plauberten noch allerlei unb verbrachten auch den Abend miteinander.
Wendling sagte Hans Rochus beim Abschied, daß er an Hilde schreiben würde, sobald et mit seinem Onkel Rücksprache genommen hätte.
Mit festem Händedruck schieden sie voneinander.
(Fortsetzung folgt.)
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