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M 20

Dr Hitzeroth.) Markt 21, Telephon 55.

I

Erstes Blatt

Unberufene Besserwisser.

wre

an­sei, der

46. Jahrg.

1911.

Unterseeboote müssen selbstverständlich schon jetzt auch aus der hohen See manövrieren, und zwo - die einen hier, die anderen dort, sodaß es ganz unmöglich ist, ihnen das Dockschiff immer zur Seite zu stellen oder auch nur in schnell erreichbarer 5P ilje zu halten. Etwas anderes ist es mit einem begleitenden Tor­pedoboote. Ein solche» ist, soweit wir unterrichtet stnd immer zugegen.

zu erkennnen. Ueberdies hätte man sich auch sagen müssen, daß Deutschland im Laufe der letzten Jahr­zehnte genug Beweise dafür gegeben hat, daß es ein tatsächliches und nicht nur ein vorgebliches Interesse an der inneren und äußeren Stärkung des türkischen Reiches zum Ausdrucke gebracht hat.

Marburg

Dienstag, 24. Januar

Angeklagten beschäftigt. DieKölnische Ztg." schrieb von den Angeklagten, man sähe keine Cantons und Marets auf der Anklagebank, st« sähen aus, als ob sie einer Jahrmarktsrauferei bezichtigt werden. Dieses Urteil ist durchaus zu­treffend. Die Rauflust war aber nicht nur unter der Menschenmenge, sondern auch unter den Po­lizeibeamten. Neben den Angeklagten, meine Herren Geschworenen, sitzt die Polizei auf der Anklagebank. Die Polizei, die ihrerseits viel getan hat, um aus harmlosem groben Unfug einen Landfriedensbruch zu provozieren Aller­dings sitzen Sie nicht über die schuldigen Polizei­beamten zu Gericht . . . Vorsitzender (unter­brechend): Sie haben die Angeklagten zu vertei­digen, die Polizei fitzt hier nicht auf der Anklage­bank. Ich ersuche Sie, den Ausdruckschuldige Polizei" zurückzunehmen. R.-A. Rosenfeld: Ich habe garnichts zurückzunehmen und bitte um einen Gerichtsbeschluß darüber, ob diese Unter­brechung meines Plädoyers gerechtfertigt war. Ich sprach hier lediglich von den Polizeibeamten, von denen der Herr Oberstaatsanwalt gesagt hat, sie hätten sich Roheiten zuschulden kommen lasten, sowie von dem Mörder des Arbeiters Hermann. Sämtliche übrigen Verteidiger legen ebenfalls Protest gegen die Unterbrechung ein. R.-A. Heinemann: Ich stelle folgenden Antrag und erbitte darüber einen Gerichtsbeschluß: Die Ver­teidigung erblickt in den mehrfachen Unterbrech­ungen ihrer Plädoyers durch den Herrn Vor­sitzenden eine Beschränkung der Verteidigung, insbesondere in dem Fall des Rechtsanwalts Ro­senfeld. Sie bittet, in einem Gerichtsbeschluß auszusprechen, daß die Unterbrechung zu unrecht erfolgt isi. Oberstaatsanwalt Preuß: Ich halte das Einschreiten des Herrn Vorsitzenden für durchaus berechtigt und der Sachlage nach für notwendig. Ich bitte den Antrag abzulehnen. Nachdem das Gericht etwa eine halbe Minute beraten hat. verkündet der Vorsitzende folgenden Gerichtsbeschluß:Das Gericht hält die Unter­brechung für notwendig und durch die Sachlage für unbedingt geboten." Verteidiger R.-A. Rosenfeld führt darauf sein Plädoyer ohne wei­teren Zwischenfall zu Ende. Er schließt mit dem Appell an die Geschworenen, zeigen Sie an Ihrem Wahrspruch, daß die Herren Geschwore­nen, die Richter aus dem Volke, erkannt haben, daß sie misten, wer daran Schuld ist, daß in Moa­bit Blut geflosten ist!

Sodann plädiert Rechtsanwalt Dr. Hertz als Verteidiger des als Rädelsführer anaeklagte, Fitzner und beantragt die Verneinung sämtliche, Schuldftagen.

Hierauf ergreift Iuitizrat Dr. Friedmann das Wort zu seinem Plädoyer in welchem er den Geschworenen eine förmliche Rechtsbelehrung er­teilt. Es sei bedauerlich, daß die Straftaten den Herren Geschworenen in Form einer Rechtsfrage voroeleat werden, die auf lebendige Menschen angewandt werden sollen. Man macht dadurch die Angeklagten zu lediglich wissenschaftlichen Obrekten. Der Geschworene ist ein Volksrichter,

Lobes für die Hülfeleistung gibt.

Im übrigen aber wächst, was jedenfalls für Deutschlandnaturgemäß" ist, mit jedem Tage die Zahl der Besserwisser. Insbesondere die freisinnige Presse wußte sofort ganz genau, was hätte ge­schehen müssen, um das Boot vor dem Sinken zu be­wahren und nachher auch die im Turm eingeschlosse­nen Männer zu retten. In der Budgetkommisfion stellte man den Staatsseftetär darüber zur Rede, wes­halb er nicht die sogenannten Rettungshelme für Unterseebootsbesatzungen eingeführt habe, wie sie in England im Gebrauche seien. Der Staatsseftetär d»s Retchsmarinemntrs erklärte, es befänden sich ähnliche Apparate im Versuchsstadiurn. Dabei weiß man nicht, ob diese Helme sich tatsächlich in England be­währt haben: uns ist jedenfalls kein Fall bekannt- Auf einem Unterseeboote, wo die Gewichtsfrage eine so außerordentliche Rolle spielt und wo kein Kilo­gramm eingeschifst wird, das nicht unbedingt not­wendig wäre, kann man selbstverständlich nur solche Apparate einführen, von denen nicht nur das Funk­tionieren durchaus sichergestellt ist, sondern von denen man auch weiß, daß sie in dem in Betracht kommen­den kritischen Augenblick in kürzester Zeit von dem Manne angelegt werden können, daß es ferner mög­lich ist, sie derart unterzubringen, daß jeder Mann der Besatzung unter allen denkbaren Derhältnisie.r imstande ist, den ihm gehörigen Apparat zu erreichen. Kurz, die Einführung einer solchen Neuerung ist nicht ganz einfach, außerdem sehr verantwortlicher Natur.

Auch über den von uns neulich schon berührten Punkt des Dock- und HebeschiffesVulkan" rst in der Preste wie in der Budgetkommission gesprochen wor­den. Man mußte zugeben, daß auch derVulkan" periodisch zum Docken gezwungen ist. zog r »er daraus umgekehrt die Schlußfolgerung, daß unter solchen Umständen die Unterseeboote nicht üben dürfen. Da­gegen muß nun aber mit aller Energie betont werden, daß das Untersee^bot -ine Waffe ist oder werden soll, die selbständig arbeitet und zur See fährt. Es geht unmöglich an, die Ausbildung unserer Untersee­boote durch eine derartige Beschräi 'ung einzuengen, das wäre ein Verzicht auf jede Kriegsbereitschaft.

Die Moabiter Straßenkrawalle vor dem Schwurqericht.

Berlin, 21. Ian.

Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerickts- direktor Unger ergreift das Wort Verteidiger R.-A. Rosenfeld zu seinem Plädayer. Zu den Einzelfällen der von ihm verteidigten Angeklag­ten Tau, Bruhn und Bonnet führt er aus, daß unzweifelhaft kein Landfriedensbruch, sondern allenfalls grober Unfug vorläge. In den weite­ren allgemeinen Ausführungen des Verteidigers kommt es zu einem Zusammenstoß mit dem Vor­sitzenden. R.-A. Rosenfeld erklärte u. a.: Die Zei­tungen haben sich wiederholt mit den Taten der

Ausland.

** Der Panamakanal. Newyork, 22. Jan. In einer Ansprache an die Pennsylvania-Gesell­schaft in Newyork erklärte Präsident Tast, die Abänderung des Abkommens zwischen den Ver­einigten Staaten und England über den Pa­namakanal habe zum Zweck, das Recht der Be­festigung des Panamakanals wieder zu erlangen. Der Vertrag mit Panama enthalte ausdrücklich die Anerkennung dieses Rechts. Keine einzige Nation, einschließlich Englands, habe bei den Vereinigten Staaten das Unvermögen angenom­men, den Kanal zu befestigen. Taft berührte so­dann den Vorschlag, den Kanal durch ein inter­nationales Abkommen zu neutralisieren. Er fragte: Nachdem wir 500 Millionen Dollars zur Erleichterung der nationalen Verteidigung aus­gegeben haben, sollen wir auf den halben militä­rischen Wert des Kanals verzichten, indem wir den Vorteil davon einer Nation zukommen lasten, die uns zu vernichten sucht? Taft erklärte weiter: Gerade durch die Bedingungen des Ver- ftages mit England find wir verpflichtet, den Kanal in gutem Zustand zu erhalten, als Durch­gangswege für alle ftiegfübrenden Parteien, so­lange wir nickt selbst in den Streit mit hinein­gezogen werden. Gebe niemand in seiner Frie­densliebe nach, so schlage er vor. wenn er die Zu­stimmung der betreffenden andern Staaten er­langt habe, dem Senat Sckiedsoericktsverträge zu unterbreiten, die in ihren V-stsmmunaen wei- terginqen als alle bisher ratifizierten und weiter als alle zwischen irgend welcken Nationen be­stehenden Verträge. Aber er könne sich nicht vor der Möglichkeit eines Krieaes verschließen. Man habe die Zeit noch nicht erreicht, wo man auf die Beilegung aller internationalen Streitigkeiten durch einen Schiedssnruck recknen könne.

Die Kundgebungen und Beurteilungen der aus­ländischen Presse bestätigen unsere neuliche Auffassung, daß die 5ülfeiei""ng nach dem Si ken des Untersee­bootU 3" außerordentlich prompt, energisch und geschickt gewesen ist. Ein französisches Blatt erklärte, es fei das erste Mal, daß in einem solchen Falle nähernd die ganze Mannschaft gerettet worden und man müsse das um?o höher anerkennen, als deutschen Marine im Unterseebc twesen nicht an­nähernd die gleiche Erfahrung zur Seite stehe, den übrigen, zumal der französischen, der englischen und amerikanischen. Das gleiche wurde auch in der Budgetkommi'.on des Reichstages von einem frei­sinnigen, in Kiel wohnhaften Abgeordneten anerken­nend hervorgehoben. Er hätte ft-, sonst auch in Widerspruch mit der gesamten Bevölkerung unseres Kriegshafens gefetzt, in dem es nur eine Stimme des

Die Zweifel der Türkei.

Auf Grund von Erkundigungen an maßgebender Stelle ist unsere Berliner Redattion in der Lage, uns Nachstehende Ausführungen zu übermitteln:

Es ist eigentlich kein Wunder, daß man in der Türkei durch die ebenso raffiniert geleitete wie aus­giebige englische und französische Zeitungshetze gegen das Deutsche Reich sich etwas beunruhigt gefühlt hat. Das deutsch-russische Abkommen über Persien ist be­kanntlich noch nicht veröffentlicht worden, wohl da­gegen konnte ein Londoner Blatt vor einiger Zeit den Text einer russisch-deutschen Note veröffentlichen, der wahrscheinlich der späteren Wirklichkeit ziemlich nahe kommt, andererseits aber nicht alles enthält, was das spätere Abkommen enthalten wird.

* Jene angebliche Note ist allem Anscheine nach von deutschfeindlicher russischer Seite, vielleicht durch ver­steckte Urheberschaft des Herrn Iswolsky selbst, in die Oeffentlichkeit gelangt mit dem Zwecke, die Türkei mißtrauisch zu machen. Sie sollte glauben, daß das Deutsche Reich mit Rußland, ohne die türkische l.e- gierung zu fragen ober sie auch nur zu benachrichtigen, nicht nur über das persische Interessengebiet, sondern auch über türkische Interessen aus türkischem Boden verhandele.Da habt Ihr die berühmte und ge­priesene Freundschaft des Deutschen Reiches!" sagten die englischen und ftanzöstschen Blätter den Türken. Die türkische Regierung befindet sich bekanntlich noch keineswegs in einer absolut gesicherten Lage, weder nach außen, noch nach innen. Und die öffentliche Meinung in der Türkei ist in ihrer Disposition wie in ihren Aeußerungen zu Ueberfteibungen geneigt. Ihre politische Bildung ist gering und die Tradition fehlt ihr, wie es ja nach den Zeiten Abdul Hamids nicht anders erwartet werden kann. Man fühlt sich beunruhigt durch die nicht endenwollenden Aufstände im türkischen Reiche: früher in Albanien, bann in Syrien und jetzt in Renten; dazu I mmen die make­donischen Unruhen. Nach außen hat die Türkei sich im vergangenen Jahre bekanntlich das Mißfallen Englands und Frankreichs erworben und wenn diese Mächte auch nur durch eine en prechende Politik leicht versöhnbar wären, so würde das selbstverständ­lich eine ganz erhebliche Schwäche der türkischen Po­sition nach außen hin bedeuten. Nimmt man alle diese Umstände und Verhältnisse zusammen, vor allem aber die geschickt geleitete und mit vielem Gelde unter­stützte Hetzerei, so ist, wenn nicht zu rechtferttgen, so doch zu entschuldigen, daß sich eine gewisse Unruhe der Türken bemächtigte. Der deutsche Botschafter, Freiherr von Marschall, hat freilich sofort das Sei- nige zur Aufklärung getan, aber es dauerte doch einige Zeit, bis sich die Wirkungen feiner Vor­stellungen bem.rkbar machte. Erst in dielen Tagen tonte man aus den Auslassungen der türkischen Presse die Gewißheit gewinnen, daß das oegen Deutschland keimende Mißtrauen wieder völlig beseitigt ist.

Vom deutschen Standpunkte gesehen, wäre es ja außerordentlich töricht, wollte nun auf Kosten der Türkei arbeiten, zumal, da eine Einigung Deutsch­lands mit Rußland über die Dinge des nahen Orients sehr gut, ohne der Türkei irgendwie zu nahe zu treten, möglich ist. Diese Erwägung allein hätte eigentlidj für die Türkei genügen müssen, um die eng­lischen und französischen Unterstellungen als haltlos

mit dem Streisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und de,. Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschastbche Berlage.

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7g.spaltene Zette oder d-ren Raum 15 4, bei auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder 'Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs fein Ratmtt Verbindlich feit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. Für Anzeigen, bet denen der Auftraggeber in der Expedition mitgeteilt werden soll, wird eine Gebühr von 10 4 erhoben.

16 (Nachdruck verboten.)

Der fülle See.

Roman von H. Eourths-Mahler.

I Forti etzung.I

Bei Sontheims war Hans Rochus in der letzten Zeit seltener gewesen als sonst. Die Besuche ganz zu unterlassen, wie er es am liebsten getan, ging nicht an. Es hätte vor all n Dingen Kracht auffallen müssen. Diesen traf Hans Rochus fast jedesmal bei den Damen, und er sah dann mit einet Art dumpf- schmetzlichet Neugier Hildes Treiben zu. Sie schien nur für Kracht auf der Welt zu sein. Süß, schmei­chelnd und bestrickend war ihr Wesen ihm gegenüber. Ihre Augen strahlten ihn an, als sei et der Eine, der Einzige, dem ihre Seele in heißet Sehnsucht ent­gegengeflogen wäre . Und Hans Rochus wußte doch, daß es berechnende Komödie war. So hatte sie auch ihn angesehen früher, und hatte ihn um Sinn und Verstand gebracht. Etwas wie Vetach ung ihres kätzchenhaften Wesens erwachte in ihm, aber trotzdem empfand er den quälenden Schmerz um ihren Verlust ft der gleichen Stärke. Er wehrte sich dagegen, wollte sich zwingen, ruhig und gleichgültig über sie zu denken, aber der Schmerz war noch zu stark und zu neu, um ihn unterdrücken zu können.

Und Kracht fttahlte vor Glück. Sein gutmütiges, etwas breites Gesicht verklärte fick völlig wenn et Httde betrachtete. Wie ein ungelenker Bär wirkte et neben seiner schlanken, graziösen Braut. Wohlig ließ et sich von ihrem Liebreiz umstricken und fühlte sich Unmenschlich glücklich dabei. Triumphierend blickte er Han» Rochus an, wenn dieser Zeuge einet zärtlichen Gtene wat. als wollte er lagen:Gibt es wohl noch

einen Menschen, der so zu beneiden ist, wie ich?" Hans Rochus vermochte es kaum mit anzusehen. Et beschränkte seine Besuche, soviel es anging, und hielt sich nie lange auf.

Einmal traf er mit Herrn von Wendling bei Sontheims zusammen. Dieser schien in letzter Zeit von irgend einem schweren Kummer bedrückt zu fein Da Hildes und Krachts Verlobung inzwischen ver­öffentlicht worden war, glaubte Hans Rochus den Grund zu Wendlings verändertem Wesen zu kennen Das Gefühl gemeinsamen Schmerzes ließ ihn sich fester an Wendling anschließen Früher, als sie beide Rivalen waren, und sich gemeinsam um Hildes Gunst bemühten, betrachteten sie sich mit eifersüchtigen Augen. Obwohl einer vom anderen nicht wußte, daß Hilde ihnen beide Liebesbeweise gegeben hatte, ge­nügte doch schon der Umstand, daß sie sich als Rivalen erkannten, um sie gegeneinander einzunehmen. Jetzt schlossen sie sich fester an, ohne sich den Grund dazu einzugestehen.

Wendling glaubte noch immer, daß Hilde Sont­heim ihn nur allein liebte, und daß sie nur äußere Verhältnisse zur Verlobung mit Kracht gezwungen hätten. Sie hatte ihm unter Tränen versichert, daß sie nur auf den dringenden Wunsch ihrer Mutter Kracht ihr Iawott gegeben habe, und weil doch keine Hoffnung war, daß sie sich angehören könnten. Das sekb: Spiel wie mit Hans Rochus. Nur daß Hilde für Wendling wirklich etwas wie Siebe empfand, so viel ihre innerlich kalte Natur Liebe empfinden konnte.

Hans Rochus bemerkte mit Erstaunen, daß Hilde in Gegenwart Wendlings nicht halb so zärtlich und anschmiegend zu Kracht war, als sonst. Er fing auch, als et mit Wendling fortging, einen intensiv glühen-

den Blick auf. den Hilde mit diesem tauschte. Sollte sie auch mit Wendling falsches Spiel getrieben haben, wie mit ihm? Hatte sie etwa auch diesen an ihre Gegenliebe glauben gemacht?

Er sah leinen Begleiter forschend an. Der scköne, stattliche Mensch mit den faszinierenden, schwarzen Äuge t sah aus, als ringe er vergeblich nach Fassung. Mitleidig faßte ihn Hans Rochus unter den Arm. Komm laß uns eine Flasche Wein trinken wir wollen vergessen, daß ein anderer mehr Glück hatte als wir," sagte er eindringlich.

Wendling sah ihn düstet an.

Ich weiß, Hans Reckus, du heft sie auch geliebt. Sie ist zu hold und schön, jeder ist ihrem Zauber verfallen. Kracht ist ein beneidenswerter Mensch."

Wer weiß.Ich glaube nicht, daß sie ihn liebt," erwiderte dieser, um Wendling zu trösten.

Dieser sah verträumt vor sich hin.

.Nein, sie liebt ihn nicht, ich rreiß es, sie ist ein beklagenswertes Opfer der Verhältnisse. Das drückt mich am meisten. Wenn sie wenigstens glücklich wäre."

Hans Rochus preßte die Lippen aufeinander. Wo kann Wendling diese Gewißheit herhaben? Hilde hatte sich mit einem heißen Blick von ihm verab­schiedet es war klar, sie hatte auch mit ihm ge­spielt.

Groll und Verachtung wuchsen bei dieser Er­kenntnis in seiner Brust. Hilde Sontheim war eine berechnende Kokette, die mit Herzen spielte, und ste achtlos beiseite warf, wenn sie aus irgendeinem Grunde des Spiels müde war. Sie war nicht wert, daß er noch einen schmerzlichen Gedanken <m sie ver­schwendete......

Als er das nächste Mal zu Sontheim» ging, be­

schloß et. den Damen seine Verlobung mit Ruth Ravenport anzuzeigen. Die offv'eTtc Bekanntmachung sollte ohnedies in einigen Wacken erfolgen.

Trotz der Erkenntnis von Hildes Unwert be­zauberte sie ihn auch heute wied-r. Seine Augen folg­ten bewundernd den Semeannaen ihrer feingliederi­gen, eleganten Gestalt .Sie wußte ihre Cckönheit in sinnverwirrender Art zur Geltung zu bringen, und wenn auch sein Herz jetzt kalt blieb fein Blut wallte doch wieder auf, sehnend und verlangend, wenn er sie vor ihr sah.

Kracht war noch nicht da, wurde aber erwartet. Die Generalin ging in die Küche, um eine Erfri­schung zu bereiten. So war Hans Rochus seit langer Zeit mit Hilde wieder allein.

Sic sah ihn läckelnd an.

Du siehst jetzt immer so ernst und feierlich mw, Hanr Rockus. Das gefällt mir gar nicht an dir.

Du weißt doch, daß ich Veranlassung dazu ge­nügend habe." ö .

,3a dock ja aber vom Kopfhangen werde« deine Verhältnisse nicht besser. Ich sehe schon du machst keinen Ernst ich muß mich wohl nach einet passenden Partie für dich umsehen."

Er bekam einen roten Kopf. Ihr Ton erschien

ihm fast frivol

Die Mühe kannst du dir sparen, Hilde, ich eie heimlich verlobt, in zwei bis drei Wochen schicke ich

die Anzeigen aus.

Sie reckte sich empor und sah ihn erstaunt an. Verlobt du hast dich verlobt?"

Ja."

Sie schlug die Hände zusammen.

(Fortsetzung folgt.)