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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

Jti 40

TieLberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Aasna..i.ie oer sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch jic Po^ bezogen 2.25 M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zei'ngsstellen uno be: Expedition (Markt 21), 2.00 M. frei ins Haus. (Für unver­langt zuaekandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Markt 21, Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 16. Februar

Xer Anzeigenpreis beträgt jür Oie 7 g.ipaltene Zeile ooet deren Raum 15 -Jj, bei auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 40 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Ieoet Rabatt gilt als Varrabatt. Bet Konkurs kein Rao^tt Verbindlich­keit für Platz-, Datenvorjchrift und Beleglieferung ausgeschlossen. Für Anzeigen, bet denen der Auftraggeber tn der Expedition mitgeteilt werden soll, wird eine Gebühr von 10 4 erhoben

saa

46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Neuer Aufstand tn Südwest?

Von einem Mitkämpfer im Hottentottenfeld­zug wird uns geschrieben:

Wieder rasseln Telegraphenapparate und blitzen Heliographen. In das ewige Einerlei des Friedenslebens ist der Befehl wie ein Blitz gefahren, mobil zu machen. Auf der öden Sta­tion Ramansdrift, wo die große Heerstraße wenn man von einer solchen sprechen kann von Steinkopf in der Kapkolonie kommend den Oranje schneidet, um nach Warmbad und schließ­lich Keetmanshoop zu führen, hat man in der Nacht vom 7. zum 8. Februar Eewehrfeuer ge­hört. Die englische Polizei hat uns pflichtgemäß benachrichtigt, daß Teile des am 16. März 1908 von dem Hauptmann v. Erckert gründlich ge­schlagenen Oorlogs des listigen feigen Simon Copper bei Pella stehen und Miene machen, auf deutsches Gebiet überzutreten. Bewaffnete Hor­den von Hottentotten sind bereits auf deutschem Gebiete festgestellt worden, und so ist es unzwei­felhaft, daß wir wieder am Beginne kriegerischer Unternehmungen stehen, die möglicherweise grö­ßeren Umfang annehmen können.

Die Simon-Copper-Leute erhielten von den Engländern ein Gebiet mitten in der Kalahari an der Sttaße von Seatsub nach Lehutitu zu­gewiesen, von wo aus eigentlich nur zwei Wege nach dem Süden führen, die sich an der Mün­dung des großen Nosob in den Molopo, auf der Farm des berüchtigten Scotti Smith schneiden. Von dort aus führen wiederum zwei Wege weiter nach Süden zum Oranje. Die westliche Pad berührt die durch Morengas Tod auch in Deutschland bekannt gewordene Farm Fenzam- heid und führt von da nach Back Riviermund. Die andere läuft hart an der Grenze entlang, beide durch ziemlich besiedelte Gegenden, in denen freilich das farbige Element absolut vor­herrscht. Daß hier der ausgezeichnete Kund- skbaftsdienst der englischen Polizei vertagt bat. flößt Bedenken ein und kann nur die Annahme rechtferttgen, daß es sich hier um eine wohlvor­bereitete Unternehmung der Eingeborenen han­delt. Diese Bedenken und Sorgen werden ver­stärkt durch die Nachricht, daß die unversöhn­lichen Bändels, welche nach dem Friedensschluss« tm En^liscb-n verblieben und auf den Farmen um Steinkopf Beschäftigung suchten, plötzlich da­von gelaufen sind: natürlich zu Simon Copver. Wieviel Zuzug diese aus dem gefährlichsten Schlupfwinkel der Grenzgebiete, dem schwer zu- tzänakichen, nur ävfterlich unter britischer Kon­trolle stehenden Richtersvelde, bekommen haben, läßt sich nur abnen. Hier Hausen auch jene ge­fährlichen weiften Subzekte, die während des Ausstandes mit Munition und Gewehren einer-

88 verboten.)

Der stille See.

Roman von tz. Courths-Mahler.

kRorttetzong.)

Hilde Sontheim hatte mit Freuden di« Einladung nach Rocksberg angenommen. Sie langweilte sich zurr Sterben in ihrer engen, stillen Stadtwshnung. Und ihre Mutter macht« ihr durch Grillen und Vor­würfe das Leben zur Qual. Die Eenerall« konnte es Hilde nicht verzeihen, daß sie sich durch ihren Leicht­sinn die glänzende Verbindung verscherzt hatte.

Als ob Hilde sich nicht selbst genug Vorwürfe ge­macht hätte. Sie war in einer greulich unzufttedenen Stimmung und haderte mit sich und der ganzen Welt.

Verkehr und Unterhaltung gab es im Sommer hi.r fast gar nicht, und zum Reisen fehlte eben im­mer wieder das Geld. Es gab gar nichts zu flittrn und zu kokettieren, und das war ihr doch nun mal Lebensbedingung. So ohne alle Verehrung auszu­kommen, war für das schöne Mädchen unerträglich.

So begrüßte sie die Einladung nach Rochsberg mit Freuden. Erstens entging sie für einige Zeit dem Zusammenleben mit der Mutter, und dann sah man doch schließlich in Rochsberg zuweilen Men­schen. Auch mußte es ganz amüsant sein, mit Hans Rochus ein wenig das alte Spiel aufzufrischen. In Ermangelung eines anderen Verehrers war es viel- keickt ganz unterhaltend, den jungen Ehemann eia Mtzcben anzuf-uern. Mit derMadonna ohne Gnade" Würde er sich ohnedies in Rochsberg sträflich lang­weilen. Wahrscheinlich hatte r große Sehnsucht nach Unterbrechung der Zweisamkeit und rief nach ihr, »nd würde nicht abgeneigt sei«, sich von ihr ein bißchen tröste« zu lasse«.

seits, Ochsen und Reittieren andererseits Bom­bengeschäfte machten, zum großen Teil russische Juden.

Aber auch in Südwest selbst droht die Gefahr. Die Bondels sind in vier Reservaten unterge­bracht, und zwar in Draaikoek, Warmbad, Gabis und Haib. Ruhig und arbeitsam sollten sie sein, so hieß es in den amtlichen Berichten. Ja, we in die Seele eines Hottentotten sehen könnte' Gar schnell ändert sich sein Sinn, und die Wei­ber, die heute noch sich ihrer bunten Kleider freuen, stehen morgen gern hinter den Schützen­linien und feuern ihre Männer zu Taten gegen die verhaßtenDuitsmans" an. Rur einiger an sich bedeutungsloser Erfolge bedarf es, diese kriegslustigen Gelben zu den Gewehren greifen zu kaffen. Das Kriegshandwerk behagt ihnen bester, als der Dienst beim Weißen. Ist ihre Zahl auch klein. Hier ist es das Land, das wir bekriegen muffen und das gerade die Einaebo- renen so gut kennen. Die nächsten Nachrichten werden erst zeigen, welchen Umfang die krie­gerischen Unternehmungen annehmen werden, aber gefährlich genug sieht es auch nach den bis­herigen Meldungen schon aus.

Deutsches Reich.

Bon der Reise des Kronprinzen. Kal­kutta, 14. Febr. Der Kronprinz besichtigte heute vormittag eine große Zutefabrik. Nachmittags begab sich der Kronprinz mit dem deutschen und englischen Gefolge auf dieGneisenau", wo ein Abschiedsmahl stattfand. DieEneisenau" und dieLeipzig" gingen sodann nach Osten ab. Der Thronfolger wird den Rest des Avfenthaltes in Indien in Sunderbunds verbringen, um einen weiteren interessanten Teil des Landesinnern kennen zu lernen. Die Rückkehr nach Kalkutta erfolgt am 22. ds. Mts. Der Kronprinz be­suchte gestern das Museum und begab sich dann nach Sunderbunds. Der Direktor der hiesigen deutschastatischen Bank Eutschke veröffentlicht einen deutschen Artikel in der Wochenschrift Englishman", in dem er den Bürgern für die Gastfreundschaft dantt, die ste bei dem Besuch des Kronprinzen zeigten. Die Deutschen in Kalkutta beschlossen, aus Erkenntlichkeit für den Empfang des Kronprinzen und der deutschen Seeleute, für das alljährliche Rennen einen Pokal als Preis zu stiften.

Die Indiskretionen von Kommiffionsmit- gliedern im Reichstag. Zn der Budgetkommis- ston des Reichstags gab der Vorsitzende Freiherr v. Gamp (Retchsp.) vor (Eintritt in die Tages­ordnung folgende Erklärung ab:Die Mittei­lung der französischen ZeitungMatin" übe* den Inhalt der vertraulichen Erklärungen, die der Herr Staatssekretär des Auswärtigen Amtes in der Budgetkommistion bei Beratung des Ee- fttzes über die Friedensvrälen'stärke des bcv+= g==a 1 i' a= ---

Auf Ruth irgendwelche Rücksicht zu nehmen, fiel ihr nicht ein. Im Grunde mochte sie diel« nicht ausstehen. Es konnte der langweiligen fischblütigen Krämerstochter" gar nichts schaden, wenn ste ein bißchen aus ihrer Ruhe aufgescheucht wurde. Was sie wohl sagen würde, wenn sie müßte, wieverschosiev" Hans Rochus in sie selbst gewesen war. Er war dock toll verliebt gewesen in sie, der gute Junge. Oder, wenn Ruth merkte, daß seine Leidenschaft für Hilde von neuem erwachte? Daß es ihr nicht schwer fallen würde, diese Leidenschaft wieder zu erwecken, davon war Hilde fest überzeugt. Sir besaß viel Selbst­bewußtsein. Ob Ruth dann wohl ihre großartige Ruhe und Gleichmäßigkeit verlor? Ob sie zornig und heftig werden konnte, wie andere Frauen auch?

Dies zu ergründen, konnte nicht ohne Reiz sein. Jedenfalls würde es ihr die Langeweile verscheuchen.

Mit diesen menschenfreundlichen Gesinnungen rüstete sich Hilde für ihre Uebersiedelung nach Rochs­berg. Ihre Mutter war einverstanden mit diesem Be­such, da sie auf einige Zeit eine alte Freundin auf­suchen wollte.

So trennten sich Mutter und Tochter mit heim­licher-Befriedigung, als Ruth kam, um Hilde abzu­holen. Die beiden Damen fuhren nach Rochsberg hinaus. Ein befriedigtes Lächeln umspielte Hildes Mund, als ihnen halbwegs Hans Rochus tm Walde entgegenkam. Sie glaubte, die Sehnsucht nach ihr habe ihn dazu veranlaßt.

Sie begrüßte ihn mit bezaubernster Liebenswür­digkeit und Vertraulichkeit.

Gottlob, Hans Rochus, daß ihr mich losgeeist habt. Es war zum Versauern in unserem verschlafenen Residenzchen. Mama läßt grüßen."

Er dankte artig, aber ein wenig reserviert.

Unterwegs plaudette sie in ihrer witzige«, ele­gante« Att mit ihm. Ruth hörte still ge. Um eine

schen Heeres gemacht hat, hat einigen deutschen Zeitungen Veranlaffung gegeben, gegen die Budgetkommistion bezw. einzelr. Mitglieder derselben den Vorwuf des Vertrauensbruches zu erheben. Dieser Vorwurf findet dadurch seine Widerlegung, daß, wie ich hiermit festzu- stellen mich für verpflichtet halte, die Angaben desMatin" in allen wesentlichen Punkten un­richtig sind." Diese Erklärung fand allseitige Zustimmung. In der Schiffahrtsabgaven-Kom- mistion brachte vor Eintritt in die Tagesord­nung der Vorsitzende die Mitteilungen zur Sprache, die über vertrauliche Erklärungen des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes ge­macht worden sind. Er stellte fest, daß kein Mitglied der Kommiffion der Vorwurf der In­diskretion trifft. Der betr. Abgeordnete habe als Zuhörer vorübergehend der Sitzung bei­gewohnt und den vertraulichen Charatter der Erklär"naen nickt oeknnnt.

Dr. Böhme. Aus Salzwedel wird ge­meldet: Zn Oebisfelde fand eine Vertrauens- männerversammlung des Deutschen Bauern­bundes statt, die von über 70 Vertrauensmän­nern aus allen Teilen der Kreise Salzwedel und Gardelegen besucht war. Einstimmig wurde Dr. Böhme, der gegenwärtige Vertreter des Reichs­tagswahlkreises Marburg, der Syndikus des Bundes, als Reichstagskandidat aufgestellt. Der bisherige Vertreter des Wahlkreises Salzwedel- Gardelegen ist Herr v. Kröcher, der auch das nächste Mal wieder kandidieren wird.

Die militärische Besatzung im kolonialen Unruhegebiet. Zu den Unruhen -.n der Südost- grenze Deutschsüdwestatrikas -»rfäfirt s"' "

von unterr' hteter Seite nächst chende Einzel­heiten über die militärische Lage: Kommandeur des Südbezirks ist Major Erautoff, der jedoch zur Zeit von Major Hinsch vertreten wird. Zm Süden sind stationiert die 8. Kompagnie in Warmbad unter Oberleutnant Petter mit einem Poften in Uhabis: die 2. Kompagnie in Kanu unter Hauptmann Brentano mit einem Posten in Nuradas: die 3. Batterie in Kais unter Hauptmann Pabst: die 1. Batterie in Naru^is unter Hauptmann Krüger und der Maschinen- gcwehrzuq Rr. 3 unter Oberleutnant Lorch in Eburutabes. Diese sämtlichen Truppenteile sind sofort versüobor und aesecktsbereit mit Aus­nahme der 8. Komvaanie. welcher die Bewachung der B"vdel«lokationen obliegt.

Die Laae der Aerzie im Peftaeviei. Die us- siicbe Reoietuna bot bekanntlich andere Länder, dat- unf-r auch Deutschland, gebeten. Aerzie in das ost- asiottscke Pestoebiet entsenden zu wollen. Demaegen- Über ist der Brief eines Arztes über die Lage der Aerrte im Pcstoickiet VXvt int»resi"nt. den die ..Täql. Rundschau" netöffentfidit Danach werden die an­kommenden A-rzte von Soldaten soos-iH tn die Best- borocken aekührt. mo st; mehrere Wochen völlig oboe- schloffen von'er Außenwelt, ohne auch nur einmal ftitche Luit schövien zu können, zubrinoen müllen

Welt hätte sie nicht so amüsant über Richtigkeiten, sprechen können wie Hilde.

Hans Rochus wurde auch lebbaft. Diese beiden Menschen verstanden sich, sie gehörten einer Geiell- schastsklalle an und fanden in jedem Wort Berüh­rungspunkte. Ruth kam sich felost entsetzlich steif und unoelenk vor. wenn sie die beiden betrachtete. A's man in Rochsberg anaekommen war, wollte Ruth Hilde nach ihrem Zimmer begleiten, Hilde wehrte lachend ab.

Ich finde mich schon selbst, Ruth. Du hast mich doch i meinen alten Zimmern tm Eckturm unterge­bracht?"

Ja. Du sollst alles haben wie sonst."

Schön, dann bl«ibe -tut bei d«inem Eheaespons. Ich ziehe mich schnell um und komme bann in den Sveisesaal. Ich spüre schon die Wirkung der Land- luft."

Hilde svrang graziös die Treppe hinauf und warf ein Kußhändchen zurück. Ruth folgte ihr, um sich gleichfalls umzukleiden.

Sie beeilte sich nickt damit, und als sie in be«t Sveisesaal trat, fand sie dort Hilde schon in ange­regter Unterhaltung mit Hans Rochus.

Hilde batte sich bildschön --ernackt. Sie trug eine weiße duftige Robe, die all ihre Reize zur Geltung brachte. Darin war sie Meisterin.

Als Ruth eintrat, zog sich Hildes Stirn in Fal­ten. Die Erästn von Rochsberg sahunglaublich" vornehm und feudal aus, garnicht wie eine .Krämers­tochter". Freilich, wer sich auch solche Toiletten lei­sten konnte?

Du ttägst ein märchenhaft schönes Kostüm, Ruth, Worth oder Gerson?"

Reins von beiden, es ist bei Kranz gearbeitet."

Unglaublich! Der Hoflieferant unserer Fran i Herzogin leistet sich doch sonst meist nur Geschmack- >

Draußen stehen Soldatenposten Tag und Nacht, um für Fälle auch ein heimliches Ei.tkommen zu ver­hindern, was von den verzweifelten Lebendig-Be- grabenen zuweilen versucht wird. Haben die Aerzie ein Vierteljahr hinter sich, so wird ihnen die Rück­kehr in die Heimat freigestellt: die reisten sollen aber bann am Ende ihrer Kräfte sein. Man müße vor Pest-Praxis" warnen, trotzdem die russische Regie­r'. ig den Aerzten 500 Rubel monatlich und Reife» spejen zahlt.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller DriginalartUel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberhesf. Ztg.' gestattet.)

Marburg, 15. Febr.

* Universität. Definitiv ernannt wurde der Professor Dr. rncd. Max Matthes, ordentliches Mitglied der Akademie für praktische Medizin in Köln und Chefarzt an der Krankenanstalt £,s.r...tg $um yrde-itttchen Professor für innere Medizin und Direttor der medizinische« Klinik an der Universität Marburg als Nach­folger von Prof. Brauer. Prof. Matthes (g^b. 1865 zu Eroß-Salze bei Magdeburg), gehörte von 18931905 dem Lehrkörper der Universität Jena an. Die Berufung haben wir bereits vor längerer Zeit gemeldet.

* Der Schulunterricht begann heute in den oberen Klaffen bereits um 8 Uhr.

* Fottbildungsverein. Im Hörsaal 10 des iittU vetsiMsaebaudes svrach am Montaa Abend vor zahl­reichen Damen und Herren Herr Privatdazent Lic. Bornboulen überSch'llers velönlicke Stelluna zur Religion". In 'einer Einleitung gab der Redner zunächst eine Erläuterung bet Bezeichnung naive und sentimentale Dicktung. Sckiller sei im Gegensatz ;n Goethe, der als naiver Dichter gelte, zu den senti­mentalen Dicktern zu rechnen. Der Unte schied zwi­schen sentimentalen unb naiven Dicktern bestehe barin. baß bte ersteren nur bestimmte Cegenstänbe in ben Bereich ihrer Dichtungen ziehen, während der naive Dichter alles behandle. Schiller benutzte zu seinen Dichtungen Antike, Geschickte und in der Genenwart seine eigene Kunst, sowie Themen Kants und Goethes. Daraus, wie Schiller von Freiheit und Gutem und Bösem redet, kann man feine Stellung zur Religion erkennen. In seinen Dichtungen schuf er keine religi­ösen Persönlichkeiten, er interessierte sich mehr für Eerecktiakeit und Sittlichkeit. Wenn man sucht, was in Schillers Dichtungen in Beziehung zur Religion steht, so ist es seine gelunde religiöse Anschauung, die sich darauf stütz., daß die Religion auf sittlicher Grundlage beruhen müffe. Schiller glaubte an den Si-3 des Guten unb Wahren; Religion muß nach seiner Anschauung bei ben Mengen in seinem Tun unb Lasten zu erkennen sein. Wer Schiller sich z« eigen machen will, kann jeber Konfession anaehöten Reicher Beifall lohnte ben Redner für ben Vortrag, besten Gedankengang wir hier nur in großen Um­rissen anbeuten.

* Kolonialverein. In der hiesigen Abteilung der Deutschen Kolovialaesellschaft svrach gestern abend Herr Profeffor Dr. Bredt über ..Eine ReisenachAegypten". Zu dem Vorträge

losigkeiten. Dieses Kostüm hätte ich ihm nie zuge- traut.

Ich laste alles dort arbeiten mit wenig Aus­nahmen. Aber ich bestimme stets die Art meiner Toiletten unb gebe genaue Angaben. Meist entwerte ich bte Zeichnung selbst dazu und gebe auch die Far­ben an."

Hilde hörte erstaunt zu, und Hans Rochus musterte aufmerksam Ruths Kleid. Daß sie sich immer sehr geschmackvoll und vornehm trug, hatte et schon oft mit Befriedigung bemertt, ohne sich darum zu küm­mern, woher sie ihre Toiletten bezog. Run war ihm auck das Eigenartige, Individuelle ihrer Kleidung erklärlich, als er hörte, daß sie ihre Kostüme gleich­sam selbst ersann unb entwarf. Deshalb hatte ihre Erscheinung, nie etwas Schablonenhaftes, obwohl sie bie Mode berücksichtigte unb sich ihr gleichsam an- schmiegte. Hilbe bemertte ben prüfenden Blick, mit dem er Ruths Kleid betrachtete. Sie lächelte spöttisch.

Gib dir keine Mühe, Hans Rochus, davon ver­stehst du nichts."

Aber bitte sehr, für schöne Toiletten habe ich im­mer Verständnis gehabt," sagte er, feinet Frau eine leickte Verbeugung machend.

Sie schien es gar nicht zu bemerken und nahm ihren Platz an bet Tafel ein.

Bei Tisch entstand zwischen Hilde und Hans Rochus ein heiteres Mortgevlänkel. Die iunge Dame war sehr lustig und aufgeräumt. Ruth beteiligte sich wenig am Gespräch. So oft Hans Rochus auch de« Versuch macht:, sie in die Unterhaltung zu ziehen, fk machte sich immer wieder mit einer kurzen Bemerkung frei.

(Fortsetzung folgt.)

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