mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
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Marburg
Freitag, 17. Februar
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46. Jahrg/
1911.
Erstes Blatt.
Der Kampf aller gegen alle.
Die kommenden Reichstagswahlen werfen ihre Schatten in einer Weise voraus, die man nicht anders als unerfreulich bezeichnen kann. Seitdem die Konservativen nach Ablehnung der vorgeschlagenen Erbschaftssteuer eine Reichsfinanzreform ohne Hilfe des früheren Blocks zustande gebracht haben, hat, wie bekannt, eine überaus heftige Agitation gegen die konservative Partei selbst bei den Ranonallive- ralen eingesetzt. Man hatte gehofft, daß die Zeit die feindselige Haltung der beiden im Grunde doch auf einander angewiesenen Parteien vermindern würde, ja, daß die Anerken- - nung über die günstige Wirkung der Reichsfinanzreform auf die Lage des Reiches vielleicht auch die Heftigkeit der Angriffe mindern würde. Umsonst. Die nationallib. Partei glaubte auch, für die Verluste, die ste im Westen bisher gehabt hat, im Osten Ersatz zu finden und, da ste bei ihren Bestrebungen dort auf den Widerstand der Landräte zu stohen glaubte, so ergab fich von selbst ein scharfer Kampf im Parlament gegen diese Institution, der sich hauptsächlich im .Abgeordnetenhause abspielte.
Das find so die Grundlagen für die erbitterte und heftige Debatte im Abgeordnetenhause, in der das Tischtuch zwischen Konservativen und Nationalliberalen zerschnitten wurde, wie e&. allgemein in der Presse genannt wird. Es ist natürlich müßig, die Schuldfrage zu untersuchen, es läßt fich nicht leugnen, daß die Rationalliberalen unter Beeinflussung seitens des demokratischen Südens den Kampf gegen rechts mit besonderer Heftigkeit geführt haben. Wer die Dinge aufmerksam verfolgt, weiß, daß sie vielfach durch die agitatorische Methode der radikalen Linken mitgezogen worden sind, er weiß aber auch und hat es in Caffel ganz deutlich hören können, daß weite Kreise der Partei einem engen Verhältnis zu den national und wirtschaftspolitisch unzuverläsiigen Freisinnigen ablehnend gegen überstehen und eine Politik ä la Baden direkt verdammen. Daß die Rechte über die Gründung des Bauernbundes und in gewissem Sinne auch des Hanfabnndes nicht besonders erfreut gewesen ist, hat sich auch bald herausgestellt. Die Nationalliberalen andererseits haben in der Zertrümmerung des Bülow-Blocks einen Angriff auf ihre eigene Stellung gesehen. In Cassel bezeichnete ja Herr Bassermann als di« Politik der Zukunft die Wiederherstellung des Blocks. Wir sind bekanntlich der Ansicht, daß weniger die Erbschaftssteuer als vielmehr das Verlanaen an die konservative Partei zugunsten einer kleinen freisinnigen Gruppe, die das
' (Rackidruck verboten.)
’< Der stille See.
Roman von H. Court hs-Rahler.
(Rortfefeung.)
Sinnend ließ sie den Blick auf Hildes schönem, lebensprühendem Gesicht ruhen. Man merkte dieser gar nicht an, daß sie schwere Herzenskämpfe hinter sich hatte. Spurlos schien alles an ihr vorübergegangen zu fein. Freilich, sie hatte Kracht nie geliebt. — Aber wehe tun mußte sie ihm doch, als sie von der Verbindung zurücktrat, er hatte doch an ihre Liebe geglaubt. Und einem Menschen wehe tun müssen, das erschien Ruth etwas Grausames, Furchtbare». Wär- sie an Hildes Stelle gewesen, sie hätte nicht lachen und scherzen können.
konnte sich Ruth auch in den oberflächlichen Ichrllernden Frauencharakter hin.indenken! Hätte sie die wahren Tatsachen über Hildes Entlobung ge- Jannt, es wäre ihr noch unfaßbarer gewesen, daß diese so übermütig lachen und scherzen konnte.
Hans Rochu ging auf den fröhlichen Ton ein, schon um Hilde nicht merken zu lassen, daß ihn «innerlich ein ernstes Problem beschäftigte. Sein Warm klingendes Lachen tönte laut und klar durch Iden hohen schönen Raum. Ruth hatte ihn nie so lachen hören, und es legte sich ihr der Gedanke wie «in Alb auf die Brust, daß sie es sei, die ihn am rechten Frohsinn hinderte all die Zeit. Hilde umschmeichelte Hans Rochus wie ein Kätzchen, neckte ihn, »og ihn lachend am Bart und trieb tausend Toll- Jelten. Alles in jener weichen kostnden Art, die ihn früher so bestrickt hatte. Und dabei glühten ihm ihre Mugen zuweilen heiß und verlockend entgegen. Alles »n ihr war Leben und Bewegung, blühendes, lockende» Leben. Neben Ruths stiller Art wirkte das alle» hoppelt berauschend.
| Zünglein an der Wage des Blocks bildete, demokratische Politik zu treiben, den Block zum Scheitern gebracht hat, daß also letzten Endes eben die demokratische Begehrlichkeit und Rüchichts- losigkeit, mit der die Bewilligung nationaler Forderungen zur Erlangung von Parteivorteilen gebraucht werden sollte, der Grund zum Scheitern des Blockes ist. Aber seit der Zeit haben die heftigsten Angriffe herüber und hinüber zwischen Konservativen und Nationalliberalen nicht mehr aufgehört. Stimmen, die zur Mäßigung mahnten, find auch wieder unter dem Einfluß der entstellenden Agitation der Linken verlacht worden.
Die ganze parteipolitische Gewitterschwüle hat fich nun entladen, nachdem sie wesentlich auch durch scharfe Erklärungen der Parteiführer hüben und drüben vermehrt worden war. Als der Abg. Lohmann plötzlich die Landratsfrage wieder aufwärmte, trat einer der leidenschaftlichsten Redner der Konservativen, Herr von Bieberstein, mit seiner scharfen Erwiderung auf den Plan, der seinerseits die Agitation der Nationalliberalen im Osten aufs schräfste kritisierte. Das rief den schlagfertigsten Redner ver Nattonalliberalen, Abg. Schiffer, auf die Tribüne und endlich kam der konservative Führer v. Heydebrand selber mit einer Rede, die alles knapp zum Ausdruck brachte, was an Verstimmung sich in konservativen Kreisen angesammelt hatte.
So scharfe Kennzeichnungen beiderseits find selten zwischen den Parteien gewechselt worden. „Wir find der Ansicht, daß es falsch ist, wenn die Parteien in einem falschen Versöhnlichkeitsdusel ihre Eigenarten verwischen wollen, eine scharfe Betonung des eigenen Standpunktes hat weder Kei Freund noch bei Feind je geschadet; als »ine derartige Auseinandersetzung können wir aber den schwarzen Tag in der inneren Parteigeschichte Preußens, als den wir den gestrigen ansehen, nicht bewerten. Er ist ein Glied mehr auf dem Wege zum Kampf aller gegen alle. Und das in einer Zeit, in der uns nichts mehr nötig täte, als Einigkeit.
Deutsches Reich.
— Deutscher Landwirtschaffsrat. Berlin, 15. Febr. Bei dem heutigen Festmahl des Deutschen Landwirtschaftsrates, dem auch der Herzogregent von Braunschweig, Johann Albrecht von Mecklenburg beiwohnte, hielt zunächst der Präsident Dr. Graf v. Schwerin-Löwitz eine Rede, in der er einen Rückblick auf die markantesten Erscheinungen in der Entwicklung der deutschen Landwirtschaft während der letzten Jahre warf, die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des Schutzes der nationalen Arbeit für alle Berufs-
Hans Rochus wunderte sich selbst, wie kalt und ruhig er ihren Reizen gegenüber blieb. Fast mußte er innerlich lachen über sich selbst, daß er so töricht gewesen war, sich durch all diese niedlichen Manöver gefangen nehmen zu lassen. Hilde glaubte fest an ihre Unwiderstehlichkeit und ließ sich auch in den nächsten Tagen nicht durch Hans Rochus' still ablehnendes Wesen irre machen. Es war ja so natürlich, daß : sich als Ehemann einige Reserve auferlegte.
War sie mit Ruth allein, bann ließ sie mit der liebenswürdigsten Miene kleine Bosheiten los, die den Zweck hatten, die junge Frau zu beunruhigen.
Einmal sagte sie, sich elegisch in den Sessel schmie. gend:
„Du wunderst dich gewiß, Ruth, daß ich so fröhlich scheine nach meinem trüben Erlebnis mit Kracht. Im Grunde ist mit garnicht so zumute." —
„Warum verstellst du dich dann? Uns gegenüber kannst du dich gern geben, wie dir ums Herz ist."
Hilde seufzte wieder.
„Ach — mir tut Han» Rochus so leid."
Ruth sah fragend in ihre Augen.
„Sans Rochus? Warum?"
Hilde machte ein melancholisches Gesicht.
.Fieber Gott, der arme Mensch ist doch selbst so sttll und ernst geworden. Man kennt ihn kaum wieder. Soll ich ihm da auch noch ein grilliges Gesicht zeigen?"
Ruths Gesicht tötete sich.
»War er früher lebhafter und fiöhlicher? Ich kenne ihn nicht anders, als er jetzt ist."
Hilde nickte, als wollte sie sagen: „Das verstehe ich sehr gut." Dann erwiderte sie laut:
„Ganz anders war er früher. Ja, ja, das Leben nimmt einen in eine harte Schule. Wit haben es an uns erfahren müssen, Hans Rochus und ich."
Sie stützte das Haupt in die Hand und pan* trübsinnig vor sich hin.
stände mit Nachdruck betonte und mit einem Hoch auf den Landwirtschaftsrat schloß.
— Elsaß-Lothringen vor der Kommission. Berlin, 15. Febr. In der Kommission des Reichstages für den Gesetzentwurf betr. die Verfassung Elsaß-Lothringens wurde der erste Teil des Zentrumsantrages (Absatz 1) wie folgt gefaßt: An der Spitze des Bundesstaates Elsaß- Lothringens steht ein Statthalter, der auf Vorschlag des Bundesrates vom Kaiser unter Gegenzeichnung des Reichskanzlers uuf Lebenszeit ernannt wird und nur durch Bundesratsbeschluß abberufen werden kann. — Die Annahme erfolgte mit 22 gegen 16 Stimmen. Dagegen wurde der Schlußsatz: Die Abberufung gilt als abgelehnt, wenn sie 14 Stimmen gegen sich hat, auf nationalliberalen Antrag gestrichen. — Die Erdschollen zum Grabe des elsaß-lothringischen Verfassunqsentwurfes fliegen nur so. Staatssekretär Delbrück nannte einen Bundesstaat mit einem lebenslänglichen Statthalter an der Spitze eine „staatsrechtliche Unmöglichkeit". Das stimmt freilich nicht so ganz, denn die drei Freien Städte bei uns, die doch auch Bundesstaaten sind, haben ganz ähnliche Verhältnisse. Aber das ist es ja eben: man will uns als 26. Bundesstaat eine verkappte Republik auf den Hals setzen, dazu ausgerechnet an der französischen Grenze. Dagegen wehrt sich wohlweislich die Regierung — und es wäre bald Zeit, daß sie das Totenglöcklein für die Vorlage rührte. Wir können doch nicht deshalb unser Reich umkrempeln, weil ein paar Reichstagsmandate des Zentrums und der Nationalliberalen in Elsaß- Lothringen sonst ins Wackeln kommen.
— Der erste Parteitag d« Zentrums. Mit Rücksicht auf die Bedeutung der kommenden Reichstagswahlen besteht nach den .Leipziger Neuesten Nachr." die Absicht, zum ersten Male einen deutschen Parteitag des Zentrums einzuberufen.
Ausland. 5
* * Der Papst erkrankt. Köln, 15. Febr. Die »Köln. Volksztg." meldet aus Rom: Der Papst ist an Influenza erkrantt und muß das Bett hüten. Alle Audienzen sind bis auf weiteres abgesagt.
* * Der König von Serbien in Rom. Rom, 15. Febr. Der König von Serbien ist hier eingetroffen und vom König von Italien feierlich empfangen worden.
* * Spanien und Portugal. Badajoz, 15. Febr. Hier wurde in dem Augenblick, als er nach Lissabon abreisen wollte, ein Mann verhaftet, der verdächtig ist, ein portugiesischer Artilleriehauptmann zu fein; bei ihm wurde ein Plan der Befestigung von Badajoz, ferner Aufzeichnungen über die Stärke der in Vajadoz lie-
Ruth befiel ein lähmendes, ur behagliches Gefühl bei Hildes Wotten, dem sie keinen Namen geben konnte. Sie hätte um die Welt auf diese berechnete Bosheit keine Antwort gefunden.
Hilde warf einen Seitenblick zu l;r hinüber. In ih en Augen flackerte ein böses Licht.
„Ob dieser Eiszapfei durch nichts zu erschüttern ist," dachte ste voll boshafter Neugier.
Sie beneidete Ruth glühend um ihren Reichtum, mit dem sie sich iftes kaufen konnte, was ihr Herz begehrte, und es hätte ihr eine wahre Genugtuung be- re,.el, ihr recht wehe zu tun.
Daß zwischen Hans Rochus und seiner Frau noch immer ein kühles, formelles Verhältnis bestand, merkte ste schon in den ersten Stunden. Wie hätte es auch anders sein können. Der übermütize, lustige, tolle Rochsberg, und diese steife, unbedeutende Frau mit der steinernen Miene — das gab doch im Leben keine Harmonie. Hans Rochus tat ihr wahrhaftig leid. Es war einfach Christenpflicht, ihn ein bißchen aufzumuntern. Wenn ste geahnt hätte, daß Hans Rochus am liebsten gesehen, wenn sie schleunigst wieder nach Hause zurückgekehrt wäre? Es war ihm jetzt geradezu störend, daß et mit Ruth nicht allein sein konnte, und immer Hilde» neugierige Augen sein Tun beobachteten. Und e» war eine treibende unklare Sehnsucht in ihm, das Wesen seiner Frau zu ergründen, fich zu erschließen.
Die geplante Reise «ach Berlin hätte er gut noch verschieben können, aber jetzt war es ihm lieb, daß er fort kam. Vielleicht wurde er fern von Ruth wieder ruhiger. Diese heimliche Unrast ließ ihr. in ihrer Gegenwart nicht mehr los. Fern von ihr wurde er vielleicht eher klar, wie er sich ihr gegenüber verhalten sollte.
Als Hilde erfuhr, daß Hans Rochus auf acht Tage nach Berlin reisen wollte, war sie sehr unangenehm Überrascht. Sie brauchte nicht «ehr zu heuchel«, um
genden Streitkräfte und Schriftstücke über He Organisation der republikanischen Elemente ge» funden.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Cnginatartttel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe «Oberheff. jjtg.' gestattet.)
Marburg, 16. Febr.
* I« den Ruhestand tritt am 1. April Herr Katasterkontrolleur Steuerinspektor Eieseler.
T Sechstes Konzert des Marburger Konzert« Vereins. Es gibt nicht viele Persönlichkeiten im deutschen Musikleben der Gegenwart, die so sympathisch anmuten in der vornehmen Auffas« sung ihres Künstlertums, wie Professor Karl Friedberg aus Köln, der gestern hier einen Klavierabend veranstaltete. Mit der technischen Meisterschaft, die durchaus über der Sache steht und jeden, auch den widerstrebensten Stoff, in reine Formen zwingt, vereinigt die Pianist die Gabe, den musikalischen Gehalt des jeweiligen Gegenstandes feinsinnig aufzuspüren und mit unfehlbarem künstlerischem Instinkte die Verteilung der Eefühlsakzente abzuwägen. Neben eine wohl angemessene Zurückhaltung, die das von edlem Formensinn gebändigte Temperament verrät, tritt nicht selten ein hinreißender Schwung, eine grandiose Wucht, die auch dem erschütterndsten Inhalt gerecht wird. Welch reiches, reifes Innenleben spricht aus diesem Spiel, — stürmische Größe und linde, besänftt» gende Zartheit quellen unter seinen Händen hervor, wenn Friedberg Schumanns „Sinfonische Etüden" vor uns hinstellt, wenn sich au» dem Eewoge der Töne zum ©reifen deutlich die Motive herausheben oder in weitgespanntem Vogen singende Melodien einherziehen? Wie eindringlich verkörperte er das dramatische Leben, das durch die drei Klavierballaden flutet (er spielte Gustav Jenners kis-Moll, Chopins 8-Moll und einen späten Brahms in x-Moll aus op. 118 — und dann noch, weniger dramatisch als abrupt und verworren, eine junge Ballade desselben Komponisten aus op. 10). Auch für das Sinnig-Schöne fand er die richtigen Töne, so in Franz Schuberts v-Dur- Rondo op. 53 und in dem Variationen-Jm- promptü op. 642, 3. Ein nicht weniger köstlicher Genuß war ferner die Darbietung von Johannes Brahmsens Ls-Dur-Jntermezzo op. 117, 1 (mit dem alten Volksliedermotto aus Herders Sammlung) und der Ls-Dur-Rhapsodie op. 119, 4. In ritterlichem Glanze erstrahlte Chopins ^s-Dur-Polonäse, bei der allerdings die Einleitung ein gut Teil zu rasch genommen wurde; die Bravourleistung von Liszts neunter „Ungarischer Rhapsodie" machte den Beschluß.
* Lehrlinge für das Handwerk. Die König!. Regierung zu Cassel hat auf Antrag der Hand-
eine betrübte Miene zu machen. Sie saßen zusammen auf der Veranda, welche zu beiden Seiten der Freitreppe die ganze östliche Front des Schlosies einnahm. Gleich darauf verabschiedete fich Hans Rochus von den Damen, um noch einmal einen Inspizierungsritt vorzunehmen, weil er am nächsten Morgen abreifen wollte.
Als er die Treppe hinunterschritt, um Ramtro z» besteigen, den ein Knecht auf- und abführte, hing fist Hilde in seinen Arm.
Hans Rochus wußte, daß Ruth herübersehen konnte. Es war ihm unangenehm, daß Hilde sich so zärtlich an ihn schmiegte. Was mußte Ruth nur denken?
Dunkle Röte stieg in sein Gesicht. Er fand Hildes Betragen taktlos. Wenn er jetzt die beiden Frauen miteinander verglich, so fiel dieser Verglich sehr zu Ruths Gunsten aus. Hildes Kokettieren erkältete ihn immer mehr. Trotzdem vermochte et nicht, sie brüsk zutückzuweifen. Sie war als Dame und ab fei- East feines ritterlichen Benehmens sicher.
„Es ist wirklich nötig, daß ich reife, Hilde," fegte er ruhig.
„Ach, bann hattest bu mich gar nicht nach Rochsberg einlaben sollen. Was soll ich hier, wenn b« nicht ba bist?"
„Aber, Hilde, Ruth bleibt doch hier."
Sie zog ein Mäulchen.
„Ach — Ruth — weißt du — ste ist doch recht langweilig —"
Seine Stirn zog fich kraus.
„Alle Frauen können ni*1 so ouecElbrig fein wie bu,“ sagte et halb ernst, halb scherzend.
Sie machte große Augen.
„Geh — bu willst mich doch nicht glauben machen, daß bu Ruth amüsant findest!"
Sein Gesicht verfinsterte fich.
(Fortsetzung folgt)