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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
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?.:c „Ldrrhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fenrtage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch jtc Po^ bezogen 2.25 <M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeii^ngsstellen uno be: Expedition (Markt 21), 2.00 <*. frei ins Haus (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Unio.-Buchdruckerer 3- A. Koch, (Inh.: Dr. Hiheroth.) Markt 21, — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 19. Februar
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46. Jahrg.
1911.
Erttes Blatt.
Romretsen.
Die Frage, ob ei« Souverän nach Rom reisen kann und soll ist immer ganz besonders delikat, weil in Rom zwei Souveräne find, die voneinander nichts wissen W--G-N. der Papst und der König. Ein Besuch, der dem einen abgestattet wird, wird von dem anderen als Kränkung empfunden. Run mag man ja über die weltlichen Ansprüche des Papstes denken, wie man «rill, ignoriert kann der Papst aus dem einen Grunde nicht werden, weil die Katholiken seihst diese Souveränitätsrechte des Papstes anerkennen, und ein Souverän eben doch die Gefühle seiner katholischen Landsleute nicht wird kränken wollen. Deshalb ist bekanntlich der Besuch Kaiser Franz Josephs in Rom, den die Italiener schon lange beanspruchen, bis heute unterblieben.
Besonders schwierig ist aber diese delikate Frage im Jahre 1911, das aus einem und demselben Grunde für Italien ein Freuden-, für den Papst ein Trauerjubiläum ist. Der Papst erNärt, er empfängt in diesem Jahre überhaupt keine Besuche. Der Ouirinal aber scheint nicht nur einen, sondern möglichst viele Zubiläumsgratulationsbesuche von Souveränen zu erwarten. Was sollen nun die Souveräne machen? Das Problem ist nicht leicht.
Nun hat man angefangen, durch allerlei Preß- notizen diesem Problem zu Leibe zu gehen, allerdings mehr, um es zu verwirren, als um es zu lösen. .Zuerst kam die an und für sich ganz unwahrscheinliche Meldung, Kaiser Wilhelm werde 1911 dem Papst einen Besuch abstatten. Diese Meldung wurde, wie zu erwarten war, von deutscher Seite prompt dementiert. Der Kaiser, wurde gesagt, werde den Papst nicht besuchen. Nun scheint es aber, als wäre in diesem Hfn und Her zwischen dem Vatikan und Berlin der Quirinal in Harnisch geraten. Die Tribun«, die gemeinhein für offiziös gilt, hat sich über die Meldung, daß der Karser den Papst besuchen soll, aufgeregt und schreibt:
Wenn diese Nachricht den Tatsachen entspreche, so verdiente sie seitens der italienischen Regierung die größte Aufmerksamkeit. Italien, das dem Papste vollständige Freiheit verbürge, muffe dafür erleben, daß die fremden Kabinette demselben Papst eine Art Prärendentenrolle zuerkennen. Italien feiere das 'fünfzigjährige Jubiläum seiner Einigung auf eigene Rechnung. Wer 5« Italiens Festen erscheine, werde willkommen sein; aber Italien verschicke keine Einladungen, die als sanfter Zwang erscheinen, jedenfalls aber den Besuchern das überaus ansprechende Eeprägr des Spontanen rauben müßten. Das Vorgehen des Vatikans, d-s schließlich nur ein großer Bluff sei, würde immerhin einen interessanten Prüfstein bilden, um *>as wirkliche Vorhandensein gewisser Gefühle festzustellen.
Und die anderen Zeitungen schlagen den gleichen Ton an.
Eiornale d'Jtalie schreibt: Falls Kaiser Wilhelm nur Venedig, nicht aber Rom berühre, werde keine Begegnung mit König Viktor Emanuel möglich sein, da während des Jubeljahres Italien besuchende Fremde und Souveräne nur in Rom empfangen werden können.
So taucht hinter der Frage des Papftbesuches die Frage eines Besuches beim Quirinal auf, die durch die Verhaltung mit der Batikanfrage nichts weniger als leichter wird.
Der Kaiser reist bekanntlich im Frühjahr nach Korfu. Der nächste Weg nach Korfu führt über Benedig. In früheren Jahren traf er in Venedig mit Viktor Emanuel zusammen. Das wird also Heuer nicht der Fall sein, ist auch ;ar nicht nötig. Der Kaiser durchguert österreichisches Gebiet, ohne auf diesem begrüßt und empfangen zu werden. Er durchquert ebenso talienisches. Seine Fahrt nach Korst« ist überhaupt nur Vergnügungsfahrt, nicht offizielle Auslandsfahrt. Eduard VII. ist oft nach Biarritz und nach Marienbad gefahren, ohne auf der Durchreise durch Deutschland ober Frankreich begrüßt zu werden und ohne in Berlin ober Paris offiziell vorzusprechen. Es ist also nicht besonbers auffallend wenn auch Kaiser Wilhelm durch Italien fährt ohne Begegnung mit dem König. Hebet die Rückreise aus Korfu und über die Frage, ob bet Kaiser vielleicht 8« einer späteren Jahreszeit einen Besuch in Rom oder in Turin machen wird, haben sich die amtlichen Stellen in Deutschland noch nicht ausgelassen. Falliere» hat bereits angekündigt, daß er nach Rom gehen wird. Die Franzosen ergreifen natürlich mit Freuden die Gelegenheit zu einer der beliebten, aber recht belanglosen franko-italienischen Demonstrationen Wenn der Kaiser auch nicht nach Italien geht, so haben die Italiener in diesem Jubilaumsjahr doch reichlich Gelegenheit, sich alles dessen zu erinnern, ,»o» Deutschland für die Einigung Italiens getan Hut.
Der Kaiser im Landwirtschaflsrat.
Die gestrige Sitzung der 39. Plenarversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrats stand im Zeichen des Kaiserbesuchs. Die Mitglieder des Landwirtschaftsrat waren äußerst zahlreich erschienen und auch die Tribünen waren sehr stark besetzt. Der Kaiser fuhr mit Gefolge in mehreren Automobilen pünktlich um 10 Uhr im Ehrenhofe des Herrenhauses vor und wurde im Vestibül von dem Präsidium empfangen und in den Sitzungssaal geleitet, wo der Präsident Graf Schwerin-Löwitz ein Hoch auf den Monarchen ausbrachte. Dann ergriff sofort Prof. Dr. Tacke (Bremen) das Wort zu seinem Vortrage über die deutschen Moore und ihre Bedeutung Jfit die deutsche Volkswirtschaft. Die Ausdehnung der Moore schätzt der Redner für Deutschland auf 400, für Preußen allein auf 350 Quadratmeilen. Die Mehrzahl der Moorböden kann mit wirtschaftlich durchaus zu rechtfertigenden Kosten in ertragreichstes Kulturland umgewandelt werden Die Kultivierung und Besiedlung der deutschen Moore vermag nach einer Berechnung dem deutschen Markt jährlich mindestens 8 Millionen Doppelzentner schlachtreifes Vieh zuzuführen und 80 000 Menschen eine Existenz zu bieten. Die Versorgung unseres Volkes mit Nahrungsmitteln wird dadurch sicherer und neben den wägbaren Vorteilen werden dem Staate alle die impon- derabilen Gewinne zuflietzen, die * eine geistig und körperlich gesunde, wirtschaftlich kräftige, militärisch leistungsfähige und politisch durchaus zuverlässige landwirtschaftliche Bevölkerung schaffen wird.
In der anschließenden Diskussion nahm als Erster der Kaiser das Wort. Er erzählte in launiger Weise von den Erfolgen der Moorkultur auf seinem Gute Cadinen und sagte u. a.: Ich möchte die Versammlung auf eine kleine Privatarbeit aufmerksam machen, die von mir in Cadinen versucht worden ist Es handelt sich dort um die Urbarmachung von etwa 500 Morgen bis dahin gänzlich unbrauchbares Torfland. Als Cadinen erworben wurde, ließen die Zustände viel zu wünschen übrig, besonders am Haffstrande. Der Besitz wird durch eine Düne von dem eigentlichen Gelände getrennt, das moorartig überschwemmt war. Dieses niedrige Gelände war den Ueberflutungen uneingeschränkt ausgesetzt. Hier standen Erlen, Weiden und anderes Gebüsch. Dazwischen lagen einzelne Wiesenparzellen. Das Land lag in völlig verwüstetem Zustande da. Nur ab und zu zog eine Ente oder ein Rehbock das Interesse auf sich, wobei der Schütze jedoch Gefahr lief, in dem morastigen Grunde zu versinken. Nachdem ich mit vielen Ueberredungskünsten die Bedenken meines Schatullenverwalters beschwichtigt hatte, wurden mir von ihm die Mittel zur Bearbeitung des Landes bewilligt. (Große Heiterkeit.) Bezüglich der auf dem neugewonnenen Gelände zu haltenden Tiere habe er, der Kaiser, sich mit Herrn Hagenbeck aus Hamburg in Verbindung gefetzt, der ihm eine Kreuzung mit dem indischen Zebubullen empfohlen habe. Ich kann Ihnen, so fügte der Kaiser hinzu, ein Bild der Eltern und des Kindes aus der Kreuzung vor, ähren und bin mit der Vorführung dieses Bildes übrigens glücklicher als ein Schaubudenbesitzer in Potsdam während meiner Leutnantszeit. Der Mann zeigte dort eine Kreuzung zwischen Biber und ENte vor. Als ich mir das näher ansehen wollte, sagte der Mann mit traurigem Gesicht, das Kind sei gerade gestorben, aber die Eltern lebten noch. Ich ging in die Bude hinein und sah auf einem Tisch eine fette Ente. Als ich nach dem Biber fragte, zeigte der Mann auf einen Bottich und sagte: das ist nun mal so seine Art; manchmal sitzt er draußen, dann sieht man ihn, manchmal drin, dann sieht man ihn nicht. (Große Heiterkeit.) Der Kaiser schloß mit einer Mahnung, die deutsche Landwirtschaft möge der Moorkultur weiter erhöhtes Interesse entgegenbringen.
Nach umfangreicher weiterer Diskussion wurden Leitsätze im Sinne des Referenten angenommen. Die Plenarversammlung beschäftigte sich weiter mit dem gegenwärtigen Stand der geologisch-astronomischen Aufnahmen in Deutschland und die Nutzbarmachung derselben für die landwirtschaftliche Praxis, sowie mit dem Thema „Fleischversorgung und Fleischpreise in Frankreich". In letzterer Beziehung gab der Referent Dr. Hailer, landwirtschaftlicher Sachverständiger
beim Kaiserlichen Generalkonsulat in Paris, ein umfangreiches statistisches Material, aus dem hervorging, daß die Fleischpreise in Frankreich sich von denen in Deutschland nicht wesentlich unterscheiden. Die letzten Themata betrafen das landwirtschaftliche Versuchs- und Kontrollwesen in Deutschland, den Gesetzentwurf betr. die Beseitigung von Tierkadavern. Schließlich erstattete noch Geh. Hofrat Prof. Dr. Kellner (Möckern) einen Bericht über die vom Reichsamt des Innern unterstützten Fütterungsversuche. Damit war die Tagesordnung der diesjährigen Plenarversammlung erledigt, und der Vorsitzende Graf Schwerin-Löwitz schloß die Tagung mit einem Hoch auf den Kaiser, die deutschen Bundesfürsten und die Freien Städte.
Eine bedeutsame Rede hat der Reichskanzler beim Festmahle des z. Z. tagenden deutschen Landwirtschaftsrats gehalten. Bekanntlich hat auch Fürst Bülow an dieser Stelle stets Gelegenheit genommen zu größeren politischen Kundgebungen. Der Rede entnehmen wir folgende wichtige Stellen:
Der Aufschwung der Lanbwirffchast beruht in einem Teile auf den besseren Preisen, zum anderen, nicht zu kleinen, auf der besseren Wirtschaftsführung. (Sehr wahr!) Aber auch die ist bekanntlich nicht ohne Geld zu haben. (Zustimmung.) Die Betriebs- Überschüsse haben deshalb zu allermeist nicht zu Schuldentilgungen und Reservestellungen, sondern zu Investitionen für den laufenden Betrieb gedient. (Sehr richtig!) Darin liegt die Erklärung für den Stand unserer ländlichen Verschuldung. Eine Rechtfertigung ist fie aber nur dann, wenn Kapitalinvestierungen — auch darauf hat Graf v. Schwerin sehr zutreffend hingewiesen — zur dauernden konstanten Steigerung nicht des Luxuswertes, sondern des Ertragswertes führen. (Zustimmung.) Zu einer Steigerung, die oft fest fundiert jein muß, daß fie unvermeidliche Rückschläge durch schlechtes Wetter und schlechtere Preise ohne Zusammenbruch überwindet. So langwieriger und ausdauernder, mit Jahresperioden rechnender Arbeit es bedarf, um in ein Gut nachhaltige Kultur zu bringen, so schnell und vielfach so unvermerkt kann diese Kultur wieder verloren gehen, und wenn sie verschwindet, dann führt das zu Produktionffchwankungen, die nicht nur der Landwirt am Geldbeutel, sondern das Volk am Leibe spürt. (Sehr richtig!)
Ich bin dem Grafen v. Schwerin ganz besonders dankbar für die unumwundene Anerkenntnis, daß die Preise einzelner Fleischsorten im vorigen Jahre eine ungesunde Höhe erreicht hatten, die weite Schichten des Volkes beklagenswerter Weise belastete. Mit den üblichen Schlagworten von agrarischer Profitgier oder Fleischnotrummel wird die Sache nicht abgetan. Am letzten Ende schließt sie sich in die Frage zusammen, ob die deutsche Landwirtschaft die Viehhaltung vergrößern. verbessern und konstanter gestalten kann. (Sehr richtig!) Ich werde in Ihrem Kreise — Ihre amtlichen Verhandlungen machen das sicher — keinem Widerspruch begegnen, wenn ich diese Frage unbedingt bejahe und wenn ich es zugleich wirtschaftlich und politisch als eine überaus ernste Pflicht unserer Landwirtschaft bezeichne, diese Aufgabe mit allen ihr zugänglichen Mitteln zu lösen. Sie kann es nur, wenn sie einen kräftigen und nachhaltigen Seuchen- schutz genießt. (Hört! hört! Bravo!) Der soll ihr werden. Aber sie muß e« auch. Unsere Wirtschaftspolitik hat nicht nut den Schutz bet nationalen Arbeit im Auge, sie basiert zugleich auf bem Willen und ber Fähigkeit der deutschen Landwirtschaft, dte Ernährung des Volkes vom Auslande immer unabhängiger zu gestalten. Dieser Wille muß zur Tat werden. Die Landwirtschaft muß sich den Schutz, den fie genießt, täglich von neuem verdienen. (Zustimmung.) Sonst wird das Fundament unterwühlt auf dem das Gebäude steht. (Sehr richtig!)
In der letzten Nummer der „Sozialistischen Monatshefte" kommt auch ein sozialdemokratischer Schriftsteller auf Gründ einer unbefangenen, wie mit scheint, sachkundigen Beweisführung zu dem Schluß, daß für Deutschland diejenige Agrarpolitik richtig sei, welche die inländische Fleischproduktion auf den höchstmöglichen Umfang steigert. Eine derartig« Heraushebung der wirtschaftlichen Fragen aus dem unfruchtbaren Streit parteipolittscher Gegensätze und ihre Zutückfühtung auf den Boden nüchterner wirtschaftlicher Rechnung tut uns not sZustimmung)
Wer heutigen Tages vorurteilsfrei die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands überblickt, muß neben ber Tatsache ihrer Großartigkeit unb Entfaltung vor allem anerkennen, baß babei kein Et- werbsftand, webet Lanbwirffchast, noch Jnbusttie, noch ber Handel, weder Arbeitgeber noch Arbeite» Stieffinb gewesen ist (Sehr richtig!). Darum sollten auf allen Seiten die Gegensätzlichkeiten schwinden, wie sie unter Stiefgeschwistern vorkommen mögen, wie sie aber unter vollbürtigen Geschwistern auf die Dauer unerträglich find (Beifall). Ich wüßte nichts wie unsere Wirtschaftspolitik eine bessere Probe Jon ihrer Nützlichkeit hätte ablegen solle«, al» in ihre«
praktischen Lefftungen und Erfolgen, und was sich bewähtt hat, das behalten wir (Lebhaftes Bravo!).
Wit muffen aber aber nicht nur für Arbeit und Brot, sondern auch dafür sorgen, daß derer immer mehr werden, die ein Stück deutscher Erde ihr eigen nennen (Bravo!) und es als ihre Heimat und die Grundlage ihrer Existenz lieben. (Beifall.) Nicht nur durch Urbarmachung und Besiedelung der Moore und Heideflächen, sondern auch dadurch, daß wir namentlich in menschenarmeren östlichen Landesteilen die Bauernstellen zu vermehren trachten. Die wirtschaftliche, soziale und damit allgemein staatliche Bedeutung solcher Unternehmungen kann nicht hoch genug veranschlagt werden. (Zustimmung.) Es genügt nicht, mit einem mißgünstigen Seitenblick auf die Städte über die Entvölkerung des platten Landes zu klagen. Abwenden können wir ihre für unser« Zukunft bedenklichen Folgen nur, wenn wir da» platte Land stärker besiedeln. (Sehr richtig.)
Fth. v. Soden konnte soeben feststellen, daß es in Deutschland, Gott sei Dank, weder eine politische noch geistige Mainlinie mehr gibt. Aber an ihrer 6t.de hat sich eine andere Mainlinie zwischen den Besitzenden und Nichts ;enben m.ht und mehr ver- tieft. Die werden tr.c zwar nicht zuschiitten, aber überbrücken können und müssen. Eine dieser Brücken schlagen wir, wenn wir den Klein- und Mittelbefitz energisch vermehren.
Deutsches Reich.
— Abg. v. Daller erkrankt. München, 17. Febr. Der Zentrumsabgeordnete v. Daller wurde nach einer Meldung des „Bayrischen Kurier" gestern von Herzschwäche befallen und auf seinen Wunsch mit den Sterbesakramenten versehen. Das Befinden des Erkrankten hat sich inzwischen gebessert, ist aber immerhin ernst.
— Eine Enke. Berlin, 17. Febr. Die aus der Kieler Kottespond-- in die Berliner Presse aufgenommene Mitteilung, nach der demnächst oder im Jahre 1912 die Bewilligung einer neuen Kaiserjacht bei dem Reichstag beantragt werden soll, wird uns als völlig erfunden bezeichnet. An maßgebender Stelle ist von Erwägungen dieser Art nichts bekannt.
— Aus Deutsch-Südwestafrika wird amtlich gemeldet, daß eine Bande bei Auros Weh gestohlen, und sodann sechs Köpfe stark, in der Richtung auf Sperlingspütz und Gacbis abgezogen sein soll. Einzelheiten sind bisher weder durch die Schutztruppe noch durch die Polizei fest- gestellt worden. Aus dem englischen Gebiet liegen keine weiteren Nachrichten vor. Eine scharfe Beobachtung der Süd- und Ostgrenze des Schutzgebiets ist eingeleitet. Gleichzeitig trifft eine Meldung des deutschen Generalkonsulats in Kapstadt ein, nach der dort über angebliche Bewegungen der Simon Copper-Leute keine Mitteilungen eingegangen sind. Demnach ist zu hoffen, daß die ganze Angelegenheit sich auf einen einfachen Viehdiebstabl beschränkt.
— Simon Coppers Leute. Ein ehemaliger Kriegsteilnehmer in Sübwest schreibt: Die tollsten Ansichten bestehen noch immer in Deutschland sowohl über Simon Copper selbst, wie über die Stärke seine» „Oorlogs", b. h. seiner Krieger. Als Hauptmann Friedrich v. Erckert Simon Copper, ober vielmehr beffen „Feldherrn" Eliesar bei Seaffub am 16. März 1908 schlug, war ber Oorlog etwa 100 Gewehre stark. 58 Eingeborene waren gefallen, etwa ein Dutzend stellte sich ben Deutschen ein Jahr später. Zu den cer- bleibenden zwei Dutzenden Kriegern mögen aber noch verstreute Witboois unb Bondels gestoßen sein, die sich in ben Grenzgebieten aufgehalten haben. Die Zahl ber auf britischem Gebiete ansässigen Bonbels, die aus irgendwelchen Gründen verschmähten, sich ber deutschen Regierung zu stellen, kann man auf 120 bis 150 wehrfähige Männer schätzen, die durchweg etwa» auf dem Kerbholze haben. Simon selbst dürfte kaum an dem Zuge tcilgenommen hoben, da et sowohl feige als auch im höchsten Grade bei den Hottentotten unbeliebt ist. Er war gerade das Gegenteil seines bei Seatsub samt Eliesar gefallenen Bruders Isaak Copper. Bemerkt zu werden verdient noch, daß die zwei verfügbaren Kompagnien und die beiden Batterien zu schwach erscheinen. Selbst Erckert hatte .tut einen Teilerfolg, obschon ber Feind gestellt und umzingelt war, und dieser vortreffliche Führer über rund 400 Mann und 4 Maschinengewehre verfügte, die auf dem Kampfplatze in Tätigkeit treten konnten.
Ausland.
“ Oesterreich-Ungarn. Wien, 16. Febr. Unter mehreren Kategorien der mittleren und unteren Staatsbeamten Oesterreichs, besonders ber Postver- kehrsbeamten, war erwogen worben, alsbalb mit bet passiven Resistenz einzufetzen, falls die verschiedene« Forderungen der Beamten bezüglich der Besserung bet finanziellen Lage, insbesondere bezüglich günstigerer Beförderungsbedingungen, nicht erfüllt werde» ioi»