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MWK IMH

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und bett Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

Elftes Blatt

29

(Nachdruck verbaten.)

Marburg

Mittwoch, 8. Februar

er die Absicht habe, nach den Krönungsfeierlich- , keilen die indischen Besitzungen wieder zu be» suchen, und dort eine Versammlung abzuhalten, j um den Untertanen in Person bekanntzugehen, daß er die Nachfolgeschast in der kaiserliche« Krone Indiens angetreten habe. Die Thron­rede kündigte sodann Vorschläge für die Rege­lung der Beziehungen zwischen den beiden Häu­sern des Parlaments an zum Zwecke wirksame­ren Arbeitens an der Verfasiung, ferner Maß­regeln zur Ausdehnung der Alterspensionen auf j Personen, die bisher infolge Genusses von Ar­menunterstützungen kein Anrecht besaßen, wei­ter die Einführung einer Versicherung der In- dustriebevölkerung gegen Krankheit und Invali­dität und eine Versicherung gegen die Arbeits­losigkeit in Industriezweigen, wo sie vorzugs­weise zu Tage tritt.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 11.

Franzosen erregt haben, an der Potsdamer Entrevue und ihren Folgen nicht schuld, auch nicht in der Nervosität der französischen Presie, die der deutsch-russischen Annäherung erst so­viel Relief gegeben hat. Er hat sich halbtot ge­redet, um die öffentliche Meinung zu beruhigen und die Welt davon zu überzeugen, daß die russisch-französische Allianz eine Realität, die eniente cordiale mit England herzlicher und vollständiger ist, als sie je war. Er kann auch nicht dafür, daß der Kriegsminister gleichzeitig in einem Interview den militärischen Wert der russischen Hilfe als fragwürdig hinstellt, und ist auch nicht schuld daran, daß das Zarenreich seine Truppen von der doch unhaltbaren Westgrenze nach dem Innern disloziert. Das alles ist eine Entwicklung, an der die geschickteste französische Diplomatie nichts hätte ändern können, weil sie notwendig in Veränderungen begründet ist, die dem Einfluß diplomatischer Arbeit nicht unter­liegen.

Die Franzosen müßten überhaupt, um ihre Lage richtig beurteilen zu können, von der Ein­sicht ausgehen, daß sie in dem letzten Jahrzehnt bis vor ungefähr zwei Jahren, infolge zufälliger Umstände und der Fehler ihrer Gegenspieler nach außen weit besiere Geschäfte gemacht ha­ben, als sie es verdienen. Ein Rückschlag ist nur natürlich, zumal da die französische Politik im­mer aus Prestige und imaginäre Scheinbarkeit hin gearbeitet hat, und diese Werte eben vor der Gewalt der Tatsachen nicht standzuhalten pfle­gen. Diesem Umstand wird Herr Pichon wahr­scheinlich zum Opfer fallen. Ob sein Nachfolger, den übrigens noch niemand kennt, unter diesen Umstanden Seide spinnen wird, bleibt abzu- warten.

Demnach ist also die Steigerung der Warenein­fuhr nur eine geringe (82,3 Mill. M) gewesen, während die Ausfuhr um 872,8, also um weit mehr als das zehnfache der Einfuhr gestiegen ist. Trotzdem ist unsere Handelsbilanz immer noch stark passiv.

In dieser trostlosen Stimmung fand Hans Rochus die Damen. Sie saßen sich stumm gegenüber. Hilde hatte verweinte Augen und eine zornige Falte auf der Stirn, und ihre Mutter sah aus wie die ver­körperte Empörung.

Hans Rochus kam sogleich mit seinem Vorschlag heraus, und lud die Damen ein, nach Rochsberg zu kommen.

Ihr könnt ruhig bis Ende Oktober draußen blei- ben. Meine Hochzeit findet am fünfzehnten November statt. Bei dieser Gelegenheit könnt ihr dann zum erstenmal wieder mit der Gesellschaft in Berührung kommen. Bis dahin ist die Angelegenheit längst in Vergessenheit geraten."

Die Generalin stimmte freudig zu, und Hilde stand auf und umfaßte seinen Arm. Sie sah ihn mit ihren schönen, verweinten Augen innig an.

.Hans Rochus das vergeffe ich dir nicht. Wen« ich dich jetzt nicht hätte."

Er sah sie ernst an. Aber sein Herz blieb ruhig, obgleich sie sich voll rührender Innigkeit an ihn schmiegte.

Wir find doch Verwandte, Hilde. Es ist doch selbstverständlich, daß ich euch helfe, wo ich nur kann."

Du bist mein einziger Trost jetzt. Den Gedanken, «ns nach Rochsberg einzuladen, hat dir der Himmel «ingegeben."

Er lächelte.

Ruth kann sich für diesen Vergleich bei dir be­danken. Sie hat mich zuerst daraus gebracht."

Hilde trat von ihm zurück. Ihr Gesicht verlor den weichen Ausdruck.

So Ruch hat dir das eingegeben? Am Ende bist du selbst gar nicht erbaut von unserem Besuch."

Aber Hilde, red« doch nicht so töricht, Hans Rochus müßt« doch kein Rochsberg fein, wenn er «tcht »erstünde, Gastfreundschaft zu gewähren," rief

Der stille See.

Roman von H. Leurths-Mahler.

(Wortiebunfl.)

»Ich möchte so gern dein Freund sein, Ruth. Ist es dir so schwer, mir Vertrauen entgegenzubringen? Eicher hältst du mich für eine« leichtfinnigen, unzu- »erläsfigen Menschen."

Sie sah vor sich hi«.

Rein ich weiß, daß d« gütig, zuverlasfig und verständig bist."

Er wurde rot. Sonderbarer Weise freute ihn dies« Anerkennung aus ihrem Munde wie eine besondere Auszeichnung.

Und doch schenkst bi mir so wenig Vertrauen?"

Das ist ein Irrtum von dir. Ich kenne keinen Menschen, dem ich mehr vertraute als dir. Ich bin ,««r schwerfällig und kann nicht zum Ausdruck brin- ,gen, was ich möchte. Du mußt Geduld mit haben. Ich will mir in allem Mühe geben, deine Zuftieden- heit zu erringen."

Ihre Demut rührte ihn. Sie sah gewiß selbst ein, daß sie zu unbedeutend für th« war. Das gab ihr wohl ein Gefühl der Unsicherheit ihm gegenüber. Er ,«ahm sich, wie so ost, wenn er mit zusammen war, vor, nachsichtiger zu sein. Er mußte sich mit ihrer Art abfinden und war ein Tor, daß er mehr von ihr verlangte, als sie geben konnte . Hätte er ihr nicht .'«uh viel schuldig bleiben milffen, wen« sie mit be- «echtigten Forderungen an ihn herangetreten wäre? I Er bemühte sich, ei« leichte» Gespräch in Gang zu tringen, und Ruth kam ihm dabet entgegen. Al» er '|te nach einer Stunde wieder nach Hause begleitete, -war er für heute mit sich zufrieden.

46. Jahrg. ,

1911. <

die Generalin in ärgerlicher Sorge, daß Hans Rochu» sein Anerbieten zurvckztehen könnte.

Du weißt, gnädigste Tante, daß ihr mir will­kommen seid. Wenn auch Ruth es war, die mich auf den Gedanken bracht«, so habe ich ihn doch sofort voll Freude ausgenommen. Wann darf ich euch er­warten?"

Die Generafin sann nach. J

Ende dieser Woche sagen wir am Sonnabend ; Ist",- dir so recht?" . , v

Gewiß, gnädigste Tante. Ich schick- euch de« Wagen herein."

Danke dir."

Ruth läßt fragen, Hilde, ob sie dir sonst irgend- wie nützen kann." '

Hilde machte ein schmollendes Gesicht und seufzt« auf.

Reinsie kann mir nicht helfen kein Mensch kann es. Ach, fie hat es gut, deine Braut, sie ist die Tochter eines reichen Mannes und braucht flck nicht um den elenden Mammon zu quälen. Weitz ste, daß daß Kracht mir den Ring zurückgeschickt hat?"

Rein fie braucht es auch nie zu erfahren, s» wenig wie andere Leute. Sie glaubt, du habest bie Verlobung rückgängig gemacht. ,

Hilde nickte.

Es ist gut so. ich dank dir."

Sie reichte ihm die Hand, ~ie er artig an H» Sippen führte. Dabei fühlt« er sich wie befreit we einer langen und quälenden Krankhett. Hilde» Zauberbann war gebrochen. Er hatte überwunde« und konnte dem täglichen Zusammensein mit ihr ruhig entgegensehen. Sie würde seinen Seelenfrieden nicht mehr störe«.

(Fortsetzung folgt.)

I führenden königlichen Galerie zu erscheinen. Hier bildete sich die königliche Prozession, die aus einer Schar von Herolden und hohen Be­amten des königlichen Haushalts bestand. Als die Majestäten in die Halle traten, erhob sich die gesamte glänzende Versammlung, Peers und Peereßes, Bischöfe, die Mitglieder des diploma­tischen Korps und diese allgemeine Bewegung brachte die leuchtenden Farben, die funkelnden Orden und Juwelen erst recht zur Geltung. Kö­nig Georg ergriff die Hand der Königin und führte sie zu dem links stehenden Thronfitz. Dann wendete er fich zu den Versammelten und er­suchte sie, sich zu setzen.Black Rod" (der Trä­ger des schwarzen Stabes") der hohe Beamte des Hauses der Lords, der die Botschaften von den Peers dem Haufe der Gemeinen übermittelt, wurde sodann entsandt, um die Gemeinen zur Schranke des Hauses der Lords zur Vernehmung der Thronrede zu fordern. Wenige Minuten darauf erschien der Sprecher an der Schranke, ge­folgt von einer dichten Schar von Mitgliedern des Unterhauses. Der Lordkanzler reichte dem König knteend eine gedruckte Kopie der Thron­rede. König Georg erhob sich und las das Do­kument vor. Der König ist zwar kleiner an Ge­stalt als sein Vater, aber mit einer etwas stär­keren Stimme begabt, und seine Worte schallten mit vollem Klang durch die ungeheure Halle. Nachdem die Thronrede verlesen war, verließ das königliche Paar den Sitzungssaal und kehrte auf demselben Wege nach dem Buckingham- Palast zurück. Die ganze Zeremonie hatte kaum eine halbe Stunde in Anspruch genommen und die glänzende Versammlung zerstreute fich in kürzester Frist.

In der Thronrede heißt es: Indem ich das erste unter meiner Regierung gewählte Parla­ment eröffne, gedenke ich vor allem des schmerz­lichen Verlustes, den das Reich durch den Tod meines geliebten Vaters erlitten hat. Als er vor Jahresfrist seine Thronrede an Sie richtete, hatte niemand voraussehen können, daß sein Leben, das er in unermüdlicher opfermütiger Tätigkeit dem Wohle seiner Untertanen wid­mete, in kurzer Zeit plötzlich beendet sein sollte. Indem ich mich dem unerforschlichen Ratschluß der Vorsehung beuge, schöpfe ich aus seinem Bei­spiel Mut, und fühle mich in meinem tiefen Kummer durch die Teilnahme getröstet, die mir von meinem Volk in jedem Teile meines Reichs dargebracht wurde. Die Beziehungen zu den ausländischen Mächten bezeichnet die Thronrede als dauernd freundlich. Mit großem Jntereffe sehe ich der kommenden Mai zusammentreten­den Reichskonferenz entgegen, in der fich die lei­tenden Minister der Selbstverwaltungskolonien und des Mutterlandes vereinigen werden, um über wichtige Angelegenheiten zu beraten, die ihnen von einzelnen Regierungen unterbreitet werden sollen. Der König erklärte sodann, daß

DieOberhesfisch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme: bet Sonin unb »teitrtaae. __ Der Bezugspreis betragt vierteljährlichdurch

jic W* bezogen 255 M. lohne Bestellgeld), bei unseren Zei^ngsstellen uno be: Expedition (Markt 21), 2 00 M frei ins Haus (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck bet Univ.-Buchdtucketei I. A. Koch, (Inh.:

Dr. Hitzetoth.) Matkt 21, - Telephon 55. __________

Die Eröffnung des Parlaments.

London, 6. Febr. Die Eröffnung des Parlaments durch den Souverän in Person ist jetzt wieder zu einem festen Brauch geworden. Während der letzten Jahre der Regierung der Königin Viktoria hatte man den Brauch fast ganz fallen lasien, aber König Eduard hat ihn bei seiner Thronbesteigung sofort wieder ausge­nommen und König Georg steht im Begriff, dem Beispiel seines Vaters zu folgen. Die alten glänzenden Zeremonien der Eröffnung haben nichts von ihrem imponierenden Charakter ver­loren. König Georg fuhr mit der Königin Mary in dem berühmten von sechs isabellenfarbenen Pferden Hannovers hen Schlages gezogenen Staatswagen vom Buckhingham-Palast nach dem Haufe der Lords. Die Fahtt ging die Mall entlang über die Horfe-Guards-Parade und dann White Hall hinunter nach Westminster. Dort angekommen begaben sich Ihre Majestäten sofort in den Staat-Ankleideraum, um bald darauf in der zu der Beratungshalle der Lords

Hilde Sontheim hatte bie Tag« in verzweiflungs- vollet Stimmig verbracht. Eie war außer fich, daß ste sich ihre glänzende Zukunft verscherzt hatte, und bie Vorwürfe, mit benen bie Mutter fie nun »lebet überhäufte, verschärften ihre Pein.

Ihre Liebe zu Wendling war nickt stark genug, um ihr einen Trost zu gewähren. Wendling hatte ihr einen Brief geschrieben, in welchem er ste innig um Verzeihung bat, daß er nicht statt genug ge­wesen sei, sie vor Leid zu schützen. Seine Liebe sei a*er so heiß und tief, daß er ihr gegenüber machtlos sei. Er gehe in die Verbannung mit schwerem unb traurigem Herzen. Vergessen könne er sie nie.

Sie hatte ihm nicht einmal darauf geanttoottet. Was konnte ihr seine Liebe nützen? An eine Heirat mit ihm war nicht zu denken bei den bestehenden Verhältnissen.

Daß fie fich durch die heimlichen Zusammenkünfte mit Wendling gegen Kracht vergangen hatte, darüber machte ihr die Mutter keinen Vornmrf, nur darüber, daß fie nicht vorfichttger gewesen sei. Dieser Stand­punkt kennzeichnete die Generalin zur Genüge.

Aber alle Vorwürfe änderten nun nichts mehr an der Tatsache, daß es vorbei war mit der glänzenden Zukunft. Wenn es auch nicht bekannt wurde, daß es ihretwegen zwischen Kracht und Wendling zum Duell gekommen wat, ein neuer Freier würde fich sobald nicht für fie finden. Wenigstens hier nicht in dieser kleinen Residenz, wo einer von den Berhältniflen de» andern unterrtdjtet war. Und zum Reisen fehlt« im­mer das Geld.

Wenn fie doch wenigstens die erste Zeit nach der Bekanntgabe ihrer Entlobung von der Bildfläche hätte verschwinden können. Es mußte furchtbar sein, jedem Rede und Antwott stehen zu müssen über bie Auflösung ihrer Verlobung. Unb e» «ab brkmmtlich unglaublich tattfofe Mensche«.

Deutsches Reich-

Gouverneur a. D. von Schuckmann1 Reichtstagskandidat. Berlin, 6. Febr. Die Ver­tretung der konservativen Partei des Kreises Arnswalde-Friedeberg hat beschloßen, Herrn Gouverneur a. D. von Schuckmann-Rohrbeck als Kandidaten für die bevorstehende Reichstags­wahl aufzustellen. Herr von Schuckmann hat die ihm angetragene Kandidatur angenommen.

Wahlrechtsversammlungen. Braunschweig, 5. Febr. Nach heute vormittag von der Sozial­demokratie in vier Lokalen veranstalteten Wahl ­rechtsversammlungen zog eine nach Tausenden zählende Menschenmenge durch die Straßen un­ter Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht. Nm Bohlweg, an dem das Schloß liegt, staute sich die Menge, wurde aber bald von berittenen Schutz­leuten zerstreut, ohne daß es zu Zusammenstößen kam. Auch vor der Wohnung des Staatsmini­sters Dr. v. Otto sammelte sich die Menge, doch wurde auch hier die Ansammlung von der Poli- r zei schnell auseinander getrieben. Verletzungen ! sind nicht vorgekommen.

Deutschland« Außenhandel und Handels« ; bila«, 1910. Nach der amtlichen Veröffent­lichung stellte fich Deutschlands Außenhandel in Waren und Edelmetallen im verfloßenen Jahre wie folgt (Millionen Mark):

1. Waren.

Der Anzeigenpreis beträgt für bie 7 g.spaltene Zeile ober beten Raum 15 A, bei auswärtigen Anzeigen 20 A, für Reklamen bie Zeile 40 A. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Battabatt. Bei Konkurs kein Rav"tt Verbtnbltch- keii für Platz-, Datenvorschrift unb Belegliefetung ausgeschlossen Für Anzeigen, bei denen der Auftraggeber in der Expedition mitgeteilt werden soll, wird eine Gebühr von 10 A erhoben.

Pichens Bedrängnis.

Aus Paris wird uns geschrieben:

Dem französischen Minister des Auswärtigen, Herrn Stephan Pichon, geht es schlecht. Er ist gezwungen, dauernd Beschwichtigungsreden zu halten, wie alle schönen Phrasen in französischen Kammern, zwar regelmäßig lebhaft beklatscht werden, aber doch weder die nervös gewordene Öffentliche Meinung beruhigen, noch seine Posi­tion dauernd bessern. Nun ist er gar noch in Streit geraten mit einem jungen und streitbaren Mann, der ihn zwar oft unterstützt, aber auch viel geärgert hat, mit Herrn Anor6 Tardieu, dem Leiter der auswärtigen Politik des Temps. Die Ursachen dieses Streitfalls sind nicht erheb­lich, es handelt sich um eine Kolonialaffäre, die, wie es scheint, mit Pichons Unterstützung ange­fangen, aber von ihm aus irgendwelchen Oppor­tunitätsrücksichten auf andere Leute im Stich ge­laßen worden ist. Darüber wurde in einer Kam­merkommission hin und her verhandelt, und diese 'Kommission hat auch Tardieu gehört und, wie heißt, seine natürlich gegen Pichon gerichteten Darlegungen einstimmig gebilligt. Das ist in Frankreich schon ein sehr bedenkliches Zeichen, And in Paris pfeift jedes Kind von den Dächern, daß Pichons Tage gezählt find.

Nun ist es klar, daß diese Kolonialaffäre und Angriffe des Herrn Tardieu dem Minister nur deswegen so gefährlich werden können, weil man zurzeit in Paris mit der auswärtigen Lage Frankreichs gar nicht recht zufrieden ist und hie Schuld daran natürlich dem Minister in die Schuhe schiebt. Wenn sich auch nicht bestreiten läßt, daß Pichon in manchen Fragen der letzten Zeit gerade nicht sehr geschickt manöveriert hat, so ist doch sehr fraglich, ob seine Diplomatie tat­sächlich gerade an den Veränderungen der inter­nationalen Lage Schuld hat, die die Nervosität jber öffentlichen Meinung Frankreichs verursachk Haben. Paris hat zweifellos in der Frage der türkischen Anleihe sehr schlecht operiert, aber ein Teil der Schuld daran trifft ohne Zweifel auch den Finanzminister des Kabinetts Briand, Herrn Cochsry. In der Vlifsinger Frage, das scheint man jetzt in Frankreich ebenfalls einzu­sehen, hat Pichon gleichfalls einen fehlerhaften Vorstoß gemacht, der nur zu einem Rückzug und zu einem Mißerfolg führen konnte.

. Andererseits aber ist Pichon gerade an den Veränderungen, die die Unzufriedenheit der

Etngeführt

Ausgeführt

1907:

8744,0

6845,2

1008:

7664.0

6398.6

1909:

8526,9

6564,3

1910:

8609,2

7467,1