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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und bett Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

T icOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Ferertage. Der Bezugspreis beträgt vierteliährlich burch die Post bezogen 2.25 <M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitangsstellen und der Expedition (Markt 21), 2.00 M frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Untv.-Buchdruckerei 5!. A. Koch, (Inh.: Dr. Hitzeroth.) Markt 21, Telephon 55.

Marburg

Sonnabend, 21. Januar

1911.

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7g.spaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bei auswärtigen Anzeigen 20 H, für Reklamen die Zeile 40 j. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Ravatt Verbindlich, keit für Platz-, Datenvorschrist und Beleglieferung ausgeschloffe«. Für Atueigen, bet denen der Auftraggeber in der Expedition mitgeteilt werden soll, wird eine Gebühr von 10 4 erhoben.

46. Jahrg.

Erstes Blatt.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 6.

Die deutsche llnterseebootsabteilung.

Nach einer Meldung aus Kiel befinden sich nunmehr acht deutsche Unterseeboote im Dienste, und zwar teils als Unterfrebootsflottille, teil» als Ausbildungsfahrzeuge für die Unterseeboots- kchule. Für den letztgenannten Zweck dienen die ältesten Boote. Die Unterseebootsflottille und Unterseebootsschule sind an die mit dem vorigen Oktober neu geschaffene Organisation der Unter­seebootsabteilung in Xici uuWvl..,.v|jen und mit ihr zugleich entstanden. Die seit Jahrzehnten als mustergültig erwiesene Organisation der Torpedoabteilungen, welche setzt ja übrigens zu Torpedodivistonen erweitert worden find, hat der Unterseebootsdivision organisatorisch als Muster gedient. Die beiden Waffen sind ja auch sehr nahe verwandt, und der Dienstbetrieb für beide hat die mannigfachsten Berührungspunkte sowohl hinsichtlich der Ausbildung und der mili­tärischen Verwendung, wie auch hinsichtlich der zweckmäßigsten Art der Verwaltung. Auch die Torpedoabteilungen verfügten von Anfang an neben den Bootsdivisionen, deren Zweck aus­schließlich militärischer Natur war, über sogen. Schulboote.

Das Kapitel der Schule oder Ausbildung nimmt im 'lnterseebootswesen zweifellos noch einen gröberen Raum ein und besitzt eine noch größere Wichtigkeit, wie im Torpedobootsbe­triebe. Das Unterseeboot ist mit Mechanismen aller Art vollgestopft, es verlangt von jedem Manns der Besatzung verhältnismäßig hohe technische Kentnisse und praktische Fertigkeit und erfordert vor allem auch schon für das einfache Fabren an der Wasieroberfläche oder unter Wasier einen besonderen Zeitraum der Ge­wöhnung. Dieser muß den Beweis erbringen, ob der Matrose, Heizer, Unteroffizier und Offi­zier für diesen so ganz besonderen Dienst geeig­net ist oder nicht. Auf einem so kleinen Fahr­zeuge gibt es keine unnötige Person an Bord, sondern jeder einzelne Mann hat eine wichtige Verrichtung, die seine ganzen Fähigkeiten er­fordert, ir b deshalb darf auch nur solches Menschenmaterial verwandt werden, welches pbvsislb. intellektuell und nicht zum wenigsten auch moralisch durchaus auf der Höhe stebt. Für diese notwendige Auslese bildet die Unter- fech" schule das Sieb.

Die Unterseebootflottille, deren Zusammen­setzung im einzelnen bisher öffentlich nicht be­kannt gegeben ist, befindet sich naturgemäß militärisch jesit und bis auf weiter-s noch im

14 (Rachbruck verboten.)

Der stille See.

Roman von H. Csurths-Mahlee.

(Fortsetzung.)

Hilbe war froh, daß er es so ruhig hinnahm. Sie faßte seine Hand.

Erst sag mir, baß bu nicht mehr böse bist."

Nein, ich bin nicht böse," erwiberte er, gab aber ihre Hand ohne Druck frei.

Sie merkte es und warf den Kopf trotzig zurück.

Ich habe mich mit Kracht verlobt," sagte fie.

Er sah vor sich nieb r.

So mit Kracht. Dann kann ich dir gratu­lieren. Er ist nicht nur enorm reich, sonbern auch ein selten guter und liebenswürdiger Mensch. Nimm meinen Glückwunsch entgegen."

Er richtete sich auf unb küßte ihr mit konventio­neller Höflichkeit bte Hanb.

Sie dankte ihm in gleicher Weise, unb es entstand danach eine Pause. Endlich sagte fie leise, einschmei­chelnd:

Hans Rochus, mach doch nicht so ein trauriges Gesicht. Sieh für dich ist es b^ 4att die höchste Zeit, daß du dich nach einer vermögenden Frau um- fiehft. Ich will dir helfen ja? Ich suche dir eine Frau aus, die nicht nur reich, sondern auch liebens­würdig ist.«

Am liebsten hätte er ihr voll Biterekit in da» Gesicht gelacht.

Du bist zu gütig, Hilde. Aber ich muß danken. Dkach dir um mich keine Sorgen," sagte er ruhig.

Dann fei aber nicht mehr so traurig. Kracht Dann jede Minute hier sein. Er braucht dir nicht» ßmzumerken." |

Versuchsstadium. Ihr liegt ob, Grundsätze für die Taktik und auch die Strategie des Untersee­boots nach jeder Richtung hin festzulegen und Theorie und Praxis durch wechselseitige Ein­wirkung aneinander zu entwickeln. Es wäre sehr interesiant, wenn über diese Dinge gelegent­lich einmal Zuverläsiiges veröffentlicht werden dürste, aber vorläufig besteht dafür keine Wahr­scheinlichkeit, und ihre Schweigsamkeit darf man der Marineverwaltung nicht verübeln, denn fie ist wohl angebracht. Wir wissen nur, daß schon in den vergangenen Herbstmanövern der deut­schen Flotte Unterseeboote mitgewirkt haben und man erstaunt über ihre Leistungen und Er­folge gewesen ist. Auch über sehr gute Marsch­leistungen ist manches in die Oeffentlichkeit ge­drungen; man kann mit ihnen zufrieden fein. Freilich ist zu beachten, daß man über die Leistungen der neuesten Boote n^ch nichts weiß, daß aber gerade von ihnen dem Vernehmen nach eine ganz erhebliche Steigerung der Leistungen erwartet werden dürfte. Abgesehen von den acht in Dienst befindlichen Unterseebooten ist noch ungefähr ein halbes Dutzend fertig oder der Fertigstellung nahe. Alles in Allem: die Sache befindet sich auf gutem Wege.

Amtlicke Darstellung des Unglücks des UmerseebootesU 3*.

In der gestrigen Sitzung der Budgetkommis- fion des Reichstags verlas Staatssekretär v. Tir- pitz nachstehendes amtliches Telegramm aus Kiel über die Ursache und den Verlauf des Unfalls des Unterseebootesll 3":

U 3" machte am 17. Januar vormittags in der Heikendorfer Bucht Trimmübungen, wobfi durch Füllen der Tanks das Boot in tauch­bereiten. Zustand gebracht wird, ohne daß eine eigentliche Unterwasserfahrt stattfindet. Das Boot taucht soweit ein, daß das Deck eben unter Wasser kommt, während der Kommandoturm über Wasser bleibt. Als Begleitboot fungierte ll 1". Außer der etatsmäßigen Besatzung von zwei Seeoffizieren, einem Ingenieur und 18 Mann hattell 3" 10 Unterseebootsschüler an Bord, nämlich drei Seeoffiziere, zwei Ingeni­eure und fünf Mann. Als beim ersten Trimmen der umgelegte hintere Ventilationsmast ins Wasser kam, trat durch den Schieber, der diesen' Mast gegen das Boot abschließt, aus bisher un­erklärter Ursache

Wasser in schnell steigender Menge in den Maschinenraum

ein. Der Komandant ließ sofort die hinteren Ballasttanks ausblasen, um das Boot hinten zu erleichtern. Außerdem wurde versucht, das ein­dringende Wasser mit der Lenzpumpe auszu­pumpen. Die Sicherheitsgewichte wurden gelöst und fielen, zugleich wurden Televbonboje und

Er lächelte bitter. Ihre Sorge um ihn galt also nur dem Umstand, daß Kracht keinen Verdacht schöpfte.

Sei besorgt, ich werde mich zu beherrschen wissen. Außerdem weiß Krackt, als mein Freund, daß ich in swwiettgen Verhältnissen stecke. Er wird begreiflich finden, daß ich nicht so lustig bin."

Die Generalin trat wieder ein und tauschte einen forschenden Blick mit Hilde aus. Hans Rochus fing diesen Blick auf. unb ein starkes Unbehagen nahm von ihm Besitz. Er wußte nun, daß die beiden Damen im Einverständnis waren.

Krachts Wagen ist eben vorgefahren, Hilde", rief ihr die Mutter wie warnend zu.

Es ist gut, Mama. Hans Rochus habe ich meine Verlobung schon heute mitgeteilt. Er gehört doch zur Familie."

Allerdings. Was sagst du dazu, Hans Rochus? Macht Hilde nicht eine glänzende Partie?"

Gestatte, daß ich dir meine Glückwünsche dabringe, gnädige Tante."

Ich danke dir, Hans Rochus. Mache es nur Hilde bald nach."

Er neigte nut stumm das Haupt. Kracht trat ein. Mit strahlendem Lächeln begrüßte ihn Hilde, als hätte sie ihn sehnlichst erwartet.

,Hans Rochus ist eingeweiht", sagte sie lächelnd.

Die beiden Freunde reichten sich die Hand, und Hans Rochus empfand plötzlich Mitleid mit Kracht. Es war ihm sehr unangenehm, mit ansehen zu müssen, und liebte Hilde gewiß von ganzem Herzen. Daß sie in ihm nur die reiche Partie sah, wusste er gewiß. Er war ihm sehr unangenehm, mit ansehen zu müssen, daß Hilde Kracht gegenüber scheinbar in Liebe und Zärtlichkeit aufzugehen schien. Obwohl er wußte, daß

Hebebojen steigen gelassen. Trotz dieser Maß­regeln stieg das Wasser im Maschinenraum schnell soweit, daß der Raum verlassen werden mußte. Die Leute zogen sich zunächst in die Zen­trale zurück und schlossen das Schott, welches auch zunächst dicht hielt. Infolge der eingetretenen starken Neigung des Bootes floß vermutlich in den einzelnen Akkumulatorenzellen Säure über, wodurch Kurzschluß entstand und einige Hart­gummikästen, in denen sich die Akkumulatoren befinden, zu rauchen anfingen. Wegen des ent­stehenden Qualmes gab der Kommandant den Befehl, daß die Besatzung sich hinter das druck- feste Schott des Torpedoraumes (also des vor­dersten Raumes zurückziehen sollte.

Er selbst blieb in der Zentrale und blies von dort aus nunmehr auch die vor­deren Ballasttanks aus, um das Boot vorn, wo sich die Mannschaft befand, zu entlasten und über Wasser zubringen. Der Aufforderung, mit in den Torpedoraum zu kommen, folgte der Kom­mandant nicht, sondern ging, als er es wegen der Chlordämpfe in der Zentrale nicht mehr aushalten konnte, in den Kommandoturm, um von dort aus das Ausblasen der Ballasttanks fortzusetzen. Spater lief auch die unter dem Kommandoturm belegens Zentrale durch nach­dringendes Wasser teilweise voll.

Der Unfall war vonU 1" sofort bemerkt worden. Durch Telephonboje des gesunkenen Bootes wurde die Meldung anfgenommen: Der Hintere Teil ist voll Wasser g el a u f e n.« Eine wettere Verbindung durch die Telepbonboje war nicht möglich, da inzwi­schen die Zentrale, in der sich das Telephon be­findet, verlassen worden war. Durch Vermitt­lung des kleinen KreuzersAugsburg" wurde die Hilfe der Torpedoinspektion und Werst an­gerufen. Ta das HebeschiffVulkan" zur Er­ledigung der periodischen Bodenreintgung im Dock lag, war als erster der Werftkran im Ver­laufe einer knappen Stunde zur Stelle. Da nach Lage des Bootes angenommen werden mußte, daß die Besatzung sich vorn befand, wurde mit dem Kran das Vorderteil de» Schiffes soweit angehoben, daß die Mündung der dort liegenden Torpedolanzierrohre über Wasser kamen. Diese Art des Vorgehens schien nach Lage der Sache den schnellsten Erfolg zu versprechen. Auf Heran­ziehung desVulkan", der um 1,25 Uhr mittags eintraf, und der allein imstande war, das Boot in horizontaler Lage zu heben, wurde aber zu­nächst verzichtet, zumal der Schwimmkran zu dieser Zeit seine Takel durch Taucher schon ein- geschäkelt hätte. Durch die Torpedolanzierrohre wurden

die im Torpedoran« befindlichen 28 Leute gerettet.

Da das Schott zwar wasserdicht, aber nicht gas­dicht ist, hatten sie unter den durch das Schott

ihr Wesen nicht echt war, tat ihm doch bas Hetz weh vor Eifersucht. Gar zu reizenb unb holdselig sah bas scköne Mädchen aus. Die weich», schmiegsame Grazie, ihre Bewegunaen, bas süße kosende Plaudern, bte tiefen, heißen Blicke all bas kannte er an ihr, unb hotte es für ben Ausfluß ihres innersten Wesens ge­halten. Es hatte auch ihm einmal gegolten. Nun verschwenbete sie all ben betörenben Zauber an ihren Verlobten, .unb obwohl er nun wußte, baß es nur Komöbie war, er neibete Kracht doch jeder ihrer Blicke unb konnte seine Augen nicht von ihr abwen- ben. Schließlich konnte er es nicht länget ertragen «nh verabschiedete sich unter bem Vorwand einer ge­troffenen Verabredung.

Tief vetsttrnrnt und niedergedrückt schritt et seiner Wohnung zu. Das Leben erschien ihm schreck­lich öde und schal. Lohnte es sich denn, es wetter­zuführen und diese elende Komödie weiterzuspielen? War es nicht besser, er machte Schluß und rettete sich wenigstens das eigene Selbstbewusstsein in das dunkle Nichts hinüber? Was hatte er denn vor Hilde vor­aus? Durfte er ihr einen Vorwurf machen? Tat et nicht das Gleiche? Freilich fie heuchelte Liebe, wo fie keine emfanb. Das brauchte et gottlob nicht. Ruth Ravenport gab und verlangte keine Liebe von ihm. Er durfte ihr gegenüber wahr und ehrlich bleiben. Das allein machte ihm das Verhältnis et» träglich. Unb war nicht Ruths kühles, nüchternes Benehmen achtenswerter, als Hildes Zättlickkeiis- komöbie? Freilich, Kracht hätte fie wohl nicht zu feiner Braut gemacht, wenn er an ihrer Liebe hätte zweifeln müssen. Wollte fie ben rechten Mann haben, mußte fie ihn burch biefes Spiel erwerben. Das hatte Ruth Ravenpott nicht nötig. Sie schenke ihrem Verlobten mit ihrer Hand das Schloß seiner Väter zurück und ein großes Vermögen dazu. Warum tat

nachdringenden Dämpfen zu leiden gehabt. Sie haben sich nur dadurch solange halten können, daß ihnen durch den vorgesehenen Rotluft-An- schluß Luft von außen durch die Rettungsmann­schaften zugeführt wurde und fie die im Unter­seeboot befindlichen Mittel für Lufterneuerung in vollem Maße ausnutzten.

Inzwischen war festgestellt worden, daß fich der Kommandant, der Wachoffizier und der Rudergänger im Kommandoturm befanden. Mit diesen wurde eine Verständigung hergestellt und aufrecht erhalten durch beschriebene Tafeln, welche vor die über Wasser ragenden Sehrohre gehalten wurden. Die Antwort erfolgte durch Bewegen der Sehrohre entsprechend den Zeichen des Morsesystems. Der Versuch, dem Turm Lust durch die Sehrohre zuzuführen, gelang nicht, da die Insassen des Turmes den unteren Verschluss der Sehrohre nicht zu öffnen vermochten. Die Antworten über das Befinden lauteten zunächst gut, später ungünstiger, sodaß höchste Eile ge­boten schien. Infolgedessen sollte versucht wer­den, mit Hilfe der schon eingeschäkelten Takels eines zweiten herangekommenen Werftkranes das Hinterteil des Bootes soweit zu heben, daß der mittschiffs gelegene Turm über Wasser kam. Hierbei brachen die um das schwere vollgesogene

Hinterschiff gelegten Hebestroppen zweimal, sodaß nunmehr um 6^ -*)t abends nichts an­deres übrig blieb, als das Boot nun auch vorne auf den Grund zu senken und mit Hilfe des Vulkan" horizontal zu heben. Dies gelang um 4 Uhr 35 Min. morgens. Der Turm war trocken und von giftigen Gasen frei. Alle drei Insassen, Kapitänleutnant Ludwig Fischer, Leutnant zur See Kalbe und Torpedomatrose Rieper wurden vorgefunden, wie fie

auf ihrem Posten in ruhiger Haltung bis zu« Schluß

ausgehalten hatten. Das Benehmen der ganzen Besatzung war mustergiltig. Die zuerst geret­teten Leute beteiligten fich ohne weiteres an den Rettungsarbeiten. Menn es auch nicht gelungen ist, alle Leute der Besatzung zu retten, so ist doch die Rettung von 28 Mann und die Bergung des Bootes mit großer Freude und Genugtuung zu begrüßen. Alle an den Bergungsarbeiten Be­teiligten haben in 2ttstündiger angestrengtester und aufopferunasvollster Arbeit ihr Bestes ge­tan, um das Leben der gefährdeten Kameraden zu retten. An Tauchern standen die ausgebil­deten Ilnterfeebootstaucher und eine Ta>'cher- gruppe des Kanalamts zur Verfügung. Die ge­naue Ursache der Havarie wird sich erst im Dock feststellen lassen. Das Eindecken erfolgt am 19. Januar vormittags. Das Befinden der geret­teten Leute ist gut.

Auch aus der Mitte der Kommission wirb dem Verhalten der Besaitung höchste Anerken­nung gezollt. Von fortschrittlicher Seite wird lebhaft gegen A««lasi'""t->n b»n boi-traen ..Tag"

fie es nut? Wirklich nur, um Gräfin Rochsbetg zu heißen unb in seine Kreise eingeföhrt zu werben?

Bisher hatte Hans Rochus ziemlich gedankenlos in ben Tag hineingelebt, ohne fich Sorgen Übet bie Zukunst zu machen. Er hatte wohl längst gewußt, baß er eines Tages bem Ruin eegenüberstehen würbe, unb gleich vielen seiner Standesgenossen wat rhm eine reiche Heirat als das einzige erschienen, fich wieder statt zu machen. So war ihm Ravenpotts Vorschlag nicht so ungeheuerlich ersckienen. Es wat ihm fast angenehm gewesen, daß fich bas alle» so leicht unb spielenb machte. Nur bet Gedanke an Hilde hatte ihn bedrückt. Unb nun wat er auch dieser Sorge lebig. Aber statt nun erleichtert aufzuatmen, fing er an zu grübeln. Es wat burch alle diese Ver­hältnisse etwas in ihm wachgetufen worden, was fich nicht zum Schweigen bringen lassen wollte. Hatte er früher ernsten Eedank-n nachhär.gen wollen, dann hatte ihn sein leichtlebiger, immer zu Lust und Freud» aufgelegter Vater schnell wieder mit in den Strubel ber ßebensfreuben hineingerissen. Jetzt hatte er nie­mand mehr, der ihn feinen Grübeleien entriß. Wenn er all die Jahre nicht so toll darauf los gelebt unb auch den Vater ernster beeinflußt hätte ob be Rochsberg nicht zu halten gewesen wäre, auch ohne Ruth Ravenpott? Wenn er ben Abschied schon vor Jahren genommen unb Rochsberg selbst bewirtschaftet hätte, mit Einsatz seiner ganzen Kraft? Ob ba bet Ruin nicht aufzuhalten gewesen gewesen wäre? Der Jnspettor hatte ficherlich reichlich in seine Tasche» gewirtschaftet bet a'te wenigstens, denn für bee neuen, bet erst ein Jahr auf Rochsberg weilte, war nickt viel übrig geblieben. Wenn er fich beizest« gegen ben Untergang gestemmt hätte, bann wäre Rochsberg durch eigene Kraft zu hatte» gewesen.

(Fortsetz«g folgt.).