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MchM ZMiig mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

46. JahrH

1911

DieOberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch jte Pof bezogen 2.25 X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zett.ngchtellen uno be: Expedition (Markt 21), 2.00 X frei ins Haus. (Für unver- 1 angt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Deraniwortung.) Druck der Univ.-Buchbtuckerei 3. A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Markt 21, Telephon SS.

Marburg

Mittwoch, 1. Febmär

Der Anzeigenpreis beträgt für bie 7g.spaltene Zeile oder beten Raum 15 4, bet auswärtigen Anzeigen 20 4, fflr Reklamen bie Zeile 40 A. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jever Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt Verbindlich­keit für Platz-, Datenvorschrift unb Beleglieferuna ausgeschlossen. Für Anzeigen, bet benen bet Auftraggeber in bet Expedition mttgeteilt werden soll, wird eine Eckühr von 10 4 erhoben.

Erstes Blatt.

Der neue Großadmiral.

' Die Verleihung der höchsten militärische« : Würde eines Großadmirals an den Staats­sekretär des Reichsmarineamtes v. Ttrpitz wird für niemanden etwas Unerwartetes Vc' itJ Man wird sich vielmehr wundern, daß er . * schon längst im Besitze jene» höchsten Titels i » Ranges ist, denn die Marine jedenfalls ist schon «lange gewohnt, ihn nicht nur als den ersten abgesehen natürlich von der Person des Prinzen Heinrich von Preußen zu betrachten, sondern als den Träger des ganzen Baues unserer Marine.

Man bedenke, was diese vor vierzehn Jahren war, wie unbestimmt, ja trostlos ihre Zukunfts­aussichten waren, und wie heute alles geworden ist. Wie glauben, daß beispielsweise die Reichs­tagsabgeordneten, die Ende der neunziger Jahre noch grundsätzlich alles ablehnten und das Wort von den uferlosen Flottenforderungen zu ge­brauchen gewohnt waren, mit Entrüstung die Voraussage zurückgewiesen hätten: auch sie, auch ihre Partei würden in gar nicht langer Zeit für diese uferlosen Forderungen stimmen. Im Jahre 1897, als Tirpitz mit seinem ersten Flottengesetz kam, fand ein großer Teil des Hauses eine deutsche Flotte von 17 Schlachtschiffen viel zu groß für das deutsche Bedürfnis, viel zu teuer für das arme Deutsche Reich und eine viel zu große Belastung für die arme deutsche Industrie.

Nach zwei Jahren aber bewilligte schon der Reichstag mit der zweiten Flottenvorlage das doppelte Quantum, fünf Jahre später bewilligte er eine Erhöhung der Schiffsdeplacements, welche die Kosten für das Schlachtschiff von 25 Millionen auf ungefähr 40 Millionen steigert bewilligte er ferner eine Vermehrung um sech- große Panzerkreuzer und um 48 Torpedoboote. Der Grund für eine Unterseebootsflottlle wurde gelegt, und 1908 kam ein auf diesem Gebiete Unerhörtes Ereignis, daß nämlich die wichtige Abänderung des Flottengesetzes, eine Herab­setzung der Altersgrenze von 25 auf 20 Jahre, vom Reichstage ohne Debatte bewilligt wurde. Dagegen stimmen nur die Sozialdemokraten.

Gewiß haben Umstände der Weltlage und zunehmende Aufklärung auf dem ganzen großen Gebiete das ihrige getan. Man ist aber doch berechtigt, zu fragen, ob denn diese Wandlungen ohne die Tätigkeit gerade dieses Staatssekretärs überhaupt eingetreten wären. Das ist eine an sich unlösbare und muffige Frage, letzteres be­sonders, weil es genügt, festzustellen, daß der Admiral v. Tirpitz erreicht hat, was vor ihm niemand erreichte und was zu erreichen damals niemand auch nur annähernd zu hoffen wagte.

Bon Tirpitz stammt die Idee einer gesetz­lichen Festlegung der Flottenstärke und der Er­haltung der Flotte durch einen geregelten Ersatz veralteter Schiffe. Was diese Festlegung bedeu­tet, wird man erst später voll zu würdigen ver­stehen. Die Marine verdankt aber auch im übrigen dem Staatssekretär unendlich viel, er ist auf beinah allen einschlägigen Gebieten bahnbrechend und mit maßgebenden Anregun­gen vorgegangen und erfolgreich gewesen. Es wird die Aufgabe einer spätere» Geschichtsschrei­bung sei«, die große Lebensarbeit dieser großen Persönlichkeit im einzelnen zu untersuchen und Harzulegen, heute genügt der Ausdruck höchster Anerkennung für die Leistung des Mannes, der Hie deutsch« Flotte auf festen Boden gestellt hat «nd ihr eine Entwicklung gesichert hat, welche sie zu einem achtunggebietenden Faktor im «Sinne des Wortes machen wird.

In der öffentlichen Meinung des nationalen Deutschland sind Tirpitz' Verdienste nicht immer so anerkannt worden, wie jetzt endlich wohl all­gemein; lange Zeit hindurch waren es vornehm­lich der Kaiser und die Bundesfürsten, die die­senrechten Mann am rechten Platze" hielten. Der nationale Radikalismus des Flottenver­eins, so wie er vor einigen Jahren war, wollte eher Tirpitz als Opfer, als ein Zurückveichen von den weitreichenden Vereinszielen. Prinz Rupprecht mußte mit der Niederlegung seines Patronats drohen, wenn der Radikalismus die jvberhand behalte; andere Fürsten legten sich Dvch in» Mittel, und schließlich wurde die Zn- jammenarbett von Marineamt und Flotten­

verein wieder gesichert. Heute aber sind selbst die extremsten Agitatoren jener Periode dank­bare Anhänger des Großadmirals v. Tirpitz.

Deutsches Reich.

Bon der Reise des Kronprinzen. Bom­bay, 30. Jan. DieTimes Jndia" beschäftigt ' 'ich mit den krittschen Bemerkungen in der deut- j 'chen Presse über die Zeit, die der Kronprinz in |: Indien dem Sport widme und erklärt, wenn es dem Kronprinzen darum zu tun gewesen wäre, sich eine gründliche Kenntnis des Sanskrit und der Philosophie der Veden anzueignen, hätte er kaum nöttg gehabt, nach Indien zu kommen. Wenn er aber beabsichtigte, seinen Gesichtskreis zu erweitern und aus erster Hand die Zustände in Indien kennen zu lernen, dürfte ihm Erfolg viel eher beschieden sein, so wie er es angefangen hat. Die glänzenden männlichen Eigenschaften, die der Kronprinz gezeigt habe, gewannen ihm Bewunderung und Zuneigung überall, wo er gewesen, und er hinterließ eine Sttmmukg, die wohl geeignet ist, nicht wenig zu den befferen Gefühlen zwischen England und Deutschland beizuttagen.

Berkaus eines königlichen Schlaffes. Düs­seldorf, 29. Jan. Die Bürgermeisterei von Ben­rath hat das königliche Schloß Benrath für 1750 000 M angekauft.

Studentisches. München, 30. Jan. An der Münchener Universität soll einer Blätter­meldung zufolge große Erregung über die Uni­versitätsbehörde herrschen, weil diese den § 49 Abs. 1 der Satzungen für Studierende wieder zur Geltung gebracht hat. Nach diesem Para­graphen dürfenStudentenversammlungen nur mit Genehmigung des Rektors unter Ausschluß aller Nichtstudenten abgehalten werden". Man geht wohl nicht fehl, wenn man für die Maßregel die letzten Vorkommnisse in Leipzig, : Göttingen usw. verantwortlich macht.

Bo« der Ansiedlungs-Kommission. Posen, 30. Jan. DasPos. Tgbl." meldet: Die Güter Kacmieco, Komorowo, Emelianowo und Sas- senho (Kreis Samter) wurden von der Ansied- lungskommiffion angekaust. Der bisherige Be­sitzer dieser zusammenhängenden Güter war der Herzog von Coburg-Gotha.

Militärischer Unterricht i« ländliche« Fortbildungsschulen. DerInf." wird geschrie­ben: Ein Erlaß des Kultusministeriums, der für alle Schulen bestimmt ist, hat vor kurzem darauf hingewiesen, daß das für die Soldaten so wichtige Entfernungsschätzen durchaus der llebung bedarf. Es dürste bemerkenswert fei«, daß in vielen ländlichen Fortbildungsschulen Offiziere gewonnen wurden, die den militäri­schen Unterricht bei der schulentlEenen Jugend vorbereiten. Es werden bei diesem Unterricht, der vielfach ein zahlreiches Publikum und vor allem auch Beteiligung seitens Richtschüler fin­det, Belehrungen über das Jnfanteriegefecht ge­geben, es werden Entfernungen geschätzt, und die Vorzüge der geöffneten Schützenordnung ge­genüber der geschloffenen werden tmigefttilt. Eine weitere Ausgestaltung diese» Unterricht» wird geplant, und als Jnftrutteure sollen außer den Unteroffizieren auch Unteroffiziere naher h>.:iisonen herangezogen werden.

Wegen Soldatenmißhandlmq verurteilt. Kiel, 30. Jan. Das Oberkriegsgericht verur­teilte den Torpedomaschinistenmaat Worschke zu 10 Jahren und 1 Monat Zuchthaus, Degra­dation und Ausstoßung aus der Marine. Worschke schickte einen untergebenen Heizer in einen noch heißen Kessel zur Reinigung des­selben und mißhandefte ihn später noch längere Zeit. Der Heizer ist infolgedessen gestorben.

Wa» ein Privatmai»« tu« muß, der i« Frankreich ei« selbsttätige« Feuerzeug benutzt. DieRordd. Allgem. Ztg." schreibt: Der fran- zöstsche Finanzminister gab über die Förmlich­keiten, die ein Privatmann zu erfüllen hat, wenn er ein zum persönlichen Gebrauch die­nende» selbsttättges Feuerzeug aus dem Aus­lands nach Frankreich einführen will, folgendes bekannt: Wird das Feuerzmg von einem Rei­senden eingeführt, so muß er davon sogleich dem Grenzzollamts Mitteilung machen, das ihm nach Bezahlung des Zolles »mb der Steuer das Stempelumband aushändigt. Dieses muß er alsbald nach seiner Ankunft am Reisqiel auf . das Feuerzeug löten kaffen. Wird das Feuer­zeug durch die Post odtz^ «io andere^ Beförde-

I rungsunternehmen nach Frankreich eingeführt, so wird das Paket von der französischen Zoll­behörde an die Tabakntederlage weiter gesandt, wo es dem Empfänger ausgehändigt wird, so­fern er gleichzeitig ein Stempelumband kaust und auf das Feuerzeug auflöten läßt. Die ge­naue Beobachtung der vorstehenden Bekannt­machung zur Vermeidung von Unannehmlich­keiten und Strafen ist jedem Reisenden, der ein Feuerzeug der in Rede stehenden Art besitzt, dringend anzuraten. Glückliches Frankreich, ja die Republik hat doch die größte Freiheit! Unsere Demoftaten wollen solche Beweise nur nicht gern Wort haben!

Verworfene Revision. Leipzig, 30. Jan. Das Reichsgericht verwarf die Revision des sozialdemokratischen Redakteurs August Wese­meier, der am 13. Mai 1910 vom Landgericht zu Braunschweig wegen Beleidigung der Lan­desregierung in einem Fall und wegen Beleidi­gung der Braunschweiger Polizei in 6 Fällen zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden war.

Ausland.

** Vom Land, wo die Zitronen blühen. Rom, 30. Jan. (Kammer.) Auf eine Anfrage betreffend die in einem Teile der auswärtigen Preffe verbreiteten falschen Gerüchts über die gesundheitlichen Verhältnisse Italiens, erklärte der Staatssekretär des Aeußern Fürst di Scalea, es sei richtig, daß diese Nachrichten von einigen auswärtigen Blättern verbreitet worden seien, um die zahlreichen Besucher, die von der Schön­heit des Himmels unb dem Ruhme bei Kunst unb bet Geschichte Italiens angezogen würben, von dem Lande abzulenken. Die Regierung habe nicht verfehlt, diese Gerüchte als falsch zu bezeichnen und alle nur möglichen Maßnahmen dagegen ergriffen. Sie spare keine Mühe, um zu verhüten, daß sich eine solch illoyale Kam­pagne in diesem Jahre breit mache, worin alle zivilisierten Nationen sich zur Teilnahme an der Fünfzigjahrfeter der Einigung Italiens rüsteten.

** Die streikenden Studenten von Krakau. Krakau, 30. Jan. Die streikenden Studenten erbrachen heute vormittag gewaltsam das Haupttor der Universität, drangen in die Hör­säle ein und verhinderten die Vorlesungen.

* Anarchistische Demonstratio«. Newyork, 30. Jan. Gegen 2000 Anarchisten marschierten geftern abend unter Abfingung der Marseillaise bat Breadway entlang zu einer Versammlung, fn der heftige Reden gegen die jüngsten Hinrich­tungen in Japan gehalten wurden. Rach der Versammlung wurde versucht, das japanische Konsulat anzugreifen: die Demonstranten wur­den aber von der Polizei zerstreut und mehrere Rädelsführer verhaftet.

Der politische Kampf in Marburg hat stets Formen angenommen, wie sie anderwärts nicht gang und gäbe find. Wir erfr "m uns ja deshalb eines gewissen nicht beneidenswerten Rufes in der politischen Welt. Man kann ruhig behaupten, daß der Urheber dieser Tonatt Dr. Böckel ist, seine Nach­folger haben, soweit fie ihm agitatorisch gleichgeartet waren, einfach in dieselbe Kerbe gehauen und damit auf dem Laude namentlich auch Erfolge gehabt. Nach allem, was vorgekommen und was wieder aufzu­frischen nicht nötig ist. glaubte man, mit Recht an­nehmen zu dürfen, daß Dr. Böcke! nicht wieder hier kandidieren roetbe, und es lagen noch mehr Gründe für die sichere Annahme vor. Dr. V. hat fie zu schänden gemacht. Als et vor einiger Zeit hier auf­tauchte, stellte er in den Versa-ml, ngen durch Rund- stagen fest, wer ihn und wer die andern Kandidaten wählen würde. In einigen Orten tat man ihm den Gefallen, für ihn zu stimme«, zumal die meisten die ganze Sache als Ulk auffaßten. Anderwärts soll er auch böse hinetngefallen sein, setzt ist nun seine Kandidatur fertig, die ihm, wenn auch nicht das Man­dat, doch einen guten Absatz seiner Bücher, die er bei seinen Versammlungen ständig anbieten soll, bringen wird. In Berlin hat mm eine Versamm­lung stattgefunden, in der Herr Böcke! sich über seine Marburger Kandidatur geäußert hat. Der Bericht daStaatsbürgerzeitung" gibt gleich ein Bild von da Tonart, deshalb setzen wir ihn wörtlich hierher Es heißt da:

Auf Einladung des Vaterländischen Bolksbundes sprach Herr Dr. Böckel tu Kellas Neuer Philhar- monie über die kommenden Wahlen. Es sei richtig, daß a als Kandidat in Marburg aufgestellt sei. Ljcht Ehrgeiz sei es gewesen, bet ihn wieder in den

Reichstag zurückführt. Der Hauptgrund feiner Kan­didatur war es, daß der Kreis Marburg aufs höchste durch die Hetzereien der Roten und ihres Hella joh Eerlachscheu Anhanges gefährdet sei. Die deutsch­soziale Kandidatur Rupp sei dort ohneseinVot» wissen und Zeit und Datum zu bestim­men erfolgt, trotzdem er, Böckel, den Kreis 16 Jahre im Reichstag vertreten hat. In acht Ver­sammlungen mit über 1000 Besuchern hat sich nicht eine Stimme zugunsten des Herrn Rupp entschied en. Dr. B öckel gab dann einen Rückblick auf seine agitatorische und Wahl­tätigkeit im Marburger Kreise. San 3Iatt, bet Reichsherold", wurde auf jede Weise drangsaliert und geschädigt, bis es 1894 zuft-nin-mbrach. Damals fiedelte sich Hella von Eerlach in Marburg an, da das Evangelium des christlichen S-zialismus pre­digte. Auch ein Sozialdemokrat Bader, krebste dort als Böckels Nachfolger herum. Hella von Eerlach war damals noch recht weit von derWelt am Mon-r tag" entfernt und verweigerte einmal Böckel in einer Versammlung das Wort, weil er nicht fromm genug war. 1898 gelang es damals Böcke! noch, den Kreis herauszureitzen. Sechzehn Jahre hatte Böckel im Reichstag ohne Diäten ausgehalten. Als dann noch der Staatssekretär von Posadowsky erklärte, es sei nie daran zu denken, daß es Diäten gäbe, da habe Böckel die Flinte ins Korn geworfen, da er glauben mußte, daß nichts mehr zu hoffen fei. Deshalb habe er 1903 feine Kandidatur nicht mehr aufgestellt, et habe aber niemals darauf verzichtet. Zimmermann, der dort aufgestellt war, mußte sich um seinen sächsischen Wahlkreis kümmern, und fiel durch. Im Reichstag mauserte sich Eerlach zum drittenmal und wurde freisinnig. Aus dem 5,ello von Eerlach ward ein Moses Eerlachstein. Dann kam Dr. Böhme, der sich Dr. Böckel als Antisemct vorstellte und seine antisemifischen Schriften vorleg^e. Damals unterstützte Böckel den Böhme, um erit einmal den Renegaten Eerlach hinauszuwerfen. D"ß Böhme nachher mit der deutschsczialen Partei tn Streit geriet, konnte niemand vorher wissen. Als Böhme nun nicht wieder in Frage kam, sei er, Böckel, wieder aufgetreten. Er fei als Agent des Hansa- bundes bezeichent worden. Das ist gerade fo un­sinnig, als wenn et als Oberrabbiner hingeftellt werde, bet die Beschneidung mit elektrischem Betri b eingeführt habe. (Stürmische Heiterkeit.) gg ist nicht zu verhehlen, daß derSynodale der Kaiser Wilhelm-Eedächtniskirkbe", Hella von Eerlach, im Kreise nicht zu unterschätzen ist. Der Deutsch- soziale Ruvp kommt daneben nicht tn Betracht. Herr von Eerlach, der Vorbote der Sozialdemokratie, hat es fertig gebracht, Versamm­lungen mit einem Katserhoch zu eröffnen. Die Kon­servativen haben einen konservativ-liberal-bauetn- bündlerischen Reichsparteiler aufgestellt, der vor lau­ter Parteien nicht vorwärts kommt. Die Freisinnigen werden in dem Tramwavwagen tn Marburg sämtlich bequem zur Wahlurne fahren können. Dem Wunsche des Volkes folgend, habe et seine Kandidatur auf­gestellt. Er rotrbe den Wahlkreis nach einem ein­heitlichen Plan bearbeiten. Mögen die Parteien sich Mühe geben, soviel fie wollen, er werde sie doch matt- setzen. Er kenne den Wahlkreis leit 25 Jahren unb könne dort auf Treue um Treue rechnen. In bet toten Flut soll bet Wahlkreis Marburg der Fels fein, an dem fich d>e Wogen des Umsturzes brechen. Durch ganz Deutsch^<d soll der Jubelnif tönen: . Der erste antisemitische Wahlkreis ist wieder unser!"

Diese Grinn-tungen find ja z. T. nicht un­interessant. Es bedarf aber keines Wortes, wir sehr wir einen »erartig geführten W-blkampf verurteilen. Die Begründung m*t > anaeblichen Einfluß v. Eerlachs. ist Herr Böckel selbst nicht glaubbatt. Allerdings hat o. Eerlach als zwei­ter Böckel manche Krcise auf dem Lande gewonnen, dafür hat er aber andere, die wie kürzlich zwei Herren aus E. öffentlich erklärtenr o t nicht lieben" verloren, ja auch sehr liberale Krette wollen von demWelt am Montaas"-Herrn nicht, wissen. Einen Erfolg wird Dr. Böckel sicher haben,, den komischsten unb unberechenbarsten Wahlkreis Deutschlands wieder einmal interessant gemacht zu haben. Mo fich Dr. Böckel, Herr v. Eerlach und ein Eenosse um das Mandat streiten, wirds heiter.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Crtginalacntel ist gemäß § lb de« Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberbeff. W aesiattet.l

Marburg, 31. Jan.

* Leichenbegängnis. Gestern nachmittag fand im Beisein zahlreicher Leibtragenber, batunter viele hiesige unb auswärtige Offiziere, bie Bei­setzung des Generalleutnants z. D. Exz. Klein- Hans statt. Die Jägerkapelle spielte Trauer- weisen unb eine Aborbnung bes Krieger- unb Lanbwehrvereins gab bie Ehrensalve ab.

* Bom Kommunallandtag. Dem im vorigen Iahte neugewählten Kommunallanbtag bes Re­gierungsbezirks Caffel, bei im März in Cassel zusammentreten wirb, gehören im ganzen 61