Ausland.
** Zur Marokkoreise König Alfons. Paris, 17. Jan. Dem „Gierte" zufolge sei es in hiesigen Kreisen unangenehm aufgefallen, dctz der zur Begrüßung des Königs Alfons nach Melilla entsandte Befehlshaber der Division von Oran, : General Tautäe. sich in seiner Ansprache gar zu vertrauensvoll über die von den Spaniern in Marokko erzielten Fortschritte, dagegen allzu vorsichtig über die von den französischen Behörden an der algerisch-marokkanischen Grenze zugewiesenen Aufgaben geändert habe. Gerüchtweise verlautet, daß der Ministerrat beschlosien habe, dem General Tout6e deshalb einen Tadel zu erteilen.
** Holland und Venezuela. Haag, 17. Jan. In einet Unterredung erklärte der Minister der Aeußern einem Amsterdamer Journalisten, daß die Antwort Venezuelas auf das Protokoll, welches als Grundlage der Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Holland und Venezuela aufgesetzt worden sei, sehr ungünstig laute. Daraufhin erbat der Abgeordnete Venezuelas, Erisanti, da die Bemühungen nicht den gewünschten Erfolg hätten, um seine Entlastung und reiste ab.
** Portugal. Lissabon, 17. Jan. Der Ministerrat beginnt morgen mit der Beratung des Wablgesetzentwurfes, der amtlich veröffentlicht werden wird.
ableiter spielen müsten. Der gute Kerl? Als Her» wandten dürste ich ihn schon ein wenig vertraulicher behandeln, als die anderen. Und da fiel es nickt so auf, wenn ich auch Wendstng gegenüber freundlich war. Kracht glaubt nur, ich habe die beiden so ausgezeichnet. weil sie seine besten Freunde sind. Mas Hans Rochus betrifft, so ist es höchste Zeit, daß er sich nach einer vermögenden Frau umsteht. Lange f -mt er Rochsberg nicht mehr halten, das ist sicher. Um ihn brauchst du dir meinetwegen keine Sorge zu machen. Ich habe die Ueberzeuoung, daß er auch nur so en passant mit mir geflirtet hat. — llebrigens bin ich erstaunt, daß er uns noch nicht wieder aufgesucht hat. Ich möchte ihn auf feden Fr" eia wenig vorbereiten. Bon anderer Seite soll er meine Verlobung rticht erfahren. In rosiger Stimmung wird er oh.« dies nickt sein."
„Wahrscheinlich nicht. Sein Vater hat es reichlich toll getrieben. Wie ein Wahnsinniger hat er in bei Tag hinein gelebt."
Hilde gähnte.
„Ach Sott, im Grunde hat er recht getan. Er hat dem Leben abgewonnen, was es h.rgebrn wollte."
„Dafür hat fein Sohn jetzt zu büßen," sagte dte Generalin weise.
Hilde wippte graziös mit den Füßen.
„Er ist ein schneidiger, eleganter Mensch, und sein Rame hat guten Klang. Ein Goldfisch dürfte nicht schwer für ihn zu fangen sein. Aber er fr* trotzdem er mit seinem Vater durch dick und dünn gegangen ist, und gleich ihm der tolle Rochsberg heißt, doch »ine schwerfällige, etwas sentimentale Ader. Vor lauter Bedenken wird er nicht zum Ziele kommen, wenn man ihm nicht ein bißchen hilft. Untz das will ich tun. Laß uns mal ein wenig nachdenken, Mama, wer für ihn in Frage käme."
(Fortsetzung folgt.)
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Erstes Blatt
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dringendste wünschen. Großbritannien strebt aber an, das südliche Stück der Bahn (Bagdad-Basra- Koweit) nicht nut unter seine finanzielle, sondern auch seine politische Botmäßigkeit zu bringen. Welcher Mittel und Vorwände die Türkei sich da zu gewar- trgen hat, dafür diene als Beispiel die jetzige Forderung der englischen Preffe: das Deutsche Reich sei Ercßbritannien „Kompensationen" schuldig, weil es sich mit Rußland über Nordpersien geeinigt habe. Diese „Kompensation" soll anscheinend darin bestehen, daß wir England gestatten, durch Besitznahme der Hafens Koweit und des SLdstLckes der Bahn, ferner Mesopotamiens, das türkische Reich zu desorganisieren, und uns selbst, um die wirtschaftlichen Flüchte langer Arbeit zu bringen. Soweit ist es denn doch wohl noch nicht!
Zweckoerband G oß-Berlin.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Vor fünfzehn Jahren packte man die Reichshauptstadt, dieses große Sammelbecken, das mit seinen Nachbarorten heute bereits zusammen — jeden zwölften Preußen beherbergt, bei ihrem Ehrgeiz. Sie sollte doch einmal den natürlichen Adoptivgelüsten nachgeben und die Nachbarschaft eingemeinden, dann zähle ft- im Handumdrehen 4 Millionen Einwohner uno rangiere gleich hinter London als zweitgrößtes Gemeinwesen der Welt. Aber die Stadtväter wehsten sich: man habe gar keine Ursache, den „Dörfern" rr ndurn den starken finanziellen Rückhalt Berlins zu gewähren. Inzwischen sind aus diesen Dörfern auch vielfach bereits Großstädte geworden und die reichen Steuerzahler bevorzugen sie als Wohnort vor dem steinernen Meer der alten City.
Die Weigerung Berlins war ein Glück für die Vororte, denn sie in ihrer musterhaften Rührigkeit wären dqhei bloj.ip den ^Lltschrittlichen" Schlendrian der Reichshauptstadt einbezogen worden, wo man zehn Jahre zum Planen einer Untergrundbahn braucht und beim Kaufe neuen Geländes von Tempelhof sich den Rang ablattfen läßt. Trotzdem ist eine Vereinheitlichung des ganzen Gebietes in gewissen Verwaltungs- und Verkehrsfragen unbedingt notwendig, denn sonst leidet die Gesamtheit der Einwohnerschaft unter den Eifersüchteleien der einzelnen Kommunen. Ist es doch schon so weit gekommen, daß Berlin droht, den Tempelhofern keinen Anschluß an die künftige Nord-Süd-Untergrundbaha zu gewähren, sondern diese nach Rixdotf abzulenkrv!
Solchen Zuständen will die Vorlage über Sckaf- fung eines Zweckverbandes Groß-Berlin ein Ende machen. Wie ein Landesdirektor in den Provinzen, s.> soll ein Verbandsdirektor in Groß-Berlin als g-- t?c hlier Beamter, über die eine Deleg'rstenver- sammlung beschließt, in der Berlin über ein Drittel Stimmen verfügt: in die übrigen Stimmen teilen sich die Nachbarstädte Schöneberg, Wilmersdorf, Ehar- lottenburg, Rixdotf, Lichtenberg, Spanbau und die Landkreise Teltow und Riederbarnim. Dar wäre also ctn Gebiet, wie es der Grafschaft London entspricht.
Zum Tätigkeitsbereich des Verbandes gehören alle Verbandsfragen, ferner die Schäftung von Frei
Dbutsches Reich-
— Bo« Kaiser. Berlin, 17. Jan. Der Kaiser fuhr heute morgen beim Reichskanzler und beim Staatssekretär des Aeußern vor.
— Abgeordneter Dr. Böhme. Frankfnst a. M. 16. Jan. Wie die „Franft. Zig." mttteUt, läßt sich der Syndikus des Bauernbundes, Abgeordneter Dr. Döhme, bei der Verteilung der Kommisfionssitze im Reichstage der nationalliberalen Partei zuzählen.
— Die „Norddeutsche A' • Zeitung" zu« 40. Jahrestage der Reichsgründung. Berlin, 17. Jan. Die „Nordd. Astg. Ztg." geben« des morgigen 40. Jahrestages der Reicksorün- duug in einem Artikel, in dem es heißt: Die Gründung war ein Abschluß, ein Anfang. Sie erfüllte alte Hoffnungen und begründet neue. Noch nie ist ein Volk in so kurzer Spanne Zeit in allen Gebieten so weit und energisch fortgeschritten wie das deutsche. Die Tatsache kann niemand leugnen, der Auaen hat. das wachsende Volk bei der Arbeit zu sehen. Doch sicherlich ist noch nie wahrend einer Periode solcher Entwicklung so viel von dem Pessimismus, der weite Volksschichten ergriffen haben soll, und von der Verärgerung über die unerträgliche Reaktion die Rede gewesen Die Nation empfindet, daß auch den Deutschen der Gegenwart, wenn auch in veränderter Form, jene Tendenz der Sonderbildung naheliegt, die die Tragik der Deutschen der Vergangenheit war und daß auch die Gegenwart des gemeinsamen Idealismus jener Zeit bedarf, deren wir heute gedenken. — Wenn der Deutsche, der am morgigen Tag die Gegenwart überblickt, mit Stolz auf die Entwicklung der Nation sehen kann, so darf doch dies Gefühl des Stolzes nicht dazu führen, daß sich die Nation in selbstgefälliger Zufriedenheit mit dem Erreichten Bescheide.
flächen und von „Lungen" für Groß-Berlin, nämlich eines Wald- und Wiesengürtels. Man kann den kleineren Gemeinden um Berlin nicht jumuten, daß sie der Hauptstadt diese Zone gratis liefern, ebenso wenig ist der Staat boju verpflichtet. Bedenklich erscheint die Bestimmung, daß auch die Baufluchtlinien fesizusetzen, Betbandssache fein soll: man greift da anscheinend zu sehr in bisherige kommunale Zuständigkeit ein. Dagegen vermissen wir die Einbeziehung der Schule in die Aufgaben der neuen Organisation. Gerade da wäre vieles auszugleichen, denn Grünewald Hai beispielsweise nur 5 Prozent, Rummelsburg 150 Prozent Schul lasten.
Spätere Geschlechter werden den Entschluß der Regierung, durch einen Zweckverband Ordnung in de- Asphaltwüste EroßBerlins zu schaffen, sicherlich segnen. Das ganze Reich, und Preußen am allermeisten, gibt fortwährend seine kräftigsten Söhne an die Hauptstadt ab und hat daher ein lebhaftes Interesse daran, daß hier menschenwürdige Zustände ge- schatsen und erhalten werden. Vor allem muß den Bewohnern das nötige Bischen Atemlust bleiben.
Wir verlangen von den Unzufriedenen nicht Zufriedenheit: beides, Zufriedenheit und Unzufriedenheit, sind unproduktiv: zwischen beiden liegt das Leben mit feiner Hoffnung, seiner Arbeit und seiner Forderung rastlosen Mühens und das Wohl der gegenwärtigen wie der kommenden Deutschen.
— Der Dienst im Unterseeboot. Unsere Marinebehörde versteht zu schweigen, wie ein Trappist. Während in anderen Staaten die Unterseeboote Gegenstand der öffentlichen Besprechung sind und keine Fahrt machen können, ohne daß die Presse spaltenlang berichtet, ist bei uns in aller Stille die erste Division dieser unheimlichen Fahrzeuge in den Dienst gestellt worden und hat bisher ohne einen einzigen Unfall geübt. Nun kommt zum ersten Mal die Kunde von einem ernsten Unfall, nachdem Engländer und Franzosen schon wiederholt Katastrophen erlebt haben. Der Dienst auf den Unterseebooten ist besonders schwer, und das wird durch .eine täglich Zulage von iy2 M an jeden Mann der Besatzung anerkannt. Man schaut aber auch täglich dem Tode dafür ins Antlitz. Nur auf freiwillige Meldung hin wird man kommandiert,' es handelt sich also immer um die Beherztesten der Beherzten.
Marburg
Donnelsiag, 19. Januar
1911.
Bagdaddahn und kein Ende.
Man hat als wahrscheinlich bezeichnet, daß die deutsch-russischen Abmachungen England Anlaß geben würden, um eine Bagdadbahn-Berständigung mit dem Deutschen Reiche zu erlangen. So ist es auch gekommen: die englische Presse ist voll davon. In den süßesten Tönen schmeichelnder lleberredung legt sie unc nahe, daß es tatsächlich gar keinen geeigneteren Augenblick zur „Verständigung" geben könne. Deutschland möge ihn aber benutzen, ehe es „zu spät" sei, denn man könne dies sonst doch wohl eines Tages bereuen. Die Bagdad und das mit ihr zusammenhängende Gebiet bilde tatsächlich die einzige wirkliche „Frage", die einzige Konfliktmöglichkeit ziv' Großbritannien und dem Deutschen Reiche. In ö>e,e. Weise und stets in dem schon von Bismarck bemerkten vormundshaften Ton geht es weiter, und ein Ergebnis ist schon, daß unsere freisinnige Presse sich sehr befriedigt zeigt und meint, man dürfe nicht zögern, die so gebotene Brüderhand freudig und schleunig zu ergreifen.
Die „Norddeutsche Allgemein« Zeitung" ist glück kicherwelse anderer Ansicht. Sie erklärte vor wenigen legen in einem kurzen Entrefilet, die Bagdadbahn gehöre dem türkischen Reiche, und deutete gleichzeitig cm, es sei deshalb nicht wohl möglich, daß zwei andere Mächte sich über türkisches Eigentum, auf türkischem Gebiete sich „verständigten". Wir freuten uns aufrichtig der Auffassung unseres auswärtigen Amtes, wie sie sich in jenen Sätzen ausgesprochen hat: das ist ein Ton, den man in der Epoche Bülow und Schön nicht vernahm. Das Deutsche Reich hat tat« fkcklich keinen Anlaß, das Unternehmen der.Bagdadbahn auf diese Weise bet Türkei gegenüber zu diskreditieren, und seine Beziehungen zur Türkei damit zu beeinträchtigen. Die Bagdadbahn ist kein politisches Unternehmen des Deutschen Reiches und soll auch keines sein. Unter dem deutschen Gesichtspunkt« betrachtet sind die Gründe, wie die Zwecke lediglich wirtschaftlicher Natur, und die Reichsregierung unter« stützc das Unternehmen (welches bekanntlich in den Händen der Deutschen Bank liegt) nach dem Prin- zipe, das jede Regierung zur Unterstützung wichtiger und wirtschaftlichen Gewinn verheißender Privat- un'etnehmen verpflichtet. Je umfangreicher ein derartiges Unternehmen ist, je größer Unkosten und Risiko, je nötiger diplomatische Verhandlungen und Schuh gegen auswärtige Konkurrenz, dello stärkeren Rückhalt mnß die Regierung dem betreffenden Privatunternehmen angedeihen lassen. Daß die Gewährung solchen Schutzes auch g-mtffe Grenzen hat unb immer haben muß, ist selbstverständliich: bie politischen Unkosten unb Risiko bfitfen bie gleichen für bie Privatunternebmer bestehenden Faktoren nicht übersteigen. Dieser Maßstab ist vnbebingt unb immer gültig!
Die Bagdadbahn wird eine türkische Bahn sein und immer bleiben: finanziell steht sie unter deutscher Führung, und daß sie das bleibt, muß man aufs
Tic „Lberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die ^oft bezogen 2.25 Jl (ohne Seftetlgelb), bei unseren 3etUngsfteüen und de: ExpMtion (Marti 21), 2.00 M frei ins Haus (Für unver- lanqt zugescmbte Manuskripte übernimmt bie Redaktion kernerlei SGcrantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerer I. «. Koch, (Inh..
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12 (Nockdriick verboten.)
Der Alle See
Roman von H. Courth»-Mahler.
< Fortiehung.i
Ruth hatte starr und still oben im Wohnzimmer em Fenster gesessen, mit zusammengepreßten Händen unb schmerzverzogenem Mund. Sie sah ihn aus dem Hause treten und bog sich hastig zurück. Er dachte aber nicht daran, hinaufzusehen.
Ein schwerer Seu'zer entfloh ihrer Brust. Sie preßte aber die Lippen aufeinander, als wollte sie selbst diesen Zeugen einer inneren Erregung ersticken. Ruth Ravenport war zu sehr gewöhnt, in allen Lebenslagen äußerlich ihre Haltung zu bewahren. Sie kannte nicht die Wohltat, die Tränen und Seufzer einem bedrückten Herzen gewähren.
Rach einer Weile erhob sie sich, um ihr Zimmer aufzusuchen. Erst mußte sie draußen aber noch Fräulein Hebenstreit standhaften, die dem Sturm von Empfindungen Luft machen wollte, ber sie erschütterte. Endlich war Ruth allein — dte Tür ihres Zimmers hatte sie hinter sich geschlossen. Sie stand eine Weile mit schlaff herabhängenden Armen tn der Mitte des mäßig großen Raumes. Dann ging sie langsam bis zum Fenster vor, wo ein kleiner Schreibtisch stand. Sie ließ sich schwer und müde daran nieder unb begann zu schreiben. Erst langsam, zögernb — bann immer schneller unb fließender. Unb was sie schrieb, schien ihr Beftiebigung unb Ruhe zu bringen. Ihr Gesicht verlor ben starren, schmerzlichen Ausbruck. Wie Mer Friede tag es auf ihren Zügen.
Die Witwe des Generals Sontheim faß mit ihrer Tochter Hilde in dem kleinen, elegant eingerichteten Salon ihrer sonst sehr bescheidenen Mietswoh- Wung, unb blätterte lässig in bet Modenzeitung. Hilde ■ fag graziös in einem Sessel geschmiegt, tippte die I
rosigen Fingerspitzen gegeneinander .und sah auf ihre schmalen, elegant bekleideten Füßchen herab. Zuweilen gähnte sie herzhaft uno ungeniert, was ihr jedesmal einen unwilligen Blick ihrer Mutter eintrug. „Du bist schrecklich gleichgültig, Hilde. Sieh dir doch mal die neuesten Moden an."
Hilde strich sehr ungeduldig an ihrem sehr eleganten schwarzen Kostüm herab.
„Ach laß doch, Mama. Anstandshalber müssen wir doch jetzt einige Wochen Trauer tragen um Hans Rochus' Vater. Er ist zur Unzeit gestorben — gerade zu Beginn der Wintersaison."
„Ja — unb außerdem hindert uns dieser Todesfall schon jetzt deine Verlobung bekannt zu geben. Es ist recht fatal."
„Wir wollen nicht murren. W t weiß, ob Kracht so schnell seine ängstliche Zurückhaltung aufgegebe.-' hätte, wäre ich ihm nicht troftbebnrftig erschienen. Daß ich auf ber Heimfahrt von Rochsberg weinte, loste ihm bie Zunge." Sie lachte leise auf.
Die Generalin seufzte befriebigt.
„Gottlob, Hilbe, daß du vernünftig warst. Ich hatte eine furchtbare Angst, daß du ihn abweisen würdest, ober dich in irgend eine aussichtslose Liebelei verstticki hättest. Solch eine glänzende Partie bietet sich dir nie wieder."
Hilde lachte wieder mit spöttiisch verzogenem Munde.
„Aber Mama — ich bin doch kein Wickelkind! Wie konntest du nur an meiner Vernunft zweifeln. Ich weiß doch, daß ich reich heiraten muß. Auf Kracht hatte ich es schon längst abgesehen. Er ist nicht nur der vermögendste von allen heiratsfähigen Männern aus unseren Kreisen, sondern sieht auch ganz patent und schneidig aus. Ein großes Licht ist er ja nicht, dafür wird er ein sehr bequemer Ehemann werden. Unb ich will auch als Frau bas Leben genießen, bas versichere ich dir."
„Kannst du ja auch, Hilde. Du kommst gottlob in glänzende Verhältnisse. Ich bin so froh darüber.
Weißt du, ich hatte Angst, du hättest dich mit Han- Rochus oder mit Wendling zu stark engagiert, die beiden waren ja nicht von deiner Seite zu bringen.
Hilde zuckte lässig die Achteln.
„So ein bißchen Flirt gebärt zum Amüsement."
„Menn sich aber Kracht dadurch hätte abschrecken lassen?"
Die junge Dame zupfte mit selbstgefälligem Lächeln die lockeren Hatwellen etwas tiefet in die Stirn unb warf bann ben Kopf zurück.
„Ich bitte bich, Mama — Kracht saß fest — das wußte ich genau. Unb »in bißchen Eifersucht spornt das Begehren. Ich mußte ihn etwas aufmuntern. Er besann sich reicklich lange unb war mit gegenüber viel zu schüchtern."
„Unb was werben die beiden anderen zu deiner Verlobung sagen?"
f>irbe zog die Stirne kraus und seufzte. „Ganz ehrlich, Mama. Wendling hätte mit gefährlich werden können. Ich mochte ihn sehr, sehr gern. Und et war rein toll vor Liebe. Aber ich hab' ihn unb mich zur Vernunft gebracht. Es war nicht leicht, bas kannst bu mit glauben. Aber er unb ich, bas geh' doch nicht. Et bekommt von einem Onkel aus Gnade und Barmherzlakeit feinen mageren Zuschuß. Da dieser Oheim selbst einen Sohn hat, ist an eine Erbschaft nicht zu denken. Also wat eine Verbindung zwischen uns ganz ausgeschlossen. Und das sah et ein, so gut wie ich."
„Es wäre am besten, er ließe sich versetzen."
Hilde seufzte und machte melancholische Augen.
„Das wird et auch wohl tun. Ach Gott — ein lieber Mensch ist er schon, und leicht ist es mir nicht geworden, ihn aufzugeben."
„Und Hans Rochus? Mir schic", als hätte der auch Feuer gefangen. Ausgezeichnet hast du ihn ebenfalls sehr."
Hilde lachte.
„Weißt du, Han« Roch« hat so ein wenig Blitz-