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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

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DieOberhessijche Zeitung" erscheint täglich mit Ausna.,i.ie oer öonn= und Feiertage. Der Bezug^prei s beträgt vierteljährlich durch jte bezogen 2.25 <* lohne Bestellgeld), bei unseren Zei>ngsstellen und de: Expedition (Markt 21), 2.00 <K frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der llniv.-Buchdruckerei 3- A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Markt 21, Telephon 55.

Marburg

Dienstag. 14. Februar

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46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Eine Rede des Herzogs Johann Albrecht.

Gestern fand in Bremen die sogen. Schaffer­mahlzeit statt, an der zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten aus Bremen und den benach­barten Bundesstaaten teilnahmen. Darunter befand sich auch der Regent des Herzogtums Braunschweig, Herzog Johann Albrecht zu Meck­lenburg, der eine Ansprache hielt, in der u. a. ausführte:

Oft und gern weilte ich in Bremens Mau­ern, und Bremer Schiffe trugen mich über die Ozeane fast aller Zonen. Menn ich hinauf­schaute zu den Masten Ihrer Schiffe, so kamen mir doch allerhand Gedanken und Vergleiche zwischen einst und jetzt. Ehe Sie einzogen in Ihr altehrwürdiges Haus, da sank langsam, aber sicher trotz äußeren Glanzes Deutschlands Kaiser­macht, untz die auf sich gestellten Fürsten paraly­sierten ihre Kräfte im gegenseitigen Kampfe. Nur draußen auf den Wogen der Meere, da wr ein Gedanke, und ob über den Masten ihrer Schiffe auch mancherlei buntes Tuch flatterte, ein Gedanke bewegte alle und vereinigte sie, der alte hanseatische Geist, alle Kräfte, unter wel­chen Farben sie auch waren, zusammenzufaffen zu seinem großen Werk. Jetzt erstrahlt das Deutsche Reich in alter Macht, in neuem Glanz Deutsch­lands Kaiserkrone. Inmitten Europas steht als gebietender Friedensbewahrer das Deutsche Reich. Wie steht es aber mit dem alten Geist in der Ferne und daheim? Unter dem schwarz­weiß-roten Tuche steht man einen wilden Kon­kurrenzkampf, einen Kampf alle gegen alle, ein Auseinandergehen deutscher Interessen, und das zu einer Zeit, wo die fremden Völker alle Kräfte zusammenfassen. Wir sehen Schritt für Sckritt den Deutschen zurückweichen, und manch ernstes, sorgenvolles deutsches Auge blickt empor zu den hohen Masten mit der Frage: Wann wird das Danner niedersinken, um dem Unionjack, der Trikolore und sogar dem gelben Drachenbanner Platz zu machen? Das ist ein ernstes Wort, aber ich meine, gerade an dieser Stätte darf es wohl von jemand, der ein warmes Herz für den deut­schen Handel, die deutsche Seefahrt hat, gespro­chen werden, und von hier aus der Ruf er­schallen, ehe es zu spät ist: Alle Mann ans Werk! An die Reeder, die Eroßschiffahrtsgesell- schaften, die Berowerke und die Industrie richte 'ich den Appell: Schließt euch zu sammen wie die- anderen, unter den großen Gesichtspunkten zum Wohle des Ganzen, dann wird der alte Hanfa- geist aufleben, dann wird er zu neuer Kraft sich entwickeln, und unser Handel, unsere Seefahrt

wird die Stelle unter den Nationen erwerben, die dem deutschen Handel und der deutschen See­fahrt gebührt."

Eine lehrreiche Friedensrede.

Bei der Ueberreichung der Nobelpreis-Erin­nerungsmedaille an den Vorkämpfer der Frie­densbewegung, d'Estournelles de Constant, glaubte der französische Senatspräfident Dubost folgende Ansprache halten zu müssen:

Vergessen Sie bei Ihren rühmenswerten Bemühungen um den Weltfrieden nicht, daß wir Söhne des verstümmelten Frankreichs inmitten des waffenstarrenden Europas die Hand auf den Degenknauf gestützt, die Stunde der ausgleichen­den Gerechtigkeit erwarten. Den Tag der all­gemeinen Menschenverbriiderung werden wir wohl kaum erleben."

Die Ansprache wurde in Gegenwart Pichons, zahlreicher Senatoren und Deputierten sowie der Botschafter der Vereinigten Staaten und der Türkei und mehrerer anderer Mitglieder des diplomatischen Korps gehalten. In Deutschland werden dieFriedens"apostel immer weiter er­zählen, daß man in Frankreich gar nicht an den Krieg denke, und daß dasW e t t r ü st e n" nur von den bösen deutschen Reaktionären inszeniert sei aus Gott weiß welchen persönlichen Gründen das Ausland ist ja so friedfertig!! Rur die deutschen Chauvinisten ärgern die bösen Friedensfreunde diesseits und jenseits der Grenzpfähle; wenn die nicht wären, hätten wir doch eitel Sonnenschein auf der Welt, so meinen unsere friedliebenden Volksgenossen, die nur die Deutschen hassen. Eine nicht gleichgültige Be­leuchtung erfährt übrigens auch die elstß-loth- ringische Verfassungsfrage durch die Friedens­rede desNobelpreises". Daß die Tatsachen doch stets die schönsten Programme und Phan­tasten in Unordnung bringen!

Der Fall Bernhard.

In der Samstagssttzung des Landesökonomie­kollegiums erklärte Professor Gering in persön­lichen Bemerkungen: Sie haben gewiß von der gegen mich und meine Fachgenossen der hiesigen Universität gerichteten Verdächtigungen gelesen. Die Beschuldigungen fanden durch eine gewisse Berliner Presse Verbreitung bis in die auslän­dische Presse hinein, als ob wir darauf aus­gingen, aufstrebende Talente aus Konkurrenz­furcht und pekuniären Gründen zu unterdrücken. Dies geschah in einer Zeit, als wir wie die Ur­heber der Veschuldiaunaen zu Stillschweigen ver­pflichtet waren, weil von der Rettor der Uni­versität eine Kommission von unparteiischen Ge­lehrten zur Untersuchung der Angelegenheit im

j Einverständnis mit den Parteien eingesetzt wor­den war. Diese Kommission hat ihr Urteil ab­gegeben. Die gegen uns erhobenen Beschuldi­gungen wurden für unbegründet erklärt und der Urheber selbst hat ihre Unrichtigkeit anerkannt und mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückge­nommen. Er hat auch die Berichte der gesamten Presse desavouiert, aber diese hat es nicht für nötig gehalten, die Beschuldigungen zurückzu­nehmen. Aus diesen Gründen war es notwen­dig, dem Landesökonomiekollegium Kenntnis von der Saklage zu geben."

Die unerquickliche Angelegenheit hat, wie es scheint, übrigens eine neue Verschärfung erfah­ren. DieD. Tagesztg." teilte mit, daß diq. philosophische Fakultät der Berliner Universität eine von allen unterzeichnete Eingabe an den Kultusminister hat gelangen lassen, in der die weitere Zugehörigkeit Bernhards zur Berliner Fakultät als nicht wünschenswert bezeichnet wird, da er nicht mehr das erforderliche Ver­trauen und die nötige Achtung genieße. Man erinnert sich, daß zwischen Prof. Bernhard und den älteren Nationalökonomen der Berliner Universität durch Vermittelung des llnterstaats- sekretärs Dr. Schwartzkopf nach dem heftigen Zwist in der Oeffentlichkeit eine Einigung zu­stande gekommen war. Zur völligen Beilegung war eine Schiedskommission eingesetzt worden. Auf Grund des Berichts dieser Kommission ist offenbar die Erklärung der Fakultät erfolgt. Die Frkf. Ztg." erfährt dazu, Prof. Bernhard habe dort feierlich versichert, daß gewisse Mitteilun­gen, die in Berliner Blättern erschienen waren, nicht von ihm den Redaktionen zugegangen seien. Durch ein Wort, das einem Redakteur einer Berliner Zeitung versehentlich entschlüpfte, sei aber festgestellt worden, daß jene Versicherung Bernhards den Tatsachen nicht entspreche.

Die Eingabe der Fakultät ist außerordentlich ungewöhnlich und eine schwere Kränkung Prof. Bernhards. Man wird vor allem abwarten müssen, was er dagegen zu sagen bat. Ebenso ungewöhnlich ist das Auftreten Prof. Gerings im Landesökonomiekollegium, das mit dem Hochschulstreit doch kaum etwas zu tun hat. Das Verhalten Prof. Bernhards, dessen Berufung nach Berlin bekanntlich bereits verschiedene Konflikte hervorrief, scheint in der Tat nicht ganz einwandfrei gewesen zu sein. Ob diese öffentliche Aechtung aber das Richtige ist. muß doch erst durch die zu erwartenden Auf­klärungen erwiesen werden.

Der Kultusminister bat es abgelehnt, dem Wunsche der Fakultät auf Enffernung Professor Bernhards Folge zu geben, da dies nur im Weg-' des Disziplinarverfahrens möglich ist.

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Politische Umschau.

Indiskretionen.

Lothringische Abgeordneie Haven im Reichs­tage einen ständigen Attachee, der dort mit ihnen lustwandelt und sie ausholt, nämlich den Berliner Mitarbeiter desStatin in Paris, der früher französischer Prinzenlehrer in Mün­chen war und heute der unermüdlichste Inter­viewer der Reichshauptstadt ist. Richt jenes Interview ist echt; so war das des Eeneralfeld- marschalls Frhrn. v. d. Goltz neulich erschwin­delt. Und nicht jedes Interview ist wertvoll; manchmal werden Herrn Caro die unglaub­lichsten Gachen aufgebunden. Go berichtet er jetzt demMatin", der Gtaatssekretär von Kiderlen-Wächter habe sich in der Vudgetkom- mission des Reichstages außerordentlich pessi­mistisch über die Weltlage ausgesprochen. Wir trauen den elsaß-lothringischen Abgeordneten, die so vertraut mit demMatin"-Korrespon- denten stehen, kaum zu, daß sie ihn derart an- geschnurrt haben könnten. Die Erklärungen des Gtaatssekretärs waren geheim. Daß sie aber nichts weniger als pessimistisch waren, geht schon daraus hervor, daß auf Grund dieser Erklärun­gen verschiedene Abgeordnete eine größere Spar­samkeit in den Aufwendungen für unsere Wehr­macht als möglich hielten. So etwas sagt man nicht, wenn die Weltlage kritisch ist. Daß sie es wäre, wünscht natürlich derMatin", aber seit den Potsdamer Verhandlungen ist ihm die Ernte verhagelt. Sein betriebsamer Berliner Vertreter sollte einmal schon ausgewiesen wer­den, als er nach Paris gemeldet hatte, Deutsch­land stehe vor dem Staatsbankerott.

Zu den Steuerungen desMatin schreibt die Post: Da nicht anzunehmen ist, daß ein Kom­missionsmitglied unter Bruch der Diskretion einem auswärtigen Korrespondenten Mittei­lungen gemacht hat, so bleibt nur die Möglich­keit, daß diese Angaben auf Grund von Hören­sagen entstanden sind. Auf diesem Umwege dürften die Angaben in gänzlich verfälschter Gestalt in denMatin" gelangt sein. Ihrem Inhalte nach werden diese, wie diePost an amtlicher Stelle erfährt, als den tatsächlichen Steuerungen des Staatssekretärs nicht entspre­chend bezeichnet. Kürzlich sind über geheime Kommissionsberatungen schon einmal falsche Be­hauptungen ausgestreut worden. Man scheint aus dieser Art der Behandlung geheim zu hal­tender Fragen besondere Schlüsse ziehen zu wol­len, das besagt folgende Meldung: DieNord­deutsche Allgemeine Zeitung bemerkt zu den Indiskretionen über die vertraulichen Erklä­rungen des Staatssekretärs des Auswärtigen in der letzten Kommissionssitzung für das Schiff­fahrtsabgabengesetz, daß die Vertreter der Ver­bündeten Regierunoen, wenn sich die Oewobn-

34 fS<t*hru(f f'rfaten.)

Der stille See.

F'"- Roman von H. Court hs-Mahler.

1 Fortsetzung. >

Als sie später wieder zu Hans Rochus ins Zimmer trat, sah sie bleich und müde aus, und ihre Miene war starrer und lebloser denn je.

Hans Rochus ließ sich jedoch dadurch nicht mehr täuschen. Er wußte nun, daß sie sich mit Absicht den Anschein einer kühl und gleichgültig empfindenden Statur gab.

Und von dieser Stunde an betrachtete er sein 9P "i mit anderen Augen. Sein Int.resse an ihr war geweckt. Die nachsichtige Duldung, die er ihr gegenüber an den Tag gelegt, machte einem un­ruhigen Forschen Platz. Zu schnell und unerwartet war ihm die Erkenntnis aufgegangen, daß er Ruth unterschützt hatte.

Eins war ihm gewiß sie wollte ihm ihr Innerstes nicht preisgeben. Warum? Er fragte es sich immer und immer wieder. Hielt sie ihn für un­wert, ihm die Tiefe ihres Seins zu erschließen? War er ihr zu gleichgültig?

Er fand keine Aniwott auf seine Fragen. Fest stand es aber bei ihm, zu ergründen, was sie ihm verbergen wollte. Aber vorsichtig mußte er dabei zu «Ber'e gehen und sich in Geduld fassen. Zuerst mußte er versuchen, ihr Vertrauen zu erringen. Daß er es noch nicht besaß, hatte ihn diese Stunde gelehtt. Er war ehrlich genug, sich einzugestehen, daß er auch noch nichts getan, dieses Vertrauen zu gewinnen. So wie er Ruth bis jetzt entgegengetteten war, hatte er sich vollständig im Ton vergriffen. Das war kein Weib, dem man durch sein Verhalten zeigen durste, daß man sie sich innerlich nicht für ebenbürtig hielt. Und das hatte er bisher getan. Er war ihr in gutmütig nach­

sichtiger Ueberlegenheit oder Ironie begegnet. Für voll hatte er sie nie genommen, wenn er auch nie ver­gaß, was et ihr zu danken hatte. Zwischen all diesen neuen Fragen und Grübeleien wachte auch die alte Unsicherheit rote1 er auf. Warum war Ruth seine Frau geworden? Noch rätselhafter erschien ihm das jetzt.

In den nächsten Tagen bemerkte er, daß Ruth ihm auszuweichen suchte. Gerade jetzt ließ sich niemand von ihren Bekannten sehen, so sehnlich es die junge Frau auch wünschte, um diesem quälenden Alleinsein mit ihrem Manne zu entgehen. Hans Slochus war es angenehm so. Er begegnete Ruth jetzt mit einer gehaltenen, ernsten Freundlichkeit, und seine Augen wick t nicht von ihrem Gesicht.

Sie wat viel zu fein empfindend, um fein ver­ändertes Wesen nicht zu bemerken. Daß er sich mehr und intensiver mit ihr beschäftigte, war ihr klar. Es raubte ihr die Fassung. Ihr Gesicht spiegelte jetzt oft die Unruhe wider. Die scheue Hilflosigkeit gab ihr einen rührenden Ausdruck. Hans Rochus sah mit staunenden Augen, wie hold und reizend sie aussehen konnte, und sein Herz wurde warm dabei. Eines Abends fragte er sie, ob sie nicht wieder einmal musi­zieren wolle.Du würdest mir eine große Freude machen," sagte er dringend.

Sie erhob sich sofort, ging hinüber in den großen Saal, wo auch ein Flügel stand.

Ohne Zögern begann sie zu spielen was ihr an Noten gerade in die Hände kam. Ein Walzer von Chopin Mendelssohns Lieder ohne Worte ein Präludium von Bach, schließlich allerlei aus einer Oper von Mozart.

_ Sie spielte auch heute vorzüglich, mit feinem Ver­ständnis aber doch ganz anders wie neulich. Bon ihrer eigenen Seele legte sie nichts in die Töne. Hans Rochus hatte ein feines Gehör dafür, er merkte es wohl, aber et sagte nichts. «Sollte et sich diese

scheue und stolze Frauenseele erschließen, mußte et vorsichtig zu Werke gehen.

Inzwischen war der Pavillon, wie Ruth gewünscht, in Ordnung gebracht worden. Sie hielt sich täglich einige Stunden bort auf. Es war ein sttllstiedliches, lauschiges Plätzchen, sie wurde von niemand hier ge- stött, und vor allem konnte sie hier Hans Rochus aus­weichen. Sein Weg führte ihn nie hier vorbei. Und Ruth war froh, wenn sie ihn wenig sah. Seine forschenden, fragenden Blicke beunruhigten sie. Sie fühlte sich nun nicht mehr sicher unter ihrer Maske. So saß sie wieder eines Tages auf der hübschen Veranda. Auf einem Tischchen neben ihr lagen neue Bücher, die ihr der Buchhändler am Morgen gesandt. Ruth hatte sie noch nicht berühtt. Ihr Blick schweifte gedankenverloren in die Weite.

Da hörte sie plötzlich Schritte dicht neben sich schon, und als sie sich umwandte, erblickte sie Hans Rockus. Er war im Reifanzug und trug die silber- beschlagene Gerte in der Hand.

Störe ich?" fragte er lächelnd.

O nein," antwortete sie zögernd.

Dann darf ich dir ein Weilchen Gesellschaft leisten?

SBenn du nichts Besseres und Wichtigeres vorhast!"

Besseres? Nein. Wichttgeres? Ich glaube auch nicht.

Er schwang sich mit einem eleganten Satz über die Brüstung der Veranda und legte Hut und Reitgerte auf den Tisch. Dabei mußte et die Bücher etwas beiseite schieben.

Du hast neue Lektüre bekommen? Darf ich sehen?"

Bitte.

Er sah die Bände durch, einen nach dem andern. Es waren die neuesten Erzeugnisse ersttlassiger Autoren. Sttll legte er sie wieder hin. Seine S itn

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war bewöltt. Hätte er ihr wohl früher eine der­artige Lektüre zugetraut? Nein. Jetzt befremdete ihn ihre Wahl keineswegs. Etwas abieits von den anderen Büchern lag ein Band, den sie wohl abge­sondert hatte, um ihn zuerst zu lesen. Als er auch danach griff ind sie dabei ansah, merkte er, daß sie unruhig wurde. Der hilflose, scheue Ausdruck, den er so oft an ihr bemerkte, trat wieder in ihr Ge­sicht. Das Blut wallte ihm zum Herzen. Ihm war zumute, als müsse er den Arm um sie legen und sie bitten: Vertraue mir doch, siehst du nickt, daß ick um dein Bettrauen ringe, daß es mir leid tut, deinen Wett nicht schon ftüher erkannt zu haben?

Er schwieg aber und schlug da- Buch auf. Als er den Namen des Autors las, stutzte et: Hans Volk­mar! Das war doch der Verfasser jenes Buches, as ihn so mächtig gefesselt hatte.Der stille Set hatte er es genannt.i)er stille See Hans Rochus rief ft* den Inhalt in das Gedächtnis zurück. Und plötz­lich fiel ihm die Unterredung ein. die er mit Ruth über das Buch gehabt. War sie nicht sehr sonderbar dabei gewesen? Hatte sie nicht auch einige Unruhe oe-raten damals, als er das Buch zu lesen wünschte. Jetzt erfaßte et den Sinn ihres absprechenden Wesens. Sie hatte ihn hindern wollen, das Buch zu lesen, weil sie gefühlt, daß der Verfass-r sie selbst gezeichnet hatte. War sie nicht selbst so ein füllet See, befiel stiller Oberfläche kein Mensch anmerken konnte, welche Tiefe er barg? Et sah schaff zu ihr hinüber. Sie war schon roteber ruhig. Aber er verstaub sich jetzt besser auf die Deutung biefet stillen Züge. Sie täuschte ihn nicht. Et nahm sich vor, sich bas Buch kommen zu lassen unb es noch einmal zu lesen. Viel­leicht fanb er darin einen Fingerzeig, wie er sich tht Wesen erschließen konnte. Das Buch, welches et in der Hand hielt, trug den Titel:Set Wille zu» Liebe.

, Fortsetzung folgt.) . .