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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und ..Landwirtschaftliche Beilage.
M 24
Tic „Oberhessische Zeitung" ersä-eint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fenttage. — Der Bezugspreis beträgt merteljährlich durch ji« bezogen 2.25 <M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeit^ngsstellen und de. Expäition (Markt 21), 2.00 M. frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt dre Redaktron keinerlei Verantwortung.) Druck der Unid.-Buchdruckerer 3- A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Markt 21, — Telephon 55.
Marburg
Sonnabend, 28. Januar
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46. Jahrg.
1911.
Erstes Blatt.
Der heutigen Nummer liegt bet Kreisblatt Nr. 8.
Bestellungen
für die Monate Februar und März auf die „Oberhefsische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Reustadt, Wetter, Ebsdorf, Hachborn, HeSkem-Möll«, Set« »enhnfen, Dreihausen, Wittelsberg, Riederweimar, Riederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Postanstatten und Landbriefträgern entgegengenommen.
Gefühlsroyalisten oder Vernunfls- monarchiften.
Zm Anschluß an unseren gestrigen Leitartikel gingen uns von hochgeschätzter Seite folgende Ausführungen zu:
Die Männer, die mitgeholfen haben, uns das Reich zu errichten, sehen in uns ein undankbares, entartetes Geschlecht. Sie hoben den deutschen Kaiser auf ihren Schilden empor: wir reißen ihn herunter. Was ihnen heilig war, ein Symbol nationaler Größe, was ihnen als reifen Männern die Tränen der Begeisterung in die Augen trieb, das ist uns ein sterblicher Mensch mit vielen Fehlern, ein Kugelfang für öffentliche Kritik, ein Ding, an dem jeder Naseweis sich reiben kann. Die Alten von ehedem fühlen sich heute nur noch wohl bei der jüngsten Jugend. Aus deren lleberschwang schöpfen sie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, in der ein Kaiser und ein Volk auch seelisch wieder zusammenhangen.
Vielleicht sehen ste aber die Gegenwart zu schwarz. Mitten unter dem Korybantenlärm derer, die ihrem Maß eine Este -"zusetzen vermeinen, wenn sie ragende Größe um einen Zoll herunterreißen, übersehen sie die Stillen im Lande: sie haben nie an ihrem Kaiser gezweifelt. Diese Stillen kommen jetzt an Kaisers Geburtstag vielleicht nicht einmal zu dem offiziellen Festesten oder zu irgend einem Kommers, weil sie das fcbeußlitbe „Simvlizistimus"-Btld mit der Umschrift abschreckt: „Der Deutsche ist am loyalsten, wenn et am besoffensten ist?" Aber sie ar-
20 (Raddruck •'•'•^oten.)
Der stille See
Roman von H. Courths-Mahler.
(Rortfceung.)
Da war er doch wahrlich mit Ruth bester bunt. Et heuchelte wenigstens nicht Gefühle, die sie nicht empfand.
Sorgsam geleitete er seine Brat t die Treppe hinab in den Wagen zurück. Eine Weile blieben sie ftumm. Ruths Gesicht war unbewegt wie immer, aber auf der Stirn sah er ein paar feine Fältchen Die Generalin und ihre Tochter hatten ih- trotz der übcrflietzenden Liebenswürdigkeit einen unsympathischen Eindruck gemacht. Und Ruth war sehr feinfühlig.
Hans RochUs sah immerfort auf diese Fältchen, als wollte er enträtseln, wodurch sie entstanden waren
„Wie gefallen dir die beiden Damen, Ruth?" fragte er plötzlich.
Sie errötete, weil sie glaubte, er habe ihre Gedanken erraten.
Fräulein von Sontheim ist eine große Schönheit, und ihre Mutter war sehr liebenswürdig."
Es gefiel ihm, daß sie nicht mehr sagte, aber es reizte ihn, sie weiter zu fragen:
„Ist das ein erschöpfendes Urteils
Eie blickte flüchttg zu ihm auf.
„Verlangst du ein solches von mit?"
„Es wäre mir interestant, deine Meinung über die Damen zu erfahren."
„Dann mutzt du mir Zeit lasten, bis ich sie näher keimen gelernt habe. So schnell vermag ich mir kein Urteil über Menschen zu bilden."
„Ich glaubte, etwas in Hilde» Wesen sei dir unsympathisch, weil du nicht darauf eingingst, al» sie Mr ihre Freundschaft anbot."
beiten für Kaiser und Reich, indem sie an heimischem Herde die Treue ohne viele Worte pflegen und das Heranwachsende Geschlecht wieder zu Eefühlsroyalisten erziehen, wie wir sie einst hatten und wie sie Preußen-Deutschland groß gemacht haben. Fichte behält Recht: Es ist die „Kraft des Gemütes", die Völkerschicksal entscheidet. Diese Kraft, die unsere Vorväter besaßen, müsien wir uns wieder erobern — und sie können wir dann an Kaisers Geburtstag stolzer preisen, als die Fortschritte der Technik und das Wachsen der Millionenschätze.
Auch in dem Verhältnis des Staatsbürgers zu seinem Monarchen tut ein kindliches Herz uns not. Unser sogenannter Vernunftmonarchismus hat auch nicht die Kraft zu heldenhaftem Aufschwung, zu selbstloser Aufopferung. Als einst der König rief und alle, alle kamen, da kannte man solche Vernunft, die kalt und rechnerisch die Vorteile der „monarchischen Staatsform an sich" abwägt, noch nicht. Sie weiß nichts von dem in den Tod gehen für einen Herrscher, weil er der Herrscher ist: sie sagt: dem Staate geht es gut, wenn es den Bürgern gut geht, also laßt uns für unser Fortkommen sorgen? Dächten unsere Monarchen ebenso, so wären wir längst untergegangen. Friedrich der Große riß das Silber von den Galerien im Schloste, Friedrich Wilhelm III. verkaufte den letzten goldenen Teller des Hausschatzes und gab das Geld dahin für die Armee.
Heute ist wieder ein eiserner nationaler Wille lebendig geworden auf dem Throne. Und' die Männer, die noch die preußischen Konfliktsjahre miterlebt haben und die Wiederaufrich- tung unserer Wehrmacht, sehen die alten Zeiten wiederkehren, wo der Eine an bet Spitze, der König, der Kaiser, sich durchrang gegenüber der gesamten öffentlichen Meinung und das Instrument künftiger Siege schuf. Wir ernten bereits. Wir kommen voran in der Welt, weil wir stark sind zu Master und zu Lande: alle Einkreisunas- gelüste der Feinde wurden zu schänden. Und da wird Kaisers Geburtstag für uns zu einer Weibestunde des dankbaren Gemütes, zu dem schönsten Augenblick int Jahreslaufe.
Neuer Dorstedoschießstmid nn der Eckern- förder Bucht für qroße Schußentfernunstkn.
Im Marineetat 1911 wird der Bau eines neuen Torpedoschießstandes an der Eckernförder Bucht gefordert. Die erste Rate beträgt 300 000 «4, die Forderung im ganzen 1350 000 M; das Gelände ist schon gekauft, der Bauentwurf fertig. Die Begründung lautet: „Infolge der schnellen Entwicklung der Torpedowaffe kommen jetzt Schußweiten in Frage, die über die Schußfelder der vorhandenen Torpedoschießstände in Friedrichsort und an der Sttander ■JJ ■■ !■ ■ .......==Sj
Wieder errötete Ruth.
„Ich empfand, daß sich Fräulein von Sontheim damit übereilte. Sie meinte es gewitz gut. Aber ich bin schwerfällig und vermag nicht so schnell Freundschaft zu empfinden. Es wäre eine Lüge gewesen, hätte ich gesagt, daß ich diese angebotene Freundschaft erwidere. Das braucht Zeit bei mit."
„Und Lügen find dir verhaßt, nicht wahr?"
„Das find ste wohl jedem Menschen."
„Dann würde nicht sehr viel gelogen auf Ur Welt"
„Manchmal zwingt einen die Rot dazu."
Er seufzte.
„Auch ohne Rot wird gelogen, glaub' es mir. Aber noch einmal auf das The. ' der Freundschaft zu kommen — du sagst, du bist schwerfällig, und vermagst nicht so schnell Freundschaft zu empfinden. Wie la:.je mußt du wohl einen Menschen kennen, um zu wisten, ob du ihn zu deinen Freunden rechnen möchtest?"
Eie preßte die Lippen zusammen, als wolle fie eine schnelle Antwort zur^ckhalten.
„Darauf kann ich dir keine genaue Antwort geben," sagte fie dann zögernd. Er sah ihr an, daß ihr das Eingehen auf diese Frage unangenehm war. Es war das erstemal, daß fie sich überhaupt mit ihm auf eine tiefer gehende Frage einlietz, und er wollte sie nicht freigeben.
„Schade," sagte er halblaut, „ich hätte «s gern gewutzt."
Sie fragte nicht: warum? So gern er es auch gehört hätte.
So fuhr er ungefragt fort:
„Da ich nun weiß, daß du nicht aus Höflichkeit eine Freundschaft heuchelst, die du nicht empfindest, hätte ich dich gern gefragt, ob ich mir deine Freundschaft erringen kann."
6te wurde dunkelrot, und ihr Rund zuckt« wie
Bucht hinausgehen." Da die Bearbeitung des Bauentwurfs nicht aufzuschieben, seien die Kosten dafür schon außeretatsmätzig verausgabt. Dieses Borgehen der Marineverwaltung legt die Frage nah«: Woher diese Steigerung der Torpedoschutzweiten?
Der Torpedo war ursprünglich eine Rahwaffe. Bis in die Mitte der 90et Jahre betrugen die Entfernungen höchstens bis zu 400 Meter. Da trat vor etwa 15 Jahren Obry, ein österreichischer Ingenieur, mit einer Erfindung hervor, mit der er den Gradlauf des Torpedos und seine Treffleistungen verbessern und die Reichweite der Waffe vergrößern wollte. Der neue Apparat war ein Gyroskop, d. h. er bestand im wesentlichen aus einem Kreisel, der, nach allen Richtungen frei beweglich, im Schwanzstück des Torpedos aufgehängt war und im Augenblick des Abfeuerns in lebhafte Umdrehungen versetzt wurde. Die Achse eines stark rotierenden Kreisels behält, bekannten physikalischen Gesetzen folgend, die einmal eingenommen« Stellung inne. Obrys Kreisel stand durch ein Gestänge mit dem Steuer in Verbindung. Wich der Torpedo nun aus irgend einem Grunde, z. B. infolge von Seegang, aus seiner ihm bei der Lanzierung gegebenen Richtung ab, so wurde er durch das Gyroskop und die von ihm betätigte Steuermaschine wieder auf seinen alten Kurs zurückgesteuett und so stetig in fast schnurgerader Richtung erhalten. Die Marineverwaltung kaufte das Patent an und das Gyroskop hat gehalten, was der Erfinder versprach. Nachdem die Kinderkrankheiten überwunden und die Entwicklungsjahre durchgemacht sind, ist unser „Gradlauf- apparat" ein kriegsbrauchbarer und heute unentbehrlicher Bestandteil des Torpedos geworden. Der alte Torpedotyp genügte bald nicht mehr. Der Eradlauf- apparat ermöglichte es, die Torpedoschutzweiten erheblich zu vergrößern. Steigerungen des Torpedokalibers und der Torpedolänge war die Folge.
Alle Marinen, auch die englische Marine, arbeiten seit einer Reihe von Jahren mit äußerster Anspannung in diesem Sinne. Zur Erprobung der neuen, weitlaufenden Torpedos bedarf man der Probeschieß- stände. Von den in England geplanten oder fertigen neuen Schietzständen find drei mit Schußfeldern bis zu 9000, 10000 und 11000 Meter schon in Betrieb. Einer Weiterentwicklung des Torpedos steht auch bet uns und in anderen Marinen technisch nichts im Weg«. Wir werden daher übet kurz oder lang allgemein mit Laufstrecken bis zu 10000 Meter zu rechnen haben.
Die Fortschritte, welche die Torpedowaffe im letzten Jahrzehnt gemacht hat, mutzten unter anderem naturgemäß auch die Verwendung der Schiffe int Gefecht beeinflussen. Da es sich verbietet, mit den eignen Schiffen in den Schußbereich des Gegners zu kommen, zwang der Torpedo zu immer grötzeren Gefechtsabständen. Kürzlich hielt — wie die englische Presse meldete — ein Teil der englischen Heimatsflotte eine Torpedoschietzübung im Eeschwaderver- banbe ob, wobei bie beiden gegnerischen Linien 4500 Meter von einander abbtteben. Die Parteien schossen aus den llnterwasserbreitseitrohren der Linienschiffe und sollen dabei 100 v. H Treffer erzielt haben. Solche Leistungen lehren, welche Gefahr damit verknüpft ist, in den Schußbereich bet Torpeboarmierung
im Schmerz. Et sah fie sorschenb ar, unb sr empfand es, trotzdem fie die Augen gesenkt hielt.
„Gewiß kannst du es. Wen: wir uns länger kennen, wirst du aber vielleicht einsehen, daß es sich nicht lohnt, um meine Freundschaft zu werben."
Er zog ihre Hand an seine Lippen.
„Darüber gestatte mit, selbst zu entscheiden."
Sie schwieg und sah von ihm fort zum Fenster hinaus. Dabei wünschte sie sehnlichst, daß dieses Alleinsein ein Ende haben möge.
Hans Rochus ließ fie gewähren. Man muß nicht zu viel von einem Menschen vetlanaen, sagte er sich.
Als et sich später von ihr verabschiedet hatte und seine Wohnung zuschritt, dachte er schon nicht mehr an sie. Sein Interesse an ihr hielt nur an, so lange er sie sah.
Die Generalin und Hilde erwiderten schon in den nächsten Tagen Ruths Besuch. Sie waren viel zu neugierig, wie es in dem Hause Peter Ravenports aussah. Seine Millionen verliehen ihm einen gewissen Nimbus.
Da Hans Rochus nicht zugegen war, gab sich Ruth freier und ungezwungener. Hilde betrachtete fie ganz erstaunt übet diese Veränderung.
Peter Ravenpott kam herauf und begrüßte die Damen. Kein Zug feines Gesichts verriet, daß er im stillen darüber triumphierte, daß die beiden Damen ihm bedeutend liebenswürdiger begegneten als sonst. Et hatte es nicht anders erwartet, denn et kannte die Menschen und wußte, daß Gold eine Macht war, bet so leicht niemand rotberftanb.
Als bie Eontheimschen Damen später auf dem Heimwege waren, sagte Hilbe verwunbett:
„Mit ist unbegreiflich, batz die Ravenports in so kleinbürgerlichen Verhältnissen leben bet dem enormen Vermögen. Wenn ich mir Hans Rochus in diesem gräßlichen' Salon denke, kommt mich bas Lache« an.“
eines auf bet Höhe bet Ausbildung stehenben Geschwaders hineinzugeraten. Die vergrößerten Tor- pedoschußweiten verweisen die kämpfenden Flotten auf die hohe See, wo es möglich ist, bie entsprechenden Abstände innezuhalten.
Damit sinkt wiederum die Bedeutung des Unterseebootes für die Entscheidung im Seekriege.
Der unaufhaltsamen, technischen Weiterentwick- hing der Torpedowaffe muß auch bet uns Rechnung getragen werden. Dazu gehören außer anderem brauchbare weit ausgedehnte Schießstände. Kein Platz in der Umgebung von Kiel konnte geeigneter sein als die Bucht von Eckernförde wegen ihrer gleichmäßigen und großen Tiefen, ihres schwachen Verkehrs und der geschützten Lage. Das Schutzfeld dort ist für Torpedos unbegrenzt.
Konter-Admiral z. D. Recke.
PoMsche Umschau.
Weibliche Gesetzgeber.
In London stürzen sich die Suffragetten noch auf fremde Männer, auf die Minister. In Norwegen aber, unter dem knorrigen Bauernvolk, ist in aller Ruhe das Frauenstimmrecht durchgeführt worden. Heute melden alle demokratischen Blätter entzückt, daß die erste Abgeordnetin, eine Lehrerin, in das Storthing in Christiania eingezogen ist. Aber die Blätter vergessen, mitzn- teilen, daß die Hoffnungen der Linken schmählich enttäuscht sind, denn die norwegischen Frauen stimmen zum größten Teil, selbst als Gattinnen von Radikalen, für — die äußerste Rechte, und haben dadurch wesentlich zum Sturz des radikak- sreisinnigen Ministeriums beigetraoeft.
Der neue Entwurf zu einem Fischereigesetz.
Hebet den Inhalt eines Entwurfs zu einem neuen Fischereigesetz kann die „Inf." folgendes mitteilen: Wie bereits bekannt, soll das neue Fischeteigeketz im Unterschied zu dem geltenden Gesetz auch das Privat- recht der Fischerei enthalten. Die Verwirklichung dieser Absicht hat die völlige Umarbeitung des bereits früher aufgestellten Entwurfes notwendig gemacht, die im Landwirtschaftsministerium jetzt beendet ist. Der neue Entwurf eines Fisckereigesetze» zerfällt in 10 Abschnitte. Der eite Abschnitt enthält die allgemeinen Vorschttsten über das Geltungsgebiet des Gesetzes und die Einteilung der Fischgewässer. In dem zweiten Abschnitt sind nähere Bor- schristen über das Fischereirecht und seinen Inhalt getroffen. Hier findet sich auch die gesetzliche Regelung der Fischerei im Falle der Ueberfhitungen von Fischgewässern und in Anlebung des Rechts nuf her Betretung der Ufergrundstücke. Der brttte Abschnitt sieht Beschränkungen der Ausübung des Frscherei- rechtes vor: et enthält u. a. di: Vorschriften für Gemeindefischereien. Abschnitt vier regelt das Genossenschaftswesen und zerfällt in 5 Titel. Der erste Titel enthält allgemeine Bestimmungen über Rechtsfähig, feit, Satzungen, Organisation, die Arten der Ge> nossenschasten (Schutz- und Wirtschaftsgenossenschaften), ihre Rechte und Pflichten: der zweite Titel behandelt Genossenschaften mit Beitrittszwang: in,
Ihre Mutter zuckte die Schultern.
„Was willst du. Ravenpott ist eben ein Emporkömmling. Zum Glück für Hans Rochus aber keiner von der Sorte, der anständigen Menschen auf di« Nerven fällt. Auch seine Tochter benimmt sich tadellos. Sie find beide ruhig und zurückhaltend, während derartige Menschen sonst leicht aufdringlich werden."
„Mir scheint, als ob dies« Ruth in der Zurückhaltung etwas zu weit ginge."
„Ich fand fie heute ganz nett. Neulich erschien sie mir auch etwas steif und schwerfällig. Sie war sicher befangen, weil fie nicht gewöhnt ist, in unseren Kreisen zu verkehren."
„Mag sein. Aber wie ein Bild ohne Gnade wirkte fie auch heute. Hans Rochus wird erfrieren in ihrer Gesellschaft."
, Die Generalin lachte spöttisch.
„Er wird sich gewiß schadlos halten. Bei solch einer Konvenienzheirat schneiden die Männer immer noch am besten ab. Man kann seiner Braut nur gratulieren, wenn fie fischblütig ist."
Hildes Augen starrten mit einem sonderbaren Ausdruck vor sich hin.
„Ja — in solchen Fällen ist heißes Blut für ein« Frau eine schlimm« Zugabe," sagte st« dann gepreßt.
Die Generalin kannte ihre Tochter nicht. 6it hatte sich nie die Mühe genommen, ihr Inneres zu ergründen. Früher, zu Lebzeiten ihres Gatten, al« fie selbst noch eine schöne Frau war, hatten fie eigene Angelegenheiten zu stark beschäftigt. Di« Erziehung ihrer Tochter hatte sie fremden Menschen überlasse«. Und als dann Hilde begann, ihr Interesse zn erwecken, als ihre Schönheit ein wichtiger Faktor der Rechenerempel der Mutter wurde, da hatte di« jung« Dame schon gelernt, Komödie zu spielen, auch der Mutter gegenüber. Dies« wußte auch jetzt nicht, MM I in der Seele ihres Kindes vorging. — - 1 (Fortsetzung folgt}